Kreative Artikel zum Thema Nähen

Die ultimative Mitteldecke – mit vielen Tipps und Tricks

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie möchten, können Sie hier, im BERNINA-Blog, die Entstehung der Mitteldecke für einen Tisch zeitnah beobachten und vielleicht sogar gleich nacharbeiten. Bitte schauen Sie mir einfach über die Schulter …

Sie kennen Mitteldecken in der Form von Quadraten, z.B. 80 cm x 80 cm, oder 90 cm x 90 cm. Einige Decken sind auch rund, oval, oder als Läufer rechteckig.

Die Decke, die ich plane, ist variabel im Aussehen und lässt sich, wenn alles so wird, wie ich es mir vorstelle, nach Belieben verändern.

Benötigte Materialien:

  •  
    • Stoff für das Top
    • doppelseitig klebendes Volumenvlies
    • Stoff für die Rückseite
    • Stickgarne
    • Schneidematte
    • Quiltlineal
    • Rollschneider
    • Vlisofix
    • Nähmaschine
    • Stickmaschine
    • Bügeleisen
    • Bügelbrett
    • Krauseminz-Wasser

 

Für meine Mitteldecke verwende ich die Reste des Nessels (Baumwollstoff), die noch in meinem Stoffschrank lagern.

Tipp:

Wählen Sie bitte solche Stoffe aus, die sich gut waschen und bei der 2-Punkte-Einstellung des Bügeleisens bügeln lassen. Für Decken wasche ich grundsätzlich alle Stoffe vor, damit sie vorab schon einmal schrumpfen können und ich später beim Waschen keine bösen Überraschungen mehr erlebe.

Ich schneide 14 Nessel-Rechtecke, die mindestens 32 cm x 30 cm gross sein sollen, mit dem Rollschneider und dem Quiltlineal auf der Schneidematte zu. Es folgen 7 Volumenvlies-Rechtecke. Also erhalte ich 7 Sandwiches, die sich aus den Lagen Nessel – Volumenvlies – Nessel zusammensetzen.

Diese Sandwiches bügele ich nun, eins nach dem anderen, mit dem Bügeleisen (Einstellung 2), unter Zuhilfenahme des Krauseminz-Wassers, zusammen.

Tipps:

Für mich ist wichtig, dass alle Stoffe, die ich verarbeite, von Anfang an glatt gebügelt sind. Der Nessel ist nur mit List zu glätten. Die Krausen, die er sich beim Vorwaschen zugezogen hat, möchte er am liebsten behalten. Aber ich will das nicht. Also sprühe ich den Stoff zuerst mit dem Krauseminz-Wasser ein und bügele die eine Seite. Anschliessend erfolgt die gleiche Prozedur von der anderen Seite.

Wenn das Volumenvlies zwischengebügelt wird (wieder mit Krauseminz-Wasser), soll das Eisen ca. 15 Sekunden auf einer Stelle stehen, damit die Klebepunkte des Vlieses sich mit dem Stoff verbinden können. Erst dann versetzt man das Eisen. Ich habe festgestellt, dass oftmals Abdrücke des Bügeleisenumrisses auf dem Stoff zurückbleiben, die sich nur sehr schwer, oder gar nicht wieder entfernen lassen, zumindest bei Nessel. Ich bin zu folgender Methode übergegangen, die mir persönlich sehr gut gefällt:

Ich setze das Bügeleisen in die Mitte des Sandwiches, lasse es aber nicht dort stehen, sondern bewege es mit kleinen, schnellen Kreisbewegungen für ca. 15 Sekunden auf der Stelle und arbeite mich dann langsam zu den Rändern vor. Abdrücke entstehen so nicht mehr.

Da ich die Sandwiches später quilten werde, präpariere ich sie zusätzlich noch mit Sprühstärke, weil sie dann wesentlich besser auf dem Anschiebetisch gleiten und sich erheblich einfacher führen lassen.

Die Bügelarbeiten sind nun beendet. Da ich (bitte nicht lachen) zugegebenermassen ein „Pingel“ bin, begradige ich vor dem nächsten Arbeitsschritt noch alle Kanten. Es ist nicht unbedingt erforderlich, doch mir gefällt es so, und das Sandwich ist wirklich rechtwinklig, was spätere Arbeiten deutlich vereinfacht.

