Kreative Artikel zum Thema Quilten

Textil.Bild.Kunst.

‘Erst mit den neuen Bauelementen Beton und Stahl fällt dem textilen Wandbehang wieder eine sinnvolle Aufgabe zu: den Schall zu dämpfen und mit der Eigenwilligkeit der natürlichen Fasern einen wohltuenden Gegensatz zu den künstlich bestimmbaren Materialien … zu schaffen.’ Mit diesen Worten wurde Anfang der 1960er Jahre zum 20-jährigen Bestehen der Nürnberger Gobelin-Manufaktur der repräsentative Wandteppich als die Krönung der Textilkunst gewürdigt.

Inge und Fritz Vahle, Abstrakte Komposition, 1950/59 Applikationstechnik, 183 x 94 cm Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2010/3 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Inge und Fritz Vahle, Abstrakte Komposition, 1950/59
Applikationstechnik, 183 x 94 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2010/3
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Seit dem 29. November 2014 und noch bis zum 22. März 2015 sind in der Ausstellung ‘Textil.Bild.Kunst.’ neben weiteren Leihgaben vor allem Exponate aus der eigenen Textilkunst-Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund zu sehen. Unter ihnen fünf besondere Exponate, mit denen die Dortmunder Sammlung zur Textilkunst jüngst erweitert werden konnte: fünf grossformatige Wandteppiche aus dem 1966 eröffneten Dortmunder Opernhaus (siehe Flyer).

Inge und Fritz Vahle, Abstrakte Komposition, 1950/59 Applikationstechnik, 243 x 141 cm Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2010/2 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Inge und Fritz Vahle, Abstrakte Komposition, 1950/59
Applikationstechnik, 243 x 141 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2010/2
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Das Gebäude bestach seinerzeit durch eine aussergewöhnliche Architektur und seine Kunst am Bau, die miteinander in einen eigenständigen Dialog traten. Für alle baukünstlerischen Arbeiten im Opernhaus, auch für die Wandteppiche, die das Besucherfoyer schmücken sollten, war ein Ideenwettbewerb ausgelobt worden. Es wurden je zwei Entwürfe der Künstler Hubert Berke, Harry Fränkel und Elisabeth Kadow ausgewählt, die bei gleicher Höhe unterschiedliche Dimensionen hatten und damit dem Wunsch nach einer asymmetrischen Aufgliederung der Wandflächen entsprachen.

Liselotte Engelhardt, Ischia, 1958 Petit-Point-Stickerei, 12,5 x 13,2 cm Museum für Kunst und Kul-turgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2004/103 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Liselotte Engelhardt, Ischia, 1958
Petit-Point-Stickerei, 12,5 x 13,2 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2004/103
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Alle Künstler hatten als ausführende Werkstatt die Nürnberger Gobelin-Manufaktur vorgeschlagen. Die Herstellung sollte inklusive der Künstlerhonorare 147.150 DM betragen. Der Auftrag der Stadt Dortmund wurde der Manufaktur am 24. September 1963 erteilt und es dauerte zwei Jahre, bis die Wandteppiche angefertigt waren. Noch vor der Eröffnung des Opernhauses wurde der Wandteppich ‘Dortmund II’ von Elisabeth Kadow auf der 2. Internationalen Biennale der Tapisserie in Lausanne dem interessierten Fachpublikum präsentiert.

