Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps August 2017

The Festival of Quilts

Das Festival of Quilts im NEC (Birmingham, England) steht wie in jedem August ganz oben auf der Liste der Events, die es sich wirklich zu besuchen lohnt. Ist es doch die führende Patchwork- und Quilt-Show in Europa, die drei riesige Messehallen mit einem überwältigenden Angebot von Ausstellungen und Händlerständen füllt. Dazu kommen u.a. noch Workshops und Kurse von kurz bis mehrtägig, für Anfänger bis hin zur Masterclass, Vorträge und Abendveranstaltungen. Und man trifft hier mit ein bisschen Glück innerhalb der vier Veranstaltungstage so ziemlich jeden auf internationaler Ebene!

Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved.

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Ich habe das Festival schon seit vielen Jahren immer wieder miterlebt, sei es als Ausstellerin, sei es als Besucherin, und habe für den BERNINA blog schon einige Berichte geschrieben, die man immer noch aufrufen kann, um einen Eindruck zu gewinnen.

Auch 2017 kann man mit über 700 Quilts rechnen – Einreichungen in den verschiedenen Wettbewerbskategorien – die juriert und ausgestellt sind.

Blick in die Reihe der Wettbewerbsquilts Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Blick in die Reihen der Wettbewerbsquilts
Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Weiter sind an Einzel- und Gruppenausstellungen zu nennen: Mastery: Sustaining Momentum, kuratiert von Nancy Crow,  Kumiko Frydl, Brigitte Kopp, South West Textiles Group, SAQA, Els van Baarle & Cherilyn Martin, Jean Wells, Martine Apaloaza, Art Quilt Fusion, Through Our Hands, Victoria Findlay Wolfe, Ineke Berlyn, Fine Art Quilt Masters und, und, und.

Victoria Findlay Wolfe: Bright lights big city Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Victoria Findlay Wolfe: Bright lights big city
Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Am besten, man schaut sich dies alles einmal in Ruhe auf der Website des Veranstalters (Ausstellungen unter ‘Quilt Galleries’) an.

Annabel Rainbow: Murder, Detail (Through Our Hands) Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Annabel Rainbow: Murder, Detail (Through Our Hands)
Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Ich selbst werde diesmal nicht vor Ort sein, so dass auch kein Bericht und keine Bilder von mir folgen. Leider, leider, aber nicht zu ändern. Den Glücklichen, die hinkommen, wünsche ich ganz viel Spass und viele Entdeckungen!

Helen McBride Richter (Nancy Crow Exhibition) Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Helen McBride Richter (Nancy Crow Exhibition)
Copyright © 2017 Upper Street Events Ltd. All rights reserved
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Info:

10. – 13. August 2017

The Festival of Quilts

Halls 7, 8 & 9
NEC
Birmingham
England

www.thefestivalofquilts.co.uk

Öffnungszeiten:
Do – Sa: 10 – 17.30 Uhr
So: 10 – 17 Uhr

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The Hermitage Encyclopaedia of Textiles. History

In letzter Sekunde vor Veröffentlichung der neuen Ausstellungstipps erhielt ich von Wolfgang Eibisch, sich heute im Ruhestand befindlicher ehemaliger BERNINA Sales Manager für Ost-Europa, noch einen heissen Hinweis auf eine ganz besondere Ausstellung: Die Eremitage in Sankt Petersburg (Russland) – eines der renommiertesten und grössten Kunstmuseen weltweit – zeigt ab dem 29. Juli 2017 ‘Encyclopaedia of Textiles. History’ – eine Enzyklopädie der Textilien – und geht damit auch ihrer Geschichte auf den Grund.

The State Hermitage - Screenshot der Website

The State Hermitage – Screenshot der Website

Zum ersten Mal wird die umfangreiche Textilkollektion der Eremitage in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert, von prähistorischen Beispielen bis hin zu Stoffen des 20. Jahrhunderts, von der Antike und vom Orient bis zum heutigen Europa. Die Eremitage besitzt eine der reichsten Sammlungen an Stoffen, Teppichen, Kostümen, Stickereien und Spitzen der Welt, so dass die Ausstellung in enzyklopädischer Breite sowohl die Geschichte als auch die Herkunft der Stoffe und Textilien abdecken kann. So werden beispielsweise – zum Teil erstmals – neben kostbaren Kleidungsstücken aus kaiserlichem Besitz auch militärische Uniformen, prachtvolle Kirchengewänder oder seltene edle Teppiche präsentiert. In der Picket Hall des Winterpalastes sind einzigartige archäologische Funde zu bestaunen: Textilien aus der Jungsteinzeit bis zur Renaissance, ausserdem mittelalterliche italienische Stoffe und Stickereien aus den Niederlanden sowie Stoffe aus der gleichen Zeit aus China und Ägypten.

Eine hochinteressante Angelegenheit und unbedingte Empfehlung also. Sollte man sich zur Ausstellungslaufzeit in Sankt Petersburg befinden: Auf keinen Fall verpassen! Alles Weitere findet man unter dem unten angegebenen Link in englischer Sprache (umschaltbar ins Russische).

Info:

29. Juli – 15. Oktober 2017

The Hermitage Encyclopaedia of Textiles. History

The State Hermitage Museum
The Main Museum Complex, St George and Picket Halls
2 Palace Square
St Petersburg
Russland

www.hermitagemuseum.org

Öffnungszeiten:
Di, Do, Sa, So: 10.30 – 18 Uhr
Mi, Fr: 10-30 – 21 Uhr
Montags geschlossen

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Felix Haspel – Formen des Textilen
Von der Tapisserie zur Betonskulptur

Noch bis zum 13. August 2017 ist die Ausstellung ‘Formen des Textilen – Von der Tapisserie zur Betonskulptur’, die dem Werk von Felix Haspel gewidmet ist, organisert vom Kunstverein Hockenheim, in der dortigen Stadthalle zu sehen.

