Kreative Artikel zum Thema Quilten

Oktober 2012 im BERNINA Kalender

Da ist es – das Kalenderblatt Oktober 2012:


Das Kalenderblatt für den Monat Oktober 2012 präsentiert einen Ausschnitt aus “Sometimes chains are just shadows“, einer der beiden Arbeiten aus dem Jahr 2011, mit der Margaret Ramsay (UK) an der von mir organisierten Ausstellung „Textile News: Freiheit“ teilnimmt.

Sie schreibt dazu:

“Als ich meine Fotos auf der Suche nach dem Bild einer Kette durchsah, fand ich diese iranische Tür, wo die offenen Riegel einen Schatten werfen, der einer Kette ähnlich sieht. Selbst auferlegte Zwänge hindern uns daran, unser volles Potenzial zu entfalten.”

Margaret Ramsay nahm damit und mit einer zweiten Arbeit, die ich weiter unten noch vorstellen werde, zum ersten Mal an einem der von mir organisierten Wettbewerbe teil. Seither stehen wir in losem Kontakt und ich lernte Margaret bei der Ausstellungseröffnung von “Textile News: Freedom” beim Festival of Quilts 2011 in Birmingham (UK) persönlich kennen.  Eine wirklich sehr sympathische Teilnehmerin! Vor einiger Zeit auf die Vorstellung des Kalenderblatts angesprochen, reagierte Margaret prompt und stellte mir ausführliche Informationen über sich selbst und ganz viele Fotos zur Verfügung. Lesen Sie bitte das Künstlerporträt (auf Englisch) mit vielen weiteren Fotos auf meiner Website

Lassen wir Margaret also selbst zu Wort kommen:

“Ich wuchs mitten in Stoffen auf. Meine Mutter lehrte mich Sticken, Quilten und wie man Stofftiere und anderes Spielzeug aus Stoff anfertigt und dazu gehörte auch das Nähen von Kleidung. Ich half, ihre Stoffe zu sortieren, bevor ich je einen Stich genäht hatte, was dazu führte, dass ich Stoffqualitäten durch Fühlen unterscheiden konnte.

Margaret Ramsay: Three Journals (2010)

Immer wurde sie gefragt: „Näht denn eure Margaret?“, worauf die Antwort immer lautete: „Nein, aber sie liebt Stoff und sie hat ein gutes Gefühl für Farben.“ Ich liebe Farben und habe ein sehr gutes Farbgedächtnis. Ich kann mir Farben merken wie andere Leute Melodien oder Gedichte.

Margaret Ramsay: Fossil Cliff

Schon immer habe ich gerne gemalt und gezeichnet und ich hatte Kunst als Leistungskurs in der Schule. Man riet mir zu einem Kunststudium. Doch meine Interessen im Bereich Umwelt und Biologie waren stärker, so dass ich Botanik und später Biotechnologie studierte. In meiner freien Zeit konnte ich malen, umgekehrt wäre das nicht möglich gewesen. Ich habe diesen Entschluss nie bereut und baute mir so eine Karriere als Wissenschaftlerin auf, während ich meine Fähigkeiten und mein Können im Bereich Kunst weiterentwickelte.

Margaret Ramsay: Tunisian Door (2010)

Ich meine, dass ich das Beste der beiden Welten habe und ausserdem, dank meiner Arbeit bei den Royal Botanic Gardens in Kew, geniesse ich auch das Privileg, viel reisen zu können. Ich denke, mein wissenschaftlicher Hintergrund versetzt mich in die Lage, bei meinen textilen Arbeiten sowohl effektiv und methodisch vorzugehen, als auch immer die Frage zu stellen: „Was wäre, wenn …?“

Margaret Ramsay: Erg Chebbi

Als ich dann tatsächlich vor über 30 Jahren zu nähen anfing, war dies Patchwork und meine Mutter lehrte mich das Handquilten. Ich liebe es – ein einfacher Stich, der die Textur des Stoffes verändert und der sanfte Rhythmus, der auf mich sehr beruhigend wirkt.

