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Festival “Patchwork Mosaic” in Moskau

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Von Frau Barbara Lange hatten wir im Oktober einen spannenden Reise- und Erlebnisbericht vom Quiltfestival in St. Petersburg publiziert. Nun schickt uns Frau Lange einen Bericht vom Festival “Patchwork Mosaic” in Moskau, den wir wiederum sehr gerne veröffentlichen. Viel Spass bei der Lektüre!

Freundliche Grüsse,
Matthias Fluri

Barbara Lange schreibt:

Nach meinem Besuch beim Patchworkfestival in St. Petersburg war ich besonders gespannt darauf, was mich einen Monat später in Moskau erwarten würde. Das Festival „Russisches Patchwork Mosaik“ findet nur jedes zweite Jahr in Moskau statt, daher war es ein besonderer Glücksfall für mich, dass ich beide Ausstellungen dieses Jahr kombinieren konnte.

Wenn ich gedacht hatte, St. Petersburg sei weitläufig, so wurde ich in Moskau gleich eines besseren belehrt: die Stadt ist RIESIG und die Ausstellungen sind auf sechs Galerien und Museen verteilt, die so weit voneinander entfernt sind, dass ohne U-Bahn und Bus gar nichts geht. Alle Ausstellungen an einem Tag zu besuchen, ist völlig ausgeschlossen. Drei Tage muss man mindestens einplanen, ohne Stadtbesichtigungen. 

Moskau zu besichtigen sei für Touristen nicht ganz so einfach, wurde ich im Vorfeld  immer wieder gewarnt. Das U-Bahn-Netz ist auch tatsächlich nicht so einfach zu durchschauen, aber mit etwas guten Willen kein wirkliches Problem. Und der Lohn lässt sich sehen: der Rote Platz mit dem Kreml und der Basilius-Kathedrale sind in Natura noch viel beeindruckender, als man es von Bildern und Filmen her erwartet.

Nachts werden viele historische Gebäude beleuchtet, weswegen ich nur empfehlen kann, die Stadt mindestens zwei Mal zu erkunden: einmal bei Tag und dann nochmal bei Nacht.

Das Neujungfrauenkloster in der Abenddämmerung:

Aber nun zu den Ausstellungen: Das Herzstück der Ausstellungen in Moskau ist die Ausstellung im „Russischen Museum für angewandte, dekorative Kunst und Volkskunst“.  Dort sind ausschließlich prämierte Arbeiten des russischen Festivals von Ivanovo zu sehen. In Ivanovo –einer Textilhochburg in Russland – findet alljährlich ein riesiges Patchwork Festival statt, wo ca. 1000 Quilts ausgestellt werden. Die prämierten Arbeiten wandern anschließend nach Mokau gebracht und dort in einer „best of Loskutnaja Mosaika“ Ausstellung präsentiert.

Hier ein Blick in die Ausstellung – zu sehen ist ca. 1/5 der Ausstellungsfläche:

 Meine persönlichen Favoriten waren:

„Mirror of Time“ von Tatiana Ishkaraeva, Murmansk, eine gute alte Bekannte von den Wettbewerben von Gudrun Heinz und der Quilt-Tiennale in Heidelberg:

 “Heritage” von Marina Mamonovo:

 Composition “Mokosh” von Irina Kostyreva:

Dieser Publikumsmagnet wird – wie gesagt – von weiteren Ausstellungen umrahmt, so z. Bsp. waren  in  der Galerie XXI. Jahrhundert die Miniquilts der Serie „Textile News. Lanfgeweile“ von Gudrun Heinz , über die schon mehrfach berichtet wurde (z.Bsp hier), zu sehen.

In der  Galerie Belyaevo  wurden die Quilts  aus dem Wettbewerb des Europäischen Patchwork Treffens in Ste. Marie-aux-Mines zum Thema „Verformung“  präsentiert. Hier ein kurzer Blick in die Ausstellung, eine vollständige Übersicht aller Quilts in dem Wettbewerb finden Sie hier.

Die Quilts von Vineta Cable (GB), Kim Hye Sook (KR), Elisabeth Nacenta de la Croix(CH)  und Elena Folomeva (RU):

Arbeiten von Lynette Weeks (AU), Petra Kooij (NL), Ellen Asse (NO) und Isabelle Wiessler (DE):

In derselben Galerie waren Werke von Elsbeth Nusser-Lampe zu bewundern. Mehr Arbeiten von ihr können Sie hier bewundern.

