Kreative Artikel zum Thema Quilten

Sophie Taeuber-Arp

Wie bereits berichtet, zeigt die Kunsthalle Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Aargauer Kunsthaus Aarau (Schweiz) noch bis zum 15. März 2015 die seit langem erste umfassende Retrospektive zum Werk von Sophie Taeuber-Arp, die 1889 in Davos geboren wurde und am 13. Januar 1943 in Zürich einem tragischen Unfalltod zum Opfer fiel.

Sophie Taeuber-Arp Kostüm 'Hopi-Indianer', um 1922 Verschiedene Stoffe, Filz 161 x 38 x 24 cm Aargauer Kunsthaus, Aarau /Depositum aus Privatbesitz © Foto: Peter Schälchli, Zürich

Sophie Taeuber-Arp
Kostüm ‘Hopi-Indianer’, um 1922
Verschiedene Stoffe, Filz
161 x 38 x 24 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau /Depositum aus Privatbesitz
© Foto: Peter Schälchli, Zürich

Durch ihr Portrait auf der 50-Franken-Note, mit dem sie die Schweiz ehrt, geriet Sophie Taeuber-Arp nicht in Vergessenheit und man kennt sie auch als Ehefrau und künstlerische Gefährtin von Hans Arp. Von 1916 bis 1929 leitet sie die Textilklasse an der Zürcher Kunstgewerbeschule. Sie unterrichtet mit dem Ziel, Kunst, Gestaltung, Handwerk und Alltag auf schöpferische Weise zu verbinden, die Grenzen zwischen den Gattungen aufzuheben. Sie lernt Hans Arp kennen. Beide lehnen die traditionellen Kunstformen ab, suchen nach Alternativen und beginnen, gemeinsam mit elementaren Formen zu arbeiten.

Über das Weben findet Sophie Taeuber-Arp zu neuen Ausdrucksformen: Bereits 1915 entstehen vollständig ungegenständliche Bilder. Diese gehören zu den ersten konkreten / konstruktiven Kunstwerken der Moderne und entstehen ungefähr zeitgleich mit den von Piet Mondrian (in den Niederlanden durch die Gruppe De Stijl) und von Kasimir Malewitsch (in Russland durch die Russische Avantgarde) entwickelten Werken.

Sophie Taeuber-Arp Plans et triangles pointe sur pointe, 1931 Öl auf Karton 37,4 x 45,5 cm Arp Museum Bahnhof Rolandseck © Foto: Mick Vincenz

Sophie Taeuber-Arp
Plans et triangles pointe sur pointe, 1931
Öl auf Karton
37,4 x 45,5 cm
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
© Foto: Mick Vincenz

Wie Hans Arp ist sie in der DADA-Bewegung der 1920er Jahre in Zürich aktiv, 1922 heiraten sie. 1926 ziehen sie nach Strassburg, wo SophieTaeuber-Arp zahlreiche Aufträge für Innenraum-Gestaltungen erhält, darunter die Aubette, ein Vergnügungszentrum mit Kino, Tanzsaal, Restaurant, Tea-Room und Bar, das sie zusammen mit ihrem Ehemann und dem Architekten Theo van Doesburg realisiert.

Von dem Erlös aus diesem Auftrag bauen sich die Arps ein Wohn- und Atelierhaus in der Nähe von Paris. Architektur, Gartengestaltung und Möbel entwirft Sophie Taeuber-Arp. In der Pariser Zeit festigt sich ihre Freundschaft zu dem Malerehepaar Sonia Terk und Robert Delaunay und zu ihrem Freundeskreis zählen auch Wassily Kandinsky, Joan Miró, Kurt Schwitters und Marcel Duchamp. 1936 – 39 wird zur intensivsten Arbeitsphase Sophie Taeuber-Arps, während der sie über hundert Werke erschafft und stilbildend für die Entwicklung der sogenannten Konkreten Kunst wird.