Margaret Ramsay: Tideline (2009)

Von Anfang an arbeitete ich lieber nach eigenen Ideen. Mein grösstes Projekt war ein Bettquilt. Mittelalterliche Fussbodenfliesen bildeten die Grundlage für mein Muster. Ganz aus handgebatikten Stoffen und handgequiltet, es dauerte sieben Jahre, um ihn zu vollenden! Dann wechselte ich zu Wandquilts nach Fotos und Zeichnungen von meinen Reisen. Mir ist es sehr wichtig, meine eigenen Bilder und Erfahrungen zu verarbeiten.

Margaret Ramsay: Combined Vistas (Journal Quilts 2009)

Obwohl ich mehrere Kurse zu den verschiedensten Themen besucht habe, bin ich Autodidaktin und durch meine Erfahrung entwickelte ich einen Sinn dafür, was ich wie am besten erreichen kann (ich bin selbst meine strengste Kritikerin).

Margaret Ramsay: Boats at Pinmill

Ich bewundere die Quilts von Edrica Hews, Jo Budd, Dorothy Caldwell, Pauline Burbidge, Anne Worringer, Elizabeth Barton, Elizabeth Brimelow, Deidre Adams vor allem wegen der Bildsprache, des Gebrauchs von Stoff und Farben und wegen des Einsatzes der Quiltstiche als zusätzlichem Stilmittel.

Margaret Ramsay: Painted Doors (2009)

Aber ich denke, noch mehr beeinflussen mich nicht-textile Kunstwerke, da ich sehr gern und so oft wie möglich Kunstgalerien und Ausstellungen besuche. Aktuell mag ich:

Ian McKeever, Barbara Rae, Kurt Jackson, Victor Pasmore, Mark Rothko, Gerhard Richter, Nicholas de Stael, Anselm Kiefer und schon immer waren Paul Klee und Pierre Bonnard meine Favoriten. Die meisten dieser Künstler eint die Wahl der Farben und die abstrakte Umsetzung von Landschaften.

Margaret Ramsay: Lunaria (2009)

Wenn ich Ferien mache oder auf Geschäftsreisen bin, sind mein Skizzenbuch und ein kleiner Aquarellfarbkasten immer dabei. Ich versuche auch immer, wenigsten einmal im Jahr einen „Malurlaub“ zu machen (z.B. mit Acrylfarben am Meer). Seit vielen Jahren sind die Zeichnungen, Malereien und Fotos, die immer weniger werden, Inspirationsquellen für meine textilen Arbeiten. Ich versuche, den Spirit der von mir besuchten Orte einzufangen. Wenn ich mir die alten Skizzen anschaue, fühle ich mich sofort zurückversetzt in die Stimmung, die Atmosphäre und ich erinnere mich, mit wem und was ich tat. Und ich hoffe, dass davon auch etwas in meinem Werk zu spüren ist!

Margaret Ramsay: Rules the Waves (2012)

Ich liebe das Meer, Meereslandschaften und die Natur. Viele Leute wundern sich, wie wenige Pflanzen ich in meinen Arbeiten darstelle, immerhin bin ich ja Botanikerin. Aber ich bin so daran gewöhnt, sie genau darzustellen, so dass dies der Grund dafür ist, es erinnert mich zu sehr an meine Arbeit.

Margaret Ramsay: Rich as Honesty (2010)

In meinen frühen Werken stellte ich meine Skizzen mit kommerziellen oder handgefärbten Stoffen, auch mit Seidenmalerei dar, benutzte die Stoffe als meine Farbpalette und liess mich oft von den Stoffen leiten.

Margaret Ramsay: More Light and Shadow (2011)

Mein Durchbruch kam 1997, ich kaufte mir eine BERNINA Nähmaschine, die mir Möglichkeiten für das Maschinenquilten eröffnete (bis dahin benutzte ich eine Singer Tretmaschine) und 2003 kam ein PC dazu. Gleichzeitig begann ich, Journal Quilts zu fertigen. Das kleine A4-Format war ideal, um neue Sachen auszuprobieren, z.B. Stoffe mit Hilfe des Computers zu bedrucken. Journal Quilts mache ich nun schon seit zehn Jahren, mit wechselnden Herausforderungen sind das über 200 kleine Quilts!

