Kreative Artikel zum Thema Quilten

Europäisches Patchwork Meeting 2013 2

Bereits zum siebten Mal hatte die französische Gilde, France Patchwork, den internationalen Wettbewerb “Artextures” ausgeschrieben, mit dem sie speziell die innovative Textilkunst fördert. Die erste, mit Spannung erwartete Ausstellung war dieses Mal beim Europäischen Patchwork Meeting im Elsass und die Ausstellung wandert nun weiter durch Frankreich.

Schon am Stand von France Patchwork wurde der Blick angezogen vom Cover der Mitgliederzeitschrift “Les Nouvelles” N° 118, auf dem in Grossaufnahme und in Farbe ein Detail der Arbeit von Ghislaine Berlier Garcia die Neugier auf die ganze Ausstellung weckte:

Ghislaine Berlier Garcia (F): Derriere les nuages, le ciel bleu, Detail


Ghislaine Berlier Garcia verwendete hierzu die getrockneten Früchte einer Stechapfelart (Datura), die mit Stacheln besetzt sind und umwickelte sie mit bunten Fäden. Sie schreibt über ihre Kreation: “In die Wolken zu schauen, wo sich Hell und Dunkel, Glück und Traurigkeit mischen, verwandelt sich die Wirklichkeit und lässt die Phantasie schweifen” – sehr poetisch.

Ghislaine Berlier Garcia (F): Derriere les nuages, le ciel bleu, 2013, 160 x 120 cm

Ghislaine Berlier Garcia (F): Derriere les nuages, le ciel bleu, Detail

Ghislaine Berlier Garcia (F): Derriere les nuages, le ciel bleu, Detail


Ich hatte dieses Mal Gelegenheit, speziell diese Ausstellung ein paar Mal zu besuchen und immer waren es Massen von Besuchern, die sich durch die Gänge drängten. Eigentlich war das Fotografieren auch verboten, aber ich hatte eine Erlaubnis – vielen Dank! – und habe noch ein paar Exponate für den BERNINA blog ausgewählt:

Eszter Bornemisza (H): Urban textures I, 2013, 86 x 1,57 cm


Eszter Bornemisza bleibt sich treu und ist fasziniert von Städten, Stadtplänen und der Textur der verschiedenen Materialien (Silk Paper, Baumwolle, Gold und Fäden).

Pascale Goldenberg (D): Message, 2013, 94 x 135 cm


Die Kontiunität der handgestickten Stiche, die an Morse-Zeichen erinnern, und die immer wieder auftauchenden Kurven, die in Schichten geordneten “Schrift”-Zeilen deuten auf einen geschriebenen Text hin – aber von wem? Und wer soll ihn verstehen? Ein Appell einer unbekannten Person.

Pascale Goldenberg (D): Message, Detail

Nadine Vergues (F): Et puis, voici mon coeur qui ne bat que pour vous, 2013, 30 x 73 cm


Eine plastische Arbeit in Filz-Technik, die die Liebe der Schöpferin zu den Menschen ausdrückt.

Laurence Bernard (F): FE-MI-NI-TE 2013, 2013, 100 x 150 cm, Gewinner vom “Prix France Patchwork”


In diesem Selbstportrait ohne Kopf, das Teil einer Serie, mit der die Künstlerin die Beziehungen zwischen dem Sichtbaren und den Berührungen untersucht, ist, geht es um das Verhältnis der Frau zu ihrem Körper, seinen Bewegungen, seinem Alter. Die Arbeit wurde mit dem “Prix France Patchwork” ausgezeichnet.

Laurence Bernard (F): FE-MI-NI-TE 2013, Detail

Laurence Bernard (F): FE-MI-NI-TE 2013, Detail

Cecilia Gonzales Desedamas (E): Cal que neixin flors a cada instant, 2013, 104 x 114 cm


Diese Arbeit nimmt Bezug auf ein Lied von Lluis Llach, in dem es um Flower Power geht, den Duft der Blumen, ihre Formen und Farben und darum, wie Blumen uns helfen können, die Welt zu verändern und Frieden bringen.

Cecilia Gonzales Desedamas (E): Cal que neixin flors a cada instant, Detail

Katalog der Ausstellung artextures – hier findet man schöne Fotos aller 32 Exponate und die Statements der Künstlerinnen und der Mitglieder der Jury in franzöischer und in englischer Sprache. Erhältlich bei France Patchwork.

Carole Simard-Laflamme: De l’informe a la forme, hommage a Gaudi


Carole Simard-Laflamme war Mitglied der Jury und Ehrengast.