Weiter geht es bei unserm Rundgang zu den Quilts von Gabi Mett (DE)  – mehr Bilder ihrer Arbeiten finden Sie hier.

Schließlich gelangen wir in den großen Saal der Galerie Belyaevo, wo Arbeiten von Pia Welsch zu sehen waren.

Und schließlich zu dem Bereich, in dem meine Quilts aufgehängt waren. 

Als Quilterin fand ich besonders beeindruckend, mit welcher Liebe zum Detail die Galerie meine Quilts präsentiert hat. Die rechte Arbeit auf dem Bild oben ragt schräg in Raum hinein, weil man den Besuchern die Möglichkeit geben wollte, die Rückseite zu betrachten.

Die letzte Ausstellung, zu der ich Sie hier virtuell mitnehme, war mein persönliches Highlight: Die Ausstellung der Gruppe Art Quilt im Tsaritsyno (mehr über die Gruppe finden Sie hier).

Das Tsaritsyno war ursprünglich als Sommerpalast für Katharina die Große geplant worden. Da sie starb, bevor die Anlage fertiggestellt war und ihr Sohn kein Interesse an dem Palast hatte, wurden die Bauarbeiten eingestellt. Erst im Jahr 2007 wurden die Gebäude im Stil Katharina der Großen fertiggestellt – allerdings auf dem technischen Stand der heutigen Zeit.

Die Ausstellung wurde mit einer Vernissage im Innenhof des sog. „Brothauses“ gefeiert. Dabei trat eine Gruppe Tänzer mit einer sehr modern interpretierten Prozession auf.  „Surreal“ beschreibt es wohl am besten – mit eigenwilligen Kostümen, einer eigens komponierten Musik und unglaublich aufwändig gestaltet.

 Auf dem Bild unten sind die Eröffnungsredner zu sehen, v.l.n.r: Miriam Pet-Jakobs (Gruppe Quilt Art), Julia Ivanova (vom Museum für russische Volkskunde). Roger Bühler (Vice President Sales BERNINA), Wolfgang Eibisch (ehem. BERNINA, Berater), Inge Hueber (Gruppe Quilt Art),  Olga Dokuchaeva (Musum Tsaritsyno), Dolmetscherin (leider weiß ich ihren Namen nicht mehr, aber sie war hervorragend!)

Die Ausstellungsräume im Tsaritsyno sind wie Perlen auf einer Schnur rund um den Innenhof des Brothauses angeordnet. Die hohen Decken und die gotischen Fenster verleihen den Räumen eine schlichte Eleganz, in der die ausgestellten Werke ihre Wirkung so richtig entfalten können. 

 

Die Kästen, die auf dem Boden aufgestellt waren, sind mit Sand gefüllt und bringen eine zusätzliche Dimension in die Präsentation der Werke ein.

 Inge Hueber beim Interview mit Fernsehen und Presse:

Ich muß ganz ehrlich sagen, dass ich noch nirgends auf der Welt eine Patchwork-Ausstellung gesehen habe, die so professionell und in einem derart edlen Rahmen präsentiert wurde. Ich war tief beeindruckt.

Von dem edlen Ambiente ging es wieder zurück in das wahrhaftige russische Leben – wir waren eingeladen in das Haus für Russische Volkskunst (dem Hauptorganisator des gesamten Festivals), wo wir mit Hausmannskost, russischer Volksmusik und Vodka verwöhnt wurden.

Allen, die jetzt Lust bekommen haben, selbst mal nach Russland zu reisen und die dortige Patchwork-Landschaft zu erkunden sei gesagt: In St. Petersburg findet das Festival „Kurotschka rjaba“  vom 20.-24.10. 14 und in Moskau das Festival „Grand Textil“  vom 30.10. – 04.11.14. statt. Das große Festival „Russisches Patchwork Mosaik“ in Moskau ist erst wieder für 2015 geplant.

Würde ich es Ihnen die Reise nach Russland empfehlen? Uneingeschränkt JA! Nehmen sie mich mit?

