Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps Juni 2020

Kunst Schaffen 2020 – Begegnungen mit Kunst und Künstlern

Um die Produktion von Kunst und kulturellen Angeboten auch unter Corona-Bedingungen zu ermöglichen, widmet die Flensburger Robbe & Berking Werft unter der Schirmherrschaft von Schleswig Holsteins Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur Karin Prien und Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange das werfteigene Museum und ihre grosse gläserne Werfthalle vom 27. Mai – 21. Juni 2020 60 ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern. Auf 1.800 qm Ausstellungsfläche werden Bildhauer, Maler, Graphiker, ausgewählte Kunsthandwerker und Künstler*innen aus allen Disziplinen endlich wieder mit Kunstinteressierten ins Gespräch kommen und ihre neuesten Arbeiten präsentieren und verkaufen können.

Atelje Kaisa Duus (Lammfell & Leder): Kissen Dalhem
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Kuratoren dieser für die Region sicher ungewöhnlich vielfältigen Kunstausstellung sind Dr. Thomas Gädeke, früherer Direktor des Landesmuseum Schloss Gottorf und Oliver Berking, Gründer und Inhaber der Robbe & Berking Werft. Die teilnehmenden Künstler*innen kommen aus Bremen, Hamburg, Hannover, Berlin und dem gesamten norddeutschen Raum. Viele von ihnen werden für die Dauer der Ausstellung Atelier und Werkstatt in die Werft verlegen und vor Ort arbeiten. Mit dieser ungewöhnlich grossen Vielfalt an Arbeiten will ‘KUNST SCHAFFEN 2020’ einen kleinen Überblick über das norddeutsche Kunstgeschehen auch und gerade zu Corona-Zeiten präsentieren. Um das gemeinsame Interesse am Wohl der norddeutschen Kunst- und Kulturszene zu dokumentieren, wird der Leiter des Kulturbüros im Flensburger Rathaus für diese Zeit ebenso seinen Schreibtisch zu Robbe & Berking zwischen die Staffeleien und Werkbänke verlegen, wie der Ressortleiter Kultur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages.

Silberschmied Wilfried Moll: Sphinx, Leuchter 6-lichtig
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Auch das Sicherheits- und Hygienekonzept der Werft ist besonders. Oliver Berking: ‘Das oberste Ziel des Sicherheits- und Hygienekonzeptes ist es natürlich, sicherzustellen, dass Besucher*innen und Künstler*innen ausreichend Abstand zueinander halten. Wir haben daher neben vielen anderen Massnahmen die gesamte Ausstellungsfläche am Boden wie ein grosses Schachbrett gestaltet, damit jeder ein Gefühl für den Abstand zum Nächsten hat. Jeder Gast bekommt für den Besuch neben einem Mundschutz ein paar weisse Silberschmiedehandschuhe und kann so jede Arbeit, an der er interessiert ist, auch in die Hand nehmen. Um Schlangen an der Kasse zu vermeiden, werden wir in diesen Wochen auf den Eintritt verzichten.’

Auf diese bemerkenswerte Veranstaltung darf man gespannt sein!

Info:

27. Mai – 21. Juni 2020

KUNST SCHAFFEN 2020 – Begegnungen mit Kunst und Künstlern

ROBBE & BERKING
Yachting Heritage Centre e.V.
Harniskai 13
24937 Flensburg
Deutschland

www.yachtingheritagecentre.com

Öffnungszeiten:
Di – So: 11 – 18 Uhr
Mo: geschlossen, ausser Pfingstmontag

Eintritt vom 27. Mai – 21. Juni 2020 kostenfrei

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Thierry Mugler
Couturissime

Die Kunsthalle München präsentiert erstmals in Deutschland eine Ausstellung über den französischen Modeschöpfer Thierry Mugler (*1962) – endlich wurde die lange angekündigte und erwartete Schau am 25. Mai 2020 eröffnet, nachdem die internationalen Ausstellungsmacher und Kuratoren endlich nach München reisen konnten. Die Ausstellung wurde initiiert und produziert vom Montreal Museum of Fine Arts (MMFA) in Kooperation mit Maison Mugler, die das Couture-Erbe des Designers restauriert hat. Kuratiert wurde die Schau von Thierry-Maxime Loriot unter der Leitung von Nathalie Bondil, Generaldirektorin und Hauptkuratorin des Montreal Museum of Fine Arts.

Plakat
basierend auf: Alan Strutt, Yasmin Le Bon, Palladium, London, 1997
Evening Standard Magazine, Oktober 1997
Outfit: Thierry Mugler, Kollektion ‘La Chimère’, Robe ‘La Chimère’, Haute Couture Herbst/Winter 1997–1998
Foto freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Die spektakulär inszenierte Retrospektive stellt das facettenreiche Werk des visionären Couturiers, Regisseurs, Fotografen und Parfümeurs in acht Akten vor. Sie versammelt mehr als 150 zwischen 1977 und 2014 entstandene Haute-Couture- und Prêt-à-porter-Oufits, Bühnenkostüme und Accessoires, Videos, Fotografien, Entwurfszeichnungen und Archivmaterialien. Etwa 100 Werke berühmter Modefotografen von Helmut Newton (1920–2004) bis David LaChapelle (*1963), die Muglers Kreationen in Szene gesetzt haben, runden die Ausstellung ab.

In den frühen 1970er Jahren revolutionierte der als klassischer Balletttänzer ausgebildete Mugler die Mode, indem er den fliessenden Bohemien-Looks der Hippie-Zeit futuristische und komplex konstruierte Schnitte sowie skulpturale oder elegante körperbetonte Silhouetten entgegensetzte.

Helmut Newton (1920–2004), Fotoshooting, Mailand 1997
Digitalprint
Outfit: Thierry Mugler, Kollektion ‘»Soie« toi-même’, Prêt-à-porter Frühjahr/Sommer 1998
Foto: © The Helmut Newton Estate, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Mit seinen Entwürfen verlieh Mugler den Menschen, die er einmal als ‘zerbrechliche, schöne Geschöpfe’ bezeichnete, heroische Stärke. In Zeiten des Cocooning, des Rückzugs aus der als unüberschaubar und bedrohlich empfundenen Welt ins häusliche Privatleben, schuf Mugler mit Anleihen aus der Welt der Tiere und Mythen ebenso wie aus dem Universum moderner Technik und Architektur glamouröse Panzer, die Frauen in Superheldinnen verwandelten.

‘Ich war schon immer fasziniert von dem schönsten Tier auf Erden: dem Menschen’, sagte Mugler. Seiner Ansicht nach ist die menschliche Verführungskunst von der Tierwelt geprägt, die seine fantastischen Kreationen anregt. Muglers Bestiarium ist inspiriert von Meerestieren und Reptilien, von Insekten, Vögeln und Schmetterlingen. Er lehnte es jedoch ab, mit luxuriösem exotischem Leder oder seltenen Federn zu arbeiten, sondern konzentrierte sich auf die Verwendung synthetischer Materialien.

Patrice Stable
Outfit: Thierry Mugler, Kollektion ‘Les Insectes’, Haute Couture Frühjahr/Sommer 1997
Foto: © Patrice Stable, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Er experimentierte dabei mit innovativen Materialien wie Metall, Plexiglas, Kunstpelz, Vinyl oder Latex. ‘Mein einziges Mass ist die Masslosigkeit’, sagte Mugler über seine extravaganten Kreationen. Seine Entwürfe wurden von Stars wie Diana Ross (*1944), Liza Minelli (*1946), David Bowie (1947–2016), Céline Dion (*1968) oder Lady Gaga (*1986) getragen, ebenso schuf er Kostüme unter anderem für die Touren und Videos von Stars wie Beyoncé (*1981).