Sieben vorbereitete Sandwiches liegen auf der Schneidematte.

Zum Quilten verwende ich Stickgarm als Ober- und Unterfaden. Ich lege verschiedene Garne auf den Stoff, um die Farbharmonie zu prüfen.

Leider kommen die Farbunterschiede der einzelnen Fäden auf dem Foto nicht so gut rüber. Auf jeden Fall entscheide ich mich für das Garn auf der blauen Kone. Es hebt sich minimal vom Stoff ab und hat einen seidigen Glanz.

Für das Quilten nehme ich folgende Einstellungen an meiner Maschine vor:

In Worten:

  •  
    • Transporteur versenken
    • Oberfadenspannung auf 2,5 verringern
    • Nähfussdruck auf  40 senken
    • Nähgeschwindigkeit im ersten Viertel der Einstellungsmöglichkeit
    • Unterfaden für “nähen” einfädeln

 

Ich befestige den Quiltfuss #29Can der Nähmaschine, ziehe meine Quilthandschuhe an, ergreife das 1. Sandwich, platziere es unter der Nadel, betätige die Start- und Stopptaste und führe es in sanften Schwüngen unter der Nadel hin und her.

Tipps:

  • Versuchen Sie, sich zu entspannen. Je lockerer Sie sind, desto leichter gelingt Ihnen das gleichmässige Führen des Stoffes.
  • Stellen Sie sich die Form vor, die Sie gerne nähen möchten.
  • Lauschen Sie auf den Takt Ihrer Maschine und passen sich mit Ihren Bewegungen dem Rhythmus an, den sie vorgibt.
  • Versinken Sie in Ihre Tätigkeit und werden ein Team, Sie und Ihre Maschine.

Am Anfang habe ich nicht gewagt, während des Quiltens eine Hand vom Sandwich hochzuheben. Das Ende vom Lied war stets: Die Armlänge war ausgeschöpft, doch es war noch soviel Sandwich übrig, das gequiltet werden musste. Es hat sehr lange gedauert, bis ich endlich eine Methode gefunden hatte, die es mir ermöglicht, das Sandwich auch während des Quiltens voran zu schieben, ohne dass der gleichmässige Schwung durch einen Haken unterbrochen wird. Eigentlich ist es sehr einfach, man muss es nur wissen: Meine Finger spielen während des Quiltens auf dem Sandwich Klavier. Ich vermeide, sie wie angeklebt an einer Stelle zu belassen. Einige Finger haben Kontakt mit dem Sandwich, andere schweben leicht darüber. Stellen Sie sich bitte vor, wie Fliegenbeine langsam über Ihren Arm krabbeln. So tanzen Ihre Finger auf dem Sandwich und dirigieren es absolut mühelos. Geht das denn überhaupt, fragen Sie jetzt vielleicht? Ja, es geht, denn Sie haben, wenn Sie nach der oben beschriebenen Methode vorgehen, ein perfekt vorbereitetes Sandwich in Händen, das Sie nicht mit den Fingern unter der Nadel spannen müssen.

Wenn Sie noch nie Freihand gequiltet haben, empfiehlt es sich, vorher auf einem Blatt Papier mit einem Bleistift einige Schwünge zu üben. Was mit dem Stift geht, geht auch später mit dem Sandwich unter der Nadel.

Plötzlich höre ich ein merkwürdiges Geräusch, ein leises Knarren. Aha, das kenne ich doch. Meine 830 macht mir auf diese Art und Weise klar, dass sie unbedingt einen Tropfen Öl benötigt. Das ist eine leichte Übung für uns, und schon nach kurzer Zeit vollführen wir wieder die tollkühnsten Schwünge.

Beim 5. Sandwich streikt der Fadenschneider. Nanu? Was kann das denn jetzt sein? Ich entferne die Stichplatte und … sehe eigentlich erst einmal gar nichts, ich meine – nichts Ungewöhnliches. Hmm. Mit „Putzi“ puste ich jetzt ordentlich Luft von oben in die Maschine. Und siehe da, der Übeltäter kommt zum Vorschein. Ein kleiner Fadenrest hat sich im Fadenschneider verhakt. Ich entferne ihn mit der Pinzette, und die 830 und ich starten wieder voll durch.

