Kreative Artikel zum Thema Quilten

Fadenspielereien mit dem Markierfuß

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Haben Sie den Bernina Markierfuß #7 in Ihrem Nähkästchen? Wie benutzen Sie ihn?

Eigentlich ist er ja dazu da, Nahtlinien auf doppelt zugeschnittenen Stoffen zu markieren, so wie man das ganz früher von Hand mit Heftfaden gemacht hat. Als ich mit zwölf, dreizehn meine ersten Klamotten nähte, war das noch so. Man hat ja auch noch mit breiter Nahtzugabe zugeschnitten – 3 cm an der Seitennaht waren keine Seltenheit – damit man später ggfs. etwas zum Herauslassen hatte. Das war noch das Nachkriegsdenken: Kleidung sollte lange halten und trotz körperbetonter Linienführung auch kleinere Figurschwankungen überdauern. Heute puzzelt kaum Eine mehr so an ihren alten Sachen herum. Aber in einem Fall ist Zuschneiden auf “Überschuss” und damit Markieren auch heute noch sinnvoll: wenn man einen neuen Fertigschnitt ausprobiert, dessen Passform man noch nicht kennt.

Da ich genau das aber seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht habe, weil ich meine eigenen Basisschnitte nutze, lag auch der Markierfuß untätig an seinem Platz im Zubehörkästchen (er gehörte bei meiner Maschine zum Basiszubehör). Bis vor kurzem.

Vor ein paar Wochen schwappten eines Tages 50 holländische Bernina-Posts in meinen Feedreader. Warum also nicht mal schauen, was die kreativen Kolleginnen im Norden so machen, auch wenn ich nicht wirklich holländisch verstehe. Der “Doorslagvoet” war dort im Mai Zubehör des Monats und es gab gleich mehrere Beiträge dazu. Ein Blick darauf lohnt sich übrigens, besonders die Tasche von Gerda Groenevelt finde ich ausgesprochen originell. Jedenfalls haben mich die Holländerinnen inspiriert, selbst ein wenig mit dem Markierfuß #7 herumzuspielen.

Leider habe ich das Fransenbeispiel nicht vollständig verstanden und auch die Applikationsnaht wollte bei mir nicht so recht was werden. Vielleicht sollte ich ja doch holländisch lernen? Die Übersetzung per Google Translator ist nämlich vor allem eines: ungeheuer erheiternd ;-).

Also habe ich selbst ein paar Einstellungen ausprobiert, sowohl mit ganz normalem Nähgarn als auch mit Knopflochgarn, mit weißem Unterfaden und mit schwarzem. Letzteres ergibt unterschiedliche Effekte, da der Unterfaden (bei Oberfadenspannung > 0) immer ein wenig mit hochgezogen wird. Festgesteppt habe ich durchgehend mit schwarz.

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Angefangen habe ich mit normaler Nähseide, Stichbreite 2, Stichlänge knapp 1, Oberfadenspannung von 5 auf 3 reduziert. Es entstehen regelmäßige Schlingen, die sich locker auf dem Stoff kringeln. Aber so bleibt das natürlich nur, solange der Stoff unbewegt und unberührt da liegt. Die Schlingen sind schließlich nur lose in den Unterfaden eingehängt und durch nichts wirklich gehalten. Sobald man unvorsichtig an einer Schlinge zieht, ist es mit der Regelmäßigkeit vorbei.

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Aber das kann man natürlich auch zum Gestaltungsprinzip erheben. Also habe ich die Reihen mit den Fingernägeln bearbeitet und ein sehr dekoratives Fadenbild bekommen. Das natürlich auch erst stabil wird, indem man irgendwie drüber näht. Wenn man allerdings mit einem Füßchen über diese delikate Ordnung schiebt, ist hinterher von dem Muster nicht mehr viel übrig. Also habe ich wasserlösliches Vlies aufgelegt und ganz rigide Kästchen gesteppt. Das Vlies lässt sich wunderbar in lauwarmem Wasser auswaschen.