Sophie Taeuber-Arp Entwurf für die Innenausstattung des Cafés 'Aubette' in Strassburg, 1927 Gouache 60,3 x 40,1 cm Privatsammlung, Schweiz

Sophie Taeuber-Arp
Entwurf für die Innenausstattung des Cafés ‘Aubette’ in Strassburg, 1927
Gouache
60,3 x 40,1 cm
Privatsammlung, Schweiz

Obwohl ihr Werk lange Zeit im Schatten ihres Mannes Hans Arp stand, zählt Sophie Taeuber-Arp zu den herausragenden Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie arbeitet genreübergreifend in Malerei und Tanz, in Architektur und Design und sucht nach neuen Ausdrucksformen. Das bisherige Bild, das wir von Sophie Taeuber-Arp haben, ist immer noch geprägt von den postumen Äusserungen Hans Arps, der seine Frau als Träumerin und vornehmlich intuitiv arbeitende Künstlerin beschreibt. In das Werkverzeichnis, das er nach dem Tod Sophie Taeuber-Arps in Auftrag gibt, wird nur die so genannte ‘Hochkunst’, also Malerei, Zeichnung, Relief und Skulptur aufgenommen, nicht jedoch ihre kunsthandwerklichen und architektonischen Arbeiten.

Sophie Taeuber-Arp Cercles et barres, 1934 Öl auf Leinwand 64 x 74 cm Aargauer Kunsthaus, Aarau / Anonyme Schenkung © Foto: Jörg Müller, Aarau

Sophie Taeuber-Arp
Cercles et barres, 1934
Öl auf Leinwand
64 x 74 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Anonyme Schenkung
© Foto: Jörg Müller, Aarau

Die Ausstellung ‘Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen’ möchte dieses einseitige Bild revidieren und betrachtet das Werk der Künstlerin ganzheitlich und die verschiedenen Medien und Gattungen als gleichwertig; denn gerade in ihrem gattungsübergreifenden, ungezwungenen und sehr bewussten Umgang mit den Gestaltungsmitteln liegt eine Pionierleistung von Sophie Taeuber-Arp.

Sophie Taeuber-Arp Halskette, 1918-1920 Perlen, gefädelt; Schlingtechnik 40 cm Länge Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum aus Privatbesitz © Foto: Peter Schälchli, Zürich

Sophie Taeuber-Arp
Halskette, 1918-1920
Perlen, gefädelt; Schlingtechnik
40 cm Länge
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum aus Privatbesitz
© Foto: Peter Schälchli, Zürich

Die retrospektivisch angelegte Werkauswahl mit Arbeiten aus allen Schaffensphasen trägt Sophie Taeuber-Arps unverkennbarem Kunstverständnis Rechnung. Zu dem substanziellen Werkbestand aus der Sammlung des Aargauer Kunsthauses konnten hochkarätige Leihgaben aus internationalen und nationalen Museen, den nachlassverwaltenden Institutionen sowie verschiedenen Privatsammlungen für die Bielefelder Ausstellung gewonnen werden.

Darunter befinden sich Werke, die zu Lebzeiten Sophie Taeuber-Arps wie auch später kunsthistorische Anerkennung finden, so z.B. eine Reihe von Ölgemälden, Reliefs und Papierarbeiten, mit denen die Künstlerin in den 1930er Jahren die konkrete und konstruktive Bildsprache nachhaltig prägt, es sind aber auch weniger bekannte Werke zu sehen: Textil- und Kostümentwürfe, Webarbeiten oder Schmuckstücke, die Sophie Taeuber-Arp bereits in den 1910er Jahren entworfen hat. Obwohl sie damit ihrer Zeit voraus ist, wurde dem angewandten Schaffen Sophie Taeuber-Arps im Kunstkontext bisher wenig Beachtung geschenkt.

