Kreative Artikel zum Thema Quilten

Aiko Tezuka

Aiko Tezuka: Thin Membrane. Pictures Come Down Installationsansicht im Dortmunder Kunstverein Foto: Roland

Aiko Tezuka – Thin Membrane. Pictures Come Down
Installationsansicht im Dortmunder Kunstverein
Foto: Roland Baege

Im Moment zeigt der Dortmunder Kunstverein Arbeiten der Japanerin Aiko Tezuka unter dem Ausstellungstitel ‘Thin Membrane, Pictures Come Down’. Der Begleitpublikation zur Ausstellung ist ein Zitat der Künstlerin vorangestellt:

‘In Museen spüre ich, wie die Geister zu mir sprechen. Es sind die Geister hinter den Stoffen: Monarchen und Herrscher, Werkstatt-Leiter, Designer, Färber und Weber. Sie erzählen von Hierarchien und Systemen, vom Reichtum und harten Arbeitsbedingungen. Damals, da stellten die Herrscher ihre Macht mit den besten verfügbaren Techniken und den neuesten Stoffmustern zur Schau.’

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Aiko Tezuka – Thin Membrane. Pictures Come Down
Installationsansicht im Dortmunder Kunstverein
Foto: Roland Baege

Die Bilder und Nachrichten von brennenden Textilfabriken in Bangladesh, die 2013 um die Welt gingen, rückten das Thema der unsäglichen Arbeitsbedingungen und Niedrigstlöhne in den Fokus der Öffentlichkeit und zwang Textilkonzerne zu Massnahmen wie z.B. zur Aufklärung der Herkunft ihrer Produkte. Als Folgen der Globalisierung konzentriert sich zum einen die Stoffherstellung auf immer weniger Länder und zum anderen reduzieren sich Stoffmuster, ihre Ornamente und Symbole, die früher eine individuelle Kultur kennzeichneten, auf Massendesigns der Grosskonzerne, sind inhaltsleer geworden.

Die Textilobjekte und -installationen von Aiko Tezuka widmen sich der Kunst- und Textilgeschichte. Sie stickt allgemein vertraute und fremde Motive auf gekaufte Textilien oder trennt in akribischer Handarbeit industriell gefertigte, aber auch von ihr selbst designte Stoffe in einzelne Fäden auf. So verlieren die Stoffe ihre ursprüngliche Form- und Farbzusammensetzung, ihre Muster sind zerstört. Sie legt verborgene Schichten und die Bedeutung des einzelnen Fadens innerhalb des Gewebes frei und auch die Farben, die im Gesamtzusammenhang nur gedämpft wahrzunehmen waren, beginnen durch die Auflösung zu leuchten. Bezüge zum Impressionismus und Pointilismus, mithin zu einem westlichen Kunstverständnis der Japanerin werden damit hergestellt.

Aiko Tezuka: Certainty / Entropy (India 4), Detail Foto: Roland Baege

Aiko Tezuka: Certainty / Entropy (India 4), Detail
Foto: Roland Baege

Die Globalisierung führt zu weltweitem Austausch auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet, zur Massenproduktion, zur Wegwerfgesellschaft und zum Verlust des Bewusstseins von historischen Werten. In Japan kam es bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zur Öffnung gegenüber dem Westen, die japanische Gesellschaft wandelte sich, die westliche Kultur wurde zum Vorbild, das Wissen über die Arbeitstechniken traditioneller japanischer Textilherstellung ging verloren. Auch in der Malerei fand eine Neuorientierung statt, die sich z.B. am Japonismus des 19. Jahrhunderts erkennen lässt, als Gaugin, van Gogh oder Renoir asiatische Einflüsse aufgriffen.

Die grossformatige, zum ersten Mal in Deutschland ausgestellte Installation ‘Thin Membrane / Pictures Come Down’ beinhaltet solche historischen Aspekte. Insgesamt vereint der 4 Meter hohe und 4,28 Meter breite durchsichtige Stoff 25 gestickte Bilder, die von der Darstellung von Fadenspielen über die Abbildung eines Meisterwerks europäischer Kunst oder auch von ägyptischer Kleidung bis hin zu chinesischen Landschaftsansichten und japanischen Möbel-Ornamenten reichen. Die Künstlerin bringt damit auch zum Ausdruck, dass die Geschichte der Menschheit sowohl eine Geschichte der Dinge wie des Textilen ist.

Aiko Tezuka: Thin Membrane, Pictures Come Down

Aiko Tezuka: Thin Membrane, Pictures Come Down
Foto: Roland Baege

In neueren Arbeiten verwebt sie bekannte Bilder, wie Zitate aus der Kunstgeschichte, sowie traditionelle Ornamente mit Alltagssymbolen, wie mit Lebensmittelsiegeln oder dem Recycling-Zeichen. So hinterfragt sie Symbole, Muster und Stoffe nach ihrer kulturellen Zeugenschaft. Diese Dekonstruktion ist stets auch ein Akt der Rekonstruktion, mit der sie uns die Geschichte hinter ihren Werken als in Stoff verwobene Erinnerungen offenbart.

Aiko Tezuka wurde 1976 in Tokyo geboren, studierte Malerei in Kyoto und hatte bis 2009 Lehraufträge in Kyoto und Okayama. Anschliessend ging sie nach London, zog 2011 nach Berlin und erhielt im folgenden Jahr das Stipendium für das internationale Atelierprogramm im Berliner Künstlerhaus Bethanien. Aktuell lebt und arbeitet Aiko Tezuka in Berlin.

***

Info:

13. September – 9. November 2014

Aiko Tezuka – Thin Membrane, Pictures Come Down

DORTMUNDER KUNSTVEREIN
Park der Partnerstädte 2
44137 Dortmund

www.dortmunder-kunstverein.de
Website der Künstlerin

Öffnungszeiten:

Di – Fr: 15 – 18 Uhr
Sa – So: 11 – 16 Uhr
an Feiertagen geschlossen

Eine Begleitpublikation ist erhältlich.

Infos und Fotos vom Veranstalter zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Responses

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  • Gudrun Heinz

    liebe monika,
    gern geschehen! kein problem bei dem heissen tipp! 🙂
    ich bin gespannt, was du nach dem ausstellungsbesuch berichtest.
    beste grüsse
    gudrun

  • monika

    Das klingt sehr interessant!
    DANKE für den Bericht, liebe Gudrun.
    Ich werde die Ausstellung nicht versäumen.
    Gruß monika

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