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KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann

Anlässlich seines 100. Todesjahres würdigt das Österreichische Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst (MAK) in Wien Koloman Moser (1868–1918), einen der grossen Visionäre der Wiener Moderne, mit einer der bisher umfangreichsten Personalen zu seinem vielfältigen Werk.

Anonym: Porträtfotografie Koloman Moser, um 1903
© MAK

Die MAK-Ausstellung ‘KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann’, die am morgigen Dienstag, 18. Dezember 2018 eröffnet wird, taucht tief in das Œuvre des Ausnahmekünstlers ein und zeigt auf, wie entscheidend Moser die Suche nach einer neuen, modernen Formensprache in Wien um 1900 mitgeprägt hat.

Josef von Storck: Kabinettschrank für Erzherzog Rudolf, um 1881
© MAK/Georg Mayer

Viele der rund 600 Exponate, grossteils aus der MAK-Sammlung, werden erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Chronologisch aufgebaut, lässt die MAK-Schau jede Etappe von Mosers ungewöhnlichem Werdegang Revue passieren: vom Maler zum Allround-Gestalter und schliesslich wieder zurück zur Malerei.

Josef von Storck: Bucheinband Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Die Kunstgewerbeschule, 1889
© MAK/Mona Heiß

Bis heute übt sein Gesamtwerk eine nachhaltige Faszination aus. Als Universalkünstler beherrscht Moser die Disziplinen Malerei, Grafik, Kunstgewerbe und Innenraumgestaltung ebenso wie Mode und Bühnenbild. Das von der Wiener Secession propagierte Gesamtkunstwerk lebt Moser in beeindruckender Weise vor. Er gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Wiener Moderne, als einer der einflussreichsten Künstler des Wiener Jugendstils und zählt neben Gustav Klimt und Josef Hoffmann zu den führenden Künstlerpersönlichkeiten des Wiener Kunstfrühlings.

Koloman Moser: Paravent, 1906
Ausführung: Karl Beitel, Therese Trethan
© MAK/Georg Mayer

In fünf Kapiteln kontextualisiert die von Christian Witt-Dörring, Gastkurator, und Elisabeth Schmuttermeier, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte-Archiv, kuratierte MAK-Ausstellung Mosers Werk vor dem Hintergrund der kunsttheoretischen Entwicklung in Wien von 1860 bis 1918.

Koloman Moser: Stoffmuster Palmenblatt, 1898
Ausführung: Joh. Backhausen & Söhne
© MAK/Katrin Wißkirchen

Unter dem Titel ‘Wien als Bühne der Künste’ widmet sich das einleitende Kapitel der Ausstellung dem Umfeld, das den jungen Moser prägt. Wien erlebt von 1860 bis 1890 eine rasante gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Ein erstarktes Grossbürgertum ermöglicht den Künsten neue Betätigungsfelder.

Koloman Moser: Likörglas, um 1900
© MAK/Kristina Wissik

Moser wächst mit einer dynamischen Künstlergeneration heran, die auf eine hochwertige Tradition aufbauen kann. Prägend für Moser ist insbesondere der Gesamtgestaltungsanspruch des Historismus, der Architektur, Malerei und Bildhauerei bei der Realisierung von Ausstattungsprojekten an einen Tisch holt. Werke unter anderem von Hans Makart und der Wiener Künstler-Compagnie (Franz Matsch, Gustav und Ernst Klimt) stehen zum Auftakt der MAK-Ausstellung neben frühen, noch ganz dem Naturalismus verschriebenen Ölbildern und grafischen Arbeiten Koloman Mosers.

