Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps November 2020

Es steht uns leider bevor: Der November wird nicht nur wie immer einfach ein grauer Monat mit Buss- und Bettag, Totensonntag und Tanzverbot. In Zeiten einer sehr, sehr ernsten Corona-Lage müssen wir unsere Kontakte soweit wie möglich reduzieren und es werden daher auch die Museen und Galerien wieder schliessen. So schade. Und hoffentlich nur vorübergehend.

Meine Ausstellungstipps waren so gut wie fertig geschrieben, es fehlte nur noch der letzte Schliff. Sind sie jetzt überflüssig? Nutzlos? Ich finde: nein. Wer kann schon in unbeschwerten Zeiten überall hinfahren und alle Events besuchen? Ich jedenfalls nicht, das wäre mal ein Träumchen. Und wie in den Kommentaren immer wieder zu lesen ist, freuen sich viele Leser*innen, wenn sie sich in Wort und Bild über Ausstellungen informieren können. Am Ball bleiben, die Zeit vertreiben, Neues entdecken, sehen, was andere machen, die Phantasie anregen, Inspirationen aufsaugen, selbst kreativ werden. Also bleibt das Gedankenfutter auch diesmal wo es hingehört: online hier im BERNINA blog. Jederzeit aufrufbar und ganz ohne direkte Kontakte, dazu angereichert mit vielen Links, Videos zum Beispiel. Nur muss man halt berücksichtigen, dass die eine oder andere Ausstellung erst später eröffnen wird oder, wenn zum Unglück noch Pech hinzukommt, vielleicht auch ganz entfällt. Auf jeden Fall bedanke ich mich bei allen sehr herzlich, die mir wieder Empfehlungen zukommen liessen: Susanne Klinke, Uschi Brenner, Sabine Scharrmacher – ihr seid klasse! – und die Mitverursacherinnen des grossen Umfangs dieser Ausstellungstipps.

Viel Vergügen beim Schmökern! Durchhalten! Let’s flatten the curve! Und gesund bleiben oder werden!

Herzlichst

Ihre / Eure Gudrun Heinz

 

 

About Time:
Fashion and Duration

Eigentlich sollte es der wichtigste Event werden: die Frühjahrsausstellung des Costume Institute im Metropolitan Museum of Art in New York City und vor allem die damit in Verbindung stehende Met-Gala – das spektakuläre Schaulaufen der Reichen und Schönen in Haute Couture-Roben, auf das viele Fans jedes Jahr aufs Neue hinfiebern. Immerhin dient diese Veranstaltung als Hauptfinanzierungsquelle des Costume Institute für Ausstellungen, Veröffentlichungen, Ankäufe usw. Während The Met Gala, ursprünglich für den ersten Montag im Mai geplant, dieses Jahr aufgrund der Pandemie ausfallen musste, findet die Ausstellung ‘About Time: Fashion and Duration’ nach Verschiebung nun vom 29. Oktober 2020 – 7. Februar 2021 statt.

Key Visual

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums von The Met zeichnet sie eineinhalb Jahrhunderte Mode – von 1870 bis heute – entlang einer fragmentierten Zeitachse nach und man ist dafür tief in die Depots der eigenen Sammlung getaucht.

Dress, Iris Van Herpen (niederländisch, *1984), Herbst/Winter 2012–13 haute couture
Geschenk von Iris Van Herpen, zu Ehren von Harold Koda, 2016 (2016.185)
Image courtesy of The Metropolitan Museum of Art
Foto: © Nicholas Alan Cope, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Man lehnt sich bei der Gestaltung der Ausstellung an das Konzept des Philosophen Henri Bergson von ‘la durée’ – die Kontinuität der Zeit – an: So nimmt die Ausstellung in den Blick, wie Kleidung zeitliche Assoziationen erzeugt, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden.

Ballkleid, Charles James (Amerikanisch, in Grossbritannien geboren, 1906–1978), 1951
Brooklyn Museum Costume Collection at The Metropolitan Museum of Art, Geschenk des Brooklyn Museum, 2009; Geschenk von Mr. and Mrs. Robert Coulson, 1964 (2009.300.1311)
Image courtesy of The Metropolitan Museum of Art
Foto: © Nicholas Alan Cope, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Es ist eine Neuinterpretation der Modegeschichte, die fragmentiert, diskontinuierlich und heterogen ist’, sagt der Kurator der Ausstellung, Andrew Bolton. Inspiriert wurde Bolton von einer Szene aus dem Sally Potter-Film ‘Orlando’ (1992), der auf dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf basiert. ‘Es gibt eine wundervolle Szene’, sagt er, ‘in der Tilda Swinton in einer Robe à la Française aus dem 18. Jahrhundert das Labyrinth betritt. Während sie da durch läuft, wechselt ihre Kleidung in ein Kleid aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und sie taucht wieder auf wie aus den 1850er Jahren in England. Daher kam die ursprüngliche Idee.’ Und so fungiert – neben Henri Bergson – Virginia Woolf quasi als ‘ghost writer’ dieser Ausstellung.

Ausstellungsansicht
Image: © The Metropolitan Museum of Art
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Um die Vergänglichkeit und zugleich das Kontinuum der Mode entlang der 150-jährigen Geschichte des Museums zu zeigen, wird, wie im Film, rückgeblendet und vorgespult und das Kontinuum der Zeit in Form eines riesigen Zifferblatts dargestellt, mit 60 Minuten Mode. Die Liste der beteiligten Designer*innen liest sich wie das Who’s Who.

Ausstellungsansicht, erster Ausstellungsraum
Image: © The Metropolitan Museum of Art
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zu diesem Zweck wurden die 160 Kleider in der Ausstellung in zwei Gruppen geteilt. Die erste stellt eine lineare Zeitleiste mit schwarzen Looks dar. ‘Es ist eine sehr rationale, regulierte Chronologie der Mode von 1870 bis 2020, der Zeitskala der Moderne’, erklärt Bolton. Die zweite Gruppierung zeigt das, was der Kurator als Gegenchronologien beschreibt. Jede ‘Minute’ enthält ein Paar, also zwei Kleider, wobei das eine Kleidungsstück die lineare Natur der Mode darstellt und das andere den zyklischen Charakter.

Ausstellungsansicht, erster Ausstellungsraum
Image: © The Metropolitan Museum of Art
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Um Bergsons Konzept der Dauer – der Vergangenheit, die mit der Gegenwart koexistiert – zu veranschaulichen, sind die Werke in jedem Paar durch Form, Motiv, Material, Muster, Technik oder Dekoration verbunden. Zum Beispiel wird ein Seidensatin-Kleid mit riesigen Hammelbeinärmeln aus der Mitte der 1890er Jahre …

Dinner dress, Mrs. Arnold (American), ca. 1895
Brooklyn Museum Costume Collection at The Metropolitan Museum of Art, Gift of the Brooklyn Museum, 2009; Gift of Sally Ingalls, 1932 (2009.300.643a, b)
Image courtesy of The Metropolitan Museum of Art
Foto: © Nicholas Alan Cope, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… einem im Jahr 2004 entstandenen dekonstruierten Ensemble von Comme des Garçons gegenübergestellt. Alle Kleidungsstücke sind schwarz, um Veränderungen in der Silhouette hervorzuheben.

Ensemble, Comme des Garçons (japanisch, gegründet 1969), Herbst/Winter 2004–5
Courtesy Comme des Garçons
Image courtesy of The Metropolitan Museum of Art
Foto: © Nicholas Alan Cope, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die zweite Galerie des Museums ist ein vollständig verspiegelter Raum. Hier kommen die Styles der Jahre, die die Mode bis heute prägen: die Auflösung von Trends. Die frenetische und chaotische Geschichte der Mode von den 1960er Jahren bis zur Gegenwart wird in diesem zweiten Raum sichtbar und reflektiert. Das lesbare Entleeren und Wiederaufblasen der Silhouette, das die Zeitachse von 1870 bis 1950 definierte, wird hier durch eine wahre Sammlung von Stilen ersetzt. Bolton bezeichnet die Erzählung dieser Galerie als ‘achronologisch, fragmentiert, nichtlinear’. Die Looks, alle auf ihre Weise körperbewusst, spiegeln jedoch nicht die Einheit einer einzelnen Form wider.

Ausstellungsansicht, zweiter Ausstellungsraum
Image: © The Metropolitan Museum of Art
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Ich denke, dass die Zeit wegen des beschleunigten Lebenstempos fast stehen bleibt’, sagt Bolton. ‘Die Beschleunigung der Zeit beeinflusst die Produktion von Mode, die Zirkulation von Mode und den Konsum von Mode. Damit beschäftigen wir uns im Moment. Wie verlangsamen wir das?’ Können wir das? Bolton: ‘Das muss wirklich angegangen werden’.

Ausstellungsansicht, zweiter Ausstellungsraum
Image: © The Metropolitan Museum of Art
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der letzte Blick in der Show ist im Gegensatz zu allen anderen rein weiss. Ein weisses Kleid aus der Haute Couture-Kollektion Frühjahr / Sommer 2020 von Viktor & Rolf aus Upcycling-Elementen im Patchwork-Design, das als Symbol für die Zukunft der Mode dient und mit dem Schwerpunkt auf Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit.

Ausstellungsansicht, 2020
Dress, Viktor & Rolf (niederländisch, gegründet 1993), Frühling/Sommer 2020 haute couture
Courtesy Viktor + Rolf
Kopfbedeckung: Shay Ashual in Zusammenarbeit mit Yevgeny Koramblyum
Image: © The Metropolitan Museum of Art
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zur Ausstellung ist ein Katalog erhhältlich.

Auf die Videos zur Ausstellung möchte ich hinweisen: hier die kurze Version (1:30 min.) und die lange Version (12 min.).

Info:

29. Oktober 2020 – 7. Februar 2021

About Time:
Fashion and Duration

The Metropolitan Museum of Art
1000 Fifth Avenue
New York
NY 10028
USA

www.metmuseum.org

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Dressed for Success.
Matthäus Schwarz. Ein Augsburger Modetagebuch des 16. Jahrhunderts

Wer hätte gedacht, dass der erste ‘Modeblogger’ aus Augsburg kommt: Im Jahr 1520, lange vor Instagram & Co, begann Matthäus Schwarz (1497-1574), ein junger Kaufmann aus Augsburg, ein ungewöhnliches Tagebuch anzulegen. Für die nächsten 40 Jahre seines Lebens liess er sich in kostbaren, oft extravaganten Kleidungsstücken porträtieren, die er zu verschiedensten Gelegenheiten für sich fertigen liess. Dieses ‘klaidungsbuechlin’ spiegelt anschaulich die Männermode des 16. Jahrhunderts wider.

Das Modetagebuch hat sich erhalten und bildet die Grundlage für die Ausstellung ‘Dressed for Success.’, die das Maximilianmuseum in Augsburg ab dem 28. November 2020 präsentiert.

Eine Doppelseite aus dem ‘klaidungsbuechlin’ des Matthäus Schwarz mit Mineaturen
Foto: © Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, freundlicherweise vom Maximilianmuseum zur Verfügung gestellt

Matthäus Schwarz machte Karriere und wurde Hauptbuchhalter der Fugger, der berühmten Augsburger Unternehmer- und Bankiersfamilie. Das ‘klaidungsbuechlin’ präsentiert ihn in kleinen Miniaturen als selbst- und standesbewussten Kaufmann, dessen Modeentscheidungen eng mit seiner beruflichen und sozialen Karriere verbunden waren.

Nach 500 Jahren kehrt das Modetagebuch, heute im Besitz des Herzog Anton Ulrich Museums in Braunschweig, mit der Ausstellung ‘Dressed for Success.’ im Maximilianmuseum an den Ort seiner Entstehung zurück. Aus konservatorischen Gründen voraussichtlich das letzte Mal.

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Info:

28. November 2020 – 28. Februar 2021

Dressed for Success.
Matthäus Schwarz. Ein Augsburger Modetagebuch des 16. Jahrhunderts

Maximilianmuseum
Fuggerplatz 1
86150 Augsburg
Deutschland

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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Geta Brătescu
L’art c’est un jeu sérieux

Die rumänische Künstlerin Geta Brătescu steht im Zentrum verschiedener Ausstellungen, die derzeit in St. Gallen und Zürich präsentiert werden.

Einem Zitat von Geta Brătescu folgend, ‘L’art c’est un jeu sérieux’ (Die Kunst, das ist ein ernstes Spiel), widmet das Kunstmuseum St. Gallen derzeit dem Schaffen der rumänischen Künstlerin eine retrospektiv angelegte Ausstellung, die noch bis zum 15. November 2020 zu sehen ist. Es ist ein zentrales Anliegen der Präsentation aufzuzeigen, wie Geta Bratescu (Ploiesti 1926 – 2018 Bukarest) die entscheidenden theoretischen und formalen Debatten ihrer Zeit trifft und so als eine zentrale weibliche Scharnierfigur zwischen Klassischer Moderne und zeitgenössischer Erforschung des Ichs gelten kann.

