Kreative Artikel zum Thema Sticken

Sticken mit Metallic- und Effektgarnen – Tipps und Tricks

Da es ja nun stark auf Weihnachten zugeht, möchten viele von Euch gerne mit glitzernden, funkelnden Garnen sticken.

Ich höre so oft, dass es dabei Schwierigkeiten gibt und sich viele an diese Garne gar nicht herantrauen. Das ist total schade, das gibt nämlich wunderschöne Ergebnisse, deshalb zeige ich Euch heute, wie man mit Metallicgarnen richtig stickt. Ich sticke hier auf der BERNINA 700, die Tipps gelten aber grundsätzlich für das Sticken auf allen Maschinen.

Das Garn

Zuerst ist ganz wichtig, welches Garn ihr verwendet, je glatter und dünner das Garn, desto einfacher läßt es sich verarbeiten. Hier ist im Handel eine riesige Auswahl vorhanden. Ich habe mehrere Sorten Garn, die sich hier im Laufe der Zeit so gesammelt haben. Auch Mulitcolor-Metallic- und “flache” Effektgarne sind dabei. Hier vertraue ich immer auf die großen Marken. Ich hatte schon “günstige”, die habe ich kürzlich dann einfach entsorgt, da sie sich aufreiben und schon von alleine von der Spule fallen. Da sollte man sich selbst einen Gefallen tun und auf hochwertige Marken umsteigen. Wir stellen uns vor, dass bei den Metallic-Garnen ein Kunststoffkern-Zwirn mit Metallic-Fäden “umwickelt” ist. Die Verzwirnung ist hier anders als bei normalem Stickgarn, daher ist das Metallic-Garn rauher. Die flachen Effektgarne mit Metallic-Effekt sind flache Streifen aus beschichteten Kunststoffen, sie sind gar nicht verzwirnt, haben also eine flache Kante wie ein Band und sind nicht rund. Dass diese Fäden schlechter gleiten als andere Stickgarne, ergibt sich daraus. Nicht alle Metallic-Garne enhalten Metall, die meisten bestehen aus (aluminium-)beschichteten Kunststoffen, meist Polyester, Nylon oder Rayon.

Die Garne können porös werden, wenn sie alt sind und austrocknen, dann kommt es zu häufigen Fadenrissen. Das verwendete Garn sollte also hochwertig und nicht alt sein.

Metallic- und Effektgarne von Gütermann Sulky, Mettler, Madeira und Brildor

Fadenspannung

Grundsätzlich kann man die allermeisten Materialien mit diesen Garnen besticken. Wichtig ist zu allererst, dass man IMMER die Oberfadenspannung lockern muß, und zwar deutlich, denn die Garne sind dicker und rauher und gleiten einfach nicht so gut durch die Fadenwege der Maschinen. Ich gehe mittlerweile auf unter die Hälfte der normalen Oberfadenspannung. Bei Motiven mit langen Satinstichen/Spannstichen sogar eventuell noch weiter herunter. Hier lohnt immer ein Blick auf die Rückseite der Stickerei. Es sollte bei ausgestickten Flächen noch ein guter Rand des Oberfadens zu sehen sein, bei langen Stichen gerne auch die Hälfte oder mehr. Hier gilt: Lieber zu locker als zu fest”. Falls es oben Schlaufen gibt, seht ihr das und könnt etwas nachstellen, dann war die Oberfadenspannung zu locker.

Immer wieder höre ich “Ja, aber die Fadenspannung ist doch voreingestellt”. Nein, die Oberfadenspannung muss man je nach Garn,  Material und Motiv verstellen, meiner Erfahrung nach sticken sehr, sehr viele mit viel zu fester Spannung. Überlegt man sich, dass man ja nicht etwa etwas zusammennäht, sondern ein Garn zur Oberflächenveredlung aufbringt, wird das vielleicht etwas klarer. Beim Handsticken zieht man ja auch nicht am Faden, sondern läßt ihn locker das Motiv bilden. Es braucht da keine Spannung, sondern nur ein ausgewogenes Verhältnis von Unterfaden und Oberfaden. Wieviel Oberfaden von der Maschine “gegeben” wird, das bestimmen wir eben über das Einstellen der Oberfadenspannung. Wir regeln also auch die Garnmenge und wie gut der Faden (wegen verschiedener Dicke) durch die Fadenwege laufen kann.