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Als Nächstes habe ich versucht, die Schlingen unverändert festzusteppen, einfach mit dem offenen Stickfuß #20. Das funktioniert auch einigermaßen, sieht aber vielleicht ein bisschen steif aus.

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Leider ist keine der Varianten mit dünnem Nähgarn nach dem Feststeppen wirklich stabil. Die Fäden sind sehr anfällig gegen Herausziehen, wodurch die Technik sich nicht zur Dekoration an beanspruchten Stellen und Gegenständen eignet.

Da in einigen Beispielen mit Baumwoll- oder Stickgarn gearbeitet wurde, habe ich es noch mit Knopflochgarn versucht (Stichbreite 2, Stichlänge knapp 1, Oberfadenspannung von 5 auf 2 reduziert). Diese Nähte sitzen etwas fester, wahrcheinlich weil die Nadel beim Feststeppen ins Garn und nicht nur daneben einsticht und es so besser festhält. Übrigens wird in einem holländischen Beitrag Oberfadenspannung 0 empfohlen. Das führt dazu, dass der Oberfaden ganz auf die Unterseite gezogen wird. Dadurch werden die Schlingen etwas besser gehalten, allerdings nicht sehr viel.

Nichtsdestoweniger: selbst wenn die Markierfuß-Stickereien empfindlich sind, lassen sich doch sehr attraktive Muster erzeugen, und sehr vielfältige dazu. Allein durch die Variation des Abstandes zwischen den Nahtreihen, der Art des Feststeppens, der Farbe des Unterfadens und der Fadenstärke entstehen schon sehr unterschiedliche Flächenbilder.

Nachfolgend die Varianten im einzelnen:

normales Nähgarn, Oberfaden herausgezogen und überVlies aufgesteppt, mit weißem Unterfaden:

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normales Nähgarn, Oberfaden herausgezogen und überVlies aufgesteppt, mit schwarzem Unterfaden:

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normales Nähgarn, Oberfaden in lockeren Reihen, “einfach” aufgesteppt, mit schwarzem Unterfaden:

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dasselbe in dichteren Reihen:

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und noch etwas dichter:

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Knopflochgarn, in lockeren Reihen, “einfach” aufgesteppt, mit schwarzem Unterfaden:

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dasselbe ziemlich dicht:

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Weiß auf Schwarz kann natürlich nur der Anfang sein. Mit farbigem Garn auf farbigem Stoff werden die transparenten Effekte erst richtig spannend. Vielleicht auch mal mit Metallicgarn, Zickzack- oder Zierstichen zum Feststeppen, abwechselnden Garnstärken, mehreren Nähte übereinander  … da geht eine Menge. Nur so richtig alltagstauglich ist es halt nicht, es sei denn an der Wand.  Ich werde meine Nähproben jedenfalls zu einem kleinen Wandquilt verarbeiten.

Wenn Sie auch Lust bekommen haben, mit dem Bernina Markierfuß #7 kreativ zu werden, dann zeigen Sie uns doch bitte Ihre Ergebnisse in der Galerie!

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Kommentare zu diesem Artikel

5 Responses

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  • Ursula Gottschall

    Hallo eigenhändig, danke für den Tipp! Du scheinst ja ne Menge durchprobiert zu haben.

    Ich habe den holländischen Artikel nochmal studiert: dort ist der Trick, ein Stückchen Stoff mit unterzusteppen, mit dem die Fadenreihe dann gleichmäßig herausgezogen werden kann. Dann wird der “eigentliche” Stoff zurückgeklappt und die Schlingenkante übernäht. Wie gut das hält, hängt aber wohl auch von der Kombination Garn und Stichlänge ab. Vielleicht könnte man diese Naht ja mit Klebefaden übernähen? Dann ginge es ohne Cordonnetspulenkapsel.