Überall auf der Welt gewann Mugler Mitarbeiter für die Umsetzung seiner fantastischen Ideen – darunter Autolackierer und Lederhandwerker, Drucktechniker und Fotografen, Wissenschaftler und Künstler. Charakteristisch für seine Mode ist eine raffinierte Mischung von Hoch- und Populärkultur, in der veredelte Haute Couture und Drag-Show-Drama zusammentreffen. Sie bewegt sich zwischen Elitismus und Massenwirksamkeit, zwischen Tradition und Transgression.

‘Meine einzig wahre Berufung ist die Bühne.’ In der Überzeugung, dass Mode in einem musikalischen und theatralischen Setting gezeigt werden muss, begründete Mugler das Prinzip der Modenschau als Spektakel. 1984 öffnete er eine überwältigende, im Pariser Zenith veranstaltete Schau, eine regelrechte Mode-Oper, für ein Publikum von 6000 Personen. Sein Catwalk wurde zur Bühne für Musical-Komödien, Szenen aus Comics, Hollywood-Filme und glamouröse Cabaret-Schauen. Er führte auch den Trend ein, Stars bei Modenschauen modeln zu lassen.

Ellen von Unwerth (*1954), Eva Herzigová
hinter den Kulissen der ‘Thierry Mugler Fashion Show’, Paris, 1992
Silbergelatineabzug
Outfit: Thierry Mugler, Kollektion ‘Les Cow-boys’, Prêt-à-porter Frühjahr/Sommer 1992
Foto: © Ellen von Unwerth, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Als brillanter Geschichtenerzähler mit einer Vorliebe für theatralische Performances hat Mugler nicht nur einige der spektakulärsten Modenschauen seiner Zeit inszeniert. Er entwarf auch Kostüme für die von der Comédie-Française und dem Festival d’Avignon verantwortete Inszenierung von Shakespeares Macbeth sowie für die ‘Zumanity’-Show des Cirque du Soleil und brachte seine eigenen Revuen wie die ‘Mugler Follies’ in Paris und ‘The Wyld’ im Berliner Friedrichstadt-Palast auf die Bühne.

Muglers Interesse an Fotografie kam 1976 auf, als er Helmut Newton bat, eine Werbekampagne für ihn zu realisieren. Bei den Aufnahmen intervenierte Mugler jedoch so stark, dass Newton schliesslich erwiderte, er solle es doch selbst machen – was der Designer auch tat. Während Mugler seine Zusammenarbeit mit Newton über 20 Jahre lang fortführte, entwickelte er gleichzeitig seine ganz eigene Bildsprache für Kampagnen.

Als Fotograf und Regisseur schuf er den Videoclip ‘Too Funky’ des britischen Sängers George Michael (1963–2016), sowie Kurzfilme mit Isabelle Huppert (*1953) und Juliette Binoche (*1964). 1992 erschien das Musikvideo für den berühmten Song ‘Too Funky’ des britischen Popstars George Michael (1963–2016), das den Beginn von Muglers Karriere als Videoregisseur markierte. Der Song wurde auf dem Charity-Album ‘Red Hot + Dance’ veröffentlicht, mit dem Mittel für den Kampf gegen Aids eingeworben werden sollten – ein Anliegen, das sowohl der Sänger als auch der Designer unterstützten.

Patrice Stable, Emma Sjöberg während des Videodrehs zu George Michaels Song ‘Too Funky’, Paris, 1992, Regie: George Michael und Thierry Mugler
Outfit: Thierry Mugler, Kollektion ‘Les Cow-boys’, Prêt-à-porter Frühjahr/Sommer 1992
Foto: © Patrice Stable, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Sein Werk zeichnet sich durch zahlreiche weitere Kooperationen mit den Grössen der Kunstwelt aus – unter anderem mit dem Filmemacher Álex de Iglesia (*1965), Innenarchitektin Andrée Putman (1935–2013) und bekannten Fotografen wie Helmut Newton (1920–2004), Guy Bourdin (1928–1991), Dominique Issermann (*1947), Herb Ritts (1952–2002), Ellen von Unwerth (*1954), David LaChapelle (*1963) und Pierre & Gilles (*1950 und *1953).

Zur Ausstellung ist ein Luxus-Begleitband (engl.) erhältlich.

Info:

3. April – 30. August 2020

Thierry Mugler
Couturissime

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstrasse 8
(in den Fünf Höfen)
80333 München
Deutschland

www.kunsthalle-muc.de

Öffnungszeiten:
täglich 10 – 20 Uhr

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Mazandaran-Kelims
Unbekannte Flachgewebe aus Nordpersien

Wie bereits kurz angekündigt, zeigt das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen derzeit erstmals in einer Sonderausstellung seltene Stücke aus einer Schweizer Privatsammlung: ‘Mazandaran-Kelims – Unbekannte Flachgewebe aus Nordpersien’.

Ausstellungsansicht ‘Mazandaran-Kelims’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das St. Galler Museum zeigte 2004 Kelims des Zürcher Sammlers Werner Weber in Verbindung mit Werken der klassischen Moderne. Die Gegenüberstellung zeigte eindrücklich Gemeinsamkeiten im intuitiven oder bewussten Umgang mit abstrakt-geometrischen Gestaltungsmitteln. Diese Flachgewebe aus der Provinz Mazandaran im heutigen Iran, zwischen Kaspischem Meer und Elburs-Gebirge, sind bekannt durch ihre Vielfalt an Streifen und Kombinationen. Sie beruhen auf einer jahrtausendealten Tradition, welche die Frauen als deren Hüterinnen ihren Töchtern weitergeben.

Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto: Werner Weber, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Werner Weber, der auch mit Kelims handelt, reiste 2008 wieder in die Region und fand neben den erwähnten Streifen-Kelims Gewebe, wie er sie noch nie gesehen hatte. Diese Textilien ruhten in Truhen ärmlicher Bauernfamilien, scheinbar ungebraucht, in der abgelegenen Region Hezar Jerib, was übersetzt ‘Tausend Täler’ bedeutet. Es sind Gewebe, die mit abstrakten Mitteln Licht und Schatten in sich zu vereinen vermögen. Die meist sehr grossen, in Bahnen gewebten Kelims entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts und scheinen wenig genutzt. Zu ihrer Funktion und der feinen Technik mit schimmernden Übergängen wollten oder konnten die Bewohnerinnen und Bewohner der Gegend nur wenige Aussagen machen.

Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto: Werner Weber, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kelims sind Flachgewebe, also keine Knüpfteppiche. Bei den Streifen-Kelims geht der Schuss über die ganze Webbreite. Bei den Kelims mit Mustern werden die Einträge so weit durch die Kette geführt, wie es dem gewünschten Muster entspricht, um dann wieder zu kehren. Komplizierter ist es bei den Hell-Dunkel-Kelims, welche die fliessenden Übergänge der lkat-Technik imitieren, aber dafür die Technik des Wirkens verwenden. In der Regel sind bei den Kelims aus Mazandaran die Kettfäden in Baumwolle, meist alle in gleicher Farbe, und der Schuss in grober oder feiner Wolle, je nachdem, wofür das Gewebe genutzt werden soll.

Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto: Werner Weber, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Bei den Geweben aus Hezar Jerib mit dem schimmernden Effekt sind Kett- und Schussfäden in feinster Wolle und im Wechsel von hell zu dunkel angeordnet. Um den fliessenden Übergang von hell zu dunkel und umgekehrt zu erreichen, werden im Schuss beide Farben von den Weberinnen teilweise parallel geführt. Dort, wo das Dunkel in Hell übergeht, läuft der dunkle Schuss aus, um zu kehren, wo die Dominanz der hellen Farbe beginnt. Der Farbwechsel wird beim nächsten darüberliegenden Schuss versetzt ausgeführt, was den Übergang noch weicher macht und zu diesem flimmernden Effekt führt.

Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto: Werner Weber, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Minimalismus in orientalischen Textilien ist schon längere Zeit Thema der Forschung. Wie die abstrakte Kunst des 20. Jahrhunderts bedient sich der Minimalismus einer reduzierten Formen- und Farbensprache. lm Unterschied zur westlichen Moderne ist es eine über Jahrhunderte tradierte Kultur, die ohne Unterbruch von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto: Werner Weber, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eine neue Dimension findet sich in den Geweben aus Hezar Jerib. Mit abstrakten Mitteln vermögen sie Licht und Dunkelheit in sich zu vereinen. Sie sind ein Feuerwerk der Farben und besitzen eine magisch-geheimnisvolle Kraft. Licht und Dunkelheit spielen in Kunst und Kultur, aber auch in den Religionen seit jeher eine bedeutende Rolle. In der Vorstellung der Zoroaster stehen sie für Gut und Böse. Besonders wichtig ist das Feuer. Ihm wird eine reinigende Funktion zugeschrieben. In den abgelegenen Tälern von Hezar Jerib waren die Zoroaster bis zur Islamisierung weit verbreitet. Unter der Pahlavi-Dynastie nahmen ihre Anhänger im 20. Jahrhundert wieder zu. So könnten diese feinen Gewebe, die mit Licht und Dunkelheit spielen, für rituelle Zwecke im Umkreis des Zoroastrismus genutzt worden sein.

Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto: Werner Weber, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zum genauen Gebrauch dieser Webereien können im Moment keine klaren Aussagen gemacht werden. Waren es Brautgeschenke, spirituelle Objekte oder dienten sie einem anderen Zweck? Gilt die Akzeptanz, welche die moderne minimalistische Kunst geniesst, auch für textile Kunstwerke? Und gilt sie – innerhalb dieser Gattung – auch für Arbeiten von Frauenhand aus dem weiten Bereich textiler Stammeskultur?

Kelim aus der Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Frage nach der Stellung textiler Kunst innerhalb des Kunstschaffens wird oft gestellt. Schnell wird die Textilkunst dem Kunsthandwerk zugeordnet, da sie meist einem praktischen Nutzen dient. Diese Erklärung kann natürlich nicht befriedigen.

Reinigung der Kelims in der Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ein praktischer Nutzen der Gewebe aus Hezar Jerib ist nicht bekannt. Sie sind zu gross, um in den bescheidenen Hütten der Bauern ausgelegt zu werden. Ihre raffinierte und hochkomplizierte Webtechnik, das feine, edle Material und ihr ungebrauchter Zustand lassen vermuten, dass sie eine andere, eher spirituelle Aufgabe erfüllten.

Kelim aus der Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit ihren spannungsvollen Proportionen und ihrer monumentalen, spirituellen Kraft sind es ohne Zweifel Meisterwerke visueller Kunst, die die Weberinnen aus Mazandaran hier schufen.

Kelim aus der Ausstellung ‘Mazandaran-Kelims’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

28. März – 18. Oktober 2020

Mazandaran-Kelims
Unbekannte Flachgewebe aus Nordpersien

Historisches und
Völkerkundemuseum
Museumstrasse 50
9000 St. Gallen
Schweiz

www.hvmsg.ch

Flyer

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MATERIAL MATTERS
Von der Faser zur Mode

Die Ausstellung ‘MATERIAL MATTERS. Von der Faser zur Mode’ hatte ich auch schon mal kurz angekündigt, jetzt nähert sich endlich der Eröffnungstermin. Sie widmet sich textilen Rohstoffen, ihrer Produktion und der Verarbeitung in der Mode. Kostüme und Stoffe von 1800 bis heute illustrieren die Vielfalt und Schönheit textiler Materialien und zeigen ihren Einfluss auf die Mode im Wandel der Zeiten. Die Ausstellung ‘MATERIAL MATTERS’, die unter Mitwirkung der Hochschule Luzern – Design & Kunst und der Empa konzipiert wird, ist vom 6. Juni 2020 bis einschliesslich 21. Februar 2021 im Textilmuseum St. Gallen zu sehen.

Kleid, Grossbritannien, 1. Viertel 19. Jahrhundert
Baumwollmusselin, bestickt
Textilmuseum St. Gallen, TM 22727
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Baumwolle trägt sich angenehm, Seide glänzt edel, Wolle wärmt und ‘poly-irgendetwas’ ist beigemischt: Ein rascher Blick aufs Etikett offenbart die Zusammensetzung des Kleidungsstücks, das wir zu kaufen gedenken oder schon unser Eigen nennen. Doch was verbirgt sich hinter den oberflächlichen Angaben? Welche Rohstoffe finden Verwendung? Welche Verarbeitungsprozesse werden durchlaufen? Wer sich mit textilen Materialien auseinandersetzt, wird feststellen, dass das Thema komplex ist und in Zeiten gesteigerten Umweltbewusstseins kontrovers diskutiert wird.

Celia Pym: Hope’s Sweater, 2011
Die britische Künstlerin Celia Pym bearbeitet Kleidungsstücke wie diesen von Motten zerfressenen Wollpullover aus dem Jahr 1951 und verwandelt sie so in ein Kunstwerk.
Foto: Michele Panzeri, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘MATERIAL MATTERS’ untersucht das Verhältnis von Material und Mode anhand ausgewählter Kleidungsstücke aus den letzten 200 Jahren. Die Ausstellung hinterfragt unter anderem, welchen Einfluss Faktoren wie spezifische Materialeigenschaften oder die Verfügbarkeit und die Preisgestaltung von Rohstoffen auf die Mode nehmen.

‘Die Verarbeitung der Baumwolle’: Mustersammlung, zusammengestellt im Auftrag des eidgenössischen Departements des Inneren für die Weltausstellung 1900 in Paris, ergänzt durch das Musterbuch ‘Milanaise & Engl. Twilled’ sowie Objekte zur Leinen- und Baumwollverarbeitung.
© Textilmuseum St.Gallen
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Einen wichtigen Bereich innerhalb der Ausstellung bildet das Faserkabinett. Hier werden die Produktion und Verarbeitung von natürlichen und künstlichen textilen Rohstoffen von der Faser über das Garn bis zum Stoff detailliert beleuchtet.

In Zeiten von Fast Fashion und Billigmode droht das Gespür für den Wert von Textilien abhanden zu kommen. Dem möchte die Ausstellung ‘MATERIAL MATTERS. Von der Faser zur Mode’ entgegenwirken.

Info:

6. Juni 2020 – 21. Februar 2021

MATERIAL MATTERS
Von der Faser zur Mode

Textilmuseum St. Gallen
Vadianstrasse 2
9000 St. Gallen
Schweiz

www.textilmuseum.ch

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Die Welt neu geordnet – Schätze aus der Zeit Napoleons
Virtuelle Führung mit den Kuratorinnen

Im wieder geöffneten Schmuckmuseum Pforzheim ist die aktuelle Sonderausstellung ‘Die Welt neu geordnet – Schätze aus der Zeit Napoleons’ noch bis Sonntag, 14. Juni zu sehen.

Plakat

Da coronabedingt momentan keine Führungen möglich sind, kann man sich mit Kuratorin Martina Eberspächer und Museumsleiterin Cornelie Holzach auf einen virtuellen Rundgang durch die Schau begeben. Ob zur Vorbereitung eines Museumsbesuchs, zur Vertiefung im Nachhinein oder einfach so – in etwa zwanzig Minuten begleiten die Ausstellungsmacherinnen die Betrachter*innen abwechselnd und abwechslungsreich zu den Höhepunkten der Schau.

Museumsleiterin Cornelie Holzach und Kuratorin Dr. Martina Eberspächer begrüssen zur virtuellen Führung durch die Napoleon-Ausstellung im Schmuckmuseum Pforzheim.
© Schmuckmuseum Pforzheim
Foto: Daniela Samsony, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Napoleon Bonaparte veränderte die politische Landkarte Europas in kürzester Zeit tiefgreifend. In vielen Bereichen hat sein politisches Vorgehen bis heute prägende Wirkung. Die Schau zeigt, wie Napoleon sich inszenierte, und veranschaulicht im Zusammenspiel mit Dokumenten, Gebrauchs- und Luxusgegenständen die damalige Zeit.

