Kreative Artikel zum Thema Nähen

Modenacht Radolfzell 2019: Kunstgefühle

Habt ihr Lust, in die Welt der Kunst entführt zu werden und einige der berühmtesten Gemälde der Zeitgeschichte aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten?

Genau das war die Intention von 18 Schülerinnen der Abschlussklasse des Berufskollegs für Mode und Design in Radolfzell.

Die diesjährige Modeschau stand unter dem Motto «Kunstgefühle». Wer sich gefragt haben mag, was Kunst mit Mode zu tun hat, wird im Vorwort des ausgehändigten Programms aufgeklärt: «Jede Epoche wird von ihrer Kunst geprägt. Von Botticelli über Frida Kahlo bis Picasso – all diese Künstler leben ihre Gefühle, Gedanken und Sehnsüchte in ihren Gemälden aus. Auch die Mode und der Zeitgeist der jeweiligen Epochen beeinflussen die Künstler in ihrer Arbeit», so war im Vorwort zu lesen.

Wie in den letzten Jahren durfte ich die Modeschau als Mitglied der Fachjury verfolgen. Ich kann bestätigen, dass die jungen Damen mit Unterstützung der zweiten und der ersten Klasse ihre Ideen kunstvoll in Szene gesetzt haben.

Vor der Präsentation der Modelle auf dem Laufsteg hatte ich die Gelegenheit, die Arbeiten der Abschlussklasse zu begutachten und zu bewerten. Die Aufgabe war, ein komplettes Outfit zu entwerfen und zu nähen. Ich darf sagen, dass die Modelle mit viel Liebe, Fleiss und manch einem aussergewöhnlichen Detail gefertigt wurden.

Die 18 jungen Damen hatten sich in Gruppen aufgeteilt, um jeweils ein Gemälde eines grossen Künstlers zu interpretieren:

  • Der Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich
  • Selbstbildnis mit Dornenhalsband von Frida Kahlo
  • Gesellschaftsprisma von Koroush Namazi
  • Der Kuss von Gustav Klimt.

Doch genug geredet, ich nehme euch jetzt mit in die Kunstaustellung:

Als erstes wurde das Gemälde von Elvira Bach «La vie en rose» recht bunt und mit zum Teil ungewöhnlichen Materialien wie Verpackungs- und Alufolie, Drahtgestell und grossen Blüten umgesetzt.

Mit Hip-Hop-Musik und grellen Neonfarben wurde das nächste Kunstwerk von Pichi & Avo umgesetzt: «Urban Homeric Hymn to Poseidon». Auch hier war der Experimentierfreudigkeit in Bezug auf Materialien keine Grenzen gesetzt. Folie, Plastik und robuste Stoffe kamen genauso zum Einsatz wie Neonspray.

Konträr dazu standen die nächsten Entwürfe, die das klassische Gemälde von Botticelli «Die Geburt der Venus» interpretierten. Drapierungen, Falten und weich fallende Stoffe in zarten Pastell-Tönen sorgten für Eleganz und Weiblichkeit.

Darauf folgte nun die Präsentation des jüngsten Jahrgangs BK1. Die 14 jungen Damen dieser Klasse mussten einen Rock realisieren. Äusserst ideenreich und mit interessanten Details präsentierten sie die Umsetzung der Gemälde «Der Schrei» von Edvard Munch und «Die Sternennacht» von Vincent Van Gogh.

Der zweite Jahrgang sollte eine Hose und eine Bluse fertigen. Pate für die Entwürfe standen «Die grosse Welle von Kanagawa» von Katsushika Hokusai, «Gala und die Tiger» von Salvador Dalí und «Die 77 Werke der Barmherzigkeit» von Michelangelo.

Und schon war die Abschlussklasse an der Reihe. Ihre Aufgabe bestand darin, ein komplettes Outfit herzustellen.

Die Farben blau, grau, weiss und braun dominierten bei der Umsetzung des Gemäldes von Caspar David Friedrich. Steife Stoffe wie Cord und Leinen und fliessende Materialien wie Satin, Crêpe legen hier den Kontrast des Wanderers zum Nebelmeer nahe.

Als nächstes galt es, das Kunstwerk von Frida Kahlo zu bestaunen. Wildlederimitat kam genauso zum Einsatz wie Tüllspitze und Chiffon. In verschiedenen Olivtönen entstanden Kleider, Blusen, Röcke, Hosen, Jacken und Mäntel.

Klare, gerade Linien, geometrische Formen im Gegensatz zu fliessenden, leichten Stoffen: so wurde das Werk «Gesellschaftsprisma» umgesetzt. Rot, schwarz und grau sorgten für Ausdruckskraft; Materialien wie Wolle, Seide und Leder kamen zum Einsatz. Viele äussert gekonnte Details sorgten für genaues Hinschauen.

Wer kennt es nicht, das Gemälde «Der Kuss» von Gustav Klimt? Hier sorgten Erdtöne, gelb, orange und braun für eine gekonnte Umsetzung von Kunst in Mode. Weiche und steife Stoffe im Mustermix sollen den Gegensatz zwischen Mann und Frau versinnbildlichen.

Es folgte die Preisverleihung. Der Designpreis ging an Madeleine Benz, die ein zauberhaftes rotes Abendkleid und einen exklusiven Mantel gefertigt und dabei nicht nur mit der tollen Idee, sondern auch mit einer exakten Ausführung gepunktet hatte!

Den Realisationspreis erhielt Ida Zimmermann. Ihr Etuikleid mit raffinierten Details und ihr äusserst ideenreicher, gekonnt gefertigter Mantel verbinden Schlichtheit mit dem gewissen Etwas. Die sehr gute Verarbeitung hat mich absolut überzeugt.

Ich hoffe, dass bei allen der Funke übergesprungen ist, dass sich sowohl Zuschauer als auch Leser dieses Beitrags gerne in die Kunstwelt entführen liessen. Vor allem hoffe ich für die jungen Damen, dass ihre Liebe und Passion zum Nähen immer bestehen bleibt und wünsche vor allem den Absolventinnen einen erfolgreichen und glücklichen Weg.

Herzlichst
Mirjam 

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