Kreative Artikel zum Thema Quilten

Dezember 2012 im BERNINA Kalender

Da ist es – das Kalenderblatt Dezember 2012:


Das Kalenderblatt für den Monat Dezember 2012 präsentiert einen Ausschnitt aus “Hambacher Fest I“, einer Arbeit aus dem Jahr 2011, mit der Monika von Hörde (D) an der von mir organisierten Ausstellung „Textile News: Freiheit“ teilnimmt.

Monika von Hörde: „Hambacher Fest I”, 2011


Die Briefmarke “Hambacher Fest” hat Monika von Hörde unmittelbar angesprochen. Sie bezog sie in die Textilcollage ein und schreibt dazu: “Grösse und Inhalt erlaubten spoantanes kleinformatiges Arbeiten mit Anspielungen an deutsche Einheit, Freiheit und Demokratiebestrebungen zwischen 1832 – 48.”

Monika von Hörde (D)


Obwohl ihre Quilts nicht “laut” wirken, fielen mir über die Jahre in Ausstellungen immer wieder Arbeiten von Monika ins Auge. Ich finde, sie haben das gewisse Etwas – das, wodurch sich gute Arbeiten auszuzeichnen pflegen.

Monika von Hörde: „Geheime Geschichte eines Romans“ – entstand parallel zur Lektüre des gleichnamigen Buches von Vargas Losa über die Entstehung des Romans „Das grüne Haus“


Monika von Hörde: „Geheime Geschichte eines Romans“, Detail


Irgendwann und irgendwo lernte ich die Künstlerin auch einmal persönlich kennen. Um so mehr freute ich mich über ihre Teilnahme an “Textile News: Freiheit” und noch mehr, als BERNINA Monikas Arbeit “Hambacher Fest I” für den BERNINA Kalender 2012 auswählte. Damit war klar, dass ein Künstlerportrait fällig sein würde und Monika sandte mir dankenswerterweise viele Infos und Fotos. Viel Spass bei der Lektüre!

Monika von Hörde: „Where’s my shoe“, 1999, St. Louis – Adaption des Bildes “Maske Furcht” von Paul Klee. Anlass war das Motto einer Ausstellung der AQA “A step further”


„Farben und Stoffe sind das Medium, in dem ich meine schöpferischen Gedanken und Ideen umsetzen kann. Das Entwerfen und Gestalten von Quilts ist daher meine bevorzugte künstlerische Ausdrucksform“, sagt Monika von Hörde heute, deren Elternhaus ihr Interesse an Malerei und Textilgestaltung geprägt und gefördert hat.

Monika von Hörde: „M’s Track“, 2001, St. Louis – zum Motto der nächsten grossen Ausstellung „Making Tracks“


Bereits als Kind hat sie mit Begeisterung gemalt und genäht. „Für mich waren diese beiden Tätigkeiten der Inbegriff von „etwas Schönes tun“ und blieben daher wichtiger Bestandteil meines Lebens“ erzählt Monika. So fertigte sie 1974, als ihr Sohn geboren wurde, aus der sommerlichen Schwangerschaftskleidung eine Kinderdecke. Ohne jemals von Patchwork oder Quilts gehört zu haben – die Erkenntnis, dass dies ihr erster Quilt war, kam erst viel später.

Monika von Hörde: „Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten“, 2003 – nach dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse


Während einer Reise in die USA Ende der 1970er Jahre sah sie zum ersten Mal Amish Quilts, was den Wunsch entstehen liess: „So etwas möchte ich auch machen!“ Diesen Wunsch konnte sie sich jedoch erst Mitte der 1980er Jahre erfüllen. Damals lebte sie mit ihrer Familie in Antwerpen / Belgien und dort bot eine Amerikanerin einen Kurs „Amish Quilts“ an. Damit begann eine „Liebesgeschichte“. Es entstanden viele Variationen von Amish Quilts (Log Cabin, Nine Patch), jedoch ohne genaue Vorlagen.