Gedreht wurde der Film von Daniela Samsony, musikalisch begleitet wird er von Auszügen einer Live-Aufnahme der Beethoven-Sinfonie Nr. 3 ‘Eroica’ des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheims unter der Leitung von Sebastian Tewinkel. Sprecher sind die Schauspieler Jörg Bruckschen und Joanne Gläsel.

Die virtuelle Führung gibt es unter www.schmuckmuseum.de

Info:

noch bis 14. Juni 2020

Die Welt neu geordnet – Schmuck aus der Zeit Napoleons

Schmuckmuseum Pforzheim
Jahnstrasse 42
75173 Pforzheim
Deutschland

www.schmuckmuseum.de

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Marion Baruch
Retrospektive – innenausseninnen

Das Kunstmuseum Luzern präsentiert derzeit die bemerkenswerte Ausstellung ‘innenausseninnen’, eine Retrospektive der bisher wenig bekannt gewordenen Konzeptkünstlerin Marion Baruch. 91 Jahre ist sie jetzt und endlich eine Museums-Ausstellung!

Ausstellungsansicht ‘Marion Baruch. Retrospektive – innenausseninnen’
Kunstmuseum Luzern
Foto: Marc Latzel, freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Entlang des langen Lebens der Künstlerin Marion Baruch (*1929) in Rumänien, Israel, Italien, Grossbritannien und Frankreich lassen sich die Zäsuren des 20. Jahrhunderts schildern: Faschismus, Kommunismus, Kapitalismus, Feminismus, Pazifismus, Migration, Klassen, Nationen, Religionen, Sprachgemeinschaften, politische Ideologien.

Ausstellungsansicht ‘Marion Baruch. Retrospektive – innenausseninnen’
Kunstmuseum Luzern
Foto: Marc Latzel, freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Marion Baruch bezieht sich in ihrer Kunst auf gesellschaftliche Themen und beschäftigt sich mit Innenwelten und Aussenräumen. ‘innenausseninnen’ ist eine Wortschöpfung, die unmittelbar verständlich ist, nur steckt ‘aussen’ hier im Innern. Sprache ist für Marion Baruchs Werk zentral. ‘innenausseninnen’ bezeichnet eine Suche nach einer Perspektive, eine Versuchsanordnung zu den Mechanismen des Ein- und Ausschlusses.

Ausstellungsansicht ‘Marion Baruch. Retrospektive – innenausseninnen’
Kunstmuseum Luzern
Foto: Marc Latzel, freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für ihr Projekt ‘une chambre vide’ (2009) räumte die Künstlerin ein Zimmer ihrer kleinen Pariser Wohnung leer, um während eines Monats jeden Nachmittag zum Gespräch einzuladen. Das Zimmer ist zwar leer, aber alles andere ist da: Offenheit, Neugier, das Glück des Austauschs, das warme Sonnenlicht … Anlässlich der Retrospektive bleibt denn auch ein Ausstellungsraum leer, diese ‘chambre vide’ wird mit einer losen Reihe von Begegnungen, Diskussionen und Referaten fürs Publikum bespielt.

Marion Baruch: Name Diffusion, Une chambre vide, 2009
32 Rue Sorbier, Paris
Foto: Corinne Vigne-Loup, Courtesy of the artist

Marion Baruchs erste Skulpturen aus Stahl ab 1966 sind filigrane, begehbare Zeichnungen im Aussenraum. Eine historische Aufnahme zeigt die Künstlerin zwischen den Stahlträgern in einer turnerischen Pose. Diese Skulpturen dürfen berührt und sogar benutzt werden. Sie sind spielerisch und ihre Dimension ist auf den Menschen ausgerichtet. Innen und Aussen greifen ineinander. Wir sind weder drinnen noch draussen. Marion Baruchs Kunst besteht darin, diese einladende Offenheit zu schaffen. Die Objekte ‘Ron-Ron’ (1972) und ‘Lorenz’ (1972) sind eine Art unbrauchbare Möbel, Spielzeug im Kontext erwachsener Wohnungseinrichtungen: Weder ganz Teppich noch ganz Hocker sind sie eine Einladung, unseren Sinnen mehr Raum zu gewähren.

Marion Baruch: Ron-Ron, 1972
Aus der Serie Ultramobile, Produktion Dino Gavina, Originaler Werbeflyer
Courtesy of the artist
Foto freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit dem Label ‘NAME DIFFUSION’ reagiert Marion Baruch ab 1988 kritisch auf den Kunstmarkt. ‘NAME DIFFUSION’ meint verteilen, teilen, miteinander als Prinzip, aber nicht als Dogma. Als Firma im Handelsregister eingetragen realisiert ‘NAME DIFFUSION’ die Kunst in der Geschäftswelt.

Ausstellungsansicht ‘Marion Baruch. Retrospektive – innenausseninnen’
Kunstmuseum Luzern
Foto: Marc Latzel, freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die vermeintlich unterschiedlichen Systeme geraten durcheinander. Natürlich ist das Spiel und Systemkritik zugleich, Sichtbarmachung von Arbeitsstrukturen, Klassen oder Marktmechanismen sowie Freude am Experiment.

Ausstellungsansicht ‘Marion Baruch. Retrospektive – innenausseninnen’
Kunstmuseum Luzern
Foto: Marc Latzel, freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Viele von Marion Baruchs jüngsten Werken sind formal so stark, dass hinter ihrer minimalen Ästhetik die inhaltliche Komplexität fast verborgen bleibt. Mit Abfällen der Textilindustrie thematisiert Marion Baruch erneut Arbeitswelt und Ressourcenverbrauch.

Ausstellungsansicht ‘Marion Baruch. Retrospektive – innenausseninnen’
Kunstmuseum Luzern
Foto: Marc Latzel, freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die gedrehten und gedehnten Stoffreste schaffen aber vor allem erneut begehbare Bilder. Formal betrachtet arbeitet die Künstlerin gerne mit Leerstellen, mit Durchsichten, Transparenz, Aussparungen.

Marion Baruch: La Sandale de Socrate, 2016
Baumwolle, 257.8 x 205.7 cm, Acquisition of Mrac Occitanie / PyrénéesMéditerranée, Sérignan
Foto: Marc Latzel, freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Sie selbst spricht von ‘void’, aber meint damit nicht das spirituelle Nichts. Eher ist diese Leere ein Freiraum im wörtlichen Sinn, der als Einladung ans Publikum zu verstehen ist, diesen Raum zu betreten.

Marion Baruch: Cloud-Chapeau volant, 2017
Stoff, 175 × 286 cm, Ausstellungsansicht Galerie Anne-Sarah Bénichou, Paris
Courtesy of the artist and Galerie Anne-Sarah Bénichou, Paris
Foto freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Sie selbst, die Künstlerin, und wir, die wir vor und in ihrem Werk stehen, erfahren die Transformation des Sichtbaren ins Unsichtbare körperlich, wir sind innen und aussen zugleich.

Marion Baruch in ihrem Haus in Gallarate, Italien
Foto: Marc Latzel, freundllicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kuratiert wurde die Schau von Fanni Fetzer und Noah Stolz.

Hinweisen möchte ich besonders auf den SRF-Bericht von Kurt Aeschbacher, der zusammen mit der Museumsdirektorin Fanni Fetzer durch die Ausstellung spaziert. Die beiden lassen die Zuschauer*innen an ihrem sehr aufschlussreichen Gespräch teilhaben und auch wenn man sich erst ins Schwyzerdütsch einhören muss, so sprechen die Bilder und die knappe halbe Stunde vergeht wie im Flug. Marion Baruchs Schaffen ist hintersinnig, humorvoll und facettenreich, sie sieht die Dinge mit Witz, vorwärtsgewandt und mehrperspektivisch, eben ‘innen und aussen zugleich’.

