Kreative Artikel zum Thema Quilten

Vom Weihnachtsquilt zur Winternacht

Vor einigen Wochen erschien in der Zeitschrift “Patchwork-Spezial Weihnachten” ein wunderschöner Weihnachtsquilt “Home for Christmas” von Andrea Kollath. Es gibt ja so Teile, die sieht man und denkt – wow das muss ich haben! Genauso ging es mir mit diesem tollen Quilt.

Home for Christmas (3)

Also schnell ans Telefon, Andrea in ihrer Quiltmanufaktur in Frankfurt angeläutet und erstmal ein grosses Kompliment durch die Leitung gebracht. So, also, ich musste den haben, unbedingt. Aaaaaber: nicht in diesen Farben. Das Design ist so grossartig, dass ich mir eine kühle Winternachtsvariante vorstellte und Andrea um ein paar Fotos mit ihrer Stoffauswahl von möglichen blauen und cremefarbenen Stoffen bat. Diese trafen eine knappe Stunde später in meiner Mailbox ein, dann wählte ich erneut übers Telefon meine Farbkombi aus. Das ist doch ein Service, oder??? Bald dann trafen die Stoffe hier bei mir ein und dann rannte irgendwie die Zeit wieder an meinem Vorhaben vorbei. Um Wochen, muss ich gestehen.

Dass alles dann plötzlich ganz schnell ging hatte drei Gründe: zum einen werden die Nächte langsam frostig, zum zweiten weihnachtet es überall schon sehr und zum dritten bekam ich letzte Woche grosse Post von BERNINA. Für ein halbes Jahr steht nun leihweise die BERNINA 750 QE bei mir im Arbeitszimmer und wartet darauf, von mir entdeckt und beschäftigt zu werden. Wenn DAS kein Grund ist?

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Also schichtete ich mal schnell die hübschen Stoffe für den Winterquilt davor und begann Tags drauf mit dem Zuschnitt.

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Ich möchte noch schnell zwei Dinge hier anbringen, eh ich erkläre, auf welche Art und Weise ich die Stoffe verarbeitet habe. Zum einen ist es mir wichtig zu zeigen, wie ein in einer Zeitschrift abgebildetes Modell in anderen Farben gearbeitet ausschauen kann – denn ist es nicht manchmal so, dass manche Stoffe vergriffen sind und man(Frau) dann ganz hilflos dasteht und meint – aber was mache ich denn jetzt?? Dann kann ich das ja gleich vergessen – wenn es die Stoffe nimmer gibt, brauch ich ja gar nicht erst weiterzudenken. Stopp!!! Wer sagt denn, dass immer aus den vorgegebenen und abgebildeteten Stoffen genäht werden muss? Also schaun wir doch mal, was aus dieser wunderschönen Vorlage von Andrea Kollath auch noch gemacht werden kann.
Die zweite Sache, auf die ich noch hinweisen möchte ist, dass die beiden weihnachtlichen Quilts gar nicht aus Weihnachtsstoffkollektionen genäht wurden, sondern aus allgemeinen Kollektionen. Das macht ein äusserst geschicktes Design aus, das Auge des Betrachters erstmal zu täuschen und Pfefferkuchenduft beim Anschauen vorzugaukeln ;-). Gut gemacht, Andrea!

Für den Quilt schneide ich aus 16 Stoffen 35 Hexagone nach Schablonenvorlage aus + 7 halbe Hexagone. Ebenfalls schneide ich 35 Schneekristalle + 7 halbe Schneekristalle zu. Die Stoffzuschnitte der Schneekristalle werden mit Vliesofix hinterbügelt.

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Es ist sehr arbeitsintensiv und zeitaufwändig, da sehr viel von Hand zugeschnitten werden muss. Also kein Quilt, der in 7-10 Stunden fertig sein soll, dies sollte man im Hinterkopf haben.

papierabzug

Zuerst legte ich die zugeschnittenen Hexagone auf dem Boden aus, schaute nach einer passenden Verteilung von hellen und dunklen Stoffen und einem geeigneten Farbverlauf. Hier richte ich mich persönlich nie nach einem vorgegebenen Schema oder irgendwelchen prozentualen Mischverhältnissen (falls es sowas überhaupt gibt) sondern mache das rein intuitiv.

stoffsortiert

Dann setzte ich probehalber die ausgeschnittenen Schneekristalle auf….