Einladung

Einladung / Flyer

Felix Haspel, der an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien Malerei und Textilkunst sowie an der Akademie der bildenden Künste in Wien Malerei studierte und über 26 Jahre im Bereich Textilkunst als Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien lehrte, konzipiert und realisiert auch Eisen- und Steinskulpturen und behauptet trotzdem von sich, auch ein Textilkünstler zu sein.

In einer alten Mühle im Süden Wiens befindet sich das Atelier des Malers, Skulpteurs, Aquarellisten und Textilkünstlers Felix Haspel. Bei seinen Reisen durch die Wüsten dieser Erde hält er das Gesehene, Erlebte und Gefühlte in Skizzen fest, um später im Atelier die Summe der Eindrücke in Aquarelle und Grafiken umzusetzen und um den Farben, dem Licht, dem Rhythmus und der Melodie der Landschaften nachzuspüren.

Die Wüste mit ihren ganz speziellen Farb- und Lichtwirkungen fasziniert und inspiriert Haspel gleichermassen. Das Aquarell, das ein impulsives, direktes Arbeiten verlangt, ist wiederum Vorlage für seine Wandteppiche – Tapisserien – für deren Entwurf und Realisierung die Disziplin und das Durchhaltevermögen des Künstlers gefordert ist.

Felix Haspel: Tapisserie 'Segel 1' freie Gotische Webtechnik Foto: Felix Haspel, freundlicherweise vom Kunstverein Hockenheim e.V. zur Verfügung gestellt

Felix Haspel: Tapisserie ‘Segel 1’
freie Gotische Webtechnik
Foto: Felix Haspel, freundlicherweise vom Kunstverein Hockenheim e.V. zur Verfügung gestellt

Felix Haspel, dessen künstlerische Sprache das Weben – die Malerei mit Wolle – ist, war schon immer von diesem Material, dessen Leuchtkraft mit denen der Aquarellfarben verwandt ist, fasziniert. Die Webfäden werden aus oftmals bis zu zehn verschiedenen, vom Künstler selbst gefärbten, dünnen Wollfäden zusammengestellt. Diese alte gotische Technik basiert auf uralten Webtechniken – wie etwa der etruskischen Kelimtechnik – und wird mit drei bis zehn Kettfäden pro Zentimeter gewebt.

Sie bietet auf Grund der Feinheit des Gewebes und der nahezu unendlichen Anzahl an Mischmöglichkeiten zwischen den Tausenden Farben dem Künstler die Möglichkeit, in virtuoser Weise fast jede denkbare Farbe und Oberfläche zu erreichen. Trotz der Tatsache, dass Haspel in mehreren unterschiedlichen künstlerischen Techniken seine Projekte realisiert, bleibt die Weberei, neben der skulpturellen, malerischen und grafischen Position seiner Arbeit, ein wichtiges Ausdrucksmittel seines künstlerischen Schaffens.

Felix Haspel: Betonskulptur Holz, Eisen, Betongemisch Foto: Felicitas Matern, freundlicherweise vom Kunstverein Hockenheim e.V. zur Verfügung gestellt

Felix Haspel: Betonskulptur
Holz, Eisen, Betongemisch
Foto: Felicitas Matern, freundlicherweise vom Kunstverein Hockenheim e.V. zur Verfügung gestellt

Textile Aspekte spiegeln sich auch in den Skulpturen Felix Haspels wider; sie werden über die textile Form erreicht, bei den Tapisserien hingegen über das Material. Fundstücke wie Holz und Eisenteile, Dinge die scheinbar wertlos geworden sind, kombiniert er mit Hilfe von textilen Gussformen und einem Betongemisch, und verhilft ihnen so zu einem neuem Leben. Seine Skulpturen, die eine Grösse von 45 cm, aber auch bis zu 9 Metern erreichen und in Galerien, Museen und als Landart in der Natur stehen, beeindrucken durch ihre Ausstrahlung.

Heute lebt und arbeitet Felix Haspel als freischaffender Textil-Künstler in Wien. Sein umfangreiches Werk wurde in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Japan und in den USA ausgestellt. Er realisierte zahlreiche Landart-Projekte in den Wüsten Nordafrikas.

Info:

22. Juli – 13. August 2017

Felix Haspel – Formen des Textilen
Von der Tapisserie zur Betonskulptur

Stadthalle Hockenheim
Rathausstrasse 3
68766 Hockenheim
Deutschland

www.kunstverein-hockenheim.de

Öffnungszeiten:
Mi – So: 16 – 18 Uhr

Flyer

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Erik Kessels & Friends

Er gehört zu den wichtigsten Kreativen der Welt: Erik Kessels, Mitbegründer der internationalen Agentur KesselsKramer in Amsterdam, ist nicht nur der Rockstar unter den Werbern, er ist Künstler, Kurator, Publizist und leidenschaftlicher Sammler von Fotografien. Dabei ist er bekannt für seine Vorliebe für das Unperfekte und Unvollendete, für die Zufälle und Fehler in den Fotos, die er auf Flohmärkten, in Fotoalben, Katalogen oder Betriebsanleitungen findet. Vom 12. August bis 5. November 2017 widmet ihm das NRW-Forum Düsseldorf die deutschlandweit erste Retrospektive mit den wichtigsten Arbeiten der vergangenen 20 Jahre. Ausserdem hat Erik Kessels fünf Freunde eingeladen, die Künstler Paul Kooiker, Joan Fontcuberta, Peter Piller, Joachim Schmid und Ruth van Beek, die mit eigenen Arbeiten in der Überblicksausstellung intervenieren.

