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Göttlich Golden Genial. Weltformel Goldener Schnitt?

Wer ihn sucht, wird ihn auch finden: auf der Schale der Ananas, im Werk da Vincis, im Gesicht von Marilyn Monroe oder in der Architektur des Alten Rathauses Leipzig. Im Internet begegnet er uns in Katzenfotos oder der Aufnahme einer Prügelei im ukrainischen Parlament. Der Goldene Schnitt scheint allgegenwärtig – und tatsächlich geht von dem Proportionsverhältnis, das im 19. Jahrhundert zur universellen Konstante des Harmonischen erhoben wurde, eine ungebrochene Faszination aus. Steckt hinter allem Schönen also ein mathematisches Prinzip? Oder ist die angebliche Weltformel nur ein schöner Mythos?

Key Visual - Ausstellungssignet

Key Visual – Ausstellungssignet

Erstmals geht nun eine Ausstellung dem Phänomen aus verschiedenen Perspektiven auf den Grund. Multimedial und interaktiv erkundet ‘Göttlich Golden Genial. Weltformel Goldener Schnitt?’ noch bis zum 26. Februar 2017 im Museum für Kommunikation Berlin faszinierende Formwelten und hinterfragt kritisch Geschichte wie auch Anwendungen des Goldenen Schnitts. Von den geometrischen Grundlagen über die als Wachstumsmuster der Natur geltende Fibonacci-Folge bis zu Le Corbusiers Proportionssystem ‘Modulor’: Rund 250 Exponate aus Architektur, Kunst, Design, Natur und Musik zeigen, wie die ‘göttliche Teilung’ bei den verschiedensten Entstehungsprozessen funktioniert. Dass unsere Sehgewohnheiten auch durch Normungen geprägt werden, veranschaulichen alternative Formate wie das neuzeitliche DlN- oder das japanische Tatami-Mass.

Turboschnecken-Pulverhorn, Gujarat, 17. Jahrhundert Olbricht Collection Von der Goldenen Spirale des Turboschnecken-Gehäuses geht eine grosse Faszination aus, die allerdings nur in wenigen Fällen auch streng mathematisch begründet ist. Dennoch sind spiralförmig gewachsene Muscheln und Schnecken - kunstvoll bearbeitet als Pokale oder wie hier als Pulverhorn - beliebte Objekte in Kuriositätenkabinetten. © Kunstkammer Georg Laue, München Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Turboschnecken-Pulverhorn, Gujarat, 17. Jahrhundert
Olbricht Collection
Von der Goldenen Spirale des Turboschnecken-Gehäuses geht eine grosse Faszination aus, die allerdings nur in wenigen Fällen auch streng mathematisch begründet ist. Dennoch sind spiralförmig gewachsene Muscheln und Schnecken – kunstvoll bearbeitet als Pokale oder wie hier als Pulverhorn – beliebte Objekte in Kuriositätenkabinetten.
© Kunstkammer Georg Laue, München
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Auf der Suche nach dem Goldenen Schnitt analysieren die Besucherinnen und Besucher mit einer goldenen Schablone Exponate, vergleichen eigene Gesichtszüge holografisch mit den Goldenen Proportionen, puzzeln goldene Flächen und spielen auf einer speziell für die Ausstellung konzipierten Orgel goldene Musik. Schliesslich tauchen sie ein in eine konsequent nach den Regeln des Goldenen Schnitts gestaltete virtuelle Realität. Ob diese das Versprechen ästhetischer Vollkommenheit einlösen kann?

