Kreative Artikel zum Thema Quilten

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter

Franz Marc Blauschwarzer Fuchs, 1911 Öl auf Leinwand, 50 x 63 cm Von der Heydt-Museum Wuppertal Foto: © Medienzentrum, Antje Zeis-Loi / Von der Heydt-Museum Wuppertal

Franz Marc
Blauschwarzer Fuchs, 1911
Öl auf Leinwand, 50 x 63 cm
Von der Heydt-Museum Wuppertal
Foto: © Medienzentrum, Antje Zeis-Loi / Von der Heydt-Museum Wuppertal

Zum ersten Mal seit 30 Jahren widmet sich derzeit in der Schweiz eine umfassende Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen (bei Basel) einem der faszinierendsten Kapitel der modernen Kunst, berühmt geworden unter dem Titel ‘Der Blaue Reiter’.

Wassily Kandinsky Der blaue Berg, 1908/09 Öl auf Leinwand, 106 x 96,6 cm Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Solomon R. Guggenheim Founding Collection, Schenkung

Wassily Kandinsky
Der blaue Berg, 1908/09
Öl auf Leinwand, 106 x 96,6 cm
Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Solomon R. Guggenheim Founding Collection, Schenkung

Wenige Jahre nur war München zu Beginn des 20. Jahrhunderts der ‘Hotspot’ der künstlerischen Avantgarde in Deutschland. Vor dem Ersten Weltkrieg, zwischen 1908 und 1914, machte sich im liberalen kulturellen Klima Münchens eine internationale Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern daran, die Kunst grundlegend zu reformieren.

Franz Marc Die grossen blauen Pferde, 1911 Öl auf Leinwand, 105 x 181 cm Sammlung Walker Art Center, Minneapolis, Schenkung der T.B. Walker Foundation, Gilbert M. Walker Fund, 1942

Franz Marc
Die grossen blauen Pferde, 1911
Öl auf Leinwand, 105 x 181 cm
Sammlung Walker Art Center, Minneapolis,
Schenkung der T.B. Walker Foundation, Gilbert M. Walker Fund, 1942

Ihr Ziel war die Befreiung der Farbe vom Zwang, etwas darstellen zu müssen, die Befreiung der Linie von der Kontur und die der Fläche von der Illusion der Gegenständlichkeit. Es sollte nicht mehr um die Abbildung der sichtbaren Wirklichkeit gehen, sondern um die Verbildlichung geistiger Inhalte: ein Wendepunkt in der abendländischen Kunstauffassung, der Generationen von Malern prägte – bis heute.

Wassily Kandinsky Komposition VII, 1913 Öl auf Leinwand, 200 x 300 cm Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau © Galerie nationale Tretiakov

Wassily Kandinsky
Komposition VII, 1913
Öl auf Leinwand, 200 x 300 cm
Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau
© Galerie nationale Tretiakov

Die führenden Köpfe waren Wassily Kandinsky (1866 – 1944) und Franz Marc (1880 – 1916), die sich Anfang des Jahres 1911 kennenlernten. Beide Künstler waren Revolutionäre, die, teilweise heftigen Anfeindungen ausgesetzt, unbeirrt ihre Ideen verfolgten. Kandinskys legendäre Bilder, die seinen Weg in die Abstraktion markieren, sind ebenso zu erleben wie die pantheistischen Tierdarstellungen Franz Marcs.

Franz Marc Liegender Hund im Schnee, 1910/1911 62,5 x 105 cm Öl auf Leinwand Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Verein e.V. © Städel Museum - ARTOTHEK

Franz Marc
Liegender Hund im Schnee, 1910/1911
62,5 x 105 cm
Öl auf Leinwand
Städel Museum, Frankfurt am Main,
Eigentum des Städelschen Museums-Verein e.V.
© Städel Museum – ARTOTHEK

Weitere Künstlerpersönlichkeiten, die mit Kandinsky und Marc in Verbindung standen und von denen Werke in der Ausstellung gezeigt werden, sind unter anderen Gabriele Münter …

Gabriele Münter Landschaft mit Hütte im Abendrot, 1908 Öl auf Papier auf Karton, 33 x 40,8 cm Kunstsammlungen Chemnitz - Museum Gunzenhauser, Inv.-Nr. GUN-M-0003, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser, Chemnitz Foto: PUNCTUM / Bertram Kober © 2016, ProLitteris, Zürich

Gabriele Münter
Landschaft mit Hütte im Abendrot, 1908
Öl auf Papier auf Karton, 33 x 40,8 cm
Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, Inv.-Nr. GUN-M-0003, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser, Chemnitz
Foto: PUNCTUM / Bertram Kober
© 2016, ProLitteris, Zürich

… Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky und August Macke.

