Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps Dezember 2015

In Mode

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Schwere Samtmäntel, kostbare Seidenwämser und mit Federn geschmückte Kopfbedeckungen: Die Sammlung historischer Kleider des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg gehört zu den ältesten, bedeutendsten und umfangreichsten textilen Fachsammlungen weltweit. Ab dem 3. Dezember 2015 werden erstmals rund 50 Kleidungsstücke aus der Zeit zwischen 1530 und 1650 zusammen mit hochkarätigen Leihgaben aus dem In- und Ausland für drei Monate in einer grossen Sonderausstellung zu sehen sein. Bedeutende Werke aus dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Kunsthistorischen Museum in Wien oder der Königlichen Leibrüstkammer Stockholm reisten dafür eigens nach Nürnberg.

Wams mit Schlitzen um 1630, Seide, Atlasbindung, weiß, geprägt Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Wams mit Schlitzen
um 1630, Seide, Atlasbindung, weiss, geprägt
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Die fragilen, historischen Kleidungsstücke erlauben Nahsichten auf Stoffe, Formen und Machart. Ergänzend veranschaulichen repräsentative Porträts die ursprüngliche Wirkung und Tragweise. Sie zeugen vom Anspruch der Oberschichten auf standesgemässe Kleidung. Flugblätter dagegen nutzen die Kleidung zur Gesellschaftskritik, und in Trachtenbüchern stehen sie für das Interesse an modischer Weltläufigkeit. In den Kleideralltag führen archäologische Funde aus einer Schneiderwerkstatt um 1600 und selten erhaltene Zeugnisse aus dem Bereich der Kleiderpflege vor 400 Jahren.

Nicolas Juvenel: Bildnis des Balthasar IV. Paumgartner 1589, bezeichnet: 'AETATIS 4. / ANNO 1589', Öl auf Leinwand, 111 cm hoch x 97 cm breit Leihgabe aus Privatbesitz

Nicolas Juvenel: Bildnis des Balthasar IV. Paumgartner
1589, bezeichnet: ‘AETATIS 4. / ANNO 1589’, Öl auf Leinwand, 111 cm hoch x 97 cm breit
Leihgabe aus Privatbesitz

Die in Europa teilweise einzigartigen Stücke des Nürnberger Museums wurden in einem vierjährigen Forschungsprojekt wissenschaftlich neu bearbeitet und restauriert und sind jetzt erstmals zu sehen.

Bestickter Mantel mit Kapuze um 1580/1620, Obermaterial aus Wolle, weiss, Stickerei aus Wolle, dunkelbraun Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Bestickter Mantel mit Kapuze
um 1580/1620, Obermaterial aus Wolle, weiss, Stickerei aus Wolle, dunkelbraun
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Zu den Highlights der Ausstellung zählt ein grünes Wams mit Schlitzmuster aus der Zeit um 1580/1600 mit sogenanntem ‘Gänsbauch’, das als seltenes Original einen zentralen Kleidertypus der Frühen Neuzeit repräsentiert. Die historische Bezeichnung ‘Gänsbauch’ erklärt die Form: Über einem schmalen Schoss und betonter Taille wölbt sich eine wattierte Bauchpartie. Charakteristisch sind auch die weiten, zum Handgelenk schmal zulaufenden Ärmel, die beim Tragen leicht geschoppt zu denken sind. Macht und Würde sollte der Träger in diesem Kleidungsstück ausstrahlen. Die Form des Gänsbauchs stammt wohl aus dem militärischen Bereich. Beim Harnisch bot eine nach vorne zugespitzte Bauchpartie dem Feind weniger Angriffsfläche und diente damit der Wehrhaftigkeit des Trägers. In der zivilen Kleidung wurde sie dann zur Mode.

Grünes Wams mit 'Gänsbauch', Detailansicht um 1580/1600, Seidenatlas mit Schlitzmuster über Seidentaft Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Grünes Wams mit ‘Gänsbauch’, Detailansicht
um 1580/1600, Seidenatlas mit Schlitzmuster über Seidentaft
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Wie nahezu alle in der Ausstellung gezeigten Kleidungsstücke wurde auch das grüne Wams mit ‘Gänsbauch’ eigens für die Präsentation grundlegend restauriert. Rund eineinhalb Jahre lang dauerten die Arbeiten: Grosse und kleinere Fehlstellen in der seidenen Oberfläche wurden gesichert, indem das historische Textil mit neuem Stoff hinterlegt und darauf fixiert wurde. Die dafür verwendeten Gewebe und Fäden waren zuvor von Hand in dem Grünton des Wamses eingefärbt worden.

Grünes Wams mit 'Gänsbauch' bei der Restaurierung um 1580/1600, Seidenatlas mit Schlitzmuster über Seidentaft Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Grünes Wams mit ‘Gänsbauch’ bei der Restaurierung
um 1580/1600, Seidenatlas mit Schlitzmuster über Seidentaft
Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

Wämser, Kleider und Mäntel, Kopfbedeckungen und Kragen, aber auch Stofffragmente und Accessoires für die Kleiderpflege lassen Besucher in die prächtige Welt frühneuzeitlicher Mode eintauchen. Die Ausstellung vereint die seltenen textilen Originale mit repräsentativen Bildnissen aus internationalen Museen. Sie zeigt Kleidung und Mode in ihren vielfältigen sozialen Bezügen. Die originalen Kostüme lassen einen beeindruckenden Reichtum von Formen, Materialien und Macharten entdecken. Gemälde, Bildwerke und grafische Blätter nutzten die symbolische Sprache der Kleidung, die damals wie heute den Platz eines Menschen in der Gesellschaft offenbarte. Die Ausstellung rekonstruiert diese Botschaften und macht Kleidung des 16. und 17. Jahrhunderts wieder lesbar.

Hans Mielich: Bildnis der Herzogin Anna von Bayern in ganzer Figur, Tochter König Ferdinands 1556, Öl auf Leinwand 211,5 cm hoch x 115,5 cm breit Kunsthistorisches Museum, Wien, Gemäldegalerie

Hans Mielich: Bildnis der Herzogin Anna von Bayern in ganzer Figur, Tochter König Ferdinands
1556, Öl auf Leinwand, 211,5 cm hoch x 115,5 cm breit
Kunsthistorisches Museum, Wien, Gemäldegalerie

Info:

3. Dezember 2015 – 6. März 2016

In Mode.
Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock

Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1
90402 Nürnberg

www.gnm.de

Nähere Informationen im Flyer

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BARBARA BROEKMAN

Ab dem 29. November 2015 zeigt das Museum Rijswijk grausige Ereignisse auf prächtigen Wandteppichen, die Barbara Broekman gewebt hat. Die Spannung zwischen Tragik und Schönheit wohnt auch dem Leben inne und spiegelt die Welt um uns herum, eine Welt der Widersprüche.

