Kreative Artikel zum Thema Nähen

Bonnie und Buttermilk in Wonderland

Immer wenn einer unserer hübschen bedruckten Stoff sich dem Ende nähert, ruft irgendjemand durchs Atelier ” Eike, du musst Herrn H. anrufen, der Mari-Stoff ist fast alle!” Und dann suchen wir den Rapport raus, also das kleinste Stück Muster, das dann am Ende immer wieder aneinandergereiht unseren Musterstoff ergibt, schicken Herrn H. eine mail oder einen Briefumschlag in den wir kleine Farbschnipsel packen, die Herr H.dann als Referenz für unsere neuesten Farbwünsche nimmt. Dann, ungefähr zwei Wochen später schleppt ein sehr starker Mann vom deutschen Paketdienst diese Riesenrollen und davon meistens sieben auf einmal, stark wie Goliath zu uns in den Hinterhof und wir freuen uns wie die Kinder. Noch toller ist es natürlich, wenn wir den Stoff noch garnicht kennen, wir ihn also bisher nur auf dem Laptop entworfen und gesehen haben. Dann ist die Aufregung gross, wie Weihnachten oder der siebte Geburtstag..

Nun war es immer so abstrakt, wir schicken Rapports und Stoffschnipsel quer durchs Land und dann kommt alles so wie wir es uns vorgestellt haben zu uns, mal ein Telefonat mit Herrn H. mal eine mail von Herr S. Doch dann kam eine Einladung, wir sollen doch mal schauen kommen, wie genau das alles funktioniert mit dem Bedrucken unserer Stoffe. Schön, dachten wir, warum nicht, das klingt spannend. Zumal wir irgendwann vor Jahren, als wir gerade in unser erstes Atelier gezogen sind, die wahnsinnige Idee hatten, ungefähr zwei Monate lang, uns eine eigenen Stoffdruckmaschine zu kaufen, haha, wie wir jetzt immer noch in Gelächter ausbrechen, wenn wir daran denken!

Also haben wir uns in den Zug gesetzt und sind einmal quer durchs Land gefahren. Foto 1

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Angekommen, haben wir uns erstmal überall umgeschaut. Da Herr H. und Herr S. scheinbar nicht davon leben können, nur für uns Stoffe zu bedrucken, haben sie sich noch ein riesiges Lager angelegt, mit Stoffen aller Couleur und Beschaffenheit, die sie nebenbei noch verkaufen. Wir nehmen ihnen das nicht übel.

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Das war sehr gigantisch, wir dachten, wir hätten diesen Stoff-Fimmel und müssten immer mehr Stoffe bestellen und horten, aber da schau sich mal wer das Lager von Herrn H. und Herrn S. an… Wir waren kurz davor 20m Satin oder 35m Puschelfell zu bestellen, einfach weil es so hübsch in den Regalen lag.

Aber dann kamen wir in das Allerheiligste, die heiligen Räume des Herrn H. Dorthin, wo unsere Stoffe wirklich entstehen. Und da waren tatsächlich Ordner mit unseren Sachen drin, eine ganze Pinnwand mit den Postkarten, die wir Herrn H. immer mitgeschickt hatten! Und eine ganze Stange, mit den Andrucken unserer Muster! Vor waren ein bisschen gerührt.. es gab also eine kleine Bonnie & Buttermilk- Dependance am anderen Ende des Landes!

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Es wurde auch gerade unser “Ahoi”- Stoff gedruckt, der war kurz vor unserer Reise tatsächlich zur Neige gegangen. Also hat ihn Herr H. für uns nachgedruckt, als wir ihn besucht haben und so haben wir ihn ganz frisch aus der Mimaki- Druckmaschine kommen sehen, sehr faszinierend!

Foto 5Und, weil wir schonmal da waren und weil es so schön war, haben wir den Stoff auch noch in zitronengelb gedruckt..

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Und wenn wir schon dabei sind, wieso nicht noch rosa? Herr H. färbt es schnell an seinem Computer…

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wir bestimmen mit ihm anhand seines Farbkataloges das perfekte rosa…

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…und dann kommt es auch schon  wenig später aus der Druckmaschine! Wir sind wieder kurz davor von so einer eigenen Stoff-Wunschmaschine zu träumen, aber ganz ehrlich, wir müssten Herrn H. dazubestellen und der wirkte nicht, als wolle er sein kleines ruhiges Stofflabor gegen ein Atelier mit einem Haufen Modemädchen tauschen wollen…

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Natürlich ist der Stoff, wenn er so aus der Maschine kommt noch nicht ganz fertig, er wird noch gedämpft, damit die Farben gut halten und gewaschen, bis die überschüssige Farbe raus ist.

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Tja, was soll ich sagen, wir haben den Stoff dann noch in schwarz drucken lassen, bevor wir das kleine Wunderland wieder verlassen mussten. Wir sagen, vielen Dank, Herr H., vielen Dank Herr S.! Wir wissen jetzt, wieviel Liebe ausser der unseren noch in unsere Stoffe gesteckt wird und mit wieviel Sorgfalt alle Farben und Stoffe ausgewählt werden. Das hat uns doch sehr glücklich gemacht!

 

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Kommentare zu diesem Artikel

9 Responses

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  • Suzi Ree

    wow, beeindruckend! Eine solch schöne Arbeit – ein Lebenstraum.
    Wunderbar, dass es zu Zeiten von H&M und NewYorker auch noch ECHTE Designer mit Leidenschaft und im eigenen Land dabei sind!
    Hoffentlich wird es immer genug Menschen geben, die diese Arbeit zu schätzen wissen. Viel Erfolg weiterhin.

  • Tatjana Hobrlant

    So ein schöner Bericht, der hat meinen Mittwoch versüßt!!!

    Viele liebe Grüße
    Tatjana

  • Stephanie

    Hallo,
    vielen Dank für den interessanten Bericht. Ich war beim Lesen direkt dabei. Ein großes Danke und Lob an Herrn S. und Herrn H., dass mit so viel Liebe auch noch im eigenen Land produziert wird.
    Liebe Grüße
    Stephanie

    • Bonnie & Buttermilk

      Liebe Stephanie, ja, es ist uns auch sehr wichtig, die Produktion hier zu unterstützen und nicht wie so viele Labels nach Asien abzuwandern. Das ist noch eine richtig tolle “Handarbeit” dort!

  • unicata

    Was für ein wunderbarer Bericht; so plakativ geschilderd, das man sich beim Lesen und Bilderanschauen vorkommt, als wäre man bei dem Rundgang bei Herrn S. und Herrn H. mit dabei.
    Herzliche Grüße
    Pia René Schmitt

  • Jutta Hellbach

    Hallo Ihr Zwei!
    Vielen lieben Dank für diesen herrlich amüsanten Bericht und den geschenkten Einblick in die Heiligen Hallen der Herren S. und H. aus “wo auch immer am anderen Ende des Landes” ;-).
    Ich habe herrlich geschmunzelt.
    Liebe Grüße,
    Jutta

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