Nadeln

Für das Arbeiten mit Metallic- und Effektfäden gibt es spezielle Nadeln. Hier bietet der Fachhandel “Metallic”-, “Glamour”- oder auch “Topstitch”-Nadeln an. Je nach Maschine muß man da eventuell testen. Bei der BERNINA 700 funktioniert das Sticken mit den genannten Garnen am Besten mit einer “Ballpoint”-Nadel, die eigentlich für Jersey gedacht ist. Dies mag daran liegen, dass die Nadel eben keine scharfen Kanten hat und der Faden daher nicht reißt. Ich verwende die Stärke 90, die mir auchreichend große Einstiche macht, damit das Garn ohne größere Reibung (und damit Rissgefahr) durch die Stichlöcher paßt. Falls ihr bisher Schwierigkeiten hattet, solltet ihr das unbedingt probieren, das kann eine einfache Lösung sein.

Stickgeschwindigkeit

Wie wir gelernt haben, ist das Garn rauher und gleitet nicht so gut. Diese Tendenz wird natürlich durch hohe Geschwindigkeit noch verstärkt, da ungleichmäßige und “hektische” Bewegungen auf das Garn ausgeübt werden. Diese Kräfte bewirken rasch das Reissen des Garnes. Man kann dies vermeiden, indem man die Stickgeschwindigkeit deutlich reduziert. Bei der BERNINA 700 kann ich allerdings mit voller Geschwindigkeit sticken und erhalte beste Ergebnisse.

Stickgeschwindigkeit reduziert auf ca. 1/3 des Normalwertes

Das Garnnetz

Unerlässlich für das Sticken mit solchen Garnen ist ein Garnnetz. Es hält das Garn auf der Rolle und ermöglicht, dass es gleichmäßig abrollt.

Ich habe ein großes Netz einfach in der Länge zerschnitten und schiebe es von rechts über die Garnrolle, bevor ich diese auf die Garnrollenhalterung setze. Ich arbeite immer mit liegenden Rollen bei schwierigen Garnen. Die Garnrolle wird dann mit der passenden Fadenablaufscheibe fixiert.

Aufziehen des Garnnetzes

 

Die BERNINA Fadengleiteinheit

Für besonders “rauhe” und damit “schwierige” Garne bietet BERNINA eine “Fadengleiteinheit” an, die problemlos auf allen gängigen BERNINA Maschinen angebracht werden kann. Die Fadengleiteinheit besteht aus einer Führung, in die ein Filzschwämmchen eingesetzt ist. Dieses Schwämmchen wir mit einer Silkikonlösung getränkt. Somit wird der Faden noch besser geführt und gleichzeitig befeuchtet, damit er besser gleitet. Hervorragend bei ganz rauhen, unebenen Garnen und auch bei den flachen Effektgarnen sicher bei vielen Maschinen eine sehr große Hilfe.

Hier seht ihr die Einzelteile, für verschiedene Maschinentypen sind verschiedene “Führungen” enthalten.

 

Anbau-Anleitung BERNINA Fadengleit-Einheit

Für die verschiedenen Maschinen gibt es genaue Ansichten in der Anleitung.

So wird die Einheit auf der BERNINA 700 angebracht, sie ist hier einfach neben der oberen Fadenführung in eine vorgesehene Vertiefung aufzustecken und wird von einem Magneten gehalten. Man tropft regelmäßig ein wenig der Silkonlösung auf. Das Garn wird leicht in den Spalt gedrückt und läuft dann viel ruhiger und gleichmäßiger. Ich brauche bei der BERINA 700 die Fadengleiteinheit eigentlich bisher nicht, würde mich aber mit der Fadengleiteinheit auch noch an ganz dicke und grobe Garne herantrauen.

Stickbeispiele

Ich habe alle gängigen “Stickarten” getestet. Hier zunächst ein reines “Linien-Motive” im Triple-Stitch.

Stickmotiv aus der BERNINA700

Ein sehr dichtes Motiv mit mehrlagigen, ausgestickten Flächen.

Stickmuster “RetroChristmas” von mir

Ein Motiv mit langen Spannstichen / Satinstichen.

