Kreative Artikel zum Thema Quilten

„wer sind wir? wir sind wer!“

 

TAFch stellt aus – „wer sind wir? wir sind wer!“

Ausstellung in Zug (CH) vom 29. Juni – 1. Juli 2012

 

Ende 2010 taten sich vier Schweizer Textilkünstlerinnen zusammen und gründeten eine Gruppe unter dem Namen TAFch (Textile Art Forum Schweiz). Die Mitglieder möchten die bis heute noch weithin unbekannte Textilkunst in der Schweiz der Allgemeinheit näherbringen. Nun ist die erste Ausstellung unter dem Motto „wer sind wir? wir sind wer!“ geplant. Dazu wurde die Stadt Zug wegen ihrer zentralen Lage gewählt. Die inzwischen auf sechs Mitglieder angewachsene Gruppe zeigt einen Querschnitt ihrer Werke. Jedes Mitglied der Gruppe hat seinen eigenen Weg beschritten, die Arbeiten sind individuell und geben die persönliche Auffassung des Einzelnen wieder. Somit verspricht die Ausstellung ein spannendes Ereignis zu werden. Alle sechs Künstlerinnen sind seit Jahren an nationalen und internationalen jurierten Ausstellungen vertreten und viele ihrer Werke sind preisgekrönt.

Jutta Briehn (D): Die Farben Indiens, 125 x 75 cm, Leinen, gefärbt nach eigener Methode, Baumwolle, Shisha-Spiegel, hand- und maschinengequiltet

 

Jutta Briehn beschäftigt sich seit 1982 mit textiler Gestaltung. Während ihrer letzten Berufsjahre arbeitete sie in einem international bekannten Textilverlag und erhielt Einblicke in die Kreationsabteilung, die ihre textile Wahrnehmung veränderten. So rückten in den letzten Jahren die Schritte zur Herstellung nur „schöner“ Quilts zunehmend in den Hintergrund. Die Umsetzung zeitkritischer und politischer Themen nahm zu, aber auch ihre Vorliebe für Mythen und Märchen, Naturthemen und die Verarbeitung von Reiseeindrücken sind weiter in ihren Arbeiten zu finden. Die neuen Arbeiten zeigen eine Oberfläche, die durch eine bestimmte Färbetechnik die Anmutung eines Gemäldes hat, aber das textile Medium dank ausgeprägtem Quiltens nicht verleugnet.

Marianne Häni (CH): Bambus, Ausschnitt, 80 x 130 cm, 3 Paneele, Baumwolle, Seide, Siebdruck

 

 

Marianne Häni beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Textilkunst. Als diplomierte Übersetzerin hat sie sich die Kunst des Quiltens vor allem autodidaktisch und in Kursen bei renommierten QuiltkünstlerInnen angeeignet. Ihre Werke sind bewusst durch klare Linien und Formen definiert, um den satten Farben Raum zu geben und diese leuchten zu lassen. Sie lässt sich oft durch die Natur, durch Musikrhythmen oder Reiseeindrücke inspirieren. In den letzten Jahren haben vor allem ihre Reisen durch Japan Spuren in ihren Werken hinterlassen. Sie ist fasziniert von der Ästhetik, die dort auch im Alltäglichen zum Ausdruck kommt. Marianne Häni lebt in der Nähe von Lenzburg, Schweiz.

Gabi Mett (D): Die Decke des Märchenerzählers, 132 x 147 cm, Seide, Baumwolle, unterschiedliche Garne, hand- und maschinengenäht und -gequiltet

 

 

Gabi Mett aus Essen, Deutschland, hat nach einem Kunst- und Textilgestaltungsstudium die verschiedensten Möglichkeiten textiler Ausdrucksweisen untersucht und ihre bildnerischen Ideen in flexibles Material, gepaart mit traditionellen textilen Techniken, umgesetzt. In den letzten Jahren ist sie immer mehr dazu übergegangen, Gedanken in Form von Tagebüchern, Texte, Worte, Zeichen, Fundstücke, gebrauchte Stoffe, alte Papiere und Materialien zu sammeln und zu Materialcollagen zusammenzustellen. Dabei umkreist sie im weitesten Sinne „ZEIT“. Das eigene Tagebuch, auf Stoff geschrieben, wird zu Wand- und Raumobjekten verarbeitet, in denen die Schrift als grafisches Element und Zeichen einen neue Bedeutung gewinnt, ebenso wie die Ausdruckskraft der Nähte, die durch rotes Nähgarn hervor gehoben werden. In allen Arbeiten gilt ihr besonderes Interesse der textilen Linie und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten. Um diese noch differenzierter einsetzen zu können, geht sie immer wieder zu den Ursprüngen zurück, kombiniert gezeichnete mit gestickten Linien und behält sich vor, sich mit einer sehr reduzierten Farbpalette begrenzt auf Weiß, Rot und Schwarz neue Wege zu erschliessen.