Geta Brătescu, Installationsansicht
Kunstmuseum St.Gallen
Foto: Sebastian Stadler,freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung umfasst repräsentative Werkserien und gibt Einblick in über vier Jahrzehnte kreativen Schaffens. Im Zentrum stehen Collagen, Zeichnungen und Videos, deren Ausdrucksweise parallel zu den internationalen Avantgarden verläuft, trotz schwieriger Rahmenbedingungen in Bukarest.

Geta Brătescu, Installationsansicht
Kunstmuseum St.Gallen
Foto: Sebastian Stadler,freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Basierend auf dem Prinzip der Serie, dem des Aneinanderreihens und des Überlagerns formuliert Geta Brătescu in diesen Medien ihren einzigartigen Zugang zu zentralen Fragen der Abstraktion, dem politischen Potenzial des Bildes und der subjektiven Erfahrung von Erinnerung und Geschichte. Nicht zuletzt ist es die titelgebende differenziert-spielerische Farb- und Formensprache der Künstlerin, welche der Ausstellung ihre zeitlose Frische verleiht und so die Aktualität ihres Werks unterstreicht.

Geta Brătescu, Installationsansicht
Kunstmuseum St.Gallen
Foto: Sebastian Stadler,freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Kunstforeningen GL STRAND in Kopenhagen und dem Estate der Künstlerin konzipiert. Vertreten wird dieser durch die Ivan Gallery in Bukarest und die Galerie Hauser & Wirth. 2021 wird die Ausstellung in adaptierter Form in Kopenhagen zu sehen sein.

Geta Brătescu, Installationsansicht
Kunstmuseum St.Gallen
Foto: Sebastian Stadler,freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kurator: Lorenz Wiederkehr

Besonders empfehlen möchte ich die Bilderstrecke und das Video zur Ausstellung auf der Website des Museums, dort bitte nach unten scrollen.

Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration
Geta Brătescu. The Gesture, The Drawing

Der Einfluss, den Geta Brătescus Werk ausübt, zeigt sich in zwei Ausstellungen, die am 22. Oktober 2020 in Zürich eröffnet wurden.

Hauser & Wirth Publishers präsentiert zusammen mit dem Schweizer Modelabel Akris eine einmalige Auswahl an Exponaten und Archivmaterialien, die Creative Director Albert Kriemler persönlich getroffen hat. Brătescus Werk inspirierte Kriemler zu seiner Frühjahr-/Sommerkollektion 2019, die er zusammen mit der Künstlerin und Marian Ivan (Ivan Gallery) entwickelte.

Geta Brătescu und Albert Kriemler in ihrem Atelier, Bukarest, Januar 2018
Ausstellung ‘Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration’, Hauser & Wirth Publishers HQ, Rämistrasse, 22. Oktober – 20. November 2020
Courtesy the Estate of Geta Brătescu, Ivan Gallery, Bucharest and Akris
© Foto: Felix Lehner, freundlicherweise von Hauser & Wirth zur Verfügung gestellt

Anlässlich ‘Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration’ wird zudem das von Brătescu und Hauser & Wirth Publishers konzipierte Buch ‘Game of Forms’ vorgestellt. Parallel dazu zeigt Hauser & Wirth Rämistrasse unter dem Titel ‘Geta Brătescu. The Gesture, The Drawing’ eine Auswahl an Werken, die dem einzigartigen zeichnerischen Umgang der Künstlerin mit Linie und Form nachspürt.

Geta Brătescu: ohne Titel (Fără titlu), 2013
Collage, Papier, hölzerne Kaffeesticks, mit Tempera und Bleisitft bemalt, zweiteilig
42,5 x 30 cm
Ausstellung ‘Geta Brătescu. The Line, the Gesture’, Hauser & Wirth Rämistrasse, 22. Oktober – 20. November 2020
Image: © The Estate of Geta Brătescu
Courtesy the Estate of Geta Brătescu, Ivan Gallery, Bucharest and Hauser & Wirth
Foto: Alex Delfanne, freundlicherweise von Hauser & Wirth zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung in der Verlagsbuchhandlung von Hauser & Wirth Publishers erlaubt anhand von Albert Kriemlers Kollektionsarchiv einen intimen Einblick in den Schaffensprozess des renommierten Creative Director.

Skizze vom Look 55, Akris Frühling/Sommer 2019, in Zusammenarbeit mit Geta Brătescu
Courtesy Akris
Ausstellung ‘Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration’, Hauser & Wirth Publishers HQ, Rämistrasse, 22. Oktober – 20. November 2020
Foto freundlicherweise von Hauser & Wirth zur Verfügung gestellt

Skizzen, Farbkarten, Stoffe, Fotografien, Videos und Looks lassen Kriemlers Inspirationsquellen der Kollektion 2019 lebendig werden und machen die einmalige Zusammenarbeit zwischen ihm und Brătescu anschaulich.

Geta Brătescu: Fără titlu (ohne Titel)
2013, Collage auf Papier
14.2 x 19cm
© The Estate of Geta Brătescu
Courtesy the Estate of Geta Brătescu, Ivan Gallery, Bucharest and Hauser & Wirth
Ausstellung ‘Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration’, Hauser & Wirth Publishers HQ, Rämistrasse, 22. Oktober – 20. November 2020
Foto freundlicherweise von Hauser & Wirth zur Verfügung gestellt

Albert Kriemler entdeckte das Werk der Künstlerin 2017 auf der documenta 14 in Athen und Kassel und liess sich von Brătescus einzigartigen Umgang mit Farbe und Linie und ihrer Beziehung zu Papier inspirieren. Nach einem Besuch im Bukarester Atelier der Künstlerin hielt Kriemler fest: ‘Getas Gespür für das richtige Papier ähnelt meinem Gespür für den richtigen Stoff. Von Stoff lerne ich unglaublich viel: Wie bei Papier handelt es sich um ein schönes Material von hoher haptischer Qualität.’

Double Diamond-Druck, Georgette, asymmetrisches Plissé, Kleid
Akris Frühling/Sommer 2019, in Zusammenarbeit mit Geta Brătescu
© Kim Weston Arnold
Courtesy Akris
Ausstellung ‘Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration’, Hauser & Wirth Publishers HQ, Rämistrasse, 22. Oktober – 20. November 2020
Foto freundlicherweise von Hauser & Wirth zur Verfügung gestellt

Die künstlerische Zusammenarbeit der beiden für die Akris-Frühjahr-/Sommerkollektion 2019 gehörte zu den letzten Projekten vor Brătescus Tod im September 2018. Die Kollektion ist eine Hommage an die Künstlerin und ihr Ziel, über die Kunst Lebensfreude zu vermitteln und das Spielerische zu feiern: ‘L‘art c‘est un jeu sérieux’ – so das Credo der Künstlerin.

Planung der Modenschau, Look 6, Frühling/Sommer 2019, in Zusammenarbeit mit Geta Brătescu
Courtesy Akris
Ausstellung ‘Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration’, Hauser & Wirth Publishers HQ, Rämistrasse, 22. Oktober – 20. November 2020
Foto freundlicherweise von Hauser & Wirth zur Verfügung gestellt

Geta Brătescu galt seit den 60er Jahren bis zu ihrem Tod 2018 als eine der zentralen Figuren der rumänischen Kunstszene. Sie wurde spätestens 2017 mit ihrer Teilnahme an der documenta 14 und ein Jahr später mit der Präsentation im rumänischen Pavillon an der Biennale in Venedig einem internationalen Publikum bekannt.

Akris Frühling/Sommer 2019, in Zusammenarbeit mit Geta Brătescu
Courtesy Akris
Ausstellung ‘Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration’, Hauser & Wirth Publishers HQ, Rämistrasse, 22. Oktober – 20. November 2020
Foto freundlicherweise von Hauser & Wirth zur Verfügung gestellt

Brătescus Werk umfasst eine Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten und Medien, wie Zeichnung, Collage, Stoffarbeit, Objektkunst, Fotografie, Experimentalfilm, Performances und aber auch das Schreiben, das für sie stets untrennbar von der bildenden Kunst war.

Reversibles Portrait, Kaschmir-Double-face Cape, Seidensatin, Georgette-Krawatte, Ai medium Messenger Bag mit Portraitdruck
Akris Frühling/Sommer 2019, in Zusammenarbeit mit Geta Brătescu
© Kim Weston Arnold
Courtesy Akris
Ausstellung ‘Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration’, Hauser & Wirth Publishers HQ, Rämistrasse, 22. Oktober – 20. November 2020
Foto freundlicherweise von Hauser & Wirth zur Verfügung gestellt

Sie arbeitete mit den unterschiedlichsten Materialien und häufig in Serien, in welchen sie insbesondere die zwei zentralen Themen der Identität, sowie der künstlerischen Produktion untersuchte. Das Atelier war für sie sowohl physischer als auch geistiger Raum und ihre Auseinandersetzung damit entscheidend für ihr Schaffen.

Info:

9. Juni – 15. November 2020

Geta Brătescu
L’art c’est un jeu sérieux

Kunstmuseum St.Gallen
Museumstrasse 32
9000 St. Gallen
Schweiz

www.kunstmuseumsg.ch

Rahmenprogramm:
Do, 5. November, Fr, 6. November, Do, 12. November 2020
jeweils 18.30 – 19.30 Uhr, Türöffnung um 18 Uhr

KUNST – SCHAU – SPIEL
Eine theatrale Kunstverführung

Vorhang auf für den etwas anderen Rundgang im Kunstmuseum St. Gallen! Schauspielerin Boglárka Horváth und Schauspieler Alexandre Pelichet führen durch die aktuelle Ausstellung ‘L’art c’est un jeu sérieux’ von Geta Brătescu. Kunstgenuss spielerisch ernsthaft – eine Entführung in die Welt dieser Grande Dame der Konzeptkunst. Sie schauen – wir spielen.

Anmeldung erforderlich, Anzahl der Plätze beschränkt.

 

22. Oktober – 21. November 2020

Geta Brătescu x Albert Kriemler. A Collaboration
Hauser & Wirth Publishers

Geta Brătescu. The Gesture, The Drawing
Hauser & Wirth Rämistrasse

Rämistrasse 5 und Rämistrasse 16
8001 Zürich
Schweiz

www.hauserwirth.com

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Kindheit – Erinnerungen aus acht Jahrzehnten

Plakat

Fotos aus ihrer Kinderzeit veröffentlichten Abertausende im Frühjahr 2020 in den sozialen Medien. Mitten im Corona-Lockdown feierte man auf diese Weise digital Gemeinsamkeit.

Karin und Schulfreund üben das Stricken, 1957
Museum für Thüringer Volkskunde
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Damals war schon klar, dass unser gegenwärtiger Alltag in die Geschichtsbücher eingehen wird. So verweist das Jahr 2020 in die Zukunft – und zugleich mit besonderen Jubiläen in die Vergangenheit: 75 Jahre Kriegsende und 30 Jahre deutsche Wiedervereinigung.

Zur Schuleinführung 1958 erhielt Johann diesen Ranzen, innen war ein Schild mit seinem Namen angebracht worden. Doch hatte der Ranzen bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. 1940 war er hergestellt worden, von Johanns Urgrossvater, einem gelernten Sattlermeister. Johann machte seinem Urgrossvater, seinem Vater und auch der traditionsreichen Schultasche alle Ehre: Er schlug eine akademische Laufbahn ein, engagierte sich politisch, war jahrelang in hoher Position für die Thüringer Landesregierung tätig. Johann, Jg. 1952
Museum für Thüringer Volkskunde
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eingedenk dieser historischen Daten spannt die neue Sonderausstellung ‘Kindheit – Erinnerungen aus acht Jahrzehnten’ im Museum für Thüringer Volkskunde den zeitlichen Bogen von den 1940er Jahren bis (fast) ins Heute. Das Thema Kindheit lädt ein zum Einstieg in die historische Dimension. Denn jeder war mal Kind oder ist es noch.

Kindheit in den 1940ern: Brigittes Täschchen und ihr kurzes Leben.
Museum für Thüringer Volkskunde
Foto Dirk Urban, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zu verschiedenen Objekten erzählen in der Ausstellung verschiedene Protagonisten, die ihre Kindheit in verschiedenen Jahrzehnten verbrachten, ihre Geschichte. So gruppieren sich zu jedem Jahrzehnt und seinen Protagonisten Objekte, Fotos, Geschichten. Die Objekte sind verbunden mit Familie und Zuhause, Spiel draussen und drinnen, Hobby, Erziehung zu Hause und in der Schule und Kita.

