Kreative Artikel zum Thema Nähen

Die klassische Herrenweste – Nähen und Verarbeitung

In meinem letzten Beitrag habe ich die Maßberechnung und Grundschnitterstellung für eine klassische Herrenweste beschrieben. Nun geht es um die Verarbeitung der Weste, u.a. mit einer Anleitung, wie man eine Leistentasche verarbeitet.

Nähen und Verarbeitung einer klassischen Herrenweste

Ist der gewünschte Stoff ausgewählt, können die Schnittteile vom Papier auf Stoff übertragen werden. Ich habe die erschwerte Aufgabe, einen Karostoff zu vernähen. Hier ist beim Zuschnitt und beim Nähen besondere Aufmerksamkeit gefragt, damit das Muster symmetrisch ist.

Zuerst werden alle Vliesteile, bis auf das Vliesteil für den Tascheneingriff, auf die Rückseiten der jeweiligen Oberstoffteile aufgebügelt. Mit Hilfe eines Markerstifts habe ich den Verlauf der Abnäher auf den Stoff übertragen. Nun werden also zunächst alle Abnäher des Vorderteil-Oberstoffs, des Futters und der Rückteile abgenäht. Bereits hier ist darauf zu achten, dass die Abnäher des Karostoffs die gleiche Lage und den gleichen Verlauf haben.

Verarbeitung einer Leistentasche:

Nach dem Ausbügeln der Abnäher wird zunächst der Verlauf des Tascheneingriffs markiert (es genügt mit Stecknadeln), dann das Vliesteil aufgebügelt und der Verlauf nochmals mit einem Marker eingezeichnet. Ich habe die ursprüngliche Lage des Tascheneingriffs nochmals Richtung vordere Kante verlegt.

Nun werden die Leisten mit 1cm Nahtzugabe verstürzt, gewendet und gebügelt.

Die Markierung des Tascheneingriffs muss auf die Vorderseite übertragen werden. Ich habe dies mit Stecknadeln markiert. Die Leiste wird mit der Öffnung nach oben, 1cm oberhalb der Einschnittlinie auf das Vorderteil aufgenäht.

Auf der Rückseite wird nun etwas oberhalb der Naht – jedoch jeweils 1cm innerhalb! – eingeschnitten. Da die Leiste in meinem Fall mit 15mm sehr schmal ist, wird max. 7mm oberhalb der Naht eingeschnitten. Bei breiteren Leisten ab 2,5cm ist der Standardeinschnitt 1cm oberhalb der Naht. Der restliche Zentimeter links und rechts wird im schrägen Verlauf je 7mm nach oben und unten bis zur Endkante der Leiste eingeschnitten.

Der Taschenbeutel wird zunächst an der oberen Einschnittlasche von der Rückseite aufgenäht. Jedoch so, dass Taschenbeutel und Vorderteil rechts auf rechts befestigt sind.

Anschließend wird die untere Lasche, die auch mit der Leiste verbunden ist, im Nahtverlauf mit dem Taschenbeutel verbunden.

Die nun noch offenliegenden Dreiecke werden auf den Taschenbeutel aufgenäht. Hier ist Präzision gefragt, damit die kurze Quernaht sauber mit den beiden vorherigen Nähten verbunden ist. Anschließend werden die Taschenbeutel an der Seitenkante bei 1,5cm abgenäht.

Die Nähte werden flachgebügelt und die Leisten per Handstich an das Vorderteil genäht. Damit ist die Leistentasche fertig!

Weitere Verarbeitung der Weste:

Die hintere Mitte der Futterrückteile werden geschlossen und die Nähte auseinander gebügelt.

Anschließend wird das innere Vorderteil gefertigt. Hierzu wird zunächst der Saumbeleg an den Futterstoff genäht und die Naht ausgebügelt.

Nun wird der vordere Beleg an das Futter-Saumbeleg-Teil genäht.

Nachdem nun jeweils das Oberstoff-Vorderteil und das Futter-Innenteil an Schulter und Seitennaht mit einem Futterrückteil verbunden wurde bekommt man eine grobe Vorstellung einer Weste.

Hier bietet sich der perfekte Zeitpunkt an, nochmals eine Anprobe vorzunehmen. Ich musste an der hinteren Mitte und an der Seitennaht jeweils im Saum noch etwas Weite wegnehmen.

Und vor allem im Vorderteil hat sich eine unschöne Wölbung des Ausschnitts abgezeichnet. Hier habe ich die Schulternaht versetzt, um einen flachen Ausschnitt zu gewinnen. Dadurch is leider etwas an Schulterbreite verloren gegangen. Durch ein bisschen Probieren konnte ich den Verlust aber aufs Nötigste eindämmen. Im Bild ist noch die erste Anpassung zu sehen.

Nachdem der Schulterverlauf und somit auch der Arm- und Halsausschnitt angepasst wurden, kann die Außenweste mit der Innenweste verstürzt werden. Hierfür werden die beiden Teile rechts auf rechts aufeinandergesteckt.

Als Erstes wird der Verlauf von vorderer Kante über den Ausschnitt, dem Hals zurück zur vorderen Kante, dann dem Saum bis zurück zum Nahtanfang verbunden. Durch Zurückschneiden von Nahtzugaben der Ecken können diese schöner ausgeformt werden. Rundungen werden bis 3mm vor der Naht an der Zugabe eingeschnitten. Durch die Armlöcher kann die Weste gewendet werden. Nun einfach die Nahtkanten glattbügeln.

Etwas komplizierter erweist sich das Verstürzen der Armlöcher. Armloch Nr. 1 kann noch durch das zweite Armloch gewendet werden. Für das zweite Armloch habe ich im Innenteil ein Stück der Seitennaht aufgetrennt und bin so an die Innenseite gekommen. Um den Stoff richtig zusammenzunähen, empfehle ich die Nahtzugaben an einer Stelle nach innen zu legen, dann von der jeweiligen zweiten Öffnung nach innen zu greifen und die Nahtzugabe nach außen zu ziehen. Dann beginnt man an dieser Stelle die Nahtzugabe abzunähen. Beim Nähen hat man immer ein Stück der Naht in einem Schlauch liegen, welchen man beim Nähen weiterbewegen muss. Sind beide Armlöcher verstürzt und ausgebügelt, wird die Seitennaht wieder per Hand verschlossen. Der nächste Schritt ist dann wieder etwas angenehmer. Falls noch nicht geschehen, dürfen nun die Knöpfe ausgewählt werden.

Jetzt müssen nur noch die Knopflöcher gefertigt und die Knöpfe angenäht werden und schon ist die Weste fertig!

Ein richtig schmuckes Teil, oder? 🙂

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