Kreative Artikel zum Thema Quilten

Binding mit dem Bandeinfasser

Bandeinfasser

Wenn ihr mich fragt, was ich am wenigsten beim Nähen eines Quilts mag, dann ist es mit Sicherheit das zeitaufwändige Binding!

Hat man sich zu Beginn mit der neuen Quiltidee kaum auf dem Stuhl halten können, im Fieber die neuen Stoffe ausgesucht und gekauft, voll Begeisterung zugeschnitten und das Nähen begonnen, wird es zur Mitte des Projekts langsam eine Routine und eine Herausforderung durchzuhalten, bis das Top fertiggestellt ist.

Dann kommt die nächste Hürde, die des Quiltens. Man kann sie selbst nehmen oder sich einfach etwas verwöhnen lassen und einem professionellen Service den Quilt anvertrauen. Fertig gequiltet ist da schon das ganz große Gefühl von Freude über den Quilt und die Zufriedenheit, ihn anfassen und benutzen zu können, wenn… Ja, wenn da nicht noch das Binding dran genäht werden müsste.

Nun kann es ja eine himmlische Aufgabe sein, ein bereits an die Quiltoberseite gestepptes Binding an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse bei einem gemütlichen Glas Wein und einem spannenden Hörbuch in aller Seelenruhe von Hand anzunähen. Nur, mal ehrlich: wie oft im Jahr erleben wir eben geschildertes Traumszenario? Bei mir kommt es jedenfalls nicht so oft vor, wie Bindings zu nähen wären.

Und dann gibt es da noch meine persönlichen Nähmarathonzeiten. Die finden regelmäßig zweimal im Jahr vor der Messe statt. Da sollen dann in vier Wochen sechs bis acht Quilts fertig sein. Dieses Jahr kamen noch zusätzlich 12 Quilts für mein Buch dazu. Das heißt, in diesem Jahr hab ich bereits 28 Bindings genäht, meist unter Zeitdruck. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, was DER Traum meiner schlaflosen Nächte ist: Ein Tool, das das Binding nähen, nicht nur leicht und schnell, sondern auch immer noch schön und exakt macht. Dafür gäb ich sozusagen ein Königreich.

Was ein Glück, dass es da findige Tüftler auf dieser Welt gibt, die genauso ein Werkzeug entwickelt haben: den BERNINA Bandeinfasser. Ich habe ihn getestet, in meinem Herbstmesse-Nähmarathon, um herauszufinden, ob er mir wirklich einen ruhigen Schlaf bescheren kann, und hier ist mein

BERNINA Bandeinfasser Erfahrungsbericht:

Zunächst mal gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, nämlich Bandeinfasser für bereits gefalzte Bänder (#87) und welche für ungefalzte (#88); und beides gibt es in verschiedenen Breiten. Dazu gehört ein passender Nähmaschinenfuß, der Bandeinfasserfuß #95

Für meinen ersten Test hab ich ein gefalztes Band genommen, und den Bandeinfasser #87 in 20mm Breite getestet.

Ich muss zugeben, die Erstmontage dauert etwas. In der Anleitung und auf dem BERNINA Bandeinfasser-Video (s.u.) wird genau erklärt, wie die Schrauben justiert werden sollen, damit der Bandeinfasser die exakte Position hat, um das Band unter den Nähfuß zu “füttern”. Ich hab mich damit schon etwa 10 Min beschäftigt, bis alles so eingerichtet war, wie es optimal sein sollte. Allerdings ist das ein einmaliger Schritt. Wenn man das Werkzeug an sich einmal eingerichtet und justiert hat, dann kann man es einfach mit dem Lösen einer Schraube abnehmen und genauso schnell wieder anbringen und jedes weitere Justieren erübrigt sich.

Ich stelle meine Stoppuhr, denn ich bin neugierig, wie lang ich denn jetzt brauche, um meinen etwa 165 cm x 165 cm großen Quilt einzufassen (normalerweise schaffe ich beim Handnähen pro Stunde etwa 2 lfm Binding. Das heißt mit Vorbereiten der Streifen, Annähen ans Top und Handnähen würde mich diese Einfassung normalerweise etwa 5 Stunden kosten).

Zunächst schneide ich 4 cm breite Streifen und nähe sie wie gewöhnlich aneinander, Nähte ausgebügelt.

Bandeinfasser

Anschließend hab ich das Band gefalzt, was man auch gut mit einem Schrägbandformer machen kann.