Le Modulor Der Architekt Le Corbusier entwickelt zwischen 1942 und 1955 das Proportionssystem 'Modulor'. Die Werte der 'roten und blauen Reihe' basieren auf Zahlenfolgen, die sich einerseits an Fixpunkten des menschlichen Körpers orientieren. Andererseits fusst ihr Rhythmus auf dem Goldenen Schnitt in Kombination mit dem Prinzip der Fibonacci-Folge. Zusammengesetzt aus module (Modul) und or (Gold) entstand der Markenname Modulor. © Foundation Le Corbusier / VG Bild-Kunst Bonn, 2016 Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Le Modulor
Der Architekt Le Corbusier entwickelt zwischen 1942 und 1955 das Proportionssystem ‘Modulor’. Die Werte der ‘roten und blauen Reihe’ basieren auf Zahlenfolgen, die sich einerseits an Fixpunkten des menschlichen Körpers orientieren. Andererseits fusst ihr Rhythmus auf dem Goldenen Schnitt in Kombination mit dem Prinzip der Fibonacci-Folge. Zusammengesetzt aus module (Modul) und or (Gold) entstand der Markenname ‘Modulor’.
© Foundation Le Corbusier / VG Bild-Kunst Bonn, 2016
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Den Auftakt der Ausstellung bilden Objekte aus Kunst, Natur und Mathematik, an denen sich das Faszinosum ‘Goldener Schnitt’ entzündet. lm Arrangement einer ‘Wunderkammer’ treffen diese geheimnisvoll inszeniert aufeinander: Ein Turboschneckenhaus steht hier neben einem zwölfseitigen Zauberwürfel; zwischen goldener Ananas und Sonnenblumenblütenboden sitzt ein Kaninchen – und alle laden sie ein zur genaueren Betrachtung, zum Wundern und Staunen.

Wunderkammer © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wunderkammer
© Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der daran anschliessende ‘Goldene Weg’ führt die Besucherinnen und Besucher tiefer in die Welt des Goldenen Schnitts. Er lokalisiert die vermeintlichen Anfänge in der Antike, verfolgt die Entwicklung der mathematischen Formel, die zum Verhältnis 1 : 1,618… führt, und klärt zugleich über tradierte Fehlinterpretationen auf.

Der Goldene Weg Der Goldene Weg führt die Besucherinnen und Besucher in vier Etappen ein in die Geschichte des Goldenen Schnitts. © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Goldene Weg
Der Goldene Weg führt die Besucherinnen und Besucher in vier Etappen ein in die Geschichte des Goldenen Schnitts.
© Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ein besonderes Augenmerk gilt Kunst-Klassikern der Renaissance, hinter deren kompositorischer Ausgewogenheit gerne goldene Proportionen vermutet werden. So offenbaren Wackelbildversionen von Dürers ‘Selbstbildnis im Pelzrock’ oder da Vincis ‘Mona Lisa’ bei genauerem Hinsehen die vermuteten Kompositionslinien. Mit den Ausführungen des italienischen Mathematikers Luca Pacioli zur ‘divina proportione’, zur göttlichen Proportion, setzte in der Renaissance vielleicht eine erste umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Goldenen Schnitt ein.

Albrecht Dürer: 'Selbstbildnis im Pelzrock', 1500 mit eingezeichneten Kompositionslinien nach F. Winzinger Wie ein Gemälde auf uns wirkt, hängt oft von Perspektive, Proportion und Symmetrie ab. In Dürers Selbstbildnis kann man folgendes Kompositionsschema erkennen: Die Basis des Dreiecks, in das sich der Kopf mit den Haaren einschreiben lässt, teilt die Bildfläche genau im Goldenen Schnitt. In der Ausstellung können die Gäste dies anhand eines Wackelbildes nachvollziehen. Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Albrecht Dürer: ‘Selbstbildnis im Pelzrock’, 1500
mit eingezeichneten Kompositionslinien nach F. Winzinger
Wie ein Gemälde auf uns wirkt, hängt oft von Perspektive, Proportion und Symmetrie ab. In Dürers Selbstbildnis kann man folgendes Kompositionsschema erkennen: Die Basis des Dreiecks, in das sich der Kopf mit den Haaren einschreiben lässt, teilt die Bildfläche genau im Goldenen Schnitt. In der Ausstellung können die Gäste dies anhand eines Wackelbildes nachvollziehen.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Vor allem die darin enthaltenen Illustrationen da Vincis inspirierten italienische wie deutsche Künstler und fanden als geometrische Körper Eingang in die lntarsien-, Fresken- und Buchkunst des 16. Jahrhunderts. Dies führt auch das älteste und zugleich wertvollste Exponat der Ausstellung eindrucksvoll vor Augen: ein klappbares, mit geometrischen Einlegearbeiten aus Obstbaumholz, Ebenholz, Elfenbein und Perlmutt verziertes Holzspielbrett für Mühle, Schach und den ‘Langen Puff’ (vor 1596).

