Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps Juli 2017

MÄNNER – Ausstellungsprojekt von Gudrun Heinz & Sarah Schultz

Die ‘MÄNNER’ wandern weiter. Diesmal in unser Nachbarland Luxemburg und dort in das einzige Textilmuseum des Grossherzogtums, die Alte Duchfabrik in Esch-Sauer. Dort kann man sich die orignal erhaltenen Gerätschaften und Maschinen zur Verarbeitung von Wolle bis hin zum Tuch nicht nur ansehen – nein, sie sind auch noch funktionstüchtig und man produziert damit z.B. kuschelige Decken für den Museumsshop.

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Und es gibt eine reizvolle Galerie, in der ich mit der Ausstellung ‘Zeichen der Zeit’ schon einmal zu Gast war (hier gehts zu meinem damaligen Bericht). Nun bin ich schon sehr gespannt, wie sich die ‘MÄNNER’ dort ausnehmen! Wir eröffnen die Ausstellung am Samstag, den 8. Juli 2017 um 15 Uhr mit einer Vernissage und ich freue mich sehr auf ganz viele Besucher. Sie sind herzlich eingeladen!

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Bis zum 23. September 2017 ist die Ausstellung in der Duchfabrik zu sehen. Für den letzten Ausstellungstag biete ich dort auch einen Workshop an: ‘Textile Collagen’. Er richtet sich an diejenigen, die offen für die Frage: ‘Was passiert, wenn …?’ sind. Aus Stoffen, Teilen von Kleidungsstücken, aber auch nicht-textilem Material entstehen kleine, einzigartige Unikate.

Info:

8. Juli – 23. September 2017

MÄNNER – Ausstellungsprojekt von Gudrun Heinz & Sarah Schultz

Alte Duchfabrik
Naturpark Öewersauer
15, rue de Lultzhausen
9650 Esch-Sauer
Luxemburg

www.naturpark-sure.lu

Öffnungszeiten:
täglich (ausser Mi): 10 – 12 u. 14 – 18 Uhr
Sa / So / Feiertage: 14 – 18 Uhr

Vernissage:
Sa, 8. Juli 2017, 15 Uhr

Sa, 23. September 2017:
Workshop ‘Textile Collagen’ mit Gudrun Heinz

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Technik in Textilien
Fadenlauf – Textil trifft Rennsport

Aus Anlass des 90-jährigen Jubiläums des Sachsenrings eröffnete das Textil- und Rennsportmuseum Hohenstein-Ernstthal kürzlich mit viel Erfolg eine Sonderausstellung, die in unerwarteter Form die Tradition des Rennsports mit technischen Textilien und ihren innovativen Eigenschaften in Bezug auf Funktionalität und Sicherheit verbindet.

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Ausserdem setzten 14 Textilkünstlerinnen diese technischen Textilien ein und künstlerisch um und auch dieser zweite Ausstellungsteil erfuhr von über 100 Besuchern, die zur Vernissage gekommen waren, eine sehr positive Resonanz. Museumsleiterin Marina Palm hatte mich freundlicherweise auch zur Teilnahme eingeladen und hat mir erste Bilder geschickt.

Blick in die Ausstellung Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Blick in die Ausstellung
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ein bedeutendes Exponat der Ausstellung ist das Rennauto MT 77 (Bj. 1988). In dieser Formel-Rennwagenklasse wurden von 1980 bis 1989 auf dem Sachsenring jährlich Rennen ausgetragen.

Blick in die Ausstellung Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Blick in die Ausstellung
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der MT 77 stellt mit seiner Werbebeschriftung ‘Malimo’ eine besondere Verbindung von Rennsport und Textil dar. Einige Rennfahrer wurden gesponsert vom VEB Malitex, dem Hersteller des 1949 als Patent angemeldeten textiltechnischen Verfahrens ‘Malimo’, dessen Hauptsitz von 1964 bis 1990 in Hohenstein-Ernstthal war.

Blick in die Ausstellung Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Blick in die Ausstellung
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Ausstellungsprojekt will die Leistungen der heutigen sächsischen Textilindustrie thematisieren, die stark gekennzeichnet ist durch Produkte im Segment technische Textilien und Funktionsbekleidung. In der Bevölkerung sind diese Produkte und Entwicklungen noch eher unbekannt. Dabei lässt sich das Thema nicht nur auf die Bekleidung der Rennfahrer und des technischen Personals reduzieren, sondern widerspiegelt sich auch in den technischen Bereichen wie Karosserie und Schutzhelm.

Blick in die Ausstellung Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Blick in die Ausstellung
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Als Beispiele für die besonderen, z. B. flammenhemmenden Anforderungen an die Textilien sind in der Ausstellung Rennanzüge von Formel-Autorennfahrern zu sehen sowie auch die Bekleidung des technischen Personals wie Feuerwehr, Rettungshelfer und Polizei.

Blick in die Ausstellung Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Blick in die Ausstellung
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die zukunftsweisende Technologie der Karbonfaser wird am Beispiel des Radrennsports dokumentiert. Zu bestaunen ist die Leichtigkeit des Rennrades des 3-fachen Bahnrad-Olympiasiegers Jens Fiedler aus Chemnitz.

Blick in die Ausstellung Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Blick in die Ausstellung
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Auf die textilkünstlerischen Exponate aus der Ausstellung ‘Fadenlauf – Textil trifft Rennsport’ werde ich in einem späteren Bericht noch ausführlicher eingehen. Hier nur ein Appetithäppchen:

Gudrun Heinz: Am Rand der Rennstrecke Detail aus der Bodeninstallation für einen rund 12 Meter langen Gang Foto: Gudrun Heinz

Gudrun Heinz: Am Rand der Rennstrecke
Detail aus der Bodeninstallation für einen rund 12 Meter langen Gang
Foto: Gudrun Heinz

Info:

28. Juni – 29. Oktober 2017:

Technik in Textilien
Fadenlauf – Textil trifft Rennsport

Textil- und Rennsport Museum (TRM)
Antonstrasse 6
09337 Hohenstein-Ernstthal
Deutschland

www.trm-hot.de

Öffnungszeiten:
Di – So: 13 – 17 Uhr

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Libres comme l’art!
XIe Triennale internationale des mini-textiles

Maria Munoz Torregrosa (geb. 1958, Spanien): Encore en vie Seidenfaden, Palmenfasern, Jacarandasamen, Schere, Plastikfigur Wicklung, Weberei, Collage 10 x 12 x 8 cm © Maria Munoz Torregrosa Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Maria Munoz Torregrosa (geb. 1958, Spanien): Encore en vie
Seidenfaden, Palmenfasern, Jacarandasamen, Schere, Plastikfigur
Wicklung, Weberei, Collage
10 x 12 x 8 cm
© Maria Munoz Torregrosa
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Musée Jean-Lurçat et de la tapisserie contemporaine in Angers (F) präsentiert derzeit die Ausstellung ‘Libres comme l’art!’ (‘So frei wie die Kunst!’) – die neueste, bereits 11. internationale Triennale der Mini-Textiles, die das Museum zum 8. Mal ausrichtet.

Lucia FLego (geb. 1944, Italien): Communication libre Wolle, Baumwollfaden, Perlen, PVC Näherei 9 x 12 x 4 cm © Lucia FLego Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Lucia FLego (geb. 1944, Italien): Communication libre
Wolle, Baumwollfaden, Perlen, PVC
Näherei
9 x 12 x 4 cm
© Lucia FLego
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Arbeiten durften 12 x 12 x 12 cm nicht überschreiten …

László Rományi (geb. 1946, Ungarn): Lumière Galvanisierter Stahldraht, Wolle Geknotet, gefilzt 12 x 12 x 10 cm © László Rományi Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

László Rományi (geb. 1946, Ungarn): Lumière
Galvanisierter Stahldraht, Wolle
Geknotet, gefilzt
12 x 12 x 10 cm
© László Rományi
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… was mit Sicherheit eine Herausforderung sowohl in technischer als auch in künstlerischer Hinsicht …

Anne Guibert-Lassalle (geb. 1960, Frankreich): Hors d’elle Wolle Gefilzt 10 x 10 x 7 cm © Anne Guibert-Lassalle Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anne Guibert-Lassalle (geb. 1960, Frankreich): Hors d’elle
Wolle
Gefilzt
10 x 10 x 7 cm
© Anne Guibert-Lassalle
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… für die 460 Einsenderinnen und Einsender bedeutete.

Marian Smit (geb. 1944, Niederlande): Liberté piégée geschnittenes Papier 12 x 12 x 12 cm © Marian Smit Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Marian Smit (geb. 1944, Niederlande): Liberté piégée
geschnittenes Papier
12 x 12 x 12 cm
© Marian Smit
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im November 2016 wählte eine Jury 69 Werke für die Ausstellung aus.