Koloman Moser: Vase, um 1900
© MAK/Kristina Wissik

Das zweite Kapitel ‘Die Einheit von Form und Funktion’ (1889–1895) widmet sich dem Architekten und ‘Vater der Moderne’ Otto Wagner sowie seiner prägenden Rolle für Mosers Werdegang. Wagner kritisiert den Einsatz historischer Stile und prägt den sogenannten Nutzstil. Die Einheit von Form und Funktion – ‘form follows function’ – wird zum Credo der Moderne. Wagners Ideen üben grossen Einfluss auf die unter anderen beteiligten Gründungsmitglieder der Secession Gustav Klimt, Koloman Moser, Carl Moll, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich aus. Wagner ist es auch, der Moser gemeinsam mit Josef Hoffmann für eine Professur an der Kunstgewerbeschule des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie vorschlägt. Letztendlich orientieren sich die Secessionisten allerdings an der Arts and Crafts-Bewegung, die der Realisierung der künstlerischen Idee den Vorrang vor der Funktion gibt.

Koloman Moser: Frommes Kalender, 1899
© MAK

‘Koloman Mosers frühe Jahre’ (1886–1896), das dritte Ausstellungskapitel, zeigt den jungen Moser als freischaffenden Künstler. Um sein Studium der Malerei an der Kunstgewerbeschule (1893–1895) bei Franz Matsch finanzieren zu können, betätigt sich Moser bereits ab 1888 intensiv als Illustrator für Bücher und Zeitschriften. Mit jungen Künstlerkollegen, die mit der dem Naturalismus verschriebenen Wiener Kunstszene zunehmend unzufrieden sind, schliesst er sich zum Siebener-Club zusammen, aus dem später die Secession hervorgeht. Eine Zeichnung Gustav Klimts zur ‘Allegorie der Skulptur’, die er für Martin Gerlachs Vorlagenwerk für Kunstgewerbetreibende ‘Gerlach’s Allegorien. Neue Folge’ angefertigt hat, inspiriert Moser zu einem neuen, kurvilinearen Ausdruck, aus dem er schliesslich unter Einfluss der japanischen Kunst die sogenannte Wiener Flächenkunst entwickelt.

Gustav Klimt: Allegorie der Skulptur, 1889
© MAK/Georg Mayer

Das vierte Kapitel ‘Die Einheit der Künste’ zeigt Moser als Gründungsmitglied der Secession und Universalkünstler. Inspiriert vom Konzept des Gesamtkunstwerks der Secession widmet sich Moser nun ausschliesslich der Ausstellungs-, Bühnen- und Innenraumgestaltung sowie der Mode.

Koloman Moser: Plakat für die XIII. Secessionsausstellung, 1902
© MAK

In Zusammenarbeit mit Josef Hoffmann entstehen Innenraumkonzepte, die als Wiener Raumkunst international bekannt werden. Ein berühmtes Beispiel ist die von Künstlern gestaltete Einrichtung des Palais für den Industriellen Nikolaus Dumba. Hans Makart stattet das Arbeitszimmer (1871–1873) aus, Gustav Klimt den Musiksalon und Franz Matsch das Speisezimmer (1897/98).

Koloman Moser: Schreibschrank für Berta Waerndorfer, 1903
Ausführung: Wiener Werkstätte
© MAK/Nathan Murrell

Um 1900 kommt es zu einer markanten stilistischen Zäsur. Ein flächiger, geometrisch reduzierter Ausdruck dominiert nun Mosers Entwürfe, der Quadratdekor wird zu einem seiner Markenzeichen. Der sogenannte Wiener Stil ist geboren.

Koloman Moser: Schiebetisch für das Toilettezimmer der Wohnung Eisler von Terramare, 1903
© MAK/Georg Mayer

Gemeinsam mit Josef Hoffmann und dem Mäzen Fritz Waerndorfer gründet Koloman Moser schliesslich die Wiener Werkstätte (1903), die die kompromisslose Umsetzung des Gesamtkunstwerks ermöglicht.

Koloman Moser: Deckelpokal, 1905
Ausführung: Wiener Werkstätte (Adolf Erbrich)
© MAK/Katrin Wißkirchen

Als ein Höhepunkt der Ausstellung entführt dieser Ausstellungsbereich in die beeindruckende Fülle von in der Wiener Werkstätte entstandenen, zeitlos schönen Innenraumgestaltungen, Möbeln, Metallgegenständen, Lederarbeiten und Schmuck.