Inzwischen bin ich beim 7. Sandwich angelangt. Für jedes benötigte ich etwa 8 Minuten.

 Tipp:

Ich nutze jede Gelegenheit, um mich im Freihand nähen zu üben. Demnach betrachte ich es auch nicht als Verschwendung, wenn ich nach dem Quilten jedes einzelne Sandwich Freihand an allen vier Kanten absteppe. Einen besonderen Sinn für das Fortschreiten der Arbeit an der Decke hat dieses Absteppen nicht. Es ist, wie gesagt, lediglich eine Übung. Die linke Hand liegt dabei flach auf dem Sandwich und schiebt es, im Rhythmus der Maschine, gleichmässig voran.

Geschafft. Alle 7 Sandwiches sind korrekt begradigt, gequiltet und rundherum Freihand abgesteppt.

Den nächsten Artikel zu diesem Fortsetzungsprojekt werde ich am Samstag publizieren.

Liebe Grüsse

Susanne

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Kommentare zu diesem Artikel

13 Responses

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  • Susanne Menne

    Hallo Rosi,

    wie schön, dass Du auch mitmachst. Darüber freue ich mich sehr.

    Das Krauseminz-Wasser wurde im BERNINA Blog schon mehrfach erwähnt. Ich vermute, dass deshalb niemand gefragt hat. Wir freuen uns hier aber auf jeden Fall über jede Frage zu den vorgestellten Projekten, auch wenn sie, in ähnlicher Weise, schon einmal gestellt wurde. Das ist vollkommen in Ordnung, weil ja nicht jeder Gast immer alle neuen Artikel liest.

    Es tut mir sehr Leid, dass ich dieses Mal keine Erklärung zum “Krauseminz-Wasser” geschrieben habe und hole es jetzt sehr gerne nach.
    Das Krauseminzöl kann man in der Apotheke bestellen. !0 Tropfen des Öls mischt man mit 1 Liter Wasser und füllt die Flüssigkeit in eine Blumenspritze. Stoffe, die man glätten möchte, oder solche, in die man Falten oder Kniffe bügeln will, sprüht man mit dem Krauseminzwasser ein und bügelt dann. Die Wirkung ist verblüffend.

    Liebe Grüsse
    Susanne

  • Rosi Spannuth

    Hallo Susanne, habe gerade was dazugelernt. Mich wunderte, dass keiner bei dem Begriff Krausewasser nachfragte, alle scheinen es zu kennen nur ich nicht, aber dank Frau Google bin ich nun schlauer (traute mich gar nicht hier zu fragen). Aber nun doch eine Frage: wo bekomme ich das Wasser? In jeder Apotheke?
    Nun bin ich auf das Projekt sehr gespannt und werde gerne weiter zuschauen und mitnähen.
    Liebe Grüße, Rosi

  • Sigrid

    Hallo Susanne, das verspricht ja wieder etwas sehr interessantes!
    Eine Mitteldecke könnte ich zwar auch gebrauchen 🙂 möchte aber im Moment kein neues Projekt beginnen.
    Aber das ist ja hier auch kein Problem, man kann es ja zu jeder Zeit abrufen.
    LG Sigrid

  • Susanne Menne

    Hallo Valika,

    es freut mich sehr, dass Du auch dabei bist.
    Bei einem Quilt braucht man auf jeden Fall eine Vlieseinlage, die man in unterschiedlichen Ausführungen im Handel bekommen kann.

    Es gibt verschiedene Methoden, die drei Lagen eines Sandwiches miteinander zu verbinden.
    Ich bevorzuge das doppelseitige Klebevlies, wenn die Sandwiches nicht zu gross sind. Mit Sprühkleber habe ich auch schon gearbeitet (mit Mundschutz!), war aber nicht so ganz zufrieden, weil der Zusammenhalt der Lagen nicht 100%ig gewährleistet war. Vielleicht lag es damals aber auch ganz einfach an der Grösse des Quilts (4 Quadratmeter).