Sophie Taeuber-Arp Personnages, ca. 1927/28 Öl auf Leinwand 50 x 65 cm Privatsammlung, Schweiz

Sophie Taeuber-Arp
Personnages, ca. 1927/28
Öl auf Leinwand
50 x 65 cm
Privatsammlung, Schweiz

Die Ausstellung ‘Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen’ bietet die Möglichkeit, die gattungsübergreifende Denk- und Vorgehensweise dieser Künstlerin anhand von knapp 200 Exponaten in noch nie dagewesener Tiefe und Breite zu erkunden und so ihre Pionierleistung für die Moderne umfassend zu würdigen.

Sophie Taeuber-Arp Triptyque (I-III), 1933 Öl auf Leinwand je 50 x 50 x 3 cm Privatsammlung, Schweiz

Sophie Taeuber-Arp
Triptyque (I-III), 1933
Öl auf Leinwand
je 50 x 50 x 3 cm
Privatsammlung, Schweiz

‘Heute ist Morgen’ – lautet der Ausstellungstitel. ‘Er sollte auf kürzeste Weise ausdrücken, was eine Ausstellung will und wie sie dem Werk einer Künstlerin begegnet’, erläutert Thomas Schmutz. Der Kurator und stellvertretende Leiter des Aargauer Kunsthauses, wo die Ausstellung 2014 bereits gezeigt wurde, erklärt weiter, dass ‘Heute ist Morgen’ die kleinst mögliche Verdichtung einer Idee darstelle, nämlich dass Sophie Taeuber-Arp schon früh für ihre Web- und Stickarbeiten Formen fand und einsetzte, auf die sie später auf sehr spielerische Weise wiederholt zurückgegriffen habe. Der Ausstellungstitel kennzeichnet so den zeitlichen Vor- und Rückgriff und die zeitliche Verschränkung ihrer künstlerischen Haltung.

Sophie Taeuber-Arp Six Espaces Distinct, 1939 Öl auf Leinwand 64 x 87 cm Privatsammlung, Schweiz

Sophie Taeuber-Arp
Six Espaces Distinct, 1939
Öl auf Leinwand
64 x 87 cm
Privatsammlung, Schweiz

Ihr souveräner Umgang mit Formen und Farben sowie der subtile Einbezug aktueller Kunstströmungen erlaubt ihr die Entwicklung einer unverwechselbaren künstlerischen Handschrift, die in den verschiedensten Medien wiederzufinden ist.

Ein ganz besonderes Highlight der Ausstellung sind die originalen Marionetten, die Sophie Taeuber-Arp 1918 für Carlo Gozzis Stück ‘König Hirsch’ entwirft und die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sind.

Marionetten zu König Hirsch, Dr. Complex, 1918 Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung © ZHdK, Marlen Perez

Marionetten zu König Hirsch, Dr. Complex, 1918
Museum für Gestaltung Zürich,
Kunstgewerbesammlung
© ZHdK, Marlen Perez

‘Diese Marionetten sind ein ganz zentraler Angelpunkt’, erklärt der Kurator der Ausstellung im Aargauer Kunsthaus, Thomas Schmutz. Sie entstehen schon sehr früh, 1918, und verbinden alle wesentlichen Elemente der Arbeitsweise und der künstlerischen Haltung Sophie Taeuber-Arps: die Formen (Kreise, Kuben), die Materialien (Stoff für die Kostüme), das Gleichgewicht über die Bewegung der Marionetten und eine Dramaturgie.

Marionetten zu König Hirsch, Deramo, 1918 Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung © ZHdK, Marlen Perez

Marionetten zu König Hirsch, Deramo, 1918
Museum für Gestaltung Zürich,
Kunstgewerbesammlung
© ZHdK, Marlen Perez

‘Sophie Taeuber-Arp hat getanzt, Tanz war ihre grosse Leidenschaft und über den Tanz kommt die Bewegung mit hinein zu den Marionetten, der Ansatz der Dramaturgie und ganz wichtig, das Dreidimensionale,’ fährt Thomas Schmutz fort. Als Architektin und in ihren Reliefs habe sie das dreidimensionale Denken und Schauen geübt. ‘Auch dieser Moment ist in den Marionetten schon früh vorhanden und kann sich von diesem Punkt aus durch das ganze Werk deklinieren’, beschliesst Thomas Schmutz seine Ausführungen im Videofilm auf der Website der Kunsthalle Bielefeld.