In der Werbung geht es um das perfekte Bild. Erik Kessels langweilen perfekte Bilder. Sowohl den Künstler als auch den Werber Kessels interessieren die fehlerhaften, zufälligen und unstimmigen Fotografien, die überbelichteten und verwackelten, die mit dem Finger vor dem Objektiv, die mit missglückten Posen und schwachen Momenten – weil sie menschlich sind. Er sammelt Fotografien aller Art, die er in eigenen und fremden Fotoalben und im Internet findet. Familienalben, die heute fast automatisch etwas Melancholisches besitzen, sind ebenso sein Material wie digitale Bilder, die massenweise das Netz fluten, und von kuriosen persönlichen wie kulturellen Obsessionen zeugen. Er verändert oder manipuliert die Bilder nicht, sondern sammelt, sortiert und rekontextualisiert die Fundstücke und erzählt humorvolle Geschichten von Familien und Fremden, Zufällen und Schicksalen, von Kunst und Kommerz, vom Erinnern und Vergessen, vom Gelingen und Scheitern. Seine Arbeiten sind ein Jahrmarkt der Bildergeschichte, die Platz lassen für das Unvollendete, den Zufall, den Fehlschlag, das Unperfekte und manchmal auch sehr persönliche Einblicke in seine eigenen Familienbilder geben.

Jeden Tag ist die Welt einer Lawine neuer digitaler Fotos ausgesetzt. Für die Arbeit ’24hrs Of Photos’ hat Erik Kessels einen einzigen Tag ausgewählt und die Bilder dieses Datums ausgedruckt.

Erik Kessels: 24hrs Of Photos © Erik Kessels Foto freundlicherweise vom NRW-Forum Düsseldorf zur Verfügung gestellt

Erik Kessels: 24hrs Of Photos
© Erik Kessels
Foto freundlicherweise vom NRW-Forum Düsseldorf zur Verfügung gestellt

Entstanden ist ein Berg von Fotos, der bis unter die Decke des Ausstellungsraumes reicht. Kessels fügt dem keine neuen Bilder hinzu, denn alles, was er benötigt, ist schon zur Genüge da.

Die Serie ‘Album Beauty’ feiert das Fotoalbum, ein verschwindendes Objekt, das einmal einen Platz in jedem Zuhause hatte, und …

Erik Kessels: Album Beauty © Erik Kessels Foto freundlicherweise vom NRW-Forum Düsseldorf zur Verfügung gestellt

Erik Kessels: Album Beauty
© Erik Kessels
Foto freundlicherweise vom NRW-Forum Düsseldorf zur Verfügung gestellt

… das heute vor allem eine Aura der Melancholie und Vergänglichkeit umgibt. In Zeiten digitaler Bilder fordert die Serie dazu auf, über eine Zeit nachzudenken, als Fotos noch selten und wertvoll waren, und darüber, was mit ihnen passiert, wenn sie ‘altern’ anstatt im Äther der Bilderfluten zu verschwinden.

‘Unfinished Father’ (2015) ist eines von Erik Kessels persönlichsten Projekten.

Erik Kessels: Unfinished Father © Erik Kessels Foto freundlicherweise vom NRW-Forum Düsseldorf zur Verfügung gestellt

Erik Kessels: Unfinished Father
© Erik Kessels
Foto freundlicherweise vom NRW-Forum Düsseldorf zur Verfügung gestellt

Es dreht sich um ein unvollendetes Projekt seines Vaters, der, bis er einen Schlaganfall erlitt, vier Fiat 500 restaurierte. Ein fünfter blieb halbfertig zurück und bildet die Basis des Ausstellungs- und Buchprojekts, das schmerzlich darauf hinweist, dass die meisten Dinge im Leben kein Happy End haben, sondern abrupt enden und oft unvollendet bleiben. Die Serie war unter den Finalisten des Deutsche Börse Photography Prize 2016.

Die Ausstellung wird begleitet von einer künstlerischen Marketing-Kampagne, die Erik Kessels selbst entwirft, und so einen Teil seiner Arbeit in den öffentlichen Raum bringt. Zur Ausstellung ist die Publikation ‘The Many Lives of Erik Kessels’ erhältlich, erschienen im Verlag Aperture.

Info:

12. August – 5. November 2017

Erik Kessels & Friends

NRW-Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf
Deutschland

www.nrw-forum.de

Öffnungszeiten:
Mo – So: 11 – 18 Uhr
Fr & Sa: 11 – 20 Uhr

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Anna webt Reformation
Ein Teppich und seine Geschichten

Das Museum Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin zeigt derzeit die Ausstellung ‘Anna webt Reformation – Ein Teppich und seine Geschichten’. Sie führt den Betrachter nicht nur in die historische Alltagswelt seiner Stifterin Anna Bump, sondern offenbart auch die theologische Weltsicht des 17. Jahrhunderts.

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland © Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland
© Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anlässlich des 150. Jahrestages der Reformation entstand 1667 in Norddeutschland in der Region Dithmarschen ein einmaliger Bildteppich, der signiert und datiert ist. Gestiftet wurde er von Anna Bump, die einer wohlhabenden Bauernfamilie angehörte.

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland, Detail © Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland, Detail
© Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anna Bump wurde 1644 in Kleve bei Hennstedt in Dithmarschen geboren. Sie war religiös gebildet und konnte sicherlich lesen und schreiben, was damals nicht selbstverständlich war. Neben ihren häuslichen Pflichten, so lässt sich vermuten, konnte Anna Bump sich auch textilen Arbeiten widmen. Das Signet auf dem Teppich verrät nicht, ob Anna Bump den Teppich allein gefertigt hat. Dass jedoch ein handwerkliches Produkt mit dem Namen einer Frau signiert wurde, verweist auf neue, durch reformatorisches Denken gestärkte Positionen der Frauen.