August Macke Walterchens Spielsachen, 1912 50 x 60 cm Öl auf Leinwand Städel Museum, Frankfurt am Main © Städel Museum - U. Edelmann - ARTOTHEK

August Macke
Walterchens Spielsachen, 1912
50 x 60 cm
Öl auf Leinwand
Städel Museum, Frankfurt am Main
© Städel Museum – U. Edelmann – ARTOTHEK

Als wahrer Glücksfall für die Kunst erwies sich die Initiative des russischen Malers Wassily Kandinsky, gemeinsam mit Franz Marc die Redaktion des Almanachs ‘Der Blaue Reiter’ zu gründen und eine Ausstellung gleichen Titels zu organisieren: ein programmatisches Unterfangen, das noch vor dem Ersten Weltkrieg die Moderne in Deutschland einläutete – und international hohe Wellen schlug.

Franz Marc Die gelbe Kuh, 1911 Öl auf Leinwand, 140,5 x 189,2 cm Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Solomon R. Guggenheim Founding Collection

Franz Marc
Die gelbe Kuh, 1911
Öl auf Leinwand, 140,5 x 189,2 cm
Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Solomon R. Guggenheim Founding Collection

Die Münchner Ausstellung im Jahr 1911 und die gleichnamige Künstlerbewegung generierten ein neues, revolutionäres Kunsterlebnis. Ausgehend von den Werken Wassily Kandinskys in der Sammlung Beyeler wird dem Publikum ein Einblick in die Arbeit einer Gruppe avantgardistischer Künstler gegeben, deren Offenheit und Internationalität durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurden.

Wassily Kandinsky Fuga, 1914 Öl auf Leinwand, 129,5 x 129,5 cm Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler Foto: Robert Bayer, Basel

Wassily Kandinsky
Fuga, 1914
Öl auf Leinwand, 129,5 x 129,5 cm
Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler
Foto: Robert Bayer, Basel

‘Der Blaue Reiter’ ist ursprünglich der Name des legendären Almanachs, einer Publikation, die von Wassily Kandinsky und Franz Marc herausgegeben wurde und 1912 in München erschien.

Wassily Kandinsky und Franz Marc (Hrsg.) Almanach Der Blaue Reiter, München, 1914 29,5 x 23 x 2,5 cm ahlers collection © Thomas Ganzenmüller, Hannover

Wassily Kandinsky und Franz Marc (Hrsg.)
Almanach Der Blaue Reiter, München, 1914
29,5 x 23 x 2,5 cm
ahlers collection
© Thomas Ganzenmüller, Hannover

Kandinsky und Marc versammelten in diesem Buch Texte und Bilder aus unterschiedlichen Kulturen und von verschiedenen Künstlern. Der Almanach war keine Programmschrift im engeren Sinn; allein die Zusammenstellung heterogener Werke der europäischen wie auch der aussereuropäischen Kunst, von sogenannter hoher Kunst und Volkskunst, war Programm genug. Kandinsky und Marc waren davon überzeugt, dass nicht formale Faktoren massgeblich seien, sondern der Inhalt. Da sich Form und Stil unablässig ändern, ist für das Kunstschaffen die ‘innere Notwendigkeit’ das alles entscheidende Kriterium.

Wassily Kandinsky Murnau – Kohlgruberstrasse, 1908 Öl auf Pappe, 71,5 x 97,5 cm Merzbacher Kunststiftung

Wassily Kandinsky
Murnau – Kohlgruberstrasse, 1908
Öl auf Pappe, 71,5 x 97,5 cm
Merzbacher Kunststiftung

Der Almanach sollte die Notwendigkeit eines Epochenumbruchs der Künste zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentieren. Er zeugt von einem damals revolutionär neuen Kunst- und Weltverständnis, bei dem es nicht mehr um die Abbildung der sichtbaren Wirklichkeit ging, sondern um die Verbildlichung geistiger Fragen. Dies zeigt sich vor allen Dingen in einer Befreiung der Farbe, die angeregt wurde durch die leuchtende Voralpenlandschaft südlich von München.