Die Tanzschuhe (meine Mama sagt immer ‘Saalschläppchen’ dazu) gehörten zunächst meiner vier Jahre älteren Schwester, die sich aber mehr für die Musik als das Tanzen interessierte. Eine Zeitlang waren die Schuhe, die unbenutzt im Zimmer meiner Schwester standen, immer nur ‘Objekte meiner Begierde’. Irgendwann aber sollten sie mir passen und dann …
Ab diesem Zeitpunkt begann meine Tanzkarriere. Erst nur zu Hause und dann bis zu meinem 16. Lebensjahr als aktives Mitglied im ‘Tanztheater Erfurt’. In diesen Schuhen tanzte ich beim Musical ‘Momo’ und später auch die blaue Raupe ‘Absolem’ in dem Musical ‘Alice im Wunderland’. Leni, Jg. 2002
Museum für Thüringer Volkskunde
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Unauffällige Objekte sollen die Betrachter dazu ermutigen, sich auch der unauffälligen – und im Nachhinein doch prägenden Dinge – aus der Kindheit zu erinnern.

Blumenfreude 1957
Museum für Thüringer Volkskunde
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Man lasse sich inspirieren zur Zeitreise in die eigene Kindheit und zu einem Dialog zwischen Generationen.

Bei einem Besuch kann man die Ausstellung mit einem eigenen Kindheits- oder Lebenstraum bereichern. Eine Möglichkeit wäre es, dies als ‘textile Erinnerung(en)’ in einen ‘Quilt mit Seele’ einzuarbeiten. Sabine Scharrmacher, die seit 15 Jahren Quilts näht, wird Teilnehmer*innen dabei begleiten und hat mich auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht. Danke!

Info:

19. September 2020 – 14. März 2021

Kindheit – Erinnerungen aus acht Jahrzehnten

Museum für Thüringer Volkskunde
Juri-Gagarin-Ring 140a
99084 Erfurt
Deutschland

www.volkskundemuseum-erfurt.de

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Hella Jongerius – Breathing Colour

Die niederländische Designerin Hella Jongerius ist für ihre einzigartige Auseinandersetzung mit Farben und Materialien international bekannt. ‘Breathing Colour’ zeigt raumgreifende Installationen, mit denen die Designerin die Wirkung und Wahrnehmung von Farbigkeit erforscht. ‘Breathing Colour’ wurde in Zusammenarbeit mit dem Design Museum London entwickelt. Nach Stationen im Design Museum London, im Museum Bojimans Van Beuningen Rotterdam und im Nationalmuseum Stockholm kommt die Schau nun ab dem 29. November 2020 ins Gewerbemuseum Winterthur. 

Ausstellung ‘Hella Jongerius – Breathing Colour’
Ausstellungsansicht Design Museum, London
© Hella Jongerius
Foto: Luke Hayes, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Unsere Umwelt bietet eine immens reiche Mischung aus Farben, deren fast grenzenlose Vielfalt und Wandelbarkeit wir aber nur noch selten wahrnehmen. Genau hier setzt Hella Jongerius mit ihren phânomenologischen Studien ein und thematisiert einen elementaren, aber auch unterschätzten Aspekt im zeitgenössischen Design. Die Designerin sensibilisiert und schärft mit faszinierenden dreidimensionalen Formen, mit systematischen Anordnungen und vielfältigen textilen Werken den Blick für Farbnuancen, für Schattierungen und Reflexionen.

Ausstellung ‘Hella Jongerius – Breathing Colour’
Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio, Berlin
© Hella Jongerius
Foto: Roel van Tour, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

So kreiert sie entlang der verschiedenen Tagesstimmungen mit Farbe, Material, Licht und Schatten ein schier unendliches Potenzial an Farbwirkungen. Weit über die gängigen codierten Farbsysteme hinaus gibt die Designerin den Farben einen Freiraum zurück, um sich neu zu entfalten – oder eben, in ihren eigenen Worten, um atmen zu können.

Ausstellung ‘Hella Jongerius – Breathing Colour’
Ausstellungsansicht Design Museum, London
© Hella Jongerius
Foto: Luke Hayes, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die verschiedenen Ausstellungsbereiche simulieren die jeweils ganz spezifischen Lichtbedingungen zu bestimmten Tageszeiten: morgens, mittags oder abends. Anhand dieser drei Phasen untersucht Hella Jongerius den Einfluss auf unsere Farbwahrnehmung. Eine Reihe von dreidimensionalen Objekten, die Jongerius als ‘Colour Catcher’ (Farbfänger) beschreibt, sind die Hauptelemente der Ausstellung. Sie wurden eigens als Untersuchungsobjekte konzipiert, um Farbe und Wirkung zu beobachten. Die komplexen Exponate sind mit konvexen, facettierten Oberflächen konstruiert, damit sie differenziert Farben absorbieren und reflektieren können. So entwickeln sich schier unendlich viele Mischungen von Farbwirkungen und das Ausstellungssetting wird quasi zu einer dreidimensionalen Farbkarte.

Ausstellung ‘Hella Jongerius – Breathing Colour’
Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio, Berlin
© Hella Jongerius
Foto: Roel van Tour, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Morgen: Leichtigkeit, Helligkeit oder trübes Gefühl des Aufwachens? Das Morgenlicht erscheint zunächst aus dem niedrigen Sonnenstand am Rande des Horizontes. Wenn die Sonne allmählich aufgeht, verschwinden die warmen Töne der Morgendämmerung und die kältere Morgenluft erzeugt ein kristallklares Leuchten in bläulichen Farbtönen.

Mittag: Wenn die Sonne ihren höchsten Punkt am Himmel erreicht, ist die Intensität des Tageslichts am stärksten. Das scharfe Licht von oben wirft entsprechend harte Schatten und erzeugt starke Kontraste in markanten, hellen Farben.

Abend: Eine ganz andere Erfahrung bietet die Ausstellungsinstallation, die den Abend beleuchtet. Der Tag neigt sich dem Ende zu und das Sonnenlicht bewegt sich gegen unten. Der Schattenwurf wird in den einzelnen Exponaten materialisiert und als physische Formen gezeigt.

Ausstellung ‘Hella Jongerius – Breathing Colour’
Ausstellungsansicht Museum Bojimans van Beuningen, Rotterdam
© Hella Jongerius
Foto: Lotte Stekelenburg, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Mit dieser Ausstellung habe ich versucht, das volle Potenzial von Farbe zu offenbaren und zu zeigen, wie das Licht Farben atmen und lebendig werden lässt. Sie soll uns Farbe hinterfragen lassen – einen der elementarsten Aspekte von Design. Mein ultimatives Ziel ist es, die Macht der Farbe gegen die Macht der Form antreten zu lassen.’ – Hella Jongerius

Ausstellung ‘Hella Jongerius – Breathing Colour’
Hella Jongerius im Jongeriuslab Studio, Berlin
© Hella Jongerius
Foto: Roel van Tour, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Hella Jongerius (*1963, NL) studierte an der Design Academy Eindhoven. Sie war Mitglied des Amsterdamer Kollektivs Droog Design und nahm auch an dessen ersten Ausstellung von 1993 teil. Ebenfalls 1993 gründete sie in Rotterdam ihre eigene Designfirma Jongeriuslab, 2009 eröffnete sie in Berlin ein zweites Studio. 1998 bis 1999 unterrichtete sie an der Akademie in Eindhoven Industriedesign und von 2000 bis 2004 war sie an derselben Akademie Leiterin der Abteilung Living/Atelier. An der Berliner Kunsthochschule Weissensee war sie 2010 und 2013 als Gastprofessorin engagiert.

Zu den Auftraggebern von Jongeriuslab zählen unter vielen mehr der US-amerikanische Textilhersteller Maharam (New York), die Designfirmen Vitra (Schweiz), Artek (Finnland), IKEA (Schweden), Nymphenburg (Deutschland) und auch die älteste Steingutfabrik der Niederlande, die Koninklijke Tichelaar in Makkum. Aber auch das niederländische Designkollektiv Droog und die Fluggesellschaft KLM Royal Dutch Airlines stehen auf ihrer Kundenliste.

Gleichzeitig waren die Werke von Hella Jongerius in internationalen Museen und Galerien ausgestellt, unter anderem im MoMA in New York oder in der Galerie Kreo in Paris.

Das Gewerbemuseum Winterthur beschäftigt sich in regelmässigen Abständen mit Fragen zu den Grundlagen der Gestaltung in Kunst und Design. Farben stehen dabei immer wieder im Rahmen von Ausstellungen, Sonderpräsentationen oder auch Workshops im Fokus.

Info:

29. November 2020 – 24. Mai 2021

Hella Jongerius – Breathing Colour

Gewerbemuseum Winterthur
Kirchplatz 14
8400 Winterthur
Schweiz

www.gewerbemuseum.ch
www.jongeriuslab.com

Eröffnung:
Samstag, 28. November 2020, 16 Uhr
Mit Hella Jongerius und Susanna Kumschick, Co-Leitung Gewerbemuseum Winterthur

Die Ausstellung wird von einem unfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Näheres dazu und zu den Covid-19-Regeln sind auf der Website des Museums zu finden.

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Kleureyck. Van Eyck’s Colours in Design

Ebenfalls mit den Thema Farbe (niederländisch: kleur) beschäftigt sich die Ausstellung ‘Kleureyck – Van Eyck’s Colours in Design’, die das Design Museum Gent entwickelte und deren Laufzeit coronabedingt bis 21. Februar 2021 verlängert wurde. Die Schau fragt nicht nur nach dem Ursprung und der Wirkung von Farbe sondern auch, wie dies gemacht wird. Die Ausstellung über den innovativen Gebrauch von Farbe verbindet die Vergangenheit und Gegenwart miteinander.

Plakat
Campaign Image: Atelier Lachaert
Foto freundlicherweise vom Design Museum Gent zur Verfügung gestellt

2020 sollte das Van Eyck-Jahr in Gent werden. Der flämische Maler Jan van Eyck (um 1390-1441) gilt als der Begründer und zugleich als berühmtester Vertreter der sog. altniederländischen Malerei, der eine neue naturalistische Kunstepoche nördlich der Alpen einleitete. Er verfügte über eine vollendete Maltechnik, perfektionierte die Ölmalerei, so dass fast fotografisch genaue detailgetreue Darstellungen entstehen: Portraits, Landschaften, Pflanzen, Faltenwürfe, Materialien wie Stoffe, Edelsteine oder die Haut – alles form- und farbvollendet, ja dreidimensional, eine Vielfalt an Farbtönen, an Helligkeit und Sättigung von Farben. Kein Wunder, dass die grosse Ausstellung den Titel ‘Van Eyck – Eine optische Revolution’ trug – ein Ereignis in der Welt der Kunst. Sie wurde auch Anfang Februar 2020 im Museum voor Schone Kunsten Gent eröffnet, musste dann aber vorzeitig wegen der Pandemie ohne Verlängerungsmöglichkeit abgebrochen werden.

Wer sich Eindrücke verschaffen möchte, dem seien neben dem virtuellen Ausstellungsrundgang vor allem drei Videos empfohlen:
Bericht von Gudrun Engel in der Tagesschau vom 2. Februar 2020 (1:35 min.)
Bericht von Lionel Jullien auf arte tv vom 3. Februar 2020 (2 min., verfügbar bis 5. Februar 2022)
Bericht von Meinhard Michael in ttt – titel, thesen, temperamente vom 9. Februar 2020 (6 min., verfügbar bis 9. Februar 2021)

Ausstellungsansicht ‘Kleureyck. Van Eyck’s Colours in Design’
Foto freundlicherweise vom Design Museum Gent zur Verfügung gestellt

Der monumentale und über mehrere Jahre frisch restaurierte Genter Altar stellt das bekannteste Werk der Gebrüder van Eyk dar, der mit seinen subtilen Farbschattierungen die Verbindung zur Ausstellung ‘Kleureyck – Van Eyck’s Colours in Design’ im Design Museum Gent und gleichzeitig den Ausgangspunkt für die Kuratorinnen Siegrid Demyttenaere und Sofie Lachaert bildet. Sie luden Künstler*innen und Designer*innen ein, sich von Details aus dem Meisterwerk inspirieren zu lassen, darunter übrigens auch Hella Jongerius.

Ausstellungsansicht ‘Kleureyck. Van Eyck’s Colours in Design’
Foto freundlicherweise vom Design Museum Gent zur Verfügung gestellt

Entstanden ist eine dreiteilige Ausstellung, bestehend aus der Pigment-Spur, dem Forschungsprojekt und einem experimentellen Teil. Der Rundgang führt durch die acht Van Eyck-Farbgruppen, wo über 100 Designstücke zeigen, wie Licht, Material und Muster auf die Farbe wirken. Farbexperimente aus den Bereichen Produkt- und Textildesign, Keramik- und Glaskunst bieten jede Menge Inspirationen. Wie sie Farbe beeinflussen können und welche Wirkung dies auf die Betrachter*innen hat, zeigen die Tests, die Desiger*innen an einer Reihe von Forschungsprojekten vornahmen. Es geht auch um unterschiedliche Aspekte der Farbe und um ihre sinnliche Wahrnehmung: Wie schmeckt und hört man Farbe? Ein ein ganzes Spektrum von Erfahrungen entfaltet sich.

