Kreative Artikel zum Thema Quilten

Anleitung für schnelle (und weniger schnelle) Körbchen

Körbchen zur Stoffaufbewahrung

Anleitungen für Körbe und Utensilos gibt es im Netz und in so ziemlicher jeder Zeitschrift wie Sand am Meer. Mit meinen Körbchen habe ich also wirklich das Rad nicht neu erfunden – aber… was ich Euch damit zeigen wollte war, wie unterschiedlich man das gleiche Schnittmuster gestalten kann – je nachdem wie viel Zeit und Lust man denn gerade so hat.

Die Sache war die – ich bekomme ein neues Nähzimmer, oder formulieren wir das mal anders – ich bekomme mein ERSTES eigenes Nähzimmer. Erst hatte ich meine Maschinen im Laden stehen, dann mussten sie weiteren Stoffregalen weichen und ich bin ins Wohnzimmer umgezogen. Dort wurde ich dann nach vier Wochen vertrieben weil das leise säuseln meiner Nähmaschine offenbar abends meine Kinder beim fernsehen gestört hat und jetzt residiere ich im Schlafzimmer. Und dort darf ich Sonntags morgens um 05.00 Uhr, wenn ich nicht mehr schlafen kann auch nicht. Verstehe das wer will.

Unters Dach wollte ich nicht, dort ist das Gästezimmer und da weiß man ja schon im Voraus, dass man ständig vertrieben wird. In den Keller wollte ich erst recht nicht, da ist kein Licht und dort wohnen schreckliche Tiere mit vielen Beinen. Also galt es zu warten, bis eines meiner noch zuhause wohnenden Kinder auszieht. Das geschieht in zwei Wochen – und ich bin im Planungsrausch.

15 Quadratmeter sind weit mehr als ich jetzt habe – aber… es soll ja das schönste, praktischste und gemütlichste Nähzimmer aller Zeiten werden. In dem 4 Nähmaschinen, ein Schneidetisch, Platz für die diversen Werkzeuge, Vorräte, Vliese, Knöpfe, Bänder, Lineale und vor allem Stoffe sein sollen. Und wenn es geht noch ein gemütlicher Sessel und ein Fernseher für die Stunden, in denen man das Binding an einen Quilt näht. Vielleicht sogar noch ein zweiter Sessel für den Gatten, damit er da unten nicht völlig vereinsamt. Da gibt es viel zu überlegen – Tageslichtlampen, ideale Höhe für den Schneidetisch, verschlossene Aufbewahrung für Dinge, die man nicht so dekorativ findet, Platz an den Wänden für Entwürfe und Miniquilts, vielleicht ein Luxus-Nähtisch mit Versenkfunktion, so dass die Nähmaschine zum quilten auf einer Ebene mit der Tischplatte ist….

Und natürlich die möglichst ansprechende Aufbewahrung meiner Stofflieblinge. Meine Stoffe führen nämlich ein Leben in einer 3-Klassen-Gesellschaft. Da sind die Basics, die Unis, die Dinge, die man immer braucht und die man natürlich auch gerne hat. Dann sind da die Stoffe, die ich recht nett finde und die irgendwann mal den Weg in ein Taschenfutter oder auf eine Quiltrückseite finden. Und dann gibt es meine Schätze. Die, von denen ich auch noch den letzten Schnipsel aufbewahre und verwende und die ich immer gerne vor Augen haben möchte.

Schnöde Plastikdosen sind zwar praktisch und stapelbar – aber weder besonders schön noch als ständiger Aufenthalt für meine Schätze angemessen. Also hatte ich beschlossen – wir nähen für jede Farbfamilie ein Körbchen – 9 an der Zahl – und zwar in der Größe in der ich (und die meisten anderen Stoffläden) ihre Fat Quarter falten. Das heißt dort sollten ca. 12 x 12 cm groß gefaltete Stoffstücke so hineinpassen, dass sie genau bis zum oberen Rand gehen. So passen die Körbe auf so ziemlich jedes Regal und ich sehe mit einem Blick, was dort drin ist.