Wassily Kandinsky Landschaft mit Regen, 1913 Öl auf Leinwand, 70,2 x 78,1 cm Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Solomon R. Guggenheim Founding Collection

Wassily Kandinsky
Landschaft mit Regen, 1913
Öl auf Leinwand, 70,2 x 78,1 cm
Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Solomon R. Guggenheim Founding Collection

Die von den Protagonisten initiierte Überführung der Malerei in eine vibrierende, transzendentale Farbigkeit und Abstraktion bildet ein wesentliches Kapitel der internationalen Kunstgeschichte, einem Thema, das eine damals revolutionäre Neubewertung der Künste in einem offenen Europa zeigt.

Franz Marc Stallungen, 1913 Öl auf Leinwand, 73,6 x 157,5 cm Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Solomon R. Guggenheim Founding Collection

Franz Marc
Stallungen, 1913
Öl auf Leinwand, 73,6 x 157,5 cm
Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Solomon R. Guggenheim Founding Collection

In dieser Ausstellung sind über 90 Werke aus bedeutenden internationalen Museen und Privatsammlungen zu sehen, darunter selten ausgestellte Meisterwerke aus den USA und Russland. Mit einer Auswahl von mehr als 30 Werken wird in einem eigens dafür eingerichteten Raum der Almanach vorgestellt.

Gabriele Münter Kandinsky mit Spaten beim Umgraben im Garten des Murnauer Hauses, um 1910/11 Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © 2016, ProLitteris, Zurich

Gabriele Münter
Kandinsky mit Spaten beim Umgraben im Garten des Murnauer Hauses, um 1910/11
Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
© 2016, ProLitteris, Zurich

Die Website des Museums informiert sehr umfänglich in Wort und Bild nicht nur über die Ausstellung und ihren kunstgeschichtlichen Hintergrund, sondern stellt auch einzelne Werke und vor allem den Almanach vor. Besonders hinzuweisen ist auf die weiterführenden Links.

Franz und Maria Marc in der Gartenlaube in Sindelsdorf, Sommer, 1911 Foto: Wassily Kandinsky Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Franz und Maria Marc in der Gartenlaube in Sindelsdorf, Sommer, 1911
Foto: Wassily Kandinsky
Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Einer der Höhepunkte im Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung sollte zunächst im November stattfinden, ist aber verlegt auf den 17. Januar 2017: Daniel Brühl und Ulrich Tukur, zwei Superstars des internationalen Kinos, verleihen der Freundschaft zwischen Wassily Kandinsky und Franz Marc Gestalt, eine der wichtigsten und folgenreichsten Begegnungen in der Geschichte der Kunst. Die Schauspieler lesen aus dem intensiven Briefwechsel, der grossartig die nicht immer einfache, aber gegenseitig inspirierende künstlerische Kooperation dokumentiert.

Gabriele Münter Mitglieder des „Blauen Reiter“ auf dem Balkon der Ainmillerstrasse 36, München (von links: Maria und Franz Marc, Bernhard Koehler, Heinrich Campendonk, Thomas von Hartmann, vorn sitzend Wassily Kandinsky), 1911/12 Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München © 2016, ProLitteris, Zurich

Gabriele Münter
Mitglieder des „Blauen Reiter“ auf dem Balkon der Ainmillerstrasse 36, München (von links: Maria und Franz Marc, Bernhard Koehler, Heinrich Campendonk, Thomas von Hartmann, vorn sitzend Wassily Kandinsky), 1911/12
Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München
© 2016, ProLitteris, Zurich

Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich.

***

Info:

4. September 2016 – 22. Januar 2017

Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter

Fondation Beyeler
Baselstrasse 77
4125 Riehen
Schweiz

www.fondationbeyeler.ch

Öffnungszeiten:
täglich 10 – 18 Uhr,
mittwochs bis 20 Uhr

 

Fotos und Informationen von der Fondation Beyeler zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

 

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