Nachbildungen alter Quilts zeigt die Ausstellung “Quilts de Légende”. Heutige Quilterinnen, waren dazu eingeladen, Hand in Hand mit den Frauen von gestern zu arbeiten – ein Wettbewerb von France Patchwork.

 

Jocelyne Picot (F): Quilt de mariage, 2013, 180 x 150 cm


Dieser Hochzeitsquilt wurde mit kostbaren Stoffen wie Seide, Satin und Taft nach einem Original nachgearbeitet, das von Carl Kleinicke, einem nach New York ausgewanderten Schneider deutschen Ursprungs, 1901 für die Hochzeit seiner Tochter Laura realisiert worden war.

Einblicke in die Ausstellung “Quilts de Légende”

Modern und traditionell – reizender Durchblick durch das Werk von Carole Simard-Laflamme

Marie-Francoise Gregoire (F): Le chapman, 2013, 160 x 200 cm (li), Marie-Josephe Veteau (F): Log Cabin chevronne, 2013, 194 x 182 cm (re)

Marie-Josephe Veteau (F): Log Cabin chevronne, Detail

Marie-Francoise Gregoire (F): Le chapman, Detail

Christine Imbaud (F): Compas du marinier, 2013, 220 x 220 cm

Christine Imbaud (F): Compas du marinier, Detail

Links im Bild der Stand von France Patchwork, im Hintergrund die monumentale Arbeit von Carole Simard-Laflamme, rechts Exponate aus der Ausstellung “Quilts de Légende”


Drei Künstlerinnen aus Israel, Eti David, Ita Ziv und Rahel Elran präsentierten die Ausstellung “Israelische Expressivität”:

Ihre Inspirationsquellen, die in ihren Werken sichtbar werden, sind die Landschaften ihrer Heimat, das Wetter, die langen Sommer, die helle und heisse Sonne, der Rhythmus des Landes.

Eti David (ISR): A Tent in the Dessert, 2013, 88 x 94 cm


Eti David orientiert sich bewusst an dem israeleischen Künstler Josef Weiss und an dessen kraftvoll und farbenfroh leuchtenden Formen.

Eti David (ISR): A Tent in the Dessert, Detail

Arbeiten von Eti David (ISR)


Ita Ziv verwendet selbst colorierte und recycelte Stoffe für ihre abstrakten und farbstarken Werke.

Ita Ziv (ISR): Reflection 4, 2013, 95 x 130 cm

Ita Ziv (ISR): Reflection 4, Detail

Ita Ziv (ISR): Lace 4, 2013, 86,5 x 86,5 cm


Rahel Elran arbeitet sowohl mit kommerziellen als auch mit aufbereiteten Stoffen.

Arbeiten von Rahel Elran (ISR): Isabella (li), Inspiration #9 und #8 (Mitte), The Queen (ganz re), 2013, 100 x 100 cm

Rahel Elran (ISR): View Point #11, 2013, 195 x 155 cm

Rahel Elran (ISR): View Point #11, Detail

Eti David (ISR): Gates 1, 2013, 60 x 71 cm (li), Sunset on the Water, 2013, 60 x 77 cm (re)

Ita Ziv (ISR): Color Flow 1 und 2, 2013, je 80 x 105 cm

links: Arbeiten von Eti David (ISR)


Der Veranstalter des Europäischen Patchwork Meetings versteht es von Jahr zu Jahr aufs Neue, eine Mischung interessanter Ausstellungen, wobei auch traditionelle und antike Quilts berücksichtigt werden, zusammenzustellen. Dazu gewinnt man renommierte Sammler, wie z.B. in diesem Jahr Jonathan Holstein (USA).

Tischdecke mit Variable Star und Basket-Motiven in zentraler Diamond-Anordnung, Wolle, Filz, Amish, Lancaster County, Pennsylvania ca. 1890, 125,7 x 123,2 cm  (re)


Dieses aussergewöhnliche Stück ist typisch für eine Amish-Arbeit aus Lancaster County – soweit es die intensiven Farben und den Gebrauch von Wolle betrifft. Der Einsatz der Blockmuster ist es hingegen nicht – und das macht den Quilt zu einer Rarität, wenn nicht zu einem Einzelstück.

Die Ausstellung “Die Sprache der Quilts” zeigt ein Jahrhundert amerikanischer Quiltkreativität. Sie umfasst von Jonathan Holstein ausgewählte gepatchte Quilts aus seiner persönlichen Sammlung, die ab der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind und wegen ihres Inhalts und ihrer starken ästhetischen Aussagekraft in diese Selektion aufgenommen wurden.

