Kreative Artikel zum Thema Nähen

Meine neuen Lieblingstaschen – freie Anleitung

Im Zuge der plastiktütenfreien Supermärkte braucht es einen ausreichenden eigenen Bestand an Stoffbeuteln, oder Einkaufstaschen, am besten solche, die möglichst klein zusammengefaltet schnell mitgenommen werden können. Und mir war auch wieder mal nach ganz einfachem Taschennähen.

Hier liegt seit letztem Jahr noch eine nette Auswahl an koreanischen Stoffen, gewachste Baumwolle, die äusserst stabil und in ihrer Schlichtheit einfach nur schön sind. Und manchmal braucht es dann nur eine richtige Idee und ein bisserl Zeit und schon kann es losgehen.

Ich stellte mir eine recht einfache Einkaufstasche daraus vor, mit aussen angenähten und hochgeklappten Bodenecken, damit sie einen beutelartigen Charakter bekommt, dazu schlichte Lederriemen als Schulterträger, oder Handgriffe. Als kleiner Clou dazu, statt einer normalen Niete, eine Buchschraube zur Befestigung der Taschengriffe.

Es gab also diese festen Stoffe (hierzu eigenen sich auch bestens die neuen farbigen Jeansstoffe, die im Handel erhältlich sind)

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dann ein Stück cognacfarbiges Rindsleder

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aus dem ich für gleich 3 Taschen Schulterriemen und Taschengriffe zuschnitt, verklebte und absteppte.

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Für eine Tasche benötige ich jeweils 2 Zuschnitte 50cm x 25cm  + 2 Zuschnitte 50cm x 45 cm, dieselben Zuschnitte braucht es für das Innenfutter. Dann habe ich ein Paar Schulterriemen von 80cm x 3 cm und ein paar Taschengriffe 50cm x 3cm vorbereitet. Ein Paar Buchschrauben liegt ebenfalls bereit.

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Eine Niete und die dazu passende Buchschraube gibt es im Buchbindebedarf-Fachhandel.

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Wenn die Tasche zweifarbig, wie in diesem Fall, gearbeitet wird, werden Unter- und Oberseite zusammengesetzt.

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Die Nahtzugabe wird zur Oberseite hin umgebügelt und anschliessend knappkantig mit einem 3 mm Geradstich abgenäht. Beide Taschenseiten werden rechts auf rechts zusammengelegt, die Nähte treffen passgenau aufeinander, es wird einmal rundherum mit 1 cm Nahtzugabe abgesteppt (ausser der oberen Taschenöffnung).

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Alle Nahtzugaben werden auseinandergebügelt und gut gedämpft.

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Die Aussentasche wird zusammengefaltet, so dass die Bodenecken als Spitze sehr akkurat nach unten weisen.

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Zum besseren Verständnis, hier die aufgeschlagene Faltung.

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Bodenecke nach oben umschlagen, Abstand zur ersten Naht (zweite Farbe) ca 1 cm.

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Beide Bodenecken sind absolut exakt umgeschlagen.

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Die Tasche wird nun unter den Freiarm der Nähmaschine geschoben, die umgeschlagene Bodenecke wird in zwei Linien angenäht. Vorsicht, dass der Taschenboden versehentlich nicht mit festgenäht wird.

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Angenähte Bodenecke, ich habe zweimal vorwärts und rückwärts über die gesamte Nahtlänge genäht, die Nahtenden gut gesichert.

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Das Taschenfutter wird grössentechnisch identisch mit dem Aussenteil gearbeitet, eine Wendeöffnung wird in der Bodennaht offen gelassen, Nahtenden an dieser Stelle jeweils gut sichern, Bodenecken in ungefähr derselben Höhe, wie die gefalteten Ecken der Aussentasche abmessen, absteppen, überstehende Bodenecke abschneiden und versäubern. Anschliessend beide Taschen rechts auf rechts ineinanderschieben, das Futter liegt aussen. Obere Taschenkanten mit Stecknadeln oder Clips fixieren.

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Innenfutter und Aussentasche an der Öffnungskante zusammennähen.

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Durch die Bodenöffnung im Futter wird die Tasche nun gewendet (verstürzt).

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Obere Taschenkante exakt umschlagen, mit Clips fixieren und mit dem Bügeleisen (Clips einzeln beim Bügeln entfernen) gut dämpfen.

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Taschenkante absteppen, 3 mm Geradstich.

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Für die genaue Positionierung der Taschengriffe wird mit dem Maßband die Taschenmitte gemessen und mit einer Stecknadel markiert. Als Abstand zur markierten Mitte nehme ich jeweils 6 cm nach rechts und links, setze jeweils wieder eine Stecknadel und messe von der Oberkante 7 cm Abstand (Höhe), so habe ich meine genauen Eckpunkte zum Anlegen der Taschengriffe.

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Taschengriff oder Schulterriemen aus Rindsnappa auf die markierte Stecknadelecke legen, Geradstichfuss mit Gleitsohle # 53 montieren, falls noch nicht getan, eine Ledernadel der Stärke 90/100 montieren und den Taschengriff mit einem 3 mm Geradstich annähen.

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Die zweite Seite wird paralell angenäht. Langsam arbeiten lohnt.