    Der Hohlsaum ist natürlich auch nicht schlecht …

    Ja, Tina, immer diese “sinnlosen” Spielereien … aber was wäre die Welt ohne sie? Nüchtern, vorhersagbar und grenzenlos langweilig ;-). Und tolle Technik, mit der wir uns kreativ austoben können, gäbe es auch nicht. Denn letztlich funktionieren auch Forschung und Ingenieurwesen nur mit einer gehörigen Portion Neugier und Spieltrieb …

    Viele Grüße
    Ursula

  • eigenhaendig

    Hallo,

    ich lese zwar schon eine ganze Weile hier mit, bin aber erst seit eben angemeldet. Deshalb bitte ich vorab um Nachsicht, falls ich noch jede Menge Anfängerfehler mache. Dankeschön.

    Nun zum Thema: Als ich vor ein paar Jahren für eine Ausstellung unserer Quiltgruppe ein Bild plante, brauchte ich unbedingt für den richtigen Effekt diese Art der Fransen.
    Es sollten so etwas wie Haare oder Federn im übertragenen Sinne dargestellt werden.

    Nachdem ich alle möglichen Varianten (sowohl die Fransenfüße der verschiedenen Firmen, als auch die unterschiedlichsten Befestigungen) ausprobiert habe, war meine Lösung die folgende:
    Ich habe gaaanz dicht mit dreifachem Stickgarn (Sulky Rayon) und dem Berninafuß (der macht nämlich die längsten Fransen) meine Schlaufen genäht. Da diese aber später für den richtigen Effekt aufgeschnitten werden sollten, stellte sich das Problem der Befestigung.
    habe ein wenig rumeperimentiert und habe dann mit dem Schmelzklebefaden von Prym als Unterfaden die Lösung gefunden.
    Da der Klebefaden sehr dick ist, brauche ich dafür die Cordonnet-Spulenkapsel.
    Nun werden mit ganz dichtem Stich – die Breite richtet sich nach dem Effekt, den man erzielen will – genäht.
    Nachdem am Ende alles vorsichtig vom Füßchen heruntergepult ist, wird das Ganze vorsichtig von der Rückseite her, unter Backpapier, gebügelt. Dabei schmilzt der Heißklebefaden und im Erkalten werden die Fäden mit verklebt. Dazu eignet sich übrigens das kleine Bügeleisen von Clover ganz hervorragend.
    Achtung: damit die Fransen dabei nicht zu platt werden, sollten diese beim Bügeln hohl liegen. Eventuell zwichen zwei Leisten etc.
    Ist etwas pfriemelig, aber geht.
    Nachdem mehrfach geprüft wurde, ob die Fäden auch wirklich festgeklebt sind, habe ich dann alle Schlaufen in der Mitte aufgeschnitten und hatte so genau das, was ich wollte.

    Ich freue mich, daß nun noch einige Leute dieses Füßchen und seine Möglichkeiten für sich entdecken. – Leider habe ich überhaupt keine Fotos von dem Bild, aber vielleicht trägt meine Idee ja trotzdem zum Experimentieren bei.

    Dankeschön fürs Lesen,
    Grüße, Sabine

  • Pia Welsch

    Also ich mache mit dem Fuß 7 Hohlsäume…….ich stelle mal was in die Stickgalerie.

  • Tina

    na super – noch ne neue Idee seine Zeit “sinnlos” zu “verplempern”. Nee, ganz im Ernst, das sieht spitzenmässig aus und ich werde es unbedingt ganz schnell ausprobieren (wollen). Wenn ich meinen alltäglichen Kram geschafft habe. Ich hatte mir diesen Fuss wirklich ursprünglich zum Durchschlagen von Nahtlinien angeschaft und dafür auch schon benutzt (doch doch!!). Inzwischen nähe ich unkomplizierter und freue mich dass der Fuss so zum neuen Einsatz kommt. Danke Ursula. LG aus dem Süden. Tina

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