Kreative Artikel zum Thema Nähen

Gerade Nähte wie im Schlaf!

Mein Beitrag zu meinen persönlichen TOP-10-Füsschen hat gezeigt, wie unterschiedlich die individuellen Vorlieben sind. Wie gut, dass wir alle aus einem so reichhaltigen Zubehörkatalog wählen können! So bekommen Sie übrigens auch für viele ältere Modelle, die längst nicht mehr im Handel erhältlich sind, immer noch umfangreiches Zubehör bei Ihrem BERNINA-Händler.

Der Blindstichfuss #5 kommt mit vielen Maschinen als Standardzubehör ins Haus. Wie gewünscht zeige ich heute gerne kurz, was das Füsschen Nummer 5 so alles kann.

Wie der Name schon sagt, eignet er sich hervorragend, um Blindstiche an Säumen mit der Maschine zu nähen. Dies habe bereits detailliert in einem meiner früheren Beiträge beschrieben. Die darin enthaltene Grafik zeigt genau, wie der Stoff gefaltet und in die Maschine gelegt werden muss. Die Stiche durchstechen den Saum dabei nur so viel, dass sie auf der Vorderseite kaum sichtbar sind. Ein Blindstich mit der Maschine ist somit wirklich eine sehr feine Sache, vor allem, wenn man bedenkt, wie viel Zeit selbiger mit der Hand in Anspruch nimmt!

Der Blindstichfuss eignet sich aber auch hervorragend zum schmalkantigen Absteppen (Geradstich) von geraden Kanten an mittelschweren bis schweren Stoffen. Auch Bänder können mit dieser Technik hervorragend aufgenäht werden.

Hier ein kleines Blindstich-Projekt:

Zunächst nähe ich fünf Stoffreste (15 x 15 bzw. 15 x 10 cm groß) zusammen. Das mittlere Stück bildet später den Boden des Säckchens. Alle Nahtzugaben zusammen versäubern und zum späteren Taschenboden bügeln.

Nun steppe ich alle Nähte beidseitig schmalkantig ab. Hierfür den Blindstichfuss #5 einsetzen, Nadelposition nach Belieben verändern (4 bzw. 5 Punkte nach rechts). Die Führung vom Fuss verläuft exakt im Nahtschatten. Nun zurück zum Anfang der Naht, die Nadelposition 4 bzw. 5 Punkte nach Links und erneut absteppen. Wichtig ist, dass beim Blindstichfuss die Nadel beim Nähen keinesfalls in der Mitte steht. Durch die dort befindliche Führung würde die Nadel sofort abbrechen. Möchten Sie Nähte exakt in der Mitte absteppen, verwenden Sie hierfür bitte den Schmalkantfuss #10/10c.

Fertig sieht die Naht nun so aus. Wenn Sie auf das Bild klicken, erhalten Sie eine entsprechend vergrößerte Darstellung.

Nun lege ich transparentes Garn, z. B. Transfil von Amann Group Mettler, als Oberfaden ein. Die Nadelposition verändere ich zwei Punkte nach links und nähe wie abgebildet das Band an.  Für ein schönes Ergebnis nähen Sie bitte immer in die gleiche Richtung, d. h. zurück zum Anfang, dann Nadelposition zwei Punkte nach rechts und die andere Kante vom Band am Hintergrundstoff festnähen.

Das Stoffstück an der kurzen Seite mittig falten und rechts auf rechts nähen. Am schnellsten und saubersten geht das natürlich mit der Overlocker.

Nun werden die Ecken abgenäht, damit das Säckchen später einen Boden bekommt. Hierfür Seiten- und Bodennähte exakt aufeinander legen und die Nahtkante an der gewünschten Stelle markieren.

Dann die Ecke abnähen und mit der zweiten Seite ebenso verfahren.

An der Oberkante bügle ich doppelt 1 cm Saum nach innen. Auch diesen steppe ich mit dem Blindstichfuss #5 ab. Verändern Sie hierfür die Nadelposition 4 bis 5 Punkte nach rechts.

Nun schneide ist ein Stück vorgefertigtes Schrägband zurecht, das etwa 2 cm länger ist als der Umfang meines Säckchen. Am Anfang bügle ich 1 cm Nahtzugabe nach innen. Dann lege ich das Band auf das Säckchen und steppe es zunächst an der Unterseite schmalkantig fest (Nadelposition ca. 2 bis 3 Punkte nach rechts).

Natürlich könnte ich die andere Seite ebenfalls in der beschriebenen Art und Weise festnähen, ich setzte aber den Schmalkantfuss # 10c in die Maschine, verwende schokoladenbraunes Maschinenstickgarn von Amann Group Mettler und nähe das Schrägband mit dem Zierstich No. 376 meiner B 580 fest.

