Kreative Artikel zum Thema Nähen

Aus dem Nähkästchen geplaudert – mit Valeria Bekker

Die nächste Nähpersönlichkeit in unserer Interview-Reihe ist Valeria Bekker. Über unser Social Media Monitoring sind wir auf ihren Instagram-Kanal “Verspult” aufmerksam geworden und dachten uns: Wow, hier geht die Sonne auf! Valeria näht überwiegend quietschbunte und teilweise ausgefallene Kleidung. Wie man mit der Nähmaschinen Fröhlichkeit schafft, erklärt sie uns und Euch im Interview.

Informationen zu Valeria findet Ihr unter folgenden Links:

Instagram: www.instagram.com/_verspult_

Facebook: www.facebook.com/Verspult.ValeriaBekker

Interview mit Valeria Bekker

Beschreibe dich mit wenigen Worten.
Ein Wort reicht: Verspult 😉

Bist du mehr der Gefühlsmensch oder ist bei dir alles durchdacht und geplant?
Ich bin definitiv ein Gefühlsmensch. Alles passiert sehr spontan und was mir in den Sinn kommt, wird sofort umgesetzt. Manchmal gut und manchmal wäre es wohl besser gewesen, davor etwas mehr darüber nachzudenken. Aber planen blockiert mich, das ist nicht meins.

Wie hat alles angefangen? Wie bist du zum Nähen gekommen?
Mit der Geburt meiner Tochter hat alles angefangen. Ich wollte immer schon bunte Klamotten anziehen, mein Inneres einfach nach außen tragen. Leider gab es nirgendwo solche Kleidung und wenn, dann total überteuerte Massenware. Als meine Tochter geboren wurde, hatte ich endlich ein bisschen Zeit und habe mir das Nähen mit Büchern beigebracht.

Woher kommt der Name von deinem Label und wie lange gibt es dein Label schon?
Der Name “Verspult” kam mir irgendwann mal in der Nacht in den Sinn. Er passt einfach perfekt zu mir und zu dem, was ich mache. 2016 habe ich mein Kleingewerbe angemeldet, und seit Dezember 2019 bin ich nun selbstständig.

Was kann man bei “Verspult” finden? 
Bei mir gibt es handgemachte Unikate, vor allem aber Klamotten für Frauen, die Mut zur Farbe haben! Am allerliebsten gehe ich auf Märkte, um dort meine Kunden “live” zu treffen. Zu sehen, wie ihre Augen leuchten, wenn sie ein Kleid von mir tragen, das ist einfach unbezahlbar und macht mir eine riesige Freude! Neben Genähtem biete ich aber auch getöpferte Feenhäuser, Dekoteller und andere Glücklichmacher an. Besondere Freude machen mir auch die Töpferkurse, die ich bei mir zuhause im Ostallgäu gebe.

Wie kann man deine Sachen bekommen? 
Ich verkaufe über Facebook, Instagram aber am allerliebsten auf Märkten im Raum Augsburg (Bayern).

Aufgrund der Coronakrise kannst du derzeit nicht an Märkten auftreten. Wie kommst Du über die Runden?
Ich bin froh, dass es Social Media gibt, denn ich verkaufe tatsächlich sehr viel über Facebook und Instagram. Aber ja natürlich, es geht mir durch die nicht stattfindenden Märkte was verloren. Es werden aber bestimmt wieder andere Zeiten kommen. So lange boxe ich mich irgendwie durch.

Was ist deine große Leidenschaft neben dem Nähen?
Seit etwa 2 1/2 Jahren töpfere ich super gerne. Vor ein paar Jahren haben wir uns den großen Wunsch von einem eigenen Wohnmobil erfüllt. Das ist meine größte Leidenschaft, wenn es mal nicht um die Arbeit geht. Ich bin ein “Meermensch”.  Ich liebe das Meer und muss auch mehrmals im Jahr dort hin, sonst drehe ich durch! 😉 Am Meer fühle ich mich zuhause, ich kann abschalten, zu mir selbst finden, ruhig werden und auf neue Ideen kommen.