Marionetten zu König Hirsch, Hirsch, 1918 Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung © ZHdK, Marlen Perez

Marionetten zu König Hirsch, Hirsch, 1918
Museum für Gestaltung Zürich,
Kunstgewerbesammlung
© ZHdK, Marlen Perez

Die Kunsthalle Bielefeld knüpft mit dieser Ausstellung an die grosse Ausstellung zu Sonia Terk-Delaunay im Jahr 2008 an, einer weiteren grossen Wegbereiterin der Moderne des 20. Jahrhunderts. Beide Künstlerinnen verbindet eine jeweils eigenständige Formensprache, die jedoch lange im Schatten ihrer berühmten Lebenspartner Robert Delaunay und Hans Arp gesehen wurde.

Sophie Taeuber-Arp Construction d’un cercle noir et segments bordeaux rouges et bleus, 1942 Tusche und Guache 35 x 27 cm Arp Museum Rolandseck © Foto: Mick Vincenz

Sophie Taeuber-Arp
Construction d’un cercle noir et segments bordeaux rouges et
bleus, 1942
Tusche und Guache
35 x 27 cm
Arp Museum Rolandseck
© Foto: Mick Vincenz

Nach dem Aargauer Kunsthaus in Aarau, Schweiz, ist Bielefeld die einzige Station in Deutschland dieser umfangreichen Ausstellung zu Sophie Taeuber-Arp, die hier ergänzt wird um Hauptwerke aus der eigenen Sammlung von Hans Arp, Sonia Delaunay, Robert Delaunay, Max Ernst u.a.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich.
Verlag Scheidegger & Spiess Zürich, 2014, 288 Seiten, 58 EUR. ISBN 978-3-85881-432-6

***

Info:

12. Dezember 2014 – 15. März 2015

Sophie Taeuber-Arp
Heute ist Morgen

Kunsthalle Bielefeld
Artur-Ladebeck-Strasse 5
33602 Bielefeld

www.kunsthalle-bielefeld.de

Infos und Fotos freundlicherweise von der Kunsthalle Bielefeld zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

14 Responses

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  • Gudrun Heinz

    hallo rubina,
    vielen herzlichen dank, dass du diese plattform für eine äusserung deiner eigenen meinung nutzt. ich finde dies klasse!
    zu meinem grossen bedauern war ein ausstellungsbesuch für mich diesmal nicht drin, aber ich möchte sophie taueber-arp als kind ihrer zeit doch einmal in den (kunst-)historischen kontext stellen:
    zum einen schloss sie sich der dada-bewegung an, die im februar 1916 in zürich ins leben gerufen wurde. führende figuren waren der rumänische dichter tristan tzara, sein landsmann marcel janco, der zum architekturstudium nach zürich gekommen war, der deutsche dichter richard huelsenbeck und der deutsche schriftsteller hugo ball mit seiner freundin emmy hennings sowie hans arp und sophie taeuber.
    man lehnte traditionelle kunstformen ab, man revoltierte mit parodie und satire gegen die gesellschaft und deren wertesystem und es war auch ein protest gegen die gräuel des ersten weltkriegs. dada wollte eine anti-kunst sein. durch absurde aktionen stellte man die bisherige kunst in frage, z.b. mit sinnfreien sog. lautgedichten oder auch mit sog. simultangedichten, die gleichzeitig von verschiedenen sprechern durcheinander gesprochen werden. grenzen zwischen traditioneller kunst und trivialkultur wurden überschritten.

