Kreative Artikel zum Thema Nähen

Moderne Abendlichter – kostenlose Anleitung (1)

Die Umstellung zur Winterzeit bringt die Dämmerung nun etwas eher in den Tag und stimmt auf die dunkleren und kühleren Jahreszeiten des Herbst und Winters ein. Grund genug Lichter anzuzünden um eine heimelige Stimmung in Räume zu zaubern.

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Meine modernen Abendlichter sind dazu genau richtig und lassen sich mit ein paar Tricks ganz einfach herstellen. Dazu machen sie viel Spass, zuerst in der Anfertigung und später beim Betrachten der bezaubernden Lichtschimmer, die sie hervorbringen.

Welche Materialien und Werkzeuge werden dazu gebraucht?

Gelliplates: sie gibt es in ein paar unterschiedlichen Größen und Formen, meine Empfehlung für alle Beginner ist die Gelliplate 6″x 6″

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Acrylfarben: keine Siebdruckfarbe oder Stoffacrylfarbe, sondern die ganz normale Acrylfarbe

acryl

Abdruckmaterialien, Schablonen, Stencellings, Kratzer, Modellierformen, Wattestäbchen usw usw

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Transparentes dickes Klebeband 3M, Haarfön, Speedball Roller oder ein anderer Weichgummiroller. Hartgummirollen funktionieren nicht auf der Gelliplate.

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Geradstichfuß mit Gleitsohle # 53

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Hier gibts die Basics – wir starten ganz simpel. Die Gelliplate wird auf einen ebenen, harten Untergrund gelegt. Blasenbildung unter der Platte vermeiden. Zwei Papierstreifen reissen (Kopierpapier, Zeitungspapier sind ideal – kein Küchenpapier oder ähnliches verwenden) und auf die Platte heften. Die Oberfläche der Platte ist leicht haftend. Nun kommt der erste Farbauftrag an die Reihe. Ein kleiner etwa erbsengrosser Tupfer Farbe kann auf die Platte gegeben werden.

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und wird mit der Gummirolle verteilt. Eine zweite Farbe wird hinzugefügt

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und ebenfalls verrollt. Ich reinige die Gummiwalze zwischen diesem Farbwechsel nicht. Es ist spannend, wenn und wie sich die Farben in Teilbereichen vermischen.

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Nun kann das Papier entfernt werden. Und die Farbe mit dem Haarfön nochmals kurz angepustet und getrocknet werden.

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Für alle weiteren Farbaufträge verstreiche ich die Acrylfarben auf einer Plastikunterlage mit der Rolle. Nun trage ich ein erstes Muster auf die getrockneten ersten Acrylfarben auf. Die Walze ist mit einem dünnen Farbfilm überzogen, die Stencellingschablone liegt auf der Platte auf und es wird im Schablonenbereich ein Stück weit Farbe aufgerollt.

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Es ist reizvoll, wenn nicht der komplette Plattenbereich mit einem Muster vollständig abgedeckt wird. Die neue Schicht wird erneut mit dem Fön getrocknet.

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Schicht um Schicht füge ich hinzu und achte dennoch auf Transparenz auf der Platte.

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Bei diesen Abendlichtern kann und soll man seiner Kreativität freien Lauf lassen und einfach drauflos arbeiten. Eine Akzentfarbe findet hinzu, aufgetragen in Rillen und Streifen mit einem Spatel. Erneut wird trocken gefönt.

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Das Klebeband wird in Streifen geschnitten – die Platte soll an den Seiten jeweils von ca 1,5cm überlappt werden. Jeder Streifen wird auf die Platte gelegt und glatt gestrichen. Vorsicht: wenn das Klebeband einmal auf der Platte liegt, sollte es, ausser zum Schluss nicht abgezogen und korrigiert werden, sonst löst sich der Acrylfarbfilm vorzeitig. Auf die 6“ Platte passen drei Streifen Klebeband untereinander.