Koloman Moser: Prunkkassette, 1906
Ausführung: Wiener Werkstätte (Adolf Erbich, Eugen Pflaumer, Karl Ponocny, Therese Trethan)
© MAK/Georg Mayer

Die zunehmende Abhängigkeit von einem kleinen Kreis von Mäzenen veranlasst Moser im Jahr 1907 zum Austritt aus der Wiener Werkstätte. Moser startet einen neuen Abschnitt in seiner künstlerischen Laufbahn und widmet sich bis an sein Lebensende 1918 fast ausschliesslich der Malerei. Das letzte Ausstellungskapitel ‘Abschied von der Einheit der Künste’ gibt einen Überblick über Mosers malerisches Spätwerk, mit dem er an den Ausgangspunkt seines Schaffens zurückkehrt. Gleichsam als roter Faden begleitet eine reich illustrierte Chronologie zu Mosers Schaffen durch die Ausstellung.

Koloman Moser: Entwurf für das Südfenster der Kirche St. Leopold am Steinhof, 1905/06
© MAK/Georg Mayer

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

Die MAK-Ausstellung ‘KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann’ wird vom 23. Mai – 15. September 2019 im Museum Villa Stuck in München gezeigt.

***

Info:

19. Dezember 2018 – 22. April 2019

KOLOMAN MOSER.
Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst
Stubenring 5
1010 Wien
Österreich

www.mak.at

Eröffnung:
Di, 18. Dezember 2018, 19 Uhr

Öffnungszeiten:
Di: 10 –22 Uhr
Mi – So: 10 –18 Uhr

Für die besonderen Öffnungszeiten an und zwischen den Feiertagen 2018/2019 sowie zum Rahmenprogramm: siehe Website des Museums.

Besucher*innen der MAK-Ausstellung ‘KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann’ erhalten mit dem MAK-Ticket ermässigten Eintritt zur Ausstellung ‘Anwendungen. Koloman Moser und die Bühne’ im Theatermuseum (bis 22. April 2019), die erstmals Mosers Theaterarbeiten in ihrer Gesamtheit zeigt – von der intimen Kabarettbühne bis zur grossen Opernausstattung.

 

Fotos und Informationen freundlicherweise vom MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

4 Responses

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  • Ingrid Veit

    Liebe Frau Heinz ,

    Vielen Dank für Ihre tollen Ausstellungstipps! Ohne Sie hätte ich die Koloman Moser – Ausstellung verpasst. Moser hat mich bei früheren Wienbesuchen begeistert, aber ich habe kaum Literatur über ihn gefunden. Jetzt freue ich mich auf die Ausstellung in München.

    Herzliche Grüße Ingrid

    • Gudrun Heinz

      halli hallo ingrid,

      herzlichen dank zurück! so soll es sein,  ich möchte auf interessante ausstellungen aufmerksam machen und freue mich sehr über ein feedback wie ihres.

      beste grüsse

      gudrun

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,

    sagenhafte Designerstücke, interessante Grafiken, beeindruckende Bilder. Ein Künstler von großem Format. Kunsthandwerk hatte zu jener Zeit einen ganz anderen Stellenwert als heute, was ich manchmal schade finde. Meines Erachtens dürfen künstlerische Einzelstücke doch durchaus auch eine Funktion haben, finde ich.

    Viele Grüße

    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      freut mich sehr zu lesen, dankeschön! heutzutage geht es vielleicht mehr um masse statt um klasse. und natürlich haben künstlerische dinge auch ihren preis, den angesichts der schnäppchenjagd und wegwerfkultur viele nicht bezahlen wollen (oder auch können). um so mehr freue ich mich, über ausstellungen wie diese berichten zu können und kommentare wie deinen zu lesen. vielleicht schaffe ich es nach münchen, wenn die schau dort zu sehen ist, mal sehen.

      beste grüsse

      gudrun

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