Regenbogen oder Josefs Mantel, Baumwolle, Pennsylvania ca. 1890, Detail


Dieses umwerfende Design ist ein Beispiel für das lebhafte und mutige Farbgefühl der Quilterinnen in Pennsylvania. Die schrägen Streifen der Randbordüre bewirken einen erstaunlichen optischen Effekt. Üblicherweise tragen diese Quilts zwei traditionelle Titel, einen, der sich auf das sofort Sichtbare und einen zweiten, der sich auf die Bibel bezieht. Mich erstaunt, wie gut sich die Farben über die mehr als 120 Jahre erhalten haben!

Regenbogen oder Josefs Mantel, Baumwolle, Pennsylvania ca. 1890, Detail des Handquiltings

Regenbogen oder Josefs Mantel, Baumwolle, Pennsylvania ca. 1890, 209,6 x 203,8 cm, Detail

Zur Person von Jonathan Holstein ist wissenswert, dass das Whitney Museum of American Art in New York 1971 die Amish Quilts-Sammlung von Jonathan Holstein und Gail van der Hoof, die auch von ihnen kuratiert worden war, ausstellte. Dies war die grundlegende Ausstellung, die den Stein ins Rollen brachte: Nach amerikanischem Verständnis wurde dadurch der Status von Quilts angehoben und in der Folge zu einem Bestandteil der Bildenden Kunst.

Zum Abschluss noch ein Zuckerstückchen:

Puppenquilt in Log Cabin-Technik, Baumwolle, Pennsylvania ca. 1880, 45, 7 x 40,6 cm


“Shosholoza” – Moving forward together! Unter diesem Titel brachte die Quiltgilde aus Südafrika eine exquisite Auswahl von Quilts mit nach Europa, die das derzeitige Schaffen repräsentiert. Als aussereuropäischer Ehrengast stand die Eglise Saint Nicolas in Ste Croix-aux-Mines für die Ausstellung zur Verfügung.

Jenny Hermans (ZA): One flag – many fans, 2010, 104 x 70 cm


Zu sehen war eine breite Vielfalt an Techniken und Stilen, von sehr traditionell bis hin zum Freestyle reichend. Die verwendeten Farben spiegeln nicht nur die typischen Erdtöne wider. Auch leuchtender Sonnenschein ist Teil des schönen Landes.

Elsa Brits, die Präsidentin der seit 1989 bestehenden Südafrikanischen Quiltgilde, oben im Bild rechts zusammen mit ihrem Mann zu sehen, hatte die Auswahl mit zu verantworten und den Transport organisiert. Sie stand jedem Besucher sehr freundlich, kompetent und geduldig zu Gesprächen zur Verfügung und war ausserdem Mitglied der Jury für den Internationalen Wettbewerb “Déformation” (vgl. meinen Bericht).

Einblick in die südafrikanische Ausstellung

Kim Tedder (ZA): Noughts and Crosses, 2012, 76 x 117 cm (li), Jenny Williamson (ZA): Ndebele apron, 2007, 65 x 130 cm (re)

Einblick in die südafrikanische Ausstellung

Jenny Hearn (ZA): On thin ice, 2009, 172 x 143 cm


Typisch für die Arbeiten von Jenny Hearn sind handgestickte Elemente, die in den Quilt integriert sind. Echte Hingucker!

Jenny Hearn (ZA): On thin ice, 2009, 172 x 143 cm, Detail

Jenny Hearn (ZA): On thin ice, 2009, 172 x 143 cm, Detail

Hiermit verabschiede ich mich von der südafrikanischen Ausstellung und …

Annette Bamberger (D): Quilts zu Psalmen


… springe mitten hinein in die Ausstellung “Imagination in Farbe” der deutschen Quiltkünstlerin Annette Bamberger. Die studierte Architektin beschäftigt sich seit 1997 mit Textilkunst und wurde vor allem mit ihren “Quilts zu Psalmen”, die sie erstmals 2010 präsentierte, seither ergänzte und in verschiedenen sakralen Räumen ausstellte, sehr bekannt.

Annette Bamberger (D): Disput, 2013, 60 x 90 cm


Jedoch beschäftigt sie sich nicht nur mit kirchlichen Themen. Ihr Verzeichnis von Teilnahmen an Wettbewerben und Einzelausstellungen ist beeindruckend. Charakteristisch für ihre Handschrift sind die Verwendung einer besonderen Farbpalette leuchtender Farbtöne und die grafischen Elemente, die sie gekonnt einsetzt und ihren an Ideen und technischen Variationen reichen Quilts Lebendigkeit verleiht. Sehr sehenswert!