    während der zeit des ersten weltkriegs breitete sich der dadaismus in ganz europa aus. künstler protestierten durch gezielte provokationen und vermeintliche unlogik gegen den krieg und das obrigkeitsstaatliche bürger- und künstlertum. gegen nationalismus und kriegsbegeisterung vertraten sie positionen des pazifismus. das zeitgenössische publikum reagierte mit verwunderung, einschüchterung und auch mit ablehnung.

    der russische suprematismus ist verbunden mit kasimir malewitsch, der 1915 die bewegung in der damaligen hauptstadt petrograd (heute: sankt petersburg) aus der taufe hob. unter anderem wurden in der ausstellung ‘0.10’ über 30 abstrakt-geometrische bilder malewitschs gezeigt, die zwischen 1913 – 15 entstanden waren. darunter auch ‘Schwarzes Quadrat’, das für die theorie der neuen bewegung stand: vollkommene abstraktion und reduktion auf einfachste geometrische formen, ein affront gegenüber der akademischen und realistischen malweise, wodurch später auch de stijl und das bauhaus beeinflusst wurden.
    gleichzeitig machten auch andere russiche künstler den schritt in die abstraktion, z.b. el lissitzki, dessen konstruktivistische werke politisch – dem marxismus – verpflichtet waren und mit denen er auf gesellschaftliche probleme hinwies.

    eines der wichtigsten mitglieder der niederländischen künstlervereinigung de stijl war neben theo von doesburg der maler piet mondrian, dessen vorliebe geometrischen kompositionen aus linien, rechtecken und quadraten mit primärfarben galt. nach einer reise konnte er 1914 wegen des kriegsausbruchs nicht nach frankreich zurückkehren, war vom zentrum der damaligen kunstwelt abgeschnitten. erstmals tauchen in seinen kompositionen die raster auf, 1919 veröffentlichte er eine reihe von schriften (u.a. neoplastizismus) dazu. die kunst sollte mondrian zufolge aus abstrakten elementen konstruiert werden, um eine reinheit des ausdrucks zu erreichen. 1924 führte van doesburg noch die um 45° geneigte diagonale ein und veröffentlichte 1925 ‘grundbegriffe der neuen gestaltenden kunst’, eine zusammenfassung der gedanken der bewegung. 1930 gründete van doesburg die gruppe konkrete kunst, eine neue art nicht-figurativer kunst.

    ab 1926 arbeiten die arps mit van doesburg zusammen in strassburg an der gestaltung der innenräume der aubette, in der sich die avantgardistischen vorstellungen von de stijl niederschlugen. nachdem sie nach frankreich übersiedelt waren, fanden sie dort eine kulturelle avantgarde vor und zu ihrem freundeskreis zählten u.a. auch kurt schwitters, zentrale figur des hannover-dada oder die delaunays, die sich dem sog. orphismus verpflichtet fühlen und sich mit der reinen farbe beschäftigten und mit prismen experimentierten. sonia delaunay hat u.a. später auch stoffe entworfen (die ich kürzlich in der pariser ausstellung bewundern konnte). die auffassung der delaunays von farbe und form mündete in abstrakten kompositionen (z.b. die sog. scheiben-bilder).

    nach dem ausbruch des zweiten weltkriegs waren die arps, aber auch die delaunays gezwungen, den pariser raum zu verlassen, übersiedelten 1940 nach südfrankreich und flohen später in die schweiz, wo sophie taeuber-arp im januar 1943 starb.

    in der zusammenschau finden sich zwei weltkriege und die russische revolution, die das kulturelle schaffen beeinflussten, künstler (nicht nur maler, sondern auch literaten, musiker, tänzer usw.), die protestieren, die nach neuen ausdrucksformen suchen und teilweise über den kubismus und futurismus zu den oben näher beschriebenen bewegungen, mithin zur abstraktion gelangen. dazu noch das 1919 gegründete bauhaus, das eine zusammenführung von kunst und handwerk anstrebt. vielleicht wird es jetzt verständlicher, das sophie taeuber-arp, die von textilarbeiten beeinflusst, geometrische muster entwirft, auf diese später zurückgreift und dabei eine formensprache entwickelt, die auch durch diagonalen und wogende linienkompositionen ergänzt wird.