Spielbrett für Mühle, Schach und den 'Langen Puff' (Ausschnitt), Augsburg, vor 1596 Die Intarsien aus Obstbaumholz, Ebenholz, Elfenbein und Perlmutt zeigen ein komplexes Muster aus geometrischen Körpern. Polyeder gelten in der Renaissance als besondere Herausforderung im Kunsthandwerk. Das hier verwendete Muster geht wohl auf die Holzschnittserie 'Geometria et Perspectiva' (1567) von Lorenz Stoer zurück. © KHM-Museumsverband Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Spielbrett für Mühle, Schach und den ‘Langen Puff’ (Ausschnitt), Augsburg, vor 1596
Die Intarsien aus Obstbaumholz, Ebenholz, Elfenbein und Perlmutt zeigen ein komplexes Muster aus geometrischen Körpern. Polyeder gelten in der Renaissance als besondere Herausforderung im Kunsthandwerk. Das hier verwendete Muster geht wohl auf die Holzschnittserie ‘Geometria et Perspectiva’ (1567) von Lorenz Stoer zurück.
© KHM-Museumsverband
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dass es zwischen Wachstumsmustern der Natur und dem Goldenen Schnitt einen Zusammenhang gibt, zeigt die Ausstellung unter anderem anhand einer gehäkelten Ananas, deren aufgestickte Zahlen auf die Fibonacci-Reihe verweisen. Bei dieser nach Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci, benannten Reihe entsteht jede Zahl aus der Addition der beiden vorhergehenden Zahlen, also 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13 usw. Teilt man zwei benachbarte Fibonacci-Zahlen durch einander, ergibt sich eine Annäherung an Phi (1,618…), also den Goldenen Schnitt.

Patricia Waller: 'Fibonacci-Ananas', 2008 Heinz Nixdorf MuseumsForum Zieht man durch die Zentren nebeneinanderliegender Schuppen einer Ananas Spiralen, lassen sich drei Richtungen des Wachstums erkennen: linksdrehend, rechtsdrehend und flach spiralähnlich. Pro Richtung zählt man 8, 13 und 21 Spiralen – Zahlen der Fibonacci-Reihe. Foto: Peter Boesang Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Patricia Waller: ‘Fibonacci-Ananas’, 2008
Heinz Nixdorf MuseumsForum
Zieht man durch die Zentren nebeneinanderliegender Schuppen einer Ananas Spiralen, lassen sich drei Richtungen des Wachstums erkennen: linksdrehend, rechtsdrehend und flach spiralähnlich. Pro Richtung zählt man 8, 13 und 21 Spiralen – Zahlen der Fibonacci-Reihe.
Foto: Peter Boesang
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

lm 19. Jahrhundert gelangte das Proportionsverhältnis ins Bewusstsein des gebildeten Bürgertums – und zwar nicht länger als mathematisches Phänomen, sondern als Weltformel für Schönheit und Ästhetik. Dies schlägt sich in der künstlerischen Praxis, vor allem aber in populären Abhandlungen dieser Zeit nieder: Neben Originalen der Maler Adolph von Menzel und Adolf Hölzel verdeutlicht in der Ausstellung eine Bildercollage die  ‘Nachmesswut’ und zugleich die damalige Sehnsucht nach einer Formel, die alles zu fassen vermag.

