Kreative Artikel zum Thema Nähen

BH nähen – Schnittanpassung, das Unterbrustband

Hallo liebe Nähbegeisterte, wie versprochen, habe ich heute wieder einen Beitrag zum Thema BH nähen für euch. Im Fokus stehen dieses Mal Schnittanpassungen, die wie ja alle oftmals vornehmen müssen. 

Wie man grundsätzlich einen BH näht und was dazu benötigt wird, könnt ihr hier gerne nachlesen. Der Beitrag ist schon mehr als zwei Jahre alt und zwischenzeitlich habe ich noch ein Vielfaches dazugelernt.

BH nähen, Anpassung des Schnittmusters

Wir starten mit Anpassungen im Bereich des Unterbrustbands. Warum? Nun, weil ich gerade beim letzten Projekt eine solche Anpassung vornehmen musste. Grundsätzlich würde ich aber empfehlen, bei Anpassungen immer zuerst im Bereich der Träger zu beginnen, dann zum Unterbrustband, Mittelstück etc. zu gehen und sich erst als letztes den Körbchen zu widmen. 

Konkret habe ich mir das neue Schnittmuster von Pinup Girls Patterns gekauft – das Diamond Bustier. Diesen Schnitt gibt es leider nur physisch. Bestellen könnt ihr ihn direkt bei Bramakersupply oder aber bei BWear. Wohnt ihr in Europa, würde ich euch die zweite Adresse empfehlen. Dort gibt es übrigens auch wunderbare BH-Zutaten; es ist ein richtiger One-Stop-Shop.

Die Spitze habe ich von Spitzentraum.ch auch dort finde ich immer wieder schöne BH-Utensilien (die Bügel übrigens auch, das sind die aus der Serie Gelb in Gr. 115).

Probemodell 1

Für die Grösse habe ich mich bei meinem ersten Probemodell an die Angaben der Schnittdesignerin gehalten und ein 36 inch in 5 BCD vernäht. Bei der Methode BCD (Bottom-Cup-Depth also Unterkörbchenhöhe) wird vom Brustansatz bis zum Brustpunkt gemessen und basierend auf diesem Ergebnis die Körbchengrösse gewählt. Von den Massen her fiel ich so zwischen 4.75 und 5 und habe mich daher für das grössere Körbchen entschieden.

Für die Zutaten des Probemodells habe ich mich für Materialien entschieden, die dem Ergebnismaterial nahe kommen, aber für mich nicht so “kostbar” sind.

Hier ist das erste Ergebnis. Das Unterbrustband sitzt nicht gut.

Schon bei der seitlichen Betrachtung fällt auf, dass sich die Körbchen “abheben”. So fühlt es sich auch beim Tragen an. Das Unterbrustband ist zu gross und gibt keinen Halt.

Anpassung des Unterbrustbandes

Somit war für mich klar, dass ich das Unterbrustband nochmals neu zeichnen musste. Ich wusste, dass ich die obenerwähnten Bügel verwenden wollte und habe daher das neue Unterbrustband basierend auf diesem Bügel gezeichnet. Dazu legt ihr den Bügel auf ein Papier (oder Schnittmusterpapier) und malt den Verlauf nach. Anschliessend gebt ihr oben etwa einen halben cm “Spiel” dazu. Denn wenn der Bügel im Bügelband zu knapp vernäht wird, wird der Druck auf die entsprechende Stelle sehr stark und der Bügel könnte das Bügelband beschädigen und euch dann später “stechen”.

Wie ihr unten auf dem Bild sehen könnt wird anschliessend die Bügellinie seitlich etwas “geöffnet”(gestrichelte Linie). Das hängt damit zusammen, dass der Bügel im BH beim Tragen mit dem Zug auf dem Unterbrustband ebenfalls etwas aufgeht. Ich habe sehr feste Bügel, weswegen ich die Bügellinie seitlich nur ca. 5 mm verschoben habe. Die Länge der vorderen Mitte habe ich exakt vom bisherigen Schnittmuster übernommen. Nun geht es nur noch darum, von der vorderen Mitte weg die breite des vorderen Unterbrustbandes zu bestimmen. Dazu habe ich meinen Unterbrustumfang gemessen und geviertelt (der Schnitt wird ja im Bruch zugeschnitten).

Im rechten Winkel zur vorderen Mitte habe ich also die vordere Breite eingezeichnet (grüne Linie). 5 cm unterhalb kommt dann die untere Kante des Stoffes zu liegen. Also habe ich 5 cm unterhalb der Unterbrustlinie gemessen, wie breit das vordere Schnittteil dort sein muss, dieses Mass geviertelt und ebenfalls im rechten Winkel zur vorderen Mitte eingezeichnet. Die beiden Endpunkte werden miteinander verbunden, wobei die Linie bis oben ausgezogen wird. Im rechten Winkel zu dieser Linie fahrt ihr nun hoch, bis ihr den Endpunkt (inkl. Spiel) des eingezeichneten Bügels schneidet. Nun müssen nur noch die Nahtzugaben eingezeichnet werden (braun).

Der Winkel der linken Seite des Vorderteils beträgt 95°. Das kann bei euch aber anders sein und hängt damit zusammen, wie Gross die Differenz zwischen Unterbrustlinie und Unterbrustlinie + 5 cm ist. Dieser Winkel (und die Länge der Linie) wird nun auch für die Rückenpassage übernommen, schliesslich sollen die Schnitteile schön aufeinanderpassen.