Kristine Sile, genannt Silis (geb. 1984, Lettland): Light armor for fragile soul / Armure légère pour âme fragile Distel, Tinte Collage, eigene Technik 12 x 12 x 0,7 cm © Kristine Sile, genannt Silis Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kristine Sile, genannt Silis (geb. 1984, Lettland): Light armor for fragile soul (Armure légère pour âme fragile)
Distel, Tinte
Collage, eigene Technik
12 x 12 x 0,7 cm
© Kristine Sile, genannt Silis
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen überwiegend aus europäischen Ländern …

Agnete Simoni Mortensen (geb. 1947, Dänemark): Attraper les nuages Leinen, Papier, Münze Wachsabguss mit verlorener Form 12 x 11 x 5 cm © Agnete Simoni Mortensen Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Agnete Simoni Mortensen (geb. 1947, Dänemark): Attraper les nuages
Leinen, Papier, Münze
Wachsabguss in verlorener Form
12 x 11 x 5 cm
© Agnete Simoni Mortensen
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… aber auch aus Argentinien, Urugay, Peru, den USA, Japan und aus dem Senegal.

Kyoko Kumai (geb. 1943, Japan): Aura Stahldraht Verschlingung 10 x 10 x 10 cm © Kyoko Kumai Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kyoko Kumai (geb. 1943, Japan): Aura
Stahldraht
Verschlingung
10 x 10 x 10 cm
© Kyoko Kumai
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Aus Deutschland nehmen Barbara Esser und Wolfgang Horn, Ulrike Lindner sowie Astrid Polman teil.

BarbaraEsser und Wolfgang Horn (geb. 1968 und 1967, Deutschland): Friends 2016 (Amis 2016) Baumwolle Weberei 12 x 12 cm © Barbara Esser und Wolfgang Horn Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Barbara Esser und Wolfgang Horn (geb. 1968 und 1967, Deutschland): Friends 2016 (Amis 2016)
Baumwolle
Weberei
12 x 12 cm
© Barbara Esser und Wolfgang Horn
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Parallel dazu zeigt das Museum die Neuerwerbungen aus der vorhergehenden Triennale …

Claire Rado de Selva, genannt Rado (geb. 1941, Frankreich): Liberté Baumwolle Ölmalerei, Stickerei 12 x 12 cm © Claire Rado de Selva, genannt Rado Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Claire Rado de Selva, genannt Rado (geb. 1941, Frankreich): Liberté
Baumwolle
Ölmalerei, Stickerei
12 x 12 cm
© Claire Rado de Selva, genannt Rado
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… insgesamt 22 Arbeiten zum Thema ‘Trop de toile ou pas’ (‘Zu viel Netz oder nicht’).

Jill GaLLiéni (geb. 1948, Frankreich): Miroir o mon miroir dis-moi si je suis libre Synthetik, Baumwollfaden Näherei 12 x 10 x 3 cm © Jill GaLLiéni Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Jill Galliéni (geb. 1948, Frankreich): Miroir o mon miroir dis-moi si je suis libre
Synthetik, Baumwollfaden
Näherei
12 x 10 x 3 cm
© Jill Galliéni
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ‘Libres comme l’art!’ wird danach noch wandern und vielleicht ,,,

 ArmelleBLary (geb. 1969, Frankreich): Daphné (Punk Lady) Baumwolle, Watte, Metall, Polyester Stickerei 12 x 12 x 6 cm © Armelle BLary Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt


Armelle BLary (geb. 1969, Frankreich): Daphné (Punk Lady)
Baumwolle, Watte, Metall, Polyester
Stickerei
12 x 12 x 6 cm
© Armelle BLary
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… wird sie ja auch nach Deutschland oder in die Schweiz kommen – warten wir’s ab.

Raiji Jokinen (geb. 1960, Finnland): Un Virage Leinen, Nylon Abguss, Näherei 7 x 7 x 7 cm © Raiji Jokinen Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Raiji Jokinen (geb. 1960, Finnland): Un Virage
Leinen, Nylon
Formguss, Näherei
7 x 7 x 7 cm
© Raiji Jokinen
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ein Katalog (104 Seiten) ist für 16 EUR im Museum erhältlich.

Katalog

Katalog

Info:

10. Juni 2017 – 7. Januar 2018

Libres comme l’art!
XIe Triennale internationale des mini-textiles

Musée Jean-Lurçat et de la tapisserie contemporaine
4, boulevard Arago
49100 Angers
Frankreich

www.musees.angers.fr

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Die Sprachen des Textilen
+ Anca Munteanu Rimnic

Die Geschichte des Textilen ist so alt wie die Menschheit selbst. Pflanzliche und tierische Produkte wurden genutzt, um den Körper vor unterschiedlichen Witterungsverhältnissen zu schützen. Gewebtes, Gewirktes, Gestricktes sicherte und sichert noch heute unser Überleben. Von der Windel bis zum Leichentuch ist unser gesamtes Leben von Textil begleitet.

Neben dieser Zweckmässigkeit von Geweben jeglicher Art hatten Stoffe für den Menschen immer auch schon eine ästhetische Bedeutung. So kann Kleidung aktuell modischen Ansprüchen genügen und zudem die Erscheinung des Körpers optisch modellieren oder gar optimieren.

Darüber hinaus ist noch ein dritter Aspekt des Textilen von höchster Bedeutung: der symbolische. Durch seinen materiellen Wert, seine Herkunft, durch Farben, Muster und Verzierungen kann ein Stück Stoff auch Aussagen über den eigenen Stand, die Herkunft, die Religion oder die persönlichen Präferenzen treffen. Somit ist Textiles immer auch eine spezifische Form der Kommunikation, vor allem wenn sie in Form von Kleidung und Mode zur Anwendung kommt.

Nanna Aspholm-Flik: Arbeiten aus der Reihe alb – damals, davor und jetzt, 2017 Unterschiedliche Stoffe, Stickereien © Nanna Aspholm-Flik Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nanna Aspholm-Flik: Arbeiten aus der Reihe alb – damals, davor und jetzt, 2017
Unterschiedliche Stoffe, Stickereien
© Nanna Aspholm-Flik
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Titel der Ausstellung ‘Die Sprachen des Textilen’ verweist auf die unzähligen sinnbildlichen Einschreibungen und Implikationen, die textile Stoffe und deren Produktion bieten. Ebenso wie die Sprache definieren Textilien unsere Identität. Wir können uns mit beidem ausdrücken, mit ihnen Geschichten erzählen und grundlegende Ordnungen schaffen. Die Ausstellung ‘Die Sprachen des Textilen’ spürt den Sprachen des Textilen nach.

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Seit jeher dienten Textilien dazu, Gruppenzugehörigkeiten zu konstruieren und gemeinschaftliche Ideale auszudrücken. Bestimmte Kleidercodes, Verzierungen und Muster konnten Klassenunterschiede und regionale Eigenheiten verdeutlichen. In der heutigen globalen Welt sind historische Trachten jedoch zunehmend zum modischen Accessoire und zur touristischen Folklore geworden. Daher möchte die Werkschau unter anderem der Frage nachgehen, ob gemeinschaftsstiftende Bekleidungen heutzutage überhaupt noch existieren.

Japanischer Hochzeitskimono (Ausschnitt) Um 1970 Maschinenstickerei Sammlung Museum Villa Rot © Museum Villa Rot Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Japanischer Hochzeitskimono (Ausschnitt)
Um 1970
Maschinenstickerei
Sammlung Museum Villa Rot
© Museum Villa Rot
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Am Beispiel der Schwäbischen Alb illustrieren Werke von Nanna Aspholm-Flik, Walter Bruno Brix, Janusz Czech, Daniela Scheil, Reiner Schlecker und Andrea Tiebel-Quast unterschiedliche Aspekte des Textilen innerhalb eines konkreten Kulturraums. Für inter!m-Räume waren die sechs Kunstschaffenden eingeladen, für jeweils einen Monat in Münsingen zu identitätsbildenden Faktoren stofflicher Produkte auf der Alb zu recherchieren und intermediale Werke zu entwickeln, welche den Charakter und die Geschichte dieser Gegend widerspiegeln.

Walter Bruno Brix: Big Red Curtain Interaktives Projekt, seit 2007 Foto: Installation am Rathaus Münsingen, © Museum Villa Rot Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Walter Bruno Brix: Big Red Curtain
Interaktives Projekt, seit 2007
Foto: Installation am Rathaus Münsingen, © Museum Villa Rot
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Projekt ‘inter!m-Räume’ ist Teil der ‘Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb’ und wird gefördert durch ‘TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel’, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und durch das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

Beate Passow: Burkabarbies, 2016 Barbie-Puppen, Spiegeltablett © Beate Passow VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Beate Passow: Burkabarbies, 2016
Barbie-Puppen, Spiegeltablett
© Beate Passow
VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ergänzt wird die Schau durch Arbeiten von Beate Passow und Anahita Razmi sowie durch eine Einzelausstellung der 1974 in Bukarest geborenen und heute in Berlin lebendenKünstlerin Anca Munteanu Rimnic. Vor kurzem wurde ihre Ausstellung in der PSM Gallery in Berlin von Frieze International zu einer der spannendsten Ausstellungn des Jahres gekürt. In seiner Kunsthalle zeigt das Museum Villa Rot eine Reihe ihrer Arbeiten, in denen sie sich auch mit identitätsbildenden Faktoren im Textilen beschäftigt.