Monika von Hörde: „Transition“, 2008 – Die Gruppe hatte „Glashaus“ als Thema für eine Ausstellungsreihe festgelegt


Anschliessend lebte sie für drei Jahre in Massachusetts / USA. Ein Dorado für Quilter, aber die dortige Quilt Gilde war sehr traditionell geprägt. Bald fing Monika an, Reiseeindrücke nach eigenen Ideen umzusetzen, ohne den Begriff „Art Quilt“ zu kennen. „Ich thematisiere gern Eindrücke aus der Natur, von Reisen und aus der modernen Kunst. Ideengeber können aber auch interessante Stoffe und Materialien sein“, fährt die Künstlerin fort.

Monika von Hörde: „Trio National“, 2008 – repräsentiert (mit Augenzwinkern) Deutsche Farben und Deutsche Geschichte in USA bei meiner Tochter

Monika von Hörde: „Trio National“, Detail


Monika war Grundschullehrerin. Schwerpunkt während ihres Pädagogik-Studiums und späteren Arbeit war die Kunsterziehung.

Monika von Hörde: „Aussicht“, 2008, ein Beispiel für Arbeiten mit der Filzmaschine

Monika von Hörde: „Aussicht“, Detail


Anfang der 1990er Jahre nahm sie ein Studium der Kunstgeschichte in Heidelberg auf, vertiefte ihre theoretischen Kenntnisse und bildete sich in Kursen bei Jutta Briehn, Jette Clover, Gisela Hafer, Els van Baarle, Bente Vold Clausen, Verena Matter, Gabi Mett, Heidi Förster u. a. fort. Fasziniert ist sie von Feininger, Klee und Klimt, die sie immer wieder inspirieren, sowie von Stella und Rothko, um zwei moderne Künstler zu nennen. Und dann ist es Nancy Crow, die sie bewundert.

Monika von Hörde: „Nothing Gold can stay“, 2010 – nach einem Gedicht von Robert Frost, ausgezeichnet im Wettbewerb „Stoffträume“, Kloster Irsee. Ebenfalls ein Beispiel für den Einsatz der Filzmaschine

Monika von Hörde: „Nothing Gold can stay“, Detail


Monika von Hörde war und ist Mitglied bei verschiedenen Gruppen:

Bis 2002 bei AQA (Art Quilt Association, heute geänderter Name) in St. Louis, wo sie sehr viele Anregungen von den sechs Mitgliedern erhielt. Witzigerweise wurde sie bei AQA als Mitglied Nachfolgerin von Ricky Tims, der nach Colorado zog und mittlerweile international bekannt und tätig ist.

Monika von Hörde: „Richterskala 8.8 –Japan 2011“ – eine Arbeit zur Katastrophe von Fukushima

Monika von Hörde: „Richterskala 8.8 –Japan 2011“, Detail


2003 nahm die Gruppe „Glashaus“, Treffpunkt Kronberg / Taunus, sie als Mitglied auf. Die sieben Mitglieder dieser Gruppe verbindet eine gemeinsame Passion: die Liebe zu Textilien und ganz speziell die Liebe zu Quilts. Jede geht ihren eigenen Weg, die Arbeiten sind individuelle Auseinandersetzungen mit Textilien und auch anderen Materilien.

Monika von Hörde: „Feuer“, 2007 – zur Ausstellung der Gruppe „Glashaus“ im Val d’Argent zum Thema „Berührung“


Mit beiden Gruppen hatte sie interessante Ausstellungen, mit AQA in Galerien und Museen in verschiedenen amerikanischen Bundesstaaten, mit „Glashaus“ vor allem in Deutschland und bei verschiedenen Events wie dem 13. Europäischen Patchwork Treffen in Ste Marie-aux-Mines (2007).