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland, Detail © Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland, Detail
© Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Als der Bildteppich entstand, gehörten reformierte Glaubensauffassungen in Dithmarschen zum Alltag. Die Motive zeigen fast comicartig die Heilsgeschichte von Jesus Christus. insgesamt finden sich über 50 durch Bibelstellen belegte Szenen. Viele dieser Bilder und ihre Bedeutungen konnten die Menschen des 17. Jahrhunderts leicht erkennen, da sie ihnen vertraut waren, wie beispielsweise die ‘Anbetung der Heiligen Drei Könige’ oder die ‘Kreuzigung’.

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland, Detail © Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland, Detail
© Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die textilen Bilder auf der Wirkerei offenbaren die zeitgenössische theologische Weltsicht. Die handwerkliche Arbeit spiegelt flämische und nordniederländische Einflüsse wider, da viele, die wegen ihres Glaubens fliehen mussten, in Norddeutschland eine neue Heimat fanden und ihre Fähigkeiten mitbrachten. Weitere wertvolle zeitgenössische Objekte aus frühem Kircheninventar der Region, textile Vergleichsstücke sowie verschiedene Objekte der Alltagkultur komplettieren die Ausstellung und ermöglichen so einen emotionalen Zugang in die bäuerliche Welt Dithmarschens in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Rückenpolster einer Bank, 2. Hälfte 17. Jh., vermutlich nördliche Niederlande, Detail © Dithmarscher Landesmuseum Meldorf, Olaf Möller Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Rückenpolster einer Bank, 2. Hälfte 17. Jh., vermutlich nördliche Niederlande, Detail
© Dithmarscher Landesmuseum Meldorf, Olaf Möller
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anna Bumps Teppich hat eine bewegte Geschichte. Entstanden in Dithmarschen, gelangte er vermutlich im 19. Jahrhundert in die USA. Vor dort wurde er 1955 dem Israel-Museum in Jerusalem geschenkt. Das Berliner Museum erhielt ihn 1971 im Tausch gegen jüdische Ritualobjekte aus dem 17. Jahrhundert. Seitdem gehört der Bildteppich in den Bestand des Museums Europäischer Kulturen (MEK). Er öffnet uns auch ein Fenster zu jenen Menschen, die ihn herstellten und die ihm über die Jahrhunderte begegneten.

Kissen mit der Darstellung eines Königspaares, 2. Hälfte 17. Jh., Dithmarschen / Norddeutschland © Dithmarscher Landesmuseum Meldorf, Ute Franz-Scarciglia Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kissen mit der Darstellung eines Königspaares, 2. Hälfte 17. Jh., Dithmarschen / Norddeutschland
© Dithmarscher Landesmuseum Meldorf, Ute Franz-Scarciglia
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Kustodin Dagmar Neuland-Kitzerow sowie die Restauratorinnen Salwa Joram und Christine Binroth haben erneute Forschungen angeregt und die Ausstellung als Beitrag des MEK zum 500. Reformationsjubiläum konzipiert. Für die breit angelegte Forschungsarbeit konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich der Theologie, Geschichte, der Archiv- und Kulturwissenschaft gewonnen werden. Auf dieser Basis war es möglich, ein detailliertes zeitgenössisches Bild vom Leben der Anna Bump vorzulegen.

Textilrestauratorinnen des MEK bei der näheren Begutachtung des Reformationsteppichs © Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Michael Mohr Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Textilrestauratorinnen des MEK bei der näheren Begutachtung des Reformationsteppichs
© Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Michael Mohr
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Durch die Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern des Rathgen Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin und der Kulturerbe-Agentur der Niederlande in Amsterdam (Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed) gelang es, neue Erkenntnisse zu Färbetechniken zu erarbeiten, die in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts durch globale Kulturkontakte entstanden sind. Die vielfältigen Ergebnisse sind im 128 Seiten umfassenden Ausstellungskatalog dargestellt. Dieser erscheint in deutscher und englischer Sprache als Band 20 der Schriftenreihe Museum Europäischer Kulturen im Verlag der Kunst, ISBN 978-3-86530-230-4, zum Preis von 19,95 EUR.

Textilrestauratorinnen des MEK bei der näheren Begutachtung des Reformationsteppichs © Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Michael Mohr Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Textilrestauratorinnen des MEK bei der näheren Begutachtung des Reformationsteppichs
© Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Michael Mohr
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf unterstützt die Sonderpräsentation als Kooperationspartner. Grosszügige Leihgaben wie Möbel, Fayencen, Zinngeschirr und gewebte Haustextilien aus Meldorf sowie Archivalien und liturgische Objekte aus der Region, ermöglichen Einblicke in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und in die Lebenswelt der Anna Bump. Auch kulturelle Einflüsse durch Kulturaustausch und Handel mit den Kolonien sowie der Wissenstransfer durch Glaubensmigranten sind im Bildteppich sichtbar. Die Katholische Akademie in Berlin unterstützt insbesondere das Vermittlungsprogramm. Dazu gehören thematische Führungen sowie Angebote und Workshops für alle Generationen.

Oblatendose, 1699, Hennstedt / Dithmarschen © Kirchengemeinde Hennstedt, Hans-Karl Wrede Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Oblatendose, 1699, Hennstedt / Dithmarschen
© Kirchengemeinde Hennstedt, Hans-Karl Wrede
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

14. Juli 2017 – 28. Januar 2018

Anna webt Reformation
Ein Teppich und seine Geschichten

Museum Europäischer Kulturen
Arnimallee 25
14195 Berlin
Deutschland

www.museumsportal-berlin.de

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Sommerreise zu Dritt

Christa Ebert, Helene Fischer und Heidemarie Mönkemeyer, drei norddeutsche Textilkünstlerinnen, begeben sich auf eine ‘Sommerreise zu Dritt’. Sie zeigen unter dieser Überschrift Art Quilts und Textile Bilder im Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel in der Cliner Quelle. Dies ist ein Zentrum mit verschiedensten Erlebnis- und Entspannungsbereichen: mit Sole-Erlebnisbad, Saunalandschaft, Kur- und Wellnessbereich, Fitnessstudio und Gastronomie. Man darf gespannt sein, wie die textilen Arbeiten hier zur Geltung kommen und den Urlaubern einen zusätzlichen Genuss bereiten.

