Montag, 20. April 2015
Wieder einmal habe ich mein Gepäck komplett umgepackt und lasse einen Koffer und eine grosse Tasche im Tresorraum des Hotels einschliessen. Der grüne Materialkoffer und ein Bordcase kommen mit nach Chennai, an die Westküste Indiens, wo Ajay und ich Tina Katwal, Ajays erste weibliche BERNINA Händlerin in seinem Vertriebsnetz besuchen und auch morgen dort einen Kurs für Papierlamination durchführen werden. Ich habe mich schon lange auf diesen Besuch gefreut und bin nun ganz gespannt was mich erwartet.
Der Flug geht zeitig und so werde ich bereits früh von Ajay am Hotel abgeholt. Nach knapp 2 Stunden Flug ist Chennai bereits erreicht.Und hier ist es noch eine Spur wärmer, doch die Luftfeuchtigkeit scheint etwas niedriger als im Mumbai zu sein. Jedenfalls knallt die Sonne erbarmungslos vom strahlend blauen Himmel. Indien, wunderbares Land.
Tina hat für diese Kurstage einen Fahrer gebucht, der unser ständiger Begleiter sein wird. So werden wir von ihm nun am Flughafen Chennai abgeholt und sicher durch den nicht ganz so dichten Verkehr wie in Mumbai chauffiert. Zuerst kann ich schnell in meinem Hotel einchecken, das unweit des Strandes zum Golf von Bengalen, dem nordöstlichen Randmeer des Indischen Ozeans liegt. Nach einer kurzen Erfrischung gehts dann bereits ins naheliegende Studio zu Tina Katwal. Die Begrüssung ist herzlichst und ganz schnell merken wir, dass die Chemie zwischen uns stimmt.
Mein Blick gleitet durch den angenehm kühlen und sehr hohen Raum. Vertraute Einrichtungsgegenstände wie die weltweit identischen BERNINA Regale mit den BERNINAs fallen mir ins Auge und bleiben dann auf den vielen Stoffstapeln hängen. Oh mein Gott! Auf mein genussvolles Seufzen hin erklärt mir Tina, dass dies in Chennai hergestellte Indische Batiks sind. Schauen Sie sich diese Farben an….
Gemeinsam fassen wir an und richten den Arbeitsbereich für den kommenden Kurstag ein.
Und dann war auch in Indien endlich ein wenig Zeit etwas von Land und Leuten kennenzulernen. Zu dem Angebot einen Indischen Tempel und eine besondere Kirche zu besuchen, sagte ich nicht nein. Und so fuhr uns der symphatische Fahrer zuerst eine Weile durch die nun dicht mit Fahrzeugen besiedelten Strassen Chennais. Immer wieder erhaschte ich den Blick auf kleinere Tempel, die sich zwischen Kiosken und grösseren Geschäften, Wohnhäusern und Parks befinden. Religion spielt in Indien eine ungleich grössere Rolle als bei uns in Deutschland. Der regelmässige tägliche Besuch im Tempel gehört zum Alltag.
Der Weg zum Tempel war von unzähligen Verkaufsständen gesäumt, an denen die Opfergaben zum Gebet an die Götter erstanden werden konnten.
Dann hiess es “Schuhe aus” und wenn man diese nicht einfach irgendwo herum stehen lassen wollte, gab man sie beim “Hüter der Schuhe” ab und erhielt ein Märkchen. Der Boden war schon recht warm, jedoch nicht heiss oder unangenehm.
Schritt für Schritt näherten wir uns nun dem Tempelinneren. Zu Anfang fotografierte ich noch, doch irgendwann liess ich die Kamera schweigen. Diese spezielle Stimmung im Tempel, zwischen Gebet, Stille und Meditation übertrug sich und jeder Klick und Blitz wären nur noch unpassend gewesen. So sind hier einige Eindrücke dieses so sehr speziellen Bereiches, den ich kennenlernen durfte.