Anahita Razmi: Aus der Serie 'New Silk Road Patterns #02', 2016 Fotodruck auf Reispapier © Anahita Razmi VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anahita Razmi: Aus der Serie ‘New Silk Road Patterns #02’, 2016
Fotodruck auf Reispapier
© Anahita Razmi
VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In ihrem vielschichtigen, multimedialen Werk fragt Anca Munteanu Rimnic unter anderem nach der Möglichkeit visueller Ausdrucksformen solch komplexer Themen wie Heimatverlust und Identität. Begründet in ihrer Biografie, die von der Flucht aus der Heimat nach Deutschland im Alter von sechs Jahren geprägt ist, tauchen immer wieder bruchstückhaft Erinnerungen an die rumänische Herkunft auf, die sie zu sensiblen, manchmal absurd anmutenden Skulpturen, Videos und Installationen verarbeitet. Hierbei nutzt sie auch traditionelle handwerkliche Techniken, etwa rumänische Kelimteppiche, die sie in neue Kontexte überführt und so mit neuen Inhalten füllt. Wiederkehrende Motive sind hierbei Momente des Fehlens, der Instabilität und der Diskontinuität, die für die Künstlerin nicht nur eine biografische Relevanz besitzen, sondern allgemein menschliche Zustände visualisieren.

Anca Munteanu Rimnic studierte freie Kunst an der Universität der Künste in Berlin und besuchte anschliessend die Klassen von John Baldessari an der UCLA in Los Angeles sowie von Mike Kelley und Jack Goldstein am Art Center in Pasadena. Die Künstlerin zeigte ihre Arbeiten unter anderem in Einzelausstellungen im Mönchehaus Museum, Goslar und im Kunstverein Braunschweig (beide 2015) sowie in Gruppenausstellungen unter anderem auf der 4. Moskau Biennale (2011) sowie in der Kunsthalle Wien (2014). Die Ausstellung im Museum Villa Rot ist ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Süddeutschland.

Info:

23. Juli – 8. Oktober 2017

Die Sprachen des Textilen
+ Anca Munteanu Rimnic

Museum Villa Rot
Schlossweg 2
88483 Burgrieden-Rot
Deutschland

www.villa-rot.de

Öffnungszeiten:
Mi – Sa : 14 – 17 Uhr
So und Feiertage : 11 – 17 Uhr

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European Art Quilts
Grande Finale

Ab dem 1. Juli 2017 präsentiert das Historisch Museum de Bevelanden – Oudemanhuis – in Goes (NL) das ‘Grande Finale’ der European Art Quilts.

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Die European Art Quilt-Stiftung organisierte diesmal ein Invitational, lud Teilnehmer an den acht EAQ-Ausstellungen (1997 – 2014) ein, neue Arbeiten beim ‘Grande Finale’, das diese Wettbewerbs- und Ausstellungsreihe beschliesst, zu zeigen. Über die 146 Arbeiten aus 18 europäischen Ländern wird noch ein ausführlicher Bericht folgen.

Katalog erhältlich.

Info:

1. Juli – 3. September 2017

European Art Quilts
Grande Finale

Historisch Museum de Bevelanden
Oudemanhuis
Zusterstraat 11
4461HZ Goes
Niederlande

www.hmdb.nl

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Tapio Wirkkala – Ein Klassiker des finnischen Designs
Jaakko Liikanen und Joonas Laakso – Finnische Glasobjekte der Gegenwart

Noch bis zum 6. August 2017 zeigt die Glashütte Gernheim finnisches Glasdesign der Spitzenklasse. Mit den Werken Tapio Wirkkalas sind derzeit Klassiker des finnischen Designs zu sehen, während in den Räumen des Herrenhauses der Glashütte eine Schau zum finnischen Glas der Gegenwart läuft: Jaakko Liikanen und Joonas Laakso zeigen hier ihre Werke.

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Tapio Wirkkala (1915 – 1985) gilt als einer der renommiertesten Designer und Architekten Finnlands und wurde vor allem als Glasdesigner international bekannt. Für die finnische Glashütte Iittala etwa entwarf er Objekte aller Genres. Ab 1946 schuf Wirkkala hier viele seiner bekanntesten Modelle.

Tapio Wirkkala: Eisberg Entwurf: 1950 Foto: Timo Syrjnen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Tapio Wirkkala: Eisberg
Entwurf: 1950
Foto: Timo Syrjnen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im Jahr 1954 wurde Tapio Wirkkala künstlerischer Direktor der Glashütte Karhula-Iittala. Seit den 1960er Jahren kooperierte er mit einer der einflussreichsten Glashütten Muranos, Venini. Dort werden seine inzwischen klassischen Entwürfe heute noch ausgeführt.

Ausstellung Tapio Wirkkala - Ein Klassiker des finnischen Designs Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausstellung Tapio Wirkkala – Ein Klassiker des finnischen Designs
Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wirkkala entwickelte aber auch für andere Materialien bahnbrechende Entwürfe, so arbeitete er mit der Gold- und Silberschmiede Kultakeskus …

Ausstellung Tapio Wirkkala - Ein Klassiker des finnischen Designs Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausstellung Tapio Wirkkala – Ein Klassiker des finnischen Designs
Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… oder dem Porzellanhersteller Rosenthal zusammen. An vielen seiner Entwürfe ist die Inspiration durch die finnische Natur deutlich abzulesen.

Ausstellung Tapio Wirkkala - Ein Klassiker des finnischen Designs Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausstellung Tapio Wirkkala – Ein Klassiker des finnischen Designs
Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die durch das Finnische Glasmuseum kuratierte Ausstellung führt Objekte aus vielen Sammlungen zusammen. Die Schau, zugleich eine Übernahme aus dem Grassi Museum in Leipzig, wurde eigens für Gernheim erweitert. Neben den Objekten in Glas zeigt das LWL-Industriemuseum in Petershagen auch Wirkkalas Entwürfe für die Porzellanmanufaktur Rosenthal.

Ausstellung Wirkkala für Rosenthal Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausstellung Wirkkala für Rosenthal
Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung zum finnischen Glas der Gegenwart sind die Arbeiten von Jaakko Liikanen und Joonas Laakso zu sehen.

Ausstellung Jaako Liikanen und Joonas Laakso im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausstellung Jaako Liikanen und Joonas Laakso im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Liikanen gilt als einer der bedeutendsten finnischen Glasmacher seiner Generation. Nach seiner Ausbildung arbeitet er für die Glashütte in Riihimäki und andere grosse finnische Glashütten bis zur Gründung seines eigenen Studios im Jahr 1994.

Ausstellung Jaako Liikanen und Joonas Laakso im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausstellung Jaako Liikanen und Joonas Laakso im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Er entwirft eigene Objekte, setzt aber auch regelmässig Stücke und Serien für Designer um. 2010 übernimmt die Kooperative ‘Lasismi’ das Studio.

Ausstellung Jaako Liikanen und Joonas Laakso im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausstellung Jaako Liikanen und Joonas Laakso im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zu der Gruppe junger Glasmacher und Designer gehört auch Joonas Laakso. Er arbeitet seit 2010 als Assistent von Liikanen. Während Liikanen in der Tradition des finnischen Glases verwurzelt ist, experimentiert Laakso mit Formen und Farbkompositionen oder löst ihre Konturen durch Gravur auf.

Ausstellung Jaako Liikanen und Joonas Laakso im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausstellung Jaako Liikanen und Joonas Laakso im LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Foto: Alex Lehn, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mehr über finnisches Design ist in meinem Beitrag ‘Ab nach Finnland’ zu finden.

Info:

19. März – 6. August 2017

Tapio Wirkkala – Ein Klassiker des finnischen Designs
Jaakko Liikanen und Joonas Laakso – Finnische Glasobjekte der Gegenwart

LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Gernheim 12
32469 Petershagen-Ovenstädt
Deutschland

www.lwl.org

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Tradition bis Moderne XI

Bei den kürzlich in Fürth stattgefundenen Patchworktagen 2017 eröffnete die Patchwork Gilde Deutschland e.V. die neueste Auflage der ‘Tradition bis Moderne’, die die Gilde für ihre Mitglieder ausgeschrieben hatte. Eine Jury wählte ca. 50 Quilts für die Ausstellung aus, die inzwischen ins Unterallgäu in die Ausstellungshalle der Mindelheimer Museen weitergewandert ist und dort noch bis zum 3. September 2017 zu sehen sein wird.

