Kreative Artikel zum Thema Quilten

Alte Topflappen in neuem Glanz

Grün und rot und als Hintergrund schwarz – nein, keine Angst, ich werde nicht politisch … Grün, rot, gelb und orange sind die Farbtupfer, die meiner hellgrauen Küche Leben einhauchen. Da gibt es natürlich die Früchte auf dem Obstteller, aber ich habe auch gemaltes Obst und Gemüse als Deko. Unter anderem in Form von Topflappen.

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Die Tomate und die Paprika hatte ich vor Jahren mit Stofffarben gemalt. Allerdings war der Rückseitenstoff nicht der Haltbarste, und schließlich bekamen die Topflappen bei einem allzu beherzten Griff ans heiße Eisen auch noch Brandflecken ab. In der Folge wanderten sie für lange Zeit in die Reparaturen-Kiste …

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Was kann man mit solchen abgefressenen Reststücken anfangen? Entweder wieder schwarzen Stoff anpatchen oder gleich die Motive ausschneiden und auf neuen Stoff applizieren. Hier kam eigentlich nur Letzteres in Frage, allein schon wegen des fleckigen schwarzen Randes. Der kommt übrigens von einem Trennmittel, das ich benutzt hatte, um die schwarze Farbe schnell und flächig auftragen zu können.

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Also habe ich die Motive ausgeschnitten, mit Vliesofix jeweils auf ein schwarzes Quadrat gebügelt und mit Stichbreite 3 appliziert. Die Tomate bekam noch Blättchen und Stiel spendiert, beides appliziert mit Stichbreite 1,5. Mit dem Offenen Stickfuß #20 sieht man wunderbar, wohin die Reise geht!

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Ganz wichtig beim Ausschneiden der Motive war mir, ein Stück schwarzen Rand zu lassen, da ich auf selbigem schwarz auf schwarz sticken wollte, um keine harte Grenze an den Farbübergängen zu erzeugen.

Das Quilt-Sandwich besteht aus der applizierten Vorderseite, 2 Lagen mitteldickem Volumenvlies und einer uni schwarzen Rückseite.

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Ich wollte so wenig wie möglich quilten, um die isolierende Schicht nicht zu sehr zusammen zu pressen, aber gleichzeitig sollten die Linien die Formen von Tomate und Paprika herausarbeiten.

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Wie man sieht, ergibt das auf der Rückseite plastische Konturen und die Formen sind sehr gut erkennbar.

Zum Einfassen der Kanten hatte mein Bernina Bandeinfasser #88 Premiere (ich habe die 32-mm-Version, das ist die mittlere Breite). Ein geniales Gerät! Es dauert ein wenig, bis man das Teil im Griff hat, aber dann macht es einfach nur noch Spaß.

Zuerst habe ich mit 90°-Ecken herumexperimentiert, aber die wollten nicht so recht. Kein Wunder eigentlich, denn ich habe die Nadelposition in der Mitte belassen, weil ich das Band unbedingt so schmal wie möglich absteppen wollte. Das funktioniert beim Geradeausnähen ganz gut, es lässt aber keinerlei Puffer für Ungenauigkeiten, und die bekommt man zwangsläufig beim Ecken falten – mit dem zweifelhaften Erfolg, dass in zwei von drei Versuchen hinten das Band nicht mehr mitgefasst wird, zumindest über eine gewisse Strecke. Das ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders und der Anwenderin …

Dann habe ich beschlossen, dass mir gerundete Ecken in diesem Fall eh viel besser gefallen. Also habe ich die Ecken abgerundet (mit dem Rollschneider entlang einer selbst gemachten Pappschablone) und Schrägband zugeschnitten.

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Da das schräge Band bei Zug geringfügig schmaler werden kann, war mir klar, dass – speziell um die Rundungen herum – die Nadel-in-der-Mitte-Methode nicht funktionieren wird. Also habe ich die Nadel halbrechts gestellt, und fortan war das Einfassen ganz entspannt. Wichtig ist das Sichern der Kante mit Zickzackstich vorneweg, nicht nur, damit die Einzelteile des Sandwichs nicht gegeneinander verrutschen, sondern auch, damit eine geschärfte Kante zum Hineinführen in den Bandeinfasser entsteht. Das gilt natürlich besonders für solche wabbeligen Vlieseinlagen wie ich sie hier verwendet habe – Kante sichern mit Geradstich bringt da gar nichts.