Margaret Ramsay: Red Boats (Journal Quilts 2012)

Meine Hochzeit und ein Umzug hatten ebenfalls grossen Einfluss. Nun habe ich ein grosses Studio und einen Wintergarten zum Malen und für feuchte Techniken. Das heisst, ich bin viel produktiver und kann auch die kürzeste Zeit ausnützen, um etwas zu arbeiten.

Margaret Ramsay: Serifos Storm

Nachdem ich einen Acryl-Malkurs besucht hatte, begann ich zu überlegen: “Was passiert, wenn …?“ und liess mich nicht mehr so sehr von meinen Skizzen inspirieren. Stattdessen malte ich direkt auf den Stoff. Ich testete verschiedene Stoffe auf alten Quilt-Probelappen, auf denen ich verschiedene Nähtechniken ausprobiert hatte und stiess auf afrikanische Stoffe. Je dicker, je besser. Wenn man über die Stiche malt und die Farbe durch die Einstichlöcher auf den untergelegten Stoff durchläuft, ist das einfach Magie!

Margaret Ramsay: Serifos Storm (Detail)

Mir machen die Anfertigung und die Lösung von Problemen genauso viel Spass wie das fertige Werk. Ausser mit Indigo färbe ich meine Stoffe nicht selbst. Ich verwende gekaufte (auch afrikanische und japanische) Stoffe am liebsten auf neue und unerwartete Art und Weise und erweise alten Textilien, wie antiken Quilts die Ehre durch eine Art von „Wiederverwendung“. Ich liebe es, Stoffoberflächen durch Stiche und Acrylfarbe zu verändern. Ich mag sowohl Maschinen- als auch Handquilting, weil sie verschiedene Eigenschaften haben.

Margaret Ramsay: Doors (Journal Quilts 2009)

Mit Malerei kann man Farbtöne und Formen subtiler und präziser darstellen als mit Faden und Stichen. Auf bestickten und texturierten textilen Hintergründen zu malen, ist viel spannender als auf Papier oder Leinwand. Es ist schwer vorhersehbar, wie die Farbe von den unterschiedlichen Textilien aufgenommen wird und sehr interessant, wie der Stoff durch die Farbe hindurch schimmert.

Margaret Ramsay: Violet Sea (2012)

Freunde von mir zerbrechen sich den Kopf, warum es mir Spass macht, einen perfekten, guten Quilt mit Farbe zu „verderben“. Das hat etwas mit Grenzerweiterungen zu tun. Ich finde es spannender, eine Skizze auf einen Quilt zu zeichnen, als eine Skizze in Stoff umzusetzen. Die Spontaneität und Unmittelbarkeit gehen vielleicht verloren, wenn man monatelang nur näht.

Margaret Ramsay: Spring Circles (Journal Quilts 2011)

Letztes Jahr bin ich fünfzig geworden, Zeit einmal darüber nachzudenken, was ich erreicht habe und was ich noch tun möchte. Dabei half mir der Aufbau meiner eigenen Website sehr, mehr als offene Gespräche mit Freunden.

Margaret Ramsay: Bexhill breakwaters (2010), Wettbewerb “Breakthrough”

Seit 1987 bin ich Mitglied in der Quilters’ Guild of the British Isles und seit ihrer Gründung im Jahr 2002 auch Mitglied der Untergruppe Contemporary Quilt. Davon habe ich viel profitiert: In den sog. Summer Schools lernte ich viele neue Techniken kennen, aber viel wichtiger war mir der Austausch von Ideen und Erfahrungen. Die Beteiligung an Wettbewerben wie „A Thin Blue Line“ und „Breakthrough“ und die Ausstellung meiner Werke haben mir viel gebracht. Ich überlegte die Teilnahme an internationalen jurierten Wettbewerben und verkaufte auch einige Werke. Doch da ich nicht von meiner Kunst leben muss, kann ich es mir leisten, alles auszuprobieren was mir Freude macht.

Margaret Ramsay: Gythion Glow (2008), Wettbewerb “A Thin Blue Line”

Im Moment ist meine tägliche Inspirationsquelle mein Gang zur Arbeit entlang der Themse in der Nähe von Kew Bridge. Es gibt da viele Hausboote und Kähne in unterschiedlichen Verfallsstadien, die das Wasser, je nachdem, ob Ebbe oder Flut, freilegt. Ich habe eine ganze Serie von Journal Quilt zu diesem Thema gefertigt und auch eine grössere Arbeit mit dem Titel „Red Flotsam“ – ein Stock, den ich auf einem Treidelpfad gefunden habe, spielt hier eine Rolle.