Fürs Nähen hab ich mich für ein transparentes Garn als Oberfaden und Spulengarn entschieden. Die Oberfadenspannung ist gelockert auf 3.0, die Nadelposition hab ich um einen Schritt nach rechts versetzt, und den Bandeinfasserfuß #95 montiert.

Sicherheitshalber hab ich den Quilt zuvor mit 1/8″ Nahtzugabe rundherum abgesteppt, damit die dicken Lagen am Ende schön kompakt und deckungsgleich aufeinander liegen.

Bandeinfasser

Ich folge jetzt dem Youtube Video, um das Band anzunähen. Ehrlich gesagt, machen mir die Ecken und die Verbindung von Anfang- und Endstück gerade ein bisschen Kopfzerbrechen, aber kommt Zeit, kommt Erkenntnis!

Ich fädel also erst mal mein gefalztes Band in den Bandeinfasser ein. Den kann man dabei etwas zu sich hin drehen, damit man das Band gut mit einer Nadel o. ä. in den Bandeinfasskanal schieben kann. Die weiße Webkante schaut schon vorn heraus.

Bandeinfasser

Jetzt kann man den Bandeinfasser in die richtige Position nahe zum  Nähfüßchen bringen und die Nadel in den Beginn des Bands versenken. Einfach zwei/drei Stiche nähen, um das Band für die Einfassung zu “sichern” wie auf dem Foto.

Bandeinfasser

In diesem Moment bin ich jetzt etwas vom Video abgewichen und hab meine eigene Idee verfolgt: ich hab die ersten 25 cm mit Stichlänge 6 mm, so groß wie möglich genäht, und erst dann hab ich auf meine normale Stichlänge von 3 mm gewechselt. Dabei hab ich jetzt den Quilt zwischen die Falte des Bands geführt und ihn immer sehr akkurat an der Schiene des Bandeinfassers entlang laufen lassen.

Bandeinfasser

Wenn ihr auf dem Foto ganz genau hinschaut, dann könnt ihr sehen, dass sich eine kleine Falte unter dem Nähfuß aufgeschoben hat. Das liegt an der Materialstärke des gefalteten Bands, man kann das aber ganz leicht verhindern, indem man das Band immer ein bisschen straff in den Kanal reinlaufen lässt. Dann vermeidet man solche Fältchen.

Jetzt bin ich also mit einer Seite durch und Juhu – es hat eigentlich erstaunlich gut geklappt, die Vorderseite und Rückseite sehen gleichermaßen sauber aus, die Steppnaht ist jeweils gleichweit von der Bandkante entfernt und wenn man den Quilt mit einem leichten Trend nach rechts etwas gegen den Bandeinfasser hält, dann ist das Binding überall gleichmäßig vom Quilt gefüllt.

Jetzt kommt die Ecke, herrje! Das Video sagt mir, ich solle genau bis zum Ende der Kante nähen. Aber ich hab halt wieder meinen eigenen Kopf und stoppe etwa 1 cm davor.

Bandeinfasser

Warum ich das so mache? Nun, ich bin es vom Handnähen des Bidings gewohnt, dass die Gehrungsecke des Vorderteils gegengleich zur Gehrungsecke der Rückseite ist (klingt jetzt superkompliziert). Soll heißen: Wenn ich jetzt gleich die Kante auf dem Foto oben umschlage, und eine Gehrung bilde, dann liegt das so gefaltete Dreieck auf der Seite, die die rechte Kante ist. Da liegen dann 6 Stofflagen übereinander. Deshalb möchte ich gerne, dass es auf der Rückseite genau gegengleich gefaltet ist, nämlich dass das gefaltete Dreieck zur anderen Kante zeigt. Sonst hätte ich insgesamt (vorn plus hinten) 12 Stofflagen, und das wäre ein Knubbel. Wenn ich gegengleich falte, dann verteilt sich alles ausgeglichen.

Und deshalb brauche ich etwas Platz zum Manövrieren, damit ich hinten anders falten kann als vorn. Ok – klingt wie ne Doktorarbeit. Ist es aber gar nicht. Einfach mal ausprobieren.

Wenn ich also nun 1 cm vor Ende stoppe, dann drehe ich den Bandeinfasser wie im Video gezeigt etwas vom Nähfuss weg und zieh auch das Band etwas lose. Mit Fingerdruck streiche ich die Soll-Falte glatt und bilde nun die Ecke. Damit die hübsch bleibt, wo sie soll, wird sie festgeklammert.

Bandeinfasser

Und – auch anders als im Video gezeigt – stecke ich die nicht mit ner Stecknadel fest, sondern ich nähe die sofort mit Handstichen zu. Erstens hätte ich das sowieso für mein Binding so gemacht und zweitens muss ich dann nicht mehr über ne sperrige Stecknadel manövrieren.

