Kreative Artikel zum Thema Quilten

Yin Xi­uzhen

Als ei­ne der wich­tigs­ten Künst­le­rin­nen Chi­nas gilt Yin Xi­uzhen, die 1963 in Pe­king geboren wurde und in der Hauptstadt der Volksrepublik lebt und ar­bei­tet. Die Kunst­hal­le Düs­sel­dorf wid­met dem Werk der Künstlerin in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Gro­nin­ger Mu­se­um vom 15. Dezember 2012 bis 10. März 2013 die ers­te gro­sse Ein­zel­aus­stel­lung in Eu­ro­pa. Dabei wird ein um­fas­sen­der Über­blick über ihr künst­le­ri­sches Schaf­fen ge­ge­ben.

Yin Xiuzhen: Thought, Detail


Den Schwer­punkt setzt die Ausstellung auf die raum­grei­fen­den In­stal­la­tio­nen so­wie die mo­nu­men­ta­len, be­geh­ba­ren Tex­til­skulp­tu­ren der letz­ten Jah­re, die ei­nen Wen­de­punkt in Yins Schaf­fen mar­kie­ren. Yins frü­he In­stal­la­tio­nen, die oft­mals in men­schen­lee­ren, un­be­rühr­ten Land­schaf­ten prä­sen­tiert wur­den, existieren heu­te nur noch in Form fo­to­gra­fi­scher Do­ku­men­ta­ti­on. Seit En­de der 1990er Jah­re schafft Yin aus al­ten Klei­dern, Schu­hen, Mö­beln und ein­fa­chen Bau­ma­te­ria­li­en wie Ze­ment und Stein gro­sse skulp­tu­ra­le und in­stal­la­ti­ve Wer­ke.

Yin Xiuzhen: Thought, 2009, Kleidung und Stahl, 340 cm x 510 cm x 370 cm, Courtesy of The Pace Gallery, Beijing


Ab 2000 ist schliess­lich ei­ne mar­kan­te Wen­de in Yins Werk er­kenn­bar: Se­cond­hand-Klei­der wer­den zur Fund­gru­be für ih­re Ide­en. Ihre Wer­ke thematisieren häu­fig mo­derns­te Tech­nik und ur­ba­nes Wachs­tum. In­dem die Künst­le­rin Flug­zeu­ge, Au­tos und High­ways als Mo­ti­ve für ih­re gro­ssen Skulp­tu­ren wählt, macht sie auf die schein­bar gren­zen­lo­se Mo­bi­li­tät und Schnell­le­big­keit un­se­rer glo­ba­li­sier­ten Ge­gen­wart auf­merk­sam.

Gleich­zei­tig ver­wei­sen Yins Wer­ke durch ih­ren De­tail­reich­tum und die Of­fen­le­gung der an­ein­an­der ge­setz­ten Ein­zel­tei­le, wie beispielsweise ver­schweiss­te und ver­schraub­te Me­tall­plat­ten oder zu­sam­men­ge­näh­te Tex­til­stü­cke, auf das künst­le­ri­sche Hand­werk selbst, das Kön­nen, Ge­duld und vor al­lem Zeit er­for­dert.

Yin Xiuzhen: Collective Subconscious, 2007, Minibus, Stahl, gebrauchte Kleidung, Hocker, Musik, 1,420 cm x 140 cm x 190 cm, Courtesy of Beijing Commune


Die raum­grei­fen­de und begehbare Ar­bei­t aus dem Jahr 2007 „Collec­tive Sub­con­scious (blue)“, die aus einem zweigeteilten Minibus besteht, dessen Hälften durch eine lange, mit gequilteten Altkleidern bedeckten Röhre verbunden sind, steht beispielsweise für die­se Dop­pel­bö­dig­keit ih­rer In­stal­la­tio­nen: Kennzeichnend für den Alltag in der Grossstadt sind dessen schnelle Rhythmen und Reiz­über­flu­tung – sowohl das kol­lek­ti­ve Un­ter­be­wusst­sein als auch das Individuum prägend. Andererseits lädt eine solche Arbeit den Besucher dazu ein, sich die Zeit dazu zu neh­men, im Au­to auf den Sitzgelegenheiten zu verweilen und der Mu­sik zu lau­schen, die die In­stal­la­ti­on be­glei­tet.

