Kreative Artikel zum Thema Nähen

Quiltübungen – Online-Kurs – Teil 1

Teil 1 – Steine quilten (gesehen bei Leah Day)

Liebe Kursteilnehmerinnen, liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum Online-Kurs “Quiltübungen”.

Sie sitzen vor Ihrem Rechner, Papier und Stift vor sich. Fangen wir also an.

Schreiben Sie bitte eine „8“.

Selbstverständlich wissen Sie genau, wie das geht. In gegengleichen Schwüngen bildet sich die Zahl.

Bei mir ist der Anfang und das Ende ungefähr bei dem Pfeil, der nach oben zeigt.

Merken Sie sich bitte diese gegengleichen Schwünge.

Jetzt setzen Sie die „8“ aus zwei Kreisen zusammen, die übereinander liegen.

Sie beginnen bei „A“, schwenken nach links, schließen den Kreis und fahren auf der bereits gezeichneten linken Kreishälfte zum tiefsten Punkt des Kreises zurück. Er ist mit „E“ gekennzeichnet.

In meiner Zeichnung ist der Rückweg neben der Linie gestrichelt dargestellt, damit Sie ihn überhaupt sehen können. Die gestrichelte Linie bringt Sie also stets zum Anfangspunkt des neuen Kreises.

Dieser tiefste Punkt ist gleichzeitig der Anfang für den nächsten Kreis und trägt somit zusätzlich den Buchstaben „A“.

Jetzt zeichnen Sie den unteren Bauch der „8“, indem Sie nach rechts schwingen, den Kreis schließen und auf der bereits gezeichneten rechten Kreislinie wieder zum tiefsten Punkt dieses Kreises zurück fahren.

Ich höre Sie regelrecht sagen: „Das versteht doch kein Mensch! Wie soll das denn gehen?“

Versuchen Sie bitte Folgendes:

Tippen Sie mit dem Finger auf den Monitor und folgen den Linien, die ich gezeichnet habe.

Sie beginnen bei „A“, schwenken nach links, schließen den Kreis, sausen auf der linken Kreishälfte zurück zum tiefsten Punkt „E“.

Jetzt kommt der Kreis in die Gegenrichtung. Sie schwenken nach rechts, schließen den Kreis und sausen auf der rechten Kreishälfte zurück zum tiefsten Punkt des zweiten Kreises.

Und? Hat es geklappt?

Folgen Sie mit Ihrem Finger jetzt auch noch dem 3. und dem 4. Kreis.

Und nun versuchen Sie es bitte mit dem Stift auf Papier.

Ich denke, Sie wissen jetzt, worum es geht.

Wagen wir den zweiten Schritt.

Der Ansatzpunkt für den nächsten Kreis war bisher immer unten. Sie können diesen Ansatzpunkt an jede beliebige Stelle eines Kreises verlegen, um die Richtung zu wechseln. Es macht nichts aus, wenn Sie einen Kreis dabei fast 2-mal umfahren. Hauptsache Sie kommen in die von Ihnen gewünschte Richtung.

Versuchen Sie es bitte. Folgen Sie erst mit dem Finger auf dem Monitor meiner Zeichnung. Dann probieren Sie mit dem Stift auf Papier.

Bitte denken Sie daran, jeder Kreis wird erst vollständig geschlossen, dann sucht man sich den neuen Anfangspunkt auf der bereits gezeichneten Kreislinie und bestimmt damit die Richtung, in der es weitergehen soll und zwar mit einem gegengleichen Schwung.

Wir gehen einen Schritt weiter.

Zeichnen Sie bitte ein Quadrat und füllen es mit Steinen. Mein erster Stein liegt in der linken oberen Ecke. Es folgten die angrenzenden großen Steine.

Die blauen Steine, die man zwischen den schwarzen Steinen sieht, sind „Lückenfüller“.