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Zum Übereinandernähen der händisch aufbereiteten Enden habe ich wieder den Offenen Stickfuß #20 eingespannt (so wie immer, wenn ich die Naht ganz genau sehen will, und das kommt bei mir ganz schön oft vor) und übersorgfältig gesteckt. Trotzdem finde ich die Verbindungsstelle nicht richtig ordentlich.

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Aber ich fürchte, viel besser wird das nicht – bei mir sieht sie jedenfalls zehn mal schöner als an den gekauften Topflappen, bei denen ich zum Vergleich nachgeschaut habe.

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Und das ist sie nochmal, meine Küchenversion der neuen baden-württembergischen Politlandschaft ;-).

Wenn Sie etwas Ähnliches nacharbeiten wollen: nur ran an die Farbtöpfe! Und zeigen Sie uns bitte in der Galerie, was entstanden ist …

Grün und rot und als Hintergrund schwarz – nein, keine Angst, ich werde nicht politisch … Grün, Rot,Gelb und Orange sind die Farbtupfer, die meiner hellgrauen Küche Leben einhauchen. Da gibt es natürlich die Früchte auf dem Obstteller, aber ich habe auch gemaltes Obst und Gemüse als Deko. Unter anderem in Form von Topflappen.

Bild inszeniert

Vor Jahren hatte ich mit Stofffarben die Tomate und die Paprika gemalt und mit einem schwarzen Sweat-Stoff und einer entsprechenden Einlage verarbeitet. Allerdings war der

Rückseitenstoff nicht der Haltbarste, und schließlich bekamen die Topflappen bei einem allzu beherzten Griff ans heiße Eisen auch noch Brandflecken ab. In der Folge wanderten sie für lange Zeit in die Reparaturen-Kiste …

Bild abgefressene

Was kann man mit solchen abgefressenen Reststücken anfangen? Entweder wieder schwarzen Stoff anpatchen oder gleich die Motive ausschneiden und auf neuen Stoff applizieren. Ich fand Letzteres deutlich klarer.

Bild ausgeschnittene

Also habe ich die Motive mit Vliesofix jeweils auf ein schwarzes Quadrat gebügelt und mit Stichbreite 3 appliziert. Mit dem offenen Stickfuß #20 sieht man wunderbar, wohin die Reise geht! Ganz wichtig beim Ausschneiden der Motive war mir, noch ein Stück schwarzen Rand zu lassen, da ich auf genau diesem schwarz auf schwarz sticken wollte, um keine harte Grenze an den Farbübergängen zu produzieren.

Bilder Details

Dann habe ich die eben applizierte Vorderseite mit 2 Lagen mitteldicker Vlieseinlage und einer uni schwarzen Rückseite zum Sandwich gesteckt. Ich wollte nicht viel quilten, um die isolierende Schicht nicht zu sehr zusammen zu pressen, aber gleichzeitig wollte ich die Formen von Tomate und Paprika durch die Quiltlinien (und nur mit diesen) herausarbeiten. Auch deswegen sollte die Applikation auf die Vorderseite beschränkt bleiben. Das Ergebnis ist, dass man auch auf der Rückseite die Formen plastisch erkennen kann.

