Kreative Artikel zum Thema Nähen

Adventskalender 2017 – das 17. Türchen

Das 17. Kalendertürchen – die Feiertage rücken näher! Sind unter euch Fleißige, die noch an ihrem Weihnachtskleid nähen?

Bei sämtlichen Blogparaden zum Thema “Weihnachtskleid” liegt Samt als Material ganz vorne. Kein Wunder! Der Stoff löst Assoziationen an Königsroben, Theatervorhänge und Pomp aus. Das perfekte Material also, um sich richtig schön festlich zu fühlen.

Heute präsentiere ich euch als Teil des Adventskalenders fünf Tipps zum Nähen mit Samt, damit ihr auch in einem angemessenen Kleidungsstück “festlich zu Tisch” erscheinen könnt.

Samt verarbeiten – mit diesen 5 TippsTipps zum Samt verarbeiten

Samt-Tipp 1: Vorwaschen

Ich empfehle in der Regel, Stoffe vor dem Verarbeiten zu waschen. So erspart ihr euch viel Kummer, wenn ihr ein fertiges Kleidungsstück in die Waschmaschine gebt und es eingeht. Die ganze Arbeit wäre umsonst! Seid daher lieber geduldig und wascht den Stoff vor.

Baumwollsamt ist der wohl am weitesten verbreitete Samt. Baumwolle neigt zum Einlaufen – was das Vorwaschen-Gebot noch bestärkt. Beim Stoffkauf online ist in der Regel angegeben, wie der Stoff gewaschen werden soll.

Ich versäubere die Schnittkanten mit der Overlock, bevor ich den Stoff in die Waschmaschine gebe.

Wenn ihr den Stoff auf die Leine hängt, empfehle ich euch, ihn nicht einfach mit Wäscheklammern zu befestigen. Der Flor ist empfindlich und bekommt schnell Druckstellen. Auf dem Bild seht ihr den Abdruck einer Wäscheklammer.

Samt verarbeiten

Verhindern könnt ihr diese Abdrücke, indem ihr z.B. Filz- oder Wollwalkstücke zwischen Stoff und Wäscheklammer gebt.

Samt-Tipp 2: Zuschnitt

Bevor ihr Schnittteile auf den Stoff legt, solltet ihr euch erst mal Gedanken machen, wie ihr diesen zuschneiden möchtet.
Die unverkennbare Eigenschaft von Samt ist sein Flor, also kleine Fädchen, die von einem Grundgewebe abstehen. Dieser Flor hat einen Strich: Fahrt mit den Fingern in die eine Richtung, parallel zur Webkante, und in die andere. In einer Richtung solltet ihr einen geringen Widerstand spüren – diese Richtung ist die gegen den Strich. Die andere Richtung ist die mit dem Strich.

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Eure Schnittteile könnt ihr also mit oder gegen den Strich zuschneiden. Das bedeutet, dass der Strich am Körper entweder nach oben (gegen den Strich) oder nach unten (mit dem Strich) verläuft.
Das kann zu unterschiedlichen Effekten führen: Gegen den Strich zugeschnitten erscheint die Farbe des Kleidungsstücks satter und kräftiger, mit dem Strich ist die Farbe matter. Dafür stellt sich der Flor auch weniger stark auf, wenn ihr z.B. mit den Händen am Kleidungsstück nach unten fahrt. Das Kleidungsstück erscheint dann geschmeidiger.

Es wird oft empfohlen, alle Teile gleich zuzuschneiden. Alle Schnittteile eures Kleidungsstücks sollten also den gleichen Strich haben. Ich würde dem zustimmen, mit einer Ausnahme: Wenn ihr die Effekte des Strichs als subtiles Designelement nutzen möchtet. Bestimmte Teile können also im, andere gegen den Strich zugeschnitten werden.

Samt-Tipp 3: Versäubern

Der Zuschnitt ist also erledigt – wie sieht euer Arbeitsplatz jetzt aus? Ich vermute: ziemlich fusselig.
Da beim Zuschnitt die winzigen Fäden des Flors gestutzt und durchgeschnitten werden oder sie sich aus dem Grundgewebe lösen, fusselt der Stoff sehr. Meine Lösung: nach dem Zuschnitt direkt versäubern. Das erspart euch einen fusseligen Arbeitsplatz. Eure Nähmaschine wird es auch auch danken, wenn diese kleinen Fasern nicht in die Maschine gelangen können.

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Samt-Tipp 4: Nähen

Verzichtet beim Nähen von Samt auf Wonderclips und Co. (siehe Druckempfindlichkeit). Arbeitet aber mit einer Menge Stecknadeln! Durch den Flor verschieben sich Stoffstücke beim Nähen gegeneinander. Geizt also nicht an Zeit für die Vorarbeit und benutzt lieber ein paar Stecknadeln mehr. Ein Obertransportfuß kann euch zusätzlich helfen.

Samt-Tipp 5: Bügeln

Bei Punkt 1 habe ich es schon angesprochen: Samt ist druckempfindlich! Das solltet ihr beim Bügeln im Hinterkopf behalten. Einmal zu fest gedrückt, schon habt ihr einen Bügeleisen-Abdruck auf dem Stoff, der sich nur schwer bis gar nicht entfernen lässt.

Am besten lässt sich Samt auf einer speziellen Bügelunterlage bügeln, auch passenderweise “Fakir” genannt. Diese Bügelunterlage ist aus dem Material, aus dem das grobe Stück eines Klettverschlusses ist. Der Flor des Samts kann in die Zwischenräume des Fakirs schlüpfen und wird so nicht platt gedrückt. Wir hatten so eine Unterlage in meinem Ausbildungsbetrieb. Das funktioniert tatsächlich sehr gut.
Ich habe das auch mit einem alten Frottee-Tuch als Unterlage ausprobiert. Den Effekt kann man nicht vergleichen, das weiche Handtuch hat aber etwas verhindert, dass der Flor komplett platt gedrückt wird.

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Ansonsten arbeite ich beim Nahtzugaben auseinander bügeln erst mit Dampf, mit dem ich aus ein paar Zentimetern Abstand die Nahtzugaben in die gewünschte Richtung biege. Im Anschluss lege ich wieder ein Frottee-Handtuch auf und bügle mit etwas mehr Dampf die Nahtzugaben.

Ich hoffe, ihr seid jetzt bestens gewappnet für eure samtene Robe, die das Weihnachtsfest noch festlicher macht.Diese Tipps können teilweise auch auf andere Stoffe mit Flor, wie z.B. Cord, übertragen werden.

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