Kreative Artikel zum Thema Quilten

Rulerwork mit den neuen Kordelaufnäheinsätzen

Zuerst war der Stoff und dann der Kordelaufnäheinsatz für den Bernina Rulerworkfuss #72. Ich betone dies eigentlich nur, da das Endergebnis eine unvorhergesehene und gelungene Kombination von beidem ist.

Als Matthias Fluri vor einigen Tagen die neuen Kordelaufnäheinsätze hier im Blog vorstellte, wusste ich, wie ich den Tischläufer, den ich neben ein paar anderen Projekten auf dem Tisch hatte, fertigstellen konnte. Zum damaligen Zeitpunkt war ich am Zusammensetzen der Crazyblöcke und der beiden Randstreifen für den neuen Läufer unseres Gartentischs. Die wunderschönen Stoffe von Odile Bailloeul zeigte ich hier bereits.

Nun möchte ich meine ersten Versuche mit dem Kordelaufnäheinsatz am Rulerworkfuss #72 vorstellen – mit allen Erfahrungen die ich machte.

Ich hatte einige Tests mit vorhanden, wirklich tollen Seidengarnen, die allerdings zu dünn für den kleinsten Kordelaufnähaufsatz waren. Also kaufte ich mir von Schachenmayer die einfachen Häkelgarne in passenden Farben zu den Stoffen.

Farblich passende Nähgarne fanden auf den Garnrollenhalter und dann konnte es schon losgehen.

Der kleine runde Aufsatz kann problemlos auf den Rulerworkfuss #72 gesteckt werden.

Es ist wirklich wichtig, dass die Wolle oder die Kordel, die aufgenäht werden soll, nicht zu schmal für den Durchlass ist.

Sobald ein klein wenig Spannung auf dem Material ist, bildet sich sonst gerne eine kleine freie Fläche. Dann kann es passieren, dass die Nadel mitsamt Nähgarn das aufzunähende Material nicht erwischt und es lose bleibt.

Ich habe zwischenzeitlich meine eigene Variante des Einfädelns des Wollfadens gefunden und möchte sie Euch gerne zeigen:

Zuerst lasse ich meine 880 den Nähfaden einfädeln, bei den jeweiligen Nähmaschinenmodellen, die Ihr habt, nutzt Ihr bitte den Einfädler, wie zu jedem Nähbeginn üblich.

Die Wolle oder Kordel, die aufgenäht werden soll, sollte idealerweise immer ausreichend abgewickelt direkt am Nähplatz liegen. Wichtig ist, dass keine Spannung durch zu kurze Abwicklung entsteht.

Die Nadel wird entweder mittels Handrad, oder Fusspedal versenkt

und wieder heraufgeholt, so dass der Unterfaden gleich mitgezogen wird

beide Fäden, Unter- wie Oberfaden werden ein gutes Stück über das Nähgut gezogen, so dass nicht Zurückrutschen können.

Den Rulerworkfuss montiere ich ab, lege ihn auf das Nähgut

und fädle nun behutsam das Häkelgarn von oben durch die kleine Öffnung durch den Kordelaufnäheinsatz hindurch.

Anschliessend montiere ich den Rulerworkfuss #72 wieder an die Maschine und ziehe das Nähgut und alle Fäden Punkt auf Punkt.

Das gerade Rulerworklineal positioniere ich auf dem Stoff, senke den Rulerworkfuss ab. Zuvor habe ich über die kleine messingfarbene Drehscheibe am Fuss die ideale Arbeitshöhe festgestellt, so dass die Wolle locker fliesst und nicht unter dem Fuss eingeklemmt wird. Der Untertransport ist versenkt. Die Geradstichplatte ist ebenfalls eingesetzt. Mit ein, zwei Stichen fixiere ich die Wolle auf dem Läufer und schiebe dann sofort das Nähgut mitsamt Lineal am Rulerfuss entlang. Langsam arbeiten hilft hier ganz besonders.

Linie um Linie bilde ich nähend unterschiedliche Dreiecke auf dem Stoff, ganz passend zum Stoffbild selbst.

Idealerweise verschiebe ich nur das Lineal und belasse den Stoff immer in derselben Position. Das ist ein wenig Übungssache.

Für parallele Linien orientiere ich mich an den vorgefrästen Linien am Quiltlineal.

Sobald ich ein Dreieck mit ausreichend vielen Linien gefüllt habe, vernähe ich das Ende des Häkelgarns. Hierzu ziehe ich das Häkelgarn mit leichter Spannung zu mir hin und vernähe mit ein paar Stichen auf der Stelle. Dann schneide ich das Häkelgarn punktgenau ab.

