Kreative Artikel zum Thema Quilten

The Festival of Quilts 2013 1

Viele Monate und Wochen haben wir auf diesen Tag hingearbeitet und alles vorbereitet:

Dienstag, der 6. August 2013 stand schon ein Jahr lang als Abreisetag fest, der Tag an dem wir mit der neuen Ausstellung “Textile News: Langeweile.” im Gepäck nach Birmingham (UK) zum Festival of Quilts fliegen würden. Es hat auch alles hervorragend geklappt! BERNINA öffnet Türen – wenn es um Kontakte geht, ist eine solche Empfehlung einfach ein MUSS. Daher gleich zu Beginn vielen herzlichen Dank an alle, die in Steckborn mitgeholfen haben, mein neuestes Projekt bestens zu präsentieren.

Ab Mittwoch morgen kann man dann endlich an den Ort des Geschehens, das NEC, Halls 7, 8 & 9. Um präzise zu sein, die Gallery für “Textile News. Boredom.” trägt die Bezeichnung F26 und ist leicht zu finden: Sie liegt genau zwischen der Ausstellung der 5. Quilt-Triennale Heidelberg und der aktuellen Ausstellung der SAQA. Und so findet man dies dann vor:

Ohne Beleuchtung, ohne Einrichtung, ein Kabel tritt mitten in einem Durchgang aus dem Boden aus … ernüchternd, oder? Immerhin sind die Stellwände wunschgemäss aufgebaut worden, sind sauber und die Masse stimmen so là là. Zwischen diesem und dem nächsten Bild liegt noch einiges an Lauferei, Arbeit und Nerven …

… aber man muss es schlussendlich doch zugeben: Es hat sich gelohnt!

Um das Ziel der Wünsche zu erreichen, muss zuerst Jan, der Chef der Technikertruppe, aufgetrieben werden, der sich irgendwo in den drei riesigen Hallen bewegt. Zum Glück kennen wir uns noch vom letzten Mal und weil ich in weiser Voraussicht das gesamte Handwerkszeug eingepackt und dabei habe, benötigen wir keinen Termin zum Hängen, sondern nur die Leisten und ein halbes Schächtelchen Schrauben. Just help yourself!

Was täte ich ohne meinen Göttergatten, der mehr als 40 Leisten auf Mass und nach und nach an die Wände bringt …

… und zwar gut gelaunt gemäss meinem Plan (weitgehend, bis auf einige improvisatorische, klitzekleine Änderungen) …

… bis sich die Gallery, dank der Helfer im Beleuchtungs- und Bodenbereich, langsam …

… nicht nur gefüllt, sondern auch als präsentabel darstellt.

Macht sich gut, oder?

… Und zwar von allen Seiten …

… und rundherum betrachtet …

… fehlen jetzt eigentlich nur noch die Besucher …

… die nicht lange auf sich warten lassen …

… sich auf diese Ausstellung neugierig-interessiert bis begeistert (“Gosh! Have you seen this one?”) einlassen …

… sich informieren lassen …

… und dafür sorgen, dass man sich genau in seinem Element fühlt. Es gab viele tolle Momente, interessante Begegnungen und vor allem reichlich Lob für die Ausstellung, das ich sehr gerne an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitergeben möchte. Insgesamt ein sehr guter Erfolg und Belohnung für all die Mühen!

Doch nun möchte ich mich einem unserer Nachbarn zuwenden.

Im Hintergrund (oberes Foto) sind schon zwei Exponate teilweise sichtbar …

Cecilia Gonzales-Desedamas (E): The Difference (li), Alicia Merrett (UK): Mayfair 1761 (re)


… die zu derAusstellung der 5. Europäischen Quilt-Triennale, die von der Textilsammlung Max Berk / Kurpfälzisches Museum in Heidelberg-Ziegelhausen ausgerichtet wird, gehören.

Friederike Hoerst-Röhl (D): Das letzte Hemd trägt Fetzen von Erinnerung (Innenseite li), Anco Browers-Branderhorst (NL): Endlos II (Innenseite re)


Zusammen mit European Art Quilt zählt die Triennale zu den renommiertesten und wichtigsten Wettbewerben für zeitgenössische Quilts in Europa. Sie ging aus der 1984 ins Leben gerufenen Quilt-Biennale hervor, die von Doris Winter, der Tochter des Museumsgründers Max Berk, initiiert wurde.

Jutta Kohlbeck (D): Überwachungsstaat, Detail (li)


Ein Überblick beweist, dass diese Ausstellung ein Publikumsmagnet ist. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass, neben der Kuratorin Dr. Kristine Scherer, viele Textilkünstlerinnen abwechselnd anwesend waren und für Gespräche mit den Besuchern zur Verfügung standen.

Gabi Mett (D): Zeitgleich, Detail (vorn li), Brigitte Kopp (D): Trautes Heim (re)


Die beiden oben im Vordergrund stehenden Arbeiten fallen nicht nur durch den Gebrauch nicht-textiler Materialien, wie z.B. Papier und Spinnvlies (in der Arbeit von Gabi Mett), sondern auch durch ihre Art der Präsentation ins Auge. Während “Zeitgleich” mehr oder weniger frei hängend präsentiert und fragil wirkend im Luftzug der Klimaanlage pendelte, ist “Trautes Heim”, ebenfalls frei im Raum präsentiert, eine dreidimensionale Arbeit. Hinter einer idealisierten Fassade herrscht häusliches Chaos – spannend zu sehen.

