Kreative Artikel zum Thema Quilten

Januar 2012 im BERNINA Kalender

Da ist es – das Kalenderblatt Januar 2012:

Das Kalenderblatt für den Monat Januar 2012 präsentiert einen Ausschnitt aus „Enjoy freedom“, einer Arbeit aus dem Jahr 2011 von Martha Roggli aus Hilterfingen am Thunersee (Schweiz). Diese Arbeit ist insgesamt nur 21 cm x 30 cm gross und so muss man sich vorstellen, dass das Patchwork in Paperpiecing-Technik mit kleinsten Teilen nach eigenem Entwurf konstruiert und ausgeführt worden ist.

„Enjoy freedom“ besticht sowohl durch die Ausführung als auch durch die Aussage und wurde daher als Logo für die Ausstellung „Textile News: Freiheit • Liberté • Freedom“ ausgewählt.

Martha Roggli sieht in der Form der Spirale ein Symbol für die Entwicklung und Freiheit unseres Lebens, einer Entwicklung in Grenzen, die sich aber zusammen mit der Spirale öffnet. Auch ihre zweite, für diese Ausstellung akzeptierte Arbeit mit dem Titel „Path to freedom“ (2011) zeigt eine Spiralform, die aber in gänzlich anderer, nämlich einer Flechttechnik gearbeitet ist:

Betrachtet man das Gesamtwerk der Künstlerin, ist es unübersehbar, dass sie ein Faible für Spiralen hat.

1996 entsteht „Nautilus“, ein 124 cm x 134 cm grosser Patchwork-Quilt, mit dem Martha Roggli besonders erfolgreich ist: „Nautilus“ wurde beim 2ème Carrefour Européen du Patchwork im Val d’Argent in Ste Marie-aux-Mines (F) 1996 und zwei Jahre später bei der Quilt Expo VI in Innsbruck (A) im Kunstpavillon Tirol und im Textilmuseum Max Berk, Heidelberg (D) in der Ausstellung „Quilt Art from Baroque to Avant Garde“ gezeigt:

Der Spirale, einem uralten heiligen Symbol für die Schöpfung, begegnet man in der Natur überall. Martha Roggli greift dies in ihren Werken immer wieder auf. Werfen Sie einen Blick auf  ihre variantenreichen Umsetzungen und Interpretationen verschiedenster Themen:

“Andromeda”, 1998, 114 cm x 132 cm (oben)

Der Entwurfsprozess nimmt den höchsten Stellenwert ein. Martha Roggli nimmt sich dafür viel Zeit und zeichnet sorgfältig alle Einzelteile auf Millimeterpapier, transferiert dies mit Hilfe des Druckers auf Stickvlies, das nach dem Nähen wieder entfernt wird.

“Flug des Ikarus”,  2000, 119 cm x 143 cm (oben)

“Infinity”,  2003, 86 cm x 104 cm (oben)

Farben spielen eine weitere wichtige Rolle und eine Vorliebe für Blautöne ist nicht zu übersehen.

“Herbstwind”,  2004, 103 cm x 123 cm (oben)

“Feuerwerk”,  2005, 102 cm x 102 cm (oben)

Martha Roggli wächst in einer “textilen Umgebung” auf: Ihr Vater war Handweber, ihre Mutter Handarbeitslehrerin.

“Blockbuster”,  2006, 105 cm x 105 cm (oben)

1974 reist die angehende Primarlehrerin nach Griechenland, nimmt auf der Insel Levkas an einem Entwicklungshilfeprojekt teil und hilft dort Bergbauernfamilien beim Wiederaufbau der Handweberei. Während ihres halbjährigen Aufenthalts auf der Insel lernt sie auch ihren späteren Mann kennen, der hier für die elterliche Firma Pflanzensamen produziert.

“Rondo romantico”, 2010, 116 cm x 102 cm (oben)

Vor ihrer Heirat und der Geburt ihrer drei Kinder ist Martha Roggli als Primarlehrerin tätig. Mitte der 1980er Jahre besucht sie einen ersten Kurs und beginnt mit Patchworkarbeiten. Nach einem Jahr beschliesst sie, eigene Wege der Gestaltung zu gehen. Sie beschäftigt sich weiterhin gerne mit Schablonen und geometrischen Mustern und experimentiert. Die Ergebnisse spiegeln ihre Begabung wider und die Erfolge geben ihr Recht.

“Charm Quilt”, 2000, 128 cm x 130 cm (oben)

Gerne beteiligt sie sich an Wettbewerben und stellt sich der Herausforderung, sich zu vorgegebenen Themen oder Grössen etwas einfallen zu lassen. Martha Roggli geht mit offenen Augen durchs Leben und hält ihre Inspirationen als Zeichnungen oder Fotos fest.

“Spiegelnde Wellen”,  2004, 102 cm x 98 cm (oben)

Im Durchschnitt stellt Martha Roggli eine Arbeit pro Jahr fertig. Das hängt auch mit der Insel Levkas zusammen, die für die Familie zu einer zweiten Heimat geworden ist. Drei- bis viermal im Jahr reist man hierher, um sich um den Samenanbau zu kümmern, aber auch die Weber werden besucht. Tatkräftige Mithilfe steht für Martha Roggli ausser Frage, aber auch Ruedi Roggli unterstützt seine Frau mit Rat und Tat. Das gegenseitige Interesse für Leben und Arbeit des Partners kommt aus tiefstem Herzen.


