Kreative Artikel zum Thema Quilten

body extensions

Grosse bi-elastische Stoffmembranen sind zwischen die Säulen im Drosselsaal der ehemaligen Spinnerei Herding gespannt. Öffnungen und Schläuche, in die man hineinschlüpfen kann, zwingen den Körper in eine bestimmte Haltung – eine Verbeugung, ein Handschlag oder eine Umarmung. Die interaktive Installation zu Begrüssungsgesten aus verschiedenen Kulturen ist Teil der Ausstellung ‘body extensions’ mit Arbeiten von Louise Walleneit und gibt dem Besucher Gelegenheit, eigene (Körper-) Erfahrungen zu machen.

Louise Walleneit: Sieben Membrane, 2014, Detail Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseu zur Verfügung gestellt

Louise Walleneit: Sieben Membrane, 2014, Detail
Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseum zur Verfügung gestellt

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert die ‘body extensions’ noch bis zum 1. November 2015 in seinem Textilwerk Bocholt. Zu sehen sind Skulpturen, Fotografien und interaktive Rauminstallationen aus den Jahren 2008 bis 2015 der in Leipzig lebenden Designerin.

Louise Walleneit lässt in ihren Arbeiten die Grenzen zwischen Mode, Kunst und Körper verschwimmen. Sie setzt sich mit der Frage auseinander, welche Bedeutung Körpersprache und Verhüllung in der nonverbalen Kommunikation haben. Ihre Installationen zeigen Textilien als Gedächtnisträger des kollektiven Bewusstseins. Die abstrahierten Silhouetten der Begrüssungsrituale aus den Membranen werden zu tragbaren Erinnerungen übersetzt, ermöglichen so überall Begegnungen ‘fremder’ Kulturen.

Louise Walleneit: Translations, 2014, Detail Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseu zur Verfügung gestellt

Louise Walleneit: Translations, 2014, Detail
Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseum zur Verfügung gestellt

In Form gebrachtes Textil ist für Louise Walleneit nicht nur Schmuck des Körpers, sondern dient seiner Erweiterung. Ihre ‘body extensions’ können zugleich Mode, Skulptur oder Installation sein, die ihrem ursprünglichen Bedeutungs- und Handlungsraum entrissen und in einen neuen Kontext gestellt sind. Körper und Material stehen dabei in einem ständigen Dialog. Die Auseinandersetzung mit den dreidimensionalen Statements soll reizen, Grenzen zu überschreiten und neue Seh- und Denkmuster zu entwickeln.

Louise Walleneit: Geister, 2015 Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseu zur Verfügung gestellt

Louise Walleneit: Geister, 2015
Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseum zur Verfügung gestellt

Die Suche nach dem geeigneten Material ist die Basis für Walleneits Arbeiten; der menschliche Körper dient ihr als Inspirationsquelle. So hat die Designerin für ihre Installation ‘Geister’ Seidentücher um einen Fuss geschlagen und mit Schellack fixiert. Aus den entstandenen Skulpturen, die Abdruck und Spur einer Bewegung sind, inszenierte sie einen Fussweg.

Louise Walleneit: Geister, 2015, Detail Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseu zur Verfügung gestellt

Louise Walleneit: Geister, 2015, Detail
Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseum zur Verfügung gestellt

Die Arbeit ‘Kleider vom Nullpunkt’ zeigt Verhüllungen aus Kunststoff, Seide und Farbe, die auf Körpern geformt wurden. Auf grossen Fotofahnen sieht man Models in dieser Kleidung. Dieser Arbeit liegt die Beobachtung von auf der Leine gefrorener Wäsche zugrunde, die zu Formen und Figuren erstarrt ist: eine Anmutung, als sei die Zeit eingefroren worden. Die erstarrte Bewegung wird zur autonomen Form.