Die schlichteste Version ist in 20 Minuten zugeschnitten und genäht…

orange

die aufwändigste (das Körbchen mit den halben Dresden Tellern) braucht 2 – 3 Stunden.

Unis hinten

Nähanleitung Stoffkörbchen mit Schnittmuster

Also – ich erkläre Euch, wie man das aufwändigste Körbchen macht, die Schnittteilgrößen sind für alle Körbe gleich und Ihr findet sie hier:

Download Schnittmuster Stoffkörbchen

Materialbedarf:

Für den Aussenstoff: 2 Stücke Baumwollstoff je 26 x 41 cm
Für das Futter: 2 Stücke Baumwollstoff je 26 x 41 cm
Für das Körbchen mit dem Dresdenteller: 20 verschiedene Stoffreste ca. 10 x 10 cm
Für die Körbchen mit den bunten Stoffstreifen: 2 Streifen 6 x 41 cm
Vlies: 2 Stück Soft & Stable je 30 x 45 cm *
Passendes Nähgarn

* Ich habe das Soft & Stable Vlies verwendet, weil es für Taschen und Utensilos so schön Stand gibt, Ihr könnt aber auch z.B. die Stoffteile mit Vliesofix oder G 700 verstärken und dann Thermolam aufbügeln.

Zuschneiden:

Die Stoffe gemäß den Maßen auf dem Schnittteilblatt zuschneiden (das Vlies NICHT zuschneiden)

Nähen:

Die Schnittteile für das Futter rechts auf rechts aufeinanderlegen, die Seitennähte und die untere Naht mit 1 cm Nahtzugabe schließen. Nahtzugaben offen bügeln. Die offenen unteren Ecken so auseinander ziehen, dass jeweils die Seitennaht und die Bodennaht genau aufeinander liegen, diese Nähte ebenfalls mit 1 cm Nahtzugabe schließen. Die Futtertasche wenden, an der oberen Kante 1 cm nach innen bügeln und beiseite legen.

Nun die Schnittteile für die Aussentasche auf die Vliesteile legen, mit ein paar Nadeln feststecken.

Schnittteil

Knappkantig rundherum absteppen, das Vlies rundherum abschneiden und mit einem Trickmarker ein Rechteck aufzeichnen: 8,75 cm vom unteren Rand und von den seitlichen Rändern. Entlang dieser Markierung absteppen, dadurch legt sich das fertige Körbchen besser um die Ecken.

Schnittteil abgenäht

Wenn Ihr die Version mit einem farbigen Stoffstreifen gewählt habt könnt Ihr diesen jetzt aufnähen. Hierzu zwei bunte Stoffstreifen von 41 cm Länge und 6 cm Breite zuschneiden, jeweils an den langen Seiten 1 cm umbügeln, 4 cm vom oberen Rand entfernt auf dem Schnittteil platzieren und knappkantig rundherum festnähen.

Wenn Ihr jetzt noch einen Text anbringen möchtet (wie z.B. bei dem grünen Körbchen) solltet Ihr diesen jetzt genau oberhalb dieses Streifen aufnähen.

Für fast alle meine Körbchen (außer das mit dem Dresden Teller und das in orange) geht es jetzt ans quilten. Hier meine Beispiele:

türkis

Bei den Körbchen, die einen bunten Stoffstreifen haben, habe ich immer ein Quiltmuster gewählt, dass in irgendeiner Form das Muster des Stoffes wieder aufnimmt, wie bei diesem Körbchen in türkis…

grau schwarz

 

….oder diesem in grau-schwarz.

lila

Bei diesem Körbchen hatte ich einfach nur Lust, meine Muschelwürmer zu quilten…

pink rot

Hier….

grün

… und hier hatte ich es offenbar einfach nur eilig :o) – aber nett sieht es trotzdem aus (finde ich).