Man beachte auch eine neue Errungenschaft des Veranstalters: Die Beleuchtung der Stellwände und damit die ganze Präsentation haben enorm gewonnen – das lohnt sich wirklich!  Auch ist man im Espace exposition von langen Stellwandreihen zugunsten einer grosszügigeren Raumaufteilung abgekommen. Endlich keine Gedränge und Durchschieben der Besucher mehr, die auch ein paar Schritte zurücktreten können, um die Arbeiten auf sich wirken zu lassen. Vorbildlich! Ein grosses Lob für die Organisatoren.

Annette Bamberger (D): Flug, 2012, 81 x 81 cm


“Bittersüss” lautet übersetzt der Titel der Ausstellung von Linda Colsh. Die Amerikanerin, die 1990 mit ihren Farben, Pinseln, Färbetöpfen und ihrer Nähmaschine in Belgien ankam, dachte nicht, dass sie so lange bleiben würde. Immer noch dort – nach 23 Jahren – wurde sie eingeladen, eine Retrospektive ihrer Arbeiten aus der europäischen Phase zu zeigen.

 

Einblick in die Ausstellung von Linda Colsh (B / USA)

Linda Colsh (B / USA): The Long Run, 100 x 100 cm (li), The Minimalist, 100 x 100 cm (re)


Im Laufe der Jahre hat sie sich von den Formen des Patchworks entfernt und einen reiferen Stil mit einer subtilen Farbpalette entwickelt. “Surface Design” wurde zu ihrem Markenzeichen. Ihre Arbeiten über ältere Menschen wurden weltweit bekannt.

Linda Colsh (B / USA): Sudden Storm, 2007, 124 x 127 cm


Zum Abschluss dieses Berichts komme ich noch zur Ausstellung der französischen Textilkünstlerin Sophie Furbeyre.

Einblick in die Ausstellung von Sophie Furbeyre (F)


Bei Sophie Furbeyres Arbeiten scheint man die spielerische Lust zum Experiment, zum Einsatz von Mixed Media und zu ideenreichen kreativen textilen Gestaltungen zu spüren. Materialien werden geschichtet und wieder freigelegt, die Nähmaschinennadel als Zeichenstift eingesetzt. Auf den detailreichen Werken gibt es viel zu entdecken!

Sophie Furbeyre (F): Fleurs blanches, 117 x 88 cm


Farben werden vielfach fein abgestuft – in “Fleurs blanches” könnte man durchaus von “Grisaille” sprechen, womit eigentlich eine ausschliesslich mit Grau, Schwarz und Weiß ausgeführte Malerei bezeichnet wird. Trotz dieses bewegten Hintergrundes wirken die “weissen Blumen” – frei aus dicker Kordel geformt und appliziert – die von oben und von unten in das Bild hineinwachsen, als dominantes Element, das die Gestaltung zusammenhält. Ein faszinierendes Wechselspiel von Formen, Farben und Materialien!

Sophie Furbeyre (F): Fleurs blanches, 117 x 88 cm, Detail

Sophie Furbeyre (F): Cachemire, 2013, 107  125 cm

Sophie Furbeyre (F): Cachemire, Detail

Sophie Furbeyre (F): Ma poule, 2013, 100 x 100 cm


Mit dem Huhn aus dicker Kordel von Sophie Furbeyre endet dieser Teil des Berichts, aus dem einmal mehr deutlich werden sollte, wie unterschiedlich, vielfältig und lohnend die Ausstellungen im Val d’ Argent sind. Für jeden etwas! Und jedes Jahr noch besser … Bestätigung dafür, dass man diesen Event nicht verpassen sollte. Aus diesem Grund wollte ich unbedingt, auch wenn die Wochen inzwischen vergangen sind, meine Eindrücke loswerden. Mal sehen, bis wann ich den letzten Teil noch schaffe …

Zum ersten Teil des Berichts geht es hier: www.blog.bernina.com/de/2013/10/europaisches-patchwork-meeting-2013-1/

Zum dritten Teil des Berichts geht es hier: www.blog.bernina.com/de/2014/02/europaisches-patchwork-meeting-2013-3/

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Fotos, mit freundlicher Erlaubnis des Veranstalters, (C) Dr. Wolfgang, Gudrun und Valerie Heinz

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