Kreative Artikel zum Thema Sticken

Das Kreuzstichprogramm – Teil 9 vom Foto zum Stickmuster

Kommen wir zum letzten Thema meines kleinen Workshops: Vom Foto zum Kreuzstichmuster. Ein Thema, das nicht ganz einfach zu bearbeiten, das Ergebnis jedoch absolut phantastisch ist…

Dieser Workshop wird aus mehreren Teilen bestehen und ich werde Euch die Vorgehensweise im Programm beschreiben. Da es jedoch ein wenig malerische Fähigkeiten braucht und einige Probestickereien, um zu diesem Ergebnis zu kommen, werde ich Euch in den nächsten Berichten die fertige Stickerei als Freebie zur Verfügung stellen.

Bevor wir mit der Umsetzung unseres Fotos in ein Kreuzstichmotiv beginnen, machen wir einen kleinen Ausflug in die Welt der Bildreproduktion. Fast jeder hat eine digitale Kamera oder einen Scanner. Dabei sind jedem sicherlich schon die Begriffe: Bildauflösung, Pixel oder DPI begegnet.

Um ein Bild zu reproduzieren, z.B. für einen Vierfarbdruck, brauche ich eine Punktdichte als Maß für die Detailgenauigkeit meines gerasterten Bildes. Das klingt hochkompliziert ist es allerdings nicht.

Diese Auflösung des Bildes wird in dpi angeben. dpi = dots per inch, also Punkte pro Zoll

Das sind die Berühmten dpi, die ich beim Scannen einstelle. Als Richtwert gilt: Je höher die dpi-Zahl, desto feiner, detaillierter mein gedrucktes Bild!

Für den Druck brauche ich bei einem 1:1 Bild eine Auflösung von 300 dpi. Für die Darstellung im Internet reicht mir eine Auflösung von 72 dpi.

Das gleiche Thema habe ich bei der Darstellung eines Bildes auf meinem Computerbildschirm oder auf meiner Fotokamera. Wir sprechen hier nur nicht von dpi, sondern von ppi. ppi = Pixel per inch, also Pixel pro Zoll. Je mehr Pixel auf einem Zoll, desto detaillierter und feiner mein Bild!

Man sieht hier die quadratische Darstellung in der starken Vergrößerung. Und genau das machen wir uns zu nutze. Nur umgekehrt, denn eine Stickmustervorlage für Kreuzstich ist nichts anderes als ein stark aufgerastertes, farbreduziertes Bild.

Wir müssen also die Zahl der Pixel auf einen inch und den Farbumfang des Bildes drastisch reduzieren und erhalten so eine stickfähige Vorlage. Genial nicht?

Gehen wir ans Werk. Ich öffne meine BERNINA Sticksoftware V6 und wechsele  von der Stickarbeitsfläche in die Bildarbeitsfläche. Über „Bild laden“ importiere ich mir mein Foto und platziere es auf meine Arbeitsfläche…

In meiner Menüleiste gehe ich zu dem Reiter „Bitmaps“ und wähle den Punkt „Bitmap bearbeiten“ aus. Es öffnet sich das Bildbearbeitungsprogramm „Corel PHOTOPAINT Essentials 4“…

Als Erstes beschneide ich mein Motiv ganz knapp. Dazu wähle ich in der Werkzeugleiste links das Werkzeug „Beschneiden“ aus…

Mit dem Beschneidungswerkzeug ziehe ich einen rechteckigen Rahmen auf. Diesen kann ich an allen Seiten vergrößern oder verkleinern. Ich ziehe ihn so auf, das ich mein Motiv knappkantig ausschneide, der Schatten jedoch erhalten bleibt. (Der innere Bereich des Motives ist farbig, der äußere Bereich, der weggeschnitten wird, erscheint grau)…

Ist der Rahmen ok, reduziere ich in der oberen Leiste unter „Beschneiden: Auflösung“ noch die Auflösung des Bildes auf 72 dpi und gehe ich mit einem Doppelklick auf den inneren Bereich. Mein Motiv ist beschnitten…

Jetzt muss ich noch mein Bild von Zentimeter auf Pixel umrechnen und die Pixelzahl reduzieren. Dazu wähle ich im Menü den Reiter „Bild“ und den Unterpunkt „Bild neu aufbauen“ aus…

Es öffnet sich ein neues Fenster. Ich stelle zunächst die Angabe von Millimeter auf Pixel um…

Dann verringere ich meine Pixelzahl in der Breite auf 65, in der Höhe auf 60 und gehe auf ok. Meine Pixelzahl ist dabei ausschlaggebend für die spätere Größe meines Stickbildes. 1 Pixel ist nachher 1 Kreuzstich… (siehe Teil 2 und 3 Grundlagen)

Mein Bild erscheint jetzt stark verkleinert. Ich muss meine Arbeitsfläche mit der Lupe jetzt vergrößern

Ich erhalte nun ein stark gerastertes Bild, dass ich noch in der Farbgebung bearbeite. Dazu wähle ich im Menü „Anpassen“ den Unterpunkt „Bildanpassungseditor“ aus.

Es öffnet sich ein Fenster mit einem Vorschaubild

Auf der rechten Seite haben wir verschiedene Regler.  Wir bearbeiten zunächst den Regler „Kontraste“. Indem wir den Regler nach rechts verschieben, wird das Bild kontrastreicher. Das sehen wir gleich in der Vorschau!