Jutta Kohlbeck – ein Detail aus ihrer Arbeit ‘Virtual Reality’ ziert die Einladungskarte des Museums – besuchte die Eröffnung am 16. Juni 2017 und schrieb mir anschliessend: ‘Das Textilmuseum ist klein, aber fein und liebevoll gemacht. Die ‘Tradition bis Moderne’ ist HERVORRAGEND gehängt und der Ausstellungsraum wirklich gut gestaltet. Ich kanns nur empfehlen!’

Einladungskarte

Einladungskarte

Daher dürfte der Besuch des am 1. Juli 2016 in den Museen im Colleg wiedereröffneten Textilmuseums sich doppelt lohnen, denn hier erwarten ausserdem Roben, Schmuck, Gemälde, Fächer, Stickereien und Spitzen die Besucher.

Die Gilde hat ausstellungsbegleitend wieder einen sehr schönen Katalog erstellt.

Info:

17. Juni – 3. September 2017

Tradition bis Moderne XI
Quilts 2017 – Ausstellung der Patchwork Gilde Deutschland e.V.

Museen im Colleg
Textilmuseum
Ausstellungshalle

Hermelestrasse 4
87719 Mindelheim
Deutschland

www.mindelheim.de

Öffnungszeiten:
Di – So: 10 – 12 und 14 – 17 Uhr

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Inspiration: Natur
Arbeiten von Cas Holmes, Monika Schiwy, Isabelle Wiessler und Sophie Maechler

Von Cas Holmes stammt die Idee zu dieser Ausstellung. Als gemeinsames Thema haben sich Cas Holmes, Monika Schiwy, Isabelle Wiessler und Sophie Maechler die Natur ausgesucht. Jede der Künstlerinnen hat sich schon mit diesem Thema auseinandergesetzt und arbeitet in unterschiedlicher Weise. Eine spannende Sache, zu sehen ab dem 7. Juli 2017 in der Galerie quilt star in Freiburg.

Cas Holmes: 40 Yards Summer Grass and Sedge Warbler Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Cas Holmes: 40 Yards Summer Grass and Sedge Warbler
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Info:

7. Juli – 29. September 2017

Inspiration: Natur
Arbeiten von Cas Holmes, Monika Schiwy, Isabelle Wiessler und Sophie Maechler

Galerie quilt star
Sophie Maechler
Basler Strasse 61
Im Victoriahaus
79100 Freiburg
Deutschland

www.quiltstar.de

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 14.30 – 18.30 Uhr
Di – Fr: 9.30 – 12.30 Uhr

Vernissage:
Fr, 7. Juli 2017, 19.30 Uhr

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Die Erfindung der Pressefotografie
Aus der Sammlung Ullstein 1894–1945

Die Fotografie zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Zeitungswelt ein und veränderte damit die Presselandschaft und unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit. Gleichzeitig entwickelte sich die Pressefotografie zu einem eigenen Genre.

 Brown Brothers, Arbeiter beim Bau des Woolworth Gebäudes in New York, 1912 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Brown Brothers, Arbeiter beim Bau des Woolworth Gebäudes in New York, 1912
© ullstein bild
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ‘Die Erfindung der Pressefotografie. Aus der Sammlung Ullstein 1894–1945’ rückt mit der um die Wende zum 20. Jahrhundert entstandenen Ullstein-Pressebildsammlung und der ab 1894 im Ullstein-Verlag erscheinenden ‘Berliner Illustrirten Zeitung’ (BIZ) einen historischen Wendepunkt in der Entwicklung der deutschen Presselandschaft in den Mittelpunkt und zeichnet diesen Prozess nach.

 Waldemar Titzenthaler, Kantine in einer preußischen Kaserne, 1898 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Waldemar Titzenthaler, Kantine in einer preußischen Kaserne, 1898
© ullstein bild
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die BIZ erschien von 1894 bis 1945 bei Ullstein und war mit einer zeitweiligen Auflage von fast zwei Millionen Heften die erfolgreichste deutsche Publikumszeitschrift. Mit ihrem vielfältigen Themenspektrum und …

Zander & Labisch, Anton von Werner (li) und Adolph von Menzel (re), Berlin, 1900 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zander & Labisch, Anton von Werner (li) und Adolph von Menzel (re), Berlin, 1900
© ullstein bild
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… Aufnahmen berühmter Fotografen und bekannter Bildagenturen erreichte sie breite Schichten der Bevölkerung.

Otto Haeckel, Der Reichstagsabgeordnete Hermann Dietrich mit einem erlegten Krokodil, Deutsch-Ostafrika, 1906 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Otto Haeckel, Der Reichstagsabgeordnete Hermann Dietrich mit einem erlegten Krokodil, Deutsch-Ostafrika, 1906
© ullstein bild
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die BIZ steht stellvertretend für die Geburt des neuen Mediums der Illustrierten, die ihre Wirkungsmacht und ihren Publikumserfolg in wachsendem Masse über Bilder erzielten, Sehgewohnheiten prägten und visuelle Sehnsüchte der Leser bedienten.

Walter Gircke, Regierungstruppen auf dem Brandenburger Tor, Januar 1919 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Walter Gircke, Regierungstruppen auf dem Brandenburger Tor, Januar 1919
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Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Verlag hatte bereits seit den 1890er Jahren die technische und stilistische Entwicklung des Fotodrucks und der Pressefotografie in Deutschland vorangetrieben und gab entscheidende Impulse für die Herausbildung und Professionalisierung des deutschen Fotojournalismus.

Yva, Die Schauspielerin Hertha Schroeter auf einem Kostümfest, 1928 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Yva, Die Schauspielerin Hertha Schroeter auf einem Kostümfest, 1928
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Die analoge Fotografie steht im Zentrum der Ausstellung und wird durch die Exponate der Sammlung Ullstein neu in den Blick des Betrachters gerückt: 340 Originalabzüge namhafter Fotografen und Agenturen wie Zander & Labisch, Georg und Otto Haeckel, Philipp Kester, Martin Munkacsi, Felix H. Man, Erich Salomon, Yva, Max Ehlert oder Rosemarie Clausen aus dem historisch gewachsenen, einzigartigen Bestand von ullstein bild ermöglichen Einblicke sowohl in die Geschichte der Fotografie, der Presse und des Verlags als auch in die Zeitgeschichte mehrerer Epochen.

Erich Salomon, Clara Zetkin (li) im Gespräch im Reichstag, Berlin, 1930 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Erich Salomon, Clara Zetkin (li) im Gespräch im Reichstag, Berlin, 1930
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Die historischen Abzüge verweisen auf deren Verwendung als ‘Material’: Ausgewählte Hefte der BIZ ergänzen die Präsentation und zeigen die Fotografien im Kontext ihrer Veröffentlichung. Daneben zeugen retuschierte, beschnittene und montierte Fotos von bildredaktioneller Bearbeitung.

Max Ehlert, Ankunft von Adolf Hitler beim Erntedankfest auf dem Bückeberg, 6. Oktober 1935 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Max Ehlert, Ankunft von Adolf Hitler beim Erntedankfest auf dem Bückeberg, 6. Oktober 1935
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Heute ist es für uns selbstverständlich, die Welt in Bildern zu sehen und zu erleben. Unbegrenzt verfügbare digitale Fotos …

Eric Borchert, Grenadiere in einer Bunkerstellung vor Tobruk (Libyen), 1941 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eric Borchert, Grenadiere in einer Bunkerstellung vor Tobruk (Libyen), 1941
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… haben unsere Sehgewohnheiten und den Umgang mit dem Medium Fotografie verändert: Die Ausstellung führt den Besucher zur analogen Quelle der digitalen Bilderflut zurück.

Martin Munkacsi, Paar im Kajak, 1929 © ullstein bild Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Martin Munkacsi, Paar im Kajak, 1929
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Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.

Katalog Fotografen am Zieleinlauf, 1922 © ullstein bild

Katalog
Fotografen am Zieleinlauf, 1922
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Im Verlag Hatje Cantz ist dazu ein sehr gut gemachter Katalog mit 208 Seiten Umfang erschienen: reich bebildert und mit fundierten Beiträgen von Foto- und Medienhistorikern. Die Publikation präsentiert Werke namhafter Fotografen und renommierter Bildagenturen, aber auch Aufnahmen weniger bekannter oder namenloser Urheber. Das historisch gewachsene, einzigartige Bildkonvolut gewährt Einblicke in die Geschichte der Fotografie, der Presse und des Verlagswesens sowie in die Zeitgeschichte der abgebildeten Epochen. Ausgehend von diesem historischen Fotomaterial will die Publikation auch dazu ermuntern, sich die in unserer Gegenwart rasant gestiegene Bedeutung von Bildern für die Wahrnehmung unserer Wirklichkeit vor Augen zu führen. Denn Mithilfe von Fotografien wurden und werden Menschen unterhalten und informiert, aber auch manipuliert und getäuscht. ISBN 978-3-7757-4324-2, 19,80 EUR

Info:

23. Juni – 31. Oktober 2017

Die Erfindung der Pressefotografie
Aus der Sammlung Ullstein 1894–1945

Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin
Deutschland

www.dhm.de

Öffnungszeiten:
Mo – So: 10 – 18 Uhr

Ausstellungsflyer

Auf die Bildergalerie auf der Website des Museums, die Einblicke in die Ausstellung gewährt, sei beonders hingewiesen.