Bild Rückseiten

Schließlich hatte mein Bernina Bandeinfasser #88 Premiere. Ein geniales Teil! Ich habe übrigens die mittlere Breite (32 mm). Mit den 90°-Ecken wollte es erst nicht recht klappen, ich habe dann aber befunden, dass mir gerundete Ecken in diesem Fall eh viel besser gefallen. Rückblickend lag der Grund für meinen Frust darin, dass ich das Band unbedingt so schmal wie möglich absteppen wollte und die Nadelposition im Zentrum belassen habe. Das funktioniert beim Geradeausnähen ganz gut, es gibt aber keinerlei Puffer für Ungenauigkeiten, und die bekommt man zwangsläufig beim Ecken falten – mit dem “Erfolg”, dass in zwei von drei Versuchen hinten das Band nicht mehr mitgefasst wird, zumindest über eine gewisse Strecke. Das ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders und der Anwenderin …

Bild Ecke

Die abgerundeten Ecken habe ich mit entlang einer Rundungsschablone aus Pappe mit dem Rollschneider geschnitten. Und statt geradem Band musste nun  Schrägband her. Da das schräge Band bei Zug geringfügig schmaler werden kann, war mir klar, dass – speziell um die Rundungen herum – die Nadel-in-der-Mitte-Methode eh nicht funktioniert. Also habe ich die Nadel halbrechts gestellt, und fortan war das Einfassen ganz entspannt. Wichtig ist das Sichern der Kante mit Zickzackstich vorneweg, nicht nur damit die Einzelteile des Sandwichs nicht gegeneinander verrutschen, sondern auch damit eine geschärfte Kante zum Hineinführen in den Bandeinfasser entsteht. Das gilt natürlich besonders für solche wabbeligen Vlieseinlagen wie ich sie hier verwendet habe – Kante sichern mit Geradstich bringt da gar nichts.

Bild übereinander nähen

Zum Übereinandernähen der händisch aufbereiteten Enden (Link Susanne) habe ich wieder den Offenen Stickfuß #20 eingespannt

(so wie immer, wenn ich die Naht ganz genau sehen will, und das kommt bei mir ganz schön oft vor) und übersorgfältig gesteckt. Trotzdem finde ich die Verbindungsstelle nicht richtig ordentlich. Aber ich fürchte, viel besser wird das nicht – bei mir sieht sie jedenfalls zehn mal schöner als an den gekauften Topflappen, bei denen ich zum Vergleich nachgeschaut habe.

Bild Enden

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Kommentare zu diesem Artikel

9 Responses

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  • Ursula Gottschall

    Liebe Gudrun,

    da bin ich ganz bei Dir …im Prinzip!

    Ich dachte, es sei aus meinen bisherigen Posts deutlich geworden, dass für mich Kreativität vor handwerklicher Perfektion steht. Vielleicht sollte ich noch mehr meine um-die-Ecke-Prozesse beschreiben und weniger den abgekürzten Weg zum entstandenen Ergebnis 😉

    Allerdings müssen sich Perfektion und Kreativität nicht ausschließen, will sagen, solange die handwerkliche Perfektion nicht die Lebendigkeit einer Arbeit killt – was ein wichtiger Punkt ist! – darf und sollte man sich schon um Präzision bemühen. Eine Anekdote hierzu: beim Freihandzeichnen im Archtiekturstudium hatte man uns empfohlen, die Linien, wenn sie schon nicht ganz gerade würden, einfach bewusst bewegter zu zeichnen. Was dann dazu führte, dass ein anderer Professor sich über unsere furchtbar zittrigen Linien mokierte … es ist halt alles eine Frage des Maßes.

    Im vorliegenden Fall ging es mir außerdem mehr um die Technik an sich, um das konkrete Teil nur als Anwendungsprobe – die Abschlüsse an den Topflappen sind gar nicht sooo schlecht (wie ich auch schrieb) und fallen, wenn man nicht bewusst hinschaut, ohnehin kaum auf. Aber wir sind hier im Bernina-Blog, und da sehe ich es u.a. als meine Aufgabe, selbstkritisch zu erwähnen, was ich technisch nicht perfekt genug finde, insbesondere wenn es ein Nähfüßchen betrifft. Nur dann kann eine Diskussion darüber entstehen, wie es vielleicht besser ginge. Immerhin gibt es da draußen viele sehr erfahrene Näherinnen, die Tipps geben können, und wahrscheinlich noch viel mehr nicht so erfahrene, die sich still über jeden Tipp freuen. Zumal es nicht in jedem Falle möglich ist, technische Imperfektion durch kreative Lösungen zu überspielen.