Monika von Hörde: „Feuer“, Detail


Monika von Hörde: „Wasser“ 2007 – zur Ausstellung der Gruppe „Glashaus“ im Val d’Argent zum Thema „Berührung“


Monika sieht es so, dass in einer Gruppe nicht nur Möglichkeiten der Information, des Austausches und der Auseinandersetzung bestehen, sondern dass diese Effekte auch befruchtend auf die eigene Arbeit wirken.„Ein anderer wesentlicher Aspekt: Jede Kunst braucht den Betrachter von aussen“, fährt sie fort. „Einer Gruppe gelingt es eher als einer Einzelperson, Aufmerksamkeit zu erzeugen und Öffentlichkeit zu schaffen durch Ausstellungen.“

Monika von Hörde: „Verbunden“, 2012 – ausgestellt bei EQA VII, Festival of Quilts in Birmingham

Monika von Hörde: „Verbunden“, Detail


„Was inspiriert Dich?“, möchte ich wissen. „Alles! Ich sehe die Welt in Bildern. Dabei entstehen unzählige „Kopfquilts“, abstrakt und / oder in konkreter Darstellung. Aber nur ein winziger Bruchteil wird je verwirklicht …“.

Monika von Hörde: „Blattgold“, 2012 – in der Ausstellung „Stoff im Quadrat“, Kloster Irsee

Monika von Hörde: „Blattgold“, Detail


Stoff, Schere, Nadel und Faden per Hand oder maschinell, bieten unendlich viele Möglichkeiten für kreatives Schaffen. „Für mich ist sehr wichtig, dass das haptische Element erhalten bleibt“, meint Monika und fährt fort: „Das textile Material und die durch Quilting entstandenen Strukturen erzeugen den Wunsch zu berühren, zu „begreifen“. Dies geht  für mein Empfinden manchmal verloren durch zu intensive Anwendung von Techniken aus anderen bildnerischen Bereichen.“ So interessiert sie sich in den letzten Jahren nicht nur für das Maschinenquilten, sondern  zunehmend auch für das Schaffen von Strukturen durch maschinelles Filzen.

Monika von Hörde: „Frühling 08“ – eine Spielerei nach einem Workshop bei Gabi Mett

Monika von Hörde: „Frühling 08“, Detail


Monika näht übrigens auf einer Aurora 440, Quilters Edition. „Von BERNINA natürlich“, setzt sie noch hinzu. „Bin sehr zufrieden! Bis auf den Einfädler!“ Immer wieder unterschiedliche Quiltelemente zu benutzen oder auszuprobieren macht ihr sehr viel Freude. Aber: „Daher schaffe ich es nie, so richtig erkennbar in Serie zu gehen (wie z. B. im Oktober Margaret Ramsay oder Jette Clover).“

Monika von Hörde: „Struktur“, 2009 – Erzeugung von Dreidimensionalität durch diagonal geschnittene Seidenstreifen


Über die Jahre nahm sie auch an zahlreichen Wettbewerben teil – und das mit grossem Erfolg.

Monika von Hörde: „Wasserstand, New Orleans 2001“, 2009 – angenommen zur 4. Quilt-Triennale 2009 in Heidelberg


So wurde z.B. „Wasserstand, New Orleans 2001“ im Jahr 2009 zur renommierten Quilt-Triennale (Textilsammlung Max Berk, Heidelberg-Ziegelhausen) angenommen.

Monika von Hörde: „Wasserstand, New Orleans 2001“, Detail. Hier sieht man ebenfalls sehr schön den Einsatz der Filzmaschine


Mehrere Arbeiten wurden mit Preisen ausgezeichnet. So gewann sie z.B. …

Monika von Hörde: „WWW. Mediengeflecht“, 2011 – ausgezeichnet im Val d’Argent


… 2011 beim Wettbewerb “Enchevetrement – Geflecht”, den das Europäische Patchwork Meeting in Ste Marie-aux-Mines ausgeschrieben hatte, den Preis der Zeitschrift „Patchworkideen“ mit der Arbeit „WWW. Mediengeflecht“.

Monika von Hörde: „WWW. Mediengeflecht“, Detail


Und bei den Patchworktagen 2012 in Einbeck stellte sie zusammen mit der Gruppe “Glashaus” in der Sertürner Kapelle aus, worüber ich damals berichtete, denn ich fand diese Ausstellung sehr sehens- und bemerkenswert. Die Gruppe “Glashaus” hat übrigens eine Website, auf der weitere interessante Informationen zu finden sind.