Ausstellungsansicht ‘Kleureyck. Van Eyck’s Colours in Design’
Foto freundlicherweise vom Design Museum Gent zur Verfügung gestellt

Auf das Video (mit englischen Untertiteln) auf der Website des Museums möchte ich gern hinweisen.

Die Ausstellung soll im Anschluss in der französischen Stadt Lille gezeigt werden.

Info:

13. März 2020 – 21. Februar 2021

Kleureyck. Van Eyck’s Colours in Design

Design Museum Gent
Jan Breydelstraat 5
9000 Gent
Belgien

www.designmuseumgent.be

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Fe, Stahlpreis 2020
Wismar, Hasselt, Lappeenranta – drei Länder, drei Städte, drei Schulen

Ab dem 5. November 2020 geht das Schmuckmuseum Pforzheim mit der Ausstellung ‘Fe, Stahlpreis 2020’ auf neue Aspekte im internationalen zeitgenössischen Schmuckschaffen ein.

Plakat

Wismar, Hasselt, Lappeenranta – in diesen drei Städten Deutschlands, Belgiens und Finnlands haben sich in den letzten Jahren drei innovative Ausbildungsstätten für Schmuckdesign entwickelt. Ihre Studenten hatten die Möglichkeit, am 6. Internationalen Stahlschmuck-Wettbewerb teilzunehmen. Entstanden ist eine vielfältige Ausstellung, die das breite Spektrum von Stahl vor Augen führt: Schmuckstücke, die zugleich stabil und erstaunlich leicht sind, hart und zart oder starr und fliessend.

Brosche ‘Scar’
Stahl, Kupfer emailliert
Aniko Barka, Hochschule Wismar, 2018
Foto: Adrian Jaffé, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Bereits in den Entwürfen ist teilweise das Entstehen von Patina mitgedacht. Darüber hinaus geht es um Vorstellungen von Schönheit oder um das Material und seine Geschichte – von der Begeisterung für Mechanik bis zur Kritik an der Industrialisierung gleichermassen. ‘Mit dieser Schau zeigt das Schmuckmuseum neue Aspekte internationalen zeitgenössischen Schmucks – der an Orten entsteht, die nicht im Brennpunkt der Schmuckszene stehen, aber dadurch Nährboden für erfrischende und neue Ansätze in der Schmuckkunst sind’, ordnet Museumsleiterin Cornelie Holzach ein. Solch experimentellem Vorgehen kann insbesondere an Hochschulen Raum gegeben werden.

Armreif
Stahl verchromt
Centaine Wekking, PXL-MAD School of Art, Hasselt, 2018
Foto: Adrian Jaffé, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Initiiert wurde der Wettbewerb des Jahres 2020 vom gemeinnützigen Verein Kolloquium Nordrhein-Westfalen in Kooperation, anlässlich von dessen 30-jährigem Bestehen, mit ausgewählten Ausbildungsstätten und Künstlern; ausgelobt wurde er von Prof. Andrea Wippermann aus Wismar. Teilnehmen konnten Studenten der Hochschule Wismar sowie deren Partnerhochschulen in Hasselt und Imatra. Die vier Preisträger aus den 26 Einreichungen sind Aniko Barka und Sandro Kesterke von der Hochschule Wismar sowie Centaine Wekking und Jolien Hulsmans von der PXL-MAD School of Arts in Hasselt, die mit ihren Arbeiten die fünfköpfige Jury überzeugten.

Besteck
Stahl
Sandro Kesterke, Hochschule Wismar, 2017
Foto: Adrian Jaffé, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Jury gehörten Prof. em. Georg Dobler und Prof. em. Dorothea Prühl sowie die Projektmanagerin des Kolloquiums Nordrhein-Westfalen Jutta Vondran an, ebenso wie die Leiterin des Goldschmiedehauses Hanau, Christianne Weber-Stöber, und die Leiterin des Schmuckmuseums Pforzheim Cornelie Holzach. Die Ausstellung im Schmuckmuseum zeigt die Arbeiten der Preisträger sowie eine Auswahl der eingereichten Arbeiten – Exponate, von Schmuck über Gerät bis zu Objekten, die die Besonderheiten von Stahl zur Geltung bringen.

Als Ausstellung im Dialog sind bei Schütt – Schmuck & Edelsteine – direkt gegenüber vom Schmuckmuseum – unter dem Titel ‘Rock Stars’ Arbeiten von Studenten des Fachbereichs Schmuck- und Edelsteingestaltung der Hochschule Trier zu sehen.

Info:

5. November 2020 – 14. Februar 2021

Fe, Stahlpreis 2020
Wismar, Hasselt, Lappeenranta – drei Länder, drei Städte, drei Schulen

Schmuckmuseum Pforzheim
Jahnstrasse 42
75173 Pforzheim
Deutschland

www.schmuckmuseum.de

Flyer

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Leonor Antunes
joints, voids and gaps

Das Mudam Luxemburg zeigt im Henry J. and Erna D. Leir Pavilion derzeit eine Ausstellung mit den jüngsten Skulpturen von Leonor Antunes (* 1972, Lissabon). Zu diesem Zweck hat die renommierte Künstlerin eine neue Installation konzipiert, die auf die architektonischen Eigenschaften und Proportionen des emblematischen Raums von Ieoh Ming Pei (1917, Guangzhou – 2019, New York) reagiert.

Ausstellungsansicht ‘Leonor Antunes. joints, voids and gaps’
Mudam Luxembourg, 10. Okotber 2020 — 5. April 2021
© Photo: Nick Ash | Mudam Luxembourg
Foto freundlicherweise vom Mudam zur Verfügung gestellt

Für ihre Ausstellung im Mudam hat Leonor Antunes ein skulpturales Environment für den Henry J. and Erna D. Leir Pavilion und den gläsernen Übergang, über den man diesen erreicht, entworfen. Die Installation besteht aus einer hängenden Struktur aus Stahl und Kordeln, welche die sechseckige Form des Pavillons aufgreift und eine Gruppe von jüngeren und neueren Skulpturen der Künstlerin einrahmt. Diesen stehen eine Reihe von freistehenden Lichtskulpturen und ein neuer Korpus sogenannter ‘Kletter-Skulpturen’ gegenüber, die vor Ort aus geknoteten Kordeln und Leder hergestellt wurden.

Ausstellungsansicht ‘Leonor Antunes. joints, voids and gaps’
Mudam Luxembourg, 10. Okotber 2020 — 5. April 2021
© Photo: Nick Ash | Mudam Luxembourg
Foto freundlicherweise vom Mudam zur Verfügung gestellt

Die Installation wird horizontal verankert durch eine neue, nach einem Entwurf der Künstlerin realisierten Bodenarbeit aus Linoleum, die auf historische Volumenstudien der Künstlerin Lygia Clark (1920, Belo Horizonte – 1988, Rio de Janeiro) Bezug nimmt. Die Bodenarbeit verbindet die Präsentation im Mudam zudem mit den jüngsten Ausstellungen der Künstlerin im MASP – Museu de Arte de São Paulo und in der von der Architektin Lino Bo Bardi (1914, Rom – 1992, São Paulo) entworfenen Casa de Vidro (Glashaus). Der Titel der Ausstellung wiederum bezieht sich auf die für Bo Bardis Zeichnungen charakteristischen ‘Verbindungen, Leerstellen und Zwischenräume’.

Ausstellungsansicht ‘Leonor Antunes. joints, voids and gaps’
Mudam Luxembourg, 10. Okotber 2020 — 5. April 2021
© Photo: Nick Ash | Mudam Luxembourg
Foto freundlicherweise vom Mudam zur Verfügung gestellt

Die Skulpturen von Leonor Antunes werden oft als Reaktion auf die vorgefundene räumliche Situation konzipiert und installiert, wobei sie sowohl die Architektur und Geschichte als auch das physische oder sensorische Erfahren des Orts berücksichtigen.

Ausstellungsansicht ‘Leonor Antunes. joints, voids and gaps’
Mudam Luxembourg, 10. Okotber 2020 — 5. April 2021
© Photo: Nick Ash | Mudam Luxembourg
Foto freundlicherweise vom Mudam zur Verfügung gestellt

Die Arbeiten der Künstlerin beruhen auf ihrer Erforschung der Lebenswerke weniger bekannter Figuren der historischen Moderne wie die Architekten Eileen Gray (1878, Enniscorthy – 1976, Paris), Egle Trincanato (1910 Rom – 1998, Venedig) und Carlo Scarpa (1906, Sendai – 1978, Venedig), die Designerinnen Anni Albers (1899, Berlin – 1994, Orange) und Clara Porset (1895, Matanzas – 1981, Los Angeles) oder die Künstlerinnen Lygia Clark und Mary Martin (1907, Folkestone – 1969, London), deren Formen, Motive und Masse Antunes in Materialien und Texturen wie Kordeln, Holz, Kork, Leder und Messing interpretiert, anhand derer sie ein von handwerklichen Techniken inspiriertes skulpturales Formenvokabular entwickelt. Indem sie mit verschiedenen Massstäben und Prozessen wie Knoten, Nähen, Sticken und Weben arbeitet, schafft sie räumliche Umgebungen aus drapierten Gitterstrukturen und hängenden, freistehenden oder kletternden Formen, die eine visuelle und skulpturale Choreografie formen und deren unterschiedliche Erzählstränge durch Zeit und Raum hindurch miteinander verwoben sind.

‘Leonor Antunes. joints, voids and gaps’ [Verbindungen, Leerstellen und Zwischenräume] ist Teil eines neuen Ausstellungsprogramms mit speziell für den Henry J. and Erna D. Leir Pavilion im Mudam konzipierten Arbeiten.

Info:

10. Oktober 2020 – 5. April 2021

Leonor Antunes
joints, voids and gaps

Mudam Luxembourg
Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean
3, Park Dräi Eechelen
1499 Luxembourg-Kirchberg
Luxemburg

www.mudam.com

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Musterung
Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst

Ab dem 8. November 2020 zeigen die Kunstsammlungen Chemnitz – die sächsische Stadt wird Deutschland als Europäische Kulturhauptstadt 2025 vertreten! – die Ausstellung ‘Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst’ und ab 11. November 2020 ‘Olaf Nicolai. Yeux de Paon’, der sich in seiner mehrteiligen Textilarbeit ‘Yeux de Paon’ (dt: Pfauenaugen) für die Verwendung der Dekorationsmuster von Keramiken aus traditioneller bulgarischer Produktion interessiert.

Nevin Aladağ: Social Fabric, Vibration II, 2020
Collage mit Teppichen unterschiedlicher Herkunft und Materialien von geknoteten Kelims, Schurwolle- und Seidenteppichen bis hin zu industriell hergestellten Tretford-, Sisal- und Wollteppichen auf Holz
174 x 113 x 5 cm
Courtesy: die Künstlerin und Wentrup, Berlin
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Ausstellung ‘Musterung’
Foto freundlicherweise von den Kunstsammlungen Chemnitz zur Verfügung gestellt

Dass die Auseinandersetzung mit dem Stofflichen, neuen Textilien und Trägermaterialien Künstler*innen unterschiedlicher Generationen und Herkunft aus allen Kontinenten bis heute begeistert, macht die Ausstellung ‘Musterung’ deutlich. Vorhänge, Tapeten und Teppiche werden als Bildträger zeitgenössischer Darstellungen wiederentdeckt.

Tim Berresheim: Future Gipsy. Auf die Zukunft wettend.
Anaglyph, 2020, 3D, Mixed Media
Wandinstallation für die Kunstsammlungen Chemnitz
Courtesy: der Künstler und Studios New America
Ausstellung ‘Musterung’
Foto freundlicherweise von den Kunstsammlungen Chemnitz zur Verfügung gestellt

Mit Stoffen, textilem Dekor und Kleidung lassen sich Geschichten, Hintergründe historischer, bildlicher und globaler Zusammenhänge neu erzählen. Dabei steht der Wiederentdeckung traditioneller Techniken die Begeisterung für neue digitale Technologien gegenüber: Digitale Technologie steuert die Webstühle in der heutigen Zeit oder spinnt die Fäden in eine erweiterte Realität. Stoffe sind immer auch kulturelle ldentitätssymbole. Materialforschung im Kontext von Massenproduktion und Nachhaltigkeit sind Stichworte, die auch künstlerisch aktuell einer besonderen Musterung unterliegen.

