Kreative Artikel zum Thema Quilten

Anleitung: Gequilteter, weihnachtlicher Tischläufer für Anfänger

Ich habe ja eine ganze Weile darüber nachgedacht, wie denn wohl mein erster Beitrag hier aussehen soll. Weil – ganz ehrlich, Ihr Lieben – man freut sich ja schon darüber gefragt zu werden… ob man denn will… denn das heißt ja auch irgendwie, dass irgendjemand denkt … man kann. Und es ist ja nun mal so – ernsthaften Nähmaschinenlieberhaberinnen bleibt ja prinzipiell erst mal gar nichts anderes übrig, als Wahl-Schweizer zu werden – selbst wenn man erst mal gar nicht so auf Kräuterbonbons oder Alpenglühen stehen sollte (was ich persönlich jedoch auch tue). Wenn einen also so ein Herr mit einem reizenden Schweizer Akzent fragt, ob man für den BERNINA Blog schreiben möchte, dann freut man sich.

Also denkt man erst mal: Okay, das muss was Spektakuläres sein – irgendwas wo auf den ersten Blick jeder sagt: Wow, DIE kann nähen. Oder quilten. Oder patchen. Dann habe ich allerdings angefangen darüber nachzudenken, wonach ich denn am häufigsten gefragt werde, wo es wenig Kurse oder Anfänger-taugliche Tutorials gibt. Und eines dieser Themen ist definitiv das Freihand-Quilten.

Und dabei ist immer die erste Hemmschwelle diese: Wenn ich schon das Geld für teure Patchworkstoffe ausgegeben habe und dann in stundenlanger Arbeit eine Patchworkdecke genäht habe – will ich das dann in letzter Minute mit schlechtem Freihandquilten versauen? Und schon wird wieder säuberlich im Nahtschatten gequiltet und das wars.

Also habe ich mir gedacht – wir machen was, was schnell geht – einen schlichten Tischläufer – und dann machen wir ein bisschen was freihand-gequiltetes am Rand. Und zwar etwas, wo es auf Symmetrie und Genauigkeit nicht ankommt – wo es sogar fast unerwünscht ist.

Also, Ihr Lieben – wer das immer schon mal probieren wollte, hier meine Anleitung:

Nähanleitung Tischläufer

Materialbedarf:

Stoff A: 35 cm roter Stoff mit Tannenbäumen (110 cm Stoffbreite)
Stoff B: 21 cm weißer Soff mit Pünktchen (110 cm Stoffbreite)
Stoff C: 28 cm roter Stoff mit Pünktchen (110 cm Stoffbreite)
Stoff D: 47 cm apfelgrüner Uni für die Rückseite (mindestens 120 cm Stoffbreite)
45 cm x 116 cm Bügelvlies (z.B. H 630 oder H 640 von Freudenberg)
Farblich passendes Nähgarn

 Zuschneiden: 

(Webkanten bei allen Stoffen abschneiden
Stoff B: 3 Streifen von 7 cm Breite schneiden
Stoff C: 4 Streifen von 7 cm Breite schneiden

Nähen: (Nahtzugaben 1 cm) 

Je einen Streifen von Stoff B an die Längsseiten von Stoff A nähen, die Nahtzugaben in Richtung von Stoff A bügeln.
Den letzten Streifen von Stoff B halbieren und an die kurzen Seiten von Stoff A nähen, die Nahtzugaben in Richtung Stoff B bügeln. Damit ist Eurer Läufer-Top bereits fertig.

Nun das Bügelvlies in der gleichen Größe zuschneiden und unter das Top bügeln. Den Rückenstoff bügeln und unter das Bügelvlies heften um das Quiltsandwich zu erstellen. (möglich sind hier das festheften mit groben Stichen, mit Sicherheitsnadeln oder mit Textil-Sprühkleber)

DSC_0021

Von hinten sieht das jetzt so aus:

DSC_0024

Da die Weihnachtsbäume auf dem roten Stoff sehr unterschiedlich, fast kindlich unregelmäßig gestaltet sind, wird unser gequilteter Rand nun genauso geplant. Die Bäume dürfen unterschiedlich hoch oder kurz, dick oder dünn, mit kurzem oder langem Stamm gequiltet werden. Die einzige Regelmäßigkeit, die hier eingeplant wurde, war der Abstand zwischen den Stämmen. Hierzu habe ich zunächst mit einem Kreidestift (oder mit einem speziellen Textilmarker, der nach einiger Zeit von alleine wieder verschwindet) die Ecken zwischen dem inneren und dem äußeren Rechteck mit einem Verbindungsstrich markiert, dann habe ich an allen Seiten von der äußeren Ecke ausgehend im Abstand von 3 cm kleine Markierungspunkte eingezeichnet.