Barbara Broekman: Bangladesch Jacquard-Gewebe, 205 x 148 cm Foto vom Museum Rijswijk zur Verfügung gestellt

Barbara Broekman: Bangladesch
Jacquard-Gewebe, 205 x 148 cm
Foto vom Museum Rijswijk zur Verfügung gestellt

Jüngstes Beispiel ist die Serie ‘Glaube’, 2014, die aus 12 Arbeiten besteht. Trotz des dargestellten menschlichen Leids sind die Werke von unglaublicher Schönheit. Über Jahre hat die Künstlerin Zeitungsausschnitte zu schockierenden und zutiefst tragischen Ereignisse wie die im Nahen Osten gesammelt, die die Grundlage bilden. Nach Bearbeitung mit dem Computer werden die digitalen Informationen in Jacquard-Technik gewebt und es entstehen Flächen von etwa eineinhalb bis zwei Metern Grösse, die Gemälden gleichkommen. Die textilen Bilder machen Leid und Zerstörung fast greifbar und gehen noch mehr unter die Haut als die zahllosen Fotos und Filme, die die Medien täglich liefern.

Barbara Broekman: Irak Jacquard-Gewebe, 205 x 148 cm Foto vom Museum Rijswijk zur Verfügung gestellt

Barbara Broekman: Irak
Jacquard-Gewebe, 205 x 148 cm
Foto vom Museum Rijswijk zur Verfügung gestellt

Ausserdem zeigt das Museum noch weitere Serien der Künstlerin.

Info:

29. November 2015 – 24. Januar 2016

BARBARA BROEKMAN

Museum Rijswijk
Herenstraat 67
2282 BR Rijswijk
Niederlande

www.museumrijswijk.nl

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Gestickte Moderne

Plakat

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Ferdinand Nigg (1865–1949) gehört zu den Künstlern, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Stickerei als künstlerisches Medium entdeckten und für die Umsetzung moderner Gestaltungsprinzipien fruchtbar machten. Die reduzierte und abstrahierte Formensprache, mit der Nigg auch eine ausdrucksreiche Gestik und Mimik zur Darstellung bringt, ist ein grosses Faszinosum seines Werks.

Ferdinand Nigg: Der König aus der Georgslegende undatiert, Woll- und Baumwollstickerei auf Stramin, 27 x 19 cm Privatbesitz Foto: Heinz Preute

Ferdinand Nigg: Der König aus der Georgslegende
undatiert, Woll- und Baumwollstickerei auf Stramin, 27 x 19 cm
Privatbesitz
Foto: Heinz Preute

Ferdinand Nigg, 1865 in Vaduz geboren, war Maler, Grafiker, Textildesigner, Buchgestalter und Typograf. Nach seiner Ausbildung in Zürich sowie Aufenthalten in München und Augsburg liess er sich als freischaffender Künstler in Berlin nieder.

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Ines Agostinelli © Kunstmuseum Liechtenstein

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne
Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein
Foto: Ines Agostinelli
© Kunstmuseum Liechtenstein

1903 wurde Nigg als Professor für Buchgewerbe und Textil an die fortschrittliche Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg berufen. Hier, in der Hochblüte seines öffentlichen Schaffens, wirkte er im Vorfeld des Deutschen Werkbundes als Gestalter an der Schnittstelle von Künstlerentwurf und industrieller Produktion. 1912 folgte er dem Ruf an die Kunstgewerbeschule in Köln und wurde dort erster Inhaber des Lehrstuhls für Paramentik (Textilien im kirchlichen Bereich). Nach seiner Pensionierung im Jahre 1931 kehrte Nigg nach Liechtenstein zurück, wo sein Spätwerk entstand.

Ferdinand Nigg: Musterentwurf 1903–1912 (Magdeburger Zeit), Gouache auf Papier, 58,5 x 46 cm Kanonikus Anton Frommelt-Stiftung, Vaduz Foto: Heinz Preute

Ferdinand Nigg: Musterentwurf
1903–1912 (Magdeburger Zeit), Gouache auf Papier, 58,5 x 46 cm
Kanonikus Anton Frommelt-Stiftung, Vaduz
Foto: Heinz Preute

Das Kunstmuseum Liechtenstein widmet Nigg anlässlich seines 150. Geburtstags eine grosse Überblicksschau, die in enger Zusammenarbeit mit dem Archiv-Atelier, Vaduz (Prof. Ferdinand Nigg-Stiftung und Kanonikus Anton Frommelt-Stiftung) realisiert wurde.

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Ines Agostinelli © Kunstmuseum Liechtenstein

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne
Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein
Foto: Ines Agostinelli
© Kunstmuseum Liechtenstein

Die Ausstellung hebt eine Facette von Niggs Schaffen hervor, welche ihn nicht nur als Professor und als Entwerfer christlicher Stickkompositionen ausweist, sondern im Wesentlichen als autarken Künstler. Denn parallel zu seiner Lehrtätigkeit schuf Nigg grossteils im Verborgenen ein zeichnerisches und gesticktes Werk. Es ist durchdrungen von einer profunden Kenntnis der Stickkunst und zugleich geprägt von der frühen Abstraktion.

Ferdinand Nigg: Der Drache aus der Georgslegende undatiert, Gouache, Tusche und Grafit auf Papier, 52,8 x 42,8 cm Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz Foto: Heinz Preute

Ferdinand Nigg: Der Drache aus der Georgslegende
undatiert, Gouache, Tusche und Grafit auf Papier, 52,8 x 42,8 cm
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz
Foto: Heinz Preute

Auf dem Kreuzstich als einer minimalistischen Grundstruktur aufbauend, fand Nigg zu einem aussergewöhnlichen Zusammenspiel von Figuration und Abstraktion, das sich zunehmend in biblischen Bildmotiven äusserte. Dabei sind die vielfältigen Kunstrichtungen, die sich in der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts entwickelten – sei es der Expressionismus, der Kubismus oder etwa der Konstruktivismus – im Schaffen des Liechtensteiner Künstlers spürbar.

Ferdinand Nigg: Der König aus der Georgslegende, Detail undatiert, Woll- und Baumwollstickerei auf Stramin Privatbesitz Foto: Heinz Preute

Ferdinand Nigg: Der König aus der Georgslegende, Detail
undatiert, Woll- und Baumwollstickerei auf Stramin
Privatbesitz
Foto: Heinz Preute

Gleichwohl ist sein Werk keinem dieser Stile zuzuordnen, sondern überrascht vielmehr in seiner Eigenständigkeit. In drei Sälen mit unterschiedlichen Präsentationsformen spiegelt die Ausstellung die Vielfältigkeit dieses Oeuvres wider.

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Ines Agostinelli © Kunstmuseum Liechtenstein

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne
Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein
Foto: Ines Agostinelli
© Kunstmuseum Liechtenstein

Zum Auftakt erzeugt im ersten Saal eine eigens konzipierte Ausstellungsarchitektur für die abstrakten und ornamentalen Arbeiten auf Papier, Kleistermalereien und Musterentwürfe, einen besonderen Raum der Betrachtung.