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Spurensuche
Erhalten und Erforschen von Textilien

In ihrer derzeitigen Sonderausstellung ‘Spurensuche’ gewährt die Abegg-Stiftung einen Einblick in das Aufgabenfeld einer Textilrestauratorin. Am Beispiel kürzlich restaurierter Textilien aus Zentralasien – alle über 1000 Jahre alt – werden die vielseitigen Untersuchungen und Arbeiten, die einer öffentlichen Präsentation in der Regel vorausgehen, gezeigt.

Behang mit Hirschen in einem Medaillon Zentralasien, 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, 196 x 173 cm, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5682 Für den Behang wurde ein gängiges Stoffmuster – einander gegenüberstehende Tiere in einem Medaillon – ins Monumentale vergrössert. Es zieht nicht nur durch seine Dimensionen, sondern auch durch zahlreiche Details in seinen Bann. Webtechnisch handelt es sich um eine wahre Parforce-Leistung. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Behang mit Hirschen in einem Medaillon
Zentralasien, 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, 196 x 173 cm, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5682
Für den Behang wurde ein gängiges Stoffmuster – einander gegenüberstehende Tiere in einem Medaillon – ins Monumentale vergrössert. Es zieht nicht nur durch seine Dimensionen, sondern auch durch zahlreiche Details in seinen Bann. Webtechnisch handelt es sich um eine wahre Parforce-Leistung.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Seit die Abegg-Stiftung in Riggisberg vor 50 Jahren eröffnet worden ist, spielt dort die Konservierung und Restaurierung von Textilien eine wichtige Rolle – eine Tätigkeit, die hinter den Kulissen stattfindet. Die Besucher und Besucherinnen sehen in den Ausstellungen normalerweise immer die bereits restaurierten Stücke. Wie weit der Weg vom ‘unbehandelten’ zum ‘ausstellungsfähigen’ Textil sein kann und welche Überraschungen er manchmal bietet, veranschaulicht die Sonderausstellung ‘Spurensuche’. Sie zeigt, was alles dazugehört, bis ein historisches Kleidungsstück, ein Behang oder ein Paar Schuhe ausgestellt wird.

Seidengewebe mit Rindern Zentralasien, 1. Hälfte 7. Jahrhundert, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5686a Das fragmentarische Originalgewebe wurde mit einem passend eingefärbten, neuen Stoff unterlegt und mit feinsten Spannstichen gesichert. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Seidengewebe mit Rindern
Zentralasien, 1. Hälfte 7. Jahrhundert, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5686a
Das fragmentarische Originalgewebe wurde mit einem passend eingefärbten, neuen Stoff unterlegt und mit feinsten Spannstichen gesichert.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
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Aber was macht eigentlich eine Textilrestauratorin genau? Stopft sie Mottenlöcher oder setzt sie Flicken ein?  Eher nicht! Vielmehr geht es vor allem darum, das Vorhandene behutsam zu sichern und günstige Bedingungen für seine langfristige Erhaltung zu schaffen. Am Anfang jeder Restaurierung stehen ausführliche Material- und Technikanalysen sowie Zustandserfassungen und Schadenskartierungen. Wer sich noch nie mit historischen Textilien beschäftigt hat, kann sich kaum vorstellen, was für erstaunliche Entdeckungen man – oft schon nur durch genaues ‘Lesen’ – an textilen Zeugnissen machen und wie viele Informationen man dadurch über ihre Herstellung, Funktion und Geschichte gewinnen kann. Nicht selten wird regelrechte Grundlagenforschung geleistet, weil bisher noch keine Vergleichsstücke untersucht wurden. Bei so alten Textilien, wie sie in der aktuellen Sonderausstellung zu sehen sind, liegt dies meist daran, dass sich schlicht keine ähnlichen Objekte erhalten haben. Wichtige Hinweise liefern naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden, für die externe Fachleute aus dem In- und Ausland beigezogen werden. Erst danach erprobt die Textilrestauratorin geeignete Behandlungsmethoden und erstellt ein Konservierungskonzept.

Seidenstickerei China, Südliche Dynastien (?), 5.–6. Jahrhundert, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5582 Die in Kettenstich ausgeführte Szene zeigt vier unter Bäumen sitzende Musikanten. Sie schmückt ein Gewand, das über und über mit solch kleinen Bildern, aber auch mit Einzelfiguren wie dem übergrossen Gepard bestickt ist. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Seidenstickerei
China, Südliche Dynastien (?), 5.–6. Jahrhundert, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5582
Die in Kettenstich ausgeführte Szene zeigt vier unter Bäumen sitzende Musikanten. Sie schmückt ein Gewand, das über und über mit solch kleinen Bildern, aber auch mit Einzelfiguren wie dem übergrossen Gepard bestickt ist.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
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In der Ausstellung geben Kurzvideos interessante Einblicke in die praktischen Arbeiten, die an den ausgestellten Textilien ausgeführt wurden. So kann man nachverfolgen, wie ein dicht besticktes Gewand mit einer winzigen Staubsaugerdüse und einem Pinsel von Schmutz befreit wird. Oder wie die geschickten Finger einer Restauratorin mit Chirurgennadel und feinstem Seidenfaden ein Originalgewebe auf einem Unterlagsstoff sichern. Zudem zeigen die Filme eindrückliche Vorher- / Nachher-Sequenzen oder Bilder der massgefertigten Stützkonstruktionen, auf denen die Gewänder liegen, und sie erläutern Erkenntnisse, die während der Untersuchung und Behandlung der Textilien gemacht wurden.

Nähkonservierung Behutsam wird das beschädigte Gewebe mit einer Chirurgennadel und feinstem Seidenfaden gesichert. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nähkonservierung
Behutsam wird das beschädigte Gewebe mit einer Chirurgennadel und feinstem Seidenfaden gesichert.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
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Blickfang der Ausstellung sind zwei guterhaltene, grossformatige Behänge aus Zentralasien, die in das 8. bis 9. Jahrhundert datiert und die zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt werden. Sie zeigen einander gegenüberstehende Hirsche in einem Medaillon. Es handelt sich um einen damals verbreiteten Mustertypus. Hier ist er jedoch ins Monumentale vergrössert: Die Medaillons erstrecken sich jeweils über die ganze Webbreite, die beim einen Behang mindestens 173 cm, beim anderen über 157 cm beträgt. Wahrlich eine webtechnische Meisterleistung! In den kleinen Bildfeldern, welche die Medaillonrahmen für die Hirsche formen, gibt es zudem zahlreiche kleinere, liebevoll wiedergegebene Tiere und Pflanzenmotive zu entdecken.

Behang mit Hirschen in einem Medaillon Zentralasien, 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, 196 x 173 cm, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5682 Für den Behang wurde ein gängiges Stoffmuster – einander gegenüberstehende Tiere in einem Medaillon – ins Monumentale vergrössert. Es zieht nicht nur durch seine Dimensionen, sondern auch durch zahlreiche Details in seinen Bann. Webtechnisch handelt es sich um eine wahre Parforce-Leistung. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Behang mit Hirschen in einem Medaillon (Detail)
Zentralasien, 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, 196 x 173 cm, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5682
Für den Behang wurde ein gängiges Stoffmuster – einander gegenüberstehende Tiere in einem Medaillon – ins Monumentale vergrössert. Es zieht nicht nur durch seine Dimensionen, sondern auch durch zahlreiche Details in seinen Bann. Webtechnisch handelt es sich um eine wahre Parforce-Leistung.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Behänge stammen aus einem archäologischen Kontext und waren dementsprechend verschmutzt. Während der Suche nach der geeigneten Reinigungsmethode konnte ein bisher unbekanntes Färbeverfahren entdeckt werden: Ausgerechnet der Blaufarbstoff Indigo, der eine ausserordentlich stabile Verbindung mit Textilfasern einzugehen vermag, war so verarbeitet worden, dass die dunkelblauen Fäden heute fragil und sehr wasserempfindlich sind. Als Reinigungsmethode kam nur noch Mikrostaubsaugen in Frage, das sich allerdings als sehr effizient erwies.