Plakat

Plakat

Ihre Kunstwerke haben etwas mitzuteilen. Sie erzählen alte und neue, private und allgemeine Geschichten, beschreiben Gedanken, Stimmungen und Reflexionen mit Stoff. In vielen Ausstellungen in Deutschland und im europäischen Ausland konnte man ihre textilen Arbeiten bereits bewundern. Mehrere ihrer Werke wurden unabhängig voneinander in jurierten Wettbewerben anerkannt und waren bei internationalen Ausstellungen zu sehen.

Heidemarie Mönkemeyer, Helene Fischer, Christa Ebert (v.l.n.r.) Foto freundlicherweise von den Künstlerinnen zur Verfügung gestellt

Heidemarie Mönkemeyer, Helene Fischer, Christa Ebert (v.l.n.r.)
Foto freundlicherweise von den Künstlerinnen zur Verfügung gestellt

Jede Künstlerin liebt die Auseinandersetzung mit den verschiedensten textilen Materialien.

Christa Ebert, Bad Zwischenahn, färbt und bedruckt ihre Stoffe selbst. Sie arbeitet gern themenbezogen. Oft bildet dabei der selbstbedruckte Stoff den Ausgangspunkt für die erzählte Geschichte.

Christa Ebert: Rot Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Christa Ebert: Rot
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Helene Fischer, Wittmund, arbeitet gern mit altem handgewebten Leinen und mit feiner Baumwolle. Ihre Stoffe färbt sie selbst. Sie bevorzugt für ihre Quilts Motive von der Küste und aus Ostfriesland.

Helene Fischer: Priel Rillen Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Helene Fischer: Priel Rillen
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Heidemarie Mönkemeyer, Ottersberg, erzählt mit alten Textilien neue Geschichten und liebt poetische Titel.

Heidemarie Mönkemeyer: Das Sudoku der Schneiderin Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Heidemarie Mönkemeyer: Das Sudoku der Schneiderin
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Info:

29. Juli – 27. August 2017

Sommerreise zu Dritt
Textilkunst-Ausstellung von
Christa Ebert, Helene Fischer und Heidemarie Mönkemeyer

Cliner Quelle
Nordseestrasse 1
26409 Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel
Deutschland

www.cliner-quelle.de

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 10 – 21 Uhr
Sa – So: 10 – 19 Uhr

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Balenciaga: Shaping Fashion

Vor 100 Jahren eröffnet der Modeschöpfer Cristóbal Balenciaga in San Sebastian sein erstes Modehaus und vor 80 Jahren in Paris seinen berühmten Haute-Couture-Salon in der Avenue George V. Anlässlich dieser Jubiläen zeigt das Victoria and Albert Museum in London …

Hut in Form einer Spirale, Seide, Balenciaga für Eisa, Spanien, 1962 © Victoria and Albert Museum, London Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Hut in Form einer Spirale, Seide, Balenciaga für Eisa, Spanien, 1962
© Victoria and Albert Museum, London
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

…  derzeit die Ausstellung ‘Balenciaga: Shaping Fashion’. Sie würdigt damit den tiefen und fortdauernden Einfluss des Modeschöpfers auf die moderne Mode und präsentiert gleichzeitig Kreationen von seinen Protegés und von zeitgenössischen Designern, die heute in der gleichen innovativen Weise arbeiten, insgesamt sind über 100 Kleidungsstücke und Hüte zu sehen.

Lisa Fonssagrives-Penn trägt einen Mantel von Cristóbal Balenciaga, Paris, 1950 Foto: Irving Penn © Condé Nast, Irving Penn Foundation Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Lisa Fonssagrives-Penn trägt einen Mantel von Cristóbal Balenciaga, Paris, 1950
Foto: Irving Penn © Condé Nast, Irving Penn Foundation
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der 1895 im spanischen Baskenland als Sohn eines Fischers und einer Näherin geborene Balenciaga, der seiner Zeit voraus ist, kreiert seit den vierziger Jahren bis in die sechziger hinein eine äusserst moderne reduzierte Linie. Seine eleganten, bisweilen strengen Entwürfe finden grossen Anklang in der Pariser Modeszene und zeichnen sich durch ein hohes Mass an Perfektion und durch einen bewusst künstlerischen Anspruch aus. So zum Beispiel die ‘I-Linie’ – ganz gerade und ohne Taille – die er in den fünfziger Jahren entwickelt und damit die weibliche Silhouette revolutioniert.

Alberta Tiburzi in einem 'envelope' Dress von Cristóbal Balenciaga Harper's Bazaar, June 1967 © Hiro 1967 Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Alberta Tiburzi in einem ‘envelope’ Dress von Cristóbal Balenciaga
Harper’s Bazaar, June 1967 © Hiro 1967
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Obwohl der angesehene Couturier als scheu und zurückhaltend gilt, kaum Interviews gibt, sich nur selten fotografieren lässt und stets einen Arbeitskittel trägt, wird er von seinen Zeitgenossen wie z.B. Coco Chanel oder Christian Dior verehrt, der über ihn sagt: ‘Die Haute Couture ist wie ein Orchester, dessen Dirigent Balenciaga ist. Wir anderen Couturiers sind die Musiker und folgen den Anordnungen, die er gibt.’