Was gefällt dir besonders gut an deiner Tätigkeit?
Mir gefällt es gut, dass ich meinen Tag selbst gestalten kann. 

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag/Wochentag bei dir aus?
Sowas gibt es bei mir nicht – an einem Tag wird getöpfert und am nächsten wieder genäht. Die hergestellten Sachen müssen dann auch irgendwann fotografiert werden, Kundenanfragen wollen beantwortet werden und und und … Was für mich aber zu jedem Tag unbedingt dazugehört, ist Kaffee und eine Runde Gassi mit meinem Herzenshund, bevor die Kinder aus der Schule kommen.

Was magst Du am Nähen am liebsten?
Dass ich genau das nähen kann, was mir gefällt. Ich kann mich verwirklichen, mich austoben. Und durch das Nähen hab ich schon so viele, tolle und bunte Mädels kennengelernt! 

Was nähst du am liebsten und mit welchen Materialien?
Ich bin ein Jerseyverfechter. So gut wie alle Klamotten, die ich nähe, sind aus Jersey. Oh ja, Sweat und Walk mag ich auch sehr gerne.

Jersey-Nähprojekt, Zipper-Jacke

Wie verbringst du deine Freizeit, wenn du mal nicht am Nähen/Töpfern bist?
Wir sind viel im Garten, dekorieren unser Haus, und sobald die Kinder ein paar Tage frei haben, sind wir mit dem Wohnmobil unterwegs.

Portraitbild von Valeria Bekker

Gibt es etwas, das du anderen Näherinnen mit auf den Weg geben willst?
Denkt nicht so viel drüber nach, einfach loslegen und machen! 😉

Viele sind derzeit aufgrund der Coronavirus-Krise bedrückt – du wirkst, als ob bei dir immer die Sonne scheint. Ist das so? Hast du einen Tipp, wie man sich – oder andere – in Krisenzeiten glücklich machen kann?
Ganz ehrlich? Ich höre so gut wie keinen Radio mehr und schaue auch keine Nachrichten mehr an. Denn irgendwann lässt man sich dadurch so verrückt machen, und das lasse ich einfach nicht zu. Ich schotte mich und meine “kleine heile Welt” weitestgehend ab. Wir bleiben zu Hause und nähen, töpfern, tanzen, malen und basteln uns die Welt weiterhin bunt.

Viele Eltern sind jetzt im Homeoffice und überlegen, wie sie ihre Kinder beschäftigen können, die ebenfalls zuhause sind. Wie machst du das?
Wir machen meistens bis Mittag Schularbeiten, gehen dann mit dem Hund raus und sind auch sonst gerne im Garten. Beide Kinder halten sich allerdings auch gerne im Töpferraum auf und töpfern und glasieren mit mir zusammen. Manchmal müssen sie sich aber auch selber beschäftigen, weil sie wissen, dass Mama jeden Tag arbeiten muss. Als kleiner Tipp: Schaut mal bei Bine Brändle in den Downloadshop, sie hat so tolle Bastel- und Malvorlagen.

Sag mal, was hast du für Sticker auf unsere schöne Nähmaschine geklebt? 🙂
Hihi, so wie meine Kleidung müssen auch meine Maschinen bunt sein. Das sind Beigaben aus den Schatzkisten von der lieben Silke von Zwergenschön.

Nadeln und Farbe sind dir unter die Haut gegangen. Wie hat es bei dir mit dem Tätowieren angefangen, und was bedeuten dir die Tattoos?
Ich habe mein erstes Tattoo mit 17 bekommen. Angefangen hat es wieder mit meiner Liebe zum Meer. Meine ersten Tattoos kommen alle aus der Unterwasserwelt. Ob Muscheln, Seepferdchen, Rochen oder ein Seestern, es ist alles dabei. Wie beim Nähen entwickelt sich das mit der Tätowiererei schnell zur Sucht. Mittlerweile sind massig Feen, Drachen, Mandalas, Motive von Zwergenschön und maritime Mitbringsel aus Hamburg dazugekommen. Eine Bedeutung gibt es nicht, ich lass mir das stechen, was mir gerade gefällt, auch da denk ich nicht sonderlich viel nach. Ich liebe es einfach, spontan Dinge zu tun, und bei Tattoos hat man noch eine schöne Erinnerung daran. 