Sie werden feststellen, dass Sie beim Quilten irgendwann an einen Punkt kommen, wo es vermeintlich nicht mehr weitergeht. Oder Sie entdecken eine Lücke und wissen einfach nicht, wie Sie wieder dorthin kommen sollen, um sie zu schließen.

Dabei ist es sehr leicht, man muss es nur wissen.

Alle Linien, die Sie bis dahin gezeichnet haben, sind „Straßen“, auf denen Sie hin und her fahren können, um den Standort und die Richtung zu wechseln. Die 4 Linien, die das Quadrat bilden, sind die „Umgehungsstraße“, auf der Sie zügig von einem Ort zum anderen kommen.

Die Linien der Steine sind vergleichbar mit dem innerstädtischen Straßengewirr, das einen zu einer langsameren Gangart zwingt, wenn man nicht, um beim Stadtbild zu bleiben, aus Versehen auf dem Bürgersteig landen will.

Die blauen Wege und Steine zeigen, wie ich zwei Lücken geschlossen und einen weiteren Teil des Quadrats mit blauen Steinen gefüllt habe.

Haben Sie Fragen? Bitte stellen Sie sie in den Kommentaren.

Gönnen Sie Ihrem Gehirn jetzt erst einmal eine Pause, damit es das Gelernte verarbeiten und speichern kann.

Später zeichnen Sie bitte ein Quadrat auf ein Blatt Papier und teilen es in Viertel. Im Abstand von 2 bis 3 Stunden füllen Sie  ein Quadrat nach dem anderen mit Steinen aus. Vergleichen Sie abschließend die Steine aus dem letzten Viertel mit denen aus dem ersten Viertel. Können Sie einen Unterschied feststellen?

Tipp:

Legen Sie neben Ihren Rechner ein Blatt Papier und einen Stift. Sie fahren Ihren Rechner hoch. Es dauert und dauert. Was machen Sie in der Wartezeit? Richtig, Sie zeichnen Steine in ein kleines Quadrat.

Was ich Ihnen damit sagen möchte, ist, es reicht nicht, wenn Sie einmal ein Quadrat mit Steinen gefüllt haben. Sie brauchen viele Quadrate, bis Ihnen die schwingende Bewegung in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Bedenken Sie:

Nur was Sie zeichnen können, können Sie auch quilten.

Machen Sie bitte eine große Pause und lassen Ihr Gehirn das Gelernte „verdauen“. Vielleicht warten Sie bis morgen, bevor Sie weiterarbeiten.

Wir wechseln nun den Standort und setzen uns vor die Maschine.

Bitte deaktivieren Sie den Ober- und Unterfadenwächter (falls vorhanden).

Deaktivieren Sie den Untertransport und montieren die Geradstichplatte und Ihren Quiltfuß.

Wählen Sie den Geradstich und reduzieren den Nähfüßchendruck.

Wählen Sie außerdem „Nadelposition unten“. Auf dem Bild ist „Nadelposition oben“ aktiviert.

Einstellungen bei der B 780:

Zeichnen Sie ein Quadrat auf ein Blatt Papier und „quilten“ zuerst die vier Seiten des Rechtecks (die Umgehungsstraße). Dann füllen Sie die Fläche mit Steinen.

Fangen Sie langsam an und erhöhen nach und nach die Geschwindigkeit. Sie merken selbst am besten, wie schnell Sie „quilten“ können.

Wenn Sie sich sicher fühlen, betätigen Sie die Start-, Stopptaste (falls vorhanden), damit Sie nicht mehr auf das Fußpedal drücken müssen.

Am Anfang empfehle ich Ihnen jedoch, die Geschwindigkeit grundsätzlich über das Fußpedal zu regeln.

Wenn ich quilte, liegen die Fingerspitzen der linken Hand (mit etwas Abstand) locker links neben der Nadel, auf dem Sandwich. Sie haben nur die eine Aufgabe, das Sandwich in Richtung zu halten. Die Finger der linken Hand führen nicht. Von der rechten Hand berührt nur der Zeigefinger das Sandwich und „schreibt“ die Steine, als würde er einen Stift führen. Bei Linkshändern ist es genau umgekehrt.