Ferdinand Nigg: Kleistermalerei 1903–1912 (Magdeburger Zeit), Kleistermalerei auf Papier, 37 x 46,5 cm Kanonikus Anton Frommelt-Stiftung, Vaduz Foto: Heinz Preute

Ferdinand Nigg: Kleistermalerei
1903–1912 (Magdeburger Zeit), Kleistermalerei auf Papier, 37 x 46,5 cm
Kanonikus Anton Frommelt-Stiftung, Vaduz
Foto: Heinz Preute

Der zweite Saal ist den gestickten Wandbehängen und grossformatigen Entwurfszeichnungen gewidmet …

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Ines Agostinelli © Kunstmuseum Liechtenstein

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne
Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein
Foto: Ines Agostinelli
© Kunstmuseum Liechtenstein

… während im dritten Saal Zeichnungen, Entwürfe, kirchliches Textil, Mustertücher und grafische Arbeiten auf Schautischen ausgebreitet sind. Auch Auszüge aus Niggs Textilsammlung und aus seinem bislang nicht gezeigten Bildfundus montierter Zeitungsausschnitte gibt es hier zu sehen. Sie erlauben einen Einblick in seine weit gestreuten Interessenfelder und Inspirationsquellen wie auch seinen künstlerisch-konzeptuellen Ansatz.

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein Foto: Ines Agostinelli © Kunstmuseum Liechtenstein

Ferdinand Nigg (1865–1949). Gestickte Moderne
Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein
Foto: Ines Agostinelli
© Kunstmuseum Liechtenstein

Die Ausstellung ist eine Produktion des Kunstmuseum Liechtenstein, kuratiert von Christiane Meyer-Stoll in Kooperation mit Eva Frommelt-Mengou Tata, Prof. Ferdinand Nigg-Stiftung. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Essays zu thematischen Aspekten, Beiträgen zur Stiftungs- und Rezeptionsgeschichte, bisher unveröffentlichtem Archivmaterial sowie einem reichen Anhang. Ausserdem wird in Kooperation mit der Philatelie Liechtenstein ein Briefmarkenbogen nach Werken des Künstlers herausgegeben.

Ferdinand Nigg: Verkündigung (Mir geschehe nach Deinen Worten) 1919/1920, Wollstickerei auf Stramin, 110 x 160 cm Gemeinde Schaan Foto: Heinz Preute

Ferdinand Nigg: Verkündigung (Mir geschehe nach Deinen Worten)
1919/1920, Wollstickerei auf Stramin, 110 x 160 cm
Gemeinde Schaan
Foto: Heinz Preute

Info:

11. September 2015 – 24. Januar 2016

Ferdinand Nigg (1865–1949)
Gestickte Moderne

Kunstmuseum Liechtenstein
Städtle 32
9490 Vaduz
Fürstentum Liechtenstein

www.kunstmuseum.li

Öffentliche Führungen, Begleitprogramm und weitere Informationen

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The language of feelings

Jutta Kohlbeck (Regensburg) ist mit ihrem textilen Objekt ‘Fremdverschulden’, das sich mit dem Thema ‘sexueller Missbrauch von Kindern’ auseinandersetzt, zur Teilnahme an der Ausstellung ‘Tuntemisen Kelet / El lenguaje de los sentimientos / The language of feelings’ in Finnland eingeladen worden.

Jutta Kohlbeck: Fremdverschulden, Detail Foto: Jutta Kohlbeck

Jutta Kohlbeck: Fremdverschulden, Detail
Foto: Jutta Kohlbeck

Kuratorin der Ausstellung ist die spanische Künstlerin Susana Nevado (Master of Arts), die seit vielen Jahren in Finnland lebt. Die Ausstellung basiert auf Kunstprojekten Susana Nevados mit sozial benachteiligten Frauen in Europa, Afrika und Mittelamerika (Mexico). Susana nutzt hier die universelle Sprache der Kunst als Bindeglied und Ausdrucksmittel. Als Werkstoffe wurden Textilien (Quilt, Faden, Stickerei und Applikation) eingesetzt.

Susana hat in Finnland, Mexico und in Afrika Workshops mit Frauen ins Leben gerufen, um ihnen über die Auseinandersetzung mit ihren oft schwierigen sozialen Verhältnissen, Gewalt, Migration und Zweisprachigkeit, auf der Basis traditionell bekannter Techniken wie Näherei und Stickerei die Möglichkeit zu geben, ihre Sicht der Dinge und ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Jutta Kohlbeck schreibt: ‘Was mir an diesem Ausstellungskonzept besonders gefällt, ist die Ehrlichkeit, die diesem Projekt zugrunde liegt. Ein Projekt von Frauen für Frauen, fernab von gut gemeinten Ratschlägen; ein Hinhören auf die wirklichen Ängste, Hoffnungen und Bedürfnisse. Durch die traditionellen handwerklichen Fähigkeiten der Frauen im Bereich Stickerei und Näherei gelingt der Zugang zum künstlerischen Ausdruck auf gesicherter Basis und gibt Freiräume, die den Frauen in der Realität oft verwehrt sind.’

Einladung

Einladung

Ganz reibungslos konnte die Ausstellung nicht gezeigt werden. Die mexikanische Vertretung in Helsinki intervenierte wegen einer Fotoserie einer beteiligten mexikanischen Künstlerin, die sich mit dem Thema ‘Drogenhandel’ auseinandersetzt. Susana Nevado als Kuratorin gelang die Realisation der Ausstellung jedoch mit Hilfe des finnischen Museums.

Die Ausstellung wird ergänzt durch themenbezogene Arbeiten von Susana Nevado und der von ihr eingeladenen Künstlerinnen.

Info:

3. Dezember 2015 – 31. Januar 2016

Tuntemisen Kelet / El lenguaje de los sentimientos / The language of feelings
Contemporary community art from 3 continents

Helinä Rautavaara Museum
The WeeGee Exhibition Centre in Tapiola
Ahertajantie 5
Espoo
Finnland

www.helinamuseo.fi

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fast fashion – Die Schattenseiten der Mode

Die Ausstellung, die bis Ende Oktober im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen war (hier gehts zu meinem Bericht), ist nach Dresden weitergezogen, wird dort im Deutschen Hygiene Museum präsentiert und spürt Themen nach wie beispielsweise: Woher kommt die Mode, die es in wenigen Wochen vom Laufsteg in den Laden schafft und vom Prototypen zum Massenartikel wird? Wo wird sie produziert, unter welchen Bedingungen, von wem? Wie kann Kleidung so preiswert sein?

Plakat

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Den dadurch aufgeworfenen Fragen nach der Produktion, den ökologischen Folgen und den Auswegen aus diesem Delimma näherte man sich in Hamburg in vielfätiger Weise. So wurde z.B. im begleitenden Blog ‘Stilbrise’ darüber berichtet, wie man diese Gegensätze zusammenbringen kann und wie die Ausstellungsbesucher damit umgehen. Viele Berichte, Infos, Interviews, Adressen für faire Mode, DIY-Ideen … kann man hier immer noch nachlesen – wir dürfen gespannt sein, was in Dresden passiert.