Erika Hock: Ohne Titel, 2020
Bedruckte Fadenvorhänge, Metall, pulverbeschichtet, Holz
290 x 400 cm
Courtesy: die Künstlerin und COSAR HMT, Düsseldorf
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Ausstellung ‘Musterung’
Foto freundlicherweise von den Kunstsammlungen Chemnitz zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ‘Musterung. Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst’ stellt unterschiedliche Positionen von Künstler*innen in einen Dialog, die sich explizit mit textilen Materialien und ihrer gesellschaftspolitischen Bedeutung beschäftigen. Textilien fordern eine haptische Erfahrung ein, die sich teilweise bereits auf der Netzhaut andeutet, zugleich aber auch optische Täuschung sein kann.

Magdalena Kita: White Partisan (On Business), 2016
Acryl auf Wildschweinfell
140 x 100 cm
Courtesy: die Künstlerin
Ausstellung ‘Musterung’
Foto freundlicherweise von den Kunstsammlungen Chemnitz zur Verfügung gestellt

Immer bleibt die Frage, wie wir mit unseren Ressourcen und Fähigkeiten umgehen. Viele Werke und Bilder codieren soziale und ästhetische Ordnungskonzepte, die sie in Frage stellen. Besonders erfreulich ist die Offenheit, mit der zahlreiche Künstler*innen auf das Ausstellungskonzept reagiert und neue Arbeiten entwickelt haben. Insgesamt sind über 65 Werke zusammengetragen.

Laure Prouvost: Swallow me, From Flanders to Italy, 2019
Teppich und zwei integrierte TVScreens,
200 x 460 cm, Videos
Courtesy: die Künstlerin und Galerie Carlier | Gebauer, Berlin / Madrid
Ausstellung ‘Musterung’
Foto freundlicherweise von den Kunstsammlungen Chemnitz zur Verfügung gestellt

lm sächsischen Jahr der lndustriekultur zeigt die Ausstellung anhand international renommierter Protagonist*innen, wie explizit und facettenreich Popkulturelles, (Post-)Feministisches und Tagespolitisches mit textilen Materialien aktuell ihren Ausdruck finden.

Yelena Popova: Keepsafe I, 2019
Wandteppich
185 x 141,5 cm
Courtesy: die Künstlerin und Philipp von Rosen Galerie, Köln
Ausstellung ‘Musterung’
Foto freundlicherweise von den Kunstsammlungen Chemnitz zur Verfügung gestellt

Beteiligte Künstler*innen:
Nevin Aladağ, Alexandra Bircken, Tim Berresheim, Shannon Bool, Edith Dekyndt, Die Tödliche Doris, Kyungah Ham, Tobias Hantmann, Erika Hock, Magdalena Kita, Helen Mirra, Yelena Popova, Laure Prouvost, Puppies Puppies (Jade Kuriki Olivo), Regine Schumann, Oliver Sieber, Sara Sizer, Heidi Specker, Roland Stratmann, Rosemarie Trockel

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation (Ende 2020).

Begleitet wird die Ausstellung durch verschiedene Vermittlungsformate, vor allem dialogische Führungen, bei denen teilnehmende Künstler*innen zu Gast sein werden. Für Näheres hierzu siehe bitte Flyer bzw. Website.

Info:

8. November 2020 – 14. Februar 2021

Musterung
Pop und Politik in der zeitgenössischen Textilkunst

11. November 2020 – 21. Februar 2021

Olaf Nicolai
Yeux de Paon

Kunstsammlungen Chemnitz
Theaterplatz 1
09111 Chemnitz
Deutschland

www.kunstsammlungen-chemnitz.de

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Jacob Dahlgren – The Flag Project

Leuchtend bunte Fahnen mit geometrischen Formen versehen, verteilen sich in der Stadt Göppingen – Ausgangspunkt und Zentrum ist die Ausstellung ‘The Flag Project’ des schwedischen Künstlers Jacob Dahlgren (*1970) in der Kunsthalle Göppingen, die dort noch bis 15. November 2020 zu sehen ist.

Jacob Dahlgren ‘The Flag Project’
Ausstellungsansicht Kunsthalle Göppingen 2020
© VG Bild Kunst 2020
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Angeregt von der Tradition des Minimalismus und Konstruktivismus entdeckt Jacob Dahlgren Abstraktion in Dingen des alltäglichen Lebens. Er regt in seinen Installationen, Filmen und Aktionen den Betrachtenden zu einer aktiven Teilhabe an. In seiner Ausstellung in der Kunsthalle Göppingen und im öffentlichen Raum der Stadt setzt sich der Künstler mit den Aspekten der Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit von Orten auseinander.

Jacob Dahlgren ‘The Flag Project’
Sewers Sara Kallioinen Lundgren, Emelie Lundin
© VG Bild Kunst 2020
Foto: Photo Studio Jacob Dahlgren, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Jacob Dahlgren liess die Kunsthalle Göppingen, genauer den Ausstellungsraum ‘Halle oben’, zu einer Produktionsstätte werden. Besucher*innen waren eingeladen, eigene abstrakte Entwürfe zu gestalten und zu hinterlassen: Aus ihren Vorlagen wurden vor Ort Fahnen gefertigt, die im Innenhof der Kunsthalle Göppingen Teil einer installativen Arbeit sind und sich im Laufe der Ausstellungszeit im Stadtraum ausbreiteten.

Jacob Dahlgren ‘The Flag Project’
Ausstellungsansicht Kunsthalle Göppingen 2020
© VG Bild Kunst 2020
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anders als herkömmliche Fahnen, die entweder eine Gemeinschaft oder Nation symbolisieren oder zur Übertragung von Information oder als Werbung dienen, stehen die Fahnen von ‘The Flag Project’ ganz für sich. Als eine Flagge bezeichnet man üblicherweise ein in hoher Stückzahl hergestelltes und ersetzbares Stück Stoff. Die Fahnen, die in der Kunsthalle Göppingen von Näher*innen einzeln hergestellt werden, sind hingegen Unikate.

Jacob Dahlgren ‘The Flag Project’
Ausstellungsansicht Kunsthalle Göppingen 2020
© VG Bild Kunst 2020
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Jacob Dahlgren studierte an der Königlichen Kunsthochschule Stockholm. 2007 vertrat er Schweden auf der Biennale in Venedig: Seine Installation ‘I, the World, Things, Life’ bestand aus einer Vielzahl an Dartscheiben, die eine Wand füllten. Die Besucher*innen waren aufgefordert, Darts zu spielen und mit ihren Pfeilen das entstehende Bild in stetigem Wandel zu halten. Die konzentrischen Kreise der Installation bildeten zusammen ein Muster, das an Werke der Op-Art erinnerte und Anspielungen sowohl auf Bridget Riley als auch auf die Werke von Jasper Johns und Kenneth Noland zuliess. Die Verbindung von Kunst und Alltag, sowie seine Auseinandersetzung mit konstruktivistischer und konkreter Kunst setzt Jacob Dahlgren seit 2001 in seiner Performance um, die er auf Instagram zeigt: Jeden Tag erscheint ein Foto des Künstlers in gestreiften T-Shirts. Immer in derselben Pose und im gleichen Bildformat befindet sich Jacob Dahlgren in Streifen vor wechselnder Kulisse.

Info:

13. September – 15. November 2020

Jacob Dahlgren – The Flag Project

Kunsthalle Göppingen
Schloss Filseck
73066 Uhingen
Deutschland

www.kunsthalle-goeppingen.de

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 13 – 19 Uhr
Sa, So: 11 -19 Uhr und nach Vereinbarung

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Ein Friedensvogel im Paradies
Friedensstickereien 2020

Im Kulturort Garnlager, Lyssach, ist noch bis zum 15. November 2020 die Ausstellung ‘Ein Friedensvogel im Paradies – Friedensstickereien 2020’ zu sehen.

Der Vogel als Vermittler zwischen Erde und Himmel gilt auch als Symbol für Hoffnung und Zuversicht. Sein Flug weckt Assoziationen zu Freiheit und Unabhängigkeit. Die Künstlerin Ingrid Eggimann-Jonsson hat zu diesem Thema wieder mehrere wunderschöne Entwürfe vorbereitet, an denen sich die Sticker*innen inspirieren konnten.

Ausstellung ‘Ein Friedensvogel im Paradies – Friedensstickereien 2020’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Auch die sechste Ausstellung der Friedensstickereien zeigt, wie kreativ, vielseitig und individuell ein Thema interpretiert werden kann. Die Aussteller*innen sind Mitglieder der Stickgruppen von Ingrid Eggimann-Jonsson und Barbara Wälchli Keller sowie andere interessierte Sticker*innen aus der Schweiz und dem Ausland.

Das Sticken ist eine wunderbare, ausdrucksstarke Technik, die überall ausgeübt wird. So verbinden uns die Fäden mit der ganzen Welt und sensibilisieren uns für die Anliegen weniger privilegierter Menschen, für die Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in weiter Ferne liegen.

Ausstellung ‘Ein Friedensvogel im Paradies – Friedensstickereien 2020’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Veranstalterin, Frau Cornelia Zürcher, schreibt mir: ‘Die Ausstellung ist sehr schön geworden, aber es wird vermutlich keine Besucher geben. Ich werde noch eine Online-Ausstellung machen.’ Es ist bereits alles fotografiert, bitte immer mal wieder auf der Website nachsehen.

Info:

25. Oktober – 15. November 2020

Ein Friedensvogel im Paradies
Friedensstickereien 2020

Kulturort Garnlager
Gewerbestrasse 9
3421 Lyssach
Schweiz

www.kulturortgarnlager.org

Einladungskarte

Öffnungszeiten:
täglich: 13.30 – 17 Uhr
Andere Zeiten auf Anfrage

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Gianni Versace Retrospective

Das MAC Museum Art & Cars in Singen zeigt noch bis zum 21. April 2021 mit ‘Gianni Versace Retrospective’ eine Ausstellung der ikonografischen Kreationen des legendären italienischen Modedesigners Gianni Versace (1946-97).

Einladungskarte

In neun Themengruppen erhalten die Besucher*innen einen eindrucksvollen Einblick in das opulente Schaffen Gianni Versaces. Gezeigt werden ausschliesslich Originale aus privaten internationalen Sammlungen. Typisch für das Ausstellungskonzept des MAC Museum Art & Cars ist, dass thematisch passende historische Fahrzeuge das Werk Gianni Versaces begleiten.

Ausstellungsansicht ‘Gianni Versace Retrospective’
Foto freundlicherweise vom MAC Museum Art & Cars zur Verfügung gestellt

So steht in Raum 1 des Erdgeschosses im MAC 1 ein weisses 1303 VW Käfer Cabrio mit 50 PS, das in den Jahren 1976 bis 1979 produziert wurde. Der Triple White kommt mit weissem Lack, weissem Verdeck und weisser Innenausstattung daher und ist zudem mit Weisswandreifen ausgestattet, ist im Originalzustand erhalten und hat lediglich 1700 Kilometer auf der Strasse zurückgelegt – ein echter Hingucker also, ein Cabrio, in dem auch Gianni Versace in den 1970er Jahren unterwegs war.

Ausstellungsansicht ‘Gianni Versace Retrospective’
Foto freundlicherweise vom MAC Museum Art & Cars zur Verfügung gestellt

In Raum 3 der ‘Gianni Versace Restrospective’, in der auch die berühmte Hemdenarmee zu sehen ist, präsentiert das MAC Museum Art & Cars einen Ferrari Testarossa aus dem Jahr 1984 (390 PS) als Hommage an Gianni Versaces Leidenschaft für Miami. Der Designer setzte das Lebensgefühl der Stadt in seiner Mode um und war ausserdem massgeblich mit für die modische Optik der Protagonisten in der Fernsehserie ‘Miami Vice’ verantwortlich. Von der dritten Staffel der Undercover-Cop-Serie an setzten die Produzenten auf ein ebensolches von Pininfarina gestyltes Ferrari-Topmodell aus Maranello.

Ausstellungsansicht ‘Gianni Versace Retrospective’
Foto freundlicherweise vom MAC Museum Art & Cars zur Verfügung gestellt

‘Ihr findet mich in meinem Werk’, sagte Gianni Versace über sich, der vom armen Schneiderinnensohn aus dem Süden Italiens besonders in den 1990ern zur internationalen Modeikone wurde, bis er 1997 in Miami am hellichten Tage erschossen wurde – eine Tat, die bis heute noch für wilde Spekulationen sorgt.

Ausstellungsansicht ‘Gianni Versace Retrospective’
Foto freundlicherweise vom MAC Museum Art & Cars zur Verfügung gestellt

Seine Werke aus Stoff wie die Entwürfe und auch die Interieurs aus seiner Feder sind exakt das, was von ihm geblieben ist. ‘Die Suche nach dem authentischen Gianni Versace muss mit seinen Werken beginnen und in der Begegnung mit denen, die seinen Weg begleitet hatten’, so die Ausstellungsmacher.