Liselotte Engelhardt, Gelber Pfeil, ohne Jahr Petit-Point-Stickerei, 12,5 x 13,2 cm Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2004/106 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Liselotte Engelhardt, Gelber Pfeil, ohne Jahr
Petit-Point-Stickerei, 12,5 x 13,2 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2004/106
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

In der Zeit des Wiederaufbaus nach 1945 war es nicht ungewöhnlich, repräsentative Innenräume mit Wandteppichen auszustatten. Das Opernhaus-Ensemble, von denen zwei Tapisserien mit über sechs Metern Breite ein ausserordentliches Mass erreichten, ist in Anzahl, Dimensionen wie künstlerischer Qualität wohl einzigartig. Fünf dieser Teppiche haben sich erhalten und werden in der Ausstellung ‘Textil.Bild.Kunst.’ erstmals nach ihrer umfänglichen Restaurierung in einer Kölner Werkstatt wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

Liselotte Engelhardt, Dunkler Klang, 1964 Perlenstickerei, 12 x 13,5 cm Museum für Kunst und Kulturge-schichte Dortmund, Inv. Nr. 2004/113 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Liselotte Engelhardt, Dunkler Klang, 1964
Perlenstickerei, 12 x 13,5 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2004/113
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

‘Textil.Bild.Kunst.’ erzählt die Geschichte der Herstellung dieser Tapisserien in der von Irma Goecke (1895 – 1976) geleiteten Nürnberger Gobelin-Manufaktur samt ihren vielfältigen Bezügen zu Dortmund. Die 1941 von Irma Goecke und Karl Wollermann – damals ständiger Vertreter des Direktors der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg – begründete Nürnberger Gobelin-Manufaktur war ursprünglich zur Ausstattung von nationalsozialistischen Repräsentationsbauten konzipiert, erhielt aber ihre eigentliche künstlerische Bedeutung in der Nachkriegszeit durch die Herstellung moderner Tapisserien. Dabei orientierte sie sich stark am französischen Vorbild in Aubusson. Dort hatte der Maler Jean Lurçat seit 1939 die Tapisseriekunst erneuert, die nach 1945 durch zahlreiche Ausstellungen international bekannt wurde.

Hedwig Klöckner-Triebe, ohne Titel, 1967/68 Spitzengewebe 28 x 53 cm Museum für Kunst und Kultur-geschichte Dortmund, Inv. Nr. 2006/80 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Hedwig Klöckner-Triebe, ohne Titel, 1967/68
Spitzengewebe 28 x 53 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2006/80
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Die neue Wertschätzung textiler Bildkunst gab auch deutschen Kunstschaffenden auf diesem Gebiet einen wichtigen Impetus. Bis zur Schliessung im Jahre 2004 war die NGM die wichtigste deutsche Manufaktur für grossformatige textile Wandbilder. Namhafte Künstler waren Ernst Wilhelm Nay, Fritz Winter, Georg Meistermann und nicht zuletzt die renommierte Textilkünstlerin Elisabeth Kadow, die die Entwicklung der deutschen Textilkunst massgeblich beeinflusst hat. Die Arbeiten der NGM und ihrer Künstler wurden auf nationalen wie internationalen Ausstellungen gezeigt und erhielten zahlreiche Auszeichnungen.

Karl Wollermann, Fischvase mit Granatäpfeln, 1969 Schattenstickerei, 34 x 34 cm Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. C 6428 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Karl Wollermann, Fischvase mit Granatäpfeln, 1969
Schattenstickerei, 34 x 34 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. C 6428
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus mit seiner Werkstatt für Weberei hatte einen grossen Einfluss auf die textilkünstlerische Ausbildung im 20. Jahrhundert. Auch die in Deutschland schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestehenden Kunstgewerbeschulen waren bedeutende Ausbildungsstätten für Textilkunst.

Liselotte Engelhardt, Zitadelle im Meer, 1973 Perlenstickerei, 9,2 x 18 cm Museum für Kunst und Kultur-geschichte Dortmund, Inv. Nr. 1998/96 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Liselotte Engelhardt, Zitadelle im Meer, 1973
Perlenstickerei, 9,2 x 18 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 1998/96
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Dortmund nahm bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wichtige Position in der textilkünstlerischen Ausbildung ein. An der Kunstgewerbeschule Dortmund war Irma Goecke von 1920 bis 1940 prägend als Leiterin der Textilfachklasse. Von 1927 bis 1934 unterrichtete auch Elisabeth Kadow hier in den textilen Fächern, bevor sie an die Textilingenieurschule Krefeld wechselte. Irma Goeckes Meisterschülerin Liselotte Engelhardt übernahm in der 1947 eröffneten Dortmunder Werkkunstschule die Leitung der Textilklasse für Sticken und Weben.