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Das gefiel mir schon ziemlich gut!

Auf gings, an die neue BERNINA 750 QE. Die ersten notwendigen Schritte entnahm ich der Bedienungsanleitung und los gings.Zuerst nähte ich sämtliche Hexagone seitlich zusammen. Da bei diesen Blöcken immer drei Ecken zusammenstossen muss ausnahmslos mit der Y-Naht genäht werden. Also lasse ich am Nahtbeginn und am Nahtende jeweils einen füsschenbreiten Abstand zur Stoffkante.

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stoffkette

Um eine perfekte Nahtmitte zu erhalten muss man eigentlich nicht anderes tun, als punktgenau zu arbeiten. Leichter gesagt als getan. Ich habe Topmittelpunkte erhalten und auch ein paar, die um Bruchteile von Millimetern aneinander vorbeischrammen. Seis drum. Es gibt wirklich schlimmeres. Dennoch hier ein paar weitere Bildchen um zu veranschaulichen, wie es geht:

Das in der oberen Reihe liegende Hexagon soll nun an die darunterliegende angenäht werden. Hierzu lege ich es rechts auf rechts und positioniere es deckungsgleich an eines der beiden Hexagone, die nach unten versetzt, rechts und links davon liegen. Im unten stehenden Foto sieht man den zu erreichenden Eckpunkt; bis hierher muss gleich genäht werden.

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Also streiche ich die Stoffe wieder zusammen nach aussen weg und stecke eine Nadel an die bereits vorhandene erste Naht, die vom Zusammensetzen der Hexagonreihen entstanden ist.

ynaht3Hier ist es nochmals besser zu sehen:

 

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Dann nähe ich genau zwischen diesen beiden Eckpunkten eine Kante des in der oberen Reihe liegenden Hexagons ein.

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Wenn ich ganz exakt gearbeitet habe, entsteht ein perfekt getroffener Mittelpunkt ;-).

 

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Hachja, und da die Begeisterung über die leise schnurrende und perfekt arbeitende BERNINA 750 QE sooooooo gross war, habe ich versehentlich eine Reihe Hexagone komplett falsch herum zwischengenäht. Klasse.Und das entdeckt man dann am nächsten Morgen, wenn man die erste Tasse Kaffee ins Arbeitszimmer trägt und sich aufs Einschalten der neuen Maschine freut. Nix da.

Es gibt so einen hübschen Nahttrenner von BERNINA – der kam diesesmal dann auch zum Einsatz. Ich sagte ja – das ist ein Quilt, der mal eben so genäht wird. Und damit man noch länger davon hat, näht man so wie ich…

auftrennen

Nun muss ich noch etwas zwischenschieben: Andrea hat in ihrer Anleitung eine andere Vorgehensweise zum Zusammenbau ihres Quilts beschrieben und auch so genäht. Sie hat zuerst ein Hexagon ausgeschnitten, dann ein Schneekristall, hinterbügelt mit Vliesofix ebenfalls ausgeschnitten, dieses dann direkt auf das Hexagon aufgebügelt und rundherum, in der Raw Edge Quilting Methode knappkantig aufgenäht. Erst danach hat sie alle mit Schneekristallen versehenen Hexagone zusammengenäht und anschliessend das Top auf Vlies und Rückseitenstoff im Nahtschatten der Hexagone gequiltet:

Home for Christmas (2)

Ich hatte mich für eine andere Variante entschieden, da ich das leichte Ausfransen der Stoffe, das beim Aufbügeln mit Vliesofix entstehen kann provozieren wollte. Zuerst steppte ich die Hexagone allesamt im Nahtschatten auf das darunterliegende Vlies auf.