Info:

5. Dezember 2015 – 3. Juli 2016

fast fashion – Die Schattenseiten der Mode

Deutsches Hygiene-Museum
Lingnerplatz 1
01069 Dresden

www.dhmd.de

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Behind That Curtain

‘What is Behind That Curtain?’, formuliert die amerikanische Performance-Künstlerin Laurie Anderson die grosse Frage des Lebens und was danach kommt. Im Zusammenhang mit der Textildynastie Jacob Rohner verkehrt sich die Situation und der Blick hinter den Vorhang bringt ein von Fabrikantin Josy Geser-Rohner streng überwachtes, katholisch konservatives Regime zutage.

Andrea Vogel: Analog Layers #01 © Andrea Vogel

Andrea Vogel: Analog Layers #01
© Andrea Vogel

Ausgehend vom Buch ‘Sticken und Beten’ von Jolanda Spirig, wo der Familien- und Fabrikgeschichte aus Rebstein im St. Galler Rheintal nachgegangen wird, schafft Künstlerin Andrea Vogel eine mehrteilige Installation, die im Kulturraum am Klosterplatz in St. Gallen zu sehen ist.

Andrea Vogel: Analog Layers #02 © Andrea Vogel

Andrea Vogel: Analog Layers #02
© Andrea Vogel

In einem Baugerüst finden die zu Tage geförderten Geschichten von Liebe und Hass, Glaube und Ehrgeiz, skrupellosen Entscheiden und Kniefall vor dem Papst Platz. Das Gebilde wird Kirchenschiff und Kopfkonstrukt, Altarersatz und Laufsteg und bleibt doch Bild für das Vorläufige des Lebens.

Andrea Vogel: Papst Pius römisch zwölf Foto: Tobias Siebrecht

Andrea Vogel: Papst Pius römisch zwölf
Foto: Tobias Siebrecht

Mit Sorgfalt rollen Frauenhände eine historische Spitzenbordüre auf. Die Rolle wächst. Am Ende verwandeln zwei handelsübliche Verbandsklammern die kompakt hergerichtete Spitze in Verbandsmaterial. Die performative Szene lässt an Verletzungen, Wunden und körperliche Ab- und Ausnutzung denken, die hinter den Superlativen, dem Glanz und dem Erfolg der Textilindustrie stehen. Sie mag ein Bild für Frauenarbeit, Fürsorge und Pflege sein. Die Arbeit ‘Verband’ von Andrea Vogel wird in eine leere Cargo-Kiste projiziert. Sie ist auch eine künstlerische Umsetzung jenes Umgehungsgeschäftes, das der Jacob Rohner AG in den Kriegsjahren 1917 und 1918 enorme Profite brachte. Während 1917 die Auslieferung von Verbandsmaterial an Deutschland verboten wurde, Stickereien aber weiterhin geliefert werden durften, lässt der Fabrikant kurzerhand Baumwollbahnen mit einfachen Stickereien verzieren und exportiert das so getarnte Verbandsmaterial ins Kriegsgebiet.

Andrea Vogel: Verband Videostill © Andrea Vogel

Andrea Vogel: Verband
Videostill
© Andrea Vogel

In der Lounge im Textilmuseum lockt fast leibhaftig Josy Geser-Rohner das Publikum zum prüfenden Blick auf das Bild ‘Augenblick # 3’ herbei. Olivia Notaro hat von der Gemeinde Rebstein ein Porträtbild der Fabrikantin zur Weiterbearbeitung erhalten. Sie hat ihr die Augen geschlossen und so die Strenge des Gesichts in Selbstreflektion und Verletzlichkeit verwandelt. An der Stickmaschine im angrenzenden Raum ist nach dem Entwurf von Andrea Vogel ein Auge Gottes entstanden, das sich davon gemacht hat oder erblindet ist. Gott ist tot – oder er schaut weg.

Die Ausstellung findet sowohl im Kulturraum am Klosterplatz als auch im Textilmuseum St. Gallen statt, das in seiner Lounge Arbeiten von Aleksandra Signer und Olivia Notaro zeigt. Auch die ebenfalls dort zu findende Handstickmaschine steht ganz im Dienst von ‘Behind That Curtain’.

Info:

28. November 2015 – 31. Januar 2016

Behind That Curtain

Textilmuseum St. Gallen
Vadianstrasse 2
9000 St. Gallen

Kulturraum am Klosterplatz St. Gallen
Klosterhof 1
9001 St. Gallen
Schweiz

www.textilmuseum.ch
www.sg.ch

Zum Rahmenprogramm vgl. den Flyer

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Mit Tusche sticken – mit Fäden zeichnen
Annemarie Balden-Wolff

Die Bilderfindungen der Künstlerin Annemarie Balden-Wolff sind mal spielerisch und leicht, mal düster und grotesk. Dabei wanken sie wunderlich, seltsam zwischen Figuration und Abstraktion, sind Zeugnisse einer reichen Fantasie sowie Angebote an ihre Betrachterinnen und Betrachter, mit ihrer eigenen Imagination die Bildgeschichten weiterzuführen.

Annemarie Balden-Wolff: o.T., o.J. Applikation, 53 x 36 cm Nachlass Annemarie Balden-Wolff © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Erben und Rechtsnachfolger

Annemarie Balden-Wolff: o.T., o.J.
Applikation, 53 x 36 cm
Nachlass Annemarie Balden-Wolff
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015
© Erben und Rechtsnachfolger

Die 1911 in Rüstringen bei Oldenburg als Annemarie Rohmann geborene Künstlerin stirbt früh, 1970 in Dresden. Das hinterlassene Werk, heute in der Obhut ihres Sohnes Pan Wolff, umfasst ca. 300 Arbeiten. Neben Collagen, Experimenten mit Lack und Applikationen machen Federzeichnungen gut die Hälfte des erhaltenen Werks der Künstlerin aus. Die lückenhafte Datierung des Bestands, wie er sich heute darbietet, setzt in den 1950er Jahren ein. Ein Kuriosum, dessen Ursachen nicht eindeutig geklärt werden können. Die bewegte Biografie der Künstlerin lässt kaum endgültige Urteile zu – so hat sie zwar keine akademische Ausbildung, kann aber auch nicht als Autodidaktin beschrieben werden.

Annemarie Balden-Wolff: o.T., o.J. Zeichnung, Tusche auf Papier, 49,8 x 31,8 cm Nachlass Annemarie Balden-Wolff © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Erben und Rechtsnachfolger

Annemarie Balden-Wolff: o.T., o.J.
Zeichnung, Tusche auf Papier, 49,8 x 31,8 cm
Nachlass Annemarie Balden-Wolff
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015
© Erben und Rechtsnachfolger

Annemarie Balden-Wolff verbringt ihre Kinder- und Jugendjahre in Berlin. Dort macht sie eine Ausbildung zur Musterzeichnerin und tritt 1932 der KPD bei. Ein Jahr später flüchtet sie, wie viele deutsche oder österreichische Intellektuelle und Künstler nach Prag, einem der zu dieser Zeit führenden kosmopolitischen Zentren Europas. Sie trifft auf den Bildhauer Theo Balden, der für die Zeit des Exils ihr Partner wird. Mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Prag 1939 fliehen sie zusammen nach England. Während dieser Zeit arbeitet Balden-Wolff in der Textilproduktion, als Illustratorin für die Presse sowie als Dekorateurin in einem kleinen Heimatmuseum in Derby, England. Sie bewegt sich im weitläufigen Milieu der europäischen Avantgarde, ist aktiv in politische Prozesse der Linken eingebunden und im freundschaftlichen Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern. Über eigene freie Arbeiten kann jedoch nur spekuliert werden.