Alen Müller-Hellwig, Seidenbehang 'Fallende Tropfen', 1973 Wirkerei, 125 x 100 cm Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2001/359 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Alen Müller-Hellwig, Seidenbehang ‘Fallende Tropfen’, 1973
Wirkerei, 125 x 100 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2001/359
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Seit dem Ende des 20. Jahrhundert sind die Textilklassen aus der künstlerischen Ausbildung verschwunden – und damit die Kenntnis textilkünstlerischer Techniken. Geblieben ist die Wertschätzung textiler Bildkunst, sei es als Sammelgebiet oder als Thema retrospektiver Ausstellungen.

Liselotte Engelhardt, Technische Komposition, 1976 Petit-Point-Stickerei, 13,3 x 17,3 cm Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2004/107 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Liselotte Engelhardt, Technische Komposition, 1976
Petit-Point-Stickerei, 13,3 x 17,3 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2004/107
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

‘Textil.Bild.Kunst.’ versteht sich als Beitrag, um die textile Kunst in die allgemeine Kunstentwicklung der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einzubinden. Das für die Wand bestimmte Bild als Artefakt und die Auseinandersetzung mit der Bildkunst nach 1945 bis in die 1970er Jahre bilden die zentralen Themen. Danach wandte sich die Textilkunst zunehmend plastischen und räumlichen Tendenzen zu. Das textile Wandbild verlor dadurch an Bedeutung.

Hedwig Klöckner-Triebe, ohne Titel, 1978 Wirkerei, durchbrochen, 33 x 49,5 cm Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2006/81 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Hedwig Klöckner-Triebe, ohne Titel, 1978
Wirkerei, durchbrochen, 33 x 49,5 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2006/81
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Leihgaben aus Museen und Archiven in Nürnberg, Köln, Mönchengladbach, Braunschweig sowie aus Privatbesitz ergänzen hervorragend die textilkünstlerische Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, in der Namen wie Lotte Hofmann, Franz und Inge Vahle, Liselotte Engelhardt, Hedwig Klöckner-Triebe, Karl Wollermann und Alen Müller-Hellwig vertreten sind.

Lotte Hofmann, ohne Titel, ohne Jahr (1970/79) Maschinenstickerei, 37,7 x 27,5 cm Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2011/3 Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Lotte Hofmann, ohne Titel, ohne Jahr (1970/79)
Maschinenstickerei, 37,7 x 27,5 cm
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Inv. Nr. 2011/3
Foto: Madeleine-Annette Albrecht

Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich.

***

Info:

29. November 2014 – 22. März 2015

Textil.Bild.Kunst. Das textile Wandbild nach 1945

Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund
Hansastrasse 3
44137 Dortmund

www.museendortmund.de/mkk

Ausstellungsflyer

Infos und Fotos freundlicherweise vom Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

9 Responses

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  • Gudrun Heinz

    hallo stoffmadame,
    danke sehr für diesen einblick und die infos. sehr interessant! so allmählich verdichtet sich das bild, das wir hier gemeinsam von lotte hofmann zeichnen – klasse! ich bin gespannt, was noch zum vorschein kommt …
    beste grüsse
    gudrun