'Apollo von Belvedere', bemasst von Adolf Zeising, 1854 Adolf Zeising, Neue Lehre von den Proportionen des menschlichen Körpers, 1854 Erst mit der Veröffentlichung von Adolf Zeisings 'Neuer Lehre von den Proportionen des menschlichen Körpers' im 19. Jh. wird der Goldene Schnitt zur Formel für Schönheit und Ästhetik erhöht. Es beginnt eine Suche nach dem Goldenen Schnitt in nahezu allen Lebensbereichen: in derKunst, der Musik, im Handwerk und der Natur. © bpk/Staatsbibliothek zu Berlin, Abteilung Historische Drucke Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Apollo von Belvedere’, bemasst von Adolf Zeising, 1854
Adolf Zeising, Neue Lehre von den Proportionen des menschlichen Körpers, 1854
Erst mit der Veröffentlichung von Adolf Zeisings ‘Neuer Lehre von den Proportionen des menschlichen Körpers’ im 19. Jh. wird der Goldene Schnitt zur Formel für Schönheit und Ästhetik erhöht. Es beginnt eine Suche nach dem Goldenen Schnitt in nahezu allen Lebensbereichen: in der Kunst, der Musik, im Handwerk und der Natur.
© bpk/Staatsbibliothek zu Berlin, Abteilung Historische Drucke
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Es wurde vermessen, was Flora und Fauna, Kunst und Architektur hergaben – ob Eichenblätter, Kuheuter, antike Statuen oder griechische Tempel. Um das Auffinden der Proportionen zu erleichtern, wurden Werkzeuge wie der Goldene Zirkel entwickelt. Den zeichnerischen Vermessungen der Vergangenheit stellt die Ausstellung mit Goldenen Spiralen versehene aktuelle Fotografien gegenüber, darunter auch den Schnappschuss aus der Siivesternacht 2015/16 in Manchester. Deren virale Verbreitung zeigt: Die Suche nach einer Weltformel hat auch im 21. Jahrhundert nicht an Reiz verloren.

Olivia Lee: 'Instruments of Beauty: Divine Tools', 2015 Braucht Schönheit feste Regeln und berechnete Proportionen? Diese Frage greift die Designerin Olivia Lee mit neun auf den Regeln des Goldenen Schnitts basierenden Werkzeugen auf. Darunter sind Werkzeuge wie der Goldene Zirkel, mit dem der Goldene Schnitt nachgemessen werden kann, aber auch Instrumente, die die Proportionierung erleichtern. Ermöglichen diese 'automatisch' schöne Produkte? Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Olivia Lee: ‘Instruments of Beauty: Divine Tools’, 2015
Braucht Schönheit feste Regeln und berechnete Proportionen? Diese Frage greift die Designerin Olivia Lee mit neun auf den Regeln des Goldenen Schnitts basierenden Werkzeugen auf. Darunter sind Werkzeuge wie der Goldene Zirkel, mit dem der Goldene Schnitt nachgemessen werden kann, aber auch Instrumente, die die Proportionierung erleichtern. Ermöglichen diese ‘automatisch’ schöne Produkte?
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Welche Bedeutung hat die Formel Goldener Schnitt nun aber in der Gestaltungspraxis? Diese Frage beleuchtet die Ausstellung im Bereich der ‘Werkschau’.

Blick in die Ausstellung Die Werkschau zeigt historische wie aktuelle Objekte, die die Idee des Goldenen Schnitts aufgreifen, und lässt die Gäste eintauchen in Formwelten und Entwurfsprozesse. © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Blick in die Ausstellung
Die Werkschau zeigt historische wie aktuelle Objekte, die die Idee des Goldenen Schnitts aufgreifen, und lässt die Gäste eintauchen in Formwelten und Entwurfsprozesse.
© Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Hier können die Besucherinnen und Besucher an einer Werkbank zunächst eine Goldene-Schnitt-Schablone herstellen, mit der sich Objekte auf goldene Proportionsverhältnisse überprüfen lassen.