Still und durchaus von der Stimmung ergriffen verliessen wir diesen heiligen Ort und machten uns auf Richtung dieser besonderen katholischen Kirche, die Tina uns zeigen wollte.
Es war die St. Thomas Basilika, die neben dem Petersdom in Rom und der Kathedrale von Santiago de Compostela auf dem Grab eines Apostels, des Apostels Thomas, der nach Überlieferung im Jahr 72 in Madras den Märtyertod gestorben sein soll, erbaut wurde.
Es war wieder einmal so typisch für Indien – diese starken Kontraste, die binnen weniger Minuten erfolgen.
Danach ging es weiter durch die Strassen Chennais, bis wir an die Küstenstrasse gelangten. Hier war das Nachtleben am Strand erwacht, wo sich Familien und Freunde zum gemeinsamen Feiern und Beisammensein treffen. Doch bis heute sind hier noch Spuren der grauenhaften Tsunami Katastrophe von 2004 zu sehen. Als Tina davon berichtete, als Augenzeugin und Betroffene, wurde mir erneut bewusst, in welch protegierter Gegend wir im inneren Europa leben können.
In einem Indischen Restaurant bekam ich weitere Eindrücke der Indischen Küche, gut war es!
Dann ging es später als gedacht ins Bett, meine Erkältung liess immer noch zu wünschen übrig, doch wirkten die Antibiotika bereits.
Gute Nacht.
Dienstag, 21. April 2015
Ich wachte schon früh auf und wagte einen Blick durch die den Raum vor Helligkeit und Hitze schützenden Vorhänge. Atemberaubend schön präsentierte sich das Licht und die Natur an diesem Morgen. Indien.
Und nun war es soweit, endlich trafen die Kursteilnehmerinnen ein, neugierig und sicherlich auch ein wenig aufgeregt, was wohl an diesem Tag auf sie zukommen würde. Hübsche Frauen in allen Alterklassen, wunderschön in Saris gekleidet, andere ganz praktisch in Jeans und Shirt. Herzlichst war auch hier, wie schon zuvor in Mumbai die Begrüssung und nach einer Vorstellung durch Ajay konnte es auch schon losgehen.
Da auch hier der Kursinhalt Papierlamination gewählt wurde, hatte Tina unzählige Zeitungen mit fantastischen Bildern und Überschriften zusammengetragen. Wow, das konnte sich sehen lassen. Und alle griffen mit Begeisterung zu und schufen die tollsten Kollagen!
Es wurde laminiert, anschliessend gedruckt, die Sicherheit für Farben lag auch diesen Damen schlicht im Blut!
Es wurde spannend. Die Papierlaminationen waren ein Hauch von wunderschönem Organza, dazu die gelungenen Drucke. Nun ging es an die BERNINA Nähmaschinen. Ans Freihandquilten und Zusammennähen. Und ein paar der zwölf Teilnehmerinnen hatten noch nie zuvor an einer Nähmaschine gesessen. Also übernahm Ajay Gupta den Part der Erklärungen an den BERNINA Nähmaschinen, die Einführung ins Maschinenquilten war dann meine Aufgabe und irgendwie lief es dann wie von selbst. Es war nicht zu glauben: diese Damen, die nie zuvor genäht hatten, quilteten ganz einfach drauf los. Ohne sich grossartig Gedanken zu machen. Und genau das ist der Weg. Wunderbar! Allerdings waren auch ein paar routinierte Quilterinnen dabei. Also alles in allem eine sehr schöne Teilnehmer-Mischung.
Diese Ergebnisse waren schlicht berauschend! Eine Kollage wie die andere war gelungen. Die Teilnehmerinnen waren hingerissen und ich war sehr beeindruckt!!