Louise Walleneit: Die Kleider vom Nullpunkt, 2007 - 09 Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseum zur Verfügung gestellt

Louise Walleneit: Die Kleider vom Nullpunkt, 2007 – 09
Foto freundlicherweise vom LWL-Industriemuseum zur Verfügung gestellt

***

Info:

29. März – 1. November 2015

body extensions
Louise Walleneit

LWL-Industriemuseum
TextilWerk Bocholt | Spinnerei
Industriestrasse 5
46395 Bocholt

www.lwl.org

Öffnungszeiten:
Di – So: 10 – 18 Uhr

Infos und Fotos freundlicherweise vom LWL-Industriemuseum zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

11 Responses

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  • Birgit Friese

    Liebe Grudrun, gestern waren wir mit vier Frauen in dieser tollen Ausstellung. Leider ist sie nicht mehr interaktiv. Es seien zuviele Sachen beschädigt worden, war die Begründung. Trotz allem sehr sehens- und empfehlenswert.
    Eine weitere Ausstellung, die parallel im selben Haus läuft, ist “Glanz&Grauen – Mode im Dritten Reich”. Auch toll! Hier werden Erinnerungen an Mütter und Großmütter zu Bildern geformt, die Erzählungen aus dieser Zeit, in der sie auch den Wunsch nach Mode hatten und wie sie dies mit den ihnen gegebenen Mitteln umsetzten. Gruß Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,
      herzlichen dank für deine hinweise. schade, dass textiles material nicht von unendlicher haltbarkeit ist – übrigens auch ein problem der archäologie.
      wer sich für die von dir erwähnte ausstellung ‘glanz und grauen’ interessiert – die hatte ich hier schon mal vorgestellt, als sie noch in euskichen zu sehen war:
      https://blog.bernina.com/de/2014/09/glanz-und-grauen/
      ich finde es aber toll, wenn besucher ihre eigenen eindrücke schildern! sozusagen eine zweite meinung – die ist immer gut 🙂
      beste grüsse
      gudrun

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,
    echt interessant, was sich KünstlerInnen mit Stoff einfallen lassen. Immer wieder überraschend. Allerdings muss ich mich Annette anschließen, reinschlüpfen wäre auch nichts für mich, hätte da wegen Platzangst auch Probleme. Aber anschauen ist ja auch schön.
    Liebe Grüße
    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,
      danke sehr für deinen kommentar. es gibt immer leute, die gern was ausprobieren möchten und dann diejenigen, die erst mal schauen. jedem das seine. wenn sich im kopf was bewegt, ist auch ein ziel, das in dieser ausstellung verfolgt wird, erreicht 🙂
      liebe grüsse
      gudrun

  • Annette

    Hallo Gudrun,
    Danke für diesen post!
    Die Membranen finde ich spannend, aber ich denke, dass ich aus Sorge wegen Platzangst eher nicht hineinschlüpfen würde.
    Sehr interessant finde ich die “Geister” und deren Entstehungsprozess, den die Künstlerin dankenswerter Weise preisgibt. Das ist ja etwas völlig anderes als das mir bisher ausschiesslich bekannte Abformen von Körperteilen mit Gips u.ä.
    Liebes Grüßle Annette.

    • Gudrun Heinz

      liebe annette,
      vielen dank – freut mich, wenn dich der beitrag anspricht.
      a-pro-pos entstehungsprozess der ‘geister’ – kennst du eigentlich textilhärter? wenn ja, hast du erfahrung damit? das würde mich mal interessieren.
      bis zum nächsten mal alles gute
      gudrun

      • Annette

        Hallo Gudrun,
        ich habe bereits mehrfach Versuche unternommen, Stoff zu “verbrettern”, allerdings weder für richtige Skulpturen noch mit speziellem Textilhärter.
        Den Jersey für den “König der Löwen” habe ich, weil ich den im Hause hatte, mit wasserfestem Holzleim behandelt. Tapetenkleister hätte ich auch genommen, hatte ich aber nicht hier 🙂 Das Problem (aus meiner Sicht) bei diesen “Hausmitteln” ist, dass sie wasserhaltig sind und den Stoff, wenn es kein wasserabweisendes Gewebe ist, mehr oder weniger krumpfeln, was wegen der Klebrigkeit der Substanzen schlecht glattzustreichen ist. Holzleim Bügeln war trotz Backpapier ziemlich mühsam, weil der mit Hitze wieder weicher wird; wäre mit Tapetenkleister vielleicht besser. Zudem ändert sich für meinen Geschmack nicht nur die Haptik, sondern bei größerer Menge für mehr Effekt auch die Optik des Stoffes. Holzleim glänzt ja in getrocknetem Zustand, und das sieht man auf dem Stoff. Flecken von lösungsmittelhaltigem Uhu in Stoff sind hart (unfreiwillige Beobachtung, Farbe und Glanz ändern sich), ebenso härtet Nagellack (habe damit in grauer Vorzeit Laufmaschen in Strümpfen gestoppt, ergab immer eine harte Stelle).
        Mit verschiedenen Applikationsvliesen einschliesslich der Extremvarianten habe ich auch experimentiert. So brettig, wie ich mir das nach meinen Recherchen im i-net vorgestellt hatte, wurde es auch mehrlagig nie. Demzufolge wollten die Teile auch nur ungern bis gar nicht in die Form, die ich mir vorgestellt hatte. Vielleicht habe ich da beim Aufbügeln etwas falsch gemacht. Man kann das Zeugs auch überhitzen; dann klebt nichts mehr (ebenfalls eigene Erfahrung 🙂 ). Zwischenzeitlich habe ich ein neues Bügeleisen mit (hoffentlich) präzise funktionierendem Thermostat 🙂
        Meine Mutter hat, als wir noch Kinder waren, die Landschaft der Märklin-Eisenbahn mit Windeln und Tapetenkleister gestaltet. Das Konstrukt wurde gleich in feuchtem Zustand mit farbigem ich-weiß-nicht-was bestreut, also 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen 🙂