Annemarie Balden-Wolff: o.T., o.J. Zeichnung, Tusche auf Papier, kaschiert 19,6 x 28 cm Nachlass Annemarie Balden-Wolff © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Erben und Rechtsnachfolger

Annemarie Balden-Wolff: o.T., o.J.
Zeichnung, Tusche auf Papier, kaschiert 19,6 x 28 cm
Nachlass Annemarie Balden-Wolff
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015
© Erben und Rechtsnachfolger

Nach der Rückkehr nach Berlin beziehungsweise ihrem Umzug nach Dresden, der Scheidung von Balden und anschliessender Heirat mit dem Maler und Grafiker Willy Wolff, scheint sie nun ihr freies künstlerisches Werk zu beginnen. Ein Blick auf die Zeichnungen macht ganz deutlich, dass es sich hier um eine versierte Zeichnerin handelt. Ihr Strich ist sicher, ihr Einsatz von verschiedenen Modulationen der Linie pointiert. Ob Balden-Wolff nun in wenigen Zügen eine Szene in der Strassenbahn karikiert oder sie aus unzähligen feinen Strichen eine geisterhafte Gestalt auf dem Papier erscheinen lässt – immer sind Texturen und Strukturen von Oberflächen und dem, was sich dahinter verbirgt, für die Künstlerin von besonderem Interesse. Die Nähe zum Textilen unterstreichen im Besonderen ihre Applikationen, erscheinen diese bestickten Stoffcollagen doch wie Grafiken. Jeder Stich ist wie mit der Feder auf Papier ausgeführt.

Annemarie Balden-Wolff: Jongleur, 1961 Zeichnung, Tusche auf Papier 33 x 19,7 cm Nachlass Annemarie Balden-Wolff © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 © Erben und Rechtsnachfolger

Annemarie Balden-Wolff: Jongleur, 1961
Zeichnung, Tusche auf Papier 33 x 19,7 cm
Nachlass Annemarie Balden-Wolff
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015
© Erben und Rechtsnachfolger

Das Werk der Künstlerin lag lange Zeit im Verborgenen. Das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus präsentiert nun die erste Einzelausstellung mit Zeichnungen und Applikationen von Annemarie Balden-Wolff nach der Wende, unterstützt durch Pan Wolff, der den Hauptteil der Leihgaben stellt. Die in der Ausstellung gezeigten Exponate werden durch drei Leihgaben vom Museum Junge Kunst, Frankfurt / Oder ergänzt.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Info:

21. November 2015 – 17. Januar 2016

Mit Tusche sticken – mit Fäden zeichnen
Annemarie Balden-Wolff

Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus
Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus
Uferstrasse / Am Amtsteich 15
03046 Cottbus

www.museum-dkw.de

Öffnungszeiten:
Di – So: 10 – 18 Uhr
Mo geschlossen

Öffnungszeiten zu den Feiertagen:
24. und 31. Dezember 2015: geschlossen
25. Dezember 2015 und 1. Januar 2016: jeweils 14 – 18 Uhr
26. Dezember 2015: 10 – 18 Uhr

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Ausstellung der Queenbee-Quilter

Flyer

Flyer

Etwa alle drei Jahre stellen die Queenbee Quilter aus. Wie dies in etwa aussieht, kann man einem alten Bericht entnehmen, den ich 2012 über die Gruppe geschrieben hatte. Nun haben sie ihre nächste Ausstellung vor und ich wurde angefragt, um anlässlich der Vernissage am Nikolaus-Sonntag die Einführungsrede zu halten.

Flyer

Flyer

Bestimmt sieht es dann im Aschingerhaus ähnlich reizvoll aus wie beim letzten Mal – vielleicht diesmal nicht frühlingshaft, dafür weihnacht- oder winterlich? Na, mal sehen. Ich freue mich jedenfalls sehr und die zwölf Damen der Gruppe auch, wenn, wer in der Nähe ist, einfach vorbeischaut.

Info:

6. Dezember 2015 – 17. Januar 2016

Ausstellung der Queenbee-Quilter

Museum und Galerie Aschingerhaus
Aschingerstrasse 3
75038 Oberderdingen

Öffnungszeiten:
Mi – So: 14 – 17 Uhr

Vernissage:
So, 6. Dezember 2015, 10.30 Uhr

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Quilts und Collagen
Sophie Maechler und Monika Schiwy-Jessen

Die Leidenschaft für textile Kunst entdeckte Sophie Maechler bereits als Kind mit ihrer Mutter und später während ihrer Ausbildung an einer Modeschule in Paris mit Spezialisierung für Theater- Kostümdesign. Ihre grösste Inspirationsquelle ist die Natur, sie ist allerdings auch fasziniert von alten Materialien, die Spuren der Zeit aufweisen. Gerne arbeitet Sie auch mit dem Medium Papier, das sie in textile Oberflächen integriert.

Monika Schiwy-Jessen begann mit traditionellem Patchwork und Quilten, kam aber schnell zum eigenen Entwurf. Seit 1997 erarbeitet sie frei gestaltete Quilts und Collagen mit verschiedenen textilen und nicht textilen Materialien. An der Collage schätzt sie den grossen künstlerischen Freiraum im Gestaltungsprozess. Teilweise arbeitet sie mit verschiedenen Drucktechniken, transferiert Bilder vom Papier auf Stoff und lässt sich von der Natur und von Bildfragmenten aus Magazinen und Zeitungen inspirieren.

Einladung

Einladung

Info:

1. Oktober 2015 – 10. Januar 2016

Quilts und Collagen
Sophie Maechler und Monika Schiwy-Jessen

Institut für Radiologische Diagnostik IDR
Gartenstrasse 28
79100 Freiburg

www.idr-freiburg.de

Vernissage:
Fr, 4. Dezember 2015, 18.30 Uhr

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 7 – 18 Uhr nach Anmeldung im EG / 1. OG

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STURM-FRAUEN

Plakat

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DER STURM. Ein Name so revolutionär wie seine Wirkung. Mit der Gründung dieser Zeitschrift gab Herwarth Walden 1910 in Berlin das Signal zum Aufbruch in die Moderne.