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Für eine Taschenvariante wähle ich neben den Schulterriemen zusätzlich einen kurzen Taschengriff und nähe ihn auf den zuunterstliegenden Schulterriemen passgenau auf. Für die Bernina ist das kein Problem, die Ledernadel gleitet mühelos durch die viel Lagen Leder und die zwei dickeren Lagen Stoff. Bitte keine Jeansnadel verwenden, diese ist für diese vielen Lagen zu stumpf.

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Für das Einsetzen der Buchschraube, die, wie man nun sehen kann, reine Deko ist, wird mit einer Lochzange durch die Ledergriffe gestanzt.

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Niete und Schraube

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Die Niete wird durch die Vorderseite des Taschengriffes geschoben, der Stoff an dieser Stelle ein wenig geöffnet (es ist empfehlenswert, den Stoff an dieser Stelle zuvor auf der Rückseite mit einem kleinen Stück Decovil light I zu hinterbügeln, damit er nicht ausfranst) und über die Kanten der Niete gezogen, als Puffer wird ein kleines Stück Leder auf die Niete zusätzlich geschoben, da sie ansonsten zu weit ist, anschliessend wird das Gegenstück aufgeschraubt.

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Fertig sitzen die beiden Deko-Nieten im Leder.

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Neben der gewöhnlichen schlichten Tasche, habe ich eine zweite mit ein paar Drucken und einer ganz einfachen Stickerei versehen. Der Apfel, die Eva und der Baum. Genau richtig für den Einkauf auf dem Wochenmarkt, oder?

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Diese Tasche bekam lediglich einen kurzen Taschengriff, mehr braucht sie nicht. Und fertig sind diese beiden, eine dritte ist bereits in Händen vom Töchterchen und letzten Samstag am Bodensee gelandet.

Die Taschen sind durch das Material relativ schwer, fallen gut auf den Boden und erhalten eine schöne Form durch die nach aussen umgeschlagenen und angenähten Bodenecken.

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Viel Spass beim Nacharbeiten und viele schöne Einkäufe mit Eurer neuen Tasche wünscht,

Jutta

Schwierigkeitsgrad: Anfänger
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Baumwollstoff, Buchschraube, Rindsleder
Verwendete Produkte:
BERNINA 880
BERNINA 880
Rücktransportfuss # 1
Rücktransportfuss # 1
Geradstichfuss # 53
Geradstichfuss # 53

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Kommentare zu diesem Artikel

7 Responses

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  • Kathrin

    Hallo Jutta, die sind Mega Schön!
    Ich verarbeite auch sehr gerne derben Stoff mit Leder – eine nächste Inspiration also!
    Du hast das Projekt auf einer 880 genäht und schreibst “das schafft sie problemlos”
    ( immerhin sind es ja 4 Lagen Leder und min. 2 Lagen dicker Stoff )
    – kannst du mir aus Erfahrung sagen, ob den die 5er und 7er Modelle genauso damit klarkommen würden, oder nur diese 8er Serie??
    Ich bin noch auf der Suche nach meiner neuen ( und geeigneten) Bernina
    Ich nähe im Moment mit einer alten Pfaff 360 und neuem 230W PowerMotor, bislang habe ich gezweifelt, das irgendeine ” moderne Maschine sowas schaffen kann….

    • Jutta Hellbach

      Hallo Kathrin,

      du hast Recht, es waren schon ein paar Lagen Material, doch das Leder ist noch vergleichsweise weich gewesen. Dazu habe ich eine neue 90ger Ledernadel verwendet.
      Ich finde es immer etwas schwierig jemanden für eine neue Nähmaschine zu beraten, wenn ich nicht genau weiss, wo seine Nähschwerpunkte liegen. Wenn Taschennähen, mit groben und schweren Materialen dein Ding ist, dann rate ich dir einfach zu einer grösseren Maschine aus der 700er Serie. Allein der grosse Durchlass macht das Verarbeiten der teils ja sperrigen Materialien einfacher. Und die Leistung der grösseren Maschine ist auch etwas höher als die der kleineren Serien, obwohl auch ich ab und an mit der BERNINA 530 nähe und diese auch mühelos einige Lagen mit sauberem Stich verarbeitet.
      Am besten nimmst du dir einmal etwas Zeit und packst verschiedene Stoffe und Leder zusammen, vereinbarst einen Termin bei deinem Nähmaschinenhändler und nähst Probe. So bekommst du am schnellsten ein Gefühl, welches Nähmaschinenmodell dir am ehesten zusagt.

      Liebe Grüße,
      Jutta

      • Kathrin

        Besten Dank für deine Einschätzung Jutta,
        ja das ist sicherlich eine gute Lösung!

  • monika

    Liebe Jutta, ein absolutes “must-have”.
    DANKE für die tolle Anleitung. Damit wird sie gelingen!
    LG monika

  • Birgit Berndt

    Liebe Jutta,
    praktisch, robust und originell und viiiiieeel schöner als Plastik. Die Stickerei ist ein weiterer Pfiff.
    Viele Grüße
    Birgit

  • Luitgard

    Liebe Jutta,

    wieder einmal kann ich nur schreiben: Gelungen! Animierend! Für meinen nächsten Shopping/Einkaufsflash werde ich mich an Dich wenden!

    Bis denne – und danke für die ausführliche Anleitung

    Luitgard

  • Gudrun Heinz

    halli hallo jutta,
    mal wieder eine sehr schöne idee und alternative zu dem sammelsurium an behältern, das man schon so hat. danke sehr für den gedankenanstoss zum selbermachen und die ausführliche anleitung samt schöner fotos.
    beste grüsse,
    gudrun

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