Kreative Artikel zum Thema Nähen

Ein schneller Rock für den Herbst, Teil 1

Es lässt sich nicht leugnen, der Herbst kommt mit großen Schritten auf uns zu. In meinen beiden letzten Beiträgen hier auf dem BERNINA-Blog hatte ich ja gezeigt, wie man sich mit wenig Aufwand Sommerkleider in den Schrank holt. Diese Woche möchte ich daran anknüpfen und zeigen, wie man schnell und ohne Schnittmuster die Garderobe herbstfit macht. Und zwar mit Röcken!

für Bernina 1

Ein Rock ohne Schnittmuster

Als Kind habe ich Kleider und Röcke aus vollem Leib angebrüllt – ich konnte es wahrlich nicht ausstehen, wenn meine Mama mir das ein oder andere zum Tragen herauslegte :-). Das hat sich definitiv gelegt und gerade in den kälteren Jahreszeiten finde ich Röcke und Kleider kombiniert mit Strümpfen, Overknees und Stiefeln richtig klasse! Um so wichtiger, dass ich mir schnell und unkompliziert das Passende nähen kann.

Ohne Frage: ein gut sitzender Rock erfordert genaues Maßnehmen und auch um Abnäher, Reißverschlüsse und Ähnliches kommt man in der Regel nicht drum herum. Aber manchmal muss es eben schnell gehen. Und man hat auch nicht immer alles Zutaten parat. Aber Stoff findet sich ja gewöhnlich immer passender im Schrank und genau dafür habe ich die richtige Anleitung mitgebracht, die übrigens auch sehr gut für Nähanfänger geeignet ist.

In drei Tutorials werde ich hier auf dem BERNINA-Blog zeigen, wie man sich ratzfatz und vor allem ohne Schnittmuster einen Rock nähen kann. Ich habe dabei drei Varianten im Gepäck, die alle aus gewebten Stoffen genäht werden. Den Anfang macht ein in Falten gelegter Rock aus Leinen mit Gummibund, optional mit Bindeband und Taschen. Die Idee dabei ist ganz simpel: die Grundform bildet ein Rechteck. Die Maße richten sich nach dem eigenen Körperumfang und werden anschließend nach Geschmack angepasst: A-Linie, abgerundeter Saum, Taschen, eingereihter Bund oder Falten – alles ist möglich! Wichtig ist lediglich, die Anleitung vor dem Nähen einmal komplett zu lesen!

für Bernina 6

Vorbereitung

Folgende Materialien werden benötigt: schön fallende Webware (hier 100%Leinen), Gummiband (abhängig von der Breite des Gummibundes, hier 15mm), passendes Nähgarn, Folie und Folienstift, Markierstift, Maßband, Stoffschere.

Nun wird Maß genommen. Zunächst messen wir den Umfang der weitesten Körperstelle (heißt: der Umfang um Po und Beine) und notieren uns diesen Wert. Nun müssen wir uns überlegen: soll der Rock schlicht mit einem Gummibund versehen werden? Dann kommen an den Seiten insgesamt lediglich 2-4 cm Nahtzugabe hinzu (je nach Stoff und Geschmack). Möchte man den Rock jedoch am oberen Bund einreihen bzw. ihn in Falten legen, müssen nun noch einige Zentimeter dazu gerechnet werden. Hilfreich ist es, wenn man sich zunächst eine kleine Skizze auf einem Schmierzettel anfertigt. 

Anleitung Bernina Skizze

Das Ziel ist ein Schnittteil, mit dessen Hilfe wir uns im Bruch Vorder- und Rückteil des Rockes zuschneiden können. Also zeichnen wir uns links die Bruchlinie ein und im 90 Grad-Winkel dazu die obere Bundlinie. Diese ist zunächst so lang wie ein Viertel des gemessenen Umfangs. Möchten wir nun den ganzen Rock einreihen, so geben wir ohne gesonderte Markierungen entsprechende Weite hinzu (beispielsweise 10 cm). Möchten wir stattdessen gezielt Falten legen, müssen wir ein bisschen rechnen und zwar wie folgt: eine Falte mit einer Breite von 1cm braucht 2 cm Stoff. Je nach dem, wie viele Falten man also haben will, muss man pro Stück 2 cm zurechnen. Dann setzt man jeweils an Anfang und Ende der Falte ein Markierung (diese werden anschließend zusammen gesteckt, siehe Foto unten). Nun geht es an die Länge des Rockes. Hier messen wir ab der Hüfte bis zu gewünschten Länge und tragen auch diesen Wert an die Bruchlinie in unsere Skizze ein. Beim äußeren Rand ist es theoretisch möglich, ebenfalls eine Gerade zu setzen (parallel zur Bruchlinie), dann fällt der Rock sehr liniengenau nach unten. Ich habe mich bei den hier gezeigten Varianten für einen leicht ausgestellten Rock entschieden. Dafür wird die Linie des äußeren Randes einfach ein Stück schräg eingezeichnet, so dass der untere Saum etwas weiter ist als der Bund. Wenn man will, kann man die äußeren Ecken auch noch leicht nach oben ziehen. Nun haben wir unsere Skizze und übertragen alles inklusive evtl. Markierungen auf die Folie oder das Schnittmusterpapier, schneiden es aus und schneiden unsere Rockteile im Bruch zu.