Ebenfalls muss die grüne Unterbrustlinie weitergezogen werden. Damit man in einem BH überhaupt atmen kann ist das Rückenteil aus einem elastischen Stoff. Würde ich hier ebenfalls für die Breite direkt mit einem Viertel rechnen, würde dies der Elastizität des Stoffes keine Rechnung tragen. Ich habe daher den oben errechneten Viertel nochmals mit 0.85 multipliziert. Damit wird dieses Teil kürzer als das vordere.

Nun muss nur noch anhand eurer gewünschten Verschlusshöhe der Abschluss eingezeichnet werden. Ich plane einen Verschluss mit sieben Haken und habe daher am Hakenband ausgemessen, wie hoch der Verschluss daher sein muss. Dass der Verschluss nicht exakt mittig platziert wurde, liegt daran, dass ich gerade im oberen Bereich guten Halt benötige.

Hier ist der Vergleich zum selbst gezeichneten Schnitt…

Probemodell 2

Modell Nummer 2 passte viel besser. Das Unterbrustband ist aber noch eine Kleinigkeit zu gross. Das löste ich, indem ich im Rückenbereich 1 cm entfernte (was ja letztlich gesamthaft 2cm ausmachte).

Die von mir verwendeten Bügel sind höher als diejenigen des ursprünglichen Schnitts und die Körbchen habe ich ja nicht an die neuen Voraussetzungen angepasst. Das habe ich in diesem ersten Schritt bewusst nicht getan, weil ich zuerst sehen wollte, wie die neue Ausgangslage ist. Immer eins nach dem anderen!

Fazit: Das Körbchen ist definitiv zu voll, weshalb ich auf die 4.75 runtergehe. Zusätzlich habe ich für einen besseren Halt die Rückseite und die Seite erhöht. Da die Nahtlinie der zusammengenähten Körbchen nun etwas kürzer ist als die Bügellinie, habe ich diese Differenz beim oberen Körbchenschnitteil dazugegeben. Das funktioniert aber nur, wenn die Differenz nicht zu gross ist. (Dazu kommen wir aber in einem späteren Beitrag noch).

Hier die zusätzlichen Schnittanpassungen.

Das Ergebnis – der fertige BH

Zuerst musste ich die passenden Nähzutaten einfärben. Selbstverständlich kann man sich die passende Farbe auch als “Findings-Kit” im Internet bestellen. 

Das Laminat ist aus Polyester, der Rest des Materials zu einem grossen Teil aus Nylon. Ich hatte keine Spezialfarbe zum einfärben von Polyester, weshalb nur das Nylon die Wunschfarbe schön aufgenommen hat.

Die Körbchen wurden ganz gewöhnlich zusammengenäht. Schöne Spitze oder?

Damit der Unterbrustgummi schön zwischen Futter und Spitze zu liegen kommt. Habe ich die Seiten nur bis ca. 3 cm vor der unteren Kante geschlossen. Anschliessend habe ich Spitze und Futter separat zusammengenäht und den Gummi auf die rechte Seite des Futters genäht. Anschliessend wird das Ganze umgeklappt…

… und unter die Spitze gelegt. Die Spitze habe ich dann mit einem Zickzackstich auf den Gummi genäht. Ganz rechts seht ihr, wie dies auf der inneren Seite aussieht.

Dann das Unterarmpikot annähen.

Dann werden die Körbchen (versäubert mit Falzgummi) in das Unterbrustband genäht.

Das Diamond Bustier wird vorne mit fünf Stäbchen verstärkt. Diese Verstärkung würde ich euch auf jeden Fall empfehlen, falls ihr starke Rundungen habt. Ich habe mir Plastik-Stäbchen beim Fachhandel besorgt. 

Hier ist das Stäbchenband. Es ist sehr formbar, aber knickt nicht ein. (Das Einknicken habt ihr sicher auch schon bei einem gekauften Bustier erlebt – so was von mühsam).

Die Stäbchen werden ins eingenähte Bügelband (es gäbe auch Stäbchenband) geschoben, Bügel reingepackt, alles geschlossen und dann muss nur noch der Verschluss dran.

Und hier ist das Ergebnis. Ein richtiger Herbststurm.

Wenn ich mir das nun so anschaue, könnten das eigentlich auch Flammen sein… hmmm?

Und die Rückenansicht.

Wenn endlich die Polyester-Farbe reinkommt, dann werde ich wohl den Verschluss nochmals auftrennen, dunkelbraun einfärben und nochmals einnähen. Dann ist die Optik noch besser.

Zwischenzeitlich dürft ihr gerne auch einen Blick auf mein Instagram-Profil werfen. Dort unterhalte ich euch auch gerne zwischen den Blogbeiträgen.

Viel Spass beim Nähen!

Nadine

PS: Fast hätt ich’s vergessen. Der BH passt wie angegossen und gibt perfekten Halt!

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: ein Wochenende
Verwendete Produkte:
BERNINA 590
BERNINA 590

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Antworten

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  • Monique Groom

    What a stunning piece of lingerie!  I’ve been sewing for 51 years and have yet to make my own lingerie……maybe it’s time to start?

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