  • stoffmadame

    Hallo allerseits 😉
    Danke für den schönen Bericht mit den ausdruckstarken Fotos, liebe Gudrun! Ich konnte die Vernissage besuchen und war auch von den Stickbildern von Lotte Hofmann fasziniert. Ich hatte mich zu einigen Damen gesellt, die vor dem “Teaserbild” oder einem ähnlich künstlerischen standen, und von denen eine LoHo anscheinend gekannt hatte (sie war vielleicht ihre Nichte). Sie bestätigte, dass Frau Hofmann in den 70er Jahren solche Bilder freihand mit einer normalen Adlernähmaschine gestickt habe. Da sie sich im Gespräch mit den anderen Damen befand, konnte ich sie leider nicht näher befragen.
    Hier berührt sich diese auch bei uns traditionelle Textilkunst ja mit der für uns neuen Linie, dem Quilten.
    Sehr faszinierend!
    Liebe Grüße,
    stoffmadame

  • Gudrun Heinz

    hallo annette,
    den interessanten link sollte man sich merken, vielen dank dafür.
    über dein ‘gekrumpfeltes brett’ musste ich schmunzeln 🙂 neben den technischen neuerungen erleichtern uns heutzutage überall erhältliche verschiedene helferlein, wie folien und vliese in den tollsten variationen, die näh- und stickarbeiten ungemein. erhöhen aber auch die ansprüche …
    beste grüsse
    gudrun

  • Annette

    Hallo Gudrun, hallo Martina,
    dank Eurer Kommentare hat sich mir erschlossen, dass die Maschinenstickerei frei geführt wurde und nicht, nach Punchen (Digitalisieren ging damals vermutlich noch nicht) des Stickmusters, von einer Stickmaschine ausgeführt wurde (was den Wert der Arbeit für mein Verständnis nicht geschmälert hätte!).
    Habe dank Eurer Anmerkungen unter “Lotte Hofmann” das I-net durchforstet (hätte ich auch selbst darauf kommen können) und diese Seite gefunden: http://www.lotte-hofmann-stiftung.de/werk.htm.
    Sehr interessant und eindrucksvoll!
    Ob die damals verbreiteten mechanischen Nähmaschinen (immerhin schon überwiegend elektrisch) für diese Art des Maschinenstickens weniger geeignet waren als die modernen elektronischen – ich denke, nein. Ich habe mich in den 70ern mit der Tret-Pfaff meiner Mutter mit Nadelmalerei versucht. Das Problem war nicht die Maschine, sondern meine mangelhaften zeichnerischen und nähtechnischen Fähigkeiten. Die gestickte Landschaft sollte eine Bluse zieren. Das hatte sich nach meiner Produktion eines gekrumpfelten “Bretts” erledigt 🙂
    Liebe Grüße Annette.

  • Gudrun Heinz

    hallo martina,
    1000 dank! toll, dass du nachgesehen hast. so haben wir einen guten eindruck von lotte hofmanns arbeitsweise. ich vermute auch, dass sie mit ‘normalen’ nähmaschinen arbeitete, in technischer hinsicht genügt die einfache stopffunktion dafür ja eigentlich. und dies kombiniert mit ihrer gestaltungskraft – hut ab!
    und wer ins museum nach dortmund kommt, sollte ihre ausgestellten arbeiten auf keinen fall verpassen – genauso wenig, wie die gigantischen tapisserien vom opernhaus-foyer.
    beste grüsse
    gudrun

