Kreative Artikel zum Thema Nähen

Workshop – Bluse (4)

Susannes Schnitt

Liebe Leserinnen und Leser,

Anka sagte zu mir: „Wie gut, dass wir eine Flatrate haben, sonst könnten wir uns auf eine hohe Telefonkostenrechnung einstellen.“ 🙂

In der letzten Zeit telefonierten wir täglich mehrmals miteinander, weil ich nur sehr langsam lerne und vieles erst durch mehrmaliges Nachfragen richtig verstehe. Das Gesprächsthema war natürlich jedes Mal die Anpassung des Blusenschnitts.

Ich berichte Ihnen jetzt, was ich alles falsch gemacht habe, damit alle Anfänger unter Ihnen es vielleicht etwas leichter haben, wenn sie ihren Blusenschnitt anpassen.

Den Originalschnitt klebte ich mit Kreppband auf das Papier, damit beim Zeichnen nichts verrutschen konnte. Diese Methode war gut, es gab keine Unregelmäßigkeiten.

Auf dem folgenden Foto sehen Sie gleichzeitig 3 Fehler.

A – Taillenlinie

Im Originalschnitt ist sie an der Seitenlinie gekennzeichnet, an der vorderen Mitte jedoch nicht. Ich dachte, die Taillenlinie verläuft im rechten Winkel zur vorderen Mitte und zeichnete sie dementsprechend ein. Falsch.

Anka sagte zu mir: „Du bist doch kein Brett. Die Taillenlinie verläuft in einem sanften Bogen von der Markierung aus über die breiteste Stelle des Abnähers zur vorderen Mitte.“ Ja gut, das hatte ich verstanden. Aber sogleich kam meine nächste Frage: „Und an welcher Stelle der vorderen Mitte soll die Taillenlinie dann ankommen? Bei dem vorletzten Knopf? Oder vielleicht doch lieber etwas tiefer?“

„Die Taillenlinie endet bei 14 cm, von der Saumkante aus gemessen.“

„Aha … und woher weißt Du das? Könnten es nicht auch 13 cm oder 15 cm sein?“

„Nimm bitte das mittlere Rückenteil und miss an der rückwärtigen Mitte den Abstand von der eingezeichneten Taillenlinie bis zur Saumkante. Das sind 14 cm.“

Überprüfen Sie es bitte, liebe Leserinnen und Leser. Es stimmt.

Die Taillenlinie endet also an der vorderen Mitte im Abstand von 14 cm zur Saumkante.

B – Abnäher

Meine Bluse wird um 8 cm verlängert. Wie das genau gemacht wird, beschreibe ich etwas später. Meine Frage an Anka war: „Was macht der Abnäher in der Verlängerung? Ich habe die beiden Striche einfach senkrecht nach unten verlängert.“ Falsch.

Anka erklärte mir, dass man ein Handmaß an eine Seite des Abnähers hält und in dieser Schräge weiter verlängert. Auf der anderen Seite ebenso. Die beiden Linien bewegen sich also aufeinander zu. Meine verlaufen parallel.

C – Saumkante

Meine gezeichnete Saumkante verläuft im rechten Winkel zur vorderen Mitte. Falsch.

Jetzt können Sie die richtige Antwort schon selbst geben, nicht wahr? Ganz recht, weil die Taillenlinie in einem leichten Bogen verläuft und man von der Taillenlinie aus die Verlängerung abmisst, verläuft also auch die Saumkante in einem leichten Bogen und nicht rechtwinklig. (Foto dazu folgt weiter unten.)

Nachdem ich nun das Vorderteil gründlich vermasselt und Anka mir mit Engelsgeduld die Zusammenhänge erklärt hatte, wagte ich mich mit meinem neu erworbenen Wissen an das Rückenteil. Ich behalte die Passe. Die beiden Schnitteile des Blusenrückens schiebe ich jedoch zusammen und verzichte auf den Abnäher. Die Spitzen der Schnitte treffen dabei oben und unten zusammen.