Goldener-Schnitt-Schablone © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Goldener-Schnitt-Schablone
© Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ob Le Corbusiers Proportionssystem ‘Modulor’, ein Modell der Berliner St.-Canisius-Kirche, Jo Niemeyers kinetisches Objekt ‘Infinitiy’ oder der WM-Fussball ‘Telstar’ aus dem Jahr 1974: Gestaltete Artefakte aus den Bereichen Grafik- und Produktdesign, Architektur und Fotografie lassen die Gäste in faszinierende Formwelten der Moderne eintauchen. Entwurfsskizzen geben dabei Einblicke in Entstehungsprozesse und lassen mathematische Grundlagen erkennen. So basieren die Proportionen von Mark Brauns Keramikvasen ‘Les Trois’ auf der Fibonacci-Reihe.

'Les Trois', Keramikgefässe, 2012 Studio Mark Braun, Granville Gallery Paris Die drei keramischen Gefässe sind eine zeitgeistige Interpretation antiker Amphoren für Öl, Wein und Honig. Das Gerüst für die spannungsreichen Proportionsverhältnisse von Körper, Fuss und Kragen liefert die Fibonacci-Reihe. Foto: Andreas Schimanski Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Les Trois’, Keramikgefässe, 2012
Studio Mark Braun, Granville Gallery Paris
Die drei keramischen Gefässe sind eine zeitgeistige Interpretation antiker Amphoren für Öl, Wein und Honig. Das Gerüst für die spannungsreichen Proportionsverhältnisse von Körper, Fuss und Kragen liefert die Fibonacci-Reihe.
Foto: Andreas Schimanski
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Darüber hinaus wird der Goldene Schnitt in seiner Funktion als gezielt eingesetztes Marketinginstrument beleuchtet und hinterfragt, welche Rolle er im Dialog zwischen Designer und Konsument tatsächlich spielt. Einen dadaistisch ins Absurde verdrehten Blick auf die oft schon mythische Überhöhung des Goldenen Schnitts liefert das gleichnamige Kunstwerk von Timm Ulrichs aus dem Jahr 1969: ein mit einem goldenen Messer im Goldenen Schnitt zerteiltes Toastbrot.

 Timm Ulrichs: 'Der Goldene Schnitt – Anwendungs-Beispiel', 1969 Timm Ulrichs künstlerische Spezialität ist das Wörtlichnehmen von Begriffen. Hier setzt er den Goldenen Schnitt als praktisches Anwendungsbeispiel um, verdreht ihn – in bester Dadaistenmanier – ins Absurde und hinterfragt die Bedeutung, die dem Proportionsverhältnis für die Kunst gerne beigemessen wird. Foto: Foto-Hoerner, Hannover Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Timm Ulrichs: ‘Der Goldene Schnitt – Anwendungs-Beispiel’, 1969
Timm Ulrichs künstlerische Spezialität ist das Wörtlichnehmen von Begriffen. Hier setzt er den Goldenen Schnitt als praktisches Anwendungsbeispiel um, verdreht ihn – in bester Dadaistenmanier – ins Absurde und hinterfragt die Bedeutung, die dem Proportionsverhältnis für die Kunst gerne beigemessen wird.
Foto: Foto-Hoerner, Hannover
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dem Nachweis des Goldenen Schnitts am menschlichen Körper widmet sich die ‘Schönheitsinsel’. Gesucht und gefunden wird er hier unter anderem in den Gesichtszügen Marilyn Monroes.