    Viele Grüße
    Ursula

  • Gudrun Heinz

    halli hallo,
    ist auch ein bisschen phantasie erlaubt?
    ausführungen, die nicht zur eigenen zufriedenheit gelingen wollen, stören meine kursteilnehmer auch.
    beispiel frei geführtes maschinensticken: die stiche werden nicht gleichmässig.
    beispiel binding am quilt: der streifen für den einfass ist zu kurz.
    in diesen fällen sage ich immer: erhebe es zum gestaltungsprinzip!
    (oder man könnte auch sagen: mach aus der not eine tugend.)
    das heisst, ungleichmässige stichlängen sind so gewollt und werden bewusst eingesetzt. in den stoffstreifen werden kleine farbige blitzer an passender stelle eingefügt. ergebnis: sie kaschieren einfaches ansetzen, verlängern und peppen den rand noch auf.
    bei deinen prächtigen topflappen, liebe ursula, würde mir vielleicht einfallen: mehrere ansatzstellen rund herum (un-)regelmässig verteilt – aber, ich gebs zu, es ist nicht jedermanns sache, um die ecke zu denken und schon gar nicht für perfektionisten akzeptabel 🙂 man muss ja nicht, wenn man nicht will …
    beste grüsse
    gudrun

  • Susanne Menne

    Hallo Ursula,

    die Malereien auf Stoff finde ich sehr beeindruckend. Eigentlich sind sie wirklich viel zu schade, um sie in Form von Topflappen für den täglichen Gebrauch zu verwenden.

    @Kerstin

    Hallo Kerstin,

    mich interessiert die Schlaufenlösung, die Du empfiehlst, sehr. Bitte zeige doch ein paar Fotos in der User-Galerie. Ich habe die perfekte “Abschlusslösung” beim Arbeiten mit dem Bandeinfasser nämlich auch noch nicht gefunden. Es wäre einfach super, wenn Du uns den ultimativen Tipp geben könntest. 🙂

    Liebe Grüsse
    Susanne

  • Ursula Gottschall

    Hallo Kerstin,

    mit den Aufhängeschlaufen hast Du natürlich recht. Aber erstens wollte ich keine, weil die Topflappen bei mir nicht aufgehängt werden, sondern an einem bestimmten Platz liegen, und zweitens meinte ich das Prinzip.

    Wenn man von Hand einfasst, kann man die Enden an der gewünschten Stelle verstürzen und bekommt einen kaum erkennbaren Anschluss, das geht eben mit dieser Methode nicht. Aber ich will ja nicht meckern, der Bandeinfasser spart so viel Arbeit, und noch dazu bei einem insgesamt so tollen Ergebnis!

    Und, klar, schwarz auf schwarz schluckt – ich hatte auch keine schlaflosen Nächte wegen dem bisschen 😉

    Viele Grüße
    Ursula

  • Kerstin

    Hallo Ursula, wenn du die Enden des Schrägbands in eine Aufhängeschlinge auslaufen läßt, sieht der Abschluß ordentlicher aus. Wobei ich hier in diesem Fall finde, daß er doch okay ist. Und schwarz auf schwarz: das schluckt kleine Unregelmäßigkeiten.
    Kerstin

  • Ursula Gottschall

    Danke Euch allen!
    @ Gertrud: Vielleicht überlege ich mir noch eine Paper-Piecing-Version, da könnt Ihr dann alle mitmachen. Und ich habe ein Paar mehr zum Wechseln ;.). Mal sehen …

    Gruß
    Ursula

  • Gertrud

    Super schöne Verwertung!!!

    da tut es mir richtig leid, daß ich so was nicht habe.

    gruss Gertrud

  • Wiebke

    Hallo Ursula !
    Kunstwerke zum Reinbeißen – so echt.
    Wieder eine besondere, wunderschöne Arbeit.
    Einen schönen Sonntag – im Garten oder an der Maschine – wünscht Wiebke

  • Lorchen

    Das sind ja richtige kleine Kunstwerke, Ursula. Zum Benutzen eigentlich viel zu schade!

    Lorchen

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