Judith Mundwiler (CH): Spinnwebfäden, 76 x 145 cm, Organza, Chiffon, Seide, Abfall aus Gummiproduktion

 

Judith Mundwiler hat eine breite Ausbildung im textilen Bereich. In ihrer Arbeit verbindet sie gebrauchte Materialien, wie Teebeutel, Alufolien, alte Buchseiten, rostige Drähte, Kaffeekapseln und Naturmaterialien wie Gräser, Blüten und Samen mit Koreanischer Seide und anderen transparenten Stoffen. Ihre Ausdrucksweise sucht sie einerseits in kleinformatigen, detaillierten und rasterähnlichen Objekten. Für starke, bewegende Themen bevorzugt sie grosse Formate. Dazu wählt sie meist transparente Stoffe, die sie beschriftet, laminiert, bedruckt, schmilzt und ausfranst, bevor sie diese mit Maschinen- oder Handstickerei zu vielschichtigen, durchscheinenden Bahnen verbindet.

 

Cécile Trentini (CH): Alltag, 124 x 193 cm, Feglappen, Farb-Stop-Tücher, Molton; Handappliziert, maschinengequiltet

Cécile Trentini hat als Malerin und Objektkünstlerin angefangen, entdeckte dann aber durch einen glücklichen Zufall, dass ihr das textile Medium viel mehr zusagt und tauschte Pinsel, Leinwand und Farbtuben mit Nähmaschine, Stoff und Faden. Obwohl sie nie einen traditionellen Quilt gefertigt hat, war sie begeistert von den graphischen und geometrischen Elemente, wie man sie im traditionellen Patchwork findet und liebte die verschiedenen Strukturen und Texturen der diversen Stoffe, die sinnliche taktile Erfahrung. Sie ist fasziniert von der konstruktiven und konkreten Kunst, aber auch vom mehr spielerischen Surrealismus. Ihre Werke spiegeln diese zweifache Faszination: das Logisch-analytische und der intuitivere, emotionale Zugang. Praktisch alle ihre Werke sind abstrakt. Neugierde und Schaffensdrang prägen ihre Arbeit. Systematisches Denken und eine endlose Phantasie führen zu immer neuen Variationen und der überraschenden Vielfalt an Themen und Stilen, die das herausragende Merkmal ihres Gesamtwerkes sind. Cécile Trentini lebt und arbeitet in Zürich.

 

 

Grietje van der Veen (CH): Juni, 83 x 77 cm, handgefärbte Baumwolle, gefärbtes Vliesofix, Garne, Nylon Chiffon, Tyvek; handbestickt, maschinengequiltet

Grietje van der Veen ist mit Textil aufgewachsen, kommt sie doch aus einer Familie, deren Mitglieder hauptsächlich in der Textilindustrie arbeiteten. Ihre Liebe gilt der Natur, welche eine wichtige Inspirationsquelle für sie darstellt. Die universellen organischen Formen setzen sie immer wieder in Erstaunen. Sie setzt diese auf ihre eigene ganz spezielle Weise in ihren Werken um. Schichten, Knoten und Besticken von Stoffen sowie textilähnliche Materialien und Pflanzenteile werden verwendet, um Farbe, Form und Makrostrukturen darzustellen. Das Zentrum ihrer künstlerischen Welt befindet sich in Oberwil, Baselland, Schweiz.

 

Täglich gibt es mehrere Führungen durch die Ausstellung. Dazu stehen mindesten drei der Künstlerinnen zur Verfügung.

Eine musikalische Darbietung an der Vernissage ab 19 Uhr ist ein  weiterer Höhepunkt.

Ausstellungsort:  Altstadthalle, Untere Altstadt 14, 6300 Zug (Schweiz)

Ausstellung: 29. Juni – 1. Juli 2012

Vernissage:  Do, 28. Juni, ab 18.30 Uhr

Öffnungszeiten: Fr – Sa: 11 – 19, So: 10 – 17 Uhr

Weitere Infos: www.tafch.ch

Fotos und Infos freundlicherweise von den Künstlerinnen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Responses

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  • Grietje van der Veen

    Liebe Hannelore,
    unsere Gruppe besteht in dieser Formation erst seit Kurzem, Unser gemeinsames Ziel ist, textiles Schaffen einem breiten Publikum näher zu bringen, also vor allem Leute zu erreichen, denen die Textilkunst unbekannt ist.. Unser erstes gemeinsames Projekt ist diese Ausstellung. Die hat schon soviel von unserer Zeit beansprucht, dass wir weitere Projekte auf die Zeit nach der Ausstellung verschoben haben, Ob die Gruppe einen Einfluss auf die individuellen Künstlerinnen haben wird, wird sich dann herausstellen. Wir sind alle aber schon so weit in unserer künstlerischen Entwicklung, dass wir uns in unserer Arbeit kaum beeinflussen lassen. Deswegen versprechen weitere gemeinsame Projekte sehr spanned zu werden.
    Grietje

  • Lorchen

    Was mich besonders interessiert ist, wie sechs so verschiedene Künstlerinnen als Gruppe ‘funktionieren’. Was machen sie gemeinsam? Was für einen Einfluss hat die Gruppe auf die Arbeiten der individuellen Künstlerinnen?

    Lorchen

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