Das klingt ja bisher alles ganz einfach und man könnte denken, das klappt ja am Schnürchen. Doch ganz so einfach war es dann doch nicht, es gibt zwei kleine Stolpersteine, die mir immer wieder passiert sind und die ich Euch mitsamt Lösung zeige.

Also starte ich erneut: ich vernähe den Faden am Anfang und ziehe das Material inkl. Lineal entsprechend des Musters Stück für Stück am Rulerfuss entlang.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Häkelgarn, sobald es nicht wirklich ganz locker mitlaufen kann, sondern unter Spannung gerät, immer wieder stückweise nicht angenäht wird.

Zur besseren Ansicht habe ich es hier mit dem Finger ein wenig angehoben.

Es ist gut zu erkennen, dass die Maschine schön gerade am Lineal entlang näht, das Garn jedoch stellenweise nicht mitgefasst wurde.

Don’t panic! Es gibt für alles eine Lösung und die heisst in diesem Fall nicht unbedingt, dass alles aufgetrennt werden muss. Ich entferne das Häkelgarn aus dem Rulerfuss und achte darauf, dass das Nähgarn eingefädelt bleibt. Notfalls fädle ich das Nähgarn neu ein. Dann lege ich das Lineal so an, dass der Rulerfuss über die zuvor genähte Linie passgenau laufen kann. Dann drehe ich am kleinen Messingrädchen und senke den Nähfuss eine Nuance tiefer und nähe nochmals über das lose Häkelgarn.

Die Korrektur bleibt bei farblich gut passendem Garn praktisch unsichtbar.

Troubleshooting Nummer 2:

Ihr habt Kordel oder Wolle mitsamt Nähgarn eingefädelt, macht die ersten beiden Fixierstiche und bewegt dann nicht schnell genug das Nähgut. Nun kann es passieren, dass mit ganz wenigen Stichen die Wolle als kleiner Knuddel oder Knoten in der Öffnung des Kordelaufnäheinsatzes eingenäht wird.

Ihr bemerkt es sehr schnell, denn dann hebt sich der Nähfuss automatisch von der Stichplatte und das schaut dann so aus:

mit etwas Glück könnt Ihr ganz vorsichtig versuchen den Stoff herunterzuziehen. Wenn der Wollknubbel nicht zu dick ist, rutscht er durch die kleine Öffnung hindurch und Ihr könnt weiterarbeiten:

oder aber

das Wollmaterial ist so dick unter dem Nähfuss und in der Öffnung eingezogen, dass nur noch die Schere hilft.

Hierzu löse ich entweder den ganzen Rulerworkfuss von der Maschine, oder ich ziehe den Kordelaufnäheinsatz vorsichtig vom Fuss ab

und schneide oberhalb und noch viel vorsichtiger unter der kleinen Scheibe ab um den Stoff nicht zu Schaden zu bringen.

Man könnte meinen, dass das nur ein winziger Knoten war, doch für die ebenso kleine Öffnung am Aufsatz ist er eben gleich zu gross. Diese beiden Troubleshooter sind mir bei dem gesamten Tischläufer, auf den ich 26 Dreiecke aufgebracht habe, ungefähr viermal passiert. Und keinesfalls lag dies an den mechanischen Teilen, noch an der Maschine, noch am Garn, noch am Stoff, sondern allein an mir selbst. Übung macht die Erfahrung.

Gestern Abend bekam der neue Läufer noch ein rotes Bindung verpasst und heute morgen lag er schon zum ersten Kaffee draussen auf dem Gartentisch und wir haben eine Menge Spass daran. Dreiecke auf Dreiecken. Wer hätte das gedacht, als der Stoff vor einigen Woche hier eintraf.


Ich wünsche Euch viel Spass beim Üben und Werkeln mit dem Kordelaufnäheinsatz am Rulerworkfuss.

Herzlichst,

Jutta

 

 

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: ein Wochenende
Verwendete Materialien: Baumwollstoff, Häkelgarn, Kordelaufnäheinsätze, Nähgarn, passendes Nähgarn, Rulerworkfuss #72
Verwendete Produkte:
BERNINA 880
BERNINA 880
Verstellbarer Rulerfuss # 72
Verstellbarer Rulerfuss # 72

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Responses

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  • ERIBO

    Liebe Jutta,
    da steckt viel Arbeit drin und viel Erfahrung . Danke für deine Vorreiterrolle, die du wieder sehr ausführlich hier gezeigt hast.
    Das Ergebnis ist wunderschön geworden und erfreut euch ganz sicher in jeder Kaffeestunde.
    Liebe Grüße und Danke für`s Zeigen
    Erika

  • emasquilting

    Das ist eine Farbenexplosion!!! Das Quilt ist wunderschön.
    Die Idee mit dem Couching Fuss Teil ist absolut Genial und sieht so einfach aus zu benutzen!!

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