Kreative Artikel zum Thema Nähen

Teil 1: Drucktechniken/Thermofaxsiebdruck

Der erste Schwerpunkt meiner Berichte hier im Blog behandelt das Thema Drucken und Drucktechniken.

Heute möchte ich Euch einen Bereich der Textilen Oberflächengestaltung näher bringen, der nicht unbedingt nur für   den ArtQuilt- und die künstlerische Stoffgestaltung geeignet ist, sondern sich sehr gut in sämtliche andere     Stoffverarbeitungen integrieren lässt.

Thermofaxsiebdruck

Im Gegensatz zu dem etwas schwerfälligen Siebdruck und dem nicht ganz einfachen Belichten von Siebgewebe an den unhandlichen Holzrahmen bietet das Thermofaxsiebdruckverfahren eine Leichtigkeit und ein spontanes Arbeiten, wie es seinesgleichen in diesen Druckbereichen sucht.

Doch bevor ich nun zu weit aushole und hier noch eine lange Erklärung zum ursprünglichen Siebdruck abgebe, möchte ich nur einen kleinen Vergleich anbringen: wer bereits einmal einen normalen Siebdruckholzrahmen in Gebrauch hatte, weiß, dass das Siebgewebe, das auf den Holzrahmen gezogen ist, komplett farbdurchlässig ist. Somit muss es entweder mit erheblich technischem Aufwand beschichtet werden, oder mittels Klebestreifen oder mit in Muster geschnittenen Papieren abgeklebt werden, damit ein Teil des Siebes farbundurchlässig und ein gezielter Motivdruck möglich wird.

Das Thermofaxverfahren macht es einfacher.

Ausgangsbasis für ein Thermofaxsieb ist ein schwarz-weis Foto /Zeichnung/Schriftstück oder anderes, welches als Laserkopie, beziehungsweise Laserausdruck  vorliegt. (Über die Erstellung solcher Vorlagen gibt es einen zweiten Teil  zum Thermofaxsiebdruck).

Das Siebgewebe (Mesh) ist ein spezielles temperatursensibles und auf der Rückseite komplett kunststoffbeschichtetes und somit farbundurchlässiges Gewebe. Es gibt hierfür nur einen einzigen Hersteller in Japan, daher ist das Material auch entsprechend teuer. Das auf A4, A5 oder A6 (je nach Rahmen- und Motivgröße) zugeschnittene Siebgewebe wird mit der glatten kunststoffbeschichteten Unterseite auf das ausgedruckte Motiv gelegt; zwischen zwei hitzebeständige Plastikfolien gefasst (Carrier) und anschließend durch ein sogenanntes Thermofaxbelichtungsgerät geführt. Mittels Wärmezufuhr wird nun das beschichtete Gewebe an allen Stellen, an denen es Kontakt zur schwarzen Laserkopie /Schriftstück/Zeichnung bekommt,  geöffnet und wird somit farbdurchlässig. In der Handhabung benötigt das Anfertigen dieser Siebe einige Übung, denn die Durchlaufgeschwindigkeit und entsprechende Belichtungsdauer ist abhängig von der Filigranität, bzw. Plakativität des vorgegebenen Motivs. Wenn beides in einem Bild vorhanden ist, wird es komplizierter.

Anschließend wird das fertige Siebgewebe auf einen Kunststoff- oder Acrylrahmen geklebt und gespannt und nochmals mittels wasserfestem Klebeband gesichert. Nun ist das Sieb schon druckbereit.

Jetzt benötigt man noch die geeignete Farbe (hierzu wird ebenfalls ein Fortsetzungsbericht folgen) und einen Rakel und schon kann man den ersten Druck erstellen.

Ganz wichtig ist das Auswaschen des Siebes nach dem Drucken. Selbstverständlich sind etliche nacheinander gesetzte Drucke auf dem Stoff möglich, bevor das Sieb ausgewaschen wird, aber es sollte danach nicht auf die Seite gelegt und vergessen werden, da die Farbe (falls auf Acrylbasis) extrem schnell die feinen Öffnungen des Siebgewebes beim Trocknen versiegelt und das Sieb somit unbrauchbar macht. Ein Auswaschen ist außerdem beim Farbwechsel erforderlich.

Das Sieb wird ausschließlich unter fließend kaltem Wasser ausgewaschen. Ein weicher Schwamm kann auch zu Hilfe genommen werden. Ich lege das gesäuberte Sieb danach auf ein altes Handtuch und tupfe es sehr vorsichtig ab. Besonders wichtig ist, dass man das „versteckte“ Wasser aus den Ecken unter dem wasserdichten Klebeband herausdrückt, da es sonst bei der direkten Weiterverwendung Wasserflecken auf dem bearbeiteten Stoff geben könnte. Ich empfehle die Siebe für einige Stunden in einen einfachen Geschirrabtropfständer zu stellen, damit die letzte Feuchtigkeit herausfließen kann.