Behang mit Tieren in Medaillons (Detail) Zentralasien, 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, 196 x 173 cm, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5682 Detaillierte Material- und Technikanalysen sowie Recherchen und Tests führen oft zu neuen Erkenntnissen. So konnte für die blauen Fäden dieses Stoffes ein bisher unbekanntes Färbeverfahren nachgewiesen werden. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Behang mit Tieren in Medaillons (Detail)
Zentralasien, 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, 196 x 173 cm, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5682
Detaillierte Material- und Technikanalysen sowie Recherchen und Tests führen oft zu neuen Erkenntnissen. So konnte für die blauen Fäden dieses Stoffes ein bisher unbekanntes Färbeverfahren nachgewiesen werden.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
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Auch Schuhe können zum Arbeitsfeld einer Textilrestauratorin gehören. In der Ausstellung sind vier aus Pflanzenfasern und Seide geflochtene Beispiele zu sehen. Sie entstanden wohl im Östlichen Zentralasien und werden in das 5. bis 6. Jahrhundert datiert. Bei ihnen stand die Erforschung der Herstellungstechnik im Vordergrund. Zwar wusste man, dass die fein gemusterten, flachen Schuhe mittels einer komplizierten Flechttechnik entstanden sein mussten, doch wie diese genau funktioniert, war noch nicht geklärt. Und so kam nach einer detaillierten textiltechnologischen Untersuchung auch die experimentelle Archäologie zum Zuge, das heisst, die Schuhe wurden möglichst originalgetreu nachgeflochten. Mit diesen praktisch durchgeführten Versuchen konnte gezeigt werden, dass die Schuhe in einem Stück gearbeitet sind. Das Herstellungsverfahren ist also so raffiniert, dass es ohne Nähte auskommt und Form und Musterung in einem Arbeitsgang entstehen konnten.

Geflochtener Schuh Östliches Zentralasien (Xinjiang), 5.–6. Jahrhundert, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5649a Auch Schuhe können zum Arbeitsfeld einer Textilrestauratorin gehören. In diesem Fall stand die Erforschung der Herstellungstechnik im Vordergrund. Passgenau angefertigte, diskrete Stützformen lassen den Blick auf die Innensohle frei. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Geflochtener Schuh
Östliches Zentralasien (Xinjiang), 5.–6. Jahrhundert, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5649a
Auch Schuhe können zum Arbeitsfeld einer Textilrestauratorin gehören. In diesem Fall stand die Erforschung der Herstellungstechnik im Vordergrund. Passgenau angefertigte, diskrete Stützformen lassen den Blick auf die Innensohle frei.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung sind mehrere Gewänder zu sehen. Darunter ein aus China stammendes, zunächst unauffälliges Kleidungsstück, das jedoch aus der Nähe zum Staunen Anlass gibt: Es ist über und über mit Stickerei bedeckt. Dargestellt sind Szenen, die um die Thematik des Jenseits und der Unsterblichkeit kreisen, aber auch Rosetten und Tiere. Und wer ganz genau hinschaut, entdeckt darüber hinaus winzig kleine, glitzernde Lichtpunkte. Es handelt sich um Glimmerplättchen, die zwischen zwei transparenten Gewebeschichten eingestreut wurden. Makroaufnahmen der Glimmereinlagen und der Stickerei sind in einem der Kurzfilme zu sehen. Diese Bilder ermöglichen dem Museumspublikum einen faszinierenden, intimen Einblick in die Struktur eines Textils, der sich sonst nur durch das Mikroskop eröffnen würde. Bisher ist kein zweites Textil mit einem solchen Steinschmuck bekannt. Zur Zeit seiner Entstehung im 5. bis 6. Jahrhundert dürfte das Gewand bei jeder Bewegung leuchtend gefunkelt haben. Offensichtlich lag den Menschen schon vor Jahrhunderten daran, mit ihrer Kleidung aufzufallen, ihren Status auszudrücken – und ihrem Auftritt etwas Glamouröses zu verleihen.

Makroaufnahme einer Stickerei mit Glimmereinlagen China, Südliche Dynastien (?), 5.–6. Jahrhundert, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5582 Optische Hilfsmittel bieten faszinierende Einblicke in die Struktur eines Textils. Hier sieht man farbige Kettenstiche, eine locker gewebte Seidengaze als Stickgrund und kleine Glimmerstückchen, die je nach Lichteinfall hell glitzern. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Makroaufnahme einer Stickerei mit Glimmereinlagen
China, Südliche Dynastien (?), 5.–6. Jahrhundert, Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5582
Optische Hilfsmittel bieten faszinierende Einblicke in die Struktur eines Textils. Hier sieht man farbige Kettenstiche, eine locker gewebte Seidengaze als Stickgrund und kleine Glimmerstückchen, die je nach Lichteinfall hell glitzern.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für die langfristige Erhaltung der seltenen Textilien sind nicht nur stabile klimatische Verhältnisse sowie Staub- und Lichtschutz unabdingbar, vielmehr muss auch eine geeignete Lagerungs- bzw. Präsentationsform gefunden werden. Zu den Aufgaben einer Textilrestauratorin gehören daher auch das Überprüfen der Umgebungsbedingungen sowie das Erarbeiten und Herstellen von Montagen und Stützkonstruktionen. Bei Gewändern stellt sich immer die Frage, ob sie auf einem massgefertigten ‘Kleiderständer’ montiert werden können oder ob sie doch besser liegend gezeigt werden sollen. Ein aus konservatorischer Sicht optimaler Kostümständer muss genau der Form des Gewandes entsprechen und so präzise passen, dass der Stoff überall aufliegt bzw. gestützt, aber nicht gespannt wird. Seine Herstellung ist deshalb in der Regel zeitaufwendig.

Wollenes Kinderhemdchen Östliches Zentralasien (Xinjiang), 4.–2. Jahrhundert v. Chr., Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5567 Das 2000 Jahre alte Kinderhemd wurde nach der Restaurierung auf einen massgefertigten Ständer gebracht. Dieser bietet eine optimale Stütze und ist – neben stabilen Klimaverhältnissen, Staub- und Lichtschutz – eine Massnahme für die langfristige Erhaltung des Kleidungsstücks. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wollenes Kinderhemdchen
Östliches Zentralasien (Xinjiang), 4.–2. Jahrhundert v. Chr., Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5567
Das 2000 Jahre alte Kinderhemd wurde nach der Restaurierung auf einen massgefertigten Ständer gebracht. Dieser bietet eine optimale Stütze und ist – neben stabilen Klimaverhältnissen, Staub- und Lichtschutz – eine Massnahme für die langfristige Erhaltung des Kleidungsstücks.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Abegg-Stiftung ist ein weltweit bekanntes Kompetenzzentrum für historische Textilien. Seit 1967 erforscht und restauriert sie textile Schätze. Die Ausstellungen des Museums zeigen neben Textilien der eigenen Sammlung auch Werke anderer Gattungen der angewandten Kunst. Gegründet wurde das Institut von Werner und Margaret Abegg, einem schweizerisch-amerikanischen Paar, das damit nicht nur seiner umfangreichen Sammlung die Zukunft sichern, sondern auch einen Beitrag zur Erhaltung und Erforschung wertvoller Gewebe aus vergangenen Zeiten leisten wollte. Als erfahrene Sammler wussten Werner und Margaret Abegg um die Fragilität dieser Stoffe. Darum richteten sie in ihrer Stiftung von Anfang an ein spezialisiertes Atelier für die  Konservierung und Restaurierung von Textilien ein, was damals eine Pionierleistung war.

Reinigung Mit einer winzig kleinen Staubsaugerdüse wird die Stickerei von Schmutz (Staub, Verkrustungen, Insektenrückstände, Schimmel) befreit. © Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg) Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Reinigung
Mit einer winzig kleinen Staubsaugerdüse wird die Stickerei von Schmutz (Staub, Verkrustungen, Insektenrückstände, Schimmel) befreit.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Atelier betreut nicht nur die eigenen Bestände, sondern kann bisweilen auch die Konservierung und Restaurierung von Objekten aus anderen Institutionen übernehmen. Bedeutende Textilien wurden der Abegg-Stiftung von Museen und Kirchen aus aller Welt schon anvertraut, zuletzt ein einzigartiges gesticktes Altarbild aus dem Art Institute of Chicago und wertvolle Reliquienstoffe aus dem Schrein des hl. Godehard in Hildesheim. Und nicht zuletzt hat sich die Abegg-Stiftung einen Namen als Ausbildungsstätte für Textilkonservatoren / -restauratoren gemacht. Im Atelier stehen zurzeit sechs Studienplätze für eine entsprechende Fachhochschulausbildung zur Verfügung. Für die Zukunft des Fachs ist also gesorgt.

Info:

30. April – 12. November 2017

Spurensuche
Erhalten und Erforschen von Textilien

Abegg-Stiftung
Werner Abeggstrasse 67
3132 Riggisberg
Schweiz

www.abegg-stiftung.ch

Öffnungszeiten:
täglich: 14 – 17.30 Uhr

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10 Jahre Patch & Quilt Circle Schramberg

Blick in die Ausstellung Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Blick in die Ausstellung
Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Der ‘Patch & Quilt Circle Schramberg’ um Rebecca Roth besteht seit 10 Jahren …

Blick in die Ausstellung Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Blick in die Ausstellung
Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

… Anlass für eine Ausstellung und damit einen Einblick in ihre vielseitige textilkünstlerische Arbeit, auch für die interessierte Öffentlichkeit.