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Mit einem Rakel, einem Spachtel oder auch einer Scheckkarte wird mit leichtem Druck über das Klebeband gestrichen, damit die Farbe gut anhaftet und abgezogen werden kann. Nur die komplett durchgetrocknete Farbe hebt von der Platte ab, ein eventueller feuchter Farbfilm bleibt auf der Platte kleben.

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Streifen um Streifen wird nun abgezogen

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die aufgetragenen Farbschichten haften nun am Klebstoff. Der komplett abgezogene Farbstreifen wird mit der Oberseite nach unten auf die Tischplatte gelegt.

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voilà, der Farbübertrag ist gelungen, nur die schmalen Farbüberschussstreifen bleiben an der Platte haften. Diese entferne ich mit einem Extrastreifen Klebeband, damit die Platte rückstandsfrei wird und zum nächsten Farbauftrag bereit ist.

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Jeder Farbstreifen wird nun mit einem transparenten Gegenstück hinterklebt.

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und fertig sind drei erste wunderschön transparente und leuchtende Segmente.

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Für ein Abendlicht von ca. 23 cm Höhe benötigt man 12 Streifen – also 4 gestaltete Plattenflächen aus 6“ x 6“. Der weitere Vorteil mit einer kleineren Platte zu arbeiten zeigt sich hier ebenfalls – bleibt man in derselben Farbgruppe, spielt jedoch mit den Motiven, erhält man eine tolle Vielfalt an unterschiedlichsten Ergebnissen.

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Die Ränder erhalten einen Korrekturschnitt

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aus meinem Sortiment der Aerostitch von Madeira suche ich einen passenden Farbton heraus
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dann geht es schon ans Zusammennähen

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die schmalen Ränder werden zusammengeschoben, so dass sie sich ca 5 mm überlappen und werden dann mit einem 2,5 mm Geradstich knappkantig zusammengenäht. Die Nahtenden jeweils gut sichern, Fäden zurückschneiden.

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Es empfiehlt sich das Band so zusammenzunähen, dass es vom Durchlass der Nähmaschine wegführt und sich nicht darunter zusammenballt.

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Ein buntes transparentes Band ist nun fertig und gleich ist das Abendlicht schon fertig.

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Mit einer kleinen Klammer befestige ich das Bandende und lege so den Durchmesser des Zylinders fest.

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Zum Zusammennähen liegt das lange Band vor der Maschine, rechte Seite schaut nach oben. Der Bandanfang wird knapp unter den festgelegten Markierungspunkt geschoben, dann werden erneut mit Geradstich, 2,5mm die Ränder knappkantig zusammengenäht.

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Der Zylinder, der so entsteht wächst mit jeder Umdrehung

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bis das Bandende erreicht ist und die Naht gut gesichert wird.

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Beide Seiten, Anfang und Ende sind nun in einer Überlappung, das Abendlicht braucht also noch einen Korrekturschnitt, so dass es aufrecht stehen kann. Diesen Korrekturschnitt führe ich immer mit Lineal und Rollschneider aus, lege das Windlicht auf die Schneidematte, falte es ganz sacht zusammen und schneide es winkelgerade an einer Seite ab. Danach wird es wieder in Form gebracht und es braucht dann nur noch ein kleines Teelicht – das bitte immer in einer Glasumhüllung steht.

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Die Vielfalt der Abendlichter ist unbegrenzt. Und sie sind zum Träumen schön.

Wer nun Blut geleckt hat, darf sich auf Teil 2 meiner Anleitung freuen. Dann erzähle ich noch ein wenig mehr über Gestaltungstechniken, Arbeiten mit Papieren, hauchdünnen Schlagmetallfolien, Glitzer, Glimmer und mehr.

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Nachtrag: die von mir vorgestellte Arbeitsweise in diesem Artikel gilt nur für das Arbeiten mit den Original Gelliplates, die extrem haltbar und robust sind. Eine Garantie für jedwelche Experimente mit selbst gegossenen Gelatineplatten wird nicht übernommen. Dies gilt insbesondere für Brüche der nicht abgerundeten Schnittkanten, eine etwaige Umformung der Gelatinemasse unter Wärmeeinwirkung der Warmluft des Föns, Einrisse beim Andrücken des Klebebandes und während des Reinigens unter fliessend Wasser.

