Kreative Artikel zum Thema Nähen

Kunstkarten zur Weihnacht – ein Tutorial

Alle Jahre wieder gibts hier im Bernina Blog von mir eine Idee zu einer besonderen Weihnachtskarte. Dieses Jahr bekam sie einen künstlerischen Touch.

Als Basis diente mir jeweils ein Zuschnitt Kulörtexx, welches sich für die aufgebrachten Materialien zur Karte hervorragend eignet. Den vorgeschnittenen Bogen – hier könnt Ihr die Grösse selbstverständlich selbst wählen – versehe ich zuerst mit Malerkreppband für den gestaltungsfreien Bereich und mit einigen aufgenähten Motiven. Hier wählte ich ein plastisches und dickes Garn, das Madeira Aerofil 35 extra stark in weiss und nähte ein paar abstrakte Sterne jeweils zweifach gesteppt, auf.

Um eine schöne plastische Oberflächenstruktur zu erhalten, verstreiche ich im abgeklebten Bereich des Kulörtexx eine dünne Schicht Krakeliermedium. Diese fertig nutzbare Paste gibt es von diversen Herstellern und trocknet mit einer feinen Rissbildung aus.

Spachtel und Schaber tuen hier gute Dienste, doch auch ein Löffel und eine ausgemusterte Scheckkarte sind bestens geeignet.

Nun trocknet die aufgetragene Paste über Nacht aus – je länger die Trocknungsphase, desto feiner wird die Rissbildung.

Um den diesjährigen Weihnachtskarten eine besondere Eleganz zu geben, bemale ich sie mit Wachs. Das sogenannte Enkaustik ist in einigen unterschiedlichen Techniken anwendbar. Ich habe die für mich schnelle und doch wirksame Technik ausprobiert – vielleicht etwas entfremdet für den Enkaustik-Freak – doch gab sie gute Ergebnisse. Enkaustikwachsblöcke gibt es von unterschiedlichen Herstellern, ebenso unterschiedlich sind die Preise. Wer sich hierfür interessiert, wird im Netz fündig. Was günstig und unerlässlich für diese Technik ist, ist ein kleines Enkaustik-Eisen. Und nein – ein kleines Handbügeleisen funktioniert nicht, da es selbst in der niedrigsten Temperatureinstellung viel zu heiss ist. Wachs hast einen sehr niedrigen Schmelzpunkt, dazu braucht es dieses spezielle Werkzeug.

Da ich ohne Wärmeplatte, die mein Papier erwärmt arbeite, schmelze ich das Wachs direkt auf dem Eisen. Mit dem Wachsblock verreibe ich immer nur recht wenig Masse, sobald es schmilzt beginnt es zu fliessen, dennoch ist keine Hektik im Arbeiten angesagt.

Transparente Wachsfarben haben einen niedrigeren Schmelzpunkt als beispielsweise alle Glitzerwachse, die gerade zur Weihnacht so schön sind, also muss man am Temperaturregler des kleine Eisens ein wenig herumspielen, bis man herausfindet, welche Gradzahl zu welchem Wachs passt.

Anschliessend lege ich das kleine Einkaustikeisen flach auf mein mit getrockneter Krakelierpaste versehendes Kulörtexx und verreibe es vorsichtig.

Nach und nach gebe ich silbernes Wachs hinzu und verteile es sorgfältig.

Eine zweite Möglichkeit meiner Wachsauftragvariante ist das Erhitzen des Kulörtexx mit dem Eisen, indem ich einige Sekunden auf einer kleine Fläche das Eisen bewege. Dann kann ich mit dem Wachsblock direkt aufs Lederpapier schmelzen.

Die zweite Farbe wird nun mit Hitze vermalt. Die beiden Wachse vermischen sich, bilden einen Perlmutt Ton.

Strukturen entstehen.

Ein wenig helles Olivgrün findet hinzu. Seid frei und experimentierfreudig!

Besonders die transparenten und nicht deckenden Wachsfarben fliessen schön in die Krackeleestrukturen.

Wichtig ist es das Enkaustikeisen immer wieder mit Papier oder einem Tuch zu reinigen. Hier Papier und Stoff mehrlagig nehmen, Vorsicht vor Verbrennungen!

Einen schmalen Rand ziehe ich noch unterhalb der vorherigen Markierung. Ich heize mit dem Eisen vor und ziehe mit dem Wachsblock hinten nach.

Und irgendwann dann, sollte man aufhören, wenns genug ist, ists genug. Die getrocknete Wachsfläche wird mit einem weichen Tuch aufpoliert, damit die Farben an Strahlkraft und Wirkung gewinnen. Dann wird die Karte an den Kanten sauber zurückgeschnitten, zur Mitte hin gefaltet, ein Papier eingelegt und mit einer einfachen Heftbindung und einem starken Bindfaden gebunden. Wenn man einen besonders langen Faden wählt kann die Karte damit noch hübsch umschlungen und verknotet werden.

Beispiel einer weiteren Karte (ohne Fertigstellung)

Die Strukturen sind hier besonders gut zu erkennen.

Und wie der Zufall es wollte, passt die Karte farblich bestens zu den Kerzen auf der Anrichte des Wohnzimmers. Dunkelaubergine, schwarz, schimmernd.

Und ganz ohne vorherige Einflüsse sind auch diese Karten nicht entstanden. Mit den Materialien Kulörtexx, Quilting mit Aerofil 35 extra stark, Krakelierpaste, Enkaustik und einer Wabenplatte ist eine letzte Arbeit für dieses Jahr entstanden, die ich Euch an dieser Stelle gerne zeigen möchte. Die Arbeit misst ca 100cm x 70cm.

“Die heiligen drei Königinnen”

Ich hoffe, dass ich Einige von Euch wieder inspirieren konnte und wünsche viel Freude beim Arbeiten der exklusiven Weihnachtskarten für besondere Menschen.

Herzlichst,

Jutta

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Kommentare zu diesem Artikel

3 Responses

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  • ERIBO

    Liebe Jutta,
    die Inspiration ist Dir wahrlich gelungen. Die Ergebnisse sind immer wieder beeindruckend und regen zum Experimentieren an.
    Danke für den Beitrag und liebe Grüße
    Erika

  • Gudrun Heinz

    halli hallo jutta,
    eine sehr eindrucksvoll wirkende technik – wie gewohnt step-by-step vorgestellt von jutta hellbach – mit aussergewöhnlichen ergebnissen. my compliments!
    herzlich
    gudrun

  • monika

    WOW ! Wirklich besonders schöne, ausgefallene Karten !
    DANKE, Jutta. Schöne Festtage Dir und Deiner Familie
    wünscht monika

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