Ausstellungsansicht ‘Gianni Versace Retrospective’
Foto freundlicherweise vom MAC Museum Art & Cars zur Verfügung gestellt

Gianni Versaces Mode war ein Spiegel italienischer und europäischer Kultur. Die Ausstellung ‘Gianni Versace Retrospective’ ist deshalb ein europäisches Projekt, auch wenn die Marke Versace mit ihrem unverkennbaren Medusa-Emblem seit 2018 zum Luxus-Konzern Michael Kors gehört und daher amerikanisch geworden ist.

Ausstellungsansicht ‘Gianni Versace Retrospective’
Foto freundlicherweise vom MAC Museum Art & Cars zur Verfügung gestellt

Die Schau war bislang schon in Berlin und Boras (Schweden) zu sehen.

Info:

19. September 2020 – 21. April 2021

Gianni Versace Retrospective

MAC Museum Art & Cars
Parkstrasse 1
78224 Singen am Hohentwiel
Deutschland

www.museum-art-cars.com

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Vivian Suter
Bonzo’s Dream

Das Brücke-Museum in Berlin öffnet sich für zeitgenössische künstlerische Positionen und präsentiert noch bis zum 14. Februar 2021 ‘Bonzo’s Dream’, die erste Einzelausstellung in Deutschland der argentinisch-schweizerischen Malerin Vivian Suter.

Vivian Suter, Studio view, Panajachel, Guatemala, 2018
Courtesy of the Artist und Gladstone Gallery, New York/Brüssel; House of Gaga; Karma International und Proyectos Ultravioleta
Foto: David Regen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ihre Leinwände hängen frei im Raum, überlappend an der Wand oder liegen ausgebreitet auf dem Boden. Sanft schwingen die vom Keilrahmen abgespannten Stoffe im Ausstellungsraum. Die Installation lädt die Besucher*innen ein, sich einen individuellen Weg zu suchen und die Werke räumlich zu erfahren. Es geht Suter um den Gesamteindruck, weniger um die einzelnen Bilder, die die Künstlerin nie mit Titel oder Datum auszeichnet.

Vivian Suter: Ausstellungsansicht ‘Bonzo’s Dream’, 2020, Brücke-Museum, Berlin
Courtesy of the Artist und Gladstone Gallery, New York /Brüssel; House of Gaga; Karma International und Proyectos Ultravioleta
Foto: Roman März, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Erkunden und die subjektive Erfahrung spielen für Vivian Suter eine besondere Rolle. Mit jeder Präsentation geht sie in den direkten Dialog mit der Umgebung. Keine Ausstellung gleicht der anderen. In dem freien Spiel der Installation werden die Arbeiten immer wieder neu miteinander kombiniert – manches tritt in den Hintergrund und vorher Verdecktes kommt ans Licht. Im Brücke-Museum sind Suters Werke durch rund 40 Gemälde und kunsthandwerkliche Arbeiten aus dem Sammlungsbestand ergänzt. So werden etwa selten gezeigte Gemälderückseiten von Ernst Ludwig Kirchner, ein Wandteppich von Erich Heckel, aber auch ein geschnitztes Schachspiel von Karl Schmidt-Rottluff gezeigt.

Ernst Ludwig Kirchner: Violette Bäume, 1914, Öl auf Leinwand, Brücke Museum
Foto: Nick Ash, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Als ein Museum, das von Künstlern initiiert wurde, möchten wir auch künftig den Dialog mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern suchen. Ich freue mich, dass Vivian Suter meiner Einladung gefolgt ist und hier im Brücke-Museum ihre erste museale Schau in Deutschland ausrichtet. Durch das ‘all-over’ der Installation ergeben sich überraschende Nachbarschaften und ganz neue Sichtachsen, die auch den Blick auf unsere Museumsräume erweitern und die Möglichkeit bieten, die Sammlung mit anderen Augen zu sehen’, hebt die Direktorin Lisa Marei Schmidt hervor.

Vivian Suter: Ausstellungsansicht ‘Bonzo’s Dream’, 2020, Brücke-Museum, Berlin
Courtesy of the Artist und Gladstone Gallery, New York /Brüssel; House of Gaga; Karma International und Proyectos Ultravioleta
Foto: Roman März, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Suter und ihrer Mutter, der im Frühjahr 2020 verstorbenen Künstlerin Elisabeth Wild. Von ihr sind eine Reihe kleinformatiger Collagen zu sehen. Wild traf darüber hinaus die Auswahl der Werke aus der Sammlung und stellte intuitiv ein facettenreiches Ensemble an Brücke-Arbeiten zusammen, das ohne Anspruch auf Vollständigkeit die gesamte Schaffenszeit der Künstler umspannt. In der Präsentation sind die Werke in lose thematische Kapitel gegliedert, darunter beispielsweise zum Frühwerk der Brücke oder zu Karl Schmidt-Rottluffs späten Stilleben.

Karl Schmidt-Rottluff: Blaues Fenster, 1937, Öl auf Leinwand,
Brücke-Museum, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung
Foto: Nick Ash, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Durch die Gegenüberstellung der klassischen und zeitgenössischen Positionen ist es innerhalb des Ausstellungsrundgangs möglich, Verbindungslinien und Differenzen zu reflektieren. Die raumgreifende Installation von Suters Arbeiten lässt die Atelierwohnungen der Brücke-Künstler in Erinnerung rufen, die sie mit selbst gestalteten Möbeln, bedruckten Stoffen und gewebten Textilien eingerichtet hatten. Der Idee vom alle Lebensbereiche umfassenden Gesamtkunstwerk folgend, strebten sie eine enge Verbindung von Kunst und Leben an.

Vivian Suter: Ausstellungsansicht ‘Bonzo’s Dream’, 2020, Brücke-Museum, Berlin
Courtesy of the Artist und Gladstone Gallery, New York /Brüssel; House of Gaga; Karma International und Proyectos Ultravioleta
Foto: Roman März, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Auch in der Verbundenheit zur Natur zeichnen sich Parallelen des künstlerischen Selbstverständnisses von Suter und den Brücke-Protagonisten ab. In Reaktion auf die zunehmende Technisierung um die Jahrhundertwende suchten die Künstler der Brücke nach naturnahen Lebenserfahrungen. Der Mensch und dessen harmonische Beziehung zu seiner Umwelt wurde wichtiges Motiv ihrer Kunst. Wiederholt verbrachten sie die Sommermonate in unterschiedlichen Konstellationen an Seen oder am Meer, um dort Studien ausserhalb des Ateliers vorzunehmen. Auch Suter malt in der üppigen Vegetation ihres Gartens. Immer wieder scheinen neben geometrischen Blöcken, dicken Farbspritzern auch organische Formen erkennbar, die an Pflanzen erinnern. Die Natur hält unmittelbar Einzug in ihre Kunst, sie wird zum gestalterischen Element ihrer Arbeit.

Vivian Suter: Ausstellungsansicht ‘Bonzo’s Dream’, 2020, Brücke-Museum, Berlin
Courtesy of the Artist und Gladstone Gallery, New York /Brüssel; House of Gaga; Karma International und Proyectos Ultravioleta
Foto: Roman März, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

1949 in Buenos Aires geboren, zog Suter in den 1960er Jahren mit ihren Eltern in die Schweiz, wo sie von 1967 bis 1972 an der Kunstgewerbeschule Basel studierte. Seit 1982 lebt die Künstlerin auf einer ehemaligen Kaffeeplantage in Guatemala. Ihr Atelier liegt dort in unmittelbarer Nähe zum Vulkansee Atitlán in einem grossen Garten mit frei wachsenden Palmen, Farnen und Eukalyptusbäumen, der an einen Urwald erinnert. 2005 verwüstete ein Tropensturm grosse Teile der Region und überflutete Suters Studio. Ihre Werke wurden durchnässt oder mit Schlamm bedeckt. Was zunächst als irreparabler Schaden der zerstörerischen Naturgewalt wirkte, akzeptierte Suter später als Teil der Gemälde.

Vivian Suter, Studio view, Panajachel, Guatemala, 2018
Courtesy of the Artist und Gladstone Gallery, New York/Brüssel; House of Gaga; Karma International und Proyectos Ultravioleta
Foto: David Regen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Seither bezieht sie die Natur als gestalterisches Element in ihre künstlerische Praxis ein und setzt die Leinwände bewusst ihren Einflüssen aus. Bei der Arbeit im Freien hinterlassen Regenwasser, herabfallende Blätter und Tiere ihre Spuren auf den grossformatigen Stoffbahnen. Bei näherer Betrachtung werden auch mit Farbe verkrustete Zweige und die Pfotenabdrücke ihrer Hunde Tintin, Nina und Bonzo ersichtlich. Losgelöst von der tropischen Umgebung, in der sie entstanden sind, zeugen ihre Gemälde auch in der Ausstellung von der Beschaffenheit des Waldes. ‘Es entsteht ein Garten aus Malerei, durch den die Besucherinnen und Besucher wandeln können’, erzählt Vivian Suter.

Vivian Suter, Studio view, Panajachel, Guatemala, 2018
Courtesy of the Artist und Gladstone Gallery, New York/Brüssel; House of Gaga; Karma International und Proyectos Ultravioleta
Foto: David Regen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In den letzten Jahren wurden ihre Arbeiten u.a. im Camden Art Centre, London (2020); Tate Liverpool (2019–2020); The High Line, New York (2019–2020); Institute of Contemporary Art, Boston (2019) und Mudam, Luxemburg (2019) gezeigt.

Vivian Suter, Studio view, Panajachel, Guatemala, 2018
Courtesy of the Artist und Gladstone Gallery, New York/Brüssel; House of Gaga; Karma International und Proyectos Ultravioleta
Foto: David Regen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

13. September 2020 – 14. Februar 2021

Vivian Suter
Bonzo’s Dream

Brücke-Museum
Bussardsteig 9
14195 Berlin
Deutschland

www.bruecke-museum.de

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Christmas Edition 2020

Besonders hochkarätiges Kunsthandwerk präsentiert die Handwerksform Hannover in der kommenden Ausstellung ‘Christmas Edition’ und beendet damit das diesjährige Ausstellungsprogramm. Die spezielle Edition wurde wieder von Dr. Sabine Wilp und Peter Stoschus zusammengestellt, die für das Ausstellungsgeschehen in der Handwerksform Hannover verantwortlich zeichnen. 39 Kunsthandwerker*innen aus acht verschiedenen Werkbereichen sind vertreten.

Minsoo Lee: Porzellangefässe
© Handwerksform Hannover
Foto freundlicherweise von Frau Dr. Wilp zur Verfügung gestellt

Die ‘Christmas Edition’ bildet auch den passenden Rahmen für die dritte Crafts Collection Niedersachsen, in der dieses Mal 23 Objekte zusammengeführt wurden.

Die Liste der Teilnehmer*innen sowie Fotoimpressionen sind auf der Website zu finden.

Zu sehen vom 21. November – 13. Dezember 2020 in den Ausstellungsräumen der Handwerkskammer Hannover.

Wer besonders viel Kunsthandwerk erleben möchte, der sollte das letzte Wochenende der Schau nutzen. Dann wird die Christmas Edition ein Wochenende lang durch einen bunten und vielfältigen grossen Kunsthandwerkermarkt – den Adventszauber 2020 – ergänzt.

Info:

21. November – 13. Dezember 2020

Christmas Edition 2020

Handwerkskammer Hannover
Berliner Allee 17
30175 Hannover
Deutschland

www.hwk-hannover.de/christmasedition2020

Der Eintritt ist kostenfrei

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Grenzenlos – Michael Buthes Künstlerbücher

Noch bis zum 7. März 2021 zeigt die Kunsthalle Mannheim in ihrer alten Bibliothek die Ausstellung ‘Grenzenlos – Michael Buthes Künstlerbücher’.

‘Es gibt überhaupt keine Kunst es gibt nur Leben. Und das ist einzig und allein alles. Nichts anderes.’ Im Werk von Michael Buthe (1944 – 94) sind Kunst und Leben ein untrennbares Ganzes. In rund 40 Tagebüchern, die zwischen 1963 und 1994 entstanden, verflechten sich persönliche Erinnerungen mit Zeichnungen und farbprächtigen Collagen, von denen ca. 30 Bücher gezeigt werden.