Marilyn Monroe Das auf den Proportionen des Goldenen Schnitts basierende Gesichtsraster wurde von einem Schönheitschirurgen entwickelt und soll zeitlose Schönheit garantieren. Um dies zu verifizieren, wird die Maske an Schönheitsikonen wie Marilyn Monroe überprüft. © Alfred Eisenstaedt/Getty Images Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Marilyn Monroe
Das auf den Proportionen des Goldenen Schnitts basierende Gesichtsraster wurde von einem Schönheitschirurgen entwickelt und soll zeitlose Schönheit garantieren. Um dies zu verifizieren, wird die Maske an Schönheitsikonen wie Marilyn Monroe überprüft.
© Alfred Eisenstaedt/Getty Images
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Inwieweit das eigene Gesicht goldenen Regeln entspricht, können Besucherinnen und Besucher bei einem Blick in einen Rasterspiegel überprüfen.

Rasterspiegel © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Rasterspiegel
© Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Abgesehen von den visuellen Dimensionen thematisiert die Ausstellung auch weniger bekannte Facetten des Goldenen Schnitts: Die ‘Gorschel’, eine eigens für die Ausstellung entwickelte Orgel, lädt zum Spielen von Melodien ein, deren Tonintervalle im goldenen Verhältnis angelegt sind.

'Gorschel' © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Gorschel’
© Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Neben den goldenen Proportionen gibt es weitere prägende Proportionen, die die sichtbare Welt und unsere alltägliche Umgebung modellieren. lm Ausstellungsbereich ‘Normung’ erfahren die Besucherinnen und Besucher, warum sich ein Porzellanservice am genormten Papierformat orientiert und was die Europalette mit der japanischen Tatami-Matte verbindet.

 Vielfalt der Raster und Normen - Ausstellungsansicht © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Vielfalt der Raster und Normen – Ausstellungsansicht
© Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wie Bildschirmformate unsere Sehgewohnheiten beeinflussen, wird angesichts der Entwicklung von der zylindrischen Versuchsröhre aus dem Jahr 1927 über das jahrzehntelang prägende 4:3-Format bis hin zum hochkant genutzten Smartphone deutlich.

Bildschirmformate © Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Bildschirmformate
© Museum für Kommunikation Berlin, Foto: Kay Herschelmann
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Am Ende tauchen die Besucherinnen und Besucher mit Hilfe einer VR-Brille ein in eine konsequent nach den Regeln des Goldenen Schnitts gestaltete virtuelle Realität. Sieht so die goldene Zukunft aus?

lm Rahmen einer Kooperation widmeten sich die Schülerinnen und Schüler der BEST-Sabel Berufsfachschule für Design in den Fachbereichen Mode, Foto, Grafik, 3D und Produktdesign ein gesamtes Semester dem Thema ‘Goldener Schnitt’. 15 der dabei entstandenen Arbeiten sind nun in der Ausstellung zu sehen.

Sebastian Kirchner: 'Sea of Mint' BEST-Sabel Berufsfachschule für Design, 2016 Sebastian Kirchner arrangiert bei seiner im Fachbereich Fotografie entstandene Arbeit die Bildinhalte nach der 'Goldenen Spirale'. Foto: Sebastian Kirchner Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Sebastian Kirchner: ‘Sea of Mint’
BEST-Sabel Berufsfachschule für Design, 2016
Sebastian Kirchner arrangiert bei seiner im Fachbereich Fotografie entstandene Arbeit die Bildinhalte nach der ‘Goldenen Spirale’.
Foto: Sebastian Kirchner
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Katalog erhältlich.

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Info:

9. September 2016 – 26. Februar 2017

Göttlich Golden Genial.
Weltformel Goldener Schnitt?

Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Strasse 16
10117 Berlin-Mitte
Deutschland

www.mfk-berlin.de

Begleitprogramm:
Zur Ausstellung gibt es ein vielfältiges Begleitprogramm mit Vorträgen, Workshops sowie Aktionen für Kinder.

 

Fotos und Informationen vom  Museum für Kommunikation Berlin zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

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