Cristóbal Balenciaga bei der Arbeit, Paris, 1968 Foto: Henri Cartier-Bresson © Henri Cartier-Bresson, Magnum Photos Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Cristóbal Balenciaga bei der Arbeit, Paris, 1968
Foto: Henri Cartier-Bresson © Henri Cartier-Bresson, Magnum Photos
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

1968 zieht sich Balenciaga wieder nach Spanien zurück und verstirbt 1972. Danach wechselt sein Modehaus mehrmals den Besitzer und gehört heute wieder zur führenden hochpreisigen Haute Couture.

Abendkleid, Cristóbal Balenciaga, Paris, 1962 Foto: Cecil Beaton, 1971 © Cecil Beaton Studio Archive at Sotheby's Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Abendkleid, Cristóbal Balenciaga, Paris, 1962
Foto: Cecil Beaton, 1971 © Cecil Beaton Studio Archive at Sotheby’s
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der zweite Teil der Ausstellung stellt die nachhaltige Wirkung von Balenciagas minimalistischer Ästhektik dar und verfolgt seinen Einfluss auf die Arbeit von über 30 Modedesignern der letzten 50 Jahren, wie beispielsweise Kreationen seiner ehemaligen Auszubildenden André Courrèges und Emanuel Ungaro oder von seinem Protegé Hubert de Givenchy.

Mini-Abendkleid, Metalldraht und Plastikpailetten, Paco Rabanne, Paris, 1967 © Victoria and Albert Museum, London Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mini-Abendkleid, Metalldraht und Plastikpailetten, Paco Rabanne, Paris, 1967
© Victoria and Albert Museum, London
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

27. Mai 2017 – 18. Februar 2018

Balenciaga: Shaping Fashion

Victoria and Albert Museum
Cromwell Road
London SW7 2RL
England

www.vam.ac.uk

Öffnungszeiten:
Täglich: 10 – 17.45 Uhr
Fr: 10 – 22 Uhr

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Textile Impressionen

Plakat

Plakat

Seit Jahrzehnten widmet sich Sieglinde Wischnewski ihrer stillen Leidenschaft: textilen Bildkompositionen. Im Focus der Ausstellung stehen filigrane Stickarbeiten zum Thema Natur und Mensch – faszinierende Kunst mit Nadel und Faden.

Arbeit von Sieglinde Wischnewski Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Arbeit von Sieglinde Wischnewski
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Ausstellungen ihrer künstlerischen Arbeiten führten sie ins In- und Ausland und aktuell in die Nähe von Fürstenwalde/Spree, also zwischen Berlin und Frankfurt/Oder gelegen.

Info:

30. Juli – 6. Oktober 2017

Textile Impressionen
Kunst mit Nadel und Faden von Sieglinde Wischnewski

Kunstkabinett – Scharwenka Kulturforum
Moorstrasse 3
15526 Bad Saarow
Deutschland

www.seenland-oderspree.de

Vernissage:
So, 30. Juli 2017, 15 Uhr

Öffnungszeiten:
Do, Fr, Sa: 13 – 17 Uhr
So: 11 – 17 Uhr

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Neue Stoffe – New Stuff. Gestalten mit Technischen Textilien

Ab dem 23. August 2017 präsentiert das Textilmuseum St. Gallen die neue Ausstellung ‘Neue Stoffe – New Stuff. Gestalten mit Technischen Textilien’. Die Schau befasst sich mit einer weniger bekannten, jedoch umso bedeutsameren Seite der Textilproduktion: Sie widmet sich den Technischen Textilien, ihrer Geschichte ebenso wie der Vielfalt aktueller Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Medizintechnik, Architektur, Mobilität u.a. Einen Schwerpunkt legt die Ausstellung auf das immense Zukunftspotential der Smart Textiles, Wearables und anderer ‘Neuer Stoffe’.

Stone Web Idalene Rapp und Natascha Unger, Modulare Wand, 2017. Die Module wurden mit Wickeltechnik geformt und mit Bioharz versteift. © weißensee kunsthochschule berlin Foto freundlicherweise vom Textilmuseum St. Gallen zur erfügung gestellt

Stone Web
Idalene Rapp und Natascha Unger, Modulare Wand, 2017. Die Module wurden mit Wickeltechnik geformt und mit Bioharz versteift.
© weißensee kunsthochschule berlin
Foto freundlicherweise vom Textilmuseum St. Gallen zur Verfügung gestellt

Diese Ausstellung zeigt eine Seite der Textilindustrie, die weit über die allseits bekannten Anwendungen in Mode und Innenarchitektur hinausgeht.

Leuchtbeton © LUCEM Foto freundlicherweise vom Textilmuseum St. Gallen zur Verfügung gestellt

Leuchtbeton
© LUCEM
Foto freundlicherweise vom Textilmuseum St. Gallen zur Verfügung gestellt

Das deutsch-mexikanische Architektenbüro Zeller & Moye, das die Szenografie verantwortet, macht die neuen Stoffe bereits in der Ausstellungsarchitektur sichtbar. Sie wählten dafür mit Textilbeton ein Material, das ursprünglich für das Auskleiden von Wasserläufen entwickelt wurde. In ihren Entwürfen kommt es erstmals im Möbelbau zum Einsatz.

Fahrgastzelle BMW i3 © Mai Carbon Foto freundlicherweise vom Textilmuseum St. Gallen zur Verfügung gestellt

Fahrgastzelle BMW i3
© Mai Carbon
Foto freundlicherweise vom Textilmuseum St. Gallen zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung erfolgt in Zusammenarbeit u.a. mit der Empa, der weißensee kunsthochschule berlin, Swiss Textiles und der Hochschule Luzern.

