Kreative Artikel zum Thema Quilten

Textile Vielfalt

Wandbehänge, Schmuckobjekte, Collagen und Experimentelles sind das Ergebnis der langjährigen künstlerischen Arbeit im Zirkel für Textilgestaltung Potsdam. Das Museum Europäischer Kulturen in der Arnimallee 25 in Berlin-Dahlem stellt anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Zirkels seit dem 19. Oktober 2014 in der Ausstellung ‘Textile Vielfalt’ die reichhaltige und geschichtsträchtige Arbeit dieser Gruppe vor.

Textiler Würfel – Ein Symbol, 2014. Marianne Herzog. Stickerei, Applikation, Collage.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Ute Franz-Scarciglia.
© Marianne Herzog

Der Zirkel für Textilgestaltung Potsdam ist im Rahmen des staatlich geförderten Amateurschaffens in der DDR entstanden. Hier wie in anderen osteuropäischen sozialistischen Staaten war die ‘Laienkunst’ als nebenberufliche Kunstausübung Bestandteil einer kulturell wie ideologisch geprägten und geförderten Breitenkultur. Sie entfaltete sich in den einzelnen Ländern als eine äusserst differenzierte kulturelle Bewegung.

Sonnenschirm, 1970. Zirkel für künstlerische Gestaltung Potsdam. Baumwollgewebe, Filmhanddruck, Metallgestell.
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Ute Franz-Scarciglia

In länderübergreifenden Ausstellungen begegneten sich die engagierten Akteure und auch die von ihnen geschaffenen Werke. Nach der politischen Wende in Deutschland wurde der Zirkel als Landesgruppe Brandenburg Mitglied des Fachverbandes …textil..e.V. Wissenschaft-Forschung-Bildung.

Halsschmuck, 1976. Vera Schlör. Perlenwebarbeit.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Ute Franz-Scarciglia.
© Landesgruppe Brandenburg des Fachverbandes textil, Vera Schlör

Die Potsdamer Gruppe experimentierte zwischen 1954 und 1963 vor allem mit vielfältigen textilen Gestaltungstechniken wie Batik und Applikationen, textilen Bemalungen sowie Schmuck- und Modegestaltungen. In den Jahren darauf war die Mode eins der Lieblingsthemen in der gemeinsamen künstlerischen Arbeit.

Strandkleid mit Tasche, 1970. Entwurf und Druck: Ingeborg Bohne-Fiegert, geschneidert von Hannelore Hoff. Filmhanddruck.
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Ute Franz-Scarciglia

Bis in die frühen 1990er Jahre fanden mehr als 200 Modenschauen statt. Besuche im Modeinstitut der DDR, in Museen und gemeinsame Reisen nach Moskau, Leningrad, Budapest, Sofia und Prag inspirierten die Kreativen.

Detail Abendanzug “Suleika”, 1972. Perlenwebarbeit und Entwurf: Ingeburg Sasse, geschneidert von Hannelore Hoff. Seide und Mischgewebe; Perlenwebarbeit.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Ute Franz-Scarciglia.
© Potsdam Museum. Forum für Kunst und Geschichte

Ein zweiter bedeutender Schwerpunkt war die gemeinsame Gestaltung von Wandbehängen. Insgesamt entstanden 42 grossformatige Objekte, auch in Kooperation mit anderen Gruppen. Viele der Wandbehänge zierten über Jahre öffentliche Einrichtungen.

Wandbehang “Textilstadt Potsdam”, 1993. Gemeinschaftsarbeit des Zirkels für künstlerische Textilgestaltung Potsdam, Leitung Ingeborg Bohne-Fiegert. Applikationsstickerei.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Ute Franz-Scarciglia.
© Potsdam Museum. Forum für Kunst und Geschichte

Die grosse Bandbreite der Objekte spiegelt in ihrer handwerklich-künstlerischen und der materiellen Vielfalt das Können und die Kreativität einzelner Akteurinnen und ermöglicht interessante Einblicke in gruppendynamische Prozesse, während denen einige der Arbeiten entstanden sind.

Collage “Turbulenzen”, 1998. Helga Graupner. Papier, Textil.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Ute Franz-Scarciglia.
© Landesgruppe Brandenburg des Fachverbandes textil

Nach 1990 organisierte sich die Potsdamer Gruppe neu. Thematisches Arbeiten und Experimentieren mit textilen und anderen Materialien standen nun im Mittelpunkt des kreativen Schaffens.

Filzhut “Napoleon” und Filzkette, 2000 u. 2009. Jutta Lademann und Sabine Piltz. Gefilzt und verziert.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Ute Franz-Scarciglia.
© Landesgruppe Brandenburg des Fachverbandes textil

Seit vielen Jahren gibt es eine enge Zusammenarbeit des Museums mit dem Fachverband …textil..e.V. und der Potsdamer Gruppe, die zum Ziel hat, textile Aktivitäten als Ausdruck kreativen Wirkens zu zeigen, zu initiieren und zu fördern.

Hut und Schuh “Silber”, 2003. Monika Leschik-Berndt. Papierpulp und Leder, Silberspray.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Ute Franz-Scarciglia.
© Potsdam Museum. Forum für Kunst und Geschichte

Das Miteinander und der Austausch zu künstlerisch-kreativen Prozessen und Themen sind der Impuls für diese Ausstellung. Zahlreiche Workshops, die von vielen Kooperationspartnern getragen werden, umrahmen die Ausstellung.

Bild “Inchi”, 2012. Sabine Piltz. Filz, Perlen; bestickt.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / Ute Franz-Scarciglia.
© Landesgruppe Brandenburg des Fachverbandes textil, Sabine Piltz

***

Info:

19. Oktober 2014 – 1. März 2015

Textile Vielfalt – Objekte aus 60 Jahren künstlerischer Textilgestaltung in Potsdam

Museen Dahlem
Museum Europäischer Kulturen
Staatliche Museen zu Berlin
Arnimallee 25
14195 Berlin
Sonderausstellungsraum, 1. OG

www.smb.museum/mek

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 10 – 17 Uhr
Sa + So: 11 – 18 Uhr
Mo geschlossen

Infos und Fotos vom Museum zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

4 Responses

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  • Gudrun Heinz

    halli hallo liebe annette,
    also, da bin ich ehrlich gesagt, überfragt. mir sind im westen mit den ddr-zirkeln vergleichbare organisationen oder ähnliches nicht bekannt.
    was die abnäher betrifft, habe ich das auch so gelernt wie du.
    sorry, aber vielleicht liest dies ja jemand mit mehr einblicken in die materie … und kann hier weiterhelfen.
    beste grüsse
    gudrun

  • Annette

    Hallo Gudrun,
    Danke für den interessanten Bericht! Schade, dass ich von der “Szene” so gar keine Ahnung habe – interessant wäre eine Gegenüberstellung. Ich vermute einfach mal, dass sich die Textilkunst diesseits und jenseits des eisernen Vorhangs unterschiedlich entwickelt hat.
    Was mir als “altem” Klamottennäher (und genauen Bilderangucker) auffällt: Der Brustabnäher beim Abendanzug “Suleika” ist entgegen einer mir eingetrichterten eisenen Regel nach oben gebügelt. Ich frage mich, warum…
    Liebe Grüße Annette.

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