Vielleicht solltet Ihr an dieser Stelle eine kleine Zeichnung anfertigen, nur um ein Gefühl für die Linienführung zu bekommen:

quiltpattern-tischlaeufer

Jetzt geht es ans quilten:

Hierzu den Transport der Nähmaschine ausschalten und einen Stickfuß anbringen (oder – im Idealfall bei der BERNINA den BSR-Fuß zur Stichregulierung). Die Nadel über der ersten 3 cm Markierung positionieren, die Nadel versenken und gleich wieder hochfahren, das Füßchen hochstellen und am Oberfaden ziehen – dadurch wird der Unterfaden nach oben geholt. Die Nadel an der gleichen Stelle wieder in den Stoff einführen. Nun damit beginnen verschieden große Bäumchen in den Rand zu nähen (bei den ersten Stichen die beiden Fäden festhalten)  – dabei geht man immer von einer 3 cm Markierung aus in den Baumstamm, “zeichnet” seinen Baum, fährt über den Baumstamm wieder zurück bis zur Randlinie, dann an dieser entlang bis zur nächsten Linie.

DSC_0027

So weiter machen, bis der komplette Rand mit einer Kette aus Tannenbäumen verziert ist. Nun wird das überstehende Vlies und der Rückenstoff abgeschnitten.

DSC_0033

Jetzt geht es in den Endspurt – das Binding – also die Einfassung für unseren Tischläufer wird genäht. Dazu müssen wir zunächst die 4 Streifen aus Stoff C an den kurzen Seiten aneinandernähen. Das funktioniert so.

Einen Streifen mit der rechten (der schönen) Seite nach oben auf die Schneidematte legen, dann einen zweiten Streifen mit der Rückseite nach oben im 90 Grad Winkel auf das Ende des ersten Streifens legen. Nun mit einem Lineal (wie auf dem Foto zu sehen) von der oberen rechten Ecke zur unteren linken Ecke einen Strich ziehen und mit zwei Stecknadeln feststecken.

Binding

Auf diesem Strich die beiden Stoffe mit einer geraden Naht zusammensteppen. Die überschüssige Ecke Nahtzugaben breit abschneiden.

DSC_0038
Die Nahtzugabe offen bügeln, die beiden restlichen Stoffstreifen auf die gleiche Weise annähen, bis Sie einen langen Stoffstreifen von gut 4 m  Länge haben. Nun wird an einem Ende dieses langen Streifens ca. 1 cm nach innen umgebügelt, danach den kompletten Streifen links auf links zur Hälfte zusammenbügeln (er ist jetzt ca. 3,5 cm breit).

An Ihrer Nähmaschine den Geradstichfuß (falls vorhanden mit eingeschaltetem Obertransport) einsetzen, nicht vergessen, den Transport wieder einzuschalten. Die Nadelposition wenn möglich um 3 Schritte nach rechts verschieben, so dass die Naht ca. 0,6 cm vom rechten äußeren Rand positioniert wird.

Befestigen Sie ihren Streifen wie folgt auf einer langen Seite Ihres Läufers: der Läufer liegt mit der Vorderseite nach oben, legen Sie Ihren Streifen (und zwar das Ende, an dem 1 cm umgebügelt wurde)  mit der offenen Kante an die offene Kante Ihres Läufers, dabei beginnen Sie irgendwo in der Mitte einer Längsseite. Ihre Naht beginnt ca 5 cm NACH Beginn des Streifens, d.h. das erste Stück des Streifens hängt lose herum.

DSC_0044
Nun wird bis ca. 2 cm vor der nächsten Ecke nähen, mit 2 oder 3 Rückstichen verriegeln und die Fäden abschneiden.

Den Binding-Streifen nun im rechten Winkel zur Seite falten…
DSC_0047

… und nach links klappen, so dass der Streifen wieder mit der offenen Kante entlang der nun zu nähenden Kante des Läufers liegt.
DSC_0050

Nun die nächste Seite festnähen (dabei nicht vergessen am Anfang und Ende mit ein paar Stichen zu verriegeln)

Irgendwann kommt Ihr wieder an Euren Anfangspunkt – das Ende Eures Streifens sollte ca. 2 cm über diesen hinausragen (wenn nötig den Streifen jetzt kürzen). Dieser wird dann in das offene Ende des Anfangs gelegt und dann festgenäht.

DSC_0052

Zum Schluss wird noch der Binding Streifen umgeklappt und auf der Rückseite mit kleinen Stichen per Hand festgenäht. (Demnächst zeige ich Euch noch mal die Version für Faule – wozu ich auch gehöre – da näht man dann das Binding komplett mit der Maschine fest)

DSC_0056

Viel Spaß beim Nähen! Eure Grete

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Kommentare zu diesem Artikel