    beste grüsse
    gudrun

    • stoffmadame

      Vielen Dank, liebe Gudrun, für diese sehr interessante Einordnung. Bis ich das alles verstanden habe, muss ich es noch 3x lesen 😉 , aber ich finde es einen sehr hilfreichen Überblick. Zumal ich es nämlich wieder mal nicht schaffe, diese Ausstellung zu besuchen, Viren sei Dank! Aber gut, dass sie wieder “ausgegraben” worden ist.
      Schönes Wochenende wünscht
      stoffmadame

      • Gudrun Heinz

        hallo stoffmadame,
        dann wünsche ich zunächst eine gute besserung, damit sich die viren endgültig verflüchtigen!
        leider zeigt mir ein blick auf die website der kunsthalle bielefeld, dass mit einer verlängerung dieser ausstellung nicht zu rechnen ist. die weiteren fotos von weiteren exponaten, die im moment dort noch unter dem button ‘ausstellungen’ anzuklicken sind, hast du bestimmt schon bemerkt, oder? so als mini-ersatz …
        ebenfalls ein schönes wochenende und
        beste grüsse
        gudrun

      • stoffmadame

        Oh zu spät gesehen! Dankeschön! Ja, die Fotos auf der Webseite hatte ich gesehen; die sind ja ganz schön großzügig von der Kunsthalle, Film und Fotos zu veröffentlichen, sehr schön 🙂

        Wenn alles gut geht, kann ich in den Osterferien mit einer Kollegin die Hundertwasser Lebenslinien – Ausstellung in Hagen ansehen. Wieder etwas ganz anderes; in einer Vorankündigung hab ich gelesen, da seien auch wenige textile Exponate bei.

        http://www.osthausmuseum.de/web/de/keom/aktuell/ausstellungen/hundertwasser.html

        liebe Grüße
        stoffmadame

  • Gudrun Heinz

    halli hallo,
    habt alle herzlichen dank für eure tollen und ausführlichen kommentare. ich nehme sehr gern dazu noch stellung. leider fällt seit gestern hier das internet aus, kommt kurz wieder und fällt wieder aus usw. es ist daher keine freude, zu schreiben! wenn sich dieses blöde technische problem gelöst hat, werde ich ausführlich antworten. bitte also noch etwas geduld haben – danke.
    morgen allen einen schönen sonntag – bin auf ausstellungsbesuch – alt-ägypten …
    bis demnächst beste grüsse
    gudrun

  • stoffmadame

    Ach ist das spannend! Das regt mich grade richtig an-auf, wo ich mich doch nach der Arbeit abregen wollte 😉
    Die Sachen von S T-A erinnern mich sehr an die Bauhaussachen, die ich zuletzt in Büchern gesehen habe. Nur sie war eher! Super spannend! Ob ich noch nach Bi komme?
    Vielen Dank für die Anregung!
    Schönes Wochenende wünscht stoffmadame

    • Gudrun Heinz

      halli hallo,
      es würde mich interessieren, ob du die ausstellung besuchen konntest und, wenn ja, wie dein eindruck war. danke sehr schon vorab.
      beste grüsse
      gudrun