Info:

23. August 2017 – 2. April 2018

Neue Stoffe – New Stuff. Gestalten mit Technischen Textilien

Textilmuseum St. Gallen
Vadianstrasse 2
9000 St. Gallen
Schweiz

www.textilmuseum.ch

Öffnungszeiten:
Täglich 10 – 17 Uhr

Extra-Öffnung und Gruppenbesuche auf Anfrage

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Schenkung Brigitte Bretschneider. Textile Kostbarkeiten

Kennern und Liebhabern sind die Stickereien und Applikationen von Brigitte Bretschneider nicht unbekannt, wenngleich sich die Meißner Künstlerin mit öffentlichen Auftritten bislang weitgehend zurückhielt. Seit 1946 fertigt die fast 92-Jährige unermüdlich textile Kostbarkeiten. Ihre gestickte und genähte Malerei wächst in intensiver und langwieriger Handarbeit. Darin verneigt sich die Künstlerin in Ehrfurcht und tiefer Religiosität vor dem Leben: Pflanzen, Tiere, Menschen und Engel bevölkern ihre textile Welt. In dunklen Szenen hat sie um 1947 auch dem Gefühl des Verlorenseins und der Angst eindrucksvoll Ausdruck verliehen.

Brigitte Bretschneider: Paradiesgarten um 1957, Applikation und Stickerei Städtische Galerie Dresden Foto: Franz Zadnicek, freundlicherweise von der Städtischen Galerie Dresden zur Verfügung gestellt

Brigitte Bretschneider: Paradiesgarten
um 1957, Applikation und Stickerei
Städtische Galerie Dresden
Foto: Franz Zadnicek, freundlicherweise von der Städtischen Galerie Dresden zur Verfügung gestellt

Brigitte Bretschneider ist 1925 geboren. Die Arbeit mit Textilien war ihr als Tochter eines Meißner Tapeziermeisters und Dekorateurs von Kindesbeinen an vertraut. 1941 bis 1944 besuchte sie zudem die Dresdner Meisterschule für das deutsche Handwerk in der Abteilung für textiles Kunsthandwerk, wo sie ihre Neigungen perfektionieren konnte. Nach kriegsbedingter Unterbrechung konnte sie ihr Studium erst 1947 an der neu eröffneten Hochschule für Werkkunst fortführen. Ende der 1940er Jahre sah sie sich verpflichtet, in das elterliche Geschäft einzusteigen und erlernte damit auch dieses Handwerk. Die Meisterprüfung als Dekorateur und Tapezierer legte sie 1962 ab.

Brigitte Bretschneider: Engel 1983-1993, Applikation und Stickerei Städtische Galerie Dresden Foto: Franz Zadnicek, freundlicherweise von der Städtischen Galerie Dresden zur Verfügung gestellt

Brigitte Bretschneider: Engel
1983-1993, Applikation und Stickerei
Städtische Galerie Dresden
Foto: Franz Zadnicek, freundlicherweise von der Städtischen Galerie Dresden zur Verfügung gestellt

In diesem Jahr schenkte die Künstlerin der Städtischen Galerie Dresden 19 Applikationsstickereien – den Zeitraum von 1946 bis 2015 umfassend. In einer Ausstellung im Projektraum ‘Neue Galerie’ wird die grosszügige Schenkung bis zum 15. Oktober 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Info:

7. Juli – 15. Oktober 2017

Schenkung Brigitte Bretschneider. Textile Kostbarkeiten

Städtische Galerie Dresden
Wilsdruffer Strasse 2
01067 Dresden
Deutschland

www.galerie-dresden.de

Öffnungszeiten:
Di – So: 10 – 18 Uhr
Fr: 10 – 19 Uhr

Veranstaltung:
Am 5. September 2017 um 19 Uhr wird eine Veranstaltung mit Literatur und Musik in der Ausstellung in Anwesenheit der Künstlerin stattfinden: ‘Engel sind dienstbare Geister’, mit Pfarrer Uwe Haubold (Sankt Afra Meißen), Dr. Kerstin Schimmel (Evangelische Akademie Meißen) und Dr. Carolin Quermann (Städtische Galerie Dresden).

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Erica Waaser
Memorie’s

Unter dem Titel ‘Memorie’s’ zeigt die Textilkünstlerin Erica Waaser aus München derzeit ihre abstrakten Art Quilts in München, in der Galerie Quilt Et Textilkunst. Ein Besuch lohnt sich!

Erica Waaser: Memories Foto freundlicherweise von der Galerie Quilt Et Textilkunst zur Verfügung gestellt

Erica Waaser: Memories
Foto freundlicherweise von der Galerie Quilt Et Textilkunst zur Verfügung gestellt

Info:

22. Juli – 18. August 2017

Erica Waaser
Memorie’s

Galerie Quilt Et Textilkunst
80331 München
Sebastiansplatz 4
Deutschland

www.quiltundtextilkunst.de

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 10 – 18 Uhr
Sa: 10 – 16 Uhr

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Textildesign. Vom Experiment zur Serie

Derzeit zeigt das Kunstgewerbemuseum, Schloss Pillnitz, Dresden, die Ausstellung ‘Textildesign. Vom Experiment zur Serie’, die anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (BURG) entwickelt wurde. Es ist die dritte Station nach der ersten Präsentation in der Burg Galerie im Volkspark, Halle (2015) und der zweiten im Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin (2016) – hier geht es zu meinem damaligen Bericht.

Ikat aus Aleppo Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Textildesign Design und Foto: Annegret Lembcke Foto freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Ikat aus Aleppo
Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Textildesign
Design und Foto: Annegret Lembcke
Foto freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Für die Ausstellung in Dresden wurde sie um neue Objekte bereichert und umfasst nun 38 Projekte von mehr als 20 Designerinnen und Designern in sechs Themenkategorien: Tradition, Kulturtransfer, Farbe, Material, Nachhaltigkeit und smart textiles.