Achtung: Zusätzlich darf natürlich trotz allem nicht die Nahtzugabe am Ende vergessen werden. Wenn man sich unsicher ist, gilt letztlich immer die Maxime: lieber etwas mehr, denn wegschneiden ist einfach als dran nähen ;-).

Anleitung 1 Bernina

Sind zusätzlich noch Taschen gewünscht? Kein Problem. Auch diese können nun mit Hilfe eines einfachen Hilfsmittels eingezeichnet werden. Dafür einfach ein Glas in der gewünschten Größe nehmen und auf der linken Stoffseite des Vorderteils den Teil, der später der Tascheneingriff werden soll, einzeichnen. Anschließend wird mit einer zweiten Linie die Größe des Taschenbeutels markiert. Ein Stück Folie auflegen und die Taschenteile abzeichnen. Die Folie wiederum auf ein Stück Stoff auflegen und im Bruch die inneren Taschenbeutel zuschneiden (Nahtzugaben nicht vergessen). Anschließend den Tascheneingriff der Folie wegschneiden und wieder im Bruch die zwei hinteren Teile des Tascheneingriffes zuschneiden. Nun fehlt noch der Saumbund. Für diesen werden zwei Streifen in der Länge des gemessenen Körperumfangs (plus Nahtzugabe) zugeschnitten. Die Breite ist dabei vom eigenen Geschmack abhängig, ich habe für diesen Rock eine Breite von 6cm (inkl. NZ) gewählt, das ergibt nachher einen Saumbund von ungefähr 2-2,5cm.

Das Nähen

für Bernina 3

Wenn der Rock eingereiht werden soll, können zunächst beide Rockteile gekräuselt werden. Achtung: sollen Taschen angebracht werden, beim Vorderteil nur den Teil zwischen den Tascheneingriffen kräuseln! Beim Faltenrock werden zunächst die Falten gesteckt. Dabei immer die beiden Markierungen aufeinander legen und darauf achten, dass die Falten in die richtige Richtung zeigen (immer vom Rand in die Mitte); Falten stecken und mit ein paar Stichen der normalen Nähmaschine innerhalb der Nahtzugabe sichern. Nun werden, falls vorher angedacht, die Taschen genäht. Dabei zunächst den einen Taschenbeutel rechts auf rechts auflegen, stecken und an der Rundung festnähen. Anschließend die NZ vorsichtig einschneiden – Achtung: nicht zu nah an die Naht! Den Taschenbeutel nach innen legen. Anschließen den Eingriff noch einmal absteppen. Nun wird der innere Taschenbeutel rechts auf links aufgesteckt und festgenäht.

Anleitung 2 Bernina

Anleitung 3 Bernina

Jetzt werden die Rockteile rechts auf rechts aufeinander gesteckt und die Seiten entweder mit einer Overlock-Maschine oder mit einem Geradstich einer normalen Nähmaschine zusammen genäht (hier anschließend noch die Nahtzugaben mit einem Zickzack-Stich versäubern). Jetzt geht es an den Bund. Hierfür die Bundstreifen an den schmalen Seiten zusammen nähen. Anschließen den Ring links auf links falten (wie beim Annähen eines Bündchens) und rechts auf rechts an den Rockbund stecken. Die Seitennähte des Rockes sollten dabei sauber auf die Seitennähte des Bundes treffen. Den Bund mit der Overlock-Maschine oder einer normalen Nähmaschine an den Rock nähen. Achtung: eine Öffnung lassen – hier wird zum Schluss der Gummi eingezogen. Nun kann man die Nahtzugaben nach innen bzw. unten klappen und das Ganze nochmals von außen mit dem Geradstich einer normalen Nähmaschine absteppen.