Blick in die Ausstellung Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Blick in die Ausstellung
Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Kürzlich wurde die Schau eröffnet. Oberbürgermeister Thomas Herzog und Frau Gwosch der VHS Schramberg begrüssten die Anwesenden, bevor …

Blick in die Ausstellung Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Blick in die Ausstellung
Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

… Gabi Mett, Textilkünstlerin aus Essen, in die Thematik einführte und über Textilkunst referierte.

Blick in die Ausstellung Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Blick in die Ausstellung
Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Rebecca Roth schickte mir die Bilder von der Vernissage und schreibt mir: ‘Im Anschluss gab es noch ein Glas Sekt und Häppchen. Alles in Allem …

Blick in die Ausstellung Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Blick in die Ausstellung
Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

… war die Vernissage eine gelungene Veranstaltung, der selbst die brütende Hitze nichts anhaben konnte.’

Blick in die Ausstellung Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Blick in die Ausstellung
Foto: Rebecca Roth, die es freundlicherweise zur Verfügung stellte

Da kann man doch nur gratulieren!

Info:

24. Juni – 16. Juli 2017

10 Jahre Patch & Quilt Circle Schramberg
Galerie Palette
H.A.U. 18
78713 Schramberg
Deutschland

www.schramberg.de

Öffnungszeiten:
Do – So: 13 – 18 Uhr

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WortGewandt

Die Ausstellung ‘WortGewandt’ (die Ausschreibung dazu hatte ich in den Ausstellungstipps März 2017 veröffentlicht) wurde inzwischen eröffnet: ‘… es war grossartig und mit vielen Besuchern, die wir so noch nie hatten’, schreibt mir Frau Rüttinger, die …

Plakat

Plakat

… ihre Zweifel, ob dies die letzte Ausstellung war, nun doch noch mal überlegt. Vielleicht kann sie ein steitiger Besucherstrom überzeugen? Die Kunsthofpassage in der Dresdner Neustadt ist – wie ich hier schon mal berichtet habe – jedenfalls auch einen Besuch wert.

Info:

22. Juni – 23. September 2017

WortGewandt

9. Quilt-Verkaufsausstellung
U.R.Galerie, Ulrike Rüttinger
Kunst im FreiRaum / KEYNdesign, Martina Keyn
Görlitzer Strasse 23 / Kunsthofpassage
01099 Dresden
Deutschland

www.ulrike-ruettinger.de

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37th Edition Art Festival Watou
Over alleenigheid* en ondraaglijke eenzaamheid
On being alone and unbearable loneliness

Vom 1. Juli bis zum 3. September 20177 findet die 37. Auflage des Watou Kunstfestes im Dorf Watou an der französischen Grenze statt.

Plakat © Rogerio Reis, Detail from 'Personne n'appartient à personne'

Plakat
© Rogerio Reis, Detail from ‘Personne n’appartient à personne’

Das zentrale Thema ‘Over alleenigheid* en ondraaglijke eenzaamheid / On being alone and unbearable loneliness’ bringt ….

Caspar Berger: Self portrait 5 Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Caspar Berger: Self portrait 5
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

… Künstler und Dichter zusammen und bestimmt auch das Sommer-Programm des Festivals.

Cecile Dachary: Pis de seins 1&2 Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Cecile Dachary: Pis de seins 1&2
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das Festivalthema ‘Über das Allein-sein und die unerträgliche Einsamkeit’ nimmt einen Aspekt der ‘Condition humaine’ unter die Lupe.

Taysir Batniji: Ceinture à Munitions Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Taysir Batniji: Ceinture à Munitions
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das Gefühl der Einsamkeit können Menschen jeden Alters haben. Jemand, der alleine ist oder wenig Kontakte hat, muss nicht unbedingt einsam sein, während jemand, der viele Menschen um sich herum hat, sich trotzdem einsam fühlen kann.

Fred Eerdekens: Absence is the most glorious state of mind Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Fred Eerdekens: Absence is the most glorious state of mind
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

In einer stark globalisierten Gesellschaft fühlt sich nichts mehr ‘sicher’ an, wir kleben vor den digitalen Bildschirmen, am mobilen Telefon, sind den ganzen Tag damit beschäftigt, in Verbindung zu bleiben.

Emilie Faif: Mamelles und Jan Henderikse: Friends Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Emilie Faif: Mamelles und Jan Henderikse: Friends
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Noch nie zuvor in der Geschichte hatte die Menschheit so viele Möglichkeiten zur Kommunikation und um sich in kürzester Zeit weltweit zu verbinden. Zugleich ist der Abstand zwischen den Menschen größer als je zuvor.

 Chad Wright: Masterplan phase one und Sandy Smith: we are building Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt


Chad Wright: Masterplan phase one und Sandy Smith: we are building
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Dieser Problematik widmen sich die teilnehmenden Künstler. Ich habe einige interessante Fotos ausgewählt.

Info:

1. Juli – 3. September 2017

37th Edition Art Festival Watou
Over alleenigheid* en ondraaglijke eenzaamheid
On being alone and unbearable loneliness

Festivalhuis
Watouplein 12
8978 Watou
Poperinge
Belgien

www.kunstenfestivalwatou.be

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Reif für die Insel – Tourismus auf Sylt, Hiddensee und Mallorca
Lust auf Leben! Fotos von Johannes Weber aus seinem Dorf, 1946-1955

Urlaub ist die kleine Flucht aus dem Alltag. Und nirgendwo kann man die arbeitsfreien Wochen schöner verbringen als auf einer Insel. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) stellt in der Ausstellung ‘Reif für die Insel’ ab Sonntag, den 2. Juli 2017 in seinem Industriemuseum TextilWerk in Bocholt die drei Ferienparadiese Sylt, Hiddensee und Mallorca vor.

Das mondäne Sylt präsentiert sich in den maritimen Farben Weiss und Blau. Foto: LWL/Holtappels, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das mondäne Sylt präsentiert sich in den maritimen Farben Weiss und Blau.
Foto: LWL/Holtappels, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Gleichzeit präsentiert das LWL-Industriemuseum in einem weiteren Saal der ehemaligen Spinnerei unter dem Titel ‘Lust auf Leben!’ Fotografien von Johannes Weber aus dem münsterländischen Dorf Nottuln (Kreis Coesfeld), die er zwischen 1946 und 1955 gemacht hat und die das Leben in der Nachkriegszeit dokumentieren. Beide Ausstellungen laufen bis zum 31. Dezember 2017.

Farbenfroh geht es auf Mallorca unter dem Sonnenschirm zu. Foto: LWL/Holtappels, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Farbenfroh geht es auf Mallorca unter dem Sonnenschirm zu.
Foto: LWL/Holtappels, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Sylt, Hiddensee und Mallorca – jede dieser Inseln verkörpert ein bestimmtes Klischee: die Insel der Schönen und Reichen in der Nordsee, die Insel der Einzelgänger und Naturliebhaber in der Ostsee, die Insel der Massen und der Stars im Mittelmeer. Die Wirklichkeit ist allerdings vielschichtiger. Mit rund 500 Exponaten – Bademoden, Plakaten, Postkarten, Souvenirs, Gemälden und Fotografien – zeigt die Ausstellung, wie sich der Tourismus an den verschiedenen Orten entwickelt und wie sich die Urlaubskleidung verändert hat. Das Spektrum der Objekte reicht vom 100 Jahre alten, mit Rüschen besetzten Badeanzug für Damen bis zur Jukebox mit Strandhits, vom Westerland-Bass eines Mitglieds der Rockband ‘Die Ärzte’ bis zum Original-Inventar eines kompletten Gästezimmers aus Hiddensee. Video-Interviews mit Insulanern, die ganz persönliche Geschichten erzählen, bereichern die Präsentation.

Bunte Muster und viel nackte Haut – in der Sonderausstellung des LWL-Textilwerks dreht sich alles um die Bademode. Foto: LWL/Holtappels, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Bunte Muster und viel nackte Haut – in der Sonderausstellung des LWL-Textilwerks dreht sich alles um die Bademode.
Foto: LWL/Holtappels, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Die Ausstellung zeigt auf erfrischende und kompakte Weise, wie die Deutschen Urlaub machten und machen: vom Kaiserreich bis heute, in West und Ost, im Inland und im Ausland. Ein tolles Thema, das Spass macht’, erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Beide Ausstellungen werden durch Publikationen und Rahmenprogramme begleitet.

Info:

2. Juli – 31. Dezember 2017

Reif für die Insel – Tourismus auf Sylt, Hiddensee und Mallorca
Lust auf Leben! Fotos von Johannes Weber aus seinem Dorf, 1946-1955

LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt (Spinnerei)
Industriestrasse 5
46395 Bocholt
Deutschland

www.lwl.org

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Dress of the Year 2016

Das Fashion Museum Bath hat die Auszeichnung ‘Dress of the Year 2016’ verliehen, von Kate Phelan (British Vogue) für das Museum ausgewählt. Die Selektion umfasst zwei Ensembles des international bekannten britischen Designers Jonathan Anderson aus der Herbst- / Winterkollektion 2016.