Stickmuster “CrochetChristmas” von mir

Stickmuster “CrochetChristmas” von mir

Ein Free-Standing-Lace-Motiv, hier Oberfaden Metallic, Unterfaden weißer Bobbinfill.

Vorderseite Lace-Motiv

Rückseite Lace-Motiv

Einen ganz wichtigen Punkt möchte ich am Ende noch ergänzen: Die feinen Klingen der Fadenschere leiden bei häufigem Gebrauch unter diesen Metallic-Fäden. Möchtet ihr sie schonen, arbeitet hier ohne die automatsiche Fadenschere.

Ich hoffe, ich konnte Euch zeigen, dass bei den richtigen Einstellungen und der richtigen Materialauswahl alles auch mit Metallic-Garn stickbar ist. Natürlich kommt’s auch auf die Maschine an, die BERNINA 700 leistet hier wirklich hervorragende Arbeit. Ich habe früher aber auch andere Maschine gestickt und mit diesen Tipps gute Ergebnisse erzielt.

Meine Stickmuster “RetroChristmas” und “CrochetChristmas” bekommt ihr über meinen Shop. Kunden ausserhalb Deutschlands bitte hier.

Und nun wünsche ich Euch viel Erfolg beim Sticken, laßt es funkeln und glitzern!

NETTE

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Kommentare zu diesem Artikel

8 Responses

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  • Anna Christina Knauber

    Vielen Dank für den Super-Tipp mit der Jersey-Nadel! Endlich funktioniert Metallic-Garn auf meiner B570! Da wäre ich nie drauf gekommen!

  • Etelka Strauch

    Hallo,

    ich freue mich über diese Thema, mir ist auch immer gesagt worden, dass “die Fadenspannung ist doch voreingestellt”, ehrlich gesagt glaubte ich es nie so richtig. Mir ist auch gesagt worden: selber ausprobieren, bis her könnte mir keine eine passend sichere Antwort geben. Im Handbuch leider der Fadenspannung auch nur mangelhaft beschrieben, dies zu lesen viel klüger bin ich auch nicht geworden, ob mit dem passende Fadenspannung steht oder fällt ein Stickmotiv. Übrigens ich habe der Bernina 590 Stickkomputer und ich zeichne und digitalisiere mein Motiven selber…. Bis her das ist mir der beste Bernina Maschine.. 

    Bitte, wenn Ihr noch mehr Tricks über Fadenspannung habt, seid Ihr so höflich mit uns auch mit zu teilen !

    DANKE EUCH VORAUS ! !!

    Mit freundlichem Gruss,

    elke

  • Annette Kouba Kouba

    Vielen Dank. Ich bin auf diesen Eintrag über fb aufmerksam geworden. Ich habe hier wieder viel dazu gelernt.
    Prima!

  • Cornelia Klünemann

    Danke, Nette, super deine Anleitung, das wusste ich alles noch nicht. Hatte bisher immer total Probleme mit Metallic Garn, daher ließ ich es meistens,… Solch ein Netz hab ich auch noch nie benutzt, wie wird denn der Faden da problemlos abgewickelt? Kann es mir gar nicht richtig vorstellen.
    viele Grüße, Cornelia

    • Nette Löns

      Hallo Cornelia, doch das funktioniert sehr gut, das Netz ist ja elastisch und verhindert nur unkontrolliertes Abrollen des Garnes von der Spule. Wenn du keine Netze hast, die gibts für ganz kleines Geld in jedem Nähmaschinen-Laden. Liebe Grüße NETTE

  • Simone Hengst

    Liebe Nette,
    wie schön, dass man auf Deinen Artikel immer zurückgreifen kann.. wenn man schon länger nicht mit Metallic Garn gestickt hat und sich fragt … wie war das noch mal 😉
    Danke
    LG Simone

  • ibag55

    Wow, was hast du dir für eine Arbeit gemacht!! Vielen herzlichen Dank! Das kam genau richtig!
    Wollte mich demnächst an Weihnachtskarten sticken machen. Natürlich mit ein bisschen Glitzer!
    Nun habe ich weniger Angst davor.
    Liebe Grüße
    Gabi

    • Nette Löns

      Sehr gerne, genau so soll es sein, wenn man weiß wie, kann man sich an mehr herantrauen. Hab viel Spaß beim Sticken!

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