  • Rubina

    Hallo Ihr Lieben,

    Mein Besuch der Ausstellung liegt etwa eine Woche zurück. Da ich recht begeistert war von “To open eyes” und der Ausstellung mit Werken von Sonia Delaunay in Bielefeld, war ich sehr gespannt darauf, was mich erwartet. Irgendwie fehlte mir diesmal jedoch ein wenig der Zugang. Ich würde mich nicht unbedingt als Kunstexperte bezeichnen. Da meine Mutter Kunstlehrerin ist und ich zwischen Aquarellfarben und Pastellkreide aufgewachsen bin, verfüge ich mMn dennoch über eine solide Grundlage, was Kunstverständnis angeht.
    Trotz des Einführungsfilms hätte ich gerne mehr verstanden von dem, was Sophie Taeuber Arp in ihren Werken be-/verarbeitete. Interessant sind für mich vor allem die späten Werke, da sie eine interessante “Gewichtsverteilung” durch die Anordnung von Punkten, Kreisen und Linien haben. Auch die Kostüme der Hopi Indianer sind beeindruckend mutig. So im großen und ganzen denke ich, dass man mehr hätte rausholen können aus der Ausstellung durch mehr Erklärung auch wenn der geneigte Kenner das vermutlich nicht braucht. Richtig wohlgefühlt habe ich mich beim Anblick von “Bal Bullier” von Sonia Delaunay.
    Das ist meine persönlich Ansicht zu “Heute ist Morgen”. Ich freue mich über Rückmeldungen, wie es anderen von Euch gegangen ist, die in der Ausstellung waren.

    Viele Grüße
    Rubina

  • Annette

    Hallo Gudrun,
    Dankeschön für den Bericht!
    Vor allem die Marionetten finde ich spannend. Unter dem von Dir o.g. Link kann man ein Video ansehen, in dem (nicht nur) die Marionetten sehr schön gezeigt werden.
    Liebe Grüße Annette.

    • Gudrun Heinz

      liebe annette,
      danke dir sehr. ja, die marionetten sind wirklich mal was aussergewöhnliches. dass sich künstler mit kostümen für theater oder ballett befass(t)en, hat man öfter – vgl. z.b. die gerade laufende oskar-schlemmer-ausstellung in stuttgart, stichwort ‘triadisches ballett’. http://www.staatsgalerie.de/ausstellung/schlemmer/
      beste grüsse
      gudrun

      • Annette

        Hallo Gudrun,
        Danke für den Hinweis auf Oskar Schlemmer. Hab im I-net ein Video mit den Triadischen Tänzen gefunden. Ich finde sie etwas inkonsistent, vermutlich verstehe ich sie nicht. Die Marionetten gefallen mir viel besser. Was ich nicht herausgefunden habe: Weiß man, ob die Marionetten von Sophie Teuber-Arp oder die Kostüme von Oskar Schlemmer zuerst waren?
        Hab, warum auch immer, Bauhaus bisher nur im Zusammenhang mit Architektur und Einrichtungsggegenständen gesehen. Bin vermutlich HfG (Ulm) – geschädigt…
        Liebe Grüße Annette.

      • Gudrun Heinz

        liebe annette,
        das triadische ballett entstand lt. wikipedia ab 1912 in zusammenarbeit oskar schlemmers mit den tänzern albert burger und elsa hötzel und wurde 1922 uraufgeführt.
        die marionetten schuf sophie taeuber-arp 1918.
        beste grüsse
        gudrun

      • Annette

        Hallo Gudrun,
        schön, dass Dein I-net wieder funktioniert 🙂
        Den wikipedia-Eintrag hatte ich gelesen. Ich frage mich, ob die beiden in Kontakt standen und sich ausgetauscht haben. I-net gab es damals ja noch nicht…
        Liebe Grüße Annette.

      • Gudrun Heinz

        hallo annette,
        ja, auf das www scheint hier wieder verlass zu sein. dafür ist unser festnetztelefon tot. übers wochenende und bis dato hat sich da auch noch nichts getan. ich hoffe auf eine spontanheilung 🙂
        ob oskar schelmmer bzw. seine tänzer-kollegen mit sophie kontakt hatten, ist eine interessante frage. sophie hat getanzt, also ausgeschlossen ist es theoretisch nicht, da sie ja zeitgenossen waren und zeitschriften und kontakte gab es ja. vielleicht liest dies ja ein kenner dieser szene und äussert sich dazu.
        beste grüsse
        gudrun

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