An der Rückenmitte sind nun auch deutlich die 14 cm zu sehen, von denen ich vorhin sprach. Ich möchte meine Bluse, wie bereits erwähnt, um 8 cm verlängern. 14 cm + 8 cm = 22 cm.

Von der Taillenlinie aus messe ich nun 22 cm ab. Dadurch ergibt sich die neue Saumkante. An der Seite (Hüfte) legt man das Zentimetermaß im „Hüftschwung“ an und nicht senkrecht, so wie ich es zuerst gemacht hatte.

Um den „Hüftschwung“ beim Vorder- und Rückenteil gleichmäßig hinzubekommen, habe ich die Schnittteile aufeinander gelegt und nachgezeichnet.

So sehen meine beiden Schnittteile aus:

Vorderteil.

Rückenteil ohne Passe.

Ich bedanke mich bei Anka, die nicht müde wurde, mir jede Frage ausführlich zu beantworten. Wir haben zwischendurch oft laut gelacht, weil meine Gedankengänge teilweise ziemlich kompliziert und verworren waren.

Wenn Sie jetzt über Ihrem Schnitt brüten und nicht wissen, wie Sie dieses oder jenes machen sollen, scheuen Sie sich bitte nicht, Ihre Fragen zu stellen. Ich weiß genau wie das ist, wenn man wie der Ochs vorm Berge steht. 😉

Liebe Grüsse

Susanne

Hier geht es zu den anderen Artikeln der Serie “Workshop – Bluse”:

Teil 1 – Einführung

Teil 2 – Schnittanpassungen und Materialangaben

Teil 3 – Schnittveränderungen

Teil 5 – Schnitt auflegen, zuschneiden, Einlage aufbügeln

Teil 6 – Bestickte Passe

Teil 7 – Heften und Nähen

Teil 8 – Susannes Knopflöcher

Teil 9 – Kragen nähen

Teil 10 – Ärmel und Manschetten

Teil 11 – Gestickte Knopflöcher

Teil 12 – Knopflöcher, Knöpfe und Saum

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Kommentare zu diesem Artikel

14 Antworten

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  • Susanne Menne

    Hallo Stefanie,
    da ich meine Bluse verlängern und zudem unten gerade haben wollte, musste ich von der Taillenlinie aus messen. Aus diesem Grund war es für mich wichtig zu wissen, wo die Taillenlinie im Vorderteil liegt.
    Liebe Grüße
    Susanne

  • Stefanie

    Liebe Susanne,
    ich hinke ja durch meine Leistenbruch OP ein wenig hinterher. Nun frage ich mich, warum es für Dich wichtig war, die Taillenlinie auch im Vorderteil einzuzeichnen? Hat das einen besonderen Grund?
    Eine gute Nacht wünscht Stefanie

  • Valerie

    Hallo Anka,
    ..ich bilde mir ein, daß die Silhouette dadurch schlanker wirkt;-) ..ich weiß,diese Eitelkeit gemixt mit Perfektion ist machmal furchtbar!!
    Danke für dein Hinweis!
    Liebe Grüße (und zurück an die Nähmaschine)

  • anbruka

    Hallo Valerie,
    bitte entschuldige meine späte Antwort, aber mein Internet spinnt etwas.
    Nun zu deiner Frage, ein Hohlkreuz kannst du am besten mit den Rückenabnähern beheben. Wie du es bisher gemacht hast, war schon richtig. Aber warum willst du das noch betonen? Ich überspiele mein vorhandenes Hohlkreuz, indem ich die Bluse im Rücken locker fallen lasse. Dafür darf sie aber nicht an der Hüfte aufliegen. Hoffe, meine Antwort hilft dir etwas.
    Liebe Grüße, Anka.

  • Valerie

    Hallo Anke,

    danke für deine Antwort.
    Was mich noch beschäftigt ist die Anpassung für den Hohlkreuz.
    Im Allgemeinen nähe ich Blusen und Oberteile fertig und dann bastle ich so lange a Rückenteil-Abnähern, bis sie passen. Gibt da eine einfachere Möglichkeit? Muss ich auch die hintere Länge anpassen?