Herwarth Walden, 1918 fotografiert von Nicola Perscheid Foto: bpk / Nicola Perscheid

Herwarth Walden, 1918
fotografiert von Nicola Perscheid
Foto: bpk / Nicola Perscheid

Ursprünglich 1910 als Zeitschrift zur Förderung der expressionistischen Kunst gegründet, wurde der Name STURM schnell zum Markenzeichen: Der Herausgeber Herwarth Walden gründete neben der Zeitschrift 1912 die STURM-Galerie in Berlin. Zahlreiche, auch internationale Künstlerinnen wurden dort erstmals in Deutschland präsentiert.

STURM-Frauen, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015 Foto: Norbert Miguletz

STURM-Frauen, Ausstellungsansicht
© Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015
Foto: Norbert Miguletz

Der Schriftsteller und Komponist Herwarth Walden (1878−1941) stellte nicht nur Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Kokoschka und Marc Chagall, die Künstler des Blauen Reiter und die italienischen Futuristen aus …

Mitglieder des 'Blauen Reiter' auf dem Balkon der Ainmillerstrasse 36, München, 1911 Fotografiert von: Wassily Kandinsky Foto: Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München

Mitglieder des ‘Blauen Reiter’ auf dem Balkon der Ainmillerstrasse 36, München, 1911
Fotografiert von: Wassily Kandinsky
Foto: Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München

… sondern förderte vorurteilslos, engagiert und strategisch weit über 30 Malerinnen und Bildhauerinnen. Er galt als Visionär und Vorkämpfer für die Abstraktion und die moderne Kunst überhaupt und einte mit seinen Programmen die internationale Avantgarde.

Marianne von Werefkin: Stadt in Litauen 1913/14, Tempera auf Karton, 56,5 x 71,5 cm Fondazione Marianne Werefkin Museo Comunale d'Arte Moderna, Ascona

Marianne von Werefkin: Stadt in Litauen
1913/14, Tempera auf Karton, 56,5 x 71,5 cm
Fondazione Marianne Werefkin
Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona

DER STURM war Programm, richtete sich gegen gedankliche Schranken, alles Etablierte und gegen die Bürgerlichkeit des Wilhelminismus, und er propagierte eine Freiheit der Künste und Stile.

Else Lasker-Schüler: Die Flötenspielende Frontispiz des Briefromans Mein Herz, 1912 Privatsammlung, Marbach

Else Lasker-Schüler: Die Flötenspielende
Frontispiz des Briefromans Mein Herz, 1912
Privatsammlung, Marbach

Als Netzwerk aus Freunden mit ähnlichen Interessen fand im STURM ein intensiver und lebendiger Austausch über die Gedanken, Theorien und Konzepte der Avantgarde statt.

Titelblatt der Zeitschrift DER STURM Jg. 3, Nr. 138/139, Dezember 1912 Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München

Titelblatt der Zeitschrift DER STURM
Jg. 3, Nr. 138/139, Dezember 1912
Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München

Die zusätzlich veranstalteten STURM-Abende, die neu gegründete STURM-Akademie, die STURM-Bühne und -Buchhandlung sowie zeitweilig Bälle und ein eigenes Kabarett boten den STURM-Künstlerinnen zahlreiche Plattformen und machten die vielfältigen künstlerischen Richtungen und Tendenzen im Berlin der 1910er bis 1930er Jahre einem breiten Publikum zugänglich.

Gabriele Münter: Bildnis Marianne von Werefkin ca. 1909, Öl auf Malpappe, 81 x 55 cm Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Gabriele Münter: Bildnis Marianne von Werefkin
ca. 1909, Öl auf Malpappe, 81 x 55 cm
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München
VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Für viele Künstlerinnen war DER STURM eine grosse Chance, waren sie doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts weder vollends gesellschaftlich anerkannt, noch hatten sie uneingeschränkt Zugang zu einer akademischen Ausbildung, die der ihrer männlichen Kollegen gleichwertig gewesen wäre.

Alexandra Exter in ihrem Pariser Atelier 1920er Jahre Fotograf unbekannt

Alexandra Exter in ihrem Pariser Atelier
1920er Jahre
Fotograf unbekannt

Diesen STURM-Frauen widmet die Schirn Kunsthalle Frankfurt derzeit eine grosse umfassende Themenausstellung. Mit rund 280 Kunstwerken werden erstmalig insgesamt 18 STURM-Künstlerinnen des Expressionismus, des Kubismus, des Futurismus, des Konstruktivismus und der Neuen Sachlichkeit umfassend vorgestellt.

STURM-Frauen, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015 Foto: Norbert Miguletz

STURM-Frauen, Ausstellungsansicht
© Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015
Foto: Norbert Miguletz

Genauso unterschiedlich wie die Lebensläufe, die persönlichen Bedingungen und die Rezeption der 18 STURM-Frauen sind auch ihre Werke, die sich stilistisch stark voneinander unterscheiden. In der Zusammenschau aber bilden sie ein beeindruckendes Panorama der modernen Kunst.

Sonia Delaunay: Portugiesischer Markt 1915, Öl und Wachsfarbe auf Leinwand, 90.5 x 90.5 cm Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Firenze

Sonia Delaunay: Portugiesischer Markt
1915, Öl und Wachsfarbe auf Leinwand, 90.5 x 90.5 cm
Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Firenze

Die Ausstellung ist ein etwas anderer Überblick über die wichtigsten Kunstströmungen der Avantgarde im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts. Zu den bekanntesten Künstlerinnen zählen Sonia Delaunay, Alexandra Exter …

Alexandra Exter Kostümentwurf Marsbewohnerin in Aélita 1924, Aquarell und Gouache auf Papier, 53 x 36 cm Sammlung Nina und Nikita Lobanov-Rostovsky Spende des Gemeinnützigen Fonds 'Konstantinovsky' 2013 © St Petersburg State Museum of Theatre and Music

Alexandra Exter Kostümentwurf Marsbewohnerin in Aélita
1924, Aquarell und Gouache auf Papier, 53 x 36 cm
Sammlung Nina und Nikita Lobanov-Rostovsky
Spende des Gemeinnützigen Fonds ‘Konstantinovsky’
2013 © St Petersburg State Museum of Theatre and Music

… Natalja Gontscharowa, Else Lasker-Schüler, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin.

Natalja Sergejewna Gontscharowa: Gartenarbeit 1908, Öl auf Leinwand, 102.9 x 123.2 cm Foto: © Tate, London 2015, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Natalja Sergejewna Gontscharowa: Gartenarbeit
1908, Öl auf Leinwand, 102.9 x 123.2 cm
Foto: © Tate, London 2015, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Hinzu kommen weitere Künstlerinnen, die heute in der Öffentlichkeit wenig präsent oder weitestgehend unbekannt sind …

Lavinia Schulz: Toboggan Frau Original ca. 1924, Sackleinen, Pappmaché, Draht, Schnallen, Leder, H. 63 cm (Maske), B. 42 cm (Maske), L. 145 cm (Anzug) © Foto Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Lavinia Schulz: Toboggan Frau
Original ca. 1924, Sackleinen, Pappmaché, Draht, Schnallen, Leder, H. 63 cm (Maske), B. 42 cm (Maske), L. 145 cm (Anzug)
© Foto Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

… wie Marthe Donas, Jacoba van Heemskerck, Hilla von Rebay, Lavinia Schulz oder Maria Uhden.