Zuerst habe ich immer versucht, mit beiden Händen gleichzeitig zu führen, konnte mit der Methode aber keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielen. Die Einfinger-Sandwich-Führungstechnik hat sich für mich bewährt, deshalb möchte ich Sie Ihnen nicht vorenthalten.

Jetzt sind Sie so weit, dass Sie Ihr erstes Sandwich quilten können.

Für meine Probe habe ich ein weißes Baumwoll-Leinen-Mischgewebe ausgesucht.

Teilen Sie das Quadrat in Viertel.

Aktivieren Sie den Ober- und Unterfadenwächter wieder und fädeln Ihr gewünschtes Garn ein. Ich empfehle Ihnen, als Unterfaden das gleiche Garn zu verwenden.

Ich habe mit Poly Sheen gequiltet.

Quilten Sie nun zuerst die „Umgehungsstraße“ und das Kreuz in der Mitte.

Dazu holen Sie zuerst den Unterfaden nach oben, damit er beim Quilten auf der Unterseite des Sandwiches nicht stört.

Mit zeitlichem Abstand (gönnen Sie sich Pausen) füllen Sie anschließend ein Viertel nach dem anderen. Verwenden Sie ruhig unterschiedliche Garnfarben. Das Ergebnis sieht hübscher aus.

Bei meinem ersten Quadrat war der Startpunkt bei dem roten Pfeil.

Beim zweiten Quadrat habe ich zuerst an der „Umgehungstraße“ entlang gequiltet und dann Reihe für Reihe gefüllt, von rechts nach links und wieder zurück nach rechts, immer hin und her.

Das linke Quadrat ist wesentlich ausdrucksstärker. Das rechte Quadrat wirkt dagegen fast langweilig.

Die linke Methode brauchen Sie, um Akzente zu setzen. Die rechte Methode hebt ein Motiv (z.B. die Feder) in den Vordergrund.

Beim dritten Quadrat lag mein Anfangspunkt auf der Kreislinie des linken großen Kreises.

Wenn Sie sich noch mehr zutrauen, erhöhen Sie für das vierte Quadrat den Schwierigkeitsgrad.

Zeichnen Sie (mit einer Schablone) einen Kreis in das Quadrat.

Füllen Sie die Fläche um den Kreis herum mit Steinen.

Zeichnen Sie Linien in den Kreis.

Quilten Sie vom Kreisumfang zum Treffpunkt und auf derselben Linie wieder zurück zum Rand. Auf dem Kreisumfang wandern Sie zur nächsten Ansatzstelle usw.

Mit Steinen gefülltes Quadrat.

Es ist nicht erforderlich, dass Sie die vier Felder unterschiedlich mit Steinen füllen. Wer ganz neu anfängt, nimmt bitte die Methode, mit der er am besten zurechtkommt, es sei denn, das Quilten macht ihm so viel Spaß, dass er die anderen Möglichkeiten auch versuchen möchte.

Setzen Sie sich bitte nicht unter Druck. Quilten kann man nur, wenn man entspannt ist. Hören Sie Walzermusik, lauschen dem gleichmäßigen Rattern Ihrer Maschine und schwingen einfach mit. 🙂

Bitte zeigen Sie (bis zum 08.02.2013) ein Foto Ihrer Quiltübung in der User Galerie.

Im zweiten Teil des Online-Kurses geht es um das Muster in den beiden gegenüberliegenden Ecken.

Viel Erfolg beim Üben und herzliche Grüße

Susanne

Diese Anleitung ist nur für den privaten Gebrauch bestimmt, nicht für gewerbliche Zwecke.

Alle bisher erschienenen Artikel zum Online-Kurs finden Sie hier.


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