Kreative Artikel zum Thema Quilten

Die Kleider der Buhlschaft

Alljährlich steht Hugo von Hofmannsthals Theaterstück ‘Jedermann’ auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele, mit dem sie auch in diesem Jahr am letzten Wochenende eröffnet worden sind. Bis heute inszenieren bedeutende Regisseure die ‘Tragödie vom Leben und Sterben des reichen Mannes’ vor dem Salzburger Dom.

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Es gilt in der Theaterwelt als eine Ehre, die Titelrolle des Jedermann zu verkörpern und auch die Buhlschaft, die Rolle der Geliebten in diesem Stück, wurde seit der Uraufführung (im Jahr 1911 in Berlin) stets hochkarätig besetzt. Die Buhlschaft des Jedermann steht für das blühende Leben und ist die personifizierte Verführung.

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Die Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’ trägt der Tatsache Rechnung, dass kein Kostüm der Salzburger Festspiele vor der Festspielzeit mehr öffentliche Neugierde und Aufmerksamkeit erregt als ihr Kleid. Wie bereits angekündigt, sind in dieser Ausstellung in den prachtvollen Räumen des Nordoratoriums des Salzburger Domes im Domquartier noch bis zum 1. November 2015 acht Kleider der Buhlschaft sowie Schuhe und Accessoires aus Inszenierungen der Salzburger Festspiele von 1990 bis 2014 und das Kleid des bisher einzigen weiblichen Todes (2005) zu sehen.

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Birgit Minichmayr, 2010  Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg Bustierkleid aus Seidenduchesse in Sienarot. Schmales Oberteil vorne zu haken. Am Dekolleté Einsatz aus plissiertem Seidenmousseline, Ton in Ton gefärbt, der mit einer Schleife betont ist. Langer in Falten gelegter Rock mit seitlichen Bahnen. Kostüm: Marlene Poley Schuhe: Satinpumps Ton in Ton bemalt und besetzt mit einer kleinen Stoffrose.

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Kleid von Birgit Minichmayr, 2010, Detail
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg
Bustierkleid aus Seidenduchesse in Sienarot. Schmales Oberteil vorne zu haken. Am Dekolleté Einsatz aus plissiertem Seidenmousseline, Ton in Ton gefärbt, der mit einer Schleife betont ist. Langer in Falten gelegter Rock mit seitlichen Bahnen.
Kostüm: Marlene Poley
Schuhe: Satinpumps Ton in Ton bemalt und besetzt mit einer kleinen Stoffrose.

Den Ausstellungsbesuchern bietet sich die Gelegenheit, Kostüme und damit auch Kostümbildung einmal als eigenständigen Teil der darstellenden Kunst zu erleben. Im Kontext des Gesamtkunstwerkes Theater wird dieser Beitrag oft als selbstverständlich konsumiert und man macht sich nicht bewusst, dass Kostüme Rollen unterstreichen und auch die sich ständig verändernden Moden und Sichtweisen widerspiegeln.

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Schuhe   Foto: ©RGS, Astrid Ducke

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Schuhe
Foto: ©RGS, Astrid Ducke

Die Ausstellungskuratorin, Dr. Erika Oehring von der Residenzgalerie Salzburg, bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: ‘Als ich mit der Ausführung einer Ausstellung für das Nordoratorium betraut wurde, ging es mir darum, ein Thema zu finden, das die Ästhetik der Räume betont und das Spannungsfeld von Objekt und Raum zur Wirkung bringt: ich dachte an dreidimensionale Objekte und an Textilien.’

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Kleider der Schauspielerinnen Birgit Minichmayr (siennarot), Nina Hoss (rot), Sophie v. Kessel (blau), Dörte Lyssewski (rot-gold), Veronica Ferres (puderrosa) Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Kleider der Schauspielerinnen Birgit Minichmayr (sienarot), Nina Hoss (rot), Sophie v. Kessel (blau), Dörte Lyssewski (rot-gold, lange Ärmel), Veronica Ferres (puderrosa)
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Man war sich schnell mit den Festspielwerkstätten, wo die Prunkstücke entstehen, einig. Nicht zuletzt auch, weil das Nordoratorium nahe am Domplatz, dem alljährlichem Aufführungsort des Jedermann, gelegen ist, war dies der ideale Ort, um diese Kunstwerke in ihrer Farbenpracht schweben zu lassen.

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Brigitte Hobmeier, 2014,Detail  Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Kleid von Brigitte Hobmeier, 2014, Detail
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Jedes Kleid ist ein Unikat, das nach dem Entwurf des Kostümbildners für die Schauspielerin in der jeweiligen Inszenierung angefertigt wird. Weil das Kleid die Weiblichkeit und die Verführungskunst der Rolle unterstreichen soll, sind auch Farbe und Material – Seide in all ihren Spielarten – wichtig. Dazu Dorothea Nicolai, die Direktorin Kostüm und Maske der Salzburger Festspiele: ‘Meistens leuchtet es in einem Rotton, der auf der grossen Bühne vor der Domfassade weithin sichtbar ist.’