Barbara Lange
www.barbaralange.com

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Kommentare zu diesem Artikel

7 Responses

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  • Gudrun Heinz

    liebe barbara,
    wie du schon schreibst, stehen die nächsten events natürlich schon bevor, wie z.b. das prague patchwork meeting vom 4. – 6. april 2014 – auch dort werden wir uns sehen! dann ist der ausstellungskoffer mit textile news: langeweile wieder aus russland, wo er derzeit kursiert, zurück und ich präsentiere die kleinformate in prag. bevor wir uns aber dann in genf wieder treffen – mein quilt dafür ist derzeit im entwurfsstadium – gibt s aber noch einige gelegenheiten, allen voran das quilt festival in der schweiz, wenn patCHquilt vom 8. – 11. mai 2014 in solothurn sein 25-jähriges bestehen feiert, die patchworktage der deutschen gilde vom 1. – 3. mai 2014 in einbeck und, und, und … 2014 ist gespickt mit tollen events! ich freue mich schon sehr!
    beste grüsse
    gudrun

  • Barbara Lange

    Danke für die netten Kommentare – es stimmt, ohne Wolfgang Eibisch wäre das alles nicht passiert! Und bekanntlich steht hinter jedem starken Mann eine noch stärkere Frau – vielen Dank auch an Ute!

    Gudrun: die nächste Reise geht nach Prag, und kurz darauf nach Genf, wo die Strahlen-Ausstellung Premiere feiern wird – ich freu mich schon auf Deinen Beitrag!

  • Wolfgang Eibisch

    Hallo Quiltfreunde in Europa Ost und West,
    dieses Event wird kaum zu toppen sein. Meine Vision aus dem Jahre 2000 ist übertroffen: Russland ist eine große Bereicherung der europäischen Quiltszene mit eigener Prägung, Tür und Tor sind nunmehr für den regen Austausch offen, in Russland finden Quilts leichter Eingang in schöne Museen und Galerien.
    Es gab ja joch ein interessantes Symposium, dort hat die Gruppe Quiltart (siehe auch den eigenen Bericht über die Ausstellung auf http://www.quiltart.eu), dass Zaritsyno die schönste Ausstellung bisher ist (Laufzeit fast drei Monate!) und die anwesenden Vertreterinnen beim ersten Betreten der Ausstellung fühlten “Am Ziel Anerkennung als Kunstgattung angekommen.
    Was bleibt mir noch zu tun? Nur die Plage der Ebene?

  • Gabi Mett

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. So hat man doch einen guten Eindruck bekommen Und ich kann mich Gudrun nur anschließen, ohne Herrn Eibisch wäre das wohl alles nicht zustande gekommen. Wenn man die räumlichen Dimensionen sieht, ist auch klar, dass besonders große Arbeiten dort hervorragend präsentiert sind.Ich habe geschmunzelt, als ich das letzte Bild im Haus der Volkskunst gesehen habe. In dem Haus habe ich bei meinem Besuch mit Mathilde Fichter und Sabine Frank vor einigen Jahren gewohnt und die Abende dort waren immer sehr vergnüglich.

  • Isabelle Wiessler

    Hallo Barbara,

    ich bin wirklich beeindruckt von deinem Bericht und von den Fotos. Vielen Dank für die ausführliche Erklärungen.
    Liebe Grüße
    Isabelle

  • Gudrun Heinz

    hallo barbara,
    spasibo bolshoje! wieder ein toller bericht, der nicht nur neugierig macht, sondern vielmehr dazu motiviert, mal nach moskau zu reisen, zumal, wenn dort quilts in dieser anzahl und qualität präsentiert werden. ich bin sehr froh, dass nicht nur ich in meinen früheren beiträgen (bei meinen profil https://blog.bernina.com/de/experts.php zu finden, wenn man etwas weiter zurück blättert) begeistert darüber berichtete, sondern dies nun auch von weiteren besuchern so rübergebracht wird. nur so können sich die beziehungen weiter gedeihlich entwickeln. nicht zu vergessen: ohne wolfgang eibischs unermüdliches engagement wär das alles nicht so gekommen …
    also, liebe barbara, dir 1000 dank für den schönen beitrag – wohin geht die nächste reise?
    beste grüsse
    gudrun

    ps: für alle, die russiche quilts im original sehen wollen, hab ich noch vergessen:
    russland ist gastland beim europäischen patchwork meeting in ste marie-aux-mines 2014 – das verspricht einen guten einblick und zahlreiche kontakte bei bequemerer anreise!

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