Bandeinfasser

Bandeinfasser

Auf dem ersten der beiden Bilder sieht man die Vorderseite, auf dem zweiten die Rückseite und man kann jetzt vielleicht erkennen, was ich mit gegengleich gefaltet meine.

Wenn die Ecke zugenäht ist, dann ist es wirklich ein Kinderspiel, das Band leicht anzuziehen, so dass es wieder in die gewünschte Position zurück rutscht und den Bandeinfasser wieder zum Nähfüßchen hin zurück zu bringen, wo es dann mit der nächsten Kante weitergeht.

Das läuft auf die Art ziemlich genial, aber jetzt nähere ich mich gleich der Zielgeraden. Wenn ihr euch noch erinnert, hatte ich die ersten 25 cm mit größter Stichlänge genäht. Das hatte den Sinn, dass ich das ziemlich einfach auftrennen kann, und das mach ich kurz vor der 4. Ecke auch. Ich löse also erst mal den Anfang der ersten Kante,

Bandeinfasser

dann nähe ich wie gewohnt um die Ecke Nr.4. Das lose Teil der ersten Kante schneide ich zurück und klemme das Ende fest.

Bandeinfasser

Jetzt nehm ich den Bandeinfasser ganz ab, lege den Rest des Bindings so, dass er etwa 2 cm den Anfang überlappt, schlage das Ende diagonal nach innen ein, und klemme ihn mit ein paar Clips der Kante entlang fest.

Bandeinfasser

Nur noch mit dem Geradstich knappkantig absteppen. Fertig.

Das hat besser geklappt, als ich gedacht hab, und ich bin super zufrieden mit den Ecken, die sind wirklich einfach zu meistern. Das gesamte Binding hat vom Zuschneiden der Streifen an 1h 45 min gedauert. Eine ganz klare Zeitersparnis mit einem schönen Ergebnis!

Bandeinfasser

Und so sieht mein fertiger Quilt aus, den ihr übrigens nach nähen könnt. Das (englische) Schnittmuster findet ihr hier.

Jetzt bin ich aber noch nicht fertig mit meinen Messequilts, nee: 4 warten auf ihr Binding. Und mal sehen, ob das nicht noch schneller geht. Immerhin bin ich jetzt in Übung. Der nächste Kandidat wird mit dem

Bandeinfasser #88 für ungefalzte Bänder

genäht, diesmal in 38 mm Breite.

Das Falzen des Bandes kann ich mir diesmal sparen. Ich schneide es mit einer Breite von 38 mm zu. Mein einzufassender Quilt ist diesmal 140 cm x 140 cm.

Lediglich die ersten 10 cm des Bandes falze ich wie beim Obigen. Einfach deshalb, weil ich es auf diese Art präzise in den Kanal hinein und unter der Nadel platzieren kann. Und los kann’s gehen mit dem ungefalzten Band. Auch hier halte ich es wieder leicht straff, damit sich keine Fältchen unterm Nähfuß bilden.

Bandeinfasser

Ruck-zuck, Ecken, Enden – ich schau auf die Stoppuhr: 1 Stunde 15 Minuten vom ersten Zuschnitt an. Mädels – das kann sich sehen lassen! Auf die Art schaffe ich doch tatsächlich alle 4 Messequiltbindings an einem Tag! Yeah!

Bandeinfasser

Und mein Quilt sieht professionell eingefasst aus.

Fazit:

  • Die Erstmontage braucht einmalig ein paar Minuten Zeit, ist aber im Weiteren unproblematisch.
  • Die Handhabung ist einfach und führt mit ein bisschen Übung zu einem sauberen und genauen Ergebnis.
  • Es ist mir keine schnellere Variante bekannt, das Binding an einen Quilt anzunähen.
  • Ecken und Anfangs-/Endverbindung können genauso sauber genäht werden, wie bei einem Quilt mit Handbinding.
  • Kaufen? Für mich ein klares Ja! Die einmalige Ausgabe für ein solches Werkzeug zahlt sich meiner Meinung nach für eine Hobbyquilterin, die mehrere Bindings im Jahr näht, auf jeden Fall aus!
Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Schrägstreifen
Verwendete Produkte:
BERNINA 770 QE
BERNINA 770 QE
Bandeinfasser # 87
Bandeinfasser # 87
Bandeinfasser # 88
Bandeinfasser # 88
Bandeinfasserfuss # 95
Bandeinfasserfuss # 95

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