  • Soloquilt

    Hallo Gudrun, hallo Anette,
    vielen Dank für den Beitrag, Gudrun. Es ist wunderbar, was es früher tolle Arbeiten in Textil gegeben hat. Und leider ist das fast alles vergessen, vergangen.
    Lotte Hofmann – den Katalog zur angesprochenen Ausstellung habe ich vor fast zehn Jahren auf einem Ramschtisch für einen euro fünfzig ergattert. Mir sind sofort die Maschinenstickereien auf dem Cover ins Auge gestochen. Das gezeigte Bild ist da nicht drin, dafür aber ein paar andere aus der “Fleckerl”-Serie von 1973. Zitat aus dem Katalog:
    “Ihre Maschinenstickerei ist mit dem höchsten Grad an Perfektion ausgeführt. Ein derart spielerisch leichter Eindruck lässt sich nur durch perfekte Beherrschung der Technik und intuitive Gestaltungsfähigkeit erreichen. Obwohl Lotte Hofmann die Grundzüge ihrer Kompositionen wie Flächen- und Farbgestaltung in Vorstudien festhielt, gestaltete sie die Oberflächenstruktur frei und ohne Vorzeichnung. Nach Aussagen von Freunden setzte sie sich an die Maschine und begann mit großer Geschwindigkeit einfach loszunähen, wobei das Stoffstück blitzschnell in alle Richtungen gedreht wurde. Erst wer dies selber einmal an der eigenen Nähmaschine nachvollzogen und beispielsweise versucht hat, ohne Vorzeichnung einen akkuraten Kreis von kleinem Durchmesser zu nähen oder eine leere Fläche harmonisch mit Linien zu strukturieren, kann die Kunst ihrer Maschinenstickerei gebührend würdigen.”
    Also genau das, war wir heutigen Textilkünstlerinnen auch so machen. nur mit einer vieeeeel besseren Nähmaschine. Und weltweit anerkannt.
    LG Martina

  • Gudrun Heinz

    hallo annette,
    vielen dank für deine rückmeldung.
    bei dem teaser handelt es sich um ein detail aus der arbeit von lotte hofmann.
    diese künstlerin läuft mir nun schon seit ende der 90er jahre immer wieder über den weg, als nämlich in karlsruhe eine gedächtnisausstellung stattfand, die ich damals besuchte. ich war hin und weg! ich habe mir damals den katalog gekauft und dieser ist ein wahrer schatz, inzwischen leider vergriffen. ich werde ihn mal wieder durchlesen, komme aber im moment nicht ran, da wir gerade handwerker im haus haben. vielleicht ist diese obige arbeit darin enthalten.
    ich weiss aus dem ärmel jetzt nur so viel, dass lotte hoffmann, um die jahrhundertwende in karlsruhe geboren, nach dem krieg eine werkstatt namens LOHO gründete, um von auftragsarbeiten zu leben, es entstanden z.b. bühnenvorhänge, wandbehänge, bettüberwürfe, teppiche usw. der wahre luxus in der nachkrigszeit! sie ist bekannt geworden für ihre ‘fleckerln’ – ausgefranste viereckige applikationen, für frei geführte maschinenstickerei, die sie perfektionierte, und für dekorativ aufgelegte faserstränge, z.b. aus leinen oder jute, die sie übernähte (in ihren späten jahren, 1970er / 80er). ihre arbeiten sind einfach perfekt, sowohl was das design als auch was die ausführung betriftt. welche maschinen sie in den 70er benutzte, weiss ich jetzt allederings nicht, auch nicht, was damals überhaupt technisch möglich war. jedoch sind mir arbeiten aus den 50er jahren in erinnerung mit perfekt gestickten kreisen.
    also, sobald ich wieder an meine bibliothek herankomme, versuche ich, weiteres herauszufinden. die künstlerin wäre in der tat mal einen beitrag wert – wenn man bilder hätte!
    beste grüsse
    gudrun

  • Annette

    Hallo Gudrun
    Danke für den interessanten Bericht! Die Perlenstickereien sind der reine Wahnsinn!
    Der Teaser interessiert mich allerdings besonders. Habe versucht, zu googeln, bin aber nicht schlau geworden. Vielleicht weißt Du das: Wie ist die Maschinenstickerei gemacht? Freihand mit der Nähmaschine oder nach Punchen des Musters mit der Stickmaschine? Wobei ich nicht weiß, ob man ein solches Design in den 70ern überhaupt mit vertretbarem Muster für eine Stickmaschine punchen konnte. Wenn es überhaupt machbar ist; ich kann bei dem Bild viele Details nicht genau erkennen…
    Liebe Grüße Annette

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