Bei dem blauen Körbchen wollte ich gerne mal ein neues Muster ausprobieren:

blau

Hier quiltet Ihr einfach schlängelnde Linien in das Werkteil, im Abstand von ca. 3 mm – und ab und zu lasst Ihr mal zwischen den Linien etwas mehr Platz – in möglichst unterschiedlichen Formen und bevor Ihr weiter Eure Linien quiltet, setzt Ihr dort quergequiltete Linien ein, das sieht wie ich finde sehr schön plastisch aus.

Wenn Ihr gerne das Körbchen mit dem Dresdenteller machen wollt, geht es jetzt aber vor dem quilten erst mal so weiter:

Zunächst schneidet Ihr mit Hilfe des aufgezeichneten Keils auf Eurem Schnittteil eine Schablone zu – entweder aus Pappe oder aus Plastik. Mit dieser Schablone schneidet Ihr dann aus verschiedenen Stoffen 20 Keile zu.

Dresden Tumbler

Diese werden dann der Länge nach rechts auf rechts zusammengelegt und der obere, breitere Rand wird mit 1/4″ (ca. 0,65 cm)  Nahtzugabe abgesteppt.

Dresden Keile nähen

Die kann man prima – sozusagen in Kette – hintereinander weg nähen.

genähte Keile

Schneidet Euch jetzt noch einmal ein Papp-Quadrat zu, so ca. 10 x 10 cm und zieht mit einem Bleistift oder Kugelschreiber eine diagonale Linie von einer Ecke zur gegenüberliegenden.

Bügel Pappe

Das ist Eure Bügelhilfe für die Ecken – versucht das nicht nach Augenmaß zu machen – glaubt mir, das wird schief.

Die Nahtzugaben der Keile mit dem Fingernagel offen pressen und das Teil wenden, das Pappquadrat so in die entstandene Ecke einlegen, dass der Strich eine Fortsetzung Eurer Naht ist und bügeln.

Keile bügeln

Legt jetzt je 10 Eurer Keile in der Reihenfolge zusammen, wie Ihr sie gerne hättet und näht sie rechts auf rechts mit 1/4″ Nahtzugabe an den langen Seiten zusammen, bis Ihr einen halben Dresdenteller habt.

Dann steckt Ihr diesen mit Nadeln auf Eure Schnittteile.

Dresden feststeckenNun an den offenen Kanten mit Eurem bevorzugten Appliquéstich (Raupenstich, Pariserstich oder einfach ein etwas engerer Zick-Zack-Stich) auf dem Schnittteil festnähen, an den oberen Kanten mit Geradstich knappkantig absteppen.

Wenn Ihr dann noch ein bisschen quilten wollt, wäre jetzt der Zeitpunkt.

aufgenähte Dresdenhälften

Nun werden die beiden Körbchenteile wie schon beim Futter rechts auf rechts zusammengenäht, jedoch dieses mal eine knappere Nahtzugabe wählen (ca. 0,6 cm) oder – wenn vorhanden – mit dem 1/4″ Fuß nähen. Auch die Ecken wieder wie zuvor beschrieben “boxen”.

Aussenteile aneinander nähen

Das Körbchen wenden, der obere Rand wird ebenfalls 1 cm umgeschlagen, ich mache das nicht mit bügeln, sondern ich stecke ihn mit Clips fest.

Ränder Aussenteil

Dann erst stecke ich das Futter (links auf links)  in das Körbchen und fange jeweils an den Außennähten an und stecke das Futter schön ordentlich am Außenteil fest. Sollte Eurer Futter geringfügig größer geworden sein, als das Außenkörbchen (hängt ja auch immer ein bisschen davon ab, welches Vlies Ihr verwendet habt) – einfach das Futter noch mal rausnehmen und die Seitennähte an den oberen Kanten ein bisschen breiter machen, dafür einfach noch mal 1 oder 2 mm neben der ursprünglichen Naht hernähen und nach 5 oder 6 cm schräg wieder in die erste Naht leiten.

Für das absteppen des oberen Rands am besten den Anschiebetisch abnehmen und auf dem Freiarm nähen. Knappkantig absteppen – und fertig ist das Körbchen!

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