Zu finden ist das Video auf der Website des Museums.

Info:

noch bis 11. Oktober 2020

Marion Baruch
Retrospektive – innenausseninnen

Kunstmuseum Luzern
Europaplatz 1
6002 Luzern
Schweiz

www.kunstmuseumluzern.ch

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Spiel mit Licht und Schatten
Handgewobene moderne Damastgewebe

Wer kennt sie nicht, die reich gemusterten Tafelleinen, weiss in weiss, bei denen das Muster einzig durch den Einfall des Lichtes sichtbar wird? Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch die modernen Damastgewebe, sie spielen mit Licht und Schatten – und zusätzlich mit Farbe. Das Museum Tuch + Technik in Neumünster zeigt die ganze Bandbreite der heutigen modernen Damastweberei in einer Sonderausstellung, die noch bis 7. Juni 2020 zu sehen ist.

Flyer
Corrie Van Eijk: Waves 2017

Europaweit gibt es noch einige Weberinnen und Weber, gruppiert in der Damastwebergilde, die sich dieser aufwändigen Webtechnik widmen. Man benötigt dazu einen besonderen (grossen) Webstuhl und vor allem viel Zeit.

Blick in die Ausstellung ‘Spiel mit Licht und Schatten’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wie vor hunderten von Jahren werden einem vorgefertigten Entwurf folgend die Musterschäfte gehoben, um das Muster entstehen zu lassen.

Corrie Van Eijk: Mother 2018
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Neben dem Grundmuster, auf dessen Oberseite des Stoffes der Schuss dominiert und nur vereinzelt die Kettfäden durchscheinen, wird über eine besondere Vorrichtung die Möglichkeit geschaffen, hier und da eine Gruppe von Kettfäden beim Weben anzuheben, so dass sie an diesem Punkt von nur wenigen Millimetern Kantenlänge allein sichtbar werden.

Beate Stürmer: Eis auf dem Teich
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Je nachdem, wie das Licht darauf fällt, wie Licht und Schatten mit dem Stoff ‘spielen’, kommt das Gewebe immer wieder neu zur Geltung.

Blick in die Ausstellung ‘Spiel mit Licht und Schatten’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Digitalisierung hat auch in der Damastweberei Einzug gehalten und so gibt es heute die Möglichkeit, den Computer in den Arbeitsprozess einzubinden.

Blick in die Ausstellung ‘Spiel mit Licht und Schatten’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Auch der Webstuhl hat sich weiterentwickelt und eröffnet neue Mustermöglichkeiten. Die Ausstellung zeigt daher auch ungewöhnliche Muster, auch Fotos wurden als Vorlage verwendet.

Blick in die Ausstellung ‘Spiel mit Licht und Schatten’
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Museum Tuch + Technik ist die letzte Station der Wanderausstellung, die bereits unter anderem in den Niederlanden, der Schweiz und in Estland zu sehen war.

Monique Hakkenes: Kormoran
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Weitere Einblicke in die Ausstellung gibt es hier

Info:

7. Februar – 7. Juni 2020

Spiel mit Licht und Schatten
Handgewobene moderne Damastgewebe

Museum Tuch + Technik
Kleinflecken 1
24534 Neumünster
Deutschland

www.tuchundtechnik.de

Flyer

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Kunst_Handwerk

Die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (GfZK) zeigt derzeit die Ausstellung ‘Kunst_Handwerk’, die in Kooperation mit dem Kunsthaus Graz und der Kestnergesellschaft Hannover entstanden ist, in einem Raumkonzept von Modern Temperament, das auf den Ausstellungsraum in seiner Gesamtheit eingeht. Eine Innenarchitektur aus Farben und Strukturen ruft historisch bedeutende Präsentationen von Kunst in nichtinstitutionellen Kontexten (wie etwa Privatwohnungen oder Ateliers) in Erinnerung.

Ausstellungansicht ‘Kunst_Handwerk’ GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

In den letzten Jahren ist das Interesse zeitgenössischer Künstler*innen am Material, an kunst-handwerklichen Verfahren, am Experimentieren mit Material und Techniken auffällig gewachsen. Dabei entstehen Arbeiten, die sich auf kunsthandwerkliche, volkstümliche, künstlerische Traditionen sowie zeitgenössische und technologische Diskurse gleichermassen beziehen.

Azra Akšamija: Yarn-dez-vous, 2014
12 Jacken aus recycelten Textilien, Reissverschlüsse, Besatz, Video (3:57 min)
Courtesy: Azra Akšamija
Azra Akšamija, Ausstellungsansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt
AZRA AKŠAMIJA untersucht, wie sich kulturelle Erfahrungen über Handwerk austauschen und bewahrenlassen. ‘Yarn-dez-vous’, eine Steppdecke aus Textilien aus der Region Nahost und Nordafrika sowie den USA, lässt sich in College-Jacken verwandeln.

Der Umgang dieser Künstler*innen mit vormodernem/tradiertem/lokalem Wissen, Materialien und Verfahren ist nicht abschottend, sondern öffnend – hin zu anderen Kulturen, zur modernen und zeitgenössischen Kunst, zu aktuellen Diskursen und zu digitalen Entwicklungen.

Johannes Schweiger: Economic Imperative LR 8000, 2012/13
Handgefertigte Keramikknöpfe
Courtesy: Johannes Schweiger
Johannes Schweiger, Ausstellungansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt
JOHANNES SCHWEIGER beschäftigt sich mit Techniken des Webens und Filzens, mit den Materialeigenschaften und der kulturellen Bewertung von bestimmten Textilien. In Auseinandersetzung mit dem Werk von ‘Kunstgewerblerinnen’, wie etwa Lucie Rie, zeigt er die politische Dimension von Arbeit, Material und Fertigungsverfahren auf.

Die Ausstellung zeigt Werke von Azra Akšamija, Olivier Guesselé-Garai, Plamen Dejanoff, Olaf Holzapfel, Antje Majewski, Jorge Pardo, Slavs and Tatars, Haegue Yang und Johannes Schweiger.

Haegue Yang: A Crated Emergency Route: Escaping and Locking, 2012
Aluminiumjalousien, pulverbeschichtetes Aluminiumgestell, Lenkrollen, Strickwolle, Saekdong-Stoff, Denim, Magnete, 3-teilig
Courtesy: Haegue Yang & Galerie Barbara Wien, Berlin
Haegue Yang, Ausstellungansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt
HAEGUE YANG Ambivalenz und Hybridität interessieren Haegue Yang im Zusammenhang mit Identität, wobei sie diese weder als eindeutig und in sich geschlossen, noch als gleichbleibend versteht. Die drei polygonalen Objekte bestehen aus handgestrickten Farbkompositionen, traditionellen koreanischen Webereien und industriell gefertigten Jalousien, die auf farbige Rahmen montiert sind. Im Raum genau ausgerichtet erzeugen sie Statik und Bewegung, Transparenz und Opazität.

Die Ausstellung fragt danach, wie heute ein fruchtbarer Dialog zwischen Kunst und Handwerk aussehen könnte und rückt beide in einen grösseren gesellschaftlichen Zusammenhang.

Haegue Yang (li), Slavs and Tatars (re), Ausstellungansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Kultur wird als Fluss von vielfältigen, synchron und diachron gespeisten und miteinander verknüpften Einflüssen und Elementen verstanden, als ein Prozess, in dem sich lokale Formen des Wissens und globaler Wissenstransfer verschränken.