Nun mit einer Sicherheitsnadel eine Kordel in das Säckchen ziehen und selbiges nach Belieben befüllen! Getrocknete Lavendelblüten, feinste Pralinen, ein Pixi-Buch mit Gummibärchen… da findet sich sicher was!

Übrigens, noch eine Info zum Blindstichfuss #5: Bei zu dünnen Stoffen verhindert die Führung in der Mitte den optimalen Stofftransport. In diesem Fall sollten Sie auf den Schmalkantfuss #10 bzw. 10c zurückgreifen. Auch Zick-Zack- und Dekornähte können ausschließlich mit dem Fuss #10/10c schmalkantig genäht werden.

Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht

Ihre

Claudia Geiser

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Kommentare zu diesem Artikel

6 Responses

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • cgeiser

    Liebe Adele,

    die vermeintliche “Öse” ist einfach Teil der Feder und erfüllt keine zusätzliche Funktion.

    Liebe Grüße und viel Spaß mit dem Füßchen!
    Claudia

  • Adele14

    Hallo Claudia
    Vor einiger Zeit hatte ich mir das Füsschen 10c zugelegt.Es hat mir schon viele gute Dienste geleistet. Aber wofür ist die kleine Öse am hinteren Teil gedacht? Ich besitze die artista 180.

    Viele Grüße
    Adele

  • gheinz

    halli hallo,
    ich amüsiere mich hierbei still vor mich hin – alles déjà vu. ich musste meine fähigkeiten an einem ähnlich attraktiven vichy-karo-projekt erlernen, ich erinnere mich dunkel an eine schürze, die anschliessend noch mit kreuzstichbordüren bestickt werden musste. der spass kam erst, als der unterricht nach der quarta (7. klasse) beendet war und ich freiwillig meinen ersten nähkurs an der vhs besuchte. bleibt zu hoffen, dass meine ehemaligen schüler sich nicht ebenfalls voller grauen erinnern 🙂
    beste grüsse
    gudrun

  • Gabriela Arnold

    Hallo ihr beiden
    Das Grauen kann noch gesteigert werden. In unserem Schulhaus sind alle Mädchen mit gelb-orange-karierten Miniröcken nach dem gleichen Schnitt ausgestatt worden. Gottseidank wollten viele keine Röcke tragen, denn Hosen waren schon damals viel bequemer. Somit hielt sich das wirkliche Grauen in Grenzen. Gut; Nähen haben wir dabei gelernt, wenns auch öde war. Also mit wär ein Deckchen, das man unter eine Blumenvase hätte legen können oder als Topflappen zu gebrauchen, eigenlich viel lieber gewesen.
    Unser Röcke sind noch vor Schuljahrende im Altkleidersack gelandet.
    Liebe Grüsse Gabriela

  • cgeiser

    Liebe Ursula,

    auch ich denke noch mit Freude – manchmal auch mit Grauen 😉 – an meine Handarbeitsprojekte aus der Schulzeit. Orange wurde gerne genommen, auch bei mir. Aber nun liegt man mit dieser Farbe ja auch schon wieder voll im Trend! Es kommt eben alles wieder! Was ist aus dem Deckchen geworden?

    Liebe Grüße
    Claudia

  • Ursula Gottschall

    Hallo Claudia,
    “gerade Nähte wie im Schlaf” – das erinnert mich an unser erstes Maschinennähprojekt in der Schule: ein Deckchen für den Brotkorb aus Vichy-Karo. Das Karo bekam eine Abseite aus unifarbenem Stoff und dann hieß es immer am Karo lang nähen, hin und zurück, rauf und runter. Wir hatten zwar daheim kein Brotkörbchen und auch sonst nichts, das man mit einem rot-weißen Karodeckchen hätte schmücken können, aber die Idee, an einem Muster entlang gerade nähen zu lernen, finde ich auch heute noch sinnvoll.
    Wenn ich dagegen an die grellorange Flauschmonster denke, an denen ich damals Socken stricken gelernt habe … und das Garn hatte ich mir sogar selbst ausgesucht 😉 …
    Viele Grüße
    Ursula

Liebe Leserin, lieber Leser des BERNINA Blogs,

um Bilder über die Kommentarfunktion zu veröffentlichen, melde Dich im Blog bitte an.Hier geht es zur Anmeldung.

Du hast dich noch nicht für den BERNINA Blog registriert?Hier geht es zur Registrierung.

Herzlichen Dank, Dein BERNINA Blog-Team