Dann verschieben wir den Regler „Mittelwerte“ nach links und machen die Mittelwerte etwas dunkler. Auch das sehen wir gleich in der Vorschau.

Dann verschieben sehr stark den Regler „Schatten“ und ein wenig den Regler „Glanzlichter“ nach links…

Die Bearbeitung ist abhängig vom Bild. Man muss mit den Reglern ein wenig spielen. Die Wirkung kann man immer gleich im Vorschaufenster betrachten. Wenn ich zufrieden bin, gehe ich auf ok und kehre zur Arbeitsfläche zurück…

Jetzt habe ich ein stark aufgerastertes Bild, allerdings hätte ich noch sehr viele Farbwechsel. Ich muss nun anfangen mein Bild im Farbumfang zu reduzieren. Im Photoshop hätte ich die Möglichkeit über Tontrennung die Farbanzahl einfach zu reduzieren. Im „Corel PHOTOPAINT Essentials 4“ kann ich das nicht so komfortabel tun. Hier muss ich leider einen Umweg gehen.

Zunächst wähle ich in meiner Werkzeugleiste das “Hilfsmittel Pipette” aus…

Mit der Pipette wähle ich einen Farbton im Bild aus, z.B. das Dunkelgrün im Blatt…

Diese Farbe erscheint in einem der beiden Farbfelder unterhalb der Pipette…

Das obere Farbfeld ist dabei die Vordergrundfarbe, das weiße Feld die Hintergrundfarbe. Mit dem Winkel (links oben) kann ich die Vorder- und Hintergrundfarbe miteinander tauschen…

Das weiße Farbfeld liegt nun oben. Danach wähle ich das “Hilfsmittel Radierer” aus…

Ich kann nun anfangen mein Bild mit dem “Radierer” Pixel für Pixel zu bearbeiten. Der Radierer überträgt dabei die Hintergrundfarbe auf das zu bearbeitende Pixel. Das Ziel ist, weiter die Farbe zu reduzieren. Für die Blätter möchte ich mit 5 Farben sticken. Ich muss also nun die Blätter auf 5 Farben reduzieren. Ich male also Pixel für Pixel mit einem Dunkelolivgrün, Dunkelgrün, Mittelgrün, Grün und Hellgrün die Blätter mit dem Radierer nach. Dabei ist meine Hintergrundfarbe, die Farbe, die die andere Farbe ersetzt…

Das mache ich Schritt für Schritt mit den anderen Farben auch, bis mein Ergebnis ungefähr so aussieht….

Mein Motiv ist nun soweit fertig, dass ich es im Kreuzstichprogramm weiter bearbeiten kann. Das nächste Mal geht es weiter im Kreuzstichprogramm der BERNINA Sticksoftware V6…

Bis bald Andrea

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Kommentare zu diesem Artikel

5 Responses

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  • Andrea Müller

    Liebe Brigitte,

    ich kann Dein Problem noch nicht genau analysieren, aber schau doch mal bei Kreuzstich Teil 5, Antwort Maria, ob sich Dein Problem damit schon lösen lässt. Ich vermute Du hast das gleiche Problem. Sollte das nicht der Fall sein, dann melde Dich bitte bei mir.

    Liebe Grüße Andrea

  • Brigitte Wolf

    Hallo, Andrea
    möchte auch gerne üben, aber hänge am Laden von den Bildern fest.
    es ist schwierig zu beschreiben ,bekomme die Bilder nicht ins Kreuzstickprogramm.
    Habe die Schnecke von der Tatjana eingeladen bekommen. da steht auch (ARX hinter
    aber wenn ich versuche die Kirschen ins Kreuzstickprogramm zu Laden spielt mein Programm
    verrückt und macht garnichts mehr ,was mache ich falsch.
    gruss Brigitte

  • Andrea Müller

    Liebe Heike, liebe Jutta,

    vielen Dank für das Lob. Ich freue mich sehr, wenn die Anleitungen Anklang finden und Ihr fleißig am Üben seid. In diesen Berichten steckt sehr viel Herzblut, aber es macht natürlich auch sehr viel Spaß…

    Liebe Grüße
    Andrea

  • Heike

    Hallo Andrea
    Deine Erläuterungen zum Kreuzstichprogramm sind ganz super. Bin fleißig am Üben mit der V6. Ich hoffe auch bald ein solch schönes Ergebnis zu erreichen wie Du ! Ich möchte mich auch ganz herzlich für die super tollen Anleitungen bedanken, hier steckt sicher viel, viel Zeit mit drin.

  • Jutta Hellbach

    Hallo Andrea,
    als meine Tochter deinen Bericht las, sagte sie nur – total genial – von einem stark verpixelten Bild auf ein Stickmuster zu kommen. Ausserdem fand sie die Übersichtlichkeit und die genauen Erklärungen, die bestens nachvollziehbar sind einfach nur gut. Ich muss ihr beipflichten.
    Sobald ich ab Mitte Dezember wieder etwas mehr Zeit habe, möchte ich unbedingt anhand deiner gut gemachten Blogworkshops das Thema für mich aufgreifen und mich in die Materie einarbeiten.
    Ich will gar nicht wissen, wieviele Arbeitsstunden du allein in diesen Bericht gesteckt hast. Kompliment!

    Jutta

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