Slavs and Tatars: Friendship of Nations (Polish Shi’ite Showbiz), 2011
Kunstleder, synthetischer Samt, Baumwolle
Courtesy: Collection Christian Kaspar Schwarm
Slavs and Tatars: Solidarność Pająk Study 2, 2011
Wolle, Garn, Faden, Perlen, Stahl
Courtesy: Slavs & Tatars
Slavs and Tatars, Ausstellungansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt
SLAVS AND TATARS Die Werke von Slavs and Tatars gehen auf Momente der polnisch-persischen Beziehungen ein. Dabei wird auch ihr Interesse am Handwerk im Sinne einer ‘Alltags-Diplomatie’ deutlich. Weil (Kunst)Handwerk niedrigschwellig wirkt, kann es zum beiläufigen Träger einer kulturpolitischen Verständigung und auch zu einer Kritik an herrschenden Systemen werden.

Die Bedeutung und Wertschätzung des Handwerks als ein wesentlicher Bestandteil materieller Kultur und kultureller Identität und vor allem das Gemeinschaft stiftende Potenzial von kunsthandwerklichen Traditionen wird mit sozialen und ökonomischen Verhältnissen in einer globalisierten Welt zusammengedacht.

Antje Majewski und Olivier Guesselé-Garai, Ausstellungansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt
ANTJE MAJEWSKI UND OLIVIER GUESSELÉ-GARAI verstehen ihre individuellen und auch die gemeinsamen Arbeiten als Verbindungsstücke, die Übergänge zwischen Kunst und Handwerk, Ausstellungsobjekt und Gebrauchsgegenstand, zwischen Tradition und Moderne, europäischen und aussereuropäischen Kulturen schaffen.

Die alte Grenzziehung zwischen Kunst und Handwerk wird Schritt für Schritt aufgelöst. Indem Verbindungen zwischen moderner/zeitgenössischer Kunst, Handwerk und neuen Technologien, zwischen europäischer und nicht europäischer Kunst herausgearbeitet werden, sucht die Ausstellung zwischen klassischen Gegensätzen zu vermitteln.

Olaf Holzapfel: reimbursement cell, 2020
Holz, Reet
Courtesy: Olaf Holzapfel
Olaf Holzapfel, Ausstellungansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt
OLAF HOLZAPFEL interessiert sich dafür, wie natürliche Materialien Landschaften, soziale Räume und handwerkliche Traditionen prägen. Aus der Beobachtung des Materials leitet er Verarbeitungstechniken ab. Seine raumspezifische Reetskulptur macht die Hinfälligkeit einer Trennung von Natur und Kultur, innen und aussen sinnlich erfahrbar.

Die Künstler*innen plädieren in und mit ihren Arbeiten für Zwischenräume, Übergangszonen, opake Räume und zeigen sich gegenüber Kategorisierungen, Binärismen und Oppositionen skeptisch. Damit machen sie einen Raum auf, in dem praktische Annäherungen stattfinden können.

Plamen Dejanoff: The Bronze House, 2020
Handgegossene Bronze-Elemente
Courtesy: Plamen Dejanoff & Gallery Emanuel Layr Vienna / Rome
Mit freundlicher Unterstützung der Sammlung Maya Miteva
Plamen Dejanoff und Jorge Pardo, Ausstellungansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt
PLAMEN DEJANOFF Ausgehend von traditionellen Handwerksverfahren entwickelte Plamen Dejanoff für das ‘Bronze House’ eine Stecktechnik. Seine Arbeit stellt bulgarische Bauformen in den internationalen Zusammenhang von zeitgenössischer Kunst. Die damit einhergehende Wertschöpfung ist Teil seiner ökonomischen Strategie, mit der er die Erhaltung von Kulturerbe finanziert.

Mit diesem Ansatz fordern Künstler*innen auch – quasi als Nebeneffekt – gegenwärtige politische Instrumentalisierungen von Heimat, Volk, Volkskunst und Tradition heraus. Auffassungen von kohärenten, in sich geschlossenen Kulturen und einzigartigen Identitäten kommen dadurch buchstäblich ins Rutschen.

Jorge Pardo: Untitled (Slug Lamp), 2012
Mdf-Sockel, Lampenschirm, elektronische Komponenten
Courtesy: Jorge Pardo & Galerie Gisela Capitain, Cologne
Plamen Dejanoff und Jorge Pardo, Ausstellungansicht, Kunst_Handwerk, GfZK Leipzig
Foto: Alexandra Ivanciu, freundllicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt
JORGE PARDO Jorge Pardos Arbeiten greifen Formen und Farben seiner Lebensumgebung auf und werden meist in kleiner Auflage hergestellt. Für ‘Slug Lamp’ wurden digitale Druck- und Fräsverfahren verwendet, der Corpus – eine Auftragsarbeit für die Leipziger St. Trinitatis Gemeinde – ist aus computergestützten Zuschnitten zusammengesetzt.

Meinen ausführlichen Bericht mit weiteren Fotos über die Ausstellung in Graz findet man hier innerhalb der Ausstellungstipps Januar 2020.

Auch interessant: Mein Bericht über Haegue Yangs Ausstellung ‘ETA 1994–2018’ im Museum Ludwig in Köln (2018)

Info:

15. Mai – 4. Oktober 2020

Kunst_Handwerk

GfZK – Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
Karl-Tauchnitz-Strasse 9 – 11
04107 Leipzig
Deutschland

www.gfzk.de

***

Museum für Gestaltung Zürich

Der Pavillon Le Corbusier eröffnet am 9. Juni 2020 die neue Saison – aus bekannten Gründen einen Monat später als ursprünglich geplant.

Das letzte Bauwerk von Le Corbusier ist ein farbenprächtiges architektonisches Glanzstück und jeweils in den Sommermonaten als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich.

Pavillon Le Corbusier, 2019, Zürich
© ZHdK
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Pavillon Le Corbusier am Zürichsee gilt als architektonisches Juwel. Es ist der letzte Bau des bedeutenden Architekten und sein einziger Bau aus Stahl und Glas. Nach umfassender Renovation erstrahlt er in neuem Glanz und bietet in den Sommermonaten eine einmalige promenade architecturale über mehrere Geschosse. Das Gebäude wurde von Heidi Weber initiiert, von ihr bei Le Corbusier in Auftrag gegeben und unter ihrer Bauherrschaft 1967 vollendet. Seit 2019 wird der Pavillon durch das Museum für Gestaltung Zürich im Auftrag der Stadt Zürich als öffentliches Museum geführt.

Die diesjährige neue Ausstellung ‘Le Corbusier und Zürich’ widmet das Museum der Beziehung des Schweizer Jahrhundertarchitekten zur Stadt Zürich. Die Limmatstadt war für den international bekannten Architekten ein entscheidender Bezugspunkt und dank seiner Galeristin Heidi Weber und seinem Verleger Editions Girsberger die wichtigste Plattform seiner internationalen Ausstrahlung.

Auch das Stammhaus des Museums für Gestaltung ist wieder geöffnet. Tigerfinkli oder Federhüte, der Alpaufzug im Scherenschnitt oder die Katze aus Porzellan: Gestalterinnen und Gestalter setzen seit jeher tierische Materialien und Formen ein und erschaffen damit kunstvolle Bild- und Objektwelten.

Donald Brun für Zwicky + Co.: Zwicky Nähseide, 1946
Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung
© Roland Kupper
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ihre handgefertigten oder industriellen Objekte, Grafiken und Fotostrecken erzählen Geschichten von unserem Umgang mit den Tieren und den Rollen, die ihnen – vom gefürchteten Wildtier, über das Nutztier bis zum geliebten Haustier – zukommen. Bisweilen sind selbst Fabelwesen anzutreffen und bereichern die gestalterische Artenvielfalt ihrer Entwürfe. Die Ausstellung ‘Énergie animale’ erkundet Tiere am Körper …

Cristóbal Balenciaga für Balenciaga: Cocktailkleid mit Cape, August 1967
Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung
Foto: U. Romito und I. Suta, Museum für Gestaltung Zürich/ZHdK, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… im Wohnbereich sowie auf dem Teller und greift aktuelle Themen wie das Artensterben oder Veganismus auf. Ein Reservat und ein Parcours laden junge Tierfans zum selbst Entdecken und Gestalten ein. ‘Énergie animale’ wird bis zum 25. Oktober 2020 verlängert.