Anleitung 4 Bernina

Jetzt wird der Saum des Rockes versäubert (entweder mit der Overlock oder einem Zickzack-Stich der normalen Nähmaschine), umgebügelt und festgesteppt. Jetzt müssen wir noch das Gummiband einziehen. Dafür wird der Hüftumfang gemessen. Ruhig etwas knapper nehmen, da das Gummi ja elastisch ist und der Rock gut sitzen soll. Das Gummiband einziehen, zu einem Ring schließen, in dem man die beiden Enden miteinander vernäht und anschließend die Öffnung schließen.

Anleitung 5 Bernina

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FERTIG!

Variation

Mit wenig Aufwand kann man auch noch ein Bindeband dem Rock zufügen. Dafür einen Streifen in gewünschter Länge und Breite zuschneiden und wie bei einem Schrägband zusammen nähen. Zwei kleinere Stücke ebenfalls wie bei einem Schrägband zusammen nähen, das werden die Gürtelschlaufen. Diese werden an der Stelle der Seitennähte angebracht. Dafür einfach die Ende nach innen umknicken und jeweils am Rock festnähen. Das Bindeband in der Hälfte falten, die Mitte markieren und diese an der Mitte des hinteren Rockbundes festnähen. Dass das Gummiband dabei mit gefasst wird, ist nicht schlimm, so wird gleich verhindert, dass sich der Gummi beim Waschen verdrehen kann.

Anleitung 6 Bernina

für Bernina 2

Ganz viel Spaß beim Nähen wünscht Euch

Eure Carolin

P.S.: Übermorgen kommt schon der zweite Teil dran – ich hoffe, wir sehen uns! Und auf meinem Blog the blogbook. gibt es noch mehr Bilder zu sehen ;-).


Weitere Tutorials zum Rock-Nähen

Im BERNINA Blog erscheinen regelmässig Artikel mit Anleitungen und Schnittmustern zum Nähen von Röcken und Kleidern. Auf folgender Seite werden sie in der Übersicht dargestellt: Rock nähen – Tutorials im BERNINA Blog.

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Schwierigkeitsgrad: Anfänger
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Produkte:
BERNINA 530
BERNINA 530
BERNINA 1150MDA
BERNINA 1150MDA

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Kommentare zu diesem Artikel

6 Responses

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  • Maggie Kapunkt

    Liebe Carolin,
    tolle Anleitung! Danke dafür.
    Mir gefallen deine beiden Beispiele so richtig gut, könntest du sagen, wie stark die Breite nach unten hin zunimmt und wie viele Falten du da je mit welcher Breite gelegt hast? Dankeeeee!
    Grüße
    Maggie

  • Janine

    Ich habe auch eine Frage: muss der Vorderteil vom Umfang her nicht kleiner sein als vom hinteren Teil?

  • Rebecca

    Ich habe eine Frage:

    Oben steht “je nach Stoff 2-4cm Nahtzugabe” und weiter unten steht dann nochmal am Ende der Schnitterstellung Nahtzugabe zugeben.
    Ist dann oben die Bequemlichkeitszugabe gemeint, je nachdem wie locker der Rock sitzen soll?

    Viele Grüße und danke für die Anleitung!

    • Carolin Schubert

      Liebe Rebecca,

      vielen Dank für die netten Worte!

      Zum Problem der Nahtzugabe: vielleicht ist das etwas ungünstig ausgedrückt im Text, aber im Grunde hast Du es genau getroffen. Die 2-4 cm beziehen sich darauf, dass bei Webware zum Umfang einfach noch etwas “Spiel” dazu gegeben werden muss, da sich der Stoff ja nicht dehnt (und es bezieht sich auf die Variante ohne Falten, denn da wird es ja noch mehr). Und je nach Material ist das etwas verschieden. Mein Hinweis auf die NZ am Ende der Schnitterstellung soll lediglich daran erinnern, dass man trotz Bequemlichkeitszugabe, wie Du es so schön formuliert hast, die NZ für das zusammen nähen nicht vergisst. Ich hoffe, es ist noch etwas deutlicher geworden?

      Liebe Grüße!

  • Anja B.

    “Also zeichnen wir uns links die Bruchlinie ein und im 90 Grad-Winkel
    dazu die obere Bundlinie. Diese ist zunächst so lang wie die Hälfte des
    gemessenen Umfangs.”
    Du meinst bestimmt: ein Viertel der gemessenen Bundweite, oder?

    • Carolin Schubert

      Liebe Anja,

      natürlich hast Du Recht! Vom gesamten Umfang ist es natürlich ein Viertel und nicht die Hälfte, manchmal sieht man selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht :-). Vielen Dank für den Hinweis, ich werde es sofort ändern.

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