    Mit der BSR-Funktion lassen sich auf jeden Fall sehr gute Ergebnisse erzielen. Der Vorteil ist, dass die Maschine sich sozusagen den Bewegungen der quiltenden Person von der Nähgeschwindigkeit her anpasst, so dass möglichst gleichmässige Stichlängen entstehen.

    Beim Freihandquilten ohne BSR muss sich die Näherin (der Näher) zwangsläufig dem Rhythmus der Maschine anpassen, um ein gutes Ergebnis zu bekommen. Ich denke, letztendlich stehen beide Methoden gleichwertig nebeneinander und finden ihre Befürworter.

    Liebe Grüsse
    Susanne

  • Valika

    Hallo Susanne,

    dein Beitrag hier im Blog kommt für mich wie gerufen 🙂
    Ich versuche mich seit ein paar Tagen an das Freihandquilting, zuerst gaanz langsam und verkrampft, aber langsam traue ich mich mehr.
    Hier meine Fragen:
    -kann man auch Sprühkleber verwenden, oder ist doppelseitig klebendes Volumenvlies besser?
    -was hälst du von BSR-Funktion?

    Auf alle Fälle bin ich DABEI!

    LG, Valika

  • Susanne Menne

    Hallo roesmart,

    ja, ich verwende die Sprühstärke bevor ich das Volumenvlies aufbügele.
    Das Maschinenstickgarn ist von FuFu’s. Ich habe es wegen des Farbtons ausgewählt. Garne von Madeira, Brildor, Metz usw. sind genauso gut geeignet.

    Ich freue mich sehr, dass Du auch eine ultimative Mitteldecke gestalten möchtest.

    Liebe Grüsse
    Susanne

  • roesmart

    Hallo Susanne, habe noch vergessen zu Fragen welches Garn du verwendest.
    Wenn ich es nacharbeite müssen die Zudaten perfekt stimmen.
    Danke
    roesamrt

  • roesmart

    Hallo Susanne, du sprühst den Stoff also mit Sprühstärke ein bevor das Volumenvlies aufgebügelt wird????
    Danke für deine Mühe!
    roesmart

  • Susanne Menne

    Liebe rosemart und Tatjana,

    gerne beantworte ich Eure Fragen.

    zur Sprühstärke:
    Nachdem ich den Nessel auf beiden Seiten mit Krauseminz-Wasser geglättet hatte, sprühte ich die Stärke auf und bügelte den Stoff “blank”. Dadurch ergibt sich der leichte Glanz und die verbesserte Gleitfähigkeit unter der Nadel.

    zum Nessel:
    Nessel ist, wenn man ihn kauft, nicht weiss. Erst durch das Waschen wird er heller, läuft erheblich ein und kraust ungemein. Der Stoff ist aus Baumwolle. Man erkennt deutlich Kette und Schuss. Nessel gibt es in unterschiedlichen Dichten. Der ganz feine erscheint mir nicht so geeignet für dieses Projekt.

    andere Stoffe:
    Es wird noch ein Kontraststoff benötigt, um die ultimative Mitteldecke zu arbeiten.

    Wenn Ihr weitere Fragen habt, stellt sie gerne.

    Liebe Grüsse
    Susanne

  • Tatjana Hobrlant

    Liebe Susanne,

    das klingt ja wieder sehr interessant, womit Du uns hier den Mund wässrig machst.
    Ich werde das Ganze auf alle Fälle verfolgen und bestimmt auch nacharbeiten.

    Dein Nessel glänzt so schön. Ist das vom Blitzlicht oder habe ich eine falsche Vorstellung von Nessel?

    Ich habe einen ganzen Ballen eines cremefarbenen Nessels hier liegen (zumindest war ich der Meinung, dass es Nessel ist, habe den vor Jahren in einem Möbelhaus gekauft) und könnte daraus wahrscheinlich für eine Hundertschaft Mitteldecken nähen.

    Kommen noch andere Stoffe dazu oder bleibt es bei dem einen?

    Bin ich zu neugierig???

    Liebe Grüße
    Tatjana

  • roesmart

    Hallo Susanne, bin eifrig am lesen und habe eine kleine Frage!
    Wann verwendest du die Sprühstärke?
    Herzlichen Dank für deine Bemühungen.
    Mit freundlichem Gruß
    roesmart

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