Herzlichst,

Jutta

Schwierigkeitsgrad: Anfänger
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Acrylfarben, Fön, Gelliplate, klebeband, Madeira Aerostitch, Modellierspachtel, Speedballroller, Stencellings
Verwendete Produkte:
BERNINA 880
BERNINA 880
Geradstichfuss # 53
Geradstichfuss # 53

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Kommentare zu diesem Artikel

26 Responses

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  • Ilka Döring

    Immer wieder sehr inspirierend, Juttas Anregungen. Das reicht mir zwar jetzt nicht mehr auf Weihnachten, aber ich will es unbedingt ausprobieren. Herzlichen Dank und schöne Feiertage!

  • Birgit Fischer

    Danke Jutta für die tolle Inspiration. Habe es gleich ausprobiert. Geht auch mit der selbst gemachten Gelliplate. Ich habe dabei aber fest gestellt, dass meine Platte anfängt zu schimmeln. Das Naturprodukt ist wohl doch nicht so haltbar.
    Ich habe statt die einzelnen Streifen zusammen zunähen, gleich die fertigen Streifen nacheinander auf den Hintergrundklebestreifen geklebt. Die Lösung kam mir durch Zufall nachdem mir die kurzen Streifen immer irgendwo klebten, nur. nicht aufeienander.
    Das Saubermachen der Farbrolle und der Schablone ergab dann auch noch ein paar hübsche Papiere. https://uploads.disquscdn.com/images/44f65d365daea6eb617315ef2842fe722e297d4e238d41046e145cfed4ea6dd3.jpg https://uploads.disquscdn.com/images/9c4f9fb5d012593b04f4ad5ac15cfea59bb755bbe6a652d2cc617a2be331b18d.jpg

    • Jutta Hellbach

      Hallo Birgit,
      es freut mich zu lesen, dass es auch mit den selbstgemachten Platten funktioniert. Deine Windlichter schauen prima aus.
      Und die Idee die Einzelstreifen rückseitig durchgehend zu verkleben ist natürlich sinnvoll. Für ein Projekt, das ich in ein paar Tagen hier vorstellen möchte habe ich auch grössere Flächen durch verbindende Verklebung erzielt.
      Dankeschön fürs Zeigen und liebe Grüße,
      Jutta

  • LadyJane721

    Es ist eine tolle Idee. Meine Unsicherheit: Verklebt das Klebeband nicht die Nadeln oder schadet der Nähmaschine?

    • Jutta Hellbach

      Hallo, nein, der Nähmaschine schadet es überhaupt nicht und die Nähnadel kann hinterher mit etwas Alkohol gereinigt werden.
      Gruß,
      Jutta

      • LadyJane721

        Vielen Dank für diesen Bescheid, dann kann ich mich direkt ran halten und mit dem super Tipp von Sabine Moertz kann ich so eine Gelatine Platte selber herstellen. Grüsse aus der Schweiz

      • Jutta Hellbach

        Hallo Lady Jane,
        bitte beachten Sie meinen Hinweis ganz unten immBericht, dass ich keine Garantie für diese Technik beim Verwenden von selbstgegossenen Gelatineplatten übernehme. Die Industrieplatten bestehen aus Silikonen und nicht aus Gelatine und sind viel robuster. Dennoch viel Spass.
        Gruß,
        J. Hellbach

  • sabinemoertz

    Macht Euch eine dauerhafte Gelatine Platte selber!!! Meine ist schon über 1 Jahr alt und immer noch prima! Die Platten der genannten Firma sind unglaublich teuer! Die Herstellung ist sehr einfach und ich habe ein Blechtablet als Gießform genommen. In der Größe kostet eine gekaufte Platte ca 100 €! Es lohnt sich also wirklich!

