Kreative Artikel zum Thema Quilten

18. EPM 3

Zu Beginn dieser Folge meiner Ausstellungsberichte über das 18. Europäische Patchwork Meeting möchte ich mich der von mir kuratierten und organisierten Ausstellung “Zeichen der Zeit” widmen. Es ist eine besondere Ausstellung, zu der ich 30 Textilkünstlerinnen aus verschiedenen europäischen Ländern eingeladen habe. Wie kam es dazu?

Die Krankheit “Demenz”, unter der meine Mutter litt, veranlasste mich vor einigen Jahren, mich mit den schwindenden Erinnerungen, die diese Krankheit kennzeichnen, in einem Quilt auseinanderzusetzen, der bei dem 2009 von patCHquilt ausgeschriebenen internationalen Wettbewerb “Gestern-Heute-Morgen” mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde. Diese Arbeit berührte nicht nur viele Ausstellungsbesucher persönlich und veranlasste sie dazu, sich darüber zu äussern, wie wichtig sie es finden, dass eine Thematisierung stattgefunden hatte, sondern gab auch den Anstoss dafür, diese Ausstellung „Zeichen der Zeit“ zu initiieren.

Betrachtet man die wichtigen Ausstellungen der letzten Zeit, so wird deutlich, dass es häufig darum geht, aufzurütteln, ein Signal zu setzen, ein Tabu zu brechen, in Erinnerung zu rufen, persönlicher Erfahrungen umzusetzen – die Arbeiten von Textilschaffenden aus dem In- und Ausland sind vertreten und reflektieren diese „Zeichen der Zeit“.

Der Veranstalter des Europäischen Patchwork Meetings war dankenswerterweise dazu bereit, Ausstellungsraum zur Verfügung zu stellen. Unendlich viele Besucher fanden den Weg zum Espace exposition in Ste Croix-aux-Mines. Obwohl manchmal fast kein Durchkommen mehr war, fanden auch diesmal wieder sehr viele Gespräche zwischen den Besuchern und mir bzw. den zeitweise anwesenden Künstlerinnen statt.

Dank der dreisprachigen Schilder, die auch die Statements der Künstlerinnen beinhalten, stiessen die Exponate auf sehr, sehr grosses Interesse. Zum Beispiel der Blick in die Vitrine:

Präsentiert wird hier die Arbeit “Slow Down 2010” von Ursula Gerber Senger (CH), die komplett aus Metall, nämlich Bronzegewebe gefertigt ist. Unter Hitzeeinwirkung gelingt es der Künstlerin, das Metall in ästhetische Formen zu verwandeln und dem an sich starren Material unglaubliche Leichtigkeit und Eleganz zu verleihen – der Gegensatz von Material und Form schlechthin. Ein weiterer Gegensatz kommt noch hinzu, nämlich die Aussage, dass es geboten ist, unser von Hektik und Zeitdruck immer mehr bestimmtes Leben zu entschleunigen.

Arbeiten mit künstlerischen Statements zu einem bestimmten, z.B. gesellschaftlich-politischen Themenkreis sind keine Modeerscheinung, so dass nicht alle Arbeiten neu und speziell angefertigt wurden. Sie sind und bleiben aktuell, um so mehr, als sich Künstlerinnen wie beispielsweise Mirjam Pet-Jacobs (NL), Gabi Mett (D), Barbara Blattl (A), Judith Mundwiler (CH) oder Aina Muze (LV), um nur einige zu nennen, durch ihr bisheriges Schaffen auszeichnen.

Unten ein Detail aus dem Applikationsquilt “Demenz”:

Gudrun Heinz (D): Demenz (Detail)

Zeichen der Zeit” wird noch beim Prague Patchwork Meeting, das im April 2013 in Prag (CZ) stattfinden wird, gezeigt. Weitere Ausstellungsorte befinden sich in Planung. Das Projekt wird freundlich unterstützt von BERNINA International AG.

Ebenfalls Platz in der Halle fanden 24 Quilts des renommiertesten Wettbewerbs in Japan, der von Nihon Vogue zum 11. Mal organisiert wurde. Oben im Bild: Reiko Sato: Stripes and Kasuri Harmony (140 x 120 cm)

Harue Konishi: Syo (131 x 134 cm)

Kayoko Ueno: Fern Forest (206 x 198 cm) rechts vorne

Mikiko Misawa: Grassland (220 x 190 cm) links hinten

Yoshiko Kurihara: Jam Session (172 x 221 cm)

Quilts und Stickerei in der Provence des 18. und 19. Jahrhunderts umfasst die Collection von Monique Alphand

… zu der auch entzückende Puppen- und

… Babykleidung gehören.

Europäischer Ehrengast war die Tschechische Republik, unsere direkten Nachbarn in der Halle.

Jana Duskova: Dear Jane (216 x 216 cm) oberes Bild, Mitte

Über 30 Künstlerinnen waren mit Arbeiten aus den letzten 10 Jahren in diesem Überblick vertreten, liessen die Qualität und ihre Entwicklungen erkennen und stellten unter Beweis, dass sie eindeutig zur europäischen Quiltszene gehören.

Jana Etzlerova: Jezek v kleci (105 x 105 cm) Detail

Zum Abschluss noch ein weiteres Highlight im Espace Exposition von Ste Croix: Aus den umfangreichen Textil-Sammlungen des JüdischenMuseums in Prag präsentierte diese Ausstellung 18 ausgewählte synagogale Textilien aus dem 18. und 19. Jahrhundert: Mit Patchwork, Applikationen, Spitzen, Seiden- und Goldstickereien wurden z.B. Tora-Mäntel verziert. Einzigartig auch deshalb, weil diese Stücke das Museum in Prag noch nie vorher für eine auswärtige Ausstellung verlassen haben. Foto mit freundlicher Erlaubnis von Dana und  Magda Veselská, www.jewishmuseum.cz

Zum ersten Bericht über das 18. Europäische Patchwork Meeting: www.blog.bernina.com/de/2012/09/18-epm-1

Zum zweiten Bericht über das 18. Europäische Patchwork Meeting: www.blog.bernina.com/de/2012/09/18-epm-2

Zum vierten Bericht über das 18. Europäische Patchwork Meeting: www.blog.bernina.com/de/2012/09/18-epm-4

Zum fünften Bericht über das 18. Europäische Patchwork Meeting: www.blog.bernina.com/de/2012/11/18-epm-5

Fortsetzung folgt!

Fotos: Gudrun, Wolfgang und Valerie Heinz

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