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Brigitte Hobmeier 2014  Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg Kleid im Stil der 20er und 30er Jahre. An der Hüfte angesetzter extremweiter Rock (Saumweite 32 Meter) aus rotem Seidensatin, darüber eine Schicht rote Seidenmousseline. Schmales Oberteil aus Seidensatin, das von rot nach haut verlaufend gefärbt ist, mit durchsichtigen Trägern aus Organza. Besetzt mit Swarowski-Kristallen in verschiedenen Rot- und Hauttönen. Seitliche Blütenapplikationen. Kostüm: Olivera Gajic Accessoires: Fünfreihige Halskette aus silbergrauen Perlen und grauen Kristallsteinen. Schuhe: Tanzsandalen aus schwarzem Leder.

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Kleid von Brigitte Hobmeier, 2014
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg
Kleid im Stil der 20er und 30er Jahre. An der Hüfte angesetzter extrem weiter Rock (Saumweite 32 Meter) aus rotem Seidensatin, darüber eine Schicht rote Seidenmousseline. Schmales Oberteil aus Seidensatin, das von rot nach haut verlaufend gefärbt ist, mit durchsichtigen Trägern aus Organza. Besetzt mit Swarovski-Kristallen in verschiedenen Rot- und Hauttönen. Seitliche Blütenapplikationen.
Kostüm: Olivera Gajic
Accessoires: Fünfreihige Halskette aus silbergrauen Perlen und grauen Kristallsteinen.
Schuhe: Tanzsandalen aus schwarzem Leder.

Das Kleid des Todes bildet den Gegenpart zu der das Leben symbolisierenden Buhlschaft. Von 1920 – 2014 verkörperten insgesamt 31 Schauspieler den Tod des ‘Jedermann’. Darunter gab es nur eine weibliche Darstellung des Todes durch die Schauspielerin Ulrike Folkerts 2004 – 2005; in der Wiederaufnahme der Inszenierung von Christian Stückl unter der Leitung von Martin Kušej und Henning Bock.

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Ulrike Folkerts, Tod, 2005, Detail  Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg Detail des von barocken Schnittformen inspiriertes Kostüms. Reifrock aus Miederstäben in Schläuchen aus grau gefärbten Köperbändern. Mit zerrissenem Seidentüll besetzt, Ton in Ton gefärbt, bemalt in fahlem Weiss. Schulterfreies Miederoberteil mit Stäbchen aus Baumwolle, grau gefärbt und mit zerrissenem Seidentüll besetzt und bemalt. Kostüm: Dorothea Nicolai Schuhe: Barockschuhe aus Leder mit Metallschliesse, grau und bemalt.

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Kostüm von Ulrike Folkerts, Tod, 2005, Detail
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg
Detail des von barocken Schnittformen inspiriertes Kostüms. Reifrock aus Miederstäben in Schläuchen aus grau gefärbten Köperbändern. Mit zerrissenem Seidentüll besetzt, Ton in Ton gefärbt, bemalt in fahlem Weiss. Schulterfreies Miederoberteil mit Stäbchen aus Baumwolle, grau gefärbt und mit zerrissenem Seidentüll besetzt und bemalt.
Kostüm: Dorothea Nicolai
Schuhe: Barockschuhe aus Leder mit Metallschliesse, grau und bemalt.

Und was geschieht nach den Festspielen mit den Kostümen? Dorothea Nicolai beantwortet die Frage: ‘Die Entwürfe werden im Archiv der Festspiele aufbewahrt und die Kleider seit 1990 im Fundus gehütet.’

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft' Kleider der Schauspielrinnen Birgit Minichmayr (siennarot), Maddalena Crippa (rostrot, lange Ärmel), Nina Hoss (rot), Ulrike Folkerts (Tod) Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Kleider der Schauspielrinnen Birgit Minichmayr (sienarot), Nina Hoss (rot-gold), Maddalena Crippa (rostrot, lange Ärmel), Ulrike Folkerts (Tod)
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Die Ausstellung beginnt mit dem letzten Kleid aus dem Festspielsommer 2014, dem Kleid von Brigitte Hobmeier. Die Kleider wurden in farblicher Abstimmung angeordnet und sind in zwei Vierergruppen auf Puppenkörpern an Stahlseilen ‘schwebend’ montiert. Die Beleuchtung bringt sie effektvoll zur Geltung. Eine inhaltliche Ergänzung der Ausstellung bilden Entwurfsskizzen und Notizen aus dem Archiv der Salzburger Festspiele. Ein Film mit Ausschnitten aus entsprechenden Szenen rundet die Schau ab.

Ausstellung 'Die Kleider der Buhlschaft'  Kleid von Birgit Minichmayr, 2010, Detail  Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Ausstellung ‘Die Kleider der Buhlschaft’
Kleid von Birgit Minichmayr, 2010, Detail
Foto: ©Anneliese Kaar, Salzburg

Die Ausstellung wird von einem Rahmenprogramm begleitet.