Michael Buthe: Ohne Titel, 1976-1977
Privatbesitz
Foto: Courtesy Galerie Judin, Berlin
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Foto freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

In Michael Buthes Tagebüchern entdeckt man anfänglich noch minimalistische Zeichnungen, die aber zunehmend von einer prächtigen Farbwelt verdrängt werden. Ab 1970 unternimmt der Künstler Reisen in den Orient und spätestens nach seinem längeren Aufenthalt in Marokko verändern sich Stil und Schaffensweise des Künstlers grundlegend. Collagen aus Zeichnung, Malerei, eingeklebten Alltagsgegenständen und Materialien besetzen die Fläche. Buthe verwendet alle erdenklichen, meist vom Alltag gezeichneten Materialien, die er mit Ornamenten, Texten und vor allem mit bunten, leuchtenden Farben zusammenfügt.

Michael Buthe: Ohne Titel, 1978-1979
Privatbesitz
Foto: Courtesy Galerie Judin, Berlin
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Foto freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Dabei integriert er sonst als kitschig empfundene Symbole wie Sterne, Herzen, Spiralen oder Glitzerfolien mit einer solchen Selbstverständlichkeit in seine Werke, dass diese als Ausdruck von Lebensfreude einen absolut schlüssigen Platz einnehmen. Selbst auf den übergrossen Formaten einiger Tagebücher reicht Buthe der zur Verfügung stehende Platz nicht aus. So stückelt er an, schafft in alle Richtungen mehrfach ausklappbare Seiten, mit deren Hilfe die Bildwelten in den Raum weiterwachsen.

Michael Buthe: Ohne Titel, 1976-1977
Privatbesitz
Foto: Courtesy Galerie Judin, Berlin
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Vier Mal nimmt Michael Buthe an der Documenta in Kassel teil, 1984 wird sein Werk im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig präsentiert. Es gibt wenige Künstler die sich so selbstverständlich und unbefangen zwischen den zeitgenössischen Stilrichtungen von Cobra, Zero, dem Informel, dem L´Art Brut und der Performance Kunst bewegen, sich ihrer bedienen und sie mit orientalischem und persönlichem Alltag anreichern.

Kurator: Dr. Thomas Köllhofer

Dem Kurator in der Ausstellung begegnen und Näheres über die Prachtbände und seinen Schöpfer erfahren kann man hier in dem Audio-Bericht von Eberhard Reuss (swr) oder im Video (dazu dann weiter nach unten scrollen).

Info:

2. Oktober 2020 – 7. März 2021

Grenzenlos – Michael Buthes Künstlerbücher

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
Deutschland

www.kuma.art

Auch interessant:

Ab dem 13. November 2020 widmet die Kunsthalle Mannheim Anselm Kiefer, einem der berühmtesten deutschen Nachkriegskünstler, eine grosse Sonderausstellung, die über vier Räume und zwei Etagen hinweg Skulpturen und Gemälde aus 30 Jahren zusammenträgt.

Flyer

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Lieselott Beschorner
Kunstbedürfnisanstalt

Lieselott Beschorner ist eine Einzelgängerin in der österreichischen Kunst. Die mittlerweile 93-jährige Künstlerin begann ihr Schaffen in den Trümmern des 2. Weltkriegs im Jahr 1945. Bis heute repräsentiert sie eine vielseitige und im besten Sinne skurrile Welt, die sie in ihrem Lebensraum – einem Wohnhaus mit Garten an der Stadtgrenze Wiens – als Gesamtkunstwerk ausbreitet. Inmitten dieser Welt schafft sie Werke mit immer neuen Materialen und künstlerischen Techniken.

Lieselott Beschorner, Portrait mit ‘Puppas’, 1982
© Wien Museum MUSA
Foto: Hansi Hubmer, freundlicherweise von der Landesgalerie zur Verfügung gestellt

In der Welt von Lieselott Beschorner gehen Kunst und Leben ineinander über. lhr Lebensraum in Wien-Gersthof, den die Künstlerin seit 1942 bewohnt, ist gleichermassen Lebens- und Wirkungsgebiet. In den fast acht Jahrzehnten ihres Schaffens errichtete Beschorner ein Universum, das ohne Vergleich dasteht und dessen Zentrum immer sie selbst ist. Eine verwirrende Vielfalt an Medien, Stilen und immer neuen Bild- und Gestaltungsideen zieht Besucher*innen ihres Hauses in ihren Bann. Akte, Abstraktionen, fantastische Gesichter als ‘Groteskerien’ und ‘Emotionalien’, Collagen, textile Figuren, Tonköpfe und Masken, Reliefbilder, gestaltete Pappbüsten; Beschorner macht alles zu Kunst, das ihr unterkommt. Fundstücke und Sammelobjekte – von Schlüsseln bis zu Töpfen, im Garten und den lnnenwänden des Wohnhauses – sind ebenso Teil dieses wundersamen Biotops.


Lieselott Beschorner: o.T., aus der Serie ‘Groteskerien’, 1971
Filzstift auf Papier, 17,5 x 13,8 cm
© Wien Museum MUSA
Foto freundlicherweise von der Landesgalerie zur Verfügung gestellt

Als eine der ersten Frauen wurde Beschorner 1951 Mitglied der Wiener Secession. Die nächsten beiden Jahrzehnte brachten beachtliche Ausstellungserfolge, bevor es seit den 1980er Jahren ruhig um Beschorner wurde und die Künstlerin wenig Beachtung fand. Dieser Dornröschenschlaf wurde 2011 durch eine Ausstellung mit begleitender Publikation im Wien Museum MUSA unterbrochen.

Die Landesgalerie Niederösterreich würdigt die Künstlerin mit einem Schwerpunkt auf Tonarbeiten und Keramiken und hält dabei das Gesamte im Schaffen der Künstlerin im Auge.

Eine Ausstellung der Landesgalerie Niederösterreich in Kooperation mit dem Wien Museum
Kuratoren: Berthold Ecker und Christian Bauer

Info:

7. November 2020 – 14. März 2021

Lieselott Beschorner
Kunstbedürfnisanstalt

Landesgalerie Niederösterreich
Museumsplatz 1
3500 Krems an der Donau
Österreich

www.lgnoe.at

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4. Ausstellung der Handnähgruppe Bad Bellingen

Im Rahmen eines offenen Ateliers zeigt Barbara Wartenberg ab dem 16. November 2020 in ihren Atelierräumen (die Galerie BW – Barbara Wartenberg musste sie coronabedingt schliessen) die 4. Ausstellung der Handnähgruppe Bad Bellingen.

Plakat

Die Handnähgruppe Bad Bellingen stellt im 2-Jahres-Rhythmus aus und zeigt ihre neuesten Arbeiten, alles handgenäht. Auch dieses Mal sind wieder wunderschöne Quilts und Patchworkarbeiten zu sehen.

Info:

16. November 2020 – 29. Januar 2021

4. Ausstellung der Handnähgruppe Bad Bellingen

Barbara Wartenberg
Atelier & Galerie
Rheinstrasse 15
79415 Bad Bellingen
Deutschland

www.galerie-bw.de

Öffnungszeiten:
Di, Do und Fr: 15 – 18 Uhr

Coronabedingt gilt: nur 2 Personen gleichzeitig / Maskenpflicht / Abstand 1,5 m / bitte Handschuhe benutzen.
Es empfiehlt sich daher eine telefonische Terminvereinbarung.

***

Keep Your Eye on the Planet
Internationale Textilkunst

Auch mich hat der Newsletter von Pascale Goldenberg erreicht – hier hat sie ausserdem einen ausführlichen und berührenden Bericht über ihre letzte Reise nach Afghanistan veröffentlicht – und ich entnahm den Neuigkeiten auch, dass nach langer Zeit endlich mal wieder eine Ausstellung stattfinden wird, bei der man sicherlich auch die wunderbaren afghanischen Stickereien erwerben und dadurch das Projekt unterstützen kann:

‘Keep Your Eye on the Planet’ – ein Stickereiprojekt, das Pascale Goldenberg und die Deutsch-Afghanische Initiative (DAI e.V.) initiierten und organisieren – ist ab dem 11. November 2020 im hessischen Rodgau zu sehen. Diese Ausstellung wirft einen künstlerisch-kritischen Blick auf unsere Welt. Die textilen Interpretationen sind sowohl thematisch als auch technisch höchst facettenreich umgesetzt und gehen sowohl auf ökologische als auch auf politische und gesellschaftliche Aspekte ein.

Plakat
© Stadt Rodgau

Zuerst waren die Stickerinnen in Afghanistan an der Reihe, es ging um Stickereien in Augenform. Um am internationalen Wettbewerb teilzunehmen, mussten dann die europäischen Teilnehmer*innen mindestens eine Stickerei in eine nach eigenem Entwurf zu fertigende künstlerische Textilarbeit in der Grösse von 60 x 60 cm integrieren. Aus den eingereichten aus 12 europäischen Ländern stammenden 113 Bewerbungen wählte eine Jury (die Jurorinnen waren: Elsbeth Nusser-Lampe, Gabi Mett und Hilde van Schaardenburg) 45 Arbeiten für die Wanderausstellung aus.

Die zu dem Projekt erschienene Publikation ‘Keep Your Eye on the Planet’ (hier geht es zu meinem Buchtipp) bildet alle 45 Arbeiten ab und präsentiert darüber hinaus weitere Initiativen im Sinne des Wettbewerbsthemas sowie Kurzgeschichten aus Afghanistan, die Tradition und Realität vor Ort veranschaulichen.

Weiteres zu dieser Ausstellung mit vielen Fotos findet man hier

Übrigens ist der nächste internationale Wettbewerb ‘HAND in HAND’ derzeit ausgeschrieben – vgl. bitte hier im blog. Das Projekt ist für jeden aus der EU und der Schweiz offen. Die Anmeldung ist geöffnet, ab sofort können Bewerbungen online einreicht werden. Anmeldeschluss ist der 31. Mai 2021.

Weitere Informationen und die genauen Teilnahmebedingungen sind auf der Guldusi-Website zu finden: www.guldusi.com

Info:

11. November 2020 – 13. Januar 2021

Keep your eye on the planet
Internationale Textilkunst

Rodgau-Galerie
Dudenhofen
Nieuwpoorter Strasse 90
63110 Rodgau
Deutschland

www.rodgau.de

Eröffnung:
Mi, 11. November 2020, 18 – 21 Uhr
NUR mit Voranmeldung!

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Vision Herbst Winter 2021/22

In der Lounge des Textilmuseums St. Gallen ist eine Auswahl von Stoffen aus den aktuellen Herbst/ Winter-Kollektionen der Schweizer Textilherstellen zu sehen und zu fühlen.

VISION Herbst Winter 2021/22
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Naturtöne wie Braun und Grün kündigen den Herbst an und glitzernde Stoffkombinationen in feierlichen Farben wie Gold und Silber in Kombination mit kräftigen Farben begleiten in die Wintersaison. Gezeigt werden Innovationen für viele Bereiche, wie Lingerie, Heimtextilien, Damen- und Herrenbekleidung. Die Ausstellung macht die Weiterentwicklung im Bereich der Technik, den Materialien und Ausführungen sichtbar. Ergänzend zeigt Swiss Textiles eine Präsentation zur Entwicklung in der Textilbranche.

Info:

24. Oktober 2020 -18. April 2021

Vision Herbst Winter 2021/22

Textilmuseum St. Gallen
Vadianstrasse 2
9000 St. Gallen
Schweiz

www.textilmuseum.ch

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Vintage Fashion
Paper Dolls aus der Sammlung des Wirtschaftswundermuseums

Von Filmstars und Stilikonen wie Marylin Monroe, Jackie Kennedy, Elizabeth Taylor, Rock Hudson oder Doris Day bis hin zu Queen Elizabeth II, Barack Obama oder Twiggy: Das ‘Paperdolluniversum’ dieser Ausstellung, die noch bis zum 21. März 2021 im Feld-Haus in Neuss zu sehen ist, entführt Besucherinnen und Besucher in die glamouröse Welt von Mode, Film und Popkultur sowie in längst vergangene Kindertage – ein wahrer Genuss für Retro-Fans.

Twiggy. Magic Paper Doll
1967, Whitman Publishing Company
Foto: Wirtschaftswundermuseum, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Lange vor social media brachten Papier-Ankleidepuppen den Glanz europäischer Königshäuser oder der Traumfabrik Hollywood unmittelbar in die heimischen Wohnstuben, erfreute sich das preiswerte Kinderspielzeug doch bereits seit 200 Jahren grosser Beliebtheit. Der technologische Fortschritt im 19. Jahrhundert und die damit einhergehende drastische Senkung von Druckkosten führte …

Jackie & Caroline
Wonderful Paper Dolls
1960er Jahre, Magic Wand Corporation
Foto: Wirtschaftswundermuseum, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… zu einer wahren Flut illustrierter Papier-Ephemera und einer ersten Blütezeit der Papierpuppen. Bald wurden diese in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, als Spielzeug und auch als Vermittler aktueller Modetrends.