Trudy Kleinstein (CH): Winterstille (vorn li), Christine Restall (UK): Birne, Apfel (re)


Die Ausstellung umfasst 42 ausgewählte Arbeiten aus 14 europäischen Ländern, wobei die Teilnehmer aus Deutschland und Grossbritannien überwiegen. Die Arbeiten kamen in grossen Kisten aus der Schweiz, wo sie zuletzt im Textilmuseum St. Gallen ausgestellt waren. Sie reisen nun weiter nach Schweden, nach Lulea.

Kommen wir abschliessend noch zur Nachbarausstellung auf unserer anderen Seite:

“Metaphors on Aging”, organisiert von der US-amerikanischen Organisation Studio Art Quilt Associates, Inc., kurz SAQA genannt, die seit 1989 so ehrgeizige Ziele verfolgt wie z.B. Quiltkünstler mit Sammlern, Galerien, Museumskuratoren und Sponsoren zusammenzubringen und hierfür die Plattform im Internet zu bieten, Konferenzen und Vorträge zu organisieren und qualitativ hochwertige Ausstellungen zu veranstalten. Dazu werden für die Mitglieder spezielle Wettbewerbe ausgeschrieben.

Mary B. Pal (Canada): JBW


Aus über 150 eingereichten Arbeiten wählte Pamela Allen 35 für diese Ausstellung aus, ganz individuelle Interpretationen des Themas “Bilder des Alterns”.

Sehr beeindruckt hat mich das obige Portrait des Grossvaters der Künstlerin, der, wie sie schreibt, selbst im Alter von über 90 Jahren stets tadellos im Anzug gekleidet, mit einem Zwinkern in den Augen seine Enkel unterhielt. Die Künstlerin benutzt für das Portrait einfaches Material, z.B. grob gewebtes Käseleinen, das sie durch die verschiedenen Gewebeverschiebungen und Überlagerungen skulptural aufbaut und dadurch eine Licht- und Schattenwirkung erzielt, die nahezu dreidimensional wirkt.

Durch den Platz auf der Stirnseite der Stellwand erhält die Arbeit “JBW” – wie das Pendant auf der gegenüberliegenden Seite – eine herausgehobene Position in der ansonsten eher lieb- und einfallslos präsentierten Ausstellung. Dieses interessante Thema und die Qualität der Arbeiten hätten eine ansprechendere Präsentation mehr als verdient gehabt. Dass dies möglich ist, beweisen die Ausstellung der Quilt-Triennale und weitere Ausstellungen, über die noch zu sprechen sein wird.

Susan Shie (USA): Head Trip: Ace of Paring Knives in the Kitchen Tarot


In einer der herausragendsten Arbeiten vegleicht Susan Shie zwei Traumata, die den Kopf betreffen: Alzheimer und Kopfschüsse. Während durch Schüsse Verletzte möglicherweise in der Lage sind, die Fähigkeiten des Gehirns wieder zurückzugewinnen, verringert die Alzheimer-Krankheit mit zunehmendem Alter die Gehirnfunktionen.

Leider hing das sehr reich mit kleinen Details versehene Werk zu hoch.

 

Andrea Limmer (USA): Diagnosis (li), Chiaki Dosho (Japan): Light & Dark (re)

Andrea Limmer (USA): Diagnosis


Eine Arbeit über Brustkrebs, in der trotz der schrecklichen Diagnose nach Schönheit gesucht wird.

Andrea Limmer (USA): Diagnosis, Detail


Chiaki Dosho (Japan): Light & Dark


Die mit der Hand applizierte Arbeit aus antiken japanischen Seiden-Kimonos versinnbildlicht den Alltag der Künstlerin, die jeden Tag Stoffe vernäht. Dadurch wird diese Produktion zu ihrem eigentlichen Leben.

Chiaki Dosho (Japan): Light & Dark, Detail


Cynthia St. Charles (USA): Evening Walk II


Die blattlosen Zweige der Bäume repräsentieren den letzten Lebensabschnitt. Darüber liegt ein Siebdruck mit der Handschrift der Grossmutter und steht für das Funkeln der Sterne. Der Stempeldruck steht für die schwächer werdenden Stimmen als sie starben – die Künstlerin indes hört sie noch immer.

Hier noch ein Blick in die Nachbarschaft, aber auch noch auf zwei interessante Exponate:

VALYA (USA): Apron. 03


Falten. Falten sind das Spiegelbild des Lebens. Ein Sprichwort aus der Ukraine sagt: Zeig mir deine Falten und ich sage dir, wer du bist.

Marilyn Akerson-Corbitt (USA): unseen imaging of aging


Zu jeder Zeit unseres Lebens können wir die Aussenseite unseres Körpers wahrnehmen. Was aber ist mit der Innenseite? Diese Arbeit zeigt verschiedene Blicke durch ein Mikroskop auf Zellen und Gewebe der Mund- und Zahnphysiologie. Letztlich sind sie verantwortlich für das Sprechen und Essen – lebenslang.

Zum Schluss des ersten Teils hier noch ein Blick von der anderen Seite her, mit dem gut präsentierten Portrait von Mary B. Pal (Canada) im Blickpunkt.

Fotos: (C) Dr. Wolfgang, Gudrun und Valerie Heinz. Fotos der Ausstellung der Quilt-Triennale mit freundlicher Erlaubnis der Kuratorin, Frau Dr. Kristine Scherer.

Zum zweiten Teil des Berichts geht es hier: www.blog.bernina.com/de/2013/08/the-festival-of-quilts-2013-2/

Zum dritten Teil des Berichts geht es hier: www.blog.bernina.com/de/2013/09/the-festival-of-quilts-2013-3/

Zum vierten Teil des Berichts geht es hier: www.blog.bernina.com/de/2013/10/the-festival-of-quilts-2013-4/

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