Kreative Artikel zum Thema Quilten

Mode aus dem Rahmen

Seit dem 28. November 2014 zeigt das Bayerische Nationalmuseum in München die Studioausstellung ‘Mode aus dem Rahmen – Kostbar bestickte Kleidung des späten 18. Jahrhunderts’.

Besticktes Seidenkleid Frankreich, um 1780/90 © Bayerisches Nationalmuseum München

Besticktes Seidenkleid
Frankreich, um 1780/90
© Bayerisches Nationalmuseum München

Prächtige Gewänder, die die Zugehörigkeit zur Oberschicht, aber auch einen erlesenen Geschmack zum Ausdruck brachten, spielten im 18. Jahrhundert eine grosse Rolle. Frankreich gab dabei in ganz Europa den Ton an. Für festliche, repräsentative Roben und Anzüge bevorzugte man aufwendige Stickereien. Im ausgehenden Ancien Régime kamen hierfür bunte Dessins in Mode, deren kräftige, kontrastreiche Farbzusammenstellungen heute mitunter erstaunlich modern wirken. Solche Seiden- und Metallstickereien wurden von Männern und Frauen in spezialisierten Meisterbetrieben gefertigt.

Besticktes Seidenkleid Frankreich, um 1780/90 © Bayerisches Nationalmuseum München

Besticktes Seidenkleid
Frankreich, um 1780/90
© Bayerisches Nationalmuseum München

Im Zentrum der Ausstellung steht ein französisches Hofkleid aus den 1780er Jahren mit feinster Stickerei. Es ist eines der herausragenden Objekte der Kostümsammlung Williams, die das Bayerische Nationalmuseum 1996 erwarb. Das in Einzelteilen angekaufte Gewand konnte im Atelier für Textilrestaurierung des Museums in aufwendiger Rekonstruktionsarbeit in seine ehemalige Form zurückgeführt werden und erstrahlt nun wieder in ganzer Pracht. Hofkleider dieser Art haben sich weltweit kaum erhalten. Daher ist ein Teil der Ausstellung der Schnittform und der Rekonstruktion dieser besonderen Robe gewidmet.

Besticktes Seidenkleid (Detail) Frankreich, um 1780/90 © Bayerisches Nationalmuseum München

Besticktes Seidenkleid (Detail)
Frankreich, um 1780/90
© Bayerisches Nationalmuseum München

Des Weiteren werden elf bestickte Herrenkleidungsstücke aus der Zeit zwischen 1780 und 1800 gezeigt, die teilweise bisher noch nie zu sehen waren. Um den Arbeitsprozess der Sticker zu verdeutlichen, präsentiert die Ausstellung ein äusserst seltenes französisches Album mit den neuesten Stickmustern der damaligen Zeit, aus dem die Kunden das Gewünschte auswählen konnten. Dazu gesellen sich Halbfabrikate von Westen, also nach der jeweiligen Schnittform bestickte Stoffbahnen, die dann entsprechend zugeschnitten werden konnten.

Herrengilet aus Seide Deutschland, um 1790 -1800 © Bayerisches Nationalmuseum

Herrengilet aus Seide
Deutschland, um 1790 – 1800
© Bayerisches Nationalmuseum

Die Mode, die auf den Rahmen der Stickerei-Ateliers entstand und in den feinsten Kreisen getragen wurde, bezaubert bis heute durch ihre Kostbarkeit, die Phantasie der farbenfrohen Dessins und der Perfektion ihrer Ausführung.

Seidener Herrenanzug (habit habillé) Italien (?), um 1790 © Bayerisches Nationalmuseum

Seidener Herrenanzug (habit habillé)
Italien (?), um 1790
© Bayerisches Nationalmuseum

Das 68 Seiten umfassendes Katalogheft zur Ausstellung ist nur über den Museumsladen des Bayerischen Nationalmuseums erhältlich.

***

Info:

28. November 2014 – 30. Dezember 2016

Mode aus dem Rahmen
Kostbar bestickte Kleidung des späten 18. Jahrhunderts
Studioausstellung

Bayerisches Nationalmuseum
Prinzregentenstrasse 3
80538 München

www.bayerisches-nationalmuseum.de

Infos und Fotos vom Museum zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

3 Responses

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  • Gudrun Heinz

    halli hallo,
    vielen dank euch beiden für die interessanten kommentare.
    ich habe so die vermutung, dass den herrschaften die frage, ob das kleidungsstück schmutzig wird, völlig egal war. denn: um die pflege kümmerten sie sich doch bestimmt nicht selbst. solange genug louis d’or in der schatulle waren …
    beste grüsse
    gudrun

  • Annette

    Hallo Gudrun,
    Danke für den wieder sehr informativen Beitrag!
    Dass es damals bereits Halbfabrikate gab, war mir neu.
    Nebenbei: Ich denke, dass die Herrschaften (vor allem die Damen), die sich solch aufwändige Gewänder leisten konnten, nur in Ausnahmefällen zu Fuß unterwegs waren. Dann schon eher die Sticker und Stickerinnen dieser Kostbarkeiten…
    Liebe Grüße Annette.

  • Pia René Schmitt

    Das sind wunderschöne Kleider gewesen damals. Aber wenn man bedenkt, wie schmutzig die Straßen und Wege damals waren, mussten die Kleider unten eigentlich immer schmuddelig gewesen sein. Da könnte man doch heulen.
    Vielen Dank für die hübschen Bilder und
    herzliche Grüße
    Pia René Schmitt

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