Rock Hudson
2 Cut-Outs, 1957
Whitman Publishing Company
Foto: Wirtschaftswundermuseum, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Als ‘Goldenes Zeitalter der Papierpuppen’ in den USA gelten in Folge der Weltwirtschaftskrise die 1930er bis 1950er Jahre. Das preisgünstige Papierspielzeug war für jedermann erschwinglich.

Doris Day
1955, Whitman Publishing Company
Foto: Wirtschaftswundermuseum, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Von der Traumhochzeit über die Freizeitkultur bis hin zur sich im kommenden Jahr zum hundertsten Mal jährenden Miss America Wahl: Das ‘Paperdolluniversum’ vermittelt im Kleinen die Welt der Grossen. Eben hierin gelten die Papier-Anziehpuppen als eine der Inspirationsquellen für die wohl berühmteste Puppe der Welt: Barbie. Von den frühen 1960er Jahren bis 1990 war diese auch in Papier ein Verkaufsschlager.

Florence Sarah Winship, Grace Kelly
Cut-Out Dolls, 1956, Whitman Publishing Company
Foto: Wirtschaftswundermuseum, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Rund 70 Objekte, vorwiegend aus den 1950er bis 1970er Jahren, darunter Comics, Bilderbögen, Papierpuppen-Hefte und Spielkartons gewähren vielfältige Einblicke in das farbenprächtige, verspielte und nicht selten glamouröse Universum der Paper Dolls. Zugleich legen die Exponate aus der Sammlung des virtuellen Wirtschaftswundermuseums eindrücklich Zeugnis über Kultur, Ideale, Ideologien und gesellschaftliche Normen ihrer jeweiligen Entstehungszeit ab.

Info:

6. September 2020 – 21. März 2021

Vintage Fashion
Paper Dolls aus der Sammlung des Wirtschaftswundermuseums

Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik
Berger Weg 5
41472 Neuss
Deutschland

www.clemens-sels-museum-neuss.de

***

Bitte beachten Sie auch die Ausstellungsvorschau …

… in den Ausstellungstipps Oktober 2020. Bereits ausführlich und mit Fotos angekündigt wurden hier die beiden Ausstellungen:

Plakat

‘Drachen aus goldenen Fäden. Chinesische Textilien aus der Sammlung des Deutschen Textilmuseums Krefeld’, vom 1. November 2020 – 2. Mai 2021 im Deutschen Textilmuseum Krefeld.

Info:

www.krefeld.de/textilmuseum

sowie

Plakat

‘Ursula Waldburger: Sekundenschlaf – gestickte Blitzgeschichten …’ vom 2. November – 18. Dezember 2020 in der Galerie TextilAltro, 8640 Rapperswil (Schweiz).

Info:

www.textilaltro.hsr.ch
www.waldburgerstickerei.ch

… und dann noch:

Hot off the press!

Auch Textilkünstler*innen haben es derzeit nicht leicht. Ausstellungen finden kaum statt, Messen sind gecancelt, Gelegenheiten, um durch den Verkauf eines Werkes, Kurse, Kataloge, Bücher oder sonstiges etwas zu verdienen, sind dünn gesät. Daher möchte ich gerne auf zwei Angebote hinweisen, die gleichzeitig auch eine Geschenkidee wären – Weihnachten kommt bestimmt:

Gabi Mett hat die Druckerpressen laufen lassen. Herausgekommen sind

selbstgestaltete Stoffe und
ein neues Buch, zusammen mit ihrem Mann Robert Horn.

Am besten, man besucht ihren Blog, um alles darüber zu erfahren, warum der Mond grün ist und was hinter TEX-IT 2 steckt.

Isabelle Wiessler hat sich mit dem Thema Online-Kurse beschäftigt und sucht nun Teilnehmer*innen, die schon im November etwas tun wollen. Auf ihrer Website gibt es die Details dazu.

Info:

Gabi Mett: www.gabi-mett.de

Isabelle Wiessler: www.isabelle-wiessler.de

***

Ausstellungsverlängerungen:

Das Staatliche Textil- und Industriemuseum tim (tim) in Augsburg verlängert seine Sonderausstellung ‘Amish Quilts meet Modern Art‘ bis zum 24. Januar 2021, ursprünglich sollte im Oktober Schluss sein.

Felix Weinold: Vanity Fair, 2014
Amish Quilts: Sammlung Wurzer, München
Foto: Felix Weinold, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Meinen Bericht zur viel beachteten Ausstellung findet man in den Ausstellungstipps Mai 2020 – Teil 2

Info:

tim | Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg
Provinostrasse 46
86153 Augsburg
Deutschland

www.timbayern.de

***

Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt verlängert zwei seiner Ausstellungshighlights bis 2021:

Life doesn’t frighten me. Michelle Elie wears Comme des Garçons
Verlängert bis 3. Januar 2021
Meinen Bericht zur umfangreichen Ausstellung findet man in den Ausstellungstipps Mai 2020

ANETTE LENZ. à propos
Verlängert bis 28. März 2021
Meinen Bericht zur ersten Einzelausstellung der deutschen Grafikdesignerin findet man in den Ausstellungstipps Juli 2020

Zu beiden Ausstellungen gibt es jeweils ein Ausstellungsbooklet gegen eine Schutzgebühr von 1,50 Euro, erhältlich an der Kasse.

Info:

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
Deutschland

www.museumangewandtekunst.de

Seit dem 19. Oktober 2020 gelten neue Öffnungszeiten im Museum Angewandte Kunst:
Mo: geschlossen
Di: 12 – 18 Uhr
Mi: 12 – 20 Uhr
Do – So: 10 – 18 Uhr
Besondere Regelungen an Feiertagen

***

Abgesagte Events:

Alle noch für 2020 geplanten Knitting & Stitching Shows, z.B. zuletzt in London, in Harrogate oder Dublin wurden abgesagt und werden ab November 2020 zum virtuellem Event.

Der gleiche Londoner Veranstalter (Upper Street Events) ist auch für das Festival of Quilts verantwortlich. Unter dem Titel ‘Beyond The Festival of Quilts’ gibt es ein digitales Angebot von Masterclasses und anderen Fortbildungsmöglichkeiten (in englischer Sprache).

Info:

www.theknittingandstitchingshow.com

www.thefestivalofquilts.co.uk

***

Die Pariser Handarbeitsmesse Salon Aiguille en fête wurde schon mehrmals in diesem Jahr, zuletzt auf November 2020 verschoben. Sie ist aber nun für 2020 annulliert, wurde auf den Zeitraum vom 18. – 21. März 2021 terminiert und soll dann wie zuvor auf dem Messeglände an der Porte de Versailles in Paris stattfinden.

Info:

www.aiguille-en-fete.com

***

Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die Besuchsmodalitäten und die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere zahlreiche Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

13 Antworten

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  • Cornelia Zürcher

    Toll, was da wieder zusammengekommen ist! Vielen Dank für diese interessanten Infos und Hinweise!

     

    • Gudrun Heinz

      halli hallo fau zürcher,

      merci vielmal für die lobenden worte. an dem, was da zusammengekommen ist, sind sie mit ihren feinen veranstaltungen auch meist beteiligt, so ja auch diesmal. und das wiederum freut mich persönlich sehr. sollte es zu ihrer ausstellung ‘Ein Friedensvogel im Paradies’ noch eine virtuelle version geben, bitte her mit dem link!

      alles gute und

      beste grüsse

      gudrun heinz

  • Luitgard Möschle

    Hallo Gudrun,

    hier noch ein Tipp auf eine “virtuelle” Ausstellung/Veranstaltung in den Niederlanden:

    Textiel Plus Festival

    Het eerste online textielfestival van Nederland!

    – 12 t/m 14 november 2020 –

    https://textielplusfestival.nl/

    Vielleicht ein kleiner Ausgleich für das Ausfallen der vielen geschlossenen Ausstellungen.

    Viele Grüße

    Luitgard

     

    • Gudrun Heinz

      halli hallo luitgard,

      ganz vielen dank für diesen schönen tipp. klasse, dass du daran gedacht hast, ihn hier zu veröffentlichen und ihn mit vielen leser*innen zu teilen.

      mach’s gut und

      beste grüsse

      gudrun

  • monika

    DANKE, liebe Gudrun! JA, gerade jetzt brauchen wir was Schönes für die Augen und die Seele! Hoffentlich schaffen es alle KünstlerInnen durch diese Krise!!  Alles Gute wünscht Dir    monika

    • Gudrun Heinz

      halli hallo monika,

      wie schön von dir zu hören, freue mich sehr über deinen kommentar, vielen dank! die künstler*innen haben es besonders schwer, aber jetzt brauchen wir, denke ich, alle einen sinn dafür, dass wir es nur gemeinsam gut schaffen können. also, halten wir zusammen, unterstützen uns gegenseitig und halten durch. und wenn es mir gelungen sein sollte, auch nur hier und da einen positiven gedanken zu wecken, einen durchhänger zu vertreiben, dann freut mich das sehr.

      auch für dich und deine lieben alles gute,

      beste grüsse

      gudrun

  • ursula brenner

    NA DAS GIBT HEUTE WIEDER EINE NACHT !!!

    die farben, formen, ideen, das licht, die ganzen stiche und die energie und phantasie, die umsetzung der collagen von bratescu in mode und mode, die über die zeiten geht, und wie die museen das so wunderbar präsentieren – da haben meine grauen zellen ganz schön “zucker bekommen” und dürfen heute eine nachtschicht einlegen.

    vielen vielen herzlichen dank für den strahlenden herbstblumenstrauß, den du uns in dieser schwierigen zeit schenkst, liebe gudrun! bleib´ gesund, das ist das wichtigste, und das wünscht dir von herzen – uschi

    • Gudrun Heinz

      halli hallo uschi,

      NA WENN DAS KEIN LOB IST !!!

      da haben dich die ausstellungstipps geflasht und mich deine zeilen – dafür ein dickes danke schön an dich, liebe uschi. was bei deinem brainstorming herausgekommen ist, werde ich ja bestimmt irgendwann mal erfahren, ich bin schon gespannt. aber wie ich dich kenne, ist es wieder etwas mit pfiff(en).

      jetzt müssen wir alle sehen, dass wir den november gut überstehen, damit es danach wirklich wieder aufwärts geht und nicht noch weiter in die krise hinein. dazu werde ich als nächstes meinen stoffschrank aufräumen und durchsortieren, das will ich schon seit wer weiss wie lange machen und ist sehr nötig. es wird sich doch hoffentlich nicht zum monatsprojekt auswachsen, denn eigentlich wollte ich noch meine aurora schnurren lassen 🙂

      also, mach du und alle, die es hier lesen, es gut – GESUND BLEIBEN!

      die allerbesten grüsse

      gudrun

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,

    ja, es ist nicht einfach zur Zeit, aber deine Berichte muntern auf. Wieder ein spannender Überblick. Die Ausstellung der Handnähgruppe interessiert mich sehr. Werde mal auf die Website gucken. Bleib gesund und viele Grüße

    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      herzlichen dank auch dir. ich bin froh, dass mein beitrag nicht nur als stimmungsaufheller – immerhin rezeptfrei! – dient, sondern auch anregungen bietet und vielleicht kontakte fördert, kontakte via web natürlich. wende dich doch mal an barbara, sie ist sehr nett und gibt dir bestimmt noch infos, die über den webauftritt hinausgehen.

      ein schönes wochenende und mach’s gut!

      beste grüsse

      gudrun

      • Birgit Berndt

        Hallo Gudrun,

        danke für den Tipp, das werde ich machen.

        Viele Grüße und noch einen schönen Sonntag.

        Birgit

  • ERIKA BORNEMANN

    Liebe Gudrun,

    zunächst einmal DANKE für das Vergnügen zu schmökern.

    Ja, schade, dass wir uns momentan im Stillstand befinden aber wenigstens können wir über diesen Weg ein wenig Farbe in die Situation bringen.

    Mir haben die Serien von Geta Bratescu sehr gut gefallen und ich könnte mir gut vorstellen, aus diesen Reihen einen Quilt zu machen-

    Vielen Dank für die vielfältigen Eindrücke, die du uns wieder einmal präsentierst.

    Hoffen wir, dass auch die Künstler bald wieder ihre Arbeit aufnehmen können.

    Bleib gesund und herzlich gegrüßt.

    Erika

    • Gudrun Heinz

      halli hallo erika,

      1000 dank zurück – ich freue mich sehr über deinen kommentar.

      ja, die künsterinnen und künstler aus den kreativen sparten haben es besonders schwer. da müssen ideen her. ‘kinder, schafft neues’, lautet richard wagners bekannte devise, der jetzt die oper leipzig folgt. um den ‘lohengrin’ doch noch aufführen zu können, hat man eine gekürzte version erarbeitet und die aufführung auf heute vorverlegt. unter den gegebenen umständen und in der kürze der zeit einfach prima!

      ein schönes wochenende und alles gute!

      beste grüsse

      gudrun

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