Margaret Ramsay: Red Flotsam (2012)

Mit meinem Mann verbrachte ich einen Kurzurlaub in Weymouth in einem Cottage, von dem aus man Portland überblicken konnte. Unsere Spaziergänge und meine Skizzen beeinflussten meine neuesten Werke mit indigogefärbten Stoffen. Ich benutzte sowohl selbst gefärbte als auch Stoffe aus Afrika und China in einer malerischen Art und Weise.

Margaret Ramsay: Weymouth Waves (2012)

“Weymouth Waves” wurde für die SAQA-Ausstellung Wide Horizons III, die in St Marie-aux-Mines 2012 eröffnet wurde, akzeptiert. Das war sehr spannend, aber ein Highlight für mich in meiner bisherigen Quilt-Karriere ist, dass ich an ‘acCent’, einer Ausstellung von Art Quilts aus Grossbritanninen im National Quilt Museum, Paducah, USA, beteiligt bin.

Margaret Ramsay: Strindberg Shore (2007), Ausstellung acCent

An meiner Designwand hängen im Moment Stoffe zum Aussuchen für zwei Quilts zum Thema „Sand-Wellen“ und „Blaue Türen“. Und in Kürze werde ich meine Indigovorräte wieder auffüllen.”

Margaret Ramsay: Sand Ripples (Journal Quilts 2012)

Soweit Margaret über ihr Schaffen.

Abschliessend noch ein Blick auf die zweite Arbeit, mit der Margaret Ramsay bei Textile News: Freedom teilnimmt:

Margaret Ramsay: A helping hand

Diese Arbeit entstand nach dem Besuch eines Kurses, der im Zusammenhang mit einer Ausstellung unter dem Titel “Revolution Paper” mit mexikanischen Drucken aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stand und in dem sie verschiedene Linolschnitte anfertigte. Die Bildende Kunst spielte eine Hauptrolle während des Verlaufs der Mexikanischen Revolution und thematisierte den gesellschaftlichen Umbruch, Freiheit und soziale Reformen. Ausgestreckte Hände sind häufig vorkommende Motive in Drucken und Wandmalereien dieser Zeit.

Dear Margaret, this post I only could write in collaboration with you. Thank you so much for your outstanding support!


Please read the artist’s portrait (in English) with a lot of more photographs on my website: www.quiltsundmehr.de/PERSONALITIES.htm

Mehr Informationen über Margaret Ramsay: Margaret’s Blog

Zur Ausstellung „Textile News: Freiheit“ gibt es einen Ausstellungskatalog auf CD, der bei mir erworben werden kann: www.quiltsundmehr.de

Fotos:

Ausschnitte aus der Ausstellungs-CD (“Sometimes chains are just shadows” und “A helping hand”):  Dr. Wolfgang Heinz, alle anderen Aufnahmen freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Zum Titelblatt 2012 – Gudrun Heinz (D): www.blog.bernina.com/de/2011/12/titelblatt-des-bernina-kalenders-2012/

Zum Kalenderblatt Januar 2012 – Martha Roggli (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/01/januar-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderbaltt Februar 2012 – Ineke Berlyn (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/02/februar-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt März 2012 – Elisabeth Graf (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/03/marz-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt April 2012 – Lisette Haak (D): www.blog.bernina.com/de/2012/04/april-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Mai 2012 – Rita Merten (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/05/mai-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Juni 2012 – Tatyana Ishkaraeva (RUS): www.blog.bernina.com/de/2012/06/juni-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Juli 2012 – Alicia Merrett (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/07/juli-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt August 2012 – Annakäthi Iseli-Gfeller (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/08/august-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt September 2012 – Frieda Oxenham (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/09/september-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt November 2012 – Inga Sauciuniene (LT): www.blog.bernina.com/de/2012/11/november-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt Dezember 2012 – Monika von Hörde (D): www.blog.bernina.com/de/2012/12/dezember-2012-im-bernina-kalender/

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