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Anschliessend bügelte ich die einzelnen Schneekristalle mittig auf die Hexagone auf.

aufbuegeln

Dann quiltete ich die Kristalle nicht rundherum am Rand entlang, sondern quiltete sie mit einem Dreifachstich in der Mitte hindurch und auch über den Zuschnitt hinaus. Hier habe ich bewusst auch etwas unregelmässig gearbeitet. Durch das leichte Ausfransen und die etwas “schrägen” und übers Ziel hinausschiessenden Quiltstiche bekommt die Arbeit so eine Art “used look” oder einen Shabby Look, wie er derzeit recht modern ist.

quilting

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Es war schon reichlich Arbeit, sich durch all diese Blöcke hindurchzuarbeiten – zumal ich ja auch nicht die klassische Quilterin bin. Da fällt mir das Durchhalten bei diesen sich wiederholenden Arbeitsschritten doch schwer. Aber ich war so eingenommen von der Maschine, dass es einfach lief.

Der erste Teil war fertig, die Aussenkanten konnten zurückgeschnitten werden.

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zurueckgeschnitten

Dann legte ich einen weissen Rückseitenstoff dahinter und quiltete nochmals in einem Dreifachstich einige Reihen Hexagone im Nahtschatten nach, damit die drei Lagen verbunden wurden.

rueckseitenstoff

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Der letzte Schritt war noch das Annähen das Bindings und der allerletzte dann das Annähen auf der Rückseite von Hand.

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Und hier sind nun zwei völlig unterschiedliche Quilts, mit ein und demselben Design:

Andreas toller bunter, weihnachtlicher farbenfroher Quilt:

Home for Christmas (5)

und hier die Winternachts-Variante von mir:

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quilt1

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Nun noch ein paar Worte zu meinen ersten Näheindrücken mit der BERNINA 750 QE. Seit ein paar Jahren ist meine Alltagsmaschine, mit der ich zu 99% alle Artquilts und Textilkunstarbeiten anfertige die BERNINA 820. Mit ihr bin ich sehr zufrieden und schätze die Features, die ich von dem riesigen Potential, die sie bietet nutze, sehr. Aber nun habe ich hier eine Maschine einer neuen Generation stehen. Da steckt eine grosse Entwicklung dahinter, die sich sofort bemerkbar macht. Es beginnt beim Hochfahren des Nähcomputers, das sind wenige Sekunden und die Maschine ist startklar. Das neue Greifersystem funktioniert bestens. Bei all den Blöcken, die ich zu nähen hatte, die Quiltnähte, die anzufertigen waren: kein einziges Mal knuddelte der Unterfaden, zog Stoff zusammen, bildete Schlaufen oder machte andere Mätzchen, die schonmal passieren. Es war ein überaus entspanntes Arbeiten. Die Fadenspannung war bestens, das Stichbild perfekt. Der Fadenabschneider arbeitet zuverlässig, kein Fadenriss passierte in all diesen langen Nähstunden. Auch der Durchlass, der 5 cm kleiner ist, als ich es von der 820ger gewohnt bin, ist mehr als ausreichend um auch einen grösseren Quilt, als diesen mittelgrossen Wandbehang zu arbeiten.

Ich werde ausführlicher von meinen Erfahrungen mit der BERNINA 750 QE, vor allem auch beim freien Arbeiten, mit unterschiedlichen Materialen berichten.Doch erst im Februar im kommenden Jahr.
Da ich Mitte Januar von Rottweil in die Nähe von Ulm umziehe, waren die letzten Wochen gut gefüllt mit Arbeit und der Advent wird von Vorbereitungen dazu gefüllt sein. Daneben läuft die Ausarbeitung meiner neuen Ausstellung für 2015. Daher gibts hier derzeit weniger von mir zu lesen, das wird sich nächstes Jahr wieder ändern.

Ich wünsche daher jetzt schon allen Leserinnen und Lesern, meinen Blogkolleginnen und dem BERNINA Team eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Herzliche Grüße,

Jutta Hellbach

ps. und wer Lust hat diesen tollen Quilt “Home for Christmas” nachzunähen, bekommt die Materialpackung bei Andrea in der Quiltmanufaktur!

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