Damen-Ensemble für Loewe von Jonathan Anderson Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Damen-Ensemble für Loewe von Jonathan Anderson
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zum einen ein Damen-Ensemble für das spanische Luxus-Modenhaus Loewe, bei dem Anderson Creative Director ist. Zum anderen eine Herren-Kombination seines innovativen Labels JW Anderson.

Damen-Ensemble für Loewe von Jonathan Anderson, Detail Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Damen-Ensemble für Loewe von Jonathan Anderson, Detail
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für die Damen schuf Anderson ein cremefarbenes Kleid aus Mohair-Tweed mit Fransen, das zusammen mit einem Bustier aus Napa-Leder mit Blattgold-Auflage getragen wird. Ergänzt wird das Ensemble mit interessanten Accesoires: Schmuck und Tasche.

Damen-Ensemble für Loewe von Jonathan Anderson, Detail Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Damen-Ensemble für Loewe von Jonathan Anderson, Detail
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für die Herren kombiniert Anderson einen groben oversized Cardigan mit gerippt gestrickten Hosen, einem weissen Hemd mit Metall-Knöpfen, leuchtend roten Stiefeln in Stil eines Box-Trainers und einem eng anliegenden Halsband aus Plexiglas.

Herren-Ensemble für JW Anderson von Jonathan Anderson Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Herren-Ensemble für JW Anderson von Jonathan Anderson
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kate Phelan begründet ihre Wahl damit, dass Jonathan Andersons Collectionen zukunftsweisend sind und einen neuen Look und Style repräsentieren. Designs mit einer Ästhetik ‘at the cutting-edge’.

Herren-Ensemble für JW Anderson von Jonathan Anderson, Detail Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Herren-Ensemble für JW Anderson von Jonathan Anderson, Detail
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ensembles sind nun in der Ausstellung ‘A History of Fashion in 100 Objects’ im Fashion Museum Bath zu sehen, worüber ich hier schon berichtete. Willkommen in der ‘Fashion Hall of Fame’ in Bath.

Info:

19. März 2016 – 1. Januar 2019

Dress of the Year 2016
A History of Fashion in 100 Objects

The Fashion Museum Bath
Assembly Rooms
Bennett Street
Bath BA1 2QH
United Kingdom

www.fashionmuseum.co.uk

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Vorankündigung:

Spitzen. Erkennen – Analysieren – Einordnen
Workshop mit Thessy Schoenholzer Nichols

Filigrane Spitzen gehören mit zu den faszinierendsten Werken, die die Textilkunst hervorgebracht hat.

Punto Tagliato Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Punto Tagliato
Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Sie gelten seit jeher als Kostbarkeiten, deren Herstellung ein hohes Mass an Wissen, Fingerfertigkeit und Geduld erfordert.

Irische Häkelspitzen und Nadelspitzen Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Irische Häkelspitzen und Nadelspitzen
Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Während vieler Jahrhunderte werden Spitzen ausschliesslich von Hand angefertigt.

Litzespitze Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Litzespitze
Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gelingt es, Imitationen historischer Spitzen maschinell zu produzieren und somit zur Verbreitung der begehrten und einst sehr teuren Ware beizutragen.

Maschinenstickereien Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Maschinenstickereien
Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Textilmuseum St. Gallen verfügt über eine herausragende Sammlung historischer Spitzen.

Nadelspitze Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nadelspitze
Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anhand dieser filigranen Kostbarkeiten wird die Textilexpertin Thessy Schönholzer Nichols im Rahmen eines Workshops in das Thema ‘Spitze’ einführen.

Point de Venise Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Point de Venise
Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Kurs setzt sich aus theoretischen Abschnitten und praxisbezogener Arbeit mit den Objekten zusammen. Ziel ist, dass die TeilnehmerInnen Klöppel- und Nadelspitzen, andere Spitzen und Maschinenspitzen erkennen, analysieren, beschreiben und (auch ikonografisch) einordnen können.

Nadelspitzen Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nadelspitzen
Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Workshop richtet sich an Fachleute und TextilliebhaberInnen und gliedert sich in zwei Teile: Teil I dauert vom 11. – 14. September 2017, Teil II findet vom 9. – 12. Oktober 2017 im Textilmuseum St. Gallen statt.

Punto Tagliato Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Punto Tagliato
Foto: © Tobias Siebrecht (2011), freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Detaillierte Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung finden Sie auf der unten angegebenen Website des Museums.

Info:

Spitzen. Erkennen – Analysieren – Einordnen
Workshop mit Thessy Schoenholzer Nichols

Teil I: 11. – 14. September 2017
Teil II: 9. – 12. Oktober 2017

Textilmuseum St. Gallen
Vadianstrasse 2
9000 St. Gallen
Schweiz

www.textilmuseum.ch

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Erinnerungen an Aina Muze

Aina Muze (1943 – 2017), die grosse alte Dame der lettischen Textilkunst, ist kurz vor Erreichen ihres 74. Geburtstags im Juni 2017 verstorben. Sie hatte noch so viel vor!

Sankt Petersburg 2012 Foto. Wolfgang Eibisch

Sankt Petersburg 2012
Foto: Wolfgang Eibisch

Kennengelernt habe ich Aina und ihre Tochter Elina Lusis-Grinberga während meiner ersten Reise nach Moskau im Jahr 2009 (hier geht es zu einem meiner ersten Berichte hier im damals ganz neuen BERNINA blog). Unsere erste Begegnung fand statt während der Eröffnung einer Ausstellung mit eigenen Arbeiten und solchen von ihren Schülerinnen. Es stellte sich heraus, das wir alle von Julia Borisowna Iwanova im Haus der Volkskunst untergebracht waren und so konnte der Kontakt sich ganz schnell entwickeln – wir hatten sofort die gleiche Wellenlänge!

Aina Muze: Inspiration

Aina Muze: Inspiration

Ich war begeistert von der hohen künstlerischen Qualität der lettischen Quilts. Wie sich herausstellte, war dies kein Wunder, denn Mutter wie Tochter sind ursprünglich an Kunsthochschulen ausgebildete Weberinnen mit sehr fundiertem künstlerischen Background, die irgendwann in den 1980er Jahren über das Quilten stolperten und für sich entdeckten. Aina unterrichtete hauptberuflich zu dieser Zeit noch an der lettischen Kunstakademie und zwar in der Textil-Abteilung. Sie war eine prägende Figur in ihrem Heimatland, wurde aber auch schnell international bekannt.

Festival of Quilts, Birmingham 2012

Festival of Quilts, Birmingham 2012

Zusammen mit ihrer Tochter Elina war sie eine treibende Kraft für die Gründung der lettischen Gilde und beide vertraten den Verein international. Als Mitglied erhielt ich 2012 eine Einladung zu einer Ausstellung beim Riga Quiltfestival im August, das von der lettischen Gilde veranstaltet wurde. Keine Frage, ein solches Angebot schlägt man nicht aus! Nicht nur die Quilts und die Gastfreundschaft, sondern auch die Hauptstadt Lettlands begeisterten mich – natürlich sind daraus diverse Berichte für den BERNINA blog entstanden, die immer noch lesenswert sind.

Aina Muze: Window at Night

Aina Muze: Window at Night

Im Oktober 2012 trafen wir uns in Sankt Petersburg beim Quiltfestival ‘Kurochka Ryaba’ wieder und sassen nebeneinander am Rednerpult beim Internationalen Quilt Forum (hier der Bericht) – übrigens eine Initiative von Wolfgang Eibisch, dem ehemaligen BERNINA Sales Manager Eastern Europe. Aber auch beim Festival of Quilts in Birmingham, beim Europäischen Patchwork Treffen in Ste Marie-aux-Mines, bei den Patchworktagen der deutschen Gilde und weiteren internationalen Anlässen kreuzten sich im Lauf der Jahre immer wieder unsere Wege. So gerne habe ich das Mutter-Tochter-Duo zur Teilnahme an der von mir kuratierten und organisierten Ausstellung ‘Zeichen der Zeit’ eingeladen. So selbstverständlich wurde mein Quilt ‘Klimawandel’ 2016 von ihnen mit zu einer Ausstellung nach Kanada genommen.

Sankt Petersburg 2012

Sankt Petersburg 2012

Einen schönen Überblick über ihr Schaffen findet man in der Foto-Galerie anlässlich einer Solo-Ausstellung im Dekorativi Lietiskas Makslas Musejs, im Museum für Dekorative und Angewandte Kunst, in Riga im Sommer 2013.

Festival of Quilts, Birmingham 2012

Festival of Quilts, Birmingham 2012

Aina, du wirst mir fehlen!

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Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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