Maria Uhden: Vier Akte Holzschnitt, abgebildet in der Zeitschrift 'Der Sturm' Jg. 6, Nr. 15/16, 1. und 2. Novemberhälfte 1915, S. 91, 22 x 23,8 cm Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main

Maria Uhden: Vier Akte
Holzschnitt, abgebildet in der Zeitschrift ‘Der Sturm’
Jg. 6, Nr. 15/16, 1. und 2. Novemberhälfte 1915, S. 91, 22 x 23,8 cm
Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main

Jede der 18 STURM-Frauen wird in der Ausstellung in einem eigenen Raum mit ihren Hauptwerken präsentiert. Es sind jene Künstlerinnen aus Deutschland …

STURM-Frauen, Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015 Foto: Norbert Miguletz

STURM-Frauen, Ausstellungsansicht
© Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2015
Foto: Norbert Miguletz

… den Niederlanden, aus Belgien, Frankreich, Schweden, der Ukraine oder Russland, deren Arbeiten in der STURM-Galerie in Berlin ausgestellt oder/und in der STURM-Zeitschrift veröffentlicht wurden.

Jacoba van Heemskerck: Häuser in Suiderland Zeichnung Nr. 13, 1914, Farbige Tusche, 48,0 x 63,0 cm Kunstmuseum Bern, Schenkung Nell Walden

Jacoba van Heemskerck: Häuser in Suiderland
Zeichnung Nr. 13, 1914, Farbige Tusche, 48,0 x 63,0 cm
Kunstmuseum Bern, Schenkung Nell Walden

Mit dem eigens für die Ausstellung entwickelten Digitorial bietet die Schirn ein neuartiges kostenfreies digitales Angebot, das kunst- und kulturhistorische Hintergründe und wesentliche Themen der Ausstellung präsentiert.

Marcelle Cahn: Frau und Segel ca. 1926-27, Öl auf Leinwand, 66 x 50 cm Musée d'Art Moderne et Contemporain de Strasbourg (MAMCS) © Foto Musées de Strasbourg, A. Plisson

Marcelle Cahn: Frau und Segel
ca. 1926-27, Öl auf Leinwand, 66 x 50 cm
Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg (MAMCS)
© Foto Musées de Strasbourg, A. Plisson

Es ermöglicht dem Publikum, sich bereits vor dem Besuch mit den Künstlerinnen des STURM, deren beeindruckenden Werken sowie mit den verschiedenen Kunstrichtungen und Konzepten der Avantgarde zu beschäftigen – ob zu Hause, im Café oder auf dem Weg zur Ausstellung. Es vernetzt multimediale Inhalte in Form von Bild, Video, Ton und Text, stellt sie innovativ dar und erzählt sie ansprechend. Es ist ein Top-Tipp und online hier verfügbar

Ausserdem sind ein Katalog und Begleitheft erhältlich.

Info:

30. Oktober 2015 – 7. Februar 2016

STURM-FRAUEN
KÜNSTLERINNEN DER AVANTGARDE IN BERLIN 1910–1932

SCHIRN Kunsthalle Frankfurt am Main
Römerberg
60311 Frankfurt am Main

www.schirn.de

***

… und zum Schluss noch:

Alle Jahre wieder manchmal ist es nicht einfach, für seine Liebsten ein Geschenk zu finden, das Freude bereitet und vielleicht nicht das Übliche ist.

Dieses Mal weise ich gerne auf kunsthandwerkliche Messen hin, die in der Zeit vor Weihnachten in vielen Museen stattfinden. Alle kann ich an dieser Stelle nicht auflisten, aber diese Veranstaltungen bieten einerseits gestandenen wie jungen Künstlerinnen und Künstlern, Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerken sowie Designern die Möglichkeit, ihre mit Liebe geschaffenen Dinge einem breiten Publikum vorzustellen und andererseits finden Besucher hier nicht Massenware, sondern Produkte mit dem gewissen Etwas.

Karlsruher Weihnachtsmesse für Angewandte Kunst

Marie Barleben: Esel und Ziege Handspielpuppen Foto vom Vernanstalter zur Verfügung gestellt

Marie Barleben: Esel und Ziege
Handspielpuppen
Foto vom Vernanstalter zur Verfügung gestellt

Immer wieder erfrischend, überraschend und innovativ – das ist die Karlsruher Weihnachtsmesse für Angewandte Kunst, die in diesem Jahr bereits zum 23. Mal stattfindet. Die vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe in Zusammenarbeit mit dem BdK Bund der Kunsthandwerker Baden-Württemberg organisierte Veranstaltung gilt in Karlsruhe als Institution.

Susanne Högner: Silberschmuck Foto vom Vernanstalter zur Verfügung gestellt

Susanne Högner: Silberschmuck
Foto vom Vernanstalter zur Verfügung gestellt

In den hellen, freundlichen Räumen des Regierungspräsidiums am Rondellplatz erwartet die Gäste eine vielfältige Präsentation von kunsthandwerklichen Objekten. Von Textilien über Werke aus Gold, Silber und Keramik bis hin zu Objekten aus Holz oder Papier – die Weihnachtsmesse ist ein Ort zum Schauen und Staunen, um das individuelle Weihnachtsgeschenk aufzuspüren, sich selbst eine Freude zu machen und um sich eine Auszeit zu gönnen.

Gudrun Schneider: Tuch Ikat, Cashmere, Seide Foto vom Vernanstalter zur Verfügung gestellt

Gudrun Schneider: Tuch
Ikat, Cashmere, Seide
Foto vom Vernanstalter zur Verfügung gestellt

Info:

12. – 20. Dezember 2015

23. Karlsruher Weihnachtsmesse für Angewandte Kunst

Regierungspräsidium Karlsruhe am Rondellplatz
Karl-Friedrich-Strasse 17
76133 Karlsruhe

www.weihnachtsmesse-karlsruhe.de

Öffnungszeiten:
täglich 11 – 18 Uhr

Eintritt: einmalig 2 EUR

Eröffnung:
Fr, 11. Dezember 2015, 17 Uhr

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Weihnachtsmarkt bei quiltstar

Es gibt wieder einen Weihnachtsmarkt in der Galerie bei quiltstar in Freiburg – mit kleinen schönen Geschenkideen für liebe Freunde, Verwandte und Bekannte.

Einladung

Einladung

Ein Teil des Erlöses wird gespendet an OFF – Obdach für Frauen, ein gemeinnütziger Verein in Freiburg – sowie an MAKS – einer Einrichtung, die sich um Kinder von Drogen- und Suchtkranken kümmert.