Monika von Hörde: „Fadenspiele“, 2009. Beispiel für eine kleine Arbeit, als „Fingerübung“


Monika von Hörde: „Siebter Himmel“, 2010. Beispiel für eine weitere „Fingerübung“


Weitere Ausstellungen sind in Planung, aber noch nicht konkret. Man darf also  gespannt sein!

Monika von Hörde: „Tucan Talk“, 2010. Und noch eine „Fingerübung“


Liebe Monika, mir hat die Zusammenarbeit mit Dir viel Vergnügen gemacht. Hab also vielen herzlichen Dank für Deine tolle Mitarbeit zu diesem Beitrag.

Zur Ausstellung „Textile News: Freiheit“ gibt es einen Ausstellungskatalog auf CD, der bei mir erworben werden kann: www.quiltsundmehr.de

***

Damit ist das Jahr 2012 voll. Zwölf mal habe ich den BERNINA Kalender für Sie, liebe Leserinnen und Leser, umgeblättert und über das eigentliche Motiv des jeweiligen Blattes hinaus noch viel mehr vorgestellt. Man kann sagen, dass daraus gewissermassen ein kleiner Querschnitt durch die gegenwärtige Quiltszene entstanden ist. Jede der vorgestellten Künstlerinnen ist in einer anderen Situation, jede arbeitet nach ihrer individuellen Auffassung, im eigenen Tempo und nach eigenem Empfinden. Mir hat es viel Spass gemacht, mit den beteiligten Künstlerinnen zusammenzuarbeiten. Allen nochmals vielen Dank dafür! Auch an BERNINA nochmals ein grosses Dankeschön für diese Möglichkeit.

Im Jahr 2013 wird es zwar keinen Kalender mit Motiven aus einer meiner Ausstellungen geben, aber das bedeutet ja nicht, dass diese Möglichkeit nun überhaupt nie mehr besteht. Immerhin läuft im Moment die Ausschreibung zum neuen, 5. Internationalen Wettbewerb für Kleinformate „Textile News: Langeweile. Boredom. Ennui.“. Lassen Sie Ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf und geben Sie spannenden Ideen eine Chance! Bis zum 1. Februar 2013 können Sie Ihr(e) Werk(e) dazu einreichen – und wer weiss, was die Zukunft bringt? Eine Teilnahme an der Ausstellung, ein neuer Kalender … alles ist möglich! Ich freue mich sehr auf Ihre Einsendung! Bitte entnehmen Sie alle weiteren Informationen dazu, die in vier Sprachen (d/e/f/rus) bereitstehen, meiner Website www.quiltsundmehr.de

Fotos:

Kalenderblatt und Ausschnitt aus der Ausstellungs-CD (“Hambacher Fest I”):  Dr. Wolfgang Heinz, alle anderen Aufnahmen freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Zum Titelblatt 2012 – Gudrun Heinz (D): www.blog.bernina.com/de/2011/12/titelblatt-des-bernina-kalenders-2012/

Zum Kalenderblatt Januar 2012 – Martha Roggli (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/01/januar-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderbaltt Februar 2012 – Ineke Berlyn (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/02/februar-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt März 2012 – Elisabeth Graf (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/03/marz-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt April 2012 – Lisette Haak (D): www.blog.bernina.com/de/2012/04/april-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Mai 2012 – Rita Merten (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/05/mai-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Juni 2012 – Tatyana Ishkaraeva (RUS): www.blog.bernina.com/de/2012/06/juni-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Juli 2012 – Alicia Merrett (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/07/juli-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt August 2012 – Annakäthi Iseli-Gfeller (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/08/august-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt September 2012 – Frieda Oxenham (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/09/september-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt Oktober 2012 – Margaret Ramsay (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/10/oktober-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt November 2012 – Inga Sauciuniene (LT): www.blog.bernina.com/de/2012/11/november-2012-im-bernina-kalender-2/

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