Stolz und sicherlich auch ein wenig von sich selbst überrascht erhalten zum Ende des Workshops alle Teilnehmerinnen ihr wohlverdientes Zertifikat. Wie schön war dieser Kurs, alles war stimmig, es hätte nicht besser sein können. Und für meine Workshopreise nach Asien war dies ein gelungener Abschluss mit einem schwungvoll, kreativer Schlussstrich.
Nun ja, zumindest arbeitstechnisch gesehen. Was nun noch folgte war der Gipfel.
Doch davon berichte ich übermorgen im nächsten und letzten Reisetagebuch aus Indien.
Herzlichst,
J. Hellbach
Liebe Jutta,
ich bin SEHR beeindruckt von Deiner Arbeit, Deinen Berichten samt Fotos und auch von den erzielten Ergebnissen! Hut ab!
Nach Caldas da Rainha würde ich Dich gern begleiten ……… 😉
LG monika
Hallo Jutta, man kommt ja kaum nach mit dem Lesen und Betrachten. Ich würde nach so vielen Eindrücken und anspruchsvollen Kursen eine lange Zeit brauchen, um mich zu sammeln und mich wieder zu finden. So ein Leistungs-Marathon, den du da hinlegst- ich zolle dir den allerhöchsten Respekt. Und dann kommst du nach Hause und schreibst locker einen Reisebericht nach dem anderen und fügst Fotos ein- du hättest auch eine gute Journalistin werden können. Ich ziehe den Hut und sage Danke!
Hallo Regina,
oh so lieben Dank für Deinen Kommentar. Angekommen bin ich nun nach 2 Wochen schon. Der Alltag nimmt einen gefangen, doch die Eindrücke, die ich mitgenommen habe sind tief verankert und meine Ansichten in ein paar Lebensbereichen haben sich seit dieser Reise grundlegend geändert. Und ja, es war und bleibt ein Marathon. All dies geht nur mit grosser Disziplin, denn ich bin kein ” so-là-là” Typ. Entweder richtig oder gar nicht. Und da ich alle Reiseberichte in Englisch übersetze und zeitgleich in den internationalen BERNINA Blog schalte braucht es pro Bericht gute 6-7 Stunden, bis dann alles fertig für die Öffentlichkeit ist. Das sieht der Leser vielleicht nicht einmal, doch mache ich es gerne, in erster Linie für BERNINA und die wunderbaren Ländervertretungen weltweit und dann natürlich auch für alle Leser/innen und schlussendlich auch für mich selbst, damit meine Eindrücke festgehalten werden. Ebenfalls habe ich eine grossartige Unterstützung seitens meiner Familie, die mir für viele Dinge so gut als möglich den Rücken freihält.
Morgen gibt es dann den letzten Teil aus dieser Reisetagebuchserie, es war wirklich viel zu lesen, doch ist es schön, wenn man ein positives Feedback bekommt.
Nächste Woche steht die Nadelwelt Karlsruhe, mit 2 Kursen und meiner Einzelausstellung an; darauf bin ich gespannt. Und nach Pfingsten fliegen mein Mann und ich nach Portugal und machen ein paar Tage Urlaub – Màrio Felizardo von BERNINA Portugal hat mich wieder zum Unterrichten eingeladen und so können wir diesesmal Arbeit und Vergnügen verbinden.
So wird der nächste Reisebericht aus Portugal kommen.
Einen schönen Sonntag, liebe Regina,
Jutta
Liebe Jutta
Dein Erlebnisbericht, einfach toll.
Du machst es aber spannend mit dem letzten Teil. Lass mich raten: Ein ultimativer Stoffmarkt, Stoffe und Zubehör, wohin das Auge reicht? Ein ganzer Stadtteil, voll mit Stoffhändlern? Kreiisch……
Mit Grüssen, Fabienne
Liebe Fabienne,
du liegst nicht ganz falsch, soviel sei schonmal verraten.
Morgen um 16 Uhr wirst es dann erfahren.
Einen schönen Sonntag dir,
Jutta