    So wird die Platte gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=JnPv-XrIsXM
    Viel Spaß! Sabine

    • Jutta Hellbach

      Guten Tag Sabine,
      vielen Dank für Deinen Hinweis. Selbstverständlich steht es jedem frei auch seine eigenen Gelatineplatten herzustellen.
      Jedoch empfehle ich für die von mir gezeigten und in meinen Kursen vermittelten Inhalte ausschliesslich die Originalplatten des amerikanischen Herstellers zu verwenden – mit dem ich übrigens weder verwandt noch geschäftlich verbandelt bin – da mit diesen Produkten optimale Ergebnisse erzielt werden.
      Da die Originalplatten zwar in der Anschaffung nicht für einen 1€ Betrag zu haben sind, preislich jedoch, im Vergleich zu anderen qualitativ hochwertigen Bastel- und Kunstbedarfsprodukten absolut im Rahmen liegen, dazu extrem lange haltbar sind (meine sind nun schon 3 Jahre alt und viel in der Benutzung und werden auch in Kursen von unterschiedlichsten Teilnehmern genutzt) ist es eine lohnende Investition.
      Qualität hat ihren Preis und der ist hier ebenso gerechtfertigt, wie beispielsweise der einer Bernina Nähmaschine, auch wenn man noch von Hand nähen könnte, es aber nicht muss.
      Beste Grüße,
      J. Hellbach

      • Luitgard

        Bezüglich der GeliPlates kann ich Deine Erfahrungen nur teilen und Deine Aussagen unterstützen.

        Ich möchte sie nicht mehr missen, die GeliPlates!. Das “Gematsche” und die Fehlversuche, von der Haltbarkeit der selbstgemachten GelatinePlatten einmal ganz abgesehen, ist das gar kein Vergleich!

        LG Luitgard

      • sabinemoertz

        Gerne! Nicht allen sitzt das Geld locker in den Taschen, vielleicht möchten die Kinder auch mitarbeiten. Da ist es doch eine günstige Sache. Von all den aufgeführten Mängeln, habe ich bei dem Rezept noch nichts bemerkt.
        Hab viel Spaß! Sabine

    • portma

      Hallo Sabine,
      vielen Dank für den Tipp! Das ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, die Technik erst einmal zu versuchen, ohne gleich die teuren “Originale” kaufen zu müssen.
      Liebe Grüße

      • portma

        Ehrlich gesagt verstehe ich jetzt nicht, was das soll.
        Mir gefallen die von Frau Hellbach gezeigten Arbeiten mit dieser Technik sehr gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Technik so ganz mein Ding ist. Da finde ich es klasse, wenn jemand eine Möglichkeit zeigt, das Ganze auch ohne zu großen Aufwand ausprobieren zu können.
        Ich gehöre auch zu den Menschen, die nicht so locker mal eben solche Beträge ausgeben können.

  • monika

    Liebe Jutta,
    DANKE für die perfekte Anleitung und das wunderschöne Ergebnis!
    LG monika

  • Luitgard

    Sie sind Dir sehr gelungen! Bringen Farbe in die farblosen grauen Tage!

    Danke für die Anleitung!

    Liebe Grüße Luitgard

  • Gudrun Heinz

    eine tolle idee für die ‘dunkle Jahreszeit’ – sehr stimmungsvoll! gefällt mir bestens.

  • ERIBO

    Hallo Jutta ,
    da bin ich auf jeden Fall gespannt auf Teil zwei Deiner Abendlicht-Ideenwelt.
    Die Lichter sehen wunderschön und sehr stimmungsvoll aus.
    Danke für diese schöne Idee, -aber auch bei den Garnfarben kommt bei mir Begeisterung auf.
    Herzlichst Erika

    • Jutta Hellbach

      Im Kurs in der Steiermark hattest Du ja auch eine Platte dabei, liebe Erika, da bist Du ja startklar.
      Lg
      Jutta

  • Klothilde

    Hallo Jutta, die Abendlichter sind dir wieder super gelungen. Auch die Anleitung ist sehr gut zu verstehen. Vielen Dank und
    liebe Grüsse Klothilde

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