Yin Xiuzhen: Collective Subconscious, Innenansicht


Da­mit wird der Be­su­cher selbst zu ei­nem zen­tra­len Teil der In­stal­la­tio­n. Er wird mit per­sön­li­chen Er­in­ne­run­gen der Künst­le­rin so­wie mit kol­lek­ti­ven Er­in­ne­rungs­land­schaf­ten, die zwi­schen dem Be­kann­ten, Lo­ka­len und Glo­ba­len an­ge­sie­delt sind, kon­fron­tiert.

Yin Xiuzhen: Bookshelf No. 1, 2009, Kleidung, Holz, Bücherregal, 226 cm x 126 cm x 43 cm, Courtesy of The Pace Gallery, Beijing


Trotz der poe­ti­schen For­men­spra­che las­sen sich die Ar­bei­ten auch als kri­ti­scher Kom­men­tar le­sen. Die Sehn­süch­te und Ängs­te des In­di­vi­du­ums in ei­ner glo­ba­len, auf Mo­bi­li­tät und Ef­fi­zi­enz aus­ge­rich­te­ten Welt werden hin­ter­fragt. Ge­ra­de in Asi­en wach­sen die Städ­te enorm und ra­sant, im be­völ­ke­rungs­reichs­ten Land der Er­de spricht man von Hoch­ge­schwin­dig­keits­ur­ba­ni­sie­rung, und Pe­king hat mitt­ler­wei­le über 16 Mio. Ein­woh­ner.

Yin Xiuzhen: Bookshelf No. 1, Rückansicht


Nicht zu­letzt ver­weist Yin auf Chi­nas be­deu­ten­de Rol­le als do­mi­nie­ren­der Tex­til­pro­du­zent für den Welt­markt und da­mit ver­bun­de­ne Ar­beits­be­din­gun­gen in der Tex­til­in­dus­trie, wenn sie den tech­ni­schen Grö­ssen­wahn und des­sen Mas­sen­pro­duk­ti­on durch in­di­vi­du­el­le Hand­ar­beit an rie­si­gen Tex­til­in­stal­la­tio­nen ad ab­sur­dum führt.

Yin Xiuzhen: Unbearable Warmth, Detail



Yin Xi­uzhen hat­te be­reits viel be­ach­te­te Auf­trit­te, wie auf der Bi­en­na­le Ve­ne­dig 2007 und 2010 im Pro­jekt­raum des Mu­se­um of Mo­dern Art New York.

Yin Xiuzhen: Unbearable Warmth, 2008, 1000 Schals, dia. 365 cm x h. 25 cm, Courtesy of The Pace Gallery, Beijing


Zur Aus­stel­lung er­scheint ein um­fas­sen­der Ka­ta­log in eng­li­scher Spra­che mit zahl­rei­chen Ab­bil­dun­gen und ei­nem Be­gleit­heft in deut­scher Spra­che. IS­BN 978-988-15064-8-1, Preis im Mu­se­ums­shop: 39,99 Eu­ro; im Han­del: 49,99 Eu­ro.

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Yin Xi­uzhen

 

15. Dezember 2012 bis 10. März 2013

 

Kunsthalle Düsseldorf

Grabbeplatz 4
D-40213 Düsseldorf

Tel.: +49 (0)211 – 89 962 40

 

Öffnungszeiten

 

www.kunsthalle-duesseldorf.de

 

Fotos und Informationen freundlicherweise von der Kunsthalle Düsseldorf zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Hier gehts zum Video über den Ausstellungsbesuch

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