Plakat

In der Plakatgalerie gibt es unter dem Titel ‘Die Schweiz im Weltformat’ neue Plakate zu entdecken. Eine Besonderheit des Schweizer Plakats ist sein ‘Weltformat’ (128 × 90,5 cm), das sich nur hierzulande als Standardformat durchsetzen konnte. Die Ausstellung lädt mit rund 80 Plakaten auf einen Spaziergang durch die helvetische Plakatgeschichte ein.

Plakat

Auch im Toni-Areal empfängt das ‘Designlabor’ wieder Besucherinnen und Besucher bis am 6. September 2020. ‘Norm – It’s not complicated’ läuft neu bis am 27. September 2020. Gestalterische Regelwerke wie Raster, Proportionen und Modularität prägen die präzisen Lösungen des Zürcher Grafikbüros ‘Norm’. In der Ausstellung präsentiert es eine Auseinandersetzung mit den grundlegendsten Elementen und Gesetzmässigkeiten der Grafik. Hier geht es zu meiner Ankündigung

Info:

9. Juni – 29. November 2020
Pavillon Le Corbusier
Höschgasse 8
8008 Zürich

noch bis 25. Oktober 2020
Énergie animale
Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
8005 Zürich

seit 31. März 2020
Die Schweiz im Weltformat
Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
8005 Zürich

14. März – 27. September 2020
Norm – It’s not complicated
Museum für Gestaltung Zürich
Toni-Areal
Pfingstweidstrasse 96
8005 Zürich
Schweiz

www.museum-gestaltung.ch

***

Erica Pedretti. Fremd genug​

Erica Pedretti ist eine Ausnahmeerscheinung in der Schweizer Kunst und Literatur. Neben ihren Erfolgen als Schriftstellerin hat sie als bildende Künstlerin ein eigenständiges Werk geschaffen, das in einzelnen Ausstellungen gewürdigt wurde, das heute aber neu entdeckt werden kann. Die Literatur und die bildende Kunst stehen im Schaffen von Erica Pedretti parallel nebeneinander und werden oft unabhängig voneinander wahrgenommen. Obwohl sich immer wieder aufschlussreiche Verbindungen und Verschränkungen offenbaren, rückt die Ausstellung im Bündner Kunstmuseum in Chur  das bildkünstlerische Werk ins Zentrum und zeigt die verschiedenen Aspekte ihres Schaffens.

Ausstellungsansicht ‘Erica Pedretti. Fremd genug​’
Objet á suspendre, um 1979
Objet á suspendre, um 1976
Objet á suspendre, um 1977
Objet á suspendre (Vogel), um 1976
Objet á suspendre, um 1979
Erinnerung an den Turm von Babel, 2000
v.l.n.r.
Fotografie: Katalin Deér, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Erica Pedretti wurde 1930 in Sternberg (Nordmähren/Tschechien) geboren. Sie übersiedelte 1946 in die Schweiz. In Zürich liess sie sich zur Silberschmiedin ausbilden und schuf erste frühe kleinformatige Werke, die ihre leichten und luftigen Objekte der späteren Jahre vorwegnehmen. Nach einem längeren Aufenthalt in New York lebte sie mit ihrem Mann, dem Maler Gian Pedretti, und ihren fünf Kindern bis 1974 in Celerina, dann bis 2014 in La Neuveville am Bielersee und seither wieder in Celerina. Mit ihren ‘Flügelwesen’ trat Erica Pedretti in den 1970er Jahren erstmals als bildende Künstlerin an die Öffentlichkeit und entwickelte daraus eine grosse Familie von assoziationsreichen vogel- oder fischähnlichen Objekten. Diesen stellte sie skelettartige Strukturen gegenüber, die auf Wesenskerne reduziert scheinen. Parallel dazu entsteht ein äusserst feines zeichnerisches Werk, das den intimen und privaten Charakter dieses Schaffens betont und individuelle Bildwelten zu Tage fördert bis hin zu tagebuchartigen Notaten.

Ausstellungsansicht ‘Erica Pedretti. Fremd genug​’
Flügel, 1980 (vorne rechts)
Fotografie: Katalin Deér, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung im Bündner Kunstmuseum erhebt den Anspruch, einen repräsentativen Überblick über das bildkünstlerische Schaffen von Erica Pedretti zu zeigen. Sie vereint Arbeiten aus allen Schaffenszeiten seit den 1950er Jahren und lässt eine Künstlerin neu entdecken, die uns heute höchst gegenwärtig erscheint. Für die Präsentation im Bündner Kunstmuseum konnten die Künstlerin Katalin Deér und der Architekt Lukas Furrer gewonnen werden. Sie haben eine eigene Struktur in den Ausstellungsraum gebaut und so einen spezifischen Rahmen für die fragilen Werke geschaffen. Damit verbindet sich die Kunst von Erica Pedretti auf besondere Weise mit dem Ort ihrer Präsentation. Der architektonische Raum und das bildnerische Werk treten in der Choreographie von Katalin Deér in einen einzigartigen Dialog, so dass das künstlerische Schaffen von Erica Pedretti auf eine andere Weise gesehen werden kann: ‘fremd genug’ soll es erscheinen und sich einem neuen Blick erschliessen.

Ausstellungsansicht ‘Erica Pedretti. Fremd genug​’
Ohne Titel, 1984/85 (hängend, Mitte)
Ikarus, um 1980 (auf linkem Sockel)
Objekt, um 1980 (auf rechtem Sockel)
Fotografie: Katalin Deér, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

noch bis 26. Juli 2020

Erica Pedretti. Fremd genug​

Bündner Kunstmuseum
Bahnhofstrasse 35
7000 Chur
Schweiz

www.buendner-kunstmuseum.ch

***

The Art of Lace | Haute Couture from Chanel to Iris van Herpen

Ab 1. Juni 2020 plant das TextielMuseum | TextielLab in Tilburg seine Wiedereröffnung. Die Ausstellung ‘The Art of Lace | Haute Couture from Chanel to Iris van Herpen’, über die ich im Dezember 2019 schon berichtete, wurde verlängert bis zum 6. September 2020.

Key Visual ‘The Art of Lace’
Karl Lagerfeld für CHANEL
Haute Couture Frühling/Sommer 2017 Collection
Foto: © CHANEL, Fotograf: Karl Lagerfeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Weitere interessante Ausstellungen, die alle bis ins Jahr 2021 laufen, werde ich hier im BERNINA blog noch vorstellen. Einen Vorab-Blick gibt’s hier.

Info:

noch bis 6. September 2020

The Art of Lace | Haute Couture from Chanel to Iris van Herpen

TextielMuseum | TextielLab
Goirkestraat 96
5046 GN Tilburg
Niederlande

www.textielmuseum.nl

***

Museen in Frankreich

Die gute Nachricht ist, dass auch die Museen in Frankreich langsam wieder öffnen! Wie schön zu sehen, was es dort Neues gibt. Ich werde berichten, bitte noch um etwas Geduld. Anders sieht es freilich mit Messen aus.

***

abgesagt + verschoben:

Salon Aiguille en Fête

Die Pariser Handarbeitsmesse sollte eigentlich im Juni 2020 stattfinden, muss aber nochmals verschoben werden, und zwar auf 18. – 22. November 2020.

Info:

www.aiguille-en-fete.com

***

TEXTILE ART BERLIN 2020

Der ursprüngliche Termin im Juni 2020 wurde abgesagt und der Event auf 5. – 6. September 2020 verschoben.

Info:

www.textile-art-berlin.de

***

Quiltfestival Noord Groningen

Das eigentlich im Juni 2020 geplante Festival in den Niederlanden wurde abgesagt und ins nächste Jahr verschoben auf 11. – 13. Juni 2021.