PET recycelt als Garn BMW Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Textildesign Foto: Matthias Ritzmann, freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

PET recycelt als Garn BMW
Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Textildesign
Foto: Matthias Ritzmann, freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Können aus recycelten Kunststoffen wie einer handelsüblichen PET-Flasche nachhaltig produzierte und vor allem tragbare Stoffe werden? Ist Kleidung aus einem 3D-Drucker ein absurdes Experiment oder in naher Zukunft reif für die industrielle Serienfertigung? Und was sind Smart Textiles? Welche Inspiration birgt die Beschäftigung mit fremden Kulturen? Die Ausstellung zeigt sowohl experimentelle Arbeiten, wie solche die erfolgreich seriell und industriell produziert werden und bietet damit einen Einblick in die Welt des Textilen.

Von Tadschikistan inspiriert Design Katrin Münzberg Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Textildesign Foto: Franz Grünewald, freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Von Tadschikistan inspiriert
Design Katrin Münzberg
Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Textildesign
Foto: Franz Grünewald, freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Die lange Geschichte des Textildesigns an der Kunsthochschule in Halle, die ganz im Zeichen des Entwurfs für die Serie steht, ist der Ausgangspunkt, um im Wasserpalais von Schloss Pillnitz einen aktuellen Blick auf das Textildesign von heute und morgen zu werfen. Die ausgestellten Objekte und Produkte von Studierenden und Alumni des Fachbereichs liefern einen spannenden Überblick über das vielfältige Potential, die Entwicklungstendenzen und Technologien des 21. Jahrhunderts.

Lara Wernert, Projekt: Hotpot Wollreste aus der Produktion, Nadelfilzflächen aus Wollresten 100 % Wolle, 200 x 64 cm Copyright: Kamil Sobolewski Foto freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Lara Wernert, Projekt: Hotpot
Wollreste aus der Produktion, Nadelfilzflächen aus Wollresten
100 % Wolle, 200 x 64 cm
Copyright: Kamil Sobolewski
Foto freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Die Allgegenwärtigkeit des Textilen in unterschiedlichen Gestaltungsbereichen und die Impulse, die von Materialentwicklungen dieser Zeit ausgehen, stehen dabei im Fokus der Ausstellung. Die Bandbreite der Projekte umfasst dabei Entwicklungen von Materialien aus Kiefernnadeln ebenso wie industriellen Druck mit Naturfarben oder die Entwicklung von innovativen, interaktiven Stoffen. Besucherinnen und Besucher erwartet eine ebenso farbenfrohe, wie sinnliche Ausstellungserfahrung.

Textildesign aus Kiefernnadeln Experiment, Design Katharina Jebsen Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Foto: Matthias Ritzmann, freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Textildesign aus Kiefernnadeln
Experiment, Design Katharina Jebsen
Copyright: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Foto: Matthias Ritzmann, freundlicherweise von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung wurde konzipiert in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und von Prof. Bettina Göttke-Krogmann kuratiert.

Info:

1. Juli – 5. November 2017

Textildesign. Vom Experiment zur Serie

Kunstgewerbemuseum
Schloss Pillnitz, Wasserpalais
August-Böckstiegel-Strasse 2
01326 Dresden
Deutschland

www.skd.museum/de

Öffnungszeiten:
Täglich: 10 – 18 Uhr
Montag geschlossen

Ausstellungsflyer

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Lange Nacht der Museen

Erfunden wurde sie 1997 in Berlin und sie ist inzwischen fast überall auf der Welt verbreitet: die ‘Lange Nacht der Museen’. Von früh bis spät haben nicht nur verschiedene Häuser geöffnet, sondern es werden vielerorts besondere Führungen, spannende Aktionen, Musik und Aufführungen angeboten und oft ist das Ticket für den lokalen Bus- und Bahnverkehr auch enthalten.

Mit dem Shuttlebus durch die Nacht © Kulturprojekte Berlin Foto: Sergej Horovitz Foto freundlicherweise von Kulturprojekte Berlin zur Verfügung gestellt

Mit dem Shuttlebus durch die Nacht
© Kulturprojekte Berlin
Foto: Sergej Horovitz
Foto freundlicherweise von Kulturprojekte Berlin zur Verfügung gestellt

So findet auch im August 2017 in zahlreichen Städten und Gegenden wieder die ‘Lange Nacht der Museen’ statt. Es locken beispielsweise zu Beginn des Monats Karlsruhe (5. August) oder das belgische Antwerpen (6. August). Potsdam (18. August) und Berlin (19. August) sind in der Monatsmitte dran, während man in Norddeutschland zwischen Kiel (25. August) und Lübeck (26. August) die Qual der Wahl hat.

Eine Gesamtübersicht findet man hier . Dort sind auch die einzelnen Veranstaltungen verlinkt, so dass der interessierte Besucher sich ganz schnell detailliert orientieren und informieren kann. Wo auch immer man hingeht – ich wünsche viele schöne nächtliche Entdeckungen!

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Vorschau September 2017:

Der 2. September 2017 ist ein Samstag und offenbar ein attraktives Datum für neue Ausstellungen. Damit Sie nichts verpassen, hier schon mal einige Vorankündigungen – nicht nur für alle Freunde der Bosna Quilts, von Mola-Arbeiten und von den textilen Geschichten über ‘Frauenzimmer’, die uns 20 Filz- und Textilkünstlerinnen erzählen:

2. – 17. September 2017
Bosna Quilt

art textil sent
Stron 277
7554 Sent
Schweiz

www.beatrice-lanter.ch

2. September – 15. Oktober 2017
FrauenZimmer 2017

JUNGES FORUM KUNST SIEGBURG e.V.
Luisenstrasse 80
53721 Siegburg
Deutschland

www.filzfrau.de

2. September – 25. November 2017
Und noch mehr Molakana im FORUM MOLA-KUNST

FORUM MOLA-KUNST
Günter und Christel Walter-Stiftung
Schwachhauser Heerstrasse 268 a
28359 Bremen
Deutschland

www.forum-mola-kunst.de

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Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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