“Mondscheingarten”, 2006, 101 cm x 93 cm (oben)

Martha Roggli interessiert sich für vieles und weiss, was sie will. Sie setzt Prioritäten. Haben ihr früher die Patchworkkurse, die sie für Erwachsene und noch viel lieber für Kinder gab, sehr viel Freude gemacht, so investiert sie heute ihre Zeit lieber in eigene Projekte und erteilt keine Kurse mehr. Und es widerspricht auch ihrem Selbstverständnis als Künstlerin, ihre Muster, die als eigene Designs entstehen, anderen zum Nacharbeiten zur Verfügung zu stellen. Hingegen nimmt sie sehr aktiv am Leben von verschiedenen Quiltgruppen teil.

“Boléro”,  2008, 100 cm x 100 cm (oben)

Martha Rogglis Vorliebe liegt eindeutig bei der modernen Patchwork-/Quiltarbeit. Hat sie bis 2005 alle ihre Werke mit der Hand präzise gequiltet, entstehen nun Arbeiten, die sich durch ein virtuoses frei geführtes Maschinenquilting auszeichnen. Ein Beispiel dafür ist „Arktica“ (101 x 104 cm), eine Arbeit in Schicht- und Schnitt-Technik, mit der sie 2009 für die Ausstellung EXNA IV – Patchwork contemporain suisse et européen angenommen wird. Diese Exzellenzschau findet 2010 im Musée d’art et d’histoire in Neuchâtel (CH) statt und wirkt wie ein Publikumsmagnet – die Besuchermassen sind begeistert.


Ich selbst lerne Martha Roggli persönlich kennen, als ich den 3. von mir organisierten Wettbewerb „Textile News“ 2009 anlässlich des Swiss Quilt Festivals in Solothurn (CH) eröffne.

Sie beteiligt sich an dieser Ausstellung mit zwei kleinformatigen Arbeiten, „Spuren I“ und „Spuren II“ (je 21 cm x 30 cm).

Vor allem „Spuren II“ erregt bei den Ausstellungsbesuchern grosse Aufmerksamkeit. Die Künstlerin erzählt mir, dass sie ihre Wanderschuhe auf den Kopierer stellte, um ein Abbild ihrer Schuhsohlen zu erhalten und setzt dieses dann phantasiereich und technisch perfekt um.

„Textile News“ wandert über zwei Jahre quer durch Europa und überall haben die Besucher die Möglichkeit, für ihre Lieblingsarbeit eine Stimme abzugeben. Mit überwältigender Mehrheit wird „Spuren II“ zum Publikumsliebling gewählt. Sie freue sich sehr über die Anerkennung und den Gewinn in Form eines kleinen Geldpreises. Die Euros werde sie auf der Insel Levkas gut gebrauchen können, meint sie. „Dies macht mich schon ein wenig stolz“, schreibt mir Martha Roggli, „und es ist mir weiterhin Ansporn, neue Quilts zu gestalten“.

Vor allem in Bezug auf Design und Anwendung alternativer textiler Techniken will sich Martha Roggli weiterentwickeln. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass ihr die Ideen nicht ausgehen und wir noch viele exquisite Quilts von ihr zu sehen bekommen werden. Lassen wir uns überraschen!

Zu den von mir organisierten Wettbewerben „Textile News“ und „Textile News: Freiheit“ gibt es jeweils einen Ausstellungskatalog auf CD, der bei mir erworben werden kann. Nähere Info: www.quiltsundmehr.de

Fotos:
Martha Roggli beim Swiss Quilt Festival sowie die Ausschnitte aus den Ausstellungs-CDs (Enjoy freedom, Path to freedom, Spuren I und Spuren II): Dr. Wolfgang Heinz,
alle anderen Aufnahmen freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Zum Titelblatt 2012 – Gudrun Heinz (D): www.blog.bernina.com/de/2011/12/titelblatt-des-bernina-kalenders-2012/

Zum Kalenderbaltt Februar 2012 – Ineke Berlyn (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/02/februar-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt März 2012 – Elisabeth Graf (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/03/marz-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt April 2012 – Lisette Haak (D): www.blog.bernina.com/de/2012/04/april-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Mai 2012 – Rita Merten (CH): http://blog.bernina.com/de/2012/05/mai-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Juni 2012 – Tatyana Ishkaraeva (RUS): http://blog.bernina.com/de/2012/06/juni-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Juli 2012 – Alicia Merrett (UK): http://blog.bernina.com/de/2012/07/juli-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt August 2012 – Annakäthi Iseli-Gfeller (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/08/august-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt September 2012 – Frieda Oxenham (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/09/september-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt Oktober 2012 – Margaret Ramsay (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/10/oktober-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt November 2012 – Inga Sauciuniene (LT): www.blog.bernina.com/de/2012/11/november-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt Dezember 2012 – Monika von Hörde (D): www.blog.bernina.com/de/2012/12/dezember-2012-im-bernina-kalender/

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