Info:

www.quiltfestival.nl

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Ausschreibung:

8. Europäische Quilt-Triennale

Die Textilsammlung Max Berk • Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg hat die 8. Europäische Quilt-Triennale neu europaweit ausgeschrieben.

Es werden insgesamt drei Preise vergeben:

▪ Doris Winter Gedächtnis-Preis für Innovation im Bereich Material, Technik und Entwurf in Höhe von € 5.000, gestiftet von der Unternehmensgruppe Betty Barclay
▪ Preis für Nachwuchsquilter*innen und Einsteiger*innen unter 40 Jahren, dotiert mit € 1.000
▪ Preis für Innovation im grossen Format, dotiert mit € 1.000

Die Preisträger*innen werden von der internationalen Jury bestimmt.

Die Ausstellung wird voraussichtlich – wegen der Folgen der Corona-Krise unter Vorbehalt – vom 10. Oktober 2021 – 16. Januar 2022 in Heidelberg ausgestellt und wird im Anschluss im Kreismuseum Zons (Deutschland) und im Textilmuseum St. Gallen (Schweiz) zu sehen sein; weitere Ausstellungen im In- und Ausland sind im Gespräch.

Die Ausschreibungsunterlagen sind hier auf der Website (deutsch/englisch) zu finden, auch Online-Anmeldungen sind dort möglich.

Einsendeschluss der Bewerbungsunterlagen: 16. Januar 2021

Info:

Textilsammlung Max Berk • Kurpfälzisches Museum
www.museum.heidelberg.de
E-Mail: kmh-textilsammlung-max-berk(at)heidelberg.de – bitte (at) durch @ ersetzen

***

Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

10 Responses

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  • Gabi Mett

    Hallo liebe Gudrun,

    die Kelims sind einfach phantastisch. Sie haben mich auch umgehauen. Welche Gestaltungsgabe. Erklärt sich eine solche Kunst und ein solches Können aus der Suche nach den eigenen spirituellen Wurzeln oder nach den Verbindungen mit einer spirituellen Welt ? Ich denke, da liegt eine Kraft, die uns in der heutigen Zeit in großem Maße verloren gegangen ist und wir schauen voller Wehmut auf diese Ausdruckskraft, die unter einfachsten Bedingungen entstanden ist und sich zu diesem Können entwickelt hat.

    Vielen Dank nicht nur für diesen Bericht!

     

    herzliche Grüße     Gabi

    • Gudrun Heinz

      halli hallo gabi,

      ganz herzlichen dank für deine gedanken, sehr, sehr intressant. was wir hier spüren, könnten verbindungen zu einer spirituellen welt sein. ein erklärungsversuch:

      in den tälern der abgelegenen provinz mazandaran konnten sich immer wieder örtliche dynastien unabhängig von den umliegenden staaten etablieren. auch alte riten und gebräuche sowie die erste monotheistische religion aus vorchristlicher zeit, der zoroastrismus, waren hier sehr verbreitet. obwohl sich der islam ab dem 7. jh. ausbreitete und andere glaubensrichtungen verdrängte, blieben viele riten und auch die regionale sprache erhalten. auch die familie des letztes shahs stammt aus dieser gegend und gehörte dem zoroastrischen glauben an (zitiert nach der ausstellungsbroschüre des museums).
      um 1900 ist vielleicht das denken und die vorstellung der schöpfer*innen dieser wunderbaren teppiche von dieser spirituellen welt noch geprägt gewesen, dem kampf zwischen gut und böse, zwischen hell und dunkel und verlieh ihnen diese gestaltungskraft? man folgte der tradition in dieser zeit wahrscheinlich sehr viel mehr als wir uns das heute vorstellen können.

      wie auch immer, das rätsel wird nicht eindeutig zu lösen sein, aber ist es nicht ebenso wunderbar, dass es in uns solche empfindungen und gedanken auslöst?

      vielen dank nochmals und

      beste grüsse

      gudrun

  • Wiebke Maschitzki

    Liebe Gudrun!

    Es liest sich fast alles wieder wie zu normalen Zeiten.

    Interessant ist für mich natürlich die Schiffswerft und Silberschmiede in Flensburg, dort werden sonst Klassikjachten gebaut und echtes Silberbesteck nach eigenen Entwürfen .

    Also los mit Maske und auf Abstand! Geht doch alles !!

    Liebe Grüße und einen schönen Rest-Pfingsttag

    Wiebke

    • Gudrun Heinz

      halli hallo wiebke,

      vielen dank für deine lieben zeilen. das dachte ich mir schon, dass dich die ziele in schleswig-holstein interessieren würden, aber vielleicht ja auch noch andere leser*innen 🙂 möglicherweise kommst du ja hin und berichtest dann?

      für die silbermanufaktur r&b ist z.b. auch der silberschmied wilfried moll tätig. mir persönlich gefallen die schnörkellosen entwürfe – daher habe ich das bild oben im artikel ausgewählt. es standen noch jede menge fotos von anderen aussteller*innen zur verfügung …

      euch auch noch einen schönen restlichen feiertag!

      beste grüsse

      gudrun

       

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,

    eine Werfthalle ganz anders genutzt, dem momentan notwendigen Zeitgeist angepasst. Toll, sowohl für KünstlerInnen und BesucherInnen. Die Kelims, schlicht und ausdrucksstark zugleich. Da kann ich mich Sabines Kommentar nur anschließen. Insgesamt wieder eine informative und spannend zu lesende Lektüre.

    Viele Grüße

    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      herzlichen dank! freut mich sehr zu lesen. und das lange wochenende verspricht ja auch etwas zeit, nicht nur für die lektüre. die angesprochenen videos sind ebenfalls ein paar minuten wert, habe sie getestet 🙂 viel spass!

      schöne feiertage und

      beste grüsse

      gudrun

  • sabinemoertz

    Liebe Gudrun,

    die Kelims beeindrucken mich unglaublich in ihrer Vollkommenheit und Schlichtheit! Nur ein Spiel von Hell und Dunkel bringt diese Wirkung, gucken wir uns das für unser Patchwork ab! Umwerfend ist der Eindruck des Umfeldes der Frauen, die Mittel mit denen diese herrlichen Arbeiten entstehen. Mich berührte das sehr! Vielen Dank!

    Herzlichen Gruß! Sabine

    • Gudrun Heinz

      halli hallo sabine,

      1000 dank für dein liebes feedback. als mir der herr vom st. galler museum die bilder schickte, hat es mich ebenfalls fast umgehauen und ich fühlte mich direkt in die zeit um 1900 zurückversetzt, als diese einzigartigen kelims entstanden sind. das scheint eine derart abgelegene gegend zu sein, dass sich dort über die zeit nicht viel geändert zu haben scheint, jedenfalls die verarbeitungstechniken betreffend. die ästhetik dieser alten teppiche ist wirklich umwerfend.

      dir und deinen lieben ebenfalls schöne pfingsten!

      beste grüsse

      gudrun

  • ERIKA BORNEMANN

    Liebe Gudrun,

    du nimmst uns wieder einmal mit auf eine weite Kunstreise von Flensburg nach Persien.

    Wunderbare Eindrucke und Hintergrundinformationen in Corona-Zeiten.

    Dafür VIELEN DANK !

    Dir ein schönes Pfingstwochenende und liebe Grüße

    Erika

    • Gudrun Heinz

      halli hallo erika,

      VIELEN DANK auch dir! du hast ganz recht, es ist jedesmal für mich wie eine reise – durch museen, galerien und events, durch verschiedene länder und kulturen, durch gestern und heute, durch viele unterschiedliche gebiete der kunst – und das ganz ohne pass, visum oder sonstige formale beschränkungen. dank einer erfindung namens internet, auch wenn ich sehr, sehr gerne manches live sehen würde 🙂

      dir und deinen lieben auch schöne pfingsten und

      beste grüsse

      gudrun

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