Info:

30. November – 23. Dezember 2015

Weihnachtsmarkt

quilt star – Sophie Maechler
Basler Strasse 61
79100 Freiburg

www.quiltstar.de

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MKG-Messe Kunst und Handwerk 2015

Qualität, Innovation, künstlerischer Anspruch. Die Idee des Begründers der Messe, Justus Brinckmann (1843-1915), das Gestaltende Handwerk zu fördern, das sich abhebt von minderwertiger Massenproduktion und Einheitsware, ist heute so aktuell wie einst. Seit über 130 Jahren bietet die MKG Messe Kunst und Handwerk zeitgenössischen Kunsthandwerkern Raum, um ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen. Das Angebot umfasst die Bereiche Schmuck, Textil, Möbel, Keramik, Glas, Holz und Tafelgerät, die als Unikate oder in Kleinserie handwerklich gefertigt werden. Thematisch widmet sich die Messe der aktuellen Wertediskussion um Ökologie und neuen Luxus, Unikat und Massenprodukt, Produktions- und Arbeitsbedingungen.

Ausstellungsansicht Foto: Marcelo Hernandez

Ausstellungsansicht
Foto: Marcelo Hernandez

Den Bogen zwischen einer textilen Technik und Schmuck schlägt Dorit Schubert aus Dresden, die sich für das Klöppeln begeistert, einem alten Verfahren zur Spitzenherstellung, das zu verschwinden droht und das sie durch die Verwendung von untypischen Materialien neu belebt. Sie lässt in der traditionellen Klöppeltechnik aus feinen Nylonfäden und Drähten zarte leichte Schmuckstücke entstehen, filigran und poetisch, mit einer ganz eigenen Ästhetik und Handschrift.

Dorit Schubert: Halsschmuck 'Stachelbeeren' 2014, Edelstahldraht und Polyamid, Onyx, geklöppelt, montiert, 80 cm Länge Foto: Olaf Schubert

Dorit Schubert: Halsschmuck ‘Stachelbeeren’
2014, Edelstahldraht und Polyamid, Onyx, geklöppelt, montiert, 80 cm Länge
Foto: Olaf Schubert

Handgewebtes Textildesign für modernes Wohnen – Wolldecken, Teppiche und Kissen, sinnlich elegant und grafisch klar gestaltet – bietet Katja Stelz. Am Handwebstuhl fertigt sie aus reiner Schurwolle, feinem Leinen und robustem Ziegenhaar zeitlos moderne ästhetische Gewebe, mit denen man sich gerne umgibt.

Katja Stelz: 'sehr feine Decke/Tuch', Variationen 2015, Kammgarn, Leinen, Alpaca, Handweberei, ca.130 x 210 cm Foto: Max Reinhard

Katja Stelz: ‘sehr feine Decke/Tuch’, Variationen
2015, Kammgarn, Leinen, Alpaca, Handweberei, ca.130 x 210 cm
Foto: Max Reinhard

Schuhwerke und Accessoires für besondere Gelegenheiten oder besondere Trägerinnen gesucht? Wer sich davon angesprochen fühlt, schaue bei Inga Thomas und ihren einzigartigen Objekten vorbei.

Inga Thomas/Pantùma: Kolibri 2015, Satin, farblich bearbeitet, Ethical leather, Vintage Kupfergewebe, bearbeitet & emailliert, 14 x 20 x 28 cm Foto: Inga Thomas

Inga Thomas/Pantùma: Kolibri
2015, Satin, farblich bearbeitet, Ethical leather, Vintage Kupfergewebe, bearbeitet & emailliert, 14 x 20 x 28 cm Foto: Inga Thomas

Info:

27. November – 6. Dezember 2015

MKG-Messe Kunst und Handwerk 2015

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz 1
20099 Hamburg

www.kunstundhandwerkmesse.de

Öffnungszeiten

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Zeughausmesse im Deutschen Historischen Museum Berlin

Angewandte Kunst auf hohem Niveau zeigt die Berliner Zeughausmesse. Von Design-Klassikern wie Hedwig Bollhagen bis hin zur heutigen Avantgarde der Angewandten Kunst bieten versierte und junge Künstler und Designer beeindruckende Gebrauchskunst. Rund 85 Künstler, Kunsthandwerker und Designer hat die Jury für die diesjährige Messe ausgewählt.

Hedwig Bollhagen: Vasen Ensemble Foto: HB Werkstätten Marwitz

Hedwig Bollhagen: Vasen Ensemble
Foto: HB Werkstätten Marwitz

Die Vielfalt der Dinge für den alltäglichen Gebrauch ist gross und exzellent: anmutige Hüte, handgefertigte Schuhe, einzigartiger Schmuck, elegante Mode, solide Taschen, beeindruckende Glasschalen, zartes Porzellan, ästhetische Schneidebretter, ausgefallene Lampen und fantasievolle Metallobjekte sind einige davon. Jeder Künstler zeigt in seinen Objekten seinen eigenen Stil und seine Handschrift.

Sylvia Wegener: Apfeltasche klein Foto: Sylvia Wegener

Sylvia Wegener: Apfeltasche klein
Foto: Sylvia Wegener

Die Lichtobjekte der Koreanerin Set Byol Oh erinnern an Lampions, die Buddhisten aus ihrem Land für den Geburtstag ihres Meisters herstellen. Die Designerin baut aus feinem Peddigrohr und Maulbeerpapier ein Gerüst für die Lampen. Darauf klebt sie tausende einzelne plissierte, gefärbte Papierblätter. Das Licht und die Blätter zaubern eine warme, zarte Atmosphäre.

Set Byol Oh: SUSU/Stehlampe mit weissen Blättern Durchmesser: 55 cm, Höhe: 155 cm Foto: Eunji Kim

Set Byol Oh: SUSU/Stehlampe mit weissen Blättern
Durchmesser: 55 cm, Höhe: 155 cm
Foto: Eunji Kim

Info:

10. -13. Dezember 2015

19. Zeughausmesse im Deutschen Historischen Museum Berlin

Deutsches Historisches Museum Berlin
Schlüterhof im Zeughaus
Unter den Linden 2
10117 Berlin

www.zeughausmesse.de

Offener Abend am Do, 12. Dezember 2015, 18 – 21 Uhr mit freiem Eintritt

***

Morgen Kinder wirds was geben … Bei uns in der Familie stehen Bücher hoch im Kurs. Sehr gerne möchte ich nochmals auf den grossartigen Ausstellungskatalog ‘Red & White Quilts – Infinite Variety’ hinweisen, den ich hier schon ausführlich vorgestellt habe. Meine Rezension samt einem Bestell-Link ist hier zu finden.

Gudrun Heinz mit 'Red & White Quilts' Foto: Fabian Heinz

Gudrun Heinz mit ‘Red & White Quilts’
Foto: Fabian Heinz

Lasst uns froh und munter sein und Zeit verschenken, Zeit, die man miteinander verbringt. Warum nicht mal zusammen eine Ausstellung besuchen? Ausser in die Tipps für den Dezember lohnt sich auch ein Blick in die vorangegangenen Tipps, da viele Ausstellungen noch laufen. So z.B. ‘Der textile Raum’, eine Ausstellung im Museum Bellerive, die schon einige sehr gute Besprechungen geerntet hat – und Zürich ist immer eine Reise wert.

Oh du fröhliche … in diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine frohe Adventszeit ohne Hektik und Stress, dafür mit guten Ideen!

***

Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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