Du stickst auch, nicht wahr? Wann und wieso hast du damit angefangen?
Das waren auch ganz klar die Dateien von Zwergenschön, die für mich jedes mal einem Kunstwerk gleichen. Meine erste Stickmaschine hat mir mein Mann zu Weihnachten geschenkt. Ich liebe es zu sticken und kann mich meist nicht losreißen, weil ich es so spannend und faszinierend finde, dabei zuzusehen. 

Wohin soll deine kreative Reise noch gehen?
Ich lebe im Moment, keine Ahnung, was in ein paar Jahren ist. 

Hast du Vorbilder oder Menschen die dich inspirieren?
Natürlich! Silke Cudjoe von Zwergenschön und die ultratalentierte Bine Brändle. Ich drück euch zwei und hoffe, dass wir uns ganz bald wiedersehen! Und ich verehre Frida Kahlo, sie war so eine wahnsinnig tolle, starke Frau und Künstlerin.

Aus eigenem Interesse: Hast Du eine BERNINA? Magst Du sie? 
Mögen? Ich liiiiiiiiebe meine BERNINA 740. Für mich ist sie die allertollste Maschine überhaupt. Meine Stickmaschine ist die B 700 und Overlock die L 450, wobei es bei der Overlock noch irgendwann eine andere geben wird. Denn diese Maschine benutze ich am meisten.


Fun Facts

Streichelst du Stoffe?
Ooooh ja, natürlich!

Sprichst du mit deiner Nähmaschine?
Ihr etwa nicht?

Haben deine Nähmaschinen Namen?
Ja komischerweise, immer mit einem “H” – Die Sticki heißt “Hermine”, die Ovi “Herbert” und die Nähmaschine “Hubert”.

Gehörst du zu denen, die nur schnell 10 Minuten in den Stoffladen gehen und mit vollen Händen rauskommen?
Definitiv nicht, ich bin da immer restlos überfordert. Dann wird gestreichelt, was das Zeug hält. Ich verfalle komplett dem Kaufrausch, und das dauert ewig.

Ordnung im Nähzimmer oder organisiertes Chaos?
Beides nicht – absolutes Chaos trifft es eher!

Wie reagierst du, wenn jemand deine Stoffschere zum Papierschneiden benutzt?
Mein Gesicht und mein Tonfall entgleist dezent. 😉

Liebstes Schimpfwort bei Näh-Missgeschicken?
Das darf ich hier nicht schreiben … Ich fluche wirklich sehr viel.

Wie viele aufgetrennte Nähte?
Ich hab noch nie in meinem Leben eine Naht aufgetrennt. Ich schneide auf oder es wird eben ein Teil für die Stoffrestekiste und später für etwas Anderes verwendet. 


Wir werden im Verlauf des Jahres weitere Interviews mit Näh-, Stick- und Quiltpersönlichkeiten hier publizieren. Fällt Euch spontan eine Person ein, von der Ihr gerne mehr wissen würdet? Dann teilt uns deren Namen gerne in den Kommentaren mit. Wir hoffen, dass wir den einen oder anderen Vorschlag aufnehmen und umsetzen können. Es hilft, wenn die von Euch vorgeschlagene Person mit BERNINA näht…

Mit welcher Person die Interview-Reihe fortgesetzt wird, erfahrt ihr schon bald hier im Blog. Also schaut regelmässig vorbei!

Liebe Grüsse
Corinna

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Kommentare zu diesem Artikel

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  • Auxilia Burch-Brun

    Guten Tag Valeria

    Wenn ich so ein Können und soviel Phantasie hätte, würde ich so nähen wie Du!

    Es ist eine Augenweide!

    Im Herbst graut es mir Kleider zu kaufen mit den düsteren Farben.

    Ich habe meinen Kindern gesagt, wenn ich sterbe, hätte ich gerne einen bunt ausgestatteten Sarg!

    Weiter viel Erfolg. Freundliche Grüsse

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