Die Siebe sollten grundsätzlich aufrecht gestellt gelagert werden und nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sein.

Es gibt viele Tricks und Kniffe zum Drucken und zum Entfärben von Stoffen; hierzu möchte ich an dieser Stelle schon für einen der Kreativtage im CreativCenter bei BERNINA im Herbst aufmerksam machen und auch für meinen ersten Kursblock  im Dezember.

In Kürze wird es den zweiten Teil zum Themenblock Thermofaxsiebdruck geben, da die Bild- und Motiverstellung sehr umfangreich ist. Desweiteren gibt es noch Tipps und Adressen zu Farben, sowie zum Thermofaxservice.

Ich hoffe, ich habe Eure Neugierde geweckt, denn wie Ihr nun seht, können mit diesem schnellen und unmittelbaren Druckverfahren Stoffe in vielen Bereichen des Nähens verziert werden…denkt nur mal an eine ganz zarte Gräserbordüre am Saum eines Kleides…

Viele Grüße,

Jutta

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Kommentare zu diesem Artikel

13 Responses

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  • Angelika Waltersbacher

    Hallo Frau Hellbach,

    lieben Dank für die Info.
    Wissen Sie denn, wie ich an das, von Ihnen beschriebene Siebgewebe (Mesh) komme? Ich möchte die von Ihnen beschriebene Drucktechnik gerne ausprobieren und eine Vorlage selbst erstellen.

    Lieben Gruß
    Angelika

    • Jutta Hellbach

      Hallo Frau Waltersbacher,

      haben Sie denn ein Thermobelichtungsgerät zur Verfügung? Ohne dieses Gerät können Sie das Siebgewebe leider nicht belichten.

      Gerne können Sie mich aber direkt unter info@nadelundfarben.de kontaktieren.

      Viele Grüße,

      Jutta Hellbach

  • Angelika Waltersbacher

    könnt ihr mir bitte den link zu dem japanischen Lieferanten für das Siebgewebe senden?

    Danke

    • Jutta Hellbach

      Hallo Frau Waltersbacher,

      ich verfüge leider über keinen Link oder eine Bezugsquelle in Japan.

      Viele Grüße,

      Jutta Hellbach

  • Susanne Wagner

    Hallo Jutta,

    super Idee, wo bekommt man denn die Sachen dazu her? Würd es auch gerne ausprobieren, vielleicht kannst du einen Link schicken.

    Danke Susi

  • Bergmann

    Wo kann man diese Thermofaxgeräte kaufen und gibt es sie evt. auch gebraucht zu kaufen?

  • Andrea Müller

    Hallo Jutta,

    das finde ich ja mal richtig ccol. Siebdruck habe ich ja schon in meiner Ausbildung gemacht, aber mein Mann hat ein eindeutiges Veto gegen eine Siebdruckanlage in der Küche hervorgebracht! 🙂 Wo bekomme ich Thermofaxsiebe und solch ein Gerät? Davon könnte ich ihn überzeugen. Zu Deinem Kurs – hier ist Deine erste Teilnehmerin.

    Grüßle Andrea

  • gudrun heinz

    ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht nach diesem tollen ausführlichen ersten teil. macht richtig neugierig!

  • Ursula Gottschall

    Das klingt sehr interessant!

    Ich mache ja seit 20 Jahren Seidenmalerei und habe schon allerlei ausprobiert, u.a. neben Reservierung mit Trennmittel oder freiem Malen auf Tapetenleim auch Drucken mit Schaumgummischablonen oder selbstgemachten Rollen. Siebdruck erschien mir immer zu aufwändig. Aber wenn die Technik ein wenig leichter zugänglich wäre … man kann halt viel detailliertere Motive erarbeiten.

    Viele Grüße
    Ursula

    • Jutta Hellbach

      Hallo Urusla,

      ja, die vielfältigen und individuellen Motive, die man erstellen kann, machen ebenfalls den Reiz aus. Mir geht es oft so, dass ich eine Idee habe und sie auch schnellstens umsetzen möchte. Also zeichne ich entsprechende Motive, oder suche aus der grossen Auswahl der Fotos auf der Festplatte passendes heraus, bearbeite es druckgerecht um und erstelle mir das Sieb. 5 Minuten später ist der erste Druck auf dem Stoff. Aus diesem Grund habe ich mir auch ein Thermofaxbelichtungsgerät angeschafft. Ich möchte unabhängig, spontan und schnell arbeiten können. Und für meine vielen Kurse ist es voller Nutzen, da manche Teilnehmerin sich vorab bereits über Motive Gedanken gemacht hat und ich entsprechend fertiges Material auch mitbringen kann.

      Donnerstag folgt der Bericht wie Siebvorlagen aussehen müssen, dann wird es nochmals deutlicher.

      Liebe Grüße,
      Jutta

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