Seit dem 10. Juli 2015 zeigt die gegenüber liegende Residenzgalerie die Ausstellung ‘VERFÜHRUNG Verlockende Schönheit – tödlicher Reiz’. Hier werden anhand ausgewählter Beispiele die Verführer und Verführten thematisiert. Die einzelnen Themenkreise sind in ihrer Abfolge miteinander verwoben, werden aufeinander bezogen und leiten so in den jeweils folgenden Bereich über. Präsentiert werden 34 qualitativ hochwertige Gemälde bzw. Objekte aus dem Bestand der Residenzgalerie Salzburg, Privatbesitz sowie nationalen und internationalen Museen bzw. Archiven.

***

Info:

17. April – 1. November 2015

Die Kleider der Buhlschaft

Ausstellung der Residenzgalerie Salzburg
in Kooperation mit den Salzburger Festspielen

Nordoratorium des Domquartiers
Residenzplatz 1 / Domplatz 1a
5020 Salzburg
Österreich

www.domquartier.at
www.residenzgalerie.at

Infos und Fotos freundlicherweise von der Residenzgalerie Salzburg zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

8 Responses

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  • Jutta Hellbach

    Die Salzburger haben halt Stil, was sich einmal mehr auch in der Präsentation dieser Roben zeigt. Wer kann, der kann.
    Danke fürs die tollen Fotos und die dazugehörenden Infos, Gudrun,
    Liebe Grüsse,
    Jutta

  • Wiebke Maschitzki

    Liebe Gudrun!
    Ein wirklich interssanter Bericht, wie immer von Dir.
    Aber 32 m Seidensatin im Rockteil – welch ein Gewicht für die Trägerin!
    Liebe Grüße
    Wiebke

    • Gudrun Heinz

      vielen dank, liebe wiebke.
      ja, da staunt die fachfrau und der laie wundert sich, oder? ich denke aber mal, dass – trotz vieler falten – das rockteil in bahnen geschnitten sein muss, so dass sich das stoffgewicht reduziert. andernfalls wäre das auch viel zu viel stoff rund um die hüften.
      beste grüsse
      gudrun

  • Gudrun Heinz

    halli hallo ihr lieben,
    herzlichen dank für euer feedback. freut mich sehr, dass euch der bericht so gut gefällt.
    die salzburger sind nicht nur einfallsreich, sondern bei diesem renommée und hintergrund sind die erwartungen auch entsprechend hoch und müssen bedient werden. nichts ist mühsamer wieder herzustellen, als ein einmal verspielter guter ruf 🙂 da strengt man sich natürlich an und verpflichtet nicht nur die namhaftesten schauspieler.
    ich bin jedenfalls froh, dass ich über diese ausstellung gestolpert bin und die zusammenarbeit mit der dame von der residenzgalerie so klasse war.
    beste grüsse
    gudrun

  • Birgit Berndt

    Liebe Gudrun,
    danke für den anschaulichen Bericht. Eine tolle Ausstellungsidee, die im dazu harmonierenden Rahmen wunderbar umgesetzt ist. Die Kleider sind einzigartig und strahlen so ohne ‘Drumherum’ eine faszinierende Eigenständigkeit aus. Ja, es stimmt wirklich, die Leistung der Kostümbildner führt neben der Schauspielerei oft ein ‘Dornröschen-Dasein’. Kaum jemand ahnt, wieviel Arbeit vom Entwurf bis zur Anfertigung in den Kostümen steckt.
    Liebe Grüße
    Birgit

  • Pia René Schmitt

    Das ist ja wieder ein wunderbarer Bericht!
    Die Kostümbildner mit Ihren Näherinnen haben meinen vollen Respekt!
    Danke für den Beitrag.
    Pia René

  • Annette

    Hallo Gudrun,
    vielen Dank für diesen Bericht.
    Das Kostüm des “Tod” hat mich besonders interessiert. In meiner (zugegeben sehr laienhaften) Vorstellung war die Farbe des Todes schwarz. Etwas googeln hat mir gezeigt, dass die Salzburger über viele Jahre (sicherlich nicht nur) in dieser Hinsicht immer wieder sehr einfallsreich waren, auch was die Kostüme für die männlichen Darsteller anbelangt.
    Liebes Grüßle Annette.

  • Gudrun Heinz

    halli hallo,
    und noch eine ergänzung:
    der tageszeitung entnehme ich, dass die vorstellung am sonntag abend umjubelt wurde. im mittelpunkt des interesses standen die schauspieler cornelius obonya als ‘jedermann’ und brigitte hobmeier als ‘buhlschaft’ in einem eng anliegenden kleid aus rotem seidensatin, das mit 5000 funkelnden glaskristallen besetzt ist. auf der facebook-seite der salzburger festspiele gibt es auch fotos zu sehen.
    beste grüsse
    gudrun

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