        Liebes Grüßle Annette

      • Gudrun Heinz

        halli hallo annette,
        vielen dank für die schilderung deiner experimente. ich bin gespannt, womit du als nächstes versuche anstellst.
        beste grüsse
        gudrun

      • Annette

        Hallo Gudrun,
        mal schauen.
        Zum einen finde ich SnapPap interessant. Schleifen kann man es, ein erster Test der Weiterbehandlung mit Froschfett sieht vielversprechend aus. Der gefaltete Geldbeutel hat mich auf die Idee gebracht, die Oberfläche vom Pappelook in einen Lederlook verwandeln zu wollen. Und wenn mir bei meiner Räumerei der Heißluftfön in die Finger fällt, werde ich mal schauen, was das Material dazu sagt 🙂
        Zum anderen geistert in meinem Kopf herum, Wachholder so haltbar zu machen, dass er nicht irgend wann nadelt. Dazu brauche ich aber erst mal richtigen Wachholder. Ich fürchte, dass ich auf die Schwäbische Alb fahren muss, weil das, was im Garten wächst, üblicherweise Konifere ist 🙂 Magnolienblätter, die über den Winter im Garten sehr schön angewittert waren, konnte ich nach etlichem Experimentieren so stabilisieren, dass sie nicht bereits bei Berührung komplett zerbröseln. 3 davon hatte ich auf meinen “Oxygen” aufgenäht und sie sind trotz der ganzen Transporte noch so gut wie heil. Etwas “Bruch” hatte ich einkalkuliert, aber das passt zur Symbolik.
        Und den Versuch, CDs zu sägen, habe ich nicht vergessen 🙂
        Liebes Grüßle Annette.

  • Jutta Hellbach

    Liebe Gudrun,
    beim ersten Blick auf deinen heutigen Bericht in den Blog hatte ich ein déjà-vu. Ein paar Monate zurück zu meiner Kurstournee von BERNINA nach Asien. In Südkorea begrüsste man sich mit einer Verbeugung. In Indien legt man beide Hände vor der Brust zusammen, die Finger zeigen dabei nach oben, dazu beugt man den Kopf vor seinem Gegenüber.
    Traditionen, die man sich manchmal auch nach Europa wünscht, denn der Respekt, der einem entgegengebracht wird und den man selbst der zu begrüssenden Person schenkt bildet oft schon eine Brücke.
    Und so kann ich nur erahnen, wie sich der Besucher dieser Ausstellung fühlt, wenn er in diese “Haut” schlüpft.
    Tolle Ideen, auch die Geister haben es in sich. Wirklich gut gemacht.
    Schönen Sonntag,
    Jutta

    • Gudrun Heinz

      liebe jutta,
      vielen dank!
      mit deinem gedankengang hast du recht – in japan verbeugt man sich auch (nur, ohne handschlag). allerdings würde es nicht zu dem obigen foto passen, denn die haltung und der winkel der verbeugung usw. alles ist genau festgelegt, damit dem gegenüber auch der respekt entgegengebracht wird, der dem gegenüber gebührt. wahrscheinlich steckt eine ganz andere geisteshaltung dahinter.
      einen schönen abend noch und
      beste grüsse
      gudrun

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