Kreative Artikel zum Thema Nähen

Frau Sturm appliziert wie der Blitz!

Vor längerer Zeit habe ich mit meiner Kundin Frau Sturm telefoniert. Sie hat schon viele meiner Modelle nachgenäht. In diesem Telefonat stellte sich jedoch heraus, dass sie sich nicht die Mühe mit Vliesofix & Co macht. Frau Sturm lädt meine Vorlagen einfach in ihre V6, digitalisiert sie fix und appliziert sie dann mit der Maschine.

Ich bin skeptisch. Ist das wirklich schneller? Digitalisieren, Stoff in den Rahmen spannen, Rahmen in die Maschine, sticken, überschüssigen Stoff abschneiden, wieder sticken. Ich meine, dass ich  – Dank meiner vielen Übung – beim klassischen Applizieren trotzdem schneller bin als Frau Sturm mit dem Stickmodul. Frau Sturm sagt aber zu Recht, dass sie das digitalisierte Motiv beliebig oft sicken könnte, was langfristig auf jeden Fall einen Zeitvorteil bringt.

Das Telefonat ist nun Monate her und mich lässt diese Frage nicht los, was nun der bessere Weg ist. Einige von Ihnen kennen vielleicht meine Krabbeldecke ‘Frühling auf dem Bauernhof’. Auf ihr gibt es insgesamt zwölf applizierte Quadrate – zehn Tier- und zwei Blumenquadrate.

 Fertig genäht sieht das Ganze dann so aus:

In der Regel weiß ich nie so genau, wie viel Zeit ich für so ein Projekt tatsächlich benötige, weil man beim Nähen und Entwerfen eines Modells ja nicht auf die Uhr schaut. In diesem Fall aber habe ich die Quadrate ein zweites Mal appliziert und kann somit ziemlich genau sagen, dass ich im Durchschnitt pro Quadrat mit ca. einer Stunde Arbeitszeit rechnen muss: Auf Vliesofix aufzeichnen, grob ausschneiden, auf Stoff bügeln, exakt ausschneiden, applizieren und schließlich die Münder aufsticken. Da ist eine Stunde pro Motiv schnell vorbei. Alleine um all die vielen kleinen Applikationsteile vorzubereiten habe ich etwa zweieinhalb Stunden benötigt – eine dicke Blase von der kleinen Schere war auf meinem Daumen inklusive…

Jetzt will ich es wissen: Ich mache ich den Stickmaschinen-V6-Test und lade die Vorlage für die Maus in meine V6…:

 

… zeichne die Konturen mit den Werkzeugen Freihandstickerei geschlossenes Objekt bzw. Freihandstickerei offenes Objekt nach:

Mit dem Werkzeug Erweiterte Applikation (Kaninchen-Button) wandle ich meine Stickerei in eine Applikation um und platziere die Stoffe entsprechend:

Im Farbfilter sortiere ich nun noch die Arbeitsschritte in die gewünschte Reihenfolge:

Gut 10 Minuten später bin ich fertig und das, obwohl ich kein erfahrener Digitalisierungs-Experte bin!

Jetzt hole ich mein Stickmodul raus und schließe es an meine Maschine an. Die reine Stickzeit für dieses Motiv beträgt 15 Minuten. Natürlich brauche ich insgesamt etwas länger, denn zwischendurch muss ich den Rahmen immer wieder aus der Maschine nehmen, um überschüssigen Stoff weg zu scheiden. Alles in allem brauche ich für meine Maus aber dennoch – inklusive dem Digitalisieren – weniger als eine Stunde. Hier sehen Sie beide Mäuse im Vergleich. Eine Version mit Vliesofix, eine Version mit der V6 gearbeitet. Meine Tochter meint, das sind Zwillings-Mäuse. Ich meine, sie sind eineiig – der Unterschied ist kaum zu erkennen:

Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich weder sehr erfahren im Sticken noch im Digitalisieren bin, überrascht mich dieses Ergebnis außerordentlich!

Liebe Frau Sturm, nun muss ich kleinlaut zugeben: Sie haben dieses Applizier-Rennen gewonnen!

Beim genaueren Betrachten der Stickdatei findet mein kritisches Auge noch das eine oder andere, was ich beim nächsten Mal besser machen könnte. Sollte Sie dies jedoch nicht stören, so dürfen Sie ‘Michi Maus’ zum privaten Gebrauch auch gerne mit Ihrer Maschine sticken. Die Stickdatei finden Sie hier.

Während ich gerade überlege, was wir nun mit dem Stück Mäusestoff anstellen, fragt meine große Tochter, ob wir daraus eine Kindergartentasche nähen können. Wir werden sehen… Ich halte Sie auf jedem Fall auf dem Laufenden!

Viel Freude bei Ihrem persönlichen Applizier-Rennen wünscht

Ihre

Claudia Geiser

P.S.: Frau Sturm hat mir übrigens ein Foto von Ihrem V6-Bärenkissen geschickt, das sie nach meiner Vorlage gestickt/appliziert hat. Erkennen Sie, welches Kissen von Frau Sturm mit der V6 und welches von mir mit der Nähmaschine und Vliesofix appliziert wurde?

Kommentare zu diesem Artikel

4 Responses

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  • Sandra Felber

    Liebe Claudia
    Als ich deine Decke und den Spielball im Patchworkheft sah, war ich hell begeistert. Ich habe alle Motive mit der V6 digitalisiert, und so vorbereitet. Erstens geht es sehr schnell da ich langsam Übung habe mit den Applikationen und der V6. Da ich auch im Besitz des Cut Work Tools bin, läuft bei mir alles über die beiden Softwares. Es macht richtig Spass, nur etwas mehr Zeit…

  • Tina C.

    haha, das ist lustig. So mache ich es inzwischen auch ganz oft mit Appliziervorlagen. Ich bin viel zu bequem geworden. Gerade vor ein paar Tagen habe ich eine Eulentasche (von Farbenmix) digitalisiert und mit dreifachem Umspannen appliziert. Das hat super geklappt. Und das perfekte Teilen der Muster kann man so üben – denn ganz so genau kommt es beim Umspannen mit dem Rahmen (jedenfalls bei meiner Eule) nicht auf die Übereinstimmung an. LG aus der sonnigen Schweiz. Tina

  • Naehfan

    Hallöchen alles sieht ganz super aus, wunderbar digit. und die Mäusle sind nich auseinander zu halten. Bei den Kissen ist es auch sehr schwer zu sagen welches mit Maschine und welches mit Vliesofix. Ich denke— das linke lila Kissen ist Vliesofix, oder?? Grüße

  • Tatjana

    Liebe Claudia, ich kann nur sagen: TOLL!!!

    Vor allem, dass du dich endlich getraut hast. Und es ist doch wirkloch einfach, stimmts?

    Deine Motive eignen sich aber auch wunderbar zum digitalisieren, dass muss ich schon sagen.

    Nun kannst du noch mehr Krabbeldecken und andere schöne Dinge herstellen.

    Liebe Grüße und ein schönes (Stick)-Wochenende
    Tatjana

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