    LG,
    Valerie

  • anbruka

    Hallo Nicole,
    zuerst einmal – keiner muß sich schämen, wenn er Fragen stellt. Wir beantworten sie gerne.
    Nun zu deinen Fragen, solltest du doch noch etwas im Rücken abnähen wollen, weißt du, wo der Abnäher war und kannst es an dieser Stelle ändern. Für ein Bindeband am Ärmel schneide dir einen geraden Streifen in der von dir gewünschten Breite plus 2X Nahtzugabe zu. Die Länge berechne aus deinem Handgelenkumfang und die dazugehörige Bindelänge. Da deine Manschette fehlt, mußt du den Ärmel dementsprechend länger zuschneiden. Deinen Ärmel kräuselst du von Schlitz zu Schlitz ein, legst ihn dann so zwischen dein Bindeband, dass am Anfang und Ende gleich viel übersteht. Wenn du die Nahtzugabe am Streifen vorher umgebügelt hast und die schmalen Seiten zunähst, kannst du ihn dann in einem Rutsch annähen.
    Liebe Grüße, Anka

  • Nicole

    Öhms, ich habe noch mal eine Frage *schäm*.
    Ich habe jetzt mein Rückenteil verändert, dh. aus drei Teilen eines gemacht und auch brav die dabei entstehende Raute eingezeichnet. Wird die später zu einem Abnäher verarbeitet? Dann nehme ich mir die entstandene Weite ja wieder weg!?
    Dann ist mir noch aufgefallen, dass mir der Ärmel am Handgelenk viel zu weit ist. Auch die Manschette ist viel zu weit. Ich würde auch gerne anstatt Manschette ein “Bindebändchen” annähen, weil es einfach besser zum Stoff und meinem Kleidungsstil passt. Geht das? Und wenn ja, wie?

    Lieben Gruß
    Nicole

  • anbruka

    Hallo Valeria,
    bitte entschuldige, muß mich korrigieren.Die fertige Länge ist bei mir nicht 60cm sondern 64 cm.Somit ist bei dir dann eine Länge von 67 cm vorhanden.( bei Größe 40 )

  • anbruka

    Hallo Valeria,
    der original Ärmel hat mit Manschette eine fertige Länge von 60cm in Größe 40.Durch deine Manschette ist schon eine Mehrlänge von 3cm entstanden ( 63cm )Lege deinen Unterarm im rechten Winkel und messe von der Schulternaht über den Ellebogen bis zum Knöchel.Sind die 63cm ausreichend,dann bitte nichts oder höchstens 2cm zugeben.Denke daran,wenn du den Arm hängen laßt,wird der Ärmel sonst zu lang.Du kannst den Ärmel auch etwas blusiger gestalten in dem du nach unten hin an der Naht etwas Weite zu gibst.
    Liebe Grüße,Anka

  • Valeria Rogall-Herrmann

    Hallo Susanne, Hallo Anke,
    ich werde heute mit der Schnittanpassung beginnen.
    Für die Bluse habe ich Wildseide in wollweiß gewählt, dadurch wird sie edel wirken.
    Aus diesem Grund habe ich Form-manschetten ca. 10 cm breit gewählt.
    Wieviel Mehrweite und Mehrlänge sollte ich für die Ärmel dazu geben, damit diese ein wenig “buschiger” wirken?

    Liebe Grüße
    Valerie

  • anbruka

    Hallo Gertrud,
    das kannst du machen.Zusätzlich würde ich aber fehlende Tailleweite auch noch aus den Seitennähten holen.So kannst du,wenn der Rücken leichte Querfalten werfen sollte,immer noch einen schmaleren Abnäher einarbeiten.
    Liebe Grüße,Anka

  • Gertrud

    Hallo alle beide,
    Wenn ich mir Susannes Rückenteil betrachte wäre es dann wohl möglich dieses ohne den Abnäher zu nehmen?
    Dies käme meinen Vorstellungen entgegen, da die ziemlich